| |
 |
|
|
|
|
|
.::
Rauris - Einschnitt in die Entstehung
der
Alpen
|
|
|
|
|
|
|
Einführung
Die Alpen, so groß und mächtig wie sie sind, gehören zu den beeindruckendsten und auch zu den geologischen jüngeren Gebirgen
dieser Erde. Natürlich werden niemals innerhalb einer Dokumentation alle schönen und
wissenschaftlich interessanten Seiten der Alpen beleuchtet. Das soll auch nicht Sinn und Zweck
wissenschaftlicher Arbeit sein. Vielmehr gilt es, das bestehende
Bild der Alpen durch spezifische individuelle Einzelheiten zu vervollständigen. Es zeigt sich: Je tiefer man in
die Thematik der geologischen Begebenheiten der Alpen einsteigt, desto komplexer und schwieriger
werden die Zusammenhänge. Eine gewisse Grobübersicht zur geologischen Entstehung
ist aber für das Allgemeinverständnis notwendig. An dem speziellen Beispiel des
Rauriser Tals, das sich wie ein Buch durch die geologischen Zonen des Tauernfensters
in Österreich zieht, sollen die geologisch-mineralogischen Besonderheiten der Region im
Bereich der Ostalpen vertieft werden.
|
|
|
Entstehung der Alpen
Vor 175 Millionen Jahren in der Zeitepoche des Jura erstreckte sich ein Meer über
weite Teile des heutigen europäischen Kontinents. Natürlich war von den Alpen vor
so langer Zeit noch keine Rede, dieses Gebirgssystem existierte auch noch nicht. Aber wie natürlich
ist das eigentlich? Gebirge, Berge, Felsen und Steine sind in unseren Köpfen seit eh und
je etwas Standhaftes, etwas Unveränderbares. Ganze Generationen von Menschenleben
sehen beispielsweise immer den gleichen Berg vor sich, ohne jegliche Veränderungen.
Jedoch ist bei der Behandlung unseres Themas eine andere Sichtweise nötig, die sich
vom stetigen und unveränderbaren Gesicht der Erde löst und ganz andere gedankliche
Grenzen in Anspruch nimmt. Es ist schwierig für einen Menschen über eigene
Beobachtungen und Erfahrungen hinweg zu sehen. Hundert Jahre sind für den Alltag sehr
viel, für die Geologie gar nichts. Die Geologen und Paläontologen sind bereits darauf
eingestellt in solchen atemberaubenden Zeitspannen zu rechnen. Man bedenke, dass
noch nicht einmal eine Million Jahre sonderlich viel sind. Trotz alle dem spüren wir täglich
aufs neue, auch in unserer Alltagswelt, wie die Erde ihr Gesicht verändert. Wenn man aus
Fernsehen oder Rundfunk von Erdbeben, Vulkanausbrüchen oder anderen verheerenden
Naturkatastrophen aus vielen Teilen der Welt berichtet bekommt, werden wir selbst zu
Zeugen einer unruhigen Erde. Genau diese geologischen Prozesse sind Ursache, in den
meisten Fällen aber auch nur Folge geologischer Veränderungen an der Erde. Nach
heutigen Ansichten ist der unermüdliche Motor geologischer Veränderung das Erdinnere.
Der Erdkörper ist schalenförmig aufgebaut. Die äußere Schicht ist die Erdkruste, auf der
wir stehen. Sie ist die dünnste Schale und reicht in eine Tiefe von circa 10 bis 30 km. Es
folgt der Erdmantel (bis 6375 km) und schließlich der Erdkern. Die Temperatur des
Erdinneren ist enorm. Die Energie, die in Form von Wärme im Erdkern gespeichert ist, wird
nur langsam über Millionen von Jahren an die Erdoberfläche abgegeben und ist für das
Wirken geologischer Prozesse verantwortlich. Wie in einem Kochtopf gelangt die
Wärmeenergie der Herdplatte an die Oberfläche und bildet Blasen und scheucht das
Gemüse im Eintopf von einer zur anderen Seite, während das an der Oberfläche
abgekühlte Material absinkt, wiederum erhitzt wird und schließlich aufsteigt und den Kreis
schließt. Diese Konvektionsströme treten auch in dem von Geologen als Asthenosphäre
bezeichneten Bereich plastischen Magmas auf, der zwischen Erdkruste und Erdmantel
liegt. Nach der der Theorie der Plattentektonik sind die Konvexströme für die Bewegung der
Kontinentalplatten verantwortlich. Dabei können sich die Platten voneinander entfernen
(divergent), aufeinander zu (konvergent) oder seitlich aneinander vorbei
(Transformstörungen) bewegen.
|
|
|
Abb.1
(links) Schalenaufbau der Erde; (rechts) Konvexströme in der Astenosphäre
und die Auswirkung auf die Kontinentalplatten - Kontinentaldrift mit Erdbeben
und Vulkanausbrüchen und weiteren geologischen Prozessen als Folge
|
|
|
Der Ozean, der vor beträchtlich langer Zeit weite Teile des europäischen
Kontinents bedeckte, entstand auf Grund der bereits genannten geologischen Prozesse: Vor rund 200
Millionen Jahren kam es zur Spaltung des Super-Kontinents Pangäa, ein in der
Wissenschaft sehr bekannter ehemaliger Großkontinent, dessen Existenz vor
Jahrmillionen bereits von Alfred Wegener 1912 angenommen wurde. Bei der Betrachtung
des heutigen Globus bemerkte er, dass einige Kontinente sich wie eine Art Puzzle an
andere angliedern ließen. Ein Paradebeispiel ist die südamerikanische Ostküste, die ein
wenig versetzt sehr schön an die ihr gegenüber liegende afrikanische Westküste passen
würde. Schließlich fand Wegener Beweise für seine Theorie der Kontinentalverschiebung.
Als ausgebildeter Klimaforscher stellte er verblüffende Gemeinsamkeiten in Flora und
Fauna heraus, die anhand von Fossilien bis heute überliefert sind. An den Grenzgebieten
verschiedener Kontinente fanden sich gleiche Arten tierischer, meist jedoch pflanzlicher
Fossilien, sowie Gesteinsablagerungen die räumlich über Hunderte von Kilometern durch
heute bestehende Ozeane getrennt werden, früher aber folglich zusammen existiert
haben müssen. Das Aussehen des Superkontinents Pangäa stützt sich grundlegend auf
Computerrechnungen. Computermodelle errechneten erfolgreich die best mögliche
Einpassung der Kontinentalränder, wobei man jedoch nicht vom heutigen Küstenverlauf
ausging, sondern von einer Wassertiefe nahe den Rändern des Kontinentalsockels. Das
Ergebnis verblüffte die Fachwelt. Tatsächlich hatte es den Anschein, dass Wegener mit
seiner Theorie der Kontinentalverschiebung, nach der die Kontinente in Urzeiten einmal
eine zusammenhängende Masse bilden mussten, recht behält. Diese ist der Grundstein
der heute allgemein gültigen Theorie der Plattentektonik, die nicht nur von der Wanderung
der Kontinente ausgeht, sondern zur Erklärung die Erdkruste als Platten beschreibt, die auf
der Asthenosphäre schwimmen und durch Konvektionsströme auf dieser bewegt werden.
Naturwissenschaftlich-geologisch gesehen, ist diese Theorie allerdings um einiges
komplexer und komplizierter als hier vereinfacht dargelegt.
|
|
|
Die Spaltung Pangäas – Entstehung der Tethys
Pangäa hatte vor 255 Millionen Jahren stark vereinfacht die Form eines großen „C”.
Damit ist nicht der Zeh am Fuß gemeint sondern der dritte rund gekrümmte
Buchstabe im arabischen Alphabet. Pangäa umschloss einen riesigen Ozean, der von Geologen den
Namen Paleo-Tethys (paleo = alt) erhalten hat. Der Schweizer Geologe Eduard Suess
verwendete erstmals 1893 die Bezeichnung Tethys und berief sich auf die Bedeutung der
griechischen Mythologie, in der Tethys eine griechische Göttin darstellt. Sie erinnert an die
für das Leben wichtige Kraft des Wassers. Die Heirat mit ihrem Bruder Okeanos, dem
griechischen Gott des Ozeans, könnte sich im übertragenden Sinne auf die Verteilung des
Meeres jener Zeit beziehen. Rings um Pangäa existierte ein übergroßer Ozean
(Panthalassa), während der kleinere Paleotethys-Ozean , der von Pangäa umschlossen
wurde, sozusagen die Schwester oder Frau des Riesenozeans darstellt.

Abb. 2
Berabeitung nach Paleo-Project R.Scotese –
Welt vor 255 Millionen Jahren
Bereits im Oberkarbon wurde die Paleotethys an ihren nördlichen Rändern in den
Untergrund subduziert und im Westen Europas geschlossen (Scotese et al. 1979, Ruttner 1993). Die
Subduktionsprozesse verursachten einen kalkalkinen Magmatismus im südlichen alpinen
Terrain. Erst zum Ende der Permzeit begannen sich unwesentliche Teile Pangäas, wie das
heutige Zentralafghanistan und anliegende Staaten (kimmerische Kontinent), abzutrennen, die
dann den Ozean innerhalb einer Zeitspanne von 55 Millionen Jahren einengten und schließlich
in der Obertrias mit Eurasien kollidierten. Gegenüber liegend entstand parallel dazu der
Nachfolger der Paleotehtys - die Neotethys (Abb. 3).

Abb. 3
Erste abgetrennte Teile Pangäas lösen sich, engen den
Paleotehys-Ozean (1) ein und schaffen gegenüber die
Neo-Tethys (2)
Das Zeitalter der Trias war bereits angebrochen. Es sollte nun einer der heißesten
Phasen der Erdgeschichte folgen. In den Bereichen entlang des Äquators herrschte extrem arides Klima.
Hitze, Trockenheit und Lebensfeindlichkeit kennzeichneten diese Gebiete. Das warme,
gemäßigte Klima reichte bis zu den Polen. Auch vereiste Polkappen existierten nicht. Beim
Übergang vom Perm zur Trias starben viele der zu der Zeit lebenden Tierarten aus;
wahrscheinlich aufgrund des extremen Klimawandels. Ein Klimawechsel ist bereits im
Oberkarbon an dem Übergang von Fanglomeraten zu fluvialen Konglomeraten nachgewiesen
worden (Truempy 1998).
