
Archiv der Sonderseiten
Neue
Osnabrücker Zeitung (Südkreis-Kurier), 07.01.1993:
Zechengründung
für Bergbau im Ruhrgebiet verlief in GMHütte
,,Zeche Werne" blickt auf eine fast 100jährige
wechselvolle Geschichte zurück
Von Horst Grebing
Georgsmarienhütte
Im Rahmen eines Stufenplanes sollen
nach dem Willen der Essener Beteiligungsgesellschaft Ruhrkohle AG
einige Bergwerke stillgelegt, andere wiederum zu
Verbundbergwerken zusammengeschlosssen werden. Bis Mitte 1994
sollen auch die Bergkamener Zechen ,,Haus Aden" und
,,Monopol" zu einem Bergwerk vereinigt werden. Ein
bergbaulicher Ursprung der Zeche ,,Monopol", eine der
modernsten Bergwerksanlagen, liegt in Georgsmarienhütte.
Im Jahre 1897 erwarb die Georgs-Marien-Bergwerks- und
Hüttenverein Aktiengesellschaft in Werne nördlich der Lippe das
Nutzungsrecht am Grubenfeld der Gesellschaft ,,Thermalbad
Werne", dessen Größe 8 755 134 qm betrug, um günstig an
Kohlen für das Eisen- und Stahlwerk in Osnabrück sowie das
Hüttenwerk in Georgsmarienhütte zu gelangen. Nach einigen
Probebohrungen, es sollten Erkenntnisse über den Verlauf der
Flöze gewonnen werden, erfolgte am 17. August 1899 der erste
Spatenstich für zwei Schächte.
Am 6. Juni 1901 wurde die Zeche auf den Namen ,,Bergwerk
Werne" getauft. Der Schacht ,,Werne 1" wurde 1902 in
Betrieb genommen, 1903 folgte ,,Werne 2". Die Inbetriebnahme
der Schächte führte beim Amtsgericht Werne zum Eintrag
,,Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein, Abteilung Zeche
Werne".
Aufgrund fortan günstigerer
Kohlenbezugsmöglichkeiten von der ,,Zeche Werne" wurde die
Förderung in der Wellendorfer ,,Zeche Hilterberg" zum 31.
März 1903 beendet. Damit endete auch der durch den
Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein betriebene
Kohlenbergbau im Osnabrücker Land.
Bereits 1904 belief sich die Förderung des ,,Bergwerkes
Werne" auf 145 000 Tonnen. Die Förderung in der einstigen
heimatlichen ,,Zeche Hilterberg" betrug 1900/01 nur 32 019
Tonnen. Mit den in Werne geförderten Kohlen konnte der gesamte
Bedarf des Georgsmarien-Werkes und des Stahlwerkes in Osnabrück
gedeckt werden.
Durch einen Grubenbrand und eine Schlagwetterexplosion im
November 1905 ging die Förderung zurück. Doch bereits 1907
konnte die Förderung wieder auf über 200 000 Tonnen gesteigert
werden. Die günstigen Kohlenbezugsmöglichkeiten führten dazu,
daß 1912 mit dem Abteufen eines dritten Schachtes begonnen
wurde. Dieser nördlich des Lippe-Seitenkanals gelegene Schacht
,,Werne 3" kam 1915 in Betrieb. Mit ihm förderte die Zeche
1920 rund 500 000 Tonnen Kohle.
Am 9. Februar 1923 fusionierte der Georgs-Marien-Bergwerks- und
Hüttenverein mit den Klöckner-Werken AG - gegründet 1906 von
Peter Klöckner.
Nach dem Einsetzen der Weltwirtschaftskrise wurde 1930 die
Förderung auf ,,Werne 3" stillgelegt. 1954 wurde mit dem
Abteufen des Schachtes ,,Werne 4" begonnen, der 1956 seine
endgültige Teufe erreichte. Gleichzeitig wurde 1954 die Zeche
,,Königsborn" in Unna mit der ,,Zeche Werne"
wirtschaftlich und organisatorisch verbunden.
Der Ruhrbergbau geriet in eine umfassende Krise: So kam es 1968
zur Gründung der Holdinggesellschaft Ruhrkohle AG, die am 1. 1.
1970 einen Großteil der Ruhrzechen übernahm, darunter auch das
,,Bergwerk Werne". 1973 wurde das Bergwerk ,,Heinrich
Robert" in Hamm-Herringen an die ,,Zeche Werne"
angeschlossen. Die Förderung im ,,Bergwerk Werne" wurde
1975 beendet. Die mit ,,Werne" verbundene Zeche
,,Königsborn'' wurde wiederum 1978/79 an die Zeche ,,Heinrich
Robert" angeschlossen.
Der nachfolgende Bericht Lochsteine -
vergessene Grenzmarken erschien im Heimat-Jahrbuch
1992 für Osnabrück-Stadt und -Land aus dem Verlag Meinders & Elstermann
GmbH & Co. KG, Osnabrück (S. 105 - 107). Der Originalartikel
enthält 3 Abbildungen.
Lochsteine -
vergessene Grenzmarken
Von Horst Grebing
In der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde verstärkt auch im Osnabrücker Raum nach Wealden-Steinkohle gesucht und diese an den verschiedensten Stellen - vor allem im Bereich zwischen Iburg, Kloster Oesede, Borgloh und Hankenberge - abgebaut. Zeugnisse dieses einstigen Bergbaus sind noch mancherorts sichtbar, wenngleich diese Spuren bis vor wenigen Jahren von den wenigsten Einwohnern Beachtung fanden.
Damit der Abbau von Bodenschätzen in geordneten Bahnen verläuft, wurde am 24. Juni 1865 das Allgemeine Berggesetz (ABG) erlassen: nach dieser Vorschrift wurde demjenigen, der Bergbau betreiben wollte und den Anforderungen der Bestimmungen des Berggesetzes entsprach, ein Grubenfeld verliehen. Dieses ist ein reserviertes Geländestück, auf dem der Antragsteller zur Gewinnung der in diesem Feld vorkommenden Gesteine oder Minerale befugt ist. Grundbesitzmäßige Verhältnisse wurden davon nicht berührt, da das Gewinnungsrecht bergbaulicher Rohstoffe Vorrang vor dem Recht des Grundbesitzes hat. Voraussetzung für den Antrag auf Verleihung eines Bergwerkseigentums (Mutung) war das Fündigwerden eines bezeichneten Minerals an dem angegebenen Fundort in wirtschaftlich verwertbarer Menge.
Die Verleihung des Grubenfeldes geschah durch eine Verleihungs-Urkunde durch das Königliche Oberbergamt in Dortmund (bestehend seit 1. Januar 1816) "im Namen des Königs". Hierin ist u. a. der Grubenfeldbesitzer, der Rohstoff und der Feldesort mit Größenangabe in Quadratlachtern (1 Quadratlachter = 4,3780 m2) verzeichnet. Das Bergwerkseigentum beinhaltet die ausschließliche Befugnis des Eigentümers, in seinem Feld das in der Verleihungsurkunde genannte Mineral aufzusuchen und zu gewinnen, alle zur Aufsuchung, Gewinnung und Aufbereitung erforderlichen Anlagen über und unter Tage zu errichten und zu betreiben. Dieser Urkunde lag ein sogenannter Situationsriß an: eine Karte, auf dem die Örtlichkeiten und das Grubenfeld eingezeichnet sind. Die Eckpunkte der Felder wurden mit Buchstaben bezeichnet. Die hiesigen Felder "Glückauf", "Dörenberg" und "Hilterberg" auf Steinkohle hatten so z. B. eine Durchschnittsgröße von 11.980.000 m2.
Die Grubenfelder wurden an der Tagesoberfläche durch Markscheider (Vermessungsbeamte im Bergbau) ausgemessen: sogenannte Lochsteine wurden an den Eckpunkten der Grenzlinien gesetzt. Um ihren unveränderten Stand zu verbürgen, wurden zur Sicherung unter den Lochsteinen noch Holzkohlen, Porzellanscheiben, Glassplitter, Ziegelschrott und / oder Eierschalen vergraben. Heute findet in den Bergbaubezirken eine Verlochsteinung der Markscheiden nicht mehr statt! 1874 fanden Lochsteinsetzungen an den Eckpunkten der miteinander verbundenen Felder "Glückauf", "Dörenberg", "Borgloh 1" und "Hilterberg" statt.
Ein Lochstein wurde am 9. Mai 1874 im nördlichen Graben der Iburg-Borgloher Chaussee, und zwar 271 Meter von dem dem Neubauern Gildehaus gegenüberliegenden nach dem Limberge führenden Weg, gesetzt. Auf dem Verleihungsriß von ,,Borgloh 1" ist dieser Stein die südwestliche Feldesecke. Unter den Stein wurden als Festes Porzellanscheiben gebracht. Der Stein trägt auf der einen Seite die Inschrift M.S. (Markscheide), auf der anderen G.M. (Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein). Dabei anwesend waren u. a. der Grundstückseigentümer, der Königliche Revierbeamte des Bergreviers Osnabrück (Bergrat von Reneße), der Markscheider Schülbe, der Repräsentant Holste der Zechen "Glückauf" und "Dörenberg" sowie Repräsentanten der Zechen "Hilterberg" und "Borgloh 1".
Am 4. Juli des Jahres teilte der Markscheider Schülbe des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins (GMBHV) dem Kgl. Revierbeamten Herrn Bergrat von Reneße mit, daß dieser Lochstein an der lburg-Borgloher Chaussee seinen Standort rund 84 Meter zu weit östlich erhalten hat. Schülbe erklärte die irrtümliche Festsetzung dadurch, daß bei der Zeichnung die Hannoversche Generalstabskarte zugrunde gelegt wurde, deren Unbrauchbarkeit für die getane Arbeit erst nach erfolgter Aufstellung der Lochsteine festgestellt wurde. Durch den Vergleich dieser Generalstabskarte mit seinen Vermessungen ergaben sich nämlich zwischen den Punkten Differenzen von 100 bis 120 Metern.
Dem Bergrat von Reneße wurde am 9. Juli im Auftrag des Repräsentanten Holste vom GMBHV mitgeteilt, der Lochstein komme nun auf den Forstgrund des Colonen Hehmann in der Bauerschaft Dröper zu Oesede.
Am 13. Juli wurde sodann vom GMBHV dem Grundbesitzer Hehmann, Herrn Repräsentant Holste und dem Vertreter der Zeche Borgloh 1, Schreiber, der Irrtum bei der Festlegung des Grubenfeldes offenbart und mitgeteilt, daß der Lochstein wieder gehoben und auf das Grundstück des Colonen Hehmann gesetzt werden muß. Als Termin wird Freitag, der 17. Juli 1874, vormittags um 7 1/2 Uhr beim Gastwirt Wolff in Oesede festgelegt.
An diesem Termin nahmen neben obigen Personen der Markscheider Schülbe, der Bergrat von Reneße und alsWortführer der Kommerzienrat Wintzer vom GMBHV teil. Der vorgeladene Colon Hehmann erklärte, daß er für die Setzung des Lochsteins auf seinem Grund und Boden mit einer Entschädigung von 5 Thalern vom GMBHV ein für allemal zufrieden sei; der Repräsentant Holste erkannte diese Forderung an.
Anschließend entfernte sich Hehmann nach erfolgter Unterschrift unter der Niederschrift über den Grenztermin. Diese Niederschrift dokumentierte die Ergebnisse der Grenzfeststellung sowie ihre Bekanntgabe an die Beteiligten.
Sodann begaben sich die verbleibenden Personen zu der Stelle, wo sich der am 9. Mai gesetzte Lochstein befand. Der Lochstein wurde wieder ausgehoben und an der vom Markscheider Schülbe ermittelten Stelle auf Grund und Boden des Colonen Hehmann mit Porzellanscheiben unter dem Stein neu gesetzt. Schülbe überwachte die Versetzung in der Verleihungs-Zeichnung, im Lageplan und im Heft, worin die markscheiderischen Aufnahmen zur Festlegung der Lochstein-Punkte angegeben sind.
So diente diese Grenzmarke lange Jahre zur örtlichen Kennzeichnung der Feldesgrenzen. Heute spielen diese Lochsteine keine Rolle mehr, da die Konzessionen für diese Steinkohlenfelder nach weit über 99 Jahren erloschen sind. Trotzdem dürfen die Grenzmarken nicht beseitigt oder in ihrer Lage verändert werden: Lochsteine, Kulturdenkmale aus der historischen Zeit des Bergbaus in hiesiger Gegend.
Grebing, Horst:
Stein(e)zeit in Bad Iburg. Bad Iburg 1987.
Haack, Wilhelm: Geologische Karte von Preußen und benachbarten
deutschen Ländern, Ltg. 286, Blatt Iburg Nr. 2079. Berlin 1930.
Römhild, Georg: Donatus, Marienberg, Amalia und andere alte
Bergwerke und Grubenfelder im Wiehengebirge zwischen Bohmte,
Melle und Preuß. Oldendorf. - Der Grönegau. Meller Jahrbuch
1989 (Bd. 7). Melle 1988.
Ein Netzwerk für Flur- und Kleindenkmale ist online unter der
Adresse
http://www.monumentum.net abrufbar.
Kurz-Vortrag am 19.10.2002 anl. einer Exkursion auf den Dörenberg
Geologie des Dörenbergs
Von Horst Grebing
Die Geschichte über den Dörenberg und seine Geologie beginnt mit
Bischof Benno II. (geb. 1021/22, gest. 27.07.1088): er selber
soll am Dörenberg nach einem geeigneten Steinbruch für den
Klosterbau im Jahre 1080 gesucht haben. Damit begann der Abbau von
Sandsteinen - auch für zahlreiche weitere Bauten der
Umgebung - im Dörenberg. So ließ z.B. auch Fürstbischof
Philipp-Sigismund 1595 die Schloßmühle aus Sandsteinen des
Dörenbergs erbauen. Abt Adolph Hane berichtet über den
Klosterbau der Jahre 1750 - 1755: "Die hohen Berge daselbst
gewähren uns reiche Steinbrüche, ..."
1865 schrieb der Iburger Arzt Dr. Alfred Lamby: "In den bedeutendsten der hiesigen Sandsteinbrüche (...) sind die Verhältnisse zur Gewinnung der Steine und namentlich großer Blöcke so ausgezeichnet günstig, wie man sie selten findet."
