
Steinkohle
Ein anderer Brennstoff, der
im Iburger Gebiet gefördert wurde, war die Steinkohle aus der
Wealden-Zeit vor ca. 135 Millionen Jahren.
Der Iburger Arzt Dr. Ludwig Alfred Lamby schrieb im Dezember 1865: "Die reichen
ausgedehnten Kohlenlager dieser Gegend an der Südseite des
Dörenbergs, zum Theil nahe Iburg gelegen, würden ... bald
erschlossen werden durch eine rege Kohlenindustrie, die im ganzen
Münsterlande ihren Markt fände und auch dort Erweiterung der
Industrie zur Folge haben würde."
Tatsächlich forderte das Königliche Kabinett-Ministerium in
Hannover 1823 die Landdrostei Osnabrück zu geologischen
Untersuchungen des südlichen Osnabrücker Berglandes auf. Ein
Grund resultierte aus Äußerungen Iburger Einwohner über
bedeutende Kohlenfunde bei früheren Schürfarbeiten. Dazu der
Berginspektor J. H. Terheyden III, der den Auftrag zur
Untersuchung erhielt: "mehr auch, um der Meinung der Iburger
zu genügen, war sie unternommen ..." und " ... weil
diese Kohlenschmitze (!) viel Schwätzens in der Gegend
veranlaßt hatten, ...". Den alten Schurf hatte schon sein
Vater 40 Jahre vorher am Herrenrest, an der Straße von Iburg
nach Borgloh, anlegen lassen. Ein neuer, 127 m langer und tiefer
angesetzter Stollen traf eine Kohlenschmitze von 6 bis 9 Zoll
(ca. 15 - 20 cm) Mächtigkeit. "Doch Freude konnte der Fund
wenig machen", heißt es bei Terheyden, und er stufte den
Fund als unbauwürdig ein.
Bereits um 1790 hatten am Dörenberg sieben Heuerleute auf eigene
Faust Kohleschürfungen vorgenommen. Man hatte auch eine 13 Zoll
mächtige gute Lage in einer Teufe von 14 Fuß gefunden, doch
mußten, da dies Unterfangen in weiten Kreisen bekannt geworden
war, auf Verlangen die Arbeiten eingestellt werden. Außerdem war
während zweier Feiertage das Holz zusammengebrochen und
infolgedessen der Schacht eingefallen.
Nachdem am 04. Juni 1856 zur Errichtung eines großen
Eisenhüttenwerks die Aktiengesellschaft
"Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein" gegründet
wurde, ließ sich die Gesellschaft am 22. August 1857 die
Bergrechte für das Steinkohlenfeld "Dörenberg"
verleihen. Es wurde an zwei Stellen westlich der alten Straße
Iburg - Oesede gesucht: im nördlicheren Schurfschacht wurde ab
1857 bis 1884 geringfügig Kohle abgebaut. Der südlich gelegene
Versuchsschacht hatte eine Schachtteufe von 16,82 m und diente
lediglich der Erforschung des Kohlenlagers - die Schürfungen
waren jedoch negativ. Später versuchten Private die Kohlen durch
einen vom "Roten Loch" aus gegen den Schacht der Hütte
getriebenen Stollen zu erreichen, gaben jedoch den Versuch wieder
auf.
Am 25.02.1858 wurden die Bergrechte für das Feld
"östliches Vereinsfeld" angekauft, welches am
16.07.1868 in "Hilterberg" umbenannt wurde. Das Feld
befand sich südlich des Gipfels vom Kleinen Freeden und
nördlich vom Abhang des Großen Freedens im Gebiet der Gemeinden
Iburg und Hilter. Bereits 1859 waren bei Schürfarbeiten vier
Kohlenflöze nachgewiesen worden. Wegen unzulänglicher
Transportmöglichkeiten verzichtete man aber vorerst auf einen
Abbau. Spätere Schwierigkeiten beim Kohlenbezug, bedingt durch
noch nicht fertiggestellte Bahnanschlüsse und den
Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, machten den Kohlenabbau am
Hilterberg wieder interessant.