Vor 230 Millionen Jahren setzte das sogenannte Rifting der Kontinentalplatten ein. Die
Vorgänge in der Asthenosphäre liefen so ab, dass die
Konvektionsströme sich gegenseitig ergänzten und einen gewaltigen Druck im Untergrund erzeugten, so dass die darüber liegende
Erdkruste sich so lange aufwölbt bis sie schließlich reißt und tiefe Risse und Spalten in der
Erdkruste entstehen lässt (Abb. 5). Der
„C”-geformte Großkontinent Pangäa zerbrach auf diese
Weise in der Mitte zu Eurasien und Gondwana. Die zwei nun unabhängig von einander
existenten Kontinentalplatten bewegten sich fortwährend von einander weg. Aus der Tiefe
des Erdmantels gelang ständig neues überwiegend basaltisches Material an die
Erdoberfläche, dessen Risse dadurch aufgefüllt wurden. Schon frühzeitig bestand eine Verbindung zur
Neotethys, wodurch sich das Grabensystem schnell mit den Wasser dieses Ozeans füllte. Der
Lauf der Zeit, die zunehmende Ausweitung des Grabensystems und die wachsende
Entfernung der Kontinentalplatten voneinander, ließen vor 156 Millionen Jahren im mittleren
Jura einen neuen Ozean entstehen: die alpine
Tethys.
 |
Abb. 4
Alpine Tethys - vor 156 Millionen Jahren |
|
|
|
Abb. 5 Der Vorgang des Rifting
a) Der Druck aus dem Erdmantel ist stark und wölbt die Erdkuste.
b) Der Kontinent reißt schließlich auf.
c) Die neuen Kontinente driften auseinander; das Becken füllt sich mit Wasser der
Neotethys.
d) Es kommt zur Ausbildung eines ozeanischen Rückens.
|
|
|
Die Sedimentationsphase
Was die Entstehung der Alpen nun mit dem Entstehen eines Ozeans zu tun haben soll, wird
sich bald klären. Man muss davon ausgehen, dass der Tethys-Ozean und dessen
geologischer Entstehungsprozess für das Aussehen und den Aufbau des Gebirges
entscheidend ist. Nach der Auffüllung der entstandenen weit ausgedehnten Grabensysteme
mit dem Wasser aus der Neotethys setzte bereits die Sedimentation ein; ein Prozess, der für
die heutige Gesteinsbildung ebenso verantwortlich ist, wie vor Millionen von Jahren. Feine
natürliche Bestandteile lagern sich am Boden ab und bilden im Laufe von Millionen Jahren
mächtige Schichten, sodass unter enormen Eigendruck feste Gesteinsschichten entstehen.
Dabei können die Materialien sehr unterschiedlich sein und daher auch verschiedene Arten
von Sedimentgesteinen hervor bringen. Verfestigte Sande sind zum Beispiel die Basis der
Sandsteine, die je nach Korngröße oder Art des Ausgangsmaterials unterschiedlich gebaut
sind. Ebenso sind die Reste von Schalentieren im Meer für das Entstehen mächtiger
Kalkschichten am Meeresboden verantwortlich. Ein Großteil der Sedimentationsprozesse fand
und findet im Meer statt, da durch Wettereinfluss, mechanische Beanspruchung durch Wind
und anderen Erosionsfaktoren die Bildung von Sedimenten an Land stark verhindert wird,
während im Meer die Materialen zu Boden sinken und dort neue Gesteinsschichten aufbauen
können. Die alpine Tethys war nach Auffassung der Geologen ein vortrefflicher
Sedimentationsraum. Noch in der frühen Phase der alpinen Tethys, nach der Aufspaltung des
Großkontinents, lagen verschiedene Teile des abgetrennten Pangäas verstreut. Die Küsten
Gondwanas und des eurasischen Festlandes lagen weit auseinander. Dazwischen erstrecken
sich kleinere Subkontinente und Meeresbecken die eine Gesamtbetrachtung recht kompliziert
machen. Der Mikrokontinent Apulien (Adriatische Platte) und das europäische Festland lagen
einander gegenüber, getrennt von der Alpinen Tethys (Abb. 6). Während beide
Kontinentalplatten auseinander drifteten, dehnte sich der Ozeanboden der Tethys
dementsprechend weiter aus und sank gegenüber den Plattenrändern stetig ab. Der von
Geologen als Geosynklinale bezeichnete absinkende Sedimentationsraum wurde bald mit
natürlichen Sedimenten gefüllt, wobei sich die Abwärtsbewegung des Ozeans mit den
aufstockenden Sedimentmassen weitgehend in der Waage hielt. Die Tiefe des Ozeans
änderte sich trotz des absinkenden Ozeanboden deshalb nicht wesentlich und war über viele
Millionen Jahre, von einigen lokalen Unterschieden abgesehen, weiträumig konstant. Die
Sedimentationsräume innerhalb der Tethys unterschieden sich in den ersten Millionen Jahren
nicht wesentlich. Erste Ablagerungen, die sich über die gesamte Tethys verteilten, bestanden
aus losen, sandig-siltigen Gesteinstrümmern, die vorrangig im Zeitraum von Ende Perm bis
Anfang Trias erodiert wurden und über Flüsse in ausgedehnte Flussdeltas gelangten, die
langsam unter Meeresbedeckung gerieten. Heute treten die Ablagerungen als alpine
Buntsandsteine zum Vorschein. Im Osten der frühen Tethys entstanden teils
große Vorkommen von Evaporiten, die bei der Verdampfung des salzhaltigen Meeres entstanden und
sich heute als die bekannten Salzvorkommen in den Alpen präsentieren.
Darauf folgend
lagerten sich erste Reste organischer Herkunft ab, was zeigt, dass die Geologie nicht nur von
Prozessen der unbelebten Natur beeinflusst wird, sondern ebenfalls die belebte Natur einen
entscheidenden Einfluss auf ihre Umwelt besitzt. Wahrscheinlich waren es Reste erster
Schalentiere in dem noch geologisch jungen Ozean, die im flachen Meer beachtliche Schichten
von Karbonaten (Kalksteinschichten) zurück ließen.
Erst ab dem mittleren Jura kann der alpine Raum aufgrund der zunehmenden Vergrößerung des Tethys-Ozeans in mehrere
Haupteinheiten differenziert werden. In der westlichen Tethys am Rand des europäischen
Festlandes entstand das so genannte Helvetikum. In diesem Bereich bleibt die
Flachwassersedimentation während der Jura-Kreidezeit erhalten, wobei bereits im Perm in
zahlreichen Becken die durch festländische Erosion abgetragenen Rotsedimente (rot durch
Rost, Eisen-2-oxid) abgelagert wurden. Aus dieser Ablagerungszone stammen die dunklen
ammonitreichen Quintnerkalke und weitere hemipelagische Kalke, also Kalke die in Wassertiefen von 200 bis 4000 Meter abgelagert wurden. Sie bauen vorrangig die helvetischen
Decken auf. Durch die Mitte der Tethys zog sich ein langes Grabensystem, das sich im Bereich
des so genannten penninischen Ozeans befand, in dem sich das Rifting der Platten
konzentrierte (Abb. 6). Im Bereich der Riftzone wurde aus dem Erdinneren überwiegend
basaltisches Material an die Oberfläche gefördert, das neuen Ozeanboden entstehen ließ und
für das Aufbrechen des penninischen Ozeans verantwortlich war. Diese Zone stellte
ausnahmsweise ein sehr tiefreichenden Sedimentationsraum dar. In den tieferen Regionen
bildete sich im Jura Bündnerschiefer und in der mittleren Kreidezeit
Foraminiferenkalke, organische Reste der Familie
Foraminiferida.

Abb. 6
Paleographische Übersicht zur Zeit der Unterkreide (verändert nach
Channell & Kozur 1997);
Die gezackte Linie durch den penninischen Ozean stellt die Riftzone
dar.
Die nördliche Küste enspricht dem südlichen Kontinentalrand von Europa,
während im Süden kleinere Mikrokontinente und die adriatische Platte zu
erkennen ist.
|
|
|
|
Auch die adriatische Platte (der Mikrokontinent Apulien) spielte bei der
Sedimentationsphase eine bedeutende Rolle; ein Großteil der östlichen, sowie südlichen Alpen basiert auf dessen
Grundstruktur. Durch die Ausweitung der Tethys in der frühen Triaszeit gerieten große Teile
Apuliens unter Meeresbedeckung. Im Bereich des Ostalpin setzten sich vorerst sandige
Sedimente ab, später auch Kalk (Gutensteiner Kalkschichten). Der südalpine Bereich wurde
ähnlich gestaltet. Zur Mitte und zum Ende der Trias bildeten sich weite Karbonatplattformen mit
Riffen. Im Südalpin entstanden der Schlern- und Hauptdolomit und im oberen Ostalpin
Kalkschichten, die heute die Nördlichen Kalkalpen bilden. Die Ablagerungen der Trias
erreichten eine Mächtigkeit von 4000 Metern, das nur durch
lang anhaltende Bodenabsenkung
am inaktiven Kontinentalrand im Westen der Tethys möglich war. Während der Öffnung des
südpenninischen Ozeans im Jura zerriss die Karbonatplattform zu vielen Schollen. Im
Ost-, sowie im Südalpin setzten sich während der Ausweitung des penninischen Ozeans
pelagische Sedimente ab, erst Radiolarite, dann Aptychenkalke und die aus
dem Penninikum bekannten Foraminiferenkalke. Die große Anzahl der verschiedenen Ablagerungen in den
verschiedenen Ablagerungsräumen sind zugegeben sehr unübersichtlich und kaum zu
überschauen. Zudem sind Ablagerungen aus gleicher Zeit im gleichen Sedimentationsgebiet
mit Unterschieden versehen und jeweils mit jeweils immer neuen fachmännischen Namen
bezeichnet. Die Gesamtstruktur der Ablagerungen ist teilweise so komplex und wenig
durchschaubar, dass sogar unsere Geologen mit den Augen rollen würden, wenn sie es
kurzer Hand zusammenfassen müssten.

Abb. 7 Ablagerungen der Ostalpen in der Unteroberkreide
|
|
|
Die Auffaltung – alpine Orogonese
Vor 80 Millionen Jahren müssen sich die Unterströmungsverhältnisse in der Asthenosphäre
im alpinen Raum schlagartig verändert haben. Afrika bewegte sich langsam aber sicher in die
entgegengesetzte Richtung – auf Eurasien zu! Nach dem Wilson-Zyklus, der von einer
wiederkehrenden Aufspreizung und Schließung der Kruste ausgeht, muss sich die Tethys im
sog. Pazifikstadium befunden haben müssen. In diesem Stadium kommt die
Ozeanausdehnung zum Stillstand. In der Kreidezeit kam es dann zur Umkehrung des
Kontinentaldriftprozesses. Die Öffnung des atlantischen Ozeans zur gleichen Zeit blieb in
gleicher Art und Weise erhalten. Die Alpen sind demnach durch die Annäherung und den
Zusammenstoß Afrikas mit Eurasien entstanden. Den Baustoff für das heute bis zu 4500 Meter
hohe Gebirge lieferten die mächtigen Sedimentschichten der
Tethys.

Abb. 8 Subduktionszone
Eine Kruste wird unter die andere subduziert
Wie wir bereits festgestellt haben, bestand die ursprünglich Europa und Afrika
trennende Meereszone nicht nur aus einem ozeanischem Becken. Sehr deutlich zeigen uns unsere
vorherigen Ausführungen, dass sogar kleinere Mikrokontinente und mehrere Meeresbecken
zwischengelagert waren. Bei der Annäherung zwischen Afrika und Europa entstanden deshalb
wahrscheinlich nacheinander einsetzende Deformations-, Schub-, sowie Faltungsprozesse.
Die gigantische Kollision zweier Kontinentalplatten war also vereinfacht dargestellt für die
Auffaltung der Alpen verantwortlich. Die in der Tethys gelagerten Decken von Sedimenten
komplizieren die Sache jedoch wiederum. Unter dem Einfluss des von Süden und Südosten
herannahenden apulischen Mikrokontinents kam es zur Deckenüberstapelung, wobei
ozeanische Teilstücke an den Subduktionszonen im Erdmantel versenkt und viele der
Deckensedimente gelöst und wild übereinander geschoben wurden. In dem
südalpinen Bereich kam es durch die Unterschiebung der Südalpen zum Auspressen bzw. zur Hebung der
apulischer Unterkruste. Anderswo wurden zum Teil auch viele ozeanische Krustenteile auch
auf kontinentale Kruste verschleppt (Obduktion). Grob gesehen wurden die südlich gelegenen
Deckensedimente am nördlichen Kontinentalrand Afrikas, also Ost- und Südalpin, über die
nördlicheren Decken des Penninikum und Helvetikum geschoben. Bei der Bewegung der
ostalpinen Decken über das Penninikum wurde ein Großteil der penninischen Decken in den
Untergrund subduziert. Heute treten diese nur noch über vereinzelte geologische „Fenster”
zutage. Fenster deshalb genannt weil sie uns heute Einblick in tiefer liegende Schichten
gewähren, die sich normaler Weise unter der Oberflächenschicht befinden. Die penninischen
Decken wiederum überfuhren die helvitischen, die den Übergang zu den im Norden liegenden
viel älteren Gebirgssystemen wie zum Beispiel der böhmischen Masse, Schwarzwald oder
Vogesen bilden. Im Osten des Alpenraums wurde das Ostalpin bis zum Nordrand der Alpen
geschoben und bedeckt (ausgenommen einiger bereits erwähnter Fenster) den gesamten
Bereich der Ostalpen. Aus diesem Grund erhielt das Ostalpin auch seinen Namen. Der
jüngere Teil, der im Mesozoikum abgelagerten ostalpinen Decken, besteht aus Kalk-
und Dolomitstein, der sich zum Beispiel in den nördlichen sowie südlichen Kalkalpen zeigt. Unter
den jüngeren Decken liegen die teilweise sogar bereits metamorph überprägten
Ablagerungen des Paläozoikums. Die untere Basis bilden viel ältere Gneise und
Glimmerschiefer, die bereits aus der kaledonischen und variszischen
Gebirgsbildung aus der Zeit der Entstehung von Pangäa stammen. Das Helvetikum und Penninikum findet sich heute
eher in den westlichen Teilen der Alpen. Die meisten Teile des Penninikums gehören zu dem
„Alten Dach”, Gesteinsformationen aus dem Präkambrium und Kambrium, die älter als 500
Millionen Jahre sind. Diese wurden im Karbon nochmals verändert und präsentieren sich
heute nun im Zentralgneis. Zu den penninischen Decken zählen auch Ablagerungen aus der
Trias, sowie Bündnerschiefer aus der Jurazeit. Die jüngsten Sedimente stammen jedoch aus
der Kreide beziehungsweise dem frühen Tertiär, die bei der alpinen Faltung selbst erst
entstanden sind. Dieses sind Ablagerungen eines Tiefseegrabens, der bei der Aufschiebung
des Ostalpins entstanden ist. Erst später wurden die jungen Sedimente von ihrem
penninischen Untergrund getrennt und nach Norden verlagert, wo sie heute die Flyschzone
bilden. Allerdings kann man im Ost- sowie Südalpin nicht von Flyschablagerungen sprechen.
Das Ostalpin rückte weiter nach Norden und schob sich dabei über die selbst geschütteten
Grabensedimente. Seit dem mittlerem Oligozän bis zum Obermiozän lagerte sich
deshalb das stetig von den Alpen erodierte Material in der davor liegenden Molassezone ab, die im
nördlichen Alpenvorland ihr Ende findet und gleichzeitig das Ende der Kollision darstellt. Die
nach Süden hin erfolgte Ablagerung in die Poebene (Italien) ist jedoch durch die andauernde
Deckenstapelung in den Apennin noch immer aktiv.
|
|
|
Das heutige Erscheinungsbild der (Ost-)Alpen
Wenn man so zurücksieht, dann staunt man nicht schlecht, wie viele Prozesse der
Gebirgsentstehung vorangegangen sind, und wie lange es gedauert hat bis sich die
alpinen Decken aufgefaltet haben. Noch erstaunlicher ist es, dass die Auffaltung der Alpen noch gar
nicht beendet ist! Noch immer wachsen die Alpen jährlich 0,2 bis 2 Millimeter isostatisch in die
Höhe, werden jedoch sogleich von natürlichen Erosionskräften wieder abgetragen, wodurch an anderer Stelle wiederum neue Ablagerungen entstehen. Es scheint als wäre das ein ewiger
Kreislauf. Zur Zeit erstrecken sich die Alpen über einen 1200 Kilometer langen breiten Bogen,
der im Westen von Nizza bis nach Wien im Osten reicht, quer durch Mitteleuropa. Die
geographische Einteilung der Alpen erfolgt ziemlich einfach in Ost- und Westalpen. Die Grenze
verläuft vom Bodensee ausgehend über das Rheintal bis zum Comosee in Italien. Der östliche
Komplex wiederum wird in die Nördliche Kalkalpen, Zentralalpen und Südliche Kalkalpen
untergliedert. Getrennt werden diese drei Einheiten jeweils von verschiedenen tektonischen
Störungen. Im Norden trennt die Inntallinie die Nördlichen Kalkalpen von den Zentralalpen und
im Süden trennt die periadratische Naht die Zentralalpen von den Südlichen Kalkalpen. Die
periadratische Naht stellt wahrscheinlich die Berührungszone der adriatisch/afrikanischen
Platte mit der europäischen Platte während der Einengungs- und Auffaltungsphase dar, die
sich über die Ostalpen hinaus durch die ganzen Alpen zieht. Ob und mit welcher Intensität sie
mit der Kollision der europäischen mit der adriatischer Platte zu tun hat, ist noch nicht eindeutig
geklärt. Angenommen wird aber, dass diese eine dextrale Seitenverschiebung
darstellt und auch als Tonale-Linie bezeichnet wird (Truempy 1998). Um sich der heutigen geologischen
Situation klar zu werden, sollen an dieser Stelle die geologischen Einheiten im einzelnen der
Reihe nach, von Nord nach Süd, speziell für die Ostalpen, noch einmal grob dargelegt werden.
Es beginnt im bayrischen Molassebecken des alpinen Vorlandes, das aus Sedimenten der
Tertiär- und Quartärzeit besteht und sozusagen Ablagerungsschutt darstellt, der durch Flüsse
etc. ins Alpenvorland gedrungen ist. Die Molassezone reicht bis unter die Gesteinsschichten
der Nördlichen Kalkalpen. Zwischen Molasse und Alpen befindet sich ein schmales Band der
Flyschzone, die in Wechsellagerung Mergel, Schiefertone und Kalke führt. Daran schließt sich
das Oberostalpin mit den Nördlichen Kalkalpen an, das im Norden dem Flysch überschoben
wurde. Die südliche Grenze der Nördlichen Kalkalpen ist zugleich die Grenze zum zentralen
Teil der Ostalpen. Hier befindet sich auch die Inntallinie, woran sich eine Grauwackenzone aus
paläozoischen schwachmetamorphen Sedimenten mit vulkanischen Einlagerungen
anschließt. Diese wird tektonisch auch noch zu den oberostalpinen Decken gezählt. Weiter im
Süden schließt sich einer der interessantesten Teile der Ostalpen an, auf die im nächsten
Abschnitt näher eingegangen wird: Das Tauernfenster. In einem schmalen Streifen schließen
sich die Südlichen Kalkalpen an, die dann durch die Haupteinheit der Südalpen, den
Dolomiten, abgelöst wird. Schließlich verläuft sich das Gebirge im Vorlandbecken der
italienischen Po-Ebene.
|
|
|

Abb. 9 Alpine Deckenstruktur (heute)
Das Tauernfenster – Aufschluss älterer Deckensysteme im Ostalpin
Das im Ostalpin gelegene Tauernfenster ist eines der interessantesten geologischen
Formationen, die die Alpen zu bieten haben. Es wird gezwungenermaßen notwendig(!) diese
näher zu untersuchen. Unter dem Tauernfenster versteht man eine kuppelförmige Aufwölbung
jüngerer sowie älterer tektonischer Decken, so wie wir sie bereits in den Ostalpen kennen
gelernt haben. Das besondere am Tauernfenster ist jedoch, dass hier geologisch
ältere Gesteine scheinbar höher als jüngere Gesteinsschichten liegen. In diesen Bereichen sind
tiefere Stockwerke des Alpengebäudes freigelegt von höheren. Ein Umstand der nicht nur
geologisch Unverständnis auslöst. Normalerweise befinden sich ältere Gesteinsschichten
unten und die jeweils jüngeren darüber. In diesem Fall ist es jedoch anders herum. Die
Erklärung ist ganz einfach: Die Kuppel, die das Tauernfenster bildete, wurde mit der Zeit
abgetragen, sodass ältere darunter liegende Gesteinsschichten heute zum Vorschein
kommen. In einem Bereich zwischen der Brennerfurche im Westen, dem Katschbergpass im
Osten und den Linien Matrei/Brenner-Gerlospass-Salzachtal-Radstadt im Norden und
Brennerpass-Matrei/Osttirol-Mölltal im Süden sind die tieferen Deckensysteme dem Betrachter,
wie ein Fenster aufgeschlossen. Umrahmt wird das geologische Fenster
von ostalpinen Decken, die ähnlich Zwiebelschalen ursprünglich die tieferen Systeme verbargen.

Abb. 10
Profil der Ostalpen mit Tauernfenster; die Farben stimmen mit den in Abb. 9 überein

Abb. 11
Geographische Ausdehnung des Tauernfensters
|
|
|
Das Rauriser Tal – Einschnitt in die Geologie des Tauernfensters
Um der speziellen und sonderbaren Geologie des Tauernfensters näher zu kommen,
schafft das Rauriser Tal einen wunderbaren Einblick. Im Süden des Salzburger Landes in
unmittelbarer Nähe des höchsten Berges in Österreich, dem Groß Glockner, schneidet sich
das Rauriser Tal in den nördlichen Bereich des Tauernfensters ein und erschließt uns alle
wichtigen, geologisch interessanten Deckensysteme des genannten Fensters. Das von Nord nach Süd verlaufende
Rauriser Tal misst eine Länge von ungefähr 15 Kilometer und zweigt im
Norden vom Salzachtal ab. Die Bergmassive des südlichen Endes gehören der bekannten
Goldberggruppe an, die sich weiter im Westen der Glocknergruppe anschließen. Die
Rauriser Gemeinde ist ein säuberliches Völkchen, dass ihre Güter und Ressourcen zu schätzen weiß.
Neben ausgedehnten Tourismusangeboten lebt es vorrangig von der Almwirtschaft. Das Tal
gehört mit 100 Almen zu den almenreichsten Tauerntälern, wobei die Viehzucht an erster Stelle
steht. Mehrere Produktionsbetriebe, die aus der unbelebten Natur ihren Nutzen ziehen, wie das
Kalkbrechen im Norden des Tals für die Herstellung von Straßenschotter und um nicht zu
vergessen auch die Verarbeitung der bekannten Plattengneise zu Kunststein bei Bucheben,
prägen das produzierende Gewerbe neben der Landwirtschaft. Die einzigartige Natur- und
Kulturlandschaft machen das Rauriser Tal zu eines der schönsten Nationalparkregionen der
Hohen Tauern. Geographisch ist Rauris die Nachbargemeinde des ebenfalls bekannten
Gasteinertals, das sich östlich neben dem Rauriser Tal befindet. Bei dem Rauriser Tal handelt
es sich, wie die meisten in den Alpen vorkommenden Täler, um ein typisches Trogtal, das
durch die Ausräumung der eiszeitlichen Gletschermassen entstand. Die Gletschermassen der
Eiszeit füllten die Täler und trugen dabei zum Teil mächtige Gebirgsmassen ab (Erosion).
Beim Rückzug der Gletschermassen blieben ausgedehnte Talflächen zurück, die heute mit
einem kleinen bis mittelgroßen Flusslauf versehen sind, in dem Schmelz- sowie
Regenwasser aus den Bergen abläuft. Die Salzachgletscher des Nebentales waren vermutlich
um ein vielfaches größer und ausgedehnter als vergleichsweise die eiszeitlichen Gletscher
des Rauriser Tals. Das Salzachtal ist dem entsprechend viel weitflächig ausgeräumter und
ausgedehnter. Das geographisch gut überschaubare Raurisertal erweist sich als ein
vortrefflicher Einschnitt in die Geologie des Tauernfensters.

Abb. 12 Geographische Übersicht des Rauriser Tals
|
|
|
|
Exkursionen ins Rauriser Tal
Anreise 01.08.2003
So gegen 21.00 Uhr sollte meine Reise losgehen. Sehnsüchtig und mit großen
Erwartungen stieg ich in das Auto. Ich wusste, dass es noch eine Weile dauern würde, ehe man überhaupt
nennenswerte Höhenunterschiede feststellt. Bei diesem Gedanken kam mir schon der
nächste in den Sinn. Er machte mir den Abschied beim Überschreiten der Stadtgrenzen
meiner Heimatstadt schwerer. Die Reise in das schöne Rauriser Tal war nur für zehn Tage
angesetzt und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich etwas zurücklasse. Vielleicht hatte ich
etwas vergessen? Man muss mein flaches eintöniges aber trotzdem so reizvolles und
vertrautes Heimatland einfach missen. Diese geraden ebenen Straßen ohne Anstieg und
diese prachtvoll am Bodden errichtete Stadt, dessen Kirchenspitzen weit in den Himmel
ragen und von anderen Gebäuden lokal nicht überragt werden. Diese zur Hansezeit im 15.
Jahrhundert blühende Metropole der Handelsmänner mochte ihren damaligen
charakteristischen Charme nicht verloren haben. Die Nähe zum Wasser, das nordisch raue
Klima und das Gefühl der Freiheit wächst einem ins Herz und lässt es nicht mehr los. Ganz
anders als Stralsund und seine Umgebung wird das Ziel der Reise aussehen. Ich stellte mir
die hohen Berge, Gipfel und Wasserfälle vor, die grünen Almen mit Holzhütten oder die
menschenleere Gegend so wie in Dokumentarfilmen. Natürlich darf der Schnee auf den
Bergspitzen und die glitzernde Sonne dazu nicht fehlen. Zumindest hatte ich während der
Autofahrt das Vergnügen, die letzten heißen Sonnenstrahlen des Tages durch die
Fensterscheibe zu genießen bis schließlich die Nacht eintraf und alles etwas abkühlte – die
Aktivität auf der Autobahn sowie die Außentemperatur. Im Autoinneren blieb es jedoch
erbärmlich warm und schwül – keine ungewöhnliche Nacht für diese Jahreszeit. Größtenteils
war es sternenklar und immer noch so warm, dass man luftig und leicht mit dem T-Shirt
draußen einen Spaziergang durch die Nacht wagen kann, bevor die Benzinfüllung im Shop der
Tankstelle bezahlt werden muss. Nur laden wirklich die wenigsten Tank- und Haltestellen
entlang deutscher Autobahnen zum Verweilen ein. So bleibt einem keine Wahl; es ist besser
seine Reise fortzusetzen – spielen wir den ruhelosen Reisenden der Nacht!
So wie die Müdigkeit unseren Verstand benebelt, versperrt auch das Schwarz der Dunkelheit die Sicht auf
eine vermutlich schöne Umgebung. Die Dunkelheit konzentriert die Blicke auf jene hellen
Lichter die auf der gegenüber liegenden Fahrspur vorbei ziehen oder auf jene roten scheinbar
ruhenden Punkte, die nur ab und zu in den Kurven schwanken. Natürlich blieb mir durch den
Schleier der Nacht ein wesentlicher Bestandteil der Reise verwehrt, aber es war einer
Überraschung gleich als am nächsten Morgen die ersten Lichtstrahlen die Umgebung wieder
sichtbar machten. Nach langem Warten merkte ich die Unterschiede ganz deutlich: Der
Anstieg, vielmehr aber der Abfall der Straße sorgte für den typischen Druck auf dem Ohr, der
am besten durch Schlucken zu beseitigen ist. Kurz hinter Salzburg lag schon die typisch
österreicherische Alpengegend mit den schlängelnden Straßen und den langen Tunneln durch
die Herzen der Berge. Vorbei zogen schlafend Berlin, Leipzig, Nürnberg und München, die im
Dunkel der vergangenen Nacht nur aus einer teilweise riesigen Anzahl von Lichtpunkten
bestanden. Die Geschwindigkeit mit der man von Punkt A nach Punkt B reist, ist in
den letzten Jahrhunderten der Menschheitsgeschichte enorm gewachsen. Und von den heutigen
Reisemöglichkeiten scheint das Automobil noch eines der langsameren
zu sein. Im Vergleich zu den Hochgeschwindigkeitszügen oder sogar dem Flugzeug erhält man durch die
Autofahrt wenigstens eine Ahnung der Entfernung. Der renommierte amerikanische Schriftsteller und
Autor Wilton Barnhardt benutzt aus diesem Grund bei seinen Recherchereisen in andere Teile
der Welt nie das Flugzeug sondern Schiff oder andere Fortbewegungsmittel an Land – nur
dem persönlichen Eindruck der Reise willen. Ich glaube ich kann eine derartige konservative Auffassung von einer „Reise” verstehen. Eine Autofahrt von über 12 Stunden, von der
nördlichen Grenze Deutschlands an der Ostsee, bis zum äußersten Punkt im
Süden Deutschlands, ist auf jeden Fall mit mehr Strapazen verbunden als ein oder
zwei Stunden entspannt im Flugzeug zu sitzen. Zu einer Reise gehört deshalb meiner Meinung nach auch die
„Anreise”; selbst wenn sie anstrengend ist. Nach insgesamt 14 Stunden und einem Weg
quer durchs Salzburger Land und durch das ganze Rauriser Tal, vom Anfang in Taxenbach bis
ans Ende in Kolm-Saigurn, war es endlich geschafft. Das letzte Stück schon hinter der Grenze
zum Nationalpark Hohe Tauern ist ein aufgeschütteter Weg - ziemlich fest gefahren durch den
Pendelbusverkehr. Danach ist das angestrebte Ziel erreicht: Der Ammererhof - die Unterkunft
für die nächsten Tage.

Photo 1: Auf der Anreise durch das Rauriser Tal, ein erster Eindruck
|
|
|
Kitzlochklamm 02.08.2003
Das lokale Klima im Rauriser Tal ist dem an der Ostsee ziemlich ähnlich. Die Nächte
sind relativ kühl und die Tage vergleichsweise mild, jedoch nicht drückend heiß, auf Grund der
großen Höhe. Die Unterkunft allein liegt in einer Höhe von 1658 Metern. Die Situation ändert
sich, wenn die Sonne den ganzen Tag scheint und auf die Nacken der Wanderer knallt. Die
Sonnenstrahlen sind in diesen Höhen um einiges aggressiver als im flachen Deutschland.
Auch wenn man es nicht glauben mag: Die Notwendigkeit der schützenden Sonnencreme besteht in den Bergen ebenso wie an den Badestränden der Ostsee. Heute war ein sonniger
Tag. Und dieser eignete sich, um die geologische Untersuchungsarbeit vor Ort zu beginnen.
Die geologische Struktur des Rauriser Tals ist sehr komplex und dadurch hoch interessant.
Meine Vorabrecherchen zeigten ein vielfältiges Bild. Das Tal entpuppt sich als ein Profilschnitt
in das Tauernfenster. Die geologischen Besonderheiten waren für mich soweit geklärt.
Interessant war nun die praktische Erkundung der Gegend. Es war vorteilhaft sich von außen
nach innen vorzuarbeiten. Angefangen bei der äußeren ostalpinen Umrahmung am Anfang
des Tales bis hin zu der Zentralgneiseinheit der penninischen Decken am Ende des Tales.
Die erste Erkundungsexkursion begann also am Anfang des Tales. In Taxenbach stößt man
schon auf der Hauptstraße auf das Hinweisschild zum Kitzlochklamm. Bei dieser geologisch
aber auch touristisch interessanten Talform wird man erstens mit den vorherrschenden
Gesteinen der äußeren geologischen Umrahmung und zweitens mit deren besonderen
Eigenschaften konfrontiert. Die Bergflanken südlich gegenüber Taxenbach bestehen
aus Kalk und Kalkmarmoren der unterostalpinen Deckenserie. Sie entstanden vor ungefähr 250
Millionen Jahren in der südlichen Tethys, in den Schelfbereichen nördlich der adriatischen
Platte. Nach einer verwirrenden Fahrt durch enge stark abfallende Straßen und der
Überquerung der Rauriser Ache war der Parkplatz für Besucher des Kitzlochklammes erreicht.
Es fehlte nur noch eine Eintrittskarte und es konnte losgehen – die Natur als
Touristenspektakel! Die Fußwege durch das Klamm sind nicht sehr breit. Um durch die ganze
Schlucht zu wandern muss man die dazu errichteten Holzwege, -brücken, -treppen ebenfalls in
Anspruch nehmen. Mein Blick schweifte die steilen Wände nach oben. An einigen Stellen war
es nur teilweise möglich den Himmel durch einen Spalt zwischen zwei Steilhängen zu
erblicken. Links und rechts sah man die grauen Kalkzüge, die an vielen Stellen mit Moosen
und Flechten bedeckt waren und ständig von dem Getöse der sprudelnden Rauriser Ache
unter den Brücken begleitet wurden. Das Klamm ist eine besondere Talform, die durch
senkrechte bis überhängende Talwände geprägt ist. Ganze Felsenpartien unterwanderte ich
bei dieser Exkursion. Ein gewisser Teil der Rauriser Ache, die durch das Rauriser Tal seinen
Weg nimmt und schließlich ins Salzachtal mündet, fließt vorerst durch dieses schmale Klamm.
Die gewaltigen Wassermassen bedecken den gesamten Talboden dieser Schlucht, weshalb
auch die Brücken und Holzgänge oberhalb des Flusses für den Menschen notwendig werden.
Ein Blick auf die bis zu 50 Meter hohen Steilwand auf der gegenüberliegenden Seite, ließ bei
mir die Frage aufkommen, wie diese einzigartige Naturlandschaft entstanden ist. Die Erklärung
liegt in den Eigenschaften des Gesteins. Die Kalke und Kalkmarmore sind sehr fest, zäh und
widerstandsfähig. Sie bestehen hauptsächlich aus dem gesteinsbildenden Mineral Calcit
(CaCO3) und anderen ähnlichen Karbonaten. Beim Schmelzen der letzten Gletscher der
Eiszeit im Pleistozän leisteten die Klammkalke der zerstörenden Kraft des Wassers
ausreichend Widerstand, so dass sie nicht vollständig abgetragen wurden. Der strömende
Fluss ist somit nur in der Lage in die Tiefe zu erodieren. Der Anteil der durch den Fluss
verursachten Seitenerosion ist sehr gering. Der Strom frisst sich langsam in das Gestein ohne
dabei wesentlich zu den Seiten hin abzutragen. Dadurch entstand die Schlucht, deren
brodelnder Wasserstrom noch immer in die Tiefe schneidet. Ein beeindruckendes Bild
erschließt sich vor den Augen des Betrachters: Die schroffen grauen steilen Felswände, gut
bestückt mit saftigem Grün und sogar schmalen dünnen Kiefernstämmen, erheben sich
gefährlich gen Himmel. Trotz des doch sehr starken Gefälles schaffen es die Pflanzen
sicheren Halt zu finden. Nicht zu letzt werden sie durch das Spritzwasser der heftig tösenden
Ache ernährt. Weiter unten, nur ein bis zwei Meter über dem Flusslauf erblickte ich auch quer
eingeklemmte Holzstämme, die Stützpfeiler glichen. Ich dachte vorerst an die Erbauung durch
Menschenhand. Doch welchen Zweck sollten sie erfüllen? Dann fiel
mir ein, dass nach dem Winter im Frühjahr sehr viel Schmelzwasser von den Bergen runter kommen muss und
oftmals auch Holz und weitere Materialen mit sich führt. Vielleicht waren diese Stämme
Schwemmmaterialien die sich bei dem hohen Wasserstand zwischen den Felswänden
verkeilt hatten. Diese Erklärung traf wohl eher
zu Wieder im Rauriser Tal, unmittelbar nach dem Anstieg ins Tal ereicht man einen Steinbruch. Schon beim ersten mal ist er mir aufgefallen. Es
stellte sich heraus, dass der Kalk der Klammkalkzone hier abgebaut wird. Die Größe und
Ausdehnung der Abbaustelle verrät, dass es nur ein kleiner Steinbruch ist. Zwei
Schaufelbagger waren gerade dabei überschüssigen Abraum auf eine Halde zu
transportieren. Ein Blick an die regelmäßig gebrochenen Wände zeigte verschieden große
Quarzadern, die durch den Kalk ziehen. Dieser Kalk wird wahrscheinlich als
Straßenbaumaterial verwendet. Es war eine Überraschung. In zweierlei Hinsicht konnte man
die Ausprägung der äußeren ostalpinen Umrahmung des Tauernfensters in Augenschein
nehmen. Zum einen das natürliche Kitzlochklamm und zum anderen der Abbau und die
Verwendung des Klammkalk im Steinbruch. Schon während des Besuches des Kitzlochklamm
zog sich eine weiße Wolkendecke vor das Blau des Himmels. Man spürt sofort den
Unterschied zwischen direkter Sonneneinstrahlung und bedecktem Himmel. Die gefühlte
Temperatur sinkt gleich um 2 - 5°. Man ist geneigt eher mal eine Jacke über die luftigen
Klamotten zu streifen. Der Tag verlief weiterhin sehr ruhig. Ein Nachteil der weißen
Wolkendecke ist jedoch, dass sie die Gipfel der Berge verschleiert, sie wie in einen
Wattebausch eintaucht und somit die Sicht auf höher gelegene Regionen versperrt.
Andererseits hat es aber auch etwas Interessantes.
|
 |
Photo 2
Das enge Kitzlochklamm mit begrünten
steilen grauen Kalkhängen |
Photo 3 Kitzlochklamm; von Menschenhand
geschaffener Tunnel durch Felsüberhang; im
Vordergrund ist auch die üppige Vegetation in
solchen extremen Hanglagen zu sehen,
Kiefernbäume |
|
|
|
Nach der Besichtigung des Kitzlochklamm ging die Fahrt wieder zurück: durch
Taxenbach wieder ins Rauriser Tal hinein. Nach dem Anstieg der Bergstraße erreicht man einen
Steinbruch. Schon beim ersten mal ist er mir aufgefallen. Es stellte sich heraus, dass der Kalk
der Klammkalkzone hier abgebaut wird. Von der Ausdehnung ist es nur ein kleiner Steinbruch.
Zwei Schaufelbagger waren gerade dabei überschüssigen
Abraum auf eine Halde zu transportieren. Ein Blick an die regelmäßig gebrochenen Wände zeigte verschieden große
Quarzadern, die durch den Kalk ziehen. Dieser Kalk wird wahrscheinlich als Straßenbaumittel
verwendet. Es war ein Überraschung. So erfuhr ich gleich in zweierlei Hinsicht die Ausprägung
der äußeren ostalpinen Umrahmung des Tauernfensters. Zum einen das natürliche
Kitzlochklamm und die Verwendung des Klammkalk beim Steinbruch.
Schon während des Besuch des Kitzlochklammes zog sich eine weiße Wolkendecke vor das Blau des Himmels. In
der Unterkunft angekommen, spürte ich den Unterschied zwischen direkter
Sonneneinstrahlung und bedecktem Himmel. Die gefühlte Temperatur
sinkt gleich um 2 - 5°. Man ist geneigt eher mal eine Jacke über die luftigen Klamotten zu streifen. Der Tag verlief
weiterhin sehr ruhig. Ein Nachteil der weißen Wolkendecke ist jedoch, dass sie die Gipfel der
Berge verschleiert und in ein Wattebausch eintaucht und somit die Sicht auf höher gelegene
Regionen versperrt. Andererseits hat es aber auch etwas Interessantes.
|
|
|
|
Niedersachsenhaus, Bockhartscharte 03.08.2003
Nachdem die geologische Umrahmung näher unter die Lupe genommen wurde, war es an
der Zeit, die besonderen geologischen Bestandteile des Tauernfensters an sich näher zu
untersuchen. Immer noch musste ich mir die tektonischen Begebenheiten der besonderen
Deckenstruktur vor Augen führen. Wie gesagt, es handelt sich beim Tauernfenster um eine
alpidische Auffaltung (Wölbung), deren obere Deckensedimente im nachhinein abgetragen
wurden (Abb. 9+10). Das Tauernfenster selbst wird schon 150 Jahre geologisch untersucht.
Es stellte sich heraus, dass die unterschiedlichen Deckensedimente wiederum mit regionalen
Unterschieden behaftet sind und vom Gesteinsbestand her sowie von tektonischen Unterschieden in verschiedene Zonen eingeteilt werden. Dabei herrschte unter Geologen in
der Vergangenheit große Uneinigkeit welche Gebiete nun zu welcher speziellen Zone
gehören. Über die groben geologischen Strukturen ist man sich aber heute durchaus einig.
Die Jüngere Schieferhülle, die tektonisch dem Ostalpin voraus geht, besteht überwiegend aus
Kalkglimmerschiefer. Eingelagert trifft man aber auch auf Prasinite, grünlich gefärbten
Gesteinen vulkanischer Herkunft, weiß bis hellgrauen Quarzitmassen, sowie vereinzelt auf
Kalkmarmorschichten. Die seitlichen, steilen, glatten Hänge, die den gestrigen Rückweg vom
Kalksteinbruch bis nach Rauris begleiteten, zeugen vom Vorhandensein schiefriger
Gesteine. Die Verwitterung solcher Gesteine zeigt die typisch glatten abfallenden Hänge, dessen
Neigungen durch das Einfallen der Schieferungsflächen bestimmt werden. Hinter Rauris, bei
Wörth eröffnet sich eine besondere geologische Formation. Von Wörth aus geht das
Seidlwinkeltal ab. Man folgt mit dem Auto der leicht in einer Kurve zu verfehlenden Abbiegung
und geht zu Fuß ins Seitental hinein. Gute Beobachter werden nach einer kleinen Wanderung
deutliche Unterschiede in den Felspartien feststellen. Der graue Quarzit der Basis wird durch
gelbbraune Rauhwacken abgelöst. Schließlich zeigen sich auch helle Dolomit- und
Kalkmarmore. Diese Gesteinsserie stammt aus der Triaszeit und gehört zu den ozeanischen
Sedimenten der Tethys. Auf der Hauptstraße, ein Stück weiter nach Süden auf das Talende
des Rauriser Tals hin, kreuzt man auch das stille Örtchen Bucheben, dessen Steinbrüche in
der Quarzitbasis liegen. Dort werden große Blöcke aus Bergsturzmassen zu den im
Handel bekannten „Rauriser Plattengneisen” verarbeitet.
|
 |
Photo 4 Seidlwinkltal
In den Felspartien deutlich zu sehen: Die gelbbraunen Rauh- wacken treten an offenen Stellen
zu Tage |
Photo 5 Seidlwinkltal
Auch die hellen Kalk- und Dolomitgesteinsserien
sind zu erkennen |
Die heutige Exkursion führte jedoch in die Schiefer- und Marmorregionen in der
Nähe des Silberpfennigs, die auch zu dem Bereich der Jüngeren Schieferhülle zählen. Bei Kolm-Saigurn
trifft man auf eines der schönsten Talschlüsse des Nationalparks Hohe Tauern. In südlicher,
östlicher und westlicher Richtung erheben sich die Bergflanken. Wenn man gut hinschaut und
einem die Wolkendecke keinen Streich spielt, kann man auf dem östlichen Kamm das
Niedersachsenhaus erblicken. Dies war erstes Ziel der heutigen Exkursion. Eine kleine
Stärkung im Ammererhof, dann den Rucksack auf den Rücken geschnallt; es konnte losgehen.
Nachdem ich ein Stückchen den „Rauriser Urwald” (eine wirklich urige Kiefernwaldlandschaft
mit Moosen und Tümpeln übersäht) durchquert hatte, nahm die Vegetationsmasse
sichtlich ab. Man merkt sogar den Übergang sehr deutlich. Sobald man aus dem Wald heraus kommt,
hat man nur noch Almlandschaft vor sich: Kein Strauch, keine hohen Gräser, nur eine flache
Wiesendecke mit nur wenig unterschiedlichen Grüntönen. Immer wieder aber kreuzten
kleinere Bäche meinen Weg. Auffällig waren die oftmals sehr lockeren Schuttfächer in den
Bachauskerbungen. Zudem fällt auch der glitzernde Staub auf den Wanderstiefeln auf. Es ist
der typisch silbrig glänzende Glimmerschiefer, der für den lockeren Boden an den
Bachrändern und ebenfalls für das ungewöhnliche Glitzern meiner Schuhe verantwortlich ist
(Ich sage bewusst „ist”, da nach meiner Reise meine Schuhe
immer noch bezaubernd glänzten und ich es nicht für nötig hielt die Erinnerung daran wegzuputzen). Die Eigenschaften des
weichen Glimmerschiefers bergen jedoch auch seine Gefahren. Der locker schiefrige
durch Verwitterung des Untergrunds entstandene Erdboden neigt schnell zu Hanggleitungen,
vor allem wenn es feucht ist. Doch zum Glück wird die Gefahr durch die das Erdmaterial
bindende Wiesendecke zum Großteil gebannt. Der lange und anstrengende Weg hinauf
zum Niedersachsenhaus in einer Höhe von 2454 Metern , kostet eine Menge Kondition. Aber die
vielen tierischen Bewohner der Almgegend machen den Aufstieg in vielerlei Hinsicht
interessanter. Ab und zu versperrt eine braun-weiß gefleckte Kuh den Wanderweg. Nur selten
lässt sie sich von ihrer Grasstelle fortbewegen, sodass man gezwungen wird auszuweichen,
um die stattliche Schönheit ja nicht beim Fressen zu stören. Auch Pferde, die hier frei
ihren Auslauf haben, gehören zu den tierischen Bewohnern der hochalpinen Graslandschaft.
Nicht-einheimische Wanderer drehen sich bei einem schrillen Pfiff meist um, um zu sehen wer
aus der Wandergruppe nicht mehr kann und eine Pause benötigt. Einheimische jedoch
wissen, dass die hellen lauten Pfeiftöne von den Murmeltieren stammen, die den Tieren
signalisieren sollen, dass etwas eventuell Bedrohliches im Anmarsch ist. Andererseits kann
es aber auch sein, dass die kleinen putzigen dunkelbraunen Tierchen sich über weite Strecken
hinweg über das schöne Wetter unterhalten wollen, welches heute wieder herrscht(!). Ja, so rätselhaft ist die Tierwelt. Wer gut beobachtet, kann sich entlang dem Wanderweg auch an der
spärlichen aber doch vielseitigen Vegetation erfreuen. Da taucht eventuell die Silberdistel am
Wegesrand auf, oder die violette Teufelskralle zeigt sich hinter einem Stein.
|
Photo 6
Eine Pferdeherde legt eine kleine Trinkpause an einem Bach ein.
Erkennbar sind auch die
Schuttfächer am Bachrand. Sie lassen auf die schiefrige Natur des
Untergrundes schließen. |
Auf dem letzten Ende zum Niedersachsenhaus verschwindet die Vegetation schließlich ganz
und der blanke Fels tritt zum Vorschein. Oben auf dem Kamm angekommen, hat man einen
unbeschreiblichen Blick auf den hohen Schareck südlich, den Silberpfennig östlich (schon im
Gasteiner Tal liegend) südwestlich den Sonnblick im Rauriser Talschluss und daneben im
Westen den Hocharn. Links und rechts sieht man die Weiten bis zu den Spitzen der anderen
Berge und noch weiter hinaus. Man wandelt auf einem sehr schmalen Weg. Zu den Seiten hin
reichen steile Abhänge hinunter. Nach einer Erholungspause mit warmer Speise im
Niedersachsenhaus ging die Exkursion auf dem schmalen Gratweg weiter, in nördliche
Richtung auf die Bochkartscharte zu. Bei größeren Felsvorsprüngen erkannte ich die schiefrige
Natur des Untergrundes. Für das grobkörnige Gefüge kennzeichnend ist die strukturierte
Parallelführung. In diese Richtung lässt sich das Gestein am besten spalten. Der
Glimmerschiefer mit seiner dunkel angewitterten Farbe erzeugt hier oben prächtige
Monumente.
|
Photo 7
Der Wanderweg in Schwindel erregender Höhe |
|
|
|
Nach mehrmaligem Auf und Ab des Wanderweges wechselt das Gestein von schiefriger Natur
zu einer Variante mit deutlich kompakterem Gefüge, das dem Marmor eigen ist. Der Marmor ist
ein monomineralisches Gestein das neben mehreren Nebengemengteilen aus
Kalziumkarbonat besteht. Die umherliegenden Brocken sind massig und außerordentlich
kompakt. Ebenso gestaltet, ist der Wanderweg: steinig, uneben und nicht so schön erdig wie
es beim Glimmerschiefer der Fall war. Aber genauso wie der Glimmerschiefer entstand,
entstand auch der Marmor bei der Umwandlung (Metamorphose) bei großen Drücken und
Temperaturen während der Faltprozesse der Alpen. Ein Ausgangsgestein wird dadurch
metamorph überprägt und besitzt nach dem Vorgang in vielfacher Hinsicht deutliche
Unterschiede zum Ausgangsmaterial. Es entstehen neue Gesteine:
Metamorphite. Anders als beim Marmor bestanden die Ausgangsgesteine für die Entstehung des Glimmerschiefers aus
tonigen, sandigen Sedimenten der Tethys, während der Marmor aus der Umwandlung
kristalliner Kalksteinschichten tierischer Ablagerungen entstand. Beide Gesteinsserien zählen
im Tauernfenster tektonisch aber zu dem Bereich der Jüngeren Schieferhülle.
In der Höhe des Oberen Bockhartsees vom Niedersachsenhaus aus kommend entdeckte ich rechts an der
gegenüberliegenden Seite am Westhang des Silberpfennigs Streifen rötlich braunes Material.
Bald stellte sich die Situation auch auf meiner Seite links von mir ein, wo sie meiner
Untersuchung besser unterlag. Sogleich fiel mir der typisch metallhaltige
Abraum auf, der wahrscheinlich durch die Verwitterung erzführender Gesteine seine charakteristisch rotbraune
Farbe erhielt. Dieser Braunton färbt auch die gegenüberliegenden Hänge auf diese Art und
Weise. Im lockeren losen Zusammenhang häuften sich die körnigen bis Fuß großen Brocken
ähnlich Abraumhalden im Tagebau. Das einzig Verwunderliche an dieser Tatsache erschien
mir die recht beachtliche Höhe zu sein, in der ich mich befand. Nicht weit von mir lag schon die
Bockhartscharte in einer Höhe von 2226 Metern, und ich muss mich etwa in gleicher Höhe
befunden haben. Später fand ich heraus, dass es sich bei dem
erzenthaltenden
Lockermaterial um Abraum der seit dem Mittelalter ausgebeuteten Gold- und Silbererzgänge
handelt. Die Erzgänge setzen in der Zentralgneiseinheit auf (die ich eigentlich in einer späteren
Exkursion näher unter die Lupe nehmen wollte, hier aber schon einmal Erwähnung findet). Im
Bereich des Silberpfennigs durchschlagen die Erzgänge die Metasedimentabfolgen, der zur
Jüngeren Schieferhülle zählenden Angertalserie und verlaufen in den weicheren Gesteinen der
hier vorherrschenden Gesteine. Aufgrund des geringen Ertrages der Erzgänge gegenüber den
reichen Vorkommen in der Zentralgneiseinheit der Goldberggruppe wurde bis 1944 nur noch
wegen des großen Zinkgehalts für die Messingindustrie abgebaut. Der Abraum wies die
typischen Begleitmineralien der Gold- und Silbererze auf: Würfelförmige kleine Pyrit und
Chalkopyritkristalle zeigten sich an frischen Bruchstellen des Materials. Beide Mineralien
gehören zu der Gruppe der Sulfide, typische Schwefelverbindungen. Und so rochen auch
meine Hände nach dem Durchwühlen der Halden; richtig nach Schwefel. Aber siehe da, die
genaue in Augenscheinnahme der Halde führte mich auch zu einer Zahl von Gruben, ein
Stückchen weiter oben. Bei diesen Gruben handelte es sich meiner Ansicht nach jedoch nicht
um Abbaustellen des Erzes sondern vielmehr um zurückgelassene Fundstellen des hier
ebenfalls häufig vorkommenden, klaren durchsichtigen Bergkristalls, der ebenfalls
Begleitmineral der Gold- und Silbererzgänge ist. Der Bergkristall ist sozusagen
mineralogisches Markenzeichen der Alpen, da er als Quarzvarietät (SiO2) in vielen Regionen
der Alpen vorkommt.
|
Photo 8
Am Oberen
Bockhartsee
Die rötlich-braunen
Abraumfelder erregten meine
Aufmerksamkeit |
 |
Photo
9
Blick auf den Unteren Bockhartsee |
|
|
|
Der weitere Weg bis zur Bockhartscharte hielt noch ein wunderschönen Blick auf den Oberen
Bockhartsee bereit und der Abstieg über die Durchgangsalm erwies sich gegenüber dem
mühevollen Aufstieg von zwei bis drei Stunden als zeitlich relativ kurzes Unterfangen; dauerte
aber auch seine Zeit und ist konditionsmäßig nicht zu unterschätzen. Gerade bei steilen
Abstiegen wird das Kniegelenk und die Beinmuskulatur stark beansprucht. Es zeigte sich sehr
vorteilhaft, dass meine Unterkunft unmittelbar am Fuße der Bergkette lag, sodass ich mich,
unten angekommen, gleich gemütlich vor den gedeckten Abendbrottisch setzen konnte. (Die
außerordentlich gute Küche des Ammererhofs soll an dieser Stelle ein dickes Lob und
Dankeschön erhalten!)
|
Photo 10
Restgruben von
“Strahlern” oder
Reste der
ehemaligen
Bergbauaktivität
in diesem
Gebiet? |
|
|
|
Grieswies 04.08.2003
Ein wirklich anstrengender Tag war gestern zu bestreiten! Deshalb sollte es an diesem Tag
nicht allzu hoch hinaus gehen. Für mich war es eine willkommene Gelegenheit die unmittelbar
in der Nähe liegende Grieswies einen Besuch abzustatten. Sie ist bei den heimischen
Talbewohnern bestens für den Mineralreichtum bekannt. Es handelt sich um eine mehr oder
weniger bewirtschaftete Alm, dessen Namen diese wahrscheinlich aufgrund ihres Aussehens erhalten hat; aber das sollte ich erst später erfahren.
Die Grieswies befindet sich unterhalb der westlichen Bergflanken des Talendes und ist nur rund 200 Meter vom Ammererhof entfernt. Nach
der Überquerung der hier heftig brausenden Ache auf einem kleinen Holzsteg, befindet man
sich bereits an der Sohle des leicht ansteigenden Gebietes. Nach rechts hat man Ausblick auf
das weite Almareal, wo sicherlich auch eine Herde Kühe zu finden ist. Dieser Bereich soll als
erstes erkundet werden, denn das ist die eigentliche Grieswies. Auf der linken Seite sticht
einem ein schöner Wasserfall ins Auge, der einen kleineren Abzweig, ein Rinnsal im Vergleich
zu den großen Strömen, darstellt. Der kleine Strom der in der Grieswies-Schafkar ungefähr
hundert Meter an einer steilen Felswand in die Tiefe saust, scheint aus einer anderen Richtung
zu kommen als die Hauptströme. Wahrscheinlich kommt er vom Hocharn, sowie die restlichen
Bäche in der Grieswies auch, schlengelt sich jedoch geschickt den mächtigen Felsvorsprung
entlang (Photo 12).
Geologisch betrachtet besteht die Grieswies aus postglazialen
Bergsturzmassen. Die nach der letzten eiszeitlichen Periode übersteilten Talflanken des
Hocharn sackten nach dem Wegfall der riesigen Eismassen als Stütze zusammen und stürzten ins Tal. Solche Bergstürze
können riesige Ausmaßen annehmen. Der größte Bergsturz von Europa, der am Vorderrhein
bei Flims liegt, hat einen Umfang von neun Kubikkilometern. Im Verhältnis zu diesem ist der
Bergsturz vom Hocharn wesentlich kleiner. Die östliche Flanke des Hocharn stürzte hinab. Das
Schuttmaterial bildet heute die Grieswies. Interessant ist, dass die Bergsturzmassen
vermutlich auf der anderen Talseite auf Grund des heftigen Schwungs wieder hinauf gerast
sind und dort den „Rauriser Urwald” bildeten. Dieser ist vom Untergrund her sehr uneben;
weist also viele Mulden auf, die Grundlage der dort zahlreich vorhandenen Tümpel sind. Diese
Gegend gegenüber der Grieswies ist ein Paradies für Insekten und Moorpflanzen.
Vor allem die Stechmücke treibt berühmt berüchtigt dort ihr Unwesen. Die gesamte Bergsturzmasse
bildete ein Staukörper vor dem Ende des Tales, den die Besucher heute mühevoll mit Auto,
Bus, Fahrrad etc. vor dem Erreichen Kolm-Saigurns bezwingen müssen. Die Masse kann auf
ungefähr 1/9 des Flimser Bergsturzes geschätzt werden.
Aber zurück zur Grieswies. Vielfach war es, an diesem vom Wetter her wunderschönen Tag, anstrengender, als ich vorerst
vermutet hatte. Die Grieswies wird von vielen Schmelzwasserbächen durchzogen, welche
teilweise mächtige Kerben in den lockeren, schotterigen Erdboden erodiert haben. Mit einem
ständigen Auf und Ab ist zu kämpfen. Sogar die Höhendifferenz von mehreren Metern kam
vor. Mehr aber noch charakterisieren die Auswüchse der postglazialen Bergsturzmassen das
Aussehen der Grieswies. Riesige Felsbrocken, zum Teil von Vegetation überdeckt, zum Teil
auch nicht, säumen die Graslandschaft, die vereinzelt durch Sträucher und Kiefern ergänzt
wird. Vier bis sieben Meter Durchmesser weisen die größten Brocken auf. Wahrlich
hinterlassen solch’ riesige Giganten in den Bächen und auf der Wiese verstreut einen
imposanten Eindruck. Nicht zuletzt deshalb will ich an dieser Stelle den Versuch unternehmen
die Namensherkunft der Grieswies zu klären. Ich vermute gerade durch die Einlagerung
der Felsbrocken in einer sonstig grünen Wiese einen Vergleich zu Griesbrei, in dem größere
Griesklumpen sich mit der restlichen Flüssigkeit mischen. Natürlich bleibt das nur eine
belustigende These!
|
Photo 11
Die Grieswies |
|
Photo 12 Grieswies-Schafkar |
|
|
|
Durch das von den Bergen gestürzte postglaziale Material ist eine Vielfalt von Mineralien
gegeben, die hier vorkommen. In Bächen und auf Wiesen sind sie leicht zu finden. In den Alpen
weit verbreitet und auch hier anzutreffen ist der glasklare Bergkristall, eine Siliziumdioxid
(SiO2)- Varietät der reinsten Form. Geht man durch die Wiesen und dreht ab und zu ein paar
Gesteine auf dem Boden um, trifft man mit ein wenig Glück auf die weißen bis farblosen
Kristallspitzen. Der schon im Altertum bekannte Bergkristall ist ein Markenzeichen der Alpen,
der dort vielerorts zu finden ist und gesammelt wird. In der Schweiz zum Beispiel gibt es
„Strahler”, dessen tägliche Arbeit es ist, die wunderschönen Bergkristalle ausfindig zu machen
und dem Berg zu entnehmen. Bereits die Griechen kannten dieses Mineral. Plinius berichtet,
dass der Bergkristall nur dort gefunden wird wo „Winterschnee stärkste Kälte bringt. [...]
Demnach muss er aus Schnee und Niederschlägen entstehen.” Das Mineral, das wie wir
heute wissen kein Eis ist, erhielt damals den Namen
krystallos, das griechische Wort für Eis. Und tatsächlich hielt sich diese Vorstellung vom „so hart gefrorenem Eis, dass nicht einmal die
heißesten Sonnenstrahlen es auftauen könnten” bis ins 17. Jahrhundert hinein.
Auch ich konnte mit kleinen aber sehr schön ausgebildeten Kristallspitzen nach hause gehen. An
diesem Ort sind in der Vergangenheit auch die eher seltenen Titanmineralien
Rutil, Anatas und Brookit gefunden worden. Rutil, ein rötlich-stengeliges Mineral, Anatas, vom lateinischen
anastasis (Emporstreckung, auch auf die Kristallform zurückzuführen) und Brookit, benannt
nach dem englischen Kristallographen H. J. Brooke, sind chemisch völlig identisch (TiO2), besitzen jedoch in ihren Eigenschaften wesentliche Unterschiede. Nicht selten traf ich auch
den typisch in rhomboederform kristallisierten Adular in weißer Farbe an. Unscheinbar kam der
Albit in kleinen Kriställchen zum Vorschein. Feldspat kam in massigen Aggregaten vor. Weiter
südlich in der Grieswies-Schafkar wurde auch der schöne Scheelit einst gefunden. Ich betone
ihn besonders, weil er erstens selten vorkommt, in seiner pyramidialen Kristallform, in diesem
herrlichen Gelb, und zweitens weil er nach einem in meiner Heimatstadt geborenen Chemiker
benannt wurde: Carl Willhelm Scheele, dessen Geburtshaus noch heute in der schönen
Altstadt von Stralsund zu besichtigen ist. Alles in allem erweist sich diese im Talschluss
liegende Alm als Elderado für Sammler. Natürlich sind größere Stücke in den alpinen Klüften
hoch oben in den Bergmassiven zu holen, aber ein kleiner Fund macht ein aus dem Flachland
kommenden Naturfreund wie mich doch schon sehr glücklich.
|
Photo 13 Grieswies
Die Bachläufe sind angefüllt mit Felsbrocken auch größerer Ausmaße |
|
|
|
|
Rauris 06.08.2003
Vorerst muss ich sagen, dass das Wetter in meiner Aufenthaltszeit bis dahin sehr gut
mitspielte. Bis auf den Tag am Bockhartsee, als es am Nachmittag etwas diesig und kalt
wurde, war bisher durchgängig schönes Wetter. Heute blieb es ebenfalls schön sonnig.
Eigentlich wäre das Wetter Ideal gewesen um wieder den Rucksack auf den Rücken zu
schnallen und zu Fuß in die Berge zu ziehen, aber irgendwie sollte es an diesem Tage noch
nicht sein – immer noch Ruhepause. Ein Ausflug nach Rauris sollte Wissenswertes über den
Ort selbst in Erfahrung bringen. Rauris ist ein schöner Ort und liegt in 948 Metern Höhe. Für ein
kleines Örtchen dieser Größe ist es recht belebt; vor allem um die Nachmittagsstunden herum.
Die engen, dicht bebauten Gassen des Zentrums werden seit der Fertigstellung der
Ortsumgehung nicht mehr durch den Straßenverkehr gestört. Hier findet das bunte Markttreiben statt. Bei starkem Sonnenschein reflektieren die Strahlen an den sehr
häufig weißen Gebäudefassaden, die oft durch üppige Balkonpflanzen und Blumen geschmückt
werden. Man fühlt sich in diesen engen, strahlendurchfluteten Gassen schon fast wie im
fernen Griechenland.
Die Hauptsaison wird wahrscheinlich im Winter sein, denn die Skigebiete rund um
Rauris und die zahlreichen Wintersportwarengeschäfte lassen darauf schließen. Besonders auffallend ist
die weiße Kirche mitten auf dem Marktplatz, die innen reich verziert ist. Gold schien hier keine
Mangelware zu sein! Und tatsächlich zeigten archäologische Funde, dass das Rauriser Tal
schon v. Chr. von den Römern als Schatzkammer des begehrten Metalls angesehen wurde.
Die reichen Goldvorkommen in den Tauern zogen schnell die Aufmerksamkeit der früheren Herrscher auf sich. Der älteste archäologische Fund stammt aus der Zeit des Ramses II. um
1300 v. Chr.. Im Markt wurden Silbermünzen gefunden die König Phillip von Makedonien
zeigten, der 360 bis 336 v. Chr. auf den Balkan regierte. Die eigentlichen Besiedler des
Rauriser Tals waren jedoch die Slawen die um 700 n. Chr. den Knappenort Kolm-Saigurn
gründeten, dort wo ich meine Unterkunft habe. Archäologen gehen davon aus, dass die
Besiedlung von Süden her erfolgte und über die Gletscher führte. Später waren es dann die
Erzbischöfe von Salzburg und die des deutschen Kaiserreichs, die sich die Goldvorkommen zu
nutze machten.
Erst im 12. Jahrhundert erscheint der Name „Rurise” erstmals urkundlich. Bischof Heinrich von
Freising übergab seien Bruder Graf Friedrich von Peilstein hier zwei Höfe. Dabei bezog sich
der Name Rurise auf das gesamte Tal und nicht nur auf den Ort.
Bei den nahe gelegenen Bodenschätzen scheint es deshalb nicht verwunderlich,
dass auch die Dorfkirche zu jener Zeit reich mit Gold verziert wurde: Wer’s hat, der hat.
|
Photo 14
Rauris
Wunderschöne
Blumengärten auf
dem Balkon der
Rauriser Häuser; im
Hintergrund die
Dorfkirche |
|
|
|
Zentralgneiseinheit 08.08.2003
Die letzten Tage vergingen wie im Flug. Schon näherte sich das Ende meiner Reise.
Wie traurig es auch klingen mag, aber es war nicht mehr allzu viel Zeit übrig geblieben, um die
letzte Exkursion durchzuführen. Ich musste zugeben, dass ich die letzten Tage viel zu viel auf
der faulen Haut gelegen hatte, was ich mir allerdings nicht übel nahm, denn überall dort wo
Dinge geschaffen werden, braucht man auch Zeit das Geschaffte zu betrachten, um auch
sicher zu gehen, dass man das richtige tut. Bei den zahllosen Wanderungen in den letzten
Tagen ging mir vieles durch den Kopf. Grundfragen, simple Fragestellungen beschäftigten
mich. Zum Beispiel kam die Frage auf: Welche Motivation gibt es, mühevoll
Hunderte von Höhenmeter zu bewältigen? Für viele Leute ist das Bergsteigen nichts; finden es langweilig
oder viel zu anstrengend – Wozu? Ich habe schon so oft gemerkt, dass die Frage nach dem
Sinn einer Handlung sehr tückisch sein kann. Die Frage: Wozu das Ganze?, birgt etwas
Gefährliches. Nämlich mit dem aufzuhören, was man mit Enthusiasmus und Freude
begonnen hat. Oft gibt es jedoch einfache Antworten darauf: Also, wozu steigt man Stunden um
Stunden den engen vielleicht sogar gefährlichen Pfad nach oben an die Bergspitzen? – Um
von oben runter zu schauen; die Herrlichkeit zu erblicken die Gott uns zu Teil werden ließ;
einfach oder? So, wie ich die Erinnerungen meiner bisherigen Lebenszeit bewahrt habe,
möchte ich auch all die zukünftigen, schönen, ja auch anstrengenden und mühevollen
Momente, die noch kommen werden, in mir aufnehmen und täglich dafür danken wollen.
Am gestrigen Tag war das Wetter ausnahmsweise etwas trüb und regnerisch; auch das kommt
mal vor. Heute jedoch sah es wieder ideal aus: Locker bewölkt, heiter und sonnig. Genau
dieses Wetter war nötig um die letzte Etappe in Angriff zu nehmen. Die letzte geologische
Formation dieses Tales blieb bisher immer außen vor: Die Zentralgneiseinheit, die direkt an
die Schieferhülle anschließt und das Ende des Tales bildet. Die Zentralgneiseinheit setzt sich
aus viel älteren Gesteinen zusammen als bei den anderen Zonen. Deshalb spricht man auch
vom „Alten Dach”. Es handelt sich um Gesteine aus der variskischen und kaledonischen
Gebirgsbildung; also der Entstehungzeit unserer europäischen Mittelgebirge. Während der
späteren alpidischen Faltung wurden diese zum Großteil metamorp überprägt, sodass die für
diese Einheit typischen Gneise entstanden. Nach einem steilen Anstieg, der auch einige Zeit in
Anspruch nahm, konnte man ungefähr in Höhe des Naturfreundehaus Neubau in 2175 Metern
über dem Meeresspiegel die ersten Felspartien des hellgrauen Gneis an den Bergwänden
des Sonnblicks erblicken. Der überwiegend aus Feldspat und Quarz bestehende Gneis ist
wesentlich kompakter im Gefüge als der noch während des Aufstieges vertretene
Glimmerschiefer. Auch die Vegetation änderte sich schlagartig. Ab dem Naturfreundehaus
Neubau herrscht Lebensfeindlichkeit; die oberste und letzte Vegetationszone ist erreicht. Hier
begleiten im Sommer eventuell noch kleine Wiesenfelder den Schmelzwasserlauf; später setzt
die Vegetation ganz aus. Nur ab und zu trifft man auf dem Gestein die den hohen Regionen
angepassten Flechten an. Ansonsten ist nur Steinwüste zu erblicken. Das ganze Gebiet dort ist kesselförmig. Die hohen Bergspitzen ragen an den Rändern steil hoch hinauf. Im „Kessel”
selbst ist es verhältnismäßig eben und steigt nur nach Süden hin leicht an. Später erfuhr ich
den Grund für diese besondere Form. Bei dieser Steinwüste handelt es sich um das
Schürfgebiet des Goldbergkees, ein Teil des Goldberggletscher, den ich an der
Sonnblick-Südseite zu Gesicht bekommen habe. Und tatsächlich sah ich beim bewussten
Hinsehen kleine Vorstoßmoränen, die Enden der Gletscher vergangener Zeit, die sich bis zur
heutigen Zeit zurückgezogen haben. Seit 1850 ist der Goldberggletscher stetig
zurückgegangen. Im Jahre 1871 war der Gletscher noch gut um ein drittel größer als
vergleichsweise 1969. Das Verhalten von Gletschern gibt Klimaforschern heute Hinweise auf
mögliche Klimaänderungen. Gletscher, vor allem solche größerer Art, reagieren sehr empfindlich auf Temperaturunterschiede in unserer Atmosphäre. Das Sonnblickobservatorium, die taleigene Wetterstation auf der Spitze des Sonnblicks, untersucht
seit 1869 die Aktivitäten der Gletscher in diesem Areal in Zusammenhang mit
Temperaturunterschieden und Änderungen im Klima. So wurde auch nach einer längeren
Rückzugsperiode der Gletschervorstoß in den 70ern am Goldberggletscher festgestellt. Die
hundertjahrelangen Aufzeichnungen tragen heute zu wichtigen Erkenntnissen in der
Gletscherforschung bei und sind immer wieder Gegenstand neuester Untersuchungen. Der
allgemeine mittlere Gletscherrückgang in den Alpen ist Folge einer globalen Klimaerwärmung,
aber auch von regionalen Besonderheiten abhängig. Forscher nennen für den Anstieg der Temperatur mehrere Gründe: Zum einen können Schwankungen in der Sonnenaktivität
oder auch Veränderungen des Abstandes Erde – Sonne für die nachweisbare Klimaerwärmung
verantwortlich sein. Grundsätzlich vertreten Klimaforscher jedoch die Ansicht, dass der vom
Menschen gestörte CO2-Haushalt der Erde für die Erwärmung verantwortlich ist. Geologen
verweisen jedoch darauf, dass es m Laufe der Erdgeschichte schon immer periodische Kalt-
und Warmphasen gegeben hat und diese Teil eines natürlichen Kreislaufes sind, zudem
letztendlich auch der Mensch gehört.
|
Photo 15
Goldbergkees,
Teil des Goldberg-
gletschers |
|
Photo 16
Vorstoßmoränen im
ehem. Schürfgebiet
des Gletschers |
|
|
|
Ebenfalls interessant erschienen mir die ehemaligen Bergbauaktivitäten rund um den
Goldberg. Von hier stammte das Gold, das das Rauriser Tal und die Umgebenden für seinen
reichen Schatz bekannt machte. In dem vom Gletscher geformten Areal finden sich einige
historische Stätten, die auf den Goldbergbau schließen lassen. Allen voran das altertümlich
wirkende Knappenhaus, das heute kein Dach mehr besitzt. Dies war Wohn-, Schlaf-, und
Arbeitsgebäude für die Knappen des Goldbergwerkes, die von hier aus jeden Morgen zu den
Lagerstätten gelangten (Und das in einer Höhe von 2339 Metern!). Von dort hat man einen
wunderschönen Ausblick nach Westen auf den
Goldbergkees, der in jener Zeit um einiges weiter ausgedehnt sein musste. Das Knappenhaus entstand im 19. Jahrhundert und war
damals über eine horizontale Schleppbahn mit dem Bremserhäusl verbunden, das
Umschlagplatz für Erz auf der einen Seite und Verpflegung für die Knappen auf der anderen
Seite war. Von dort aus gingen die Waren steil zum Radhaus hinab, das weiter unten am Fluss
lag. Der aufgetürmte Transportweg zum Radhaus ist noch gut erhalten geblieben. Er sieht
aus wie eine kleine chinesische Mauer, die sich durch die Landschaft zieht. Wahrlich hat die
Erschließung der Goldvorkommen wie bereits bekannt eine längere Tradition, als die heute
noch sichtbaren Überreste aus dem 19.Jahrhundert vermuten lassen. Bereits 4000 v. Chr.
sollen hier eifrige Goldsammler vom Stamm der Kelten nach dem edlen Metall gesucht haben.
Die Hochblüte erreichte der Abbau im Mittelalter. Später erfolgte ein erneutes Aufflammen;
wurde jedoch der Betrieb in der Neuzeit aufgrund mangelnden Ertrages eingestellt. Heute
versuchen aber immer noch eifrige Goldwäscher kleine Goldkörnchen aus der Rauriser
Ache, weiter unten um Tal, auszusieben. Das Gold selbst entstand in einer recht späten Phase der
alpidischen Faltung. Entlang von Rissen, Spalten und Störungen gerieten heiße wässrige
Lösungen aus dem Erdinneren in höhere Regionen der Erdkruste, wo sie später die
enthaltenen Metalle auskristallisieren ließen. Der widerstandsfähige Gneis ermöglichte die Herausbildung großer Lagerstätten in Spalten der Ausmaße 1 x 2 x 700 Meter in Richtung
Nordnordost, die zum Teil in große Tiefen reichen und den Abbau in der Endphase des
Goldbergbaus immer schwieriger machten. Am Silberpfennig und am Bockhart verliefen die
Goldvorkommen im weichen Untergrund der Schieferhülle. Die heißen, wässrigen Lösungen
führten auch weitere Bestandteile wie Siliziumdioxid und Schwefel mit sich, weshalb der Quarz
und auch der Pyrit rund um die Abbaustellen leicht zu finden ist.
|
Photo 17
Das Knappenhaus in 2339 Metern Höhe |
|
Photo 18
Die Überreste des Bremserhäusl |
|
|
|
|
Ich konnte es nicht lassen am letzten Tag (zum Abschluss) auf dem vom Gletscher
abgerundeten Untergrund auszuruhen, um in den warmen Sonnenstrahlen des
späten Nachmittags, am Rande des Schmelzwassersees, vor dem großen Gletscher, ein kleines
Nickerchen in über 2000 Metern Höhe zu halten. Der Abschied von den mir so vertraut
gewordenen Bergen rückte immer näher.
|
|
|
Glossar
arid; gleichbedeutend mit trocken; Betrag an Verdunstung oberflächliches Wasser
ist höher als Niederschlag
Basalt, der; dunkelgraues bis schwarzes, basisches Ergussgestein mit dichtem
Gefüge; besteht hauptsächlich aus Plagioklas, Augit, Olivin, Nephelin, Bronzit und
Orthoklas
Buntsandstein; vorwiegend kontinentale Ablagerung von bunten Tonen, bunten
Sandsteinen und Konglomeraten
Evaporat; Stoff der durch Abscheidung bei Verdampfung von Lösungen entsteht;
durch Evaporation entstehen Salzlagerstätten
Fanglomerat; [engl. fan = Fächer] Schlammbrekzie, in Trockengebieten
auftretende fächerartige Ablagerungen aus unsortiertem Gesteinsmaterial;
entsteht bei heftigen Regengüssen durch Abfließen (Schlammströme) des
wasserdurchtränkten Verwitterungsmaterials
fluviatil; [lat.] von Flüssen gebildet, abgetragen, abgelagert usw.
Flysch; fossilarme kalkige, sandige oder mergelige Ablagerungen, die im
Geosynklinalraum während der Gebirgsbildung entstanden, wobei das Material von
den bereits über den Meeresspiegel herausgehobenen Gebieten stammt; im
Alpenvorland in der Oberen Kreide und im unteren Tertiär abgelagert
Foraminiferenkalke; aus zu den Wurzelfüßern gehörenden Porentierchen und
Lochschalentierchen aufgebaute Kalke
Fossil, die; die als Versteinerung oder Abdrücke erhaltene Reste oder Spuren von
Lebewesen der Vorzeit. Für eine Gesteinsschicht charakteristische Fossilien, sog.
Leitfossilien kennzeichnen ganze geologisch-paläontologische Epochen und dienen
der Altersbestimmung
Gondwana-Land; [benannt nach der indischen Landschaft Gondwana im Norden
des Hochlands von Dekan], Gondwania, paläozoische, vielleicht präkambrische
Landmasse auf der Südhalbkugel der Erde mit z.T. eigenen Florenelementen und
Wirbeltierformen; umfasste die alten Kerne von Afrika, Vorderindien, W-Australien,
Antarktis und Südamerika; zerfiel im Mesozoikum aus dem Riesenkontinent Pangäa
hemipelagisch; [griech.] Bezeichnung für den zwischen 200 und 4000 m Tiefe
gelegenen Tiefseebereich und die in ihm gebildeten Sedimente
Konglomerat; [lat.] klastisches Sedimentgestein aus abgerundeten
Gesteinstrümmern, durