
Ton
Ebenfalls für den
Häuserbau wurden Ziegelprodukte benötigt.
Im Jahre 1861 begann Mathias Fischer in der
"Tegelheide" in unmittelbarer Nähe zu seiner
"Fischerschen Tongrube" Ziegel in einem Feldbrandofen
zu brennen. Daraus entwickelte sich eine Ziegelei, die 1932
verpachtet und als Dampfziegelei Gebrüder Glied bis zum Jahre
1940 weitergeführt wurde. Im Juni 1939 waren 13 Arbeiter in dem
Betrieb beschäftigt. Der 2. Weltkrieg unterbrach die Arbeiten -
1946 fand ein erneuter Anfang statt. Das Werk förderte den tonig
verwitterten Flammenmergel, der aus einer ca. 200 m langen, 100 m
breiten und an den tiefsten Stellen 5 - 6 m tiefen Grube abgebaut
wurde. Nachdem der Ton gebrochen war, wurde er mit Loren zum
Walzwerk gebracht - die Walzen wurden durch einen Dampfkessel
angetrieben -, wo der Ton gewalzt und in das richtige Format
geformt wurde. Anschließend trocknete der Ton in Unterständen
und nach rund 14 Tagen, wenn der Ton hart war, kam der Rohling in
den ovalen Ringofen, dessen Innenraum eine Größe von ca. 3 m
hatte und 2 m hoch war. Hier brannte der Ton 2 - 3 Wochen.
Produziert wurden Klinkersteine, Pfannen und Drainagerohre - die
Absatzgebiete lagen bis Münster und Osnabrück. Aus Tonmangel
wurde der Betrieb 1955 eingestellt.
Ebenfalls eine Feldbrandziegelei existierte bei der Markkötterei
Hölscher in Sentrup. 1888 kaufte Hermann Blanke, gebürtig aus
Lage / Lippe, diesen Teil der Markkötterei Hölscher mit der
dazugehörigen Feldbrandziegelei. Der Stundenlohn betrug 1903 25
Pfennig. Die Beschäftigten arbeiteten aber nur im Sommer, im
Winter waren sie arbeitslos. Bis 1904 leitete Hermann Blanke mit
seinem Sohn Karl den Betrieb, dann übernahm Sohn Friedrich das
Unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt waren zwei sogenannte Deutsche
Öfen in Betrieb: ein großer Ofen für den Brand von
Mauerziegeln und ein kleiner Ofen für den Brand von Dachziegeln.
Anstelle dieser beiden Öfen wurde 1907 ein neuer Ringofen erbaut
- die Anschaffung eines Dampfmobils leitete die maschinelle
Ziegelfertigung ein. Der 1. Weltkrieg brachte den Betrieb von
1914 bis 1920 völlig zum Erliegen. Bei einem Brand am 26. März
1929, bei dem das angrenzende Sägewerk und die Sargfabrik
abbrannten, konnte die Ziegelei gerettet werden. In diesem Jahr
warb die Firma mit den Produkten Dampfziegel, Ziegelsteine,
Deckensteine, Dachziegel und Drainrohre. Das Vorhaben, die
Ziegelei zu vergrößern, scheiterte allerdings am Tonmangel;
1932 wurde der Betrieb in Sentrup stillgelegt, wenngleich - wie
Sie später erfahren werden - die Ziegelproduktion durch Blanke
nicht beendet war.
Nur wenige hundert Meter außerhalb der Stadtgrenze befand sich
in Oesede am Herrenrest die Ziegelei Adolf Kamp, die im Jahre 1909 gegründet wurde. Die
Tongrube befand sich südlich der Borgloher Straße, die Ziegelei
lag nördlich der Straße. Die Tongrube muß aber schon vor der
Gründung der Kamp'schen Ziegelei bestanden haben, denn der
promovierende Student Karl Andrée spricht in seiner Dissertation 1904 von einer
"... neuerdings wieder aufgenommenen
Ziegelei-Tongrube". Eine 200 Meter lange Feldbahn führte
die in der Grube abgebauten Tone unter der Borgloher Straße
hindurch in die Ziegelei, wo 1939 sechs Arbeiter beschäftigt
waren. Der Betrieb belieferte die nächste Umgebung mit Klinkern,
Hintermauersteinen und Drainagerohre. Während des zweiten
Weltkrieges nutzten Osnabrücker Unternehmen den außer Betrieb
genommenen Ringofen, um dort Bücher und Lederwaren zu
deponieren. Nach dem 2. Weltkrieg pachteten von 1948 bis 1958
Adolf und August Blanke die Ziegelei. Dort endete dann auch die
fast 70jährige Produktion von Ziegeln durch die Familie Blanke,
die auch in anderen Orten aktiv Ziegel produzierte:
| 1896 - 1904: | "In der Heide" in Averfehrden |
| 1901 - 1903: | in Aikum bei Herford |
| 1907: | Gründung einer Ziegelei in Loxten bei Versmold |
| 1931 - 1939: | Pacht der Ziegelei Ostermöller in Remsede (Bad Laer) |
Die Tongrube am Herrenrest sorgte auch für einen eindrucksvollen Fund, der als "Steinbombe vom Herrenrest" bekannt wurde: der kindskopfgroße, feste graue Steinballen mit hervorstehenden rötlichen Riffen veranlaßte den Heimatkundler Prof. Dr. Matthias Brinkmann zu einem Artikel über das seltsame Schaffen der Naturkräfte, der am 20. Oktober 1950 in der "Neuen Tagespost" erschien. Die "Steinbombe" umschloß einen mit Ton gefüllten Hohlraum, in ihren Rissen setzten sich Brauneisenstein und Calcit ab. Durch Verwitterung hatte sich die Oberfläche geglättet, nur die feste Spaltenfüllung ragte heraus. Heute erfreut das Fundstück im Wohnzimmer eines Nachfahren des Ziegeleibesitzers Adolf Kamp so manchen Besucher.

Luftbildaufnahme Ziegelei Kamp, Herrenrest, ca. 1950
Für Fachwerkfüllungen und Lehmdielen baute der Visbecker Bauer
Carl Heuer am Visbecker Ring des sog. "Dauleim" ab.
Dieser Lehm war aber nur für den örtlichen Bedarf bestimmt.
Eine weitere Lehmgrube befand sich nordwestlich der
Gastwirtschaft "Zum Freden". Ton oder Lehm wurde
wahrscheinlich auch in den Bereichen Hagener Straße - Klinker
und im Bereich "Auf der Leimkuhle", in Nähe der
heutigen Jet-Tankstelle, abgebaut.
Zum Location-Finder: hier