1872 begann der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein vom
Schlochterbachtal aus mit dem Bau des Karlsstollens. Er wurde,
versehen mit zwei Luftschächten, 920 m nach Südsüdwesten
vorangetrieben. Mitte 1874 war der Stollen fertiggestellt und im
November 1874 begann sodann mit 48 Beschäftigten ein durch
vielfältige Verwerfungen erschwerter Betrieb. Von der Sohle des
Karlsstollens aus erstreckten sich die Grubenbaue in mehreren
Etagen übereinander, den Kohleschichten folgend, nach Osten und
Westen. Abgebaut wurden die Flöze III mit ca. 60 cm Mächtigkeit
und Flöz IV mit ca. 40 cm Mächtigkeit.
1885/86 wurde 920 m östlich vom Antriebspunkte des Karlsstollens
ein kleiner Tiefbauschacht, der 1. bzw. alte Tiefbauschacht, niedergebracht. Von hier gelangte die Kohle
mittels einer 1.630 m langen Drahtseilbahn zum Bahnhof
Wellendorf. Zwischen 1891 und 1893 deckte die Zeche den gesamten
Kohlenbedarf, die das Stahlwerk Osnabrück für die Gaserzeugung
benötigte.

Querprofil
Alter (1.) Tiefbauschacht der Zeche Hilterberg
[Relikte Wealden-Bergbau (Galerie)]
1892 wollte man in unmittelbarer Nähe einen größeren
Tiefbauschacht niederbringen, gab diesen Plan aber infolge hoher
Wasserzuflüsse wieder auf.
Statt dessen begann man unter Benutzung eines kleinen
Stollenschachtes vom Karlsstollen aus einen zweiten
Tiefbauschacht mit etwa 155 m Teufe niederzubringen. Die
Abteufung begann im März 1893, am 20. Juli 1893 wurde der 2.
Tiefbauschacht in Betrieb genommen. 1895 waren auf Hilterberg 6
Dampfmaschinen und 4 Dampfkessel in Betrieb bzw. in Reserve. Von
insgesamt 213 Beschäftigten wurden 29.632,9 t Steinkohle
gefördert. Der Lohn betrug pro Arbeiter und Schicht 2,02 Mark.
Trotz regelmäßiger Überprüfungen ereignete sich am Montag,
den 26. Februar 1900 um 6.00 Uhr bei Beginn der Frühschicht eine
Schlagwetterexplosion. Der Unfall ereignete sich im Flöz III,
155 m unter Tage. Zwei Personen waren am Unglücksort
beschäftigt, als, entzündet durch offenes Licht, die Explosion
plötzlich durch eine Kluft hervortrat. Dabei trug der Bergmann
Johann Brinkmann nicht lebensgefährliche Verbrennungen davon.
Infolge starker Wassereinbrüche, günstigeren
Kohlenbezugsmöglichkeiten und schwierigen Abbaubedingungen wurde
die Förderung durch die Zeche Hilterberg am 31.03.1903 beendet.
Die Wasserwältigung wurde mit dem 01. April 1903 um 18.00 Uhr
eingestellt, die Aufräumungsarbeiten begannen: Ausbauen der
Maschinen, Rohrleitungen und Grubenbahnen in der Grube, Sicherung
und Zumauerung des Karlsstollens, Zufüllen der Schächte und die
Aufräumungsarbeiten über Tage.
In den Notzeiten nach den beiden Weltkriegen und während der
Ruhrbesetzung durch die Franzosen lebte der Bergbau im Limberg
wieder auf. Dabei versuchte man in kleinen Gruppen an die in
geringer Tiefe liegende Kohle heranzukommen. Am bekanntesten sind
die am 09.11.1947 gegründete "Interessengemeinschaft
Hilterberg Gesellschaft des bürgerlichen Rechts", die am
10.11.1947 gegründeten Gesellschaften "Limberg" und
"Herrenrest" und der Notbergbau der
"Interessengemeinschaft Kleekamp - Wulkotte" aus
Oesede. Auch die Kohlengroßhandlung Fa. Helweg und Wilhelm
Schweppe bauten in den Jahren 1952 und 1953 Kohlen aus dem Feld
Hilterberg ab.
Näheres zum Abbau von Steinkohle erfahren Sie in den "Iburger Heften 3" mit dem Titel "Kohlenbergbau im Feld "Hilterberg" bei Bad Iburg im Teutoburger Wald" . Die Veröffentlichung ist - auch - als Download im pdf-Format verfügbar - mehr dazu hier !!
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