Die geschaffenen riesigen Aufschlüsse bildeten die Grundlage für die wissenschaftliche Bearbeitung. Einer der ersten wissenschaftlichen Bearbeiter war Prof. Dr. Otto Weerth (geb. 21.06.1849, gest. 30.04.1930), Gymnasialprofessor in Detmold und lippischer Heimatforscher. 1880 erscheint sein Aufsatz "Der Hilssandstein des Teutoburger Waldes", dort schreibt er über die Fundmöglichkeiten: " Die (...) mehr oder weniger häufig vorkommenden Petrefacten sind fast sämtlich schlecht erhalten." Seine rege Sammeltätigkeit führt 1884 zum 78seitigen Aufsatz "Die Fauna des Neocomsandsteins im Teutoburger Walde". Dort wird der Dörenberg als besonders ausgezeichnete Fundstelle bezeichnet. Im Buch abgebildet auch ein Ammonit, der - im Dörenberg gefunden - erstmals von Weerth beschrieben und nach Iburg benannt wurde: Simbirskites (Craspedodiscus) iburgensis. Weerth benannte den Ammoniten ursprünglich als Ammonites (Perisphinctes) Iburgensis. In nachfolgenden Veröffentlichungen als Olcostephanus Iburgensis erwähnt, fand erst 1995 die korrekte Benennung durch Prof. Dr. Mutterlose aus Bochum unter Mithilfe von Dr. Peter F. Rawson aus London statt. Noch heute befindet sich das Original - und weitere in Iburg gefundene Fossilien - im Lippischen Landesmuseum Detmold. Vom Dörenberg beschreibt Weerth in seinem Aufsatz vier weitere Fossilien und noch heute gilt seine Arbeit als " ... die wertvollste und umfassendste paläontologische Studie über das Fossilinventar des Sandsteins ...".
Anfang 1904 bereitet Karl Andrée (geb. 10.03.1880, gest. 18.08.1959) seine Dissertation "Der Teutoburger Wald bei Iburg" vor. Der Iburger Apotheker Julius Schlotheuber schrieb ihm: "Die Steinbruchsarbeiter [im Dörenberg] halte ich kräftig zum Sammeln an." Andrée beschrieb in der Dissertation die Gesteine und nimmt erstmalig eine zeitliche Einordnung vor: die Gesteine entstanden im Oberen Hauterivien der Unter-Kreide, das entspricht einem Alter von ca. 125 Millionen Jahren. Andrée listet 61 verschiedene Fossilarten auf, darunter alleine 38 Muscheln (u.a. Pinna iburgensis WEERTH 1884), sieben Meeresschnecken und sieben Ammoniten.
Nachfolgende Geologen, unter ihnen Prof. Dr. Wilhelm
Haack (geb. 08.07.1882, gest. 20.05.1947), unterstützten
bzw. untermauerten die Ergebnisse.
Prof. Dr. Keller
(geb. 22.06.1903, gest. 27.01.1981) wies nach, daß die Gesteine
des Dörenberges ursprünglich als mächtige, marine Füllungen
der weiter im Nordosten gelegenen Verlängerung der
Hohnsberg-Rinne abgelagert wurden. Im Zuge der Osning-Auffaltung
vor 66 Millionen Jahren wurde diese Füllung
("Dörenberg-Scholle") im Nordosten auf die
Osning-Überschiebung nach Südwesten überschoben. Entlang
dieser Osning-Überschiebung ist durch die starke tektonische
Beanspruchung der Nordrand des Münsterländer Kreidebeckens
aufgerichtet und überkippt worden. Die Mächtigkeit des
Dörenberg-Sandsteins beträgt ca. 280 m.
Der sog. "Benno-Steinbruch", wo eine Hinweistafel
nähere Auskünfte erteilt, ist völlig zugewachsen. Sichtbare
Aufschlüsse befinden sich - vom "Benno-Steinbruch"
ausgehend - Richtung Zick-Zack-Weg auf der rechten Seite und
folgt man den Waldweg in südlicher Richtung nach Iburg, so
befindet sich ein Steinbruch auf der linken Seite nahe der
Kolbach-Quelle.
(Der Artikel erschien auch bei http://www.geoberg.de, dort finden Sie auch entsprechende Meta-Daten!)
Grebing, H.: Abbau von Steinkohle endete vor 100 Jahren. In: Stadtgespräch Bad Iburg, 05.07.2003
Zeche Hilterberg stellte vor 100 Jahren Betrieb ein
Von Horst Grebing
Am 31. März 1903 endete - heute vor 100 Jahren -
der Abbau von Steinkohle im Feld Hilterberg durch den
Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein im Osnabrücker Land.
Dieses Bergwerksfeld befand sich im Limberg zwischen den
Gemeinden Hilter und Bad Iburg.
1836 wurde in Beckerode bei Hagen eine Eisenhütte errichtet. Die
errichteten Werksanlagen waren nur von geringer
Leistungsfähigkeit, doch die verliehenen umfangreichen
Berechtigungen insbesondere zur Gewinnung der vorkommenden
Eisensteine waren höchst wertvoll.
1856 beabsichtigte der Besitzer Julius Meyer die Beckeroder
Hütte mit Gruben zu verkaufen. Es gründete sich ein Komitee,
welches den Ankauf der Beckeroder Hütte nebst Zubehör für eine
zu bildende Aktiengesellschaft wollte, deren Zweck die Errichtung
eines großen Eisenhüttenwerks im Fürstentum Osnabrück sein
sollte. Die Bildung dieser Gesellschaft war aber nach Vorgaben
auch von der Verleihung eines Kohlenfeldes im Dütetal abhängig,
da man der Ansicht war, dass die Rentabilität eines bedeutenden
Hüttenbetriebes nur im Falle eigener Gewinnung des
Steinkohlenbedarfs in möglichster Nähe des Hüttenwerks
gesichert sei. Nach umfangreichen Untersuchungen erteilte die
Regierung die Zusicherung, dass ein an die fiskalischen
Grubenfelder im Dütetal angrenzendes Steinkohlenfeld verliehen
werden solle.
Am 03. Mai 1856 gestattete der König Georg V., dass die
Gesellschaft nach den Namen ihrer Majestäten des Königs und der
Königin benannt wird: Georgs-Marien-Bergwerks- und
Hüttenverein. Durch Erlass des königlichen Ministeriums des
Innern wurde die Gesellschaft am 04. Juni für konstituiert
erklärt. Am 06. Juni 1856 erfolgte die Umschreibung der
Kaufobjekte in dem Hypothekenbuch des Amtsgerichts Iburg auf den
Namen des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins.
Zur Errichtung des neuen Werkes reichten jedoch die zur
Beckeroder Hütte gehörenden Grundstücke nicht aus und von
einem Ankauf benachbarter Grundstücke wurde wegen der
ungünstigen Lage abgesehen. Nach umfangreichen Verhandlungen
wurde ein Grundstück in der Mitte zwischen den Eisenstein- und
Bergwerksfeldern am 28. Oktober 1856 erworben: der königlichen
Klosterkammer zu Hannover gehörende Schultenhof to Bühne,
Gemeinde Malbergen. Sogleich wurde mit dem Aufbau des
Hüttenwerkes begonnen, wenngleich die Einwohner der benachbarten
Ortschaften ... die Anlage der Werke als ein Unglück für
die Gegend ansahen .... Die Inbetriebnahme des ersten
Hochofens erfolgte am 14. Juli 1858.
Die Verleihung des ersten Steinkohlenfeldes Glückauf
nahe Oesede verzögerte sich wegen verschiedener
Nebenverhandlungen bis zum 18. Oktober 1856, aber bereits 1866
musste das Bergwerk infolge hoher Wasserzuflüsse wieder
aufgegeben werden.
Am 22. August 1857 wurden dann die Bergrechte für das
Steinkohlenfeld Dörenberg im Norden von Iburg
verliehen. Der südlich gelegene Versuchsschacht diente der
Erforschung der Kohlevorkommen, aus dem nördlich befindlichen
Schurfschacht wurde bis 1884 in geringsten Mengen Steinkohle
abgebaut.
Am 25.02.1858 wurden dem Georgs-Marien-Bergwerks- und
Hüttenverein die Bergbaurechte am Steinkohlenfeld
östliches Vereinsfeld durch den Bergrevierbeamten
des Bergreviers Osnabrück verliehen. Bereits 1859 waren bei
Schürfarbeiten vier Kohlenflöze nachgewiesen worden, doch wegen
unzulänglicher Transportmöglichkeiten verzichtete man vorerst
auf einen dortigen Abbau. Mit Datum 16. Juli 1868 teilte die
Direktion des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins dem
Königlichen Revier-Beamten, Herrn Bergrat Brassert, mit, dass
das im Februar 1858 verliehene Kohlenfeld von nun an den Namen
Hilterberg führen soll. Doch ein Abbau sollte erst
einige Jahre später erfolgen!
Um sich von der Köln-Mindener Bahnverwaltung sowie vom
westfälischen Kohlenmarkt zu lösen, wurde 1872 der Entschluss
gefasst den eigenen Kohlenbergbau wieder zu eröffnen. In erster
Linie wurde dabei an das Kohlenfeld Hilterberg
gedacht.
Im gleichen Jahr begann der Georgs-Marien-Bergwerks- und
Hüttenverein mit dem Bau des Karlsstollens (Carl-Stollen) im
Feld Hilterberg. 1885/86 wurde 920 m östlich vom
Mundloch des Karlsstollens ein kleiner Tiefbauschacht
niedergebracht. Von hier gelangte die Kohle mittels einer 1.630 m
langen Drahtseilbahn zum Bahnhof Wellendorf. Während der Jahre
1885 - 1891 wurden durchschnittlich jährlich ungefähr 6.000
Tonnen Kohle gefördert. Im Jahre 1891 wurde der Betrieb
verstärkt; im Durchschnitt der Jahre 1891 - 1893 betrug die
Förderung 20.724 Tonnen und die Zeche deckte damit den gesamten
Bedarf des Stahlwerkes an Gaskohlen.
Am 20. Juli 1893 wurde ein neuer Stollenschacht, genannt 2.
Tiefbauschacht, in Betrieb genommen. Der Schacht war am
Kreuzungspunkt zwischen dem Grundstollen und dem Karlsstollen
angelegt worden. Im ersten Halbjahr 1895 betrug die Förderung
12.727 Tonnen oder 85,3 Tonnen pro Fördertag bei einer
Belegschaft von durchschnittlich 194 Personen.
Der Betriebsüberschuss des Jahres 1897/98 betrug 40.668,53 Mark,
doch verminderte sich dieser vom Jahre an 1900/01 so rasch, dass
im Jahr 1902/03 der Betrieb aufhörte rentabel zu sein. Ursachen
waren die mittlerweise schwierigen Abbaubedingungen, starke
Wassereinbrüche und günstigere Kohlenbezugsmöglichkeiten von
der Zeche Werne nördlich der Lippe. Das
Nutzungsrecht an diesem Feld erwarb der Georgs-Marien-Bergwerks-
und Hüttenverein 1897, zwei Schächte wurden in den Jahren 1902
und 1903 in Betrieb genommen.
Am 02. Februar 1903 wurde dem Königlichen Revierbeamten in Hamm
mitgeteilt, dass die Förderung auf der Zeche
Hilterberg zum 31. März 1903 eingestellt werden soll.
In einem weiteren Schreiben vom 08. April 1903 wurde dem
Königlichen Revierbeamten, Herrn Bergrat Pommer, übermittelt,
dass die Förderung auf Zeche Hilterberg mit dem 31.
März eingestellt wurde. Die Wasserwältigung wurde am Nachmittag
des 01. April um 6.00 Uhr eingestellt; dadurch stieg das Wasser
im Stollenschacht anschließend um rd. 1 m pro Tag.
Mit 30 Personen wurden sodann Untertage die Maschinen,
Rohrleitungen und Grubenbahnen ausgebaut, die Schächte
zugefüllt und aufgeräumt. Mit den untertägigen Arbeiten wurden
nach ersten Einschätzungen vierzehn Tage benötigt, diejenigen
über Tage sollten gegen Ende Mai des Jahres beendet sein. Der
Abbruch der Seilbahn sollte nach der Ernte erfolgen, um nicht die
unter der Seilbahn befindlichen Saaten zu beschädigen.
Auf Veranlassung des Königlichen Revierbeamten wurde der
Stollenschacht auf der Stollensohle mit eisernen Trägern bedeckt
und abschließend mit einem Zementbeton überdeckt: Es ist
mit Sicherheit zu erwarten, dass dieses Gewölbe dauernd stehen
bleibt.
Der Karlsstollen wurde mit einem 2,5 m starken Damm geschlossen
und außerdem wurde das Stollenmundloch durch einen zweiten Damm
gesperrt.
Mit der Zufüllung des alten Tiefbauschachtes wurde am 07. Mai
1903 begonnen. Die Zufüllung der Schächte nahm zwei Monate in
Anspruch.
Damit endete der Bergbau durch den Georgs-Marien-Bergwerks- und
Hüttenverein im Osnabrücker Land vor 100 Jahren.
Einen kurzen Überblick über das Denkmal und die Lage von
"Zeche Hilterberg" bekommen Sie auf folgender Seite: http://www.eisenbahndenkmal.de/hilter.htm.
Das "Rote Loch"
Von Horst Grebing
An der Bundesstrasse 51 (Osnabrücker Straße), 375 m nordnordöstlich vom Gasthaus "Zum Dörenberg" (Inh.: H. Bäumker), befand sich früher eine sehr tiefe Schlucht - diese wurde bzw. wird als "Rotes Loch" bezeichnet. Auf die Namensgebung weist ein in unmittelbarer Nähe stehendes Schild hin, auf dem zu lesen ist, daß der Name darauf zurückzuführen ist, daß man wegen des Ausflusses von rotem Wasser hier Erz vermutete.
Das Dörenberg-Massiv besteht aus Sandsteinen der Unterkreide. Dieser Osning-Sandstein wurde früher in großen Steinbrüchen für den Bau vieler heimischer Bauwerke abgebaut ("Benno-Bruch", "Koken-Sandsteinbruch"). Südlich und auch östlich der Dörenberg-Gruppe streichen die Schichtenfolge des Doggers und des Malms aus. In der Geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern, Blatt Iburg, aus dem Jahre 1930 sind - von West nach Ost - im Bereich des "Roten Loches" die Gigas-Schichten des Portland und Kimmeridge (Malm) sowie Oberer Dogger eingezeichnet. Dabei handelt es sich um weiche Gesteine des Oberen bzw. Mittleren Juras.
In einem Versuchsschacht in Nähe des "Roten Loches", der vom Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein zur Erforschung der Wealden-Steinkohle 1885 abgeteuft wurde, wurden nach Werksangaben folgende Schichten durchteuft:
2,5 m Malm [wahrscheinlich Lößlehm]
1,5 m graublaue, zersetzte Schiefertone
2,0 m graugelber Dolomit
2,5 m dunkelblauer sandig toniger Schiefer
0,3 m blauer fester Kalkstein
1,8 m grauer Kalkstein
1,4 m blaugraue, z. T. kalkige Schiefer
0,7 m kalkiger Schiefer mit nicht zu bestimmenden Versteinerungen
2,3 m blaue, stark zerklüftete Kalksteine
1,3 m Kalkstein mit Spateisenstein und geringe Ausscheidungen von
schlackigem Erdpech.
Das Profil deutet darauf hin, dass es sich um die Gigas-Schichten des Portland handelt.
Die Explorationsstrecke durchfuhr Wealden und die roten Schichten des Kimmeridge. In einer Mächtigkeit von 6,5 m wurde dabei auch ein rotes Trümmereisenerz mit 18,9 % Eisengehalt angefahren. Diese Eisensteinlage, der Bergmann spricht auch von Toneisenstein, wurde aufgrund des geringen Eisengehaltes (die untere Metallgehaltsgrenze für "Erz" war vom Verein auf 20 % festgesetzt worden) nicht abgebaut; zudem war der Versuchsschacht auf Steinkohle geteuft worden. Im Wealden wurden schwache und unregelmäßig gelagerte Flöze mit 60 - 70° nördlichem Einfallen angetroffen. Im Gesteinsschutt der Halde sammelte Karl ANDRÉE die Muscheln Corbula sp., Cyclas ? sp. und Cyrena dorsata DUNKER, die Schnecke Paludina sp.und den Muschelkrebs Cypridea valdensis SOWERBY.
Später versuchten Private die Wealden-Steinkohle durch einen vom "Roten Loch" aus gegen den Schacht des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins getriebenen Stollen zu erreichen, gaben jedoch den Versuch wieder auf.
Die Vermutung auf Erz im Untergrund bestätigt sich damit mit den o.g. Vorkommen: Kalkstein mit Spateisenstein im Versuchsschacht, rotes Trümmereisenerz in einer Mächtigkeit von 6,5 m im Verlauf der Explorationsstecke.
Beim Neubau der Straße von Iburg nach Osnabrück über den Herrenrest nördlich des "Roten Loches" mußten vom Scheitelpunkt ca. 25 m an Höhe abgetragen werden. Dieser Abraum (Wealden-Sandstein) wurde mit einer Lorenbahn zum "Roten Loch" transportiert und dort für eine Dammschüttung abgekippt. Dieser Damm überbrückte das "Rote Loch" zwischen dem Gasthaus "Zum Dörenberg" und der Abzweigung der Borgloher Straße (K 333). Die Arbeiten, an der 120 bis zeitweise 160 Männer beteiligt waren, begannen am 01. Juni 1931. Mit einem Festakt am 18. Juli 1932 wurde die neue Straße dem Verkehr offiziell freigegeben. Die alte kurvenreiche und steile Heerstraße (auch Römerstraße bzw. Napoleonstraße genannt) dient heute nur noch als Forstweg.
In unmittelbarer Nähe befand sich ein Schurfschacht des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins, in dem von 1857 bis 1884 geringfügig Wealden-Steinkohle abgebaut wurde. An der Borgloher Straße befand sich die 1909 gegründete Ziegelei Adolf Kamp; 1958 wurde der Ziegeleibetrieb eingestellt. In der Ziegeleigrube waren oberster Serpulit (Malm) und dunkle Schiefertone des Unteren Wealden aufgeschlossen.
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(Der Artikel erschien auch bei http://www.geoberg.de, dort finden Sie auch entsprechende Meta-Daten!)
But
fossils plainly teach the art William SMITH (1769 - 1839) |
Auswahl einiger
Fossilien aus ANDRÉE 1904
- sollen noch in der Göttinger geologisch-paläontologischen
Sammlung vorhanden sein -
| {Seite 29} | Musenberg (oberes Valanginien): |
| Lamellibranchia (Muscheln): | Pecten crassitesta A. ROEMER |
| Leda sp. |
| {Seiten 30 - 34} | Musenberg (oberes Valanginien): |
Hohnsberg (oberes Valanginien): |
Dörenberg (oberes Hauterive): |
Hochholz (unterstes Barrêmien): |
| Lamellibranchia (Muscheln): | Exogyra spiralis GOLDF. | Exogyra spiralis GOLDF. | Exogyra spiralis GOLDF. | |
| Ostrea macroptera SOW. | Ostrea macroptera SOW. [?] | |||
| Ostrea sp. | ||||
| Lima semicostata WOLLEM | ||||
| Lima cf. Tönsbergensis WEERTH | ||||
| Lima Cottaldi D'ORB. | Lima Cottaldi D'ORB. [?] | |||
| Lima subrigida ROEMER | ||||
| Lima cf. longa ROEMER | ||||
| Lima cf. Dupini D'ORB. | ||||
| Lima sp. | ||||
| Limea granulatissima WOLLEM | Limea granulatissima WOLLEM | Limea granulatissima WOLLEM | ||
| Pecten crassitesta A.ROEMER | Pecten crassitesta A.ROEMER | Pecten crassitesta A.ROEMER | ||
| Pecten Roemeri WEERTH | ||||
| Pecten germanicus WOLLEM | ||||
| Pecten striatopunctatus A: ROEMER | Pecten striatopunctatus A. ROEMER | |||
| Avicula Cornueli D'ORB. | Avicula Cornueli D'ORB. | Avicula Cornueli D'ORB. | ||
| Gervillia anceps DESH. | ||||
| Gervillia cf. anceps DESH. | Gervillia cf. anceps DESH. | |||
| Gervillia ? tenuicostata PICT. & CAMP. | ||||
| Mytilus ? sp. | ||||
| Modiola simplex D'ORB. | Modiola simplex D'ORB. | |||
| Modiola pulcherrima A. ROEMER | ||||
| Pinna Robinaldi D'ORB. | Pinna Robinaldi D'ORB. | |||
| Nucula cf. planata DESH. | Nucula cf. planata DESH. | Nucula cf. planata DESH. | ||
| Leda scapha D'ORB. | Leda scapha D'ORB. | Leda scapha D'ORB. | ||
| Arca Raulini LEYM. | ||||
| Arca Cornueli D'ORB. | Arca Cornueli D'ORB. | |||
| Cucullaea sp. | ||||
| Trigonia divaricata D'ORB. | ||||
| Astarte cf. subdentata A. ROEMER | Astarte cf. subdentata A. ROEMER | |||
| Astarte n. sp. | ||||
| Lucina Cornueli D'ORB. | ||||
| Lucina Teutoburgensis WOLLEM [?] | Lucina Teutoburgensis WOLLEM | Lucina Teutoburgensis WOLLEM | Lucina Teutoburgensis WOLLEM | |
| Lucina cf. Sanctae Crucis PICT. & CAMP. | ||||
| Corbis sp. | ||||
| Cardium Cottaldi D'ORB. | Cardium Cottaldi D'ORB. | Cardium Cottaldi D'ORB. | Cardium Cottaldi D'ORB. | |
| Isocardia Ebergensis WEERTH | Isocardia Ebergensis WEERTH | Isocardia Ebergensis WEERTH | ||
| Isocardia ? angulata PHILLIPS | Isocardia ? angulata PHILLIPS | Isocardia ? angulata PHILLIPS | Isocardia ? angulata PHILLIPS | |
| Thetis minor SOW. | Thetis minor SOW. | Thetis minor SOW. | ||
| Arcopagia cf. concentrica D'ORB. | ||||
| Panopaea neocomiensis D'ORB. | Panopaea neocomiensis D'ORB. | Panopaea neocomiensis D'ORB. | ||
| Panopaea cf. neocomiensis D'ORB. | Panopaea cf. neocomiensis D'ORB. | |||
| Panopaea Teutoburgensis WEERTH | Panopaea Teutoburgensis WEERTH | |||
| Panopaea ? cf. cylindrica PICT. & CAMP. | ||||
| Panopaea sp. | ||||
| Pholadomya ? Valangiensis PICT. & CAMP. | ||||
| Pholadomya cf. alternans ROEMER | Pholadomya cf. alternans ROEMER | |||
| Goniomya caudata AG. | Goniomya caudata AG. | |||
| Goniomya Villersensis PICT. & CAMP. | ||||
| Thracia Phillipsi ROEMER | Thracia Phillipsi ROEMER | |||
| Thracia striata WEERTH | Thracia striata WEERTH | |||
| Thracia elongata A. ROEMER | ||||
| Thracia neocomiensis D'ORB. [?] | Thracia neocomiensis D'ORB. | Thracia neocomiensis D'ORB. [?] | Thracia neocomiensis D'ORB. [?] | |
| Corbula striatula SOW. [?] | Corbula striatula SOW. | |||
| Corbula compressa D'ORB. | ||||
| Fistulana constricta PHILLIPS | ||||
| Gastropoda (Schnecken): | Capulus sp. | Capulus sp. | ||
| Patella inflexa PICT. & CAMP. | ||||
| Trochus Teutoburgiensis WEERTH | ||||
| Trochus Oerlinghusanus WEERTH | Trochus Oerlinghusanus WEERTH | Trochus Oerlinghusanus WEERTH | ||
| Trochus callistoidos ? WOLLEM | ||||
| Natica laevis WEERTH | Natica laevis WEERTH | |||
| Cerithium quinquestriatum WEERTH | ||||
| Cerithium tectum D'ORB. | Cerithium tectum D'ORB. | |||
| Cerithium neocomiense D'ORB. | ||||
| Cerithium sp. (aff. Studeri PICT. & CAMP.) | ||||
| Aporrhais Moreaui D'ORB. | Aporrhais Moreaui D'ORB. | |||
| Aporrhais bicarinata DESH. | ||||
| Fusus cf. ornatus D'ORB. | ||||
| Fusus ? sp. | ||||
| Actaeon albensis D'ORB. | ||||
| Actaeon cf. Vibrayei D'ORB. | ||||
| Actaeon Astieri D'ORB. | ||||
| Actaeon ringens D'ORB. | ||||
| Actaeon Dupini D'ORB. | ||||
| Avellana cf. incrassata SOW. | ||||
| Avellana sp. | ||||
| Cephalopoda (Kopffüßer): | Olcostephanus Losseni NEUM. et UHL. | Olcostephanus Losseni NEUM. et UHL. | ||
| Craspedites Gottschei VON KONEN | ||||
| Simbirskites progrediens LAH. | ||||
| Simbirskites ? triplicatus VON KOENEN | ||||
| Polyptychites pertumidus VON KOENEN | ||||
| Polyptychites bidichotomus LEYM. | ||||
| Polyptychites cf. bidichotomus LEYM. | ||||
| Hoplites sp. | ||||
| Crioceras Roemeri NEUM. et UHL. | ||||
| Crioceras Hildesiense VON KOENEN | ||||
| Belemnites sp. sp. | ||||
| Brachiopoda (Armfüßer): | Lungula truncta SOW. | |||
| Vermes (Würmer): | Serpula articulata SOW. | |||
| Echinoidea (Seeigel): | Echinobrissus ? sp. | |||
| Collyrites ovulum D'ORB. | ||||
| Holaster Strombecki WEERTH | Holaster Strombecki WEERTH [?] | |||
| Echinospatagus cordiformis BREYN | ||||
| Crustacea (Krebse): | Meyeria ornata PHILLIPS | Meyeria ornata PHILLIPS | ||
| Foraminifera (Kammerlinge): | Dentalina ? sp. |
| {Seite 39} | Tepe'scher Steinbruch, Hagenberg (Cenoman-Pläner): |
| Cephalopoda (Kopffüßer): | Schloenbachia varians SOW. |
| Schloenbachia Coupei BRONGN. | |
| Acanthoceras Mantelli SOW. | |
| Nautilus cenomanensis SCHLÜTER | |
| Lamellibranchia (Muscheln): | Inoceramus virgatus SCHLÜTER |
| Inoceramus orbicularis GOLDF. | |
| Pecten sp. | |
| Dimya sp. | |
| Brachiopoda (Armfüßer): | Lima cf. elongata SOW. |
| Rhynchonella Mantelli SOW. | |
| Terebratula sp. | |
| Vermes (Würmer): | Serpula sp. |
| Echinoidea (Seeigel): | Discoidea cylindrica AG. |
| {Seiten 40 - 41} | Sander'scher Steinbruch, Langenberg (Cenoman-Pläner): |
| Cephalopoda (Kopffüßer): | Turrilites Scheuchzeri BOSC. |
| Echinoidea (Seeigel): | Holaster sublobosus AG. |
| Terebratulina rigida SOW. | |
| Brachiopoda (Armfüßer): | Terebratula sp. |
| Bryozoen |
| {Seite 41} | Vornbäumen'scher Steinbruch, Hagenberg (Cenoman-Pläner): |
| Cephalopoda (Kopffüßer): | Nautilus cenomanensis SCHLÜTER |
| Erstbeschreiber: | AG. | Louis AGASSIZ (28.05.1807 - 14.12.1873) |
| BOSC. | Joseph Augustin Hubert de BOSQUET (07.02.1814 - 28.06.1880) | |
| BREYN | Johann Philipp BREYNE [bzw. BREYNIUS] (09.08.1680 - 12.12.1764) | |
| BRONGN. | Adolphe BRONGNIART (05.02.1770 - 07.10.1847) | |
| DESH. | Gérard Paul DESHAYES (13.05.1795 - 09.06.1875) | |
| D'ORB. | Alcide Charles Victor Marie Dessalines D'ORBIGNY (06.09.1802 - 30.06.1857) | |
| GOLDF. | Georg August GOLDFUSS (18.04.1782 - 02.10.1848) | |
| LAH. | Joseph I. LAHUSEN (14.05.1846 - 08.03.1911) | |
| LEYM. | Alexandre Félix Gustave Achille LEYMERIE (13.01.1801 - 1878) | |
| NEUM. et UHL. | Melchior NEUMAYR (24.10.1845 - 29.01.1890) und Viktor UHLIG (02.01.1857 - 04.06.1911) | |
| PHILLIPS | John PHILLIPS (05.12.1800 - 23.04.1874) | |
| PICT. & CAMP. | Francois Jules PICTET de la Rive (27.09.1809 - 15.3.1872) & Gustave Louis CAMPICHE (06.06.1840 - 1889) | |
| ROEMER / A. ROEMER | [F. ROEMER = Carl Ferdinand ROEMER (05.01.1818 -
14.12.1891)] / Friedrich Adolf ROEMER (14.04.1809 - 25.11.1869) |
|
| SCHLÜTER | Clemens August SCHLÜTER (03.07.1835 - 25.12.1906) | |
| SOW. | James de Carle SOWERBY (05.06.1787 - 26.08.1871) | |
| VON KOENEN | Adolf VON KOENEN (21.03.1837 - 03.05.1915) | |
| WEERTH | Otto WEERTH (21.06.1849 - 30.04.1930) | |
| WOLLM. | August WOLLEMANN (03.11.1862 - 20.11.1920) |
Mit der Bitte um Beachtung: Die Bestimmungen und Bezeichnungen entsprechen dem Stand des Jahres 1904!
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"Recht freute ich mich über Ihre
zufriedenen Briefe; die Eltern und ich hören gern von
Ihnen, mit welchem Erlolg Sie in Göttingen
arbeiten." (Julius Schlotheuber an Karl Andrée) |
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| Karl Andrée 1904 | Julius Schlotheuber |
Der Iburger Apotheker Julius Schlotheuber (geb. 02.11.1869 in Duingen, gest. 13.02.1936 in Iburg) schrieb Ende Januar / Anfang Februar 1904 an Karl Andrée:

| " Die Steinbruchsarbeiter halte ich
kräftig zum Sammeln an. Bei trockenem Wetter sollen sie mir die Versteinerungen zutragen; ich schicke sie Ihnen dann umgehend nach Göttingen. Zuletzt war ich mit dem Assessor Lamby und Referendar Scheekl vor Weihnachten in dem Dörenberg's Steinbruch. Unter dem hohen Schnee konnten wir die Versteinerungen nicht beweisen. Leider hatten die Arbeiter sie nicht in die Schutzhütte gebracht." |
In der Promotionsakte befindet sich der von
Karl Andrée handschriftlich abgefasste Lebenslauf::

| " Lebenslauf. Als Sohn des Apothekers Adolf Andrée und seiner Gattin Henny, geb. Duntze, adopt. Bömers, wurde ich, Karl Andrée, am 10. März 1880 zu Münder a.D. geboren." |
1904 legte Karl Andrée seine Inaugural-Dissertation "Der Teutoburger Wald bei Iburg" zur Erlangung der Doktorwürde der hohen philosophischen Fakultät der Georg-Augusts-Universität zu Göttingen vor. Natürlich wurde ein Heft auch an Julius Schlotheuber übergeben:

| "Herrn Apotheker Jul. Schlotheuber in Iburg mit
besten Grüßen der Verf." > Dieses Originalexemplar befindet sich heute in meiner Büchersammlung! < |
Noch heute bekannt ist Prof. Dr. Karl Andrée als ehemaliger Direktor des Geologisch-Paläontologischen Institutes an der Albertus-Universität in Königsberg Pr. (heute: Kaliningrad, Rußland) und als Leiter der Bernsteinsammlung der Albertina - der damals berühmtesten und vollständigsten Bernsteinsammlung der Welt.
Nähere Informationen zu Karl Andrée
finden Sie online unter http://www.geo-iburg.de.vu/geologen.html#Andree
oder in folgenden Veröffentlichungen:
GREBING, H.: Karl Andrée -
Wegbereiter der Iburger Geologie. In: Heimat-Jahrbuch
"Osnabrücker Land 1995".
GREBING, H.: Karl Andrée -
ein Münderaner Sohn. In: Der Söltjer. Bad Münder 1996.
Kalkwerk Sander - vormals Koke - am Langenberg
von Horst Grebing
Am Ostende des Langenberges nahe Iburg errichtete 1872 ein Herr Koke einen Kalkofen. Später wurde das Kalkwerk vom Kaufmann Conrad Sander1 (gest. 1907) übernommen.
Wilhelm Trenkner (geb. 08.10.1817 in St. Andreasberg, gest. 01.03.1890 in Berlin) berichtete bereits 1881 in dem Buch "Die geognostischen Verhältnisse der Umgegend von Osnabrück": "Nahe bei Iburg ist [der Pläner2] (...) westlich vom Schlossberge erschlossen."
In dem Heft "Iburg in der Geschichte und in der Natur" von Friedrich Knickenberg aus dem Jahr 1894 ist nachzulesen: "Der Weg führt uns an Sanders Kalköfen vorbei, die hier am Langenberge angelegt sind. Der Langenberg ist ein Flötzgebirge, aus Pläner-Kalksteinen bestehend in einer Ablagerung von Norden nach Süden. Der Kalkstein ist von hellgrauer Farbe und finden sich in demselben häufig Versteinerungen vor, namentlich von Muscheln, Ammonshörnern u.s.w. Die einzelnen Flötze oder Bänke sind haufig durch eine Mergelschicht von einander getrennt."
In der Inaugural-Dissertation "Der Teutoburger Wald bei
Iburg" führt Karl Andrée (geb. 10.03.1880 in Münder am
Deister, gest. 18.08.1959 in Göttingen) ausführlicher aus:
"In dem Sander'schen Steinbruche am Langenberge, westlich
von Iburg, ist der Cenoman-Pläner ziemlich in seiner ganzen
Mächtigkeit, welche etwa 100 m betragen mag, abgesehen
vielleicht von den alleruntersten Schichten, steil nach Süden
einfallend, aufgeschlossen. Hier lieferten mir die unteren Lagen
ausser den meisten oben angeführten Arten noch Turrilites
Schechzeri Bosc., Holaster subglobosus Ag. und Terebratulina
rigida Sow..
Nach oben zu wird das Gestein heller und fester und schliesslich
rein weiss, nur gelegentlich mit dunkleren, grauen bis blauen
Flammen und enthält noch häufiger Schwefelkiesknollen.
In den obersten, weissen Kalken findet sich auch eine
eigentümliche "kleinstylolithische Absonderung nach
Schicht- und Kluftflächen", wie sie bereits von Stille aus
der Gegend von Altenbeken beschrieben wurde.
Die obersten, weissen Cenoman-Pläner sind arm an Fossilien. Im
Sander'schen Steinbruche sammelte ich daraus Holaster sublobosus
Ag., Terebratula sp. und Bryozoen."
|
Schichtenfolge (von Nord nach Süd): grauer Wasserkalk (Cenoman-Pläner, kro1b) weißer Fettkalk (Cenoman-Kalk, kro1g) |
|
| Erstausgabe
der Topographischen Karte 1 : 25 000, Aufnahme 1895, herausgegeben 1897 |
Geologische
Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern, Blatt Iburg, geologisch bearbeitet durch Wilhelm Haack (geb. 08.07.1882 in Lügumkloster, gest. 20.05.1947 in Berlin / Ost) |
Eine Analyse der Kalke aus dem Sander'schen Steinbruch von Dr. Wilhelm Thörner (geb. 16.05.1850 in Osnabrück, gest. 09.09.1920 in Osnabrück), Inhaber eines chemisch-technischen Handelslaboratoriums in Osnabrück, ergab folgende Werte:
| dunkler, unterer Cenoman-Pläner: | harte, obere Kalke: | |
|---|---|---|
| in Salzsäure unlöslich: | 16,2 % | 11,8 % |
| Siliziumdioxid (SiO2) | 11,7 % |
8,9 % |
| Aluminiumdioxid (Al2O3) | 4,5 % |
2,9 % |
| in Salzsäure löslich: | 83,8 % | 88,2 % |
| Aluminiumdioxid (Al2O3) u. wenig Eisen-III-Oxid (Fe2O3) | 2,0 % |
1,4 % |
| Kalziumoxid (CaO) | 44,7 % |
47,5 % |
| Magnesiumoxid (MgO) | 0,4 % |
0,3 % |
| Kohlendioxid (CO2) u. Glühverlust | 36,7 % |
39,0 % |
Nachfolgende Postkarte mit der No. 15936 des Weltpostvereins aus dem Iburger Verlag Matthias Gellenbeck aus dem Jahr 1906 zeigt, über den damaligen Mühlenteich der Schlossmühle (dem am 18.06.1933 eingeweihten Charlottensee) blickend, die Ostseite des Langenberges mit dem ehemaligen Kalkwerk Sander:

Die Aufnahme auf der nachfolgenden Postkarte des Verlages Anton Hankers aus etwa gleicher Zeit gewährt einen Blick in den Steinbruch: hier waren Gleise für den Transport der Kalke verlegt, inmitten des Geländes ein sog. "Kummerhaufen", der Gesteinsabfall aus dem Steinbruch.

Aus der Bildmaterialien-Sammlung von Franz-Josef Schräder aus Iburg stammt der folgende Schnitt des Schachtofens:

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Conrad Sander am Steinbruch im Langenberg |
Conrad Sander |
Das Kalkwerk bestand bis ca. 1904. Bergassessor Christian Dütting (geb.
20.12.1862 in Osnabrück, gest. 21.07.1921 in Iburg) 3,
späterer Generaldirektor und Leiter der Bergwerksabteilung der
"Phoenix", Aktiengesellschaft für Bergbau und
Hüttenbetrieb, kaufte im Jahre 1905 das umgebende Gelände und
erbaute auf dem Kalkfelsen 1906 ein Landhaus als Erholungs- und
Feriendomizil.
Der Kalkofen wurde Mitte der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts
abgebrochen und die Reste in eine Senke in unmittelbarer Nähe
hineingeworfen.
Im August 1981 suchte ich nach Mineralien und Fossilien im ehemaligen Sander'schen Kalksteinbruch - in den breiten Klüften fanden sich zahlreiche wunderschöne Calcite.

1 Conrad Sander war seit 1898 Ehrenmitglied des
Iburger Verschönerungsvereins (gegr. am 21. Mai 1887 im
Gersemann'schen Hotel durch Iburger Bürger). Sander war es auch,
der von der Forstverwaltung ein 95 m2 goßes
Grundstück auf dem Dörenberg für den Bau des Aussichtsturmes
anpachtete. Der Bau dieses eisernen Aussichtsturmes konnte
schließlich 1898 mit einer großzügigen Spende der Geschwister
Sudtfeld aus Bielefeld in Angriff genommen werden.
2 Pläner bezeichnet eine Wechselfolge von geringmächtigen
Kalksteinbänkchen mit zwischengeschalteten dünnen Mergellagen.
3 FARRENKOPF, Michael: Bergassessor Christian
Dütting. Zur Biographie eines Angestellten Bergbau-Unternehmers.
In: Ulrich S. Soénius (Hrsg.): Bewegen - Verbinden - Gestalten.
Unternehmer vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Schriften zur
rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte, Band 44, Köln
2003.
Hinter- und
Untergründe
Eine Zeitreise1
von Horst Grebing
Winter 1959/1960 - draußen ist es kalt, aber im Rittersaal des Schlosses Iburg ist es durch das lodernde Kaminfeuer wohlig warm. Es ist wieder ein Abend, dem unsere Heimschulordnung2 gerecht wird: "Sinnbild und Ausdruck unserer Gemeinschaft ist die Runde am Kamin."
Frau Oberstudienrätin Anna Franke3 hält einen Vortrag zum Thema "Erdgeschichtliche Ereignisse im Iburger Raum und ihre landschaftsgestaltende Wirkung"4 : "Ich glaube, es lohnt sich, einmal die Vielfalt der Landschaftsbilder im Iburger Raum zu deuten, ihr Werden zu verfolgen, im heutigen Angesicht die Spuren der Vergangenheit zu erkennen. - Wir wollen uns also mit erdgeschichtlichen Tatsachen beschäftigen."
Meine Gedanken schweifen ab: was für eine enorme Kraft mußte aufgewandt werden, damit unsere "Iburg" überhaupt auf diesem Bergrücken entstehen konnte. Der schmale Grat des Bergrückens mußte abgetragen und Senken mußten zugeschüttet werden. Material für den Bau war in nächster Umgebung vorhanden: Holz, Sandstein vom Dörenberg ("Benno-Steinbruch") und Steine zum Kalkbrennen konnten auf dem Burgberg selbst gebrochen werden.
Ob wohl schon damals Fossilien und Mineralien das Interesse der Burgbewohner geweckt haben? Schon der Gelehrte und Weihbischof Niels Stensen (Nicolaus Steno; geb. 11.01.1638, gest. 05.12.1686), der gute Kontakte zum Iburger Abt Maurus Rost besaß und in den ersten Septembertagen 1683 im Iburger Kloster verweilte, hielt Fossilien für einstige Lebewesen. Auch hat er schon den informativen Gehalt geschichteter Lagerung sowie unterschiedlich zusammengesetzter Schichten erkannt. In einer Vorrede an den Großherzog Ferdinand II.5 aus dem Jahre 1667 schrieb Steno: "Den Alten machte nur eine einzige Schwierigkeit zu schaffen, nämlich wie Körper aus dem Meere an Stellen fern vom Meere zurückgeblieben sind, ...". Steno hielt indes die Versteinerungen für Zeugen einer Sintflut. Heute weiß man mehr: vor 92 Millionen Jahren, dem Cenoman, befand sich im Iburger Gebiet ein küstenfernes Schelfmeer, in dem Ammoniten, Brachiopoden, Muscheln und Seeigel lebten. Die Ammoniten schwebten wie Freiballone im Wasser oder krochen über dem Meeresboden, wo sie mit einer Art Schaufel die Kleinlebewesen der obersten Bodenschicht aufscheuchten und sie dann verschluckten. Andere Lebewesen wie Muscheln und Brachiopoden hefteten sich auf das Sediment und filterten die im Wasser enthaltenen Nahrungspartikel. Seeigel weideten mit ihrem Mund, der sich auf der Unterseite der Tiere befand, den Aufwuchs am Untergrund ab.
Durch das Verrücken eines Stuhles wurde ich jäh aus meinen Gedanken gerissen, konnte aber dadurch den interessanten Vortrag weiter verfolgen.

Vereinfachtes geologisches Profil (nach HAACK,
1930)
So könnte es sich vor knapp vierzig Jahren im Rittersaal des Schlosses Iburg zugetragen haben. Ich selber habe dies nicht miterlebt: knapp zwanzig Jahre später mußte ich dem wöchentlich zwei Stunden umfassenden Erdkundeunterricht mit geologischen Themen folgen, deren Beispiele fernab der Heimat lagen. Ich erinnere mich noch an die Überschrift: "Wir erkunden Landformen der glazialen Serie und ihre Nutzung".
Auf die hiesige Vereisung der Saale-Kaltzeit (Mittel-Pleistozän) vor 200.000 - 250.000 Jahren wurde aber nicht eingegangen, obwohl sich ein großer Teil des Gebäudes des Gymnasiums Bad Iburg auf sandigem Untergrund einer fluvioglazialen Aufschüttung (= Ablagerungen der Gletscherschmelzwässer) befindet. Beim Abschieben des Geländes für den Gymnasium-Neubau wurde feinster Sand verschoben, der in der sog. "Fillekuhle" auch einst abgebaut wurde. Die "Fillekuhle" war eine 7 - 8 m tiefe und im Durchmesser 20 m große Sandgrube im Bereich des nördlichen Parkplatzes und der dortigen Fahrradständer des Schulzentrums. Ein Brunnenprofil neben der ehemaligen Sandgrube ergab bis zu einer Teufe von 35 m Sand.
Es gab aber auch Bereiche, in denen stark lehmiger Mergel, der von Tonbänken durchsetzt ist, vorhanden war: Zeugnis einer Grundmoräne.
Ausgehend von Skandinavien stieß das Inlandeis des Drenthe-Stadiums von Norden in unsere Region vor. Die Jahresmitteltemperatur betrug - 6°C! Die mitgebrachte Sedimentfracht hat die Landschaft entsprechend aufgehöht.
Und was schrieb Frau Franke dazu: "Unser Gang durch die für unser Iburger Land wichtigsten Perioden der Erdgeschichte ist beendet. Kann er uns bei der Deutung der Heimatlandschaft helfen? Ich hoffe es! Er zeigt uns, daß die Formen der Landschaft, trotz aller Verschiedenheit und Abwechslung, materialecht sind. Jede Form ist nicht nur schön und ausgewogen, sondern sie entspricht ihrem stofflichen Aufbau und ihrer Entwicklung."
Möge der zukünftige Erdkundeunterricht auch ein Brücke zur Heimatkunde schlagen!
1 veröffentlicht in der Schülerzeitung "The
Voice" am Gymnasium Bad Iburg in der Ausgabe 10 vom
06.10.1998 anläßlich 50 Jahre Gymnasium Bad Iburg
2 Die Niedersächsische Heimschule Iburg wurde im
Herbst 1948 gegründet. Die staatliche Heimschule beendete ihre
Tätigkeit und schloß das Internat 1971; das Gymnasium wurde in
die Trägerschaft des Landkreises Osnabrück überführt - der
Umzug in das neue Schulzentrum erfolgte im August 1972.
3 Anna Franke wurde am 24.07.1898 in Münsterberg /
Schlesien geboren und starb am 10.02.1989 in Bad Iburg. Als
Oberstudienrätin unterrichtete sie von 1948 bis 1962 an der
Heimschule Iburg die Fächer Mathematik, Chemie und Erdkunde.
4 Der 11seitige Vortrag wurde um 1960 gehalten -
näheres in dem Artikel "Anna Franke -
Naturwissenschaftlerin mit Leib und Seele" von Horst
Grebing, veröffentlicht in den Mitteilungen "gbi" des
Vereins der Freunde und ehemaligen Schüler des Gymnasiums Bad
Iburg, Heft Nr. 15, November 1990.
5 Großherzog Ferdinand II. der Toskana (1610 - 1670)
Bergbaurelikte
des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins bei Bad Iburg
Auf Spurensuche
von Horst Grebing
Im Jahre 1836 wurde in Beckerode bei Hagen eine Eisenhütte errichtet. Zur Eisenhütte gehörten umfangreiche Grubenfelder auf Eisenstein am Martiniberg, Ellenberg, Hüggel, Rotenberg und Heidhorn-Berg. Schürfrechte auf Eisenstein wurden im Jahre 1847 auf das Amt Iburg ausgeweitet.
Als die Eisenhütte im Jahre 1856 verkauft werden sollte und die Königlich-Hannoversche Regierung die erforderliche Genehmigung zur Übertragung der Bergwerksfelder davon abhängig machte, dass der Käufer die gewonnenen Eisenerze nur im Königreich Hannover verhüttet, bildete sich in Hannover ein Konsortium mit dem Ziel, die Beckeroder Hütte und die dazugehörigen Bergwerksfelder zu kaufen und im Fürstentum Osnabrück ein großes Eisenhüttenwerk zu errichten. Da das Gründungskomitee aber auch der Ansicht war, dass ein Hüttenwerk nur im Falle der Gewinnung von Steinkohlen in unmittelbarer Nähe des Hüttenwerkes rentabel sei, machte dieses die Bildung der Gesellschaft von der Verleihung eines Kohlenfeldes im Dütetal abhängig.
Nach technischen Voruntersuchungen wurde dem Gründungskomitee von der Regierung zugesichert, ein im Dütetal gelegenes Steinkohlenfeld verliehen zu bekommen.
Am 05. Juni 1856 wurden die Beckeroder Hütte und die Bergwerksfelder an den neuen Eigentümer, dem Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein, übergeben. Da die Lage der Beckeroder Eisenhütte keine Erweiterung der Produktion zuließ, wurde ein zentraler Standort zu den Erz- und Steinkohlevorkommen in der Bauernschaft Malbergen gefunden.
Am 18. Oktober 1856 erfolgte die Verleihung des Steinkohlenfeldes Glückauf in unmittelbarer Nähe des Dorfes Oesede. Im selben Jahr wurde der Glückaufschacht abgeteuft; im Herbst und Winter 1865/66 trat die Düte nach starken Regenfällen über die Ufer und große Wassermassen gelangten in die Grube. Nachdem die Wasserhaltungsmaschinen nicht mehr ausreichten, musste der Abbau im Jahre 1866 aufgegeben worden. Die Hütte war nun verstärkt auf westfälische Steinkohlen angewiesen.
Am 22. August 1857 wurden die Bergrechte für das 9.132.110 m2 große Steinkohlen-Feld Dörenberg verliehen. Es wurde an zwei Stellen westlich der alten Heerstraße Iburg - Oesede nach Kohle gesucht. In einem Schurfschacht wurden dort von 1857 bis 1884 geringfügig Wealden-Steinkohlen abgebaut. Ein Versuchsschacht wurde in unmittelbarer Nähe, südlich des Schurfschachtes, im Jahre 1885 abgeteuft. Dieser Schacht hatte eine Teufe von 16,82 m und diente lediglich der Erforschung des Kohlenlagers.
Am 06. März 1953 wurde neuer Eigentümer der Bergrechte am Feld Dörenberg die Fa. Steinkohlenbergwerke Viktor-Ickern AG in Castrop-Rauxel - am 18.10.1955 erloschen die Bergrechte.
Die Halden und ehemaligen Schachteingänge sind noch heute sichtbar: wenn Sie vom Parkplatz Bäumker am Dörenberg in Bad Iburg den Weg in nordnordöstlicher Richtung zum Roten Loch gehen, sehen Sie am Wegesrand als erstes die Halde des Versuchsschachtes und den Weg weiter folgend die Halde des Schurfschachtes.
Ein weiteres Kohlenfeld mit der Bezeichnung östliches Vereinsfeld wurde dem Verein am 25. Februar 1858 verliehen. Bereits 1859 wurden bei Schürfarbeiten zwei abbauwürdige und zwei schmale Kohlenflöze nachgewiesen. Am 16.07.1868 wurde das 6.354.750 m2 große Steinkohlenfeld in Hilterberg umbenannt.
Wegen unzulänglicher Transportmöglichkeiten zur Eisenhütte verzichtete man aber vorerst auf einen Abbau. Doch die Schwierigkeiten beim Bezug der westfälischen Kohlen und den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 machten den Kohlenabbau im Feld Hilterberg interessant.
Daher begann 1872 der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein mit dem Bau des Carl-stollens (heutige Bezeichnung: Karlsstollen). Er wurde nach 240 m mit einem Luftschacht und nach weiteren 220 m mit einem weiteren Luftschacht bestückt. Der Stollen wurde abschließend auf insgesamt 920 m verlängert. Mitte 1874 war der Stollen fertiggestellt und im November 1874 begann mit 48 Beschäftigten der Betrieb der Anlage. Die Förderung betrug jährlich ca. 9.000 Tonnen Kohlen.
Vom Stollen aus sind Grundstrecken 2.400 m nach Westen und 1.200 m nach Osten getrieben worden.

In den Jahren 1885/86 wurde für 153.838,92 Mark 920 m östlich vom Mundloch des Karlsstollens ein kleiner Tiefbauschacht mit einer Teufe von 63,92 m niedergebracht und von hier aus die Flöze 3 und 4 abgebaut. Von hier gelangten die Kohlen dann auch mittels einer 1.630 m langen Ottoschen Drahtseilbahn zum Bahnhof Wellendorf. Zwischen 1891 und 1893 deckte die Zeche den gesamten Bedarf an Kohlen, die das Stahlwerk für die Gaserzeugung benötigte.

1892 war beabsichtigt, nahe dem 1. Tiefbauschacht, einen zweiten Tiefbauschacht abzuteufen. Als sich aber bei einer Teufe von 17 m unter der ersten Tiefbausohle im Herbst 1892 unerwartet große Wasserzuflüsse einstellten, wurde beschlossen, diesen Schacht aufzugeben und nach dem Karlsstollen zu verlegen.
Am 20. Juli 1893 wurde der 2. Tiefbauschacht in Betrieb genommen; dieser war am Kreuzungspunkt zwischen dem Grundstollen und dem Karlsstollen angelegt worden. Es wurde später auf drei Sohlen, der 75-, 105- und 155-m-Sohle gefördert. Im Jahre 1894/95 betrug die Fördermenge 22.936 Tonnen bei 194 Arbeitern; ein Arbeiter verdiente pro Schicht 2,02 Mark. Aber auch hier musste man mit bedeutenden Wasserzuflüssen kämpfen, so dass um 1900 nur noch auf der 75-m-Sohle abgebaut wurde.
Infolge starker Wassereinbrüche, günstigeren Kohlenbezugsmöglichkeiten von der werkseigenen Zeche Werne nördlich der Lippe und schwierigen Abbaubedingungen wurde die Kohlenförderung der Zeche Hilterberg am 31.03.1903 beendet. Die Wasserwältigung wurde am 01. April 1903 um 18.00 Uhr eingestellt. Zum Abschluss der Aufräumarbeiten wurden die Schächte verfüllt und der Stollen zugemauert.
Am 25.02.1957 erlosch die Konzession für das Feld Hilterberg.
Die Überreste des Bergbaus im Feld Hilterberg sind an vielen Stellen erkennbar: parken Sie auf dem Wanderparkplatz Zum Limberg im Hilteraner Ortsteil Hankenberge. Auf der dort aufgestellten Informationstafel sind die Örtlichkeiten des 1. Tiefbauschachtes (am Drei-Tannen-Weg in östlicher Richtung) und des Karlsstollens (am Drei-Tannen-Weg in westlicher Richtung) eingetragen. Zwischen Parkplatz und Karlsstollen, im Bereich des Streckenwanderweges Bevergern - Bielefeld (X 25), befinden sich auch die Reste des 2. Tiefbauschachtes und die zwei erwähnten Luftschächte.
Und nun viel Spaß bei der Spurensuche!
Zamites
iburgensis - ein Pflanzenfossil vom Hohnsberg
mit einem Rückblick auf die damit
seinerzeit befassten Forscher
Von Horst Grebing
"Z. foliis pinnatis, segmentis lanceolato-linearibus integris apice angustatis basi contractis approximatis alternantibus patentibus aut patentissimis; nervis tenuibus simplicibus parallelis, marginalibus latioribus; rhachi mediocri."
Zamites hat gefiederte Blätter mit ganzrandigen linear-lanzettförmigen Fiedern, die zugespitzt und an der Basis verengt sind. Sie stehen nahe zusammen, aber auch weit bis sehr weit auseinander. Die zarten Blattadern verlaufen annähernd parallel und werden zum Rand hin breiter; die Blattspindel liegt mittig.
![]() Holotypus Breite des Originals: 8,6 cm |
![]() Abbildung aus |
So die Erstbeschreibung von Zamites iburgensis, einem Nacktsamer aus der Gruppe der Cycadophyten (Palmfarne) und der Ordnung Bennettitales, in der Veröffentlichung "Die Flora der Westfälischen Kreideformation" aus dem Jahr 1880 von Prof. August Hosius und Dr. Wilhelm von der Marck.
August Hosius und Wilhelm von
der Marck stellten in der vorgenannten Veröffentlichung dem
Gattungsnamen Zamites den Autorennamen Bornemann hinter.
Johann Georg Bornemann wurde am 20. Mai 1831 im thüringischen
Mülhausen geboren und verstarb am 05. Juli 1896 in Eisenach an
einem Herzleiden. Er war Kenner der mitteldeutschen Trias und
gehörte zahlreichen Forschungsgesellschaften an.
Näheres zum Leben von Johann Georg
Bornemann können Sie im Internet unter http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Georg_Bornemann nachlesen.
Der Gattungsname Zamites wurde
ursprünglich erstmalig von Adolphe Théodore Brongniart in
seiner 1828 erschienenen Abhandlung "Prodrome d'une histoire
des végétaux fossiles" (Seite 94) beschrieben. Unter
dieser Gattung fasste Brongniart einen großen Teil der bekannten
fossilen Cycadeenreste zusammen, welche mit der lebenden Gattung
Zamia mehr oder weniger übereinzustimmen schienen. Die fossilen
Arten teilte er in zwei Abteilungen, Zamia und Zamites, und
begriff unter der Art Zamia mit an der Basis zusammengezogenen,
eingelenkten Blattfiedern, unter Zamites diejenigen Arten, deren
Fiedern an der Basis erweitert, geöhrt, nur mit dem mittleren
Teil der Basis befestigt und einander genähert sind. Adolphe
Théodore Brongniart wurde am 14. Januar 1801 in Paris geboren
und verstarb am 19. Februar 1876 in Paris; Brongniart war ein
französischer Botaniker und Phytopaläontologe.
Warum Hosius und von der Marck den Gattungsnamen Bornemann
anfügten liegt in folgender Tatsache begründet:
Brongniart hatte in seiner Abhandlung "Tableau des terrains
qui composent l'écorce du globe, ou essai sur la structure de la
partie connue de la terre" aus dem Jahr 1829 die Systematik
der fossilen Cycdeen gänzlich umgeschaffen und die Gattung
Zamites völlig aufgegeben.
In der Abhandlung "Über organische Reste der
Lettenkohlengruppe Thüringens" aus dem Jahr 1856 berichtet
J. G. Bornemann über die Fauna und Flora dieser Formation ,
besonders über fossile Cycadeen, nebst vergleichenden
Untersuchungen über die Blattstruktur der jetztweltlichen
Cycadeengattungen. Dort ist nachzulesen: "Es scheint uns
diese Aenderung, namentlich das gänzliche Aufgeben der Gattung
Zamites nicht hinreichend gerechtfertigt und daher auch nicht
zulässig. (...) Wir glauben deshalb (...) die Gattung Zamites
(...) so lange aufrecht erhalten zu müssen, als nicht weitere
und genauere Aufklärungen über die Natur und den Bau der
fossilen Reste die Nothwendigkeit jener Aenderung beweisen
werden. Die Existens wahrer fossiler Zamien, oder doch fossiler
Cycadeen, die dieser Gattung sehr nahe stehen, wird uns ausserdem
sehr wahrscheinlich durch die Resultate, welche sich aus der
Vergleichung der Blattepidermis der lebenden Cycadeen mit den
fossilen Epidermisresten aus der Lettenkohlengruppe ergeben
haben. (...) Als Charaktere der Gattung Zamites betrachten wir
folgende: Wedel gefiedert, lederartig; Fiedern genähert oder
entfernt, von eiförmiger, oft schiefer, bis schmal linearer
Form, an der Basis zusammengezogen, ganzrandig, oder an der
vorderen Häfte gezähnt, am Ende stumpf. Die Nerven sind
gleichstark, beiderseits deutlich und meistens dichotom. Die
Epidermis besitzt dieselbe Struktur wie bei den lebenden
Zamien." Bornemann kann somit als Wegbereiter der
Kutikularanalyse, bei der die Zellmuster fossiler und rezenter
Pflanzen verglichen werden, bennant werden.
Im weiteren Verlauf der Erstbeschreibung schildern die Autoren Vergleiche zu anderen Arten der Gattung Zamites und geben so eine umfassende Beschreibung von Zamites iburgensis ab: alternierende, mehr lancettförmige und länger zugespitzte Segmente, welche mit fast gerundeter Basis der Spindel aufsitzen; endlich durch einfache, nicht dichotomirende Nerven. Die Pflanze besitzt Blattsegmente, welche unter einem rechten nahe kommenden Winkel von der mäßig starken Spindel abgehen, aus einer verschmälerten Basis lancett-linear gestaltet, 6 cm lang, 7 mm breit und mit 10 - 12 parallelen Nerven, sowie mit ungewöhnlich starken Randnerven versehen sind.
Eine Rekonstruktion dieser bis zu 2 m hohen Pflanze könnte folgendermaßen ausgesehen haben:

Zamites iburgensis war auch auf
Seite 48 im "Führer durch die Naturhistorische Abteilung
des Lippischen Landesmuseums" (Ausgabe 1981) abgebildet.
Als Fundort wird der braune Neocomsandstein vom Hohnsberg bei
Iburg angegeben.
Neocom (eingeführt von Jules THURMANN in einem
Vortrag am 01.10.1835 anläßlich einer Sitzung der
"Société géologique") ist eine veraltete
Stufenbezeichnung der unteren Unterkreide.
Prof. Dr. Gerhard Keller (geb. 22.06.1903, gest. 27.01.1981) schrieb in seiner Veröffentlichung "Die geologische Entwicklung des Osnabrücker Gebietes während der Unterkreidezeit": "Als einziger Pflanzenfundpunkt im Osningsandstein südlich von Osnabrück wurde der Hohnsberg bekannt, ...".

Erstausgabe der Topographischen Karte 1 : 25 000 (Aufnahme: 1895)
Beim Osning-Sandstein handelt es sich um
eine Küstenfazies, die das Festland der Münsterländer
Halbinsel umsäumt. Im Bereich des Hohnsberges befand sich nach
KELLER einst ein Seegatt (=Strömungsrinne, welche durch die
fließenden Wasserströme der Gezeiten erodiert wurde).
Aufgrund der im Hohnsberg vorkommenden Konglomerate und
Mächtigkeiten der Sandmassen wurde schon früh eine ehemalige
Flußmündung vermutet (BESSIN).

Der Osning-Sandstein des Hohnsberges ist dem oberen Valanginien (Valendis) zuzuordnen:
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Die Erstbeschreibung des Pflanzenfossils erfolgte durch August Hosius und Wilhelm von der Marck; wahrscheinlich beschrieb Hosius das Fossil und von der Marck zeichnete die Versteinerung.
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August Hosius wurde am 23. Oktober
1825 in der westfälischen Ortschaft Herne a. d. Lippe
geboren. Nach dem Studium der Naturwissenschaften und
Mathematik promovierte er mit der am 26.07.1850
eingereichten Dissertation "De gammari speciebus
quae nostris in aquis reperiuntur" in Bonn zum Dr.
phil. Bis 1862 als Lehrer am Gymnasium Paulinum in Münster tätig, übernahm Hosius am 01. Oktober 1862 die an der damaligen Akademie zu Münster neugeschaffene außerordentliche Professur für "Mineralogie und Geognosie"; er blieb aber noch weiterhin als Lehrer am Gymnasium tätig. In diesem Jahr setzte er sogleich durch, dass die mineralogischen und geologischen Sammlungen von den zoologischen Sammlungen des Naturhistorischen Museums abgezweigt wurden und ihm deren "Beaufsichtigung" übertragen wurde. Am 23. April 1875 wurde Hosius zum ordentlichen Professor für "Mineralogie und Geognosie" an der Akademie ernannt; nun gab er auch seine Stelle am Gymnasium auf. 1879 übernahm August Hosius das Rektorat der Akademie. 1880 erfolgte der Umzug der Sammlung vom sog. Kollegiatsgebäude in die ehem. Landsberg'sche Kurie, in der sich das Geologisch-Paläonotologische Museum noch heute befindet. 1896 umfasste die paläontologische Sammlung 17.000 Objekte, wovon über 14.300 paläontologische Objekte von Hosius zusammengetragen wurden. Ein Umstand, der auf die auf Antrag von Hosius 1863 ergangene Anweisung an die Oberbergämter in Dortmund und Bonn zurückgeht "Sammlungen von den in ihren Bezirken vorkommenden Gebirgsarten, Mineralien und Petrefakten zusammenstellen zu lassen und dieselben der Akademie zu überlassen." Die Untersuchungen von August Hosius waren unter anderem auf die mesozoischen Schichten (Jura, Unter- und Oberkreide) an den westlichen und nordwestlichen Randgebieten des Münsterländischen Beckens ausgerichtet. Hier konzentrierte er sich vor allem auf die Florenreste der Kreide. Zur damaligen Zeit galt Hosius als der beste Kenner der Geologie und Paläontologie Westfalens. Prof. Dr. August Hosius starb am 10. Mai 1896 in Münster. |
Bereits um 1860 bestand zwischen Hosius und Wilhelm von der Marck eine freundschaftliche Zusammenarbeit bei der Bearbeitung der westfälischen Kreide.
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Johann Wilhelm
Carl Theodor Matthias von der Marck wurde am 15.
Februar 1815 in Hamm (Westfalen) geboren. Als Apotheker
war er ab 1835 in Bonn, Trier und Lüdenscheid tätig. Ab
1851 führte er die vom Schwiegervater übernommene
Einhorn-Apotheke in Hamm. 1864 verkauft von der Marck
die Einhorn-Apotheke, um sich ganz den Wissenschaften und
der Kommunalpolitik zu widmen. Als Kommunalpolitiker
bekleidete er von 1852 bis 1893 das Ehrenamt des Ersten
Beigeordneten. Außerdem begründete er 1852 den
Wissenschaftlichen Verein in Hamm mit, dessen
Vorsitzender er 1864 wurde. Mindestens seit 1856 war er
Mitglied der Deutschen Geologischen Gesellschaft in
Berlin. Die Universität Bonn verlieh ihm 1858 für seine
Verdienste um die westfälische Paläontologie den
"Dr. phil.". Von der Marck gehört zu den bedeutendsten westfälischen Naturforschern des 19. Jahrhunderts. Nach eigenen Angaben beschäftigte er sich mit den Fossilien der westfälischen Kreide etwa ab 1846. Er sammelte nicht nur Fossilien, sondern er analysierte und verglich diese intensiv mit rezenten Exemplaren. Aufgrund seiner umfangreichen Sammlungen von Gesteinen, Mineralien und Fossilien galt v. d. Marck als "steinreicher Mann aus Hamm". V. d. Marcks erstaunlich exakte Beschreibungen der Fossilien erlauben dem Fachmann leicht eine Wiedererkennung. Es fallen immer wieder seine schlichten, schmucklosen und relativ kontrastarmen Zeichnungen der zugehörigen Tafeln auf. In seiner 1863 erschienenen Veröffentlichung "Fossile Fische, Krebse und Pflanzen aus dem Plattenkalk der jüngsten Kreide in Westfalen" (Palaeontographica, Vol. 11) schrieb er selber dazu: "Eine grosse Schwierigkeit endlich war die Herstellung der Abbildungen. Da ich keine Gelegenheit fand, sie einem tüchtigen Zeichner zu übertragen, so blieb mir nichts anderes übrig, als mich an der Anfertigung derselben selbst zu versuchen. Unerfahren im Zeichnen, habe ich die Gegenstände so gut es gehen wollte schmucklos wiedergegeben." Dr. Wilhelm von der Marck starb am 20. November 1900 in Hamm. |

Die in der Veröffentlichung "Die Flora
der Westfälischen Kreideformation" benannten Fossilien
entstammten aus verschiedenen deutschen Sammlungen und vielfach
nicht der Sammeltätigkeit von Hosius und von der Marck. Der
Pflanzenrest aus Iburg wurde von Dr. Otto Weerth zur Verfügung
gestellt: "Vor allem sind es (...) die Gegend von
Tecklenburg-Iburg, aus denen uns Abdrücke vorliegen, welche in
dem Museum des Gymnasiums zu Detmold aufbewahrt werden und uns
vom Herrn Gymnasiallehrer Dr. Weerth freundlichst zur Bearbeitung
überlassen hat."
Und Otto Weerth schrieb in der Arbeit "Der Hilssandstein des
Teutoburger Waldes", erschienen im "Jahresbericht über
das Gymnasium Leopoldinum und die damit verbundenen Realclassen
in Detmold, Schuljahr 1879 - 1880": "Die Pflanzen,
welche sich gefunden haben, sind von den Herren Hosius und von
der Marck in ihrer demnächst im 26. Bde. (Neue Folge VI Heft 5)
der Palaeontographica erscheinenden Kreideflora Westfalens
beschrieben. Die Güte der genannten Herren setzt mich in den
Stand dieselben schon hier mit aufführen zu können";
Zamites iburgensis wird in Weerth's Veröffentlichung auf Seite
14 erwähnt.
Weerth schrieb später: "Anderweitige
Sammlungen, welche Petrefacten des Hilssandsteins in grösserer
Zahl enthielten, scheinen nicht vorhanden zu sein."
Friedrich Adolph ROEMER (14.04.1809 - 25.11.1869)
führte für den Sandstein des Teutoburger Waldes in der
Veröffentlichung "Versteinerungen des norddeutschen
Kreidegebirges" im Jahre 1841 die Bezeichnung
"Hilssandstein" ein.
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Otto Weerth wurde am
21.06.1849 in Blomberg (Lippe) als Sohn des evangelischen
Pastors Wilhelm Weerth geboren. Nach Bestehen der
Reifeprüfung in Detmold 1868 studierte WEERTH Mathematik
und Naturwissenschaften in Göttingen und Tübingen,
unterbrochen durch seine Teilnahme am Frankreich-Feldzug
1870/71. Er promovierte auf Grund einer mathematischen
Dissertation und legte im März 1873 seine Staatsprüfung
für das höhere Lehramt in Göttingen ab. Erst ab
Dezember 1874 als Gymnasiallehrer in Celle, versah er
seinen Schuldienst ab 1876 am Detmolder Gymnasium
Leopoldinum und unterrichtete die Fächer Mathematik und
Naturwissenschaften. Aus diesem Interesse heraus
übernahm WEERTH ab 1880 die Leitung des
"Naturwissenschaftlichen Vereins für das
Fürstentum Lippe"; Otto Weerth trat dem
Naturwissenschftlichen Verein am 26. Mai 1876 bei.
Bereits im ersten Jahr wurde er Assistent seines Onkels
Prof. Dr. Carl Weerth (geb. 23.01.1812, gest. 23.11.1889)
im Museum - dieses war von 1835 bis 1885 am Gymnasium
Leopoldinum untergebracht. Unter der Leitung von Otto
Weerth erfolgte 1885 der Umzug des Museums in das bis
dahin der Prinzessin Luise zur Lippe gehörende
"Prinzenpalais" (heutige Lippische
Landesbibliothek). Während dieser Zeit erfuhr die
geologisch-paläontologische Sammlung wertvolle
Ergänzungen durch die Sammeltätigkeit von Otto WEERTH. Es folgten vielfältige heimatkundliche und geologische Veröffentlichungen, wobei einige der geologischen Themen sich auch mit dem Teutoburger Wald beschäftigten. 1880 wurde "'Der Hilssandstein des Teutoburger Waldes" veröffentlicht. Besondere Bedeutung erlangten Sammlung und Bearbeitung der Fossilien des Neokomsandsteins des Teutoburger Waldes. So erschien 1884 das Werk "Die Fauna des Neocomsandsteins im Teutoburger Walde". WEERTH beschrieb hier die Unterkreideschichten des Osnings und der vorkommenden Fauna mit bemerkenswert langen Artenlisten. Auf 78 Seiten und 11 Tafeln zeigte WEERTH von ihm fast ausschließlich selbst gesammelte Fossilien auf. Das Buch wurde anläßlich des Symposiums Deutsche Kreide in Münster 1978, fast 100 Jahre nach Veröffentlichung, als "... die wertvollste und umfassendste paläontologische Studie über das Fossilinventar des Sandsteins ..." bezeichnet. Und Karl-Alexander Hellfaier schreibt in der Veröffentlichung "Lippische Landesbibliothek und das Lippische Landesmuseum als Forschungsstätten" im Jahr 1978: "(...) aus ihnen ragt als Ergebnis seiner musealen Sammlungsarbeit das geologische Tafelwerk über die Fauna des Neocomsandsteins heraus, ein noch heute maßgeblicher Beitrag zur international verbindlichen Klassifikation der kreidezeitlichen Fossilien." Weerth schrieb in seiner Veröffentlichung: "Als besonders ausgezeichnete Fndstellen sind die Steinbrüche (...) am Hohnsberg bei Iburg zu erwähnen". Zahlreiche Erstbeschreibungen von Fossilien kennzeichneten seine rege Sammeltätigkeit: so z.B. der Ammonit Simbirskites (Craspedodiscus) iburgensis (WEERTH 1884) [Erstbeschreibung als Ammonites (Perisphinctes) Iburgensis WEERTH 1884, später von Karl Andrée als Olcostephanus iburgensis WEERTH 1884 bezeichnet], die Muschel Pinna iburgensis WEERTH 1884 und der Nacktsamer Zamites iburgensis HOSIUS & V.D. MARCK 1880. Auf Grund seiner profunden geologischen Kenntnisse fungierte Otto Weerth als Berater der lippischen Regierung. Am 16.01.1896 wurde WEERTH der Professorentitel für seine verdienstvollen Leistungen verliehen. Am 30.04.1930 starb Otto WEERTH im Alter von 81 Jahren in Detmold; ausgezeichnet mit dem Fürstlich Lippischen Ehrenkreuz und der Lippischen Rose am Ringe, zudem Ehrenvorsitzender des "Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe" und seit 1929 Ehrenbürger der Stadt Detmold. Sein geistiger Nachlass wird im Nordrhein-Westfälischen Staatsarchiv Detmold aufbewahrt.
|
Der Holotypus Zamites iburgensis HOSIUS & V.D. MARCK befindet sich (noch heute) im Lippischen Landesmuseum, Detmold.
Literaturnachweis:
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Die Erforschung der westfälischen Kreide und zur Definition der
Oberkreidestufen und -zonen. In: Geologisches Landesamt
Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Die Kreide Westfalens. Ein
Symposium. Krefeld 1964.
BESSIN, Bernhard: Die Paläogeographie der Unteren Kreide in
Norddeutschland. In: Die Naturwissenschaften, 17. Jahrgang, Heft
46, Berlin 1929.
BORNEMANN, Johann Georg: Über organische Reste der Lettenkohle
Thüringens. Ein Beitrag zur Fauna und Flora dieser Formation
besonders über fossile Cycadeen, nebst vergleichenden
Untersuchungen über die Blattstruktur der jetztweltlichen
Cacadeengattungen, Leipzig 1856.
BOSECKER, Kai, JANSSEN, Jan-Ole, SCHNEIDER, Thilo: Otto Weerth.
In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 71.
Band, Detmold 2002.
BRONGNIART, Adolphe Théodore: Prodrome d'une histoire des
végétaux fossiles, Paris 1828.
BRONGNIART, Adolphe Théodore: Tableau des terrains qui composent
l'écorce du globe, ou essai sur la structure de la partie connue
de la terre, Paris 1829.
EITNER, Volker & OEKENTORP, Klemens: Die Geschichte des
geologisch-paläontologischen Instituts der Westfälischen
Wilhelms-Universität. In: Geologisch-Paläontologisches Institut
u. Museum der Westfälischen Wilhelms-Universität (Hrsg.): 60
Jahre Geologisch-Paläontologisches Institut, 1929 - 1989, 165
Jahre Geologisch-Paläontologisches Museum, 1824 - 1989, Münster
1989.
GREBING, Horst: Der Hohnsberg - ein Locus typicus. In:
Heimat-Jahrbuch "Osnabrücker Land 1993".
HAUSCHKE, Norbert: Johann Georg Bornemann (1831-1896) - Sein
Beitrag zur Trias-Forschung. In: HAUSCHKE, N. & WILDE, V.
(Hrsg.): Trias - Eine ganz andere Welt. Mitteleuropa im frühen
Erdmittelalter, München 1999.
HOSIUS, August, von der MARCK, Wilhelm: Die Flora der
westfälischen Kreideformation. In: Palaeontographica, Band 26,
Kassel 1880.
KELLER, Gerhard: Die geologische Entwicklung des Osnabrücker
Gebietes während der Unterkreidezeit, Osnabrück 1977.
KELLER, Gerhard: Woher kommt die Osningsandsteinmasse des
Dörenbergmassives bei Bad Iburg (Teutoburger Wald)? In: Berichte
der naturhistorischen Gesellschaft Hannover, Hannover 1979.
KELLER, Gerhard: Die küstennahe Ausbildung des Osningsandsteins
bei Bad Iburg im Liegenden der Osningüberschiebung. In:
Osnabrücker Naturwissenschaftliche Mitteilungen, Band 6,
Osnabrück 1979.
KEMPER, Edwin, ERNST, Gundolf, THIERMANN, Arend: Exkursion A:
Fauna, Fazies und Gliederung der Unterkreide im
Wiehengebirgsvorland, Osning und im deutsch-niederländischen
Grenzgebiet. Symposium Deutsche Kreide, Münster 1978.
LANGER, Wolfhart: August Hosius 1825 - 1896. In: Remy, W.
(Hrsg.): Argumenta Palaeobotanica, Heft 2, Münster 1968.
RIEGRAF, Wolfgang: Große Paläontologen: Wilhelm von der Marck
(1815 - 1900). In: Zeitschrift "Fossilien", Heft 1,
Januar/Februar 1992.
RIEGRAF, Wolfgang: Wilhelm von der Marck (1815-1900) aus Hamm -
ein bedeutender westfälischer Naturforscher und Paläontologe.
In: 36. Bericht des Naturwissenschaftlichen Vereins für
Bielefeld und Umgegend e.V. über das Jahr 1994, Bielefeld 1995.
WEERTH, Otto: Der Hilssandstein des Teutoburger Waldes. In:
Jahresbericht über das Gymnasium Leopoldinum und die damit
verbundenen Realclassen in Detmold, Schuljahr 1879 - 1880,
Detmold 1880.
WEERTH, Otto: Die Fauna des Neocomsandsteins im Teutoburger
Walde. In: Paläontologische Abhandlungen, Band 2, Heft 1, Berlin
1884.
Herzlichen Dank an Dr. Markus Bertling
(Geologisch-Paläontologisches Museum der Universität Münster),
Dr. Martin Büchner, Dr. Norbert Hauschke
(Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Jan-Ole Janssen,
Prof. Dr. Klemens Oekentorp, Dr. Wolfgang Riegraf, Prof. Dr.
Rainer Springhorn (Lippisches Landesmuseum Detmold) sowie Dr.
Ilse und Prof. Dr. Eugen Seibold (Geologenarchiv, Freiburg).
"Neuer Stollen" - ein Grubengebäude im Bergwerk "Hüls & Sicherheit"
Von Horst Grebing

aus DÜTTING 1888
Der Hüls im Norden von Hilter a.T.W. besteht als Scholle von Osning-Sandstein der Unteren Kreide (Alter ca. 135 Mill. Jahre) inmitten von Schichten der Oberkreide (Alter ca. 93 Mill. Jahre). Tektonische Einflüsse in Zusammenhang mit der Osning-Überschiebung vor ca. 65 Mill. Jahren führten zu einer ganz flachen bis steilstehenden Lagerung der Schichten, welche von zahlreichen kleinen Verwerfungen außerordentlich zerklüftet sind.
In Klüften und Spalten des Sandsteins
verbirgt sich ein begehrter farbiger Rohstoff: für den Gesteinskundler ist es
"Goethit", für den Chemiker "wasserhaltiges Eisenoxid" und
für die Hilteraner Bürger der "Hilter Goldocker".
Kohlendioxid löste Eisen aus dem Osning-Sandstein und hydratisierte dieses mit
der Luft und vorkommenden Wasser.
Verwendung fand der Ocker mit einem Gehalt von 71% an Eisenoxid, der in verschiedensten Stollen und Schächten auf dem Hüls ab 1858 bis 1924 gefördert wurde, als Pigment für Farbenfabriken.
Das Bergwerk wurde vom Hilteraner Fabrikanten Bernhard Hartmann gegründet und betrieben. Das Bergwerkseigentum wurde später in die Brauerei-Aktiengesellschaft der Familie Hartmann eingebracht.
Der "Neue Stollen" wurde 1878 an der
Flachsdehne in den hellgrauen Lamarcki-Schichten angesetzt und durchlief den
grauen Mergel der Labiatus-Schichten im Unter-Turon. Zwischen Kalk und Sandstein
wurde in einer Mächtigkeit von acht Metern dunkler Flammenmergel und dunkler
Minimuston durchfahren. Der anfallende "Kummer" wurde vor dem Mundloch
aufgeschüttet. Man hoffte, nach 270 m den Osning-Sandstein zu erreichen, doch
erst nach 460 m traf man den Sandstein an. Der Stollen wurde dann fünf Meter in
Richtung auf den 41 Meter darüber liegenden Förderstollen getrieben.
Anschließend grub man ab August 1878 einen schräg ansteigenden Schacht (sog.
"Überhauen") auf den Förderstollen. Außerdem teufte man daneben
eine senkrechte "Sturzrolle" mit einem Querschnitt von ca. 2,5 x 1,5 m2
ab. Er war mittig unterteilt und diente einerseits dazu, das gewonnene
Ocker-Rohmaterial von den oberen Sohlen bis auf die neue Hauptfördersohle zu
stürzen, zum anderen war der andere Teil mit Leitern versehen, um
Zwischensohlen und die Förderstollensohle erreichen zu können. Das Ausfördern
erfolgte mit einer Lorenbahn.
Durch den "Neuen Stollen" konnten nun die anfallenden Wasser aus den
alten Stollen abgeführt als auch die Vorräte erschlossen werden.

aus HAACK 1930
1897 wurden mit acht Bergleuten insgesamt 68 Tonnen Eisenocker gefördert. Da der Ocker unregelmäßig verteilt im Gestein vorkommt, war der Abbau von jeher sehr schwierig.
Seit 1900 ruhte der Bergwerksbetrieb; 1910 wird neuer Eigentümer die Firma Schröder und Stadelmann GmbH in Oberlahnstein. Der Obersteiger Gustav Lupp öffnete 1912 im Auftrag der vorgenannten Firma die Grube wieder.
Das Mundloch des Stollens wurde völlig neue hergerichtet - über dem Stollenmundloch wurde ein hölzernes Schild mit dem Namen der Grube "Hüls & Sicherheit" angebracht, das der Holzschnitzer Steller aus Hilter angefertigt hatte.

1914 wurden noch 15 Tonnen Ocker gefördert, dann aber schloss Lupp die Grube wegen des Kriegsausbruchs.
1923/24 wurde wieder gefördert; im Juni 1924 vermaß ein Markscheider die Grubenbaue zum letzten Mal. Gustav Lupp trat im März 1925 aus seinem Arbeitsvertrag aus.
Der Ocker wurde übertage auf dem Betriebsgelände hinter dem heutigen Rathaus auf einfache Schlämmapparate gebracht, von Sand, Ton und anderen Verunreinigungen befreit und auf freistehenden Gerüsten getrocknet. Mit roter Farbe kam er teils gebrannt (> 400°C), teils ungebrannt mit goldgelber Farbe als "Hilter Goldocker" in den Handel.
Quellennachweis:
BÖDIGE, Dr. Nikolaus: Natur- und Geschichtsdenkmäler des Osnabrücker
Landes, Osnabrück 1920.
DÜTTING, Christian: Geologische Aufschlüsse an der Eisenbahnlinie Osnabrück -
Brackwede. Jahrb. der Königl. Preuss. Geol. Landesanstalt für 1888, Berlin
1888.
HAACK, Wilhelm: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und
benachbarten deutschen Ländern, Blatt Iburg, Berlin 1930.
RÖHRS, Hans: Erz und Kohle. Bergbau und Eisenhütten zwischen Ems und Weser,
Ibbenbüren 1992.
WREDE, Christian: Hilter - Goldocker und das Bergwerk "Hüls und
Sicherheit", Meppen 2003 (unveröffentlicht).
Die Zwergwesen Bergmännchen und Erdmännchen in Iburg
Von Horst Grebing
Der Mythologe Franz Felix Adalbert Kuhn (geb. 19.11.1812 in Königsberg
in der Neumark, gest. 05.05.1881 in Berlin) und der Erzählforscher Friedrich
Lebrecht Wilhelm Schwartz (geb. 04.09.1821 in Berlin, gest. 16.05.1899 in
Berlin) sammelten, angeregt von den Arbeiten der Gebrüder Jacob Ludwig
Carl Grimm (1785 - 1863) und Wilhelm Carl Grimm (1786 - 1858), Sagen, Märchen
und Gebräuche als Überreste der heidnischen Zeit.
1848 veröffentlichten Adalbert Kuhn und Wilhelm Schwartz "aus dem Munde des Volkes" unter dem Titel "Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Mecklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen"1 ein umfangreiches Buch mit Sagen (S. 1 ff.), Märchen (S. 319 ff.) sowie Gebräuche und Aberglauben (S. 369 ff.).
Zwei mündlich überlieferte Sagen sind aus Iburg:
"361. Die Bergmännchen in Iburg.
In Iburg haben sich früher viele Bergmännchen aufgehalten, die haben dort bei
einem Bauer besonders einen Schimmel2
gefüttert, der ist stets viel besser im Stande gewesen als die anderen Pferde
und oft hat man eine Stimme rufen hören: "noch 'ne matte förn witten!"
Auf den Spinnrädern dieses Bauern hat auch nie der Flachs gefehlt und sein Brot
ist immer viel schöner gewesen als das anderer Leute. Weil nun niemand gewußt,
woher das kam, hat mal ein Knecht beschlossen, dahinter zu kommen, hat sich über
Nacht versteckt und da gesehen, wie eine Menge kleiner Bergmännchen in ganz
zerlumpten Kleidern hervorgekommen sind. Da hat er alles dem Bauer erzählt und
der hat sogleich ganz neue Kleider hingelegt, welche auch am anderen Morgen fort
waren; aber seitdem sind auch die Bergmännchen nicht wiedergekommen.
362. Bergmännchen schmieden.
Die Bergmännchen bei Iburg haben in alter Zeit auch viel Schmiedearbeit
gethan; die Leute haben ihnen nur das Eisen an einen gewissen Ort legen dürfen,
dann hat das Geräth am andern Tage auf derselben Stelle fertig da gelegen und
dafür hat man nur eine sehr geringe Bezahlung hinzulegen brauchen; einer hat
aber einmal Dreck statt Geld hingelegt, und seitdem haben sie nicht mehr
geschmiedet."
Gewidmet war die Veröffentlichung
"Seiner Majestät dem Könige Friedrich Wilhelm IV. dem großmüthigen Förderer
dieses vaterländischen Werkes in tiefster Ehrfurcht und voll Dankbarkeit".
König Friedrich Wilhelm IV. (1795 - 1861) war der Urururenkel von Sophie
Charlotte Herzogin von Braunschweig und Lüneburg (geb. 30.10.1668 in Iburg,
gest. 01.02.1705 in Hannover).
Die Sage "Die Bergmännchen in
Iburg" wurde später auch in folgenden Büchern abgedruckt3:
Mackensen, Lutz: Niedersächsische Sagen, Teil 2: Hannover - Oldenburg. Leipzig
1925.
Neckel, Gustav (Hrsg.): Sagen aus dem germanischen Altertum, Leipzig 1935.
Peuckert, Will-Erich: Niedersächsische Sagen IV, Göttingen 1968.
Schirmeyer, Ludwig: Osnabrücker Sagen, Rastede/Oldenburg 1947.
Wrasmann, Adolf: Die Sagen der Heimat: Sagenschatz des Regierungsbezirks Osnabrück,
Osnabrück 1908.
Zaunert, Paul: Westfälische Sagen, Jena 1927.
Die Sage "Bergmännchen schmieden"
wurde ebenfalls in folgenden Büchern abgedruckt3:
Haggerty Krappe, Alexander: Zur Wielandsage, Braunschweig, Berlin und Hamburg
1930.
Marwede, Wendelin: Die Zwergensagen in Deutschland nördlich des Mains, Würzburg
1933.
Peuckert, Will-Erich: Niedersächsische Sagen IV, Göttingen 1968.
Die Gebrüder Grimm veröffentlichten in dem
Buch "Deutsche Sagen"1 im Jahre 1816 unter dem Untertitel
"298. Das Bergmännchen" (S. 386):
"(...) Still und friedlich wohnt das Zwergvolk in den innersten Felsklüften
und arbeitet emsig fort, selten erscheinen sie den Menschen oder ihre
Erscheinung bedeutet ein Leid und ein Unglück; (...)"
In "Meyers Konversationslexikon",4 4. Auflage, 1885 - 1892, ist nachzulesen: "Bergmännchen, ein Gebilde der Sage, an das die Bergleute im ganzen nördlichen Europa noch heute glauben. Als altes graues Zwerglein neckt es die Bergleute, die ihm seine Schätze rauben, auf alle Weise; doch gibt es auch gute Berggeister, die einzelne zu Lieblingen erwählen und ihnen Goldadern zeigen, ihre Arbeit fördern etc. (...) Es ist ein Überrest an Zwerge (Unterirdische) überhaupt, der sich an derartigen Lokalitäten erhalten hat (s. Zwerg)."
Die Bergmännchen, an die Gestalt der Zwerge angelehnt, bezeichnet Georg Agricola (1494 - 1555), der als Vater der Mineralogie bekannt ist, in dem Kapitel "Des Georg Agricola Buch von den Lebewesen unter Tage" in dem Buch "De Re Metallica Libri XII" aus dem Jahre 1556 im Verzeichnis als "daemon subterraneus mitis" (=Bergmännlein). Sie tragen Bergmannstracht mit spitzer Kapuze und verrichten bergmännische Arbeiten.
Und wo liegt der Wahrheitsgehalt dieser
altgermanischen Zwerge, die sich in Berggegenden in Bergmännchen verwandeln?
Früher wurden im Bergbau viele Kinder eingesetzt, die sich aufgrund ihrer
geringen Körpergröße besser unter Tage bewegen konnten. Bei der harten Arbeit
im Erdinneren entwickelten sie enorme körperliche Kräfte und Muskeln, aber
auch eine sehr gebückte Körperhaltung. Auch beeinträchtigte die Anstrengung
und das fehlende Sonnenlicht das Wachstum und beschleunigte den
Alterungsprozess, so dass schon Zwanzigjährige (wenn sie denn so alt wurden)
wie Greise mit grauen oder weißen Bärten aussahen; viele trugen bei der gefährlichen
Arbeit spitze Schutzkappen.5
Die aus Iburg benannten Bergmännchen
verdanken ihre Entstehung und Ausschmückung allerdings der bäuerlichen, dörflichen
Kultur.
Während Agricola's Bergmännlein nur im Berginnern hausen und mit der Ausfahrt
des Stollens ihre Macht verlieren, wirken die bäuerlichen Bergmännchen außerhalb
der Berge, treten mit Menschen in mannigfachen Wechselverkehr, und nur ihre
Wohnung ist im oder am Berge gelegen. So zeigen diese Bergmännchen schon durch
ihre Tracht, dass sie nicht im Kreise der Bergleute, sondern der Bauern
entstanden sind.6
Eine weitere Sage mit Zwergen aus Iburg findet sich in dem 1845 herausgegebenen Buch "Deutsche Märchen und Sagen"1 von Johann Wilhelm Wolf (geb. 23.04.1817 in Köln, gest. 28./29.06.1855 in Hofheim am Taunus):
"73. Zwergloch bei Osnabrück.
Bei Osnabrück in den Bergen (Iburgenso) findet man eine Höhle mit unzähligen
Irrgängen, die von Zwergen bewohnt werden. Diese machten um geringen Preis den
umwohnenden Bauern allerhand Schmiedearbeiten in Eisen, auch anderen Hausrath;
war etwas zerbrochen, das durch keine Menschenhand wieder ganz gemacht worden wäre,
die kunstreichen Zwerge thaten es mit Leichtigkeit. In Osnabrück sah ich ein
Hangeisen, woran man die Kessel übers Feuer hing, das hatten die Zwerge
gemacht. Viel erzählte man sich von ihnen, so z.B. daß das Wild in jene Höhle
flüchtete, und setzten die Hunde ihm nach, dann kämen sie nicht wieder zum
Vorschein. Diese Erdmännchen werden jetzt fast gar nicht mehr gesehen und haben
den Umgang mit Menschen fast ganz aufgegeben; es hat nämlich einmal ein
muthwilliger Bube, der auch viel Gutes von ihnen empfangen, ihnen zum Danke
seinen Koth auf die Stelle gemacht, wo man ihnen gewöhnlich den Lohn für ihre
Arbeiten hinzulegen pflegte."
Die Sage findet sich erstmals in Libros VIII, Capitel II, Section IV. in dem Buch "Mundi subterranei Tomus II. in V. libros digestus, quibus Mundi Subterranei fructus exponuntur, et quidquid tandem rarum, insolitum, et portentosum in foecundo Naturae utero continetur, ante oculos ponitur curiosi Lectoris"1 von Athanasius Kircher (geb. 02.05.1602 in Geisa (Rhön), gest. 27.11.1680 in Rom), der in diesem 1678 herausgegebenen Buch versucht, die Erde und deren Struktur von einem physikalischen Standpunkt aus zu beschreiben. Er schreibt über die Örtlichkeit: " (...) in Westphalia non procul Osnabrugo in montibus vicinis (credo Iburgensibus) (...)" (S. 110).
Die Sage ähnelt stark der Sage "Bergmännchen schmieden"; als Zwergloch werden künstlich angelegte unterirdische Höhlen und Gangsysteme bezeichnet.
Über eine Höhle3 zwischen Osnabrück und Iburg schreibt Hans Peter Feddersen der Ältere (geb. 09.01.1788 in Wester-Schnatebüll, gest. 23.09.1863 in Wester-Schnatebüll) unter dem 12. April 18147 in seinem "Tagebuch eines dänischen Soldaten von 1813 bis 1814, oder das merkwürdigste Jahr meines Lebens", welches 1817 in Tondern gedruckt und 1913 in Berlin erneut herausgegeben wurde:
"Jenseits Osnabrück mußten wir über sehr hohe Berge. Es war eine schlimme Sache für die Pferde, die Wagen hinauf zu ziehen; denn es dauerte so lange. An einer Stelle war seitwärts eine große Höhlung im Berge; da konnte man recht sehen, wie er imwendig beschaffen war; er bestand aus lauter Steinen, die stückweise groß und klein aufeinander lagen, doch so, daß die geraden und eckigen Fugen dicht aneinander schlossen. Erde war gar nicht dazwischen, aber obenauf wohl einige Ellen tief Lehm. Heide wuchs fast allenthalben auf diesen Bergen und kleine Birken dazwischen, auch wohl anderes Gebüsch und kleine Tannenwäldchen.
Hinter dem Gebirge lag der Flecken Iburg mit dem Schlosse, welches vorher ein Kloster gewesen ist [Schloß und Kloster waren getrennt]."
Über eine Berghöhle3 bei Iburg wird auch in folgenden Veröffentlichungen berichtet:
Müller, Johannes Heinrich: Vor- und frühgeschichtliche Alterthümer der
Provinz Hannover, Hannover 1893:
"Bericht vom Jahre 1879. Es ist in der Nähe von Iburg vor 20 - 25 Jahren
eine Berghöhle - alter Schacht? - aufgefunden, worin ganze Massen von römischen
Waffen und Geräthen entdeckt wurden. Der Fund ist verheimlicht. Als Beweis
dient ein ganz vorzüglich gearbeiteter Celt8, der noch vorhanden
ist. Die Sache wird näher untersucht werden."
Stupperich, Reinhard: Römische Funde in Westfalen und
Nordwest-Niedersachsen, Münster 1980:
"Iburg, Kr. Osnabrück: Angeblich wurde Mitte des 19. Jh. in einer Berghöhle
eine Menge römischer Waffen und Geräte
entdeckt, aber verheimlicht. Es ist zweifelhaft, was es damit auf sich hat;
weiteres ist anscheinend nicht darüber
bekannt geworden; nur ein 'ganz vorzüglich
gearbeiteter Celt' soll von dem Fund aufgetaucht sein."
Bei der Berghöhle könnte es sich entweder um einen alten Stollen handeln, den Johann Heinrich Terheyden II zur Untersuchung der Kohlevorkommen um 1790 am Herrenrest anlegen ließ oder um einen ebenfalls dort zwischen 1824 - 1827 von Berg-Inspector Johann Heinrich Terheyden III angelegten 127 m langen Stollen.9
Dr. theol. Karl Wilhelm Thimme (geb. 14.01.1879 in Lohe, gest. 18.01.1966 in Bad Oeynhausen), von 1911 bis 1949 Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Iburg, schrieb in seinem 1947 erstmals veröffentlichten Märchen "Am grünen Loch", erschienen auch in dem Buch "Spiel und Ernst: Märchen, Legenden und andere Geschichten":
" Noch hatten sich die Zwerge nicht für immer in die unterirdischen Gründe des Dörenberges zurückgezogen (...)", und dann weiter: "Als später das Iburger Schloß erbaut wurde, und da, wo einst der Kohlbach in den kleinen Waldsee mündete, ein Wasserwerk errichtet ward, verlor das Wasser seine alte Kraft. Das grüne Loch verschwand, und nicht einmal den Namen kennt man heute. Auch die Zwerge sah man nicht wieder, und Grauserich, der starke Berggeist, fühlte sich in den sich lichtenden Waldungen nicht mehr wohl, sondern begab sich in die menschenleeren Einöden und Wildnisse des Nordens."10
Eine weitere Sage mit dem Titel "Wie die Riesen Kalzibod und Silibod den Teutoburger Wald erbauten" finden Sie auf meiner Homepage unter http://www.geo-iburg.de.vu/tw.html!
1 Siehe: http://books.google.de
2 Nach KUHN u. SCHWARTZ 1848 erinnert der Schimmel an Wuotan, der
auch auf weißem Pferde reitet. Woutan (althochdeutsch, auch: Wodan, nordisch
Odin) ist der höchste von den Germanen verehrte Gott.
3 Morlo, Hans: Höhle am Hüggel, durch Erzbergbau oder natürlich
entstanden? (http://www.geo-iburg.de.vu/Hueggel.html)
4 Siehe: http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=101998
5 Siehe: http://www.irrgartenwelt.de/zwergenberge/
(Webprojekt im VLOH-Verlag, Winsen (Aller))
6 Siehe: http://www.sagen.at/doku/bergbau/Berggeister.html
(Quelle: Mackensen, Dr. Lutz: Berggeister. In: Handwörterbuch des deutschen
Aberglaubens, Band 1, Berlin und Leipzig 1927)
7 Fangmeyer, Wilhelm: Marsch nach Osnabrück und Umgebung. In:
Heimat-Jahrbuch "Osnabrücker Land 1983", Quakenbrück 1982.
8 Der Celt (auch: Kelt) ist ein bronzezeitliches Beil.
In der 1888 erschienenen Veröffentlichung "Vorchristliche
Altertümer im Gaue Süderberge (Iburg)" von Franz Ludwig Jostes
(1858 - 1925) und Wilhelm Johann Hubert Effmann (1847 - 1917) wird als
Fundort eines besonders schönen Kelts eine natürliche Berghöhle in Hagen
a.T.W. angegeben. Dieser war in die Hände des Iburger Arztes Dr. med.
Kappelhoff gelangt und soll sich anschließend im Besitz des Dr. Joseph Godehard
Müller (1816 - 1883, Rat am bischöflichen Konsistorium zu Hildesheim) befunden
haben (siehe auch: http://www.geo-iburg.de.vu/Hueggel.html;
nach einer schriftlichen Mitteilung des Heimatforschers Rainer Rottmann dürfte
der Celt aus einem zerstörten bronzezeitlichen Grabhügel im Engelbusch
(nordwestlich von Hagen a.T.W. gelegen) stammen).
9 Grebing, Horst: Kohlenbergbau im Feld "Hilterberg" bei
Bad Iburg im Teutoburger Wald, Bad Iburg 2003.
Johann Heinrich Terheyden II (gest. Februar 1805) war von 1782 bis 1805
als Bergmeister in Borgloh beschäftigt. Sein Sohn Johann Heinrich Terheyden III
war von 1805 bis 1840 Direktor des Steinkohlenbergwerkes Borgloh.
10 Zitiert aus: M.Kloweit-Herrmann & H.-J. Zietz: Der Freeden,
Bad Iburg 2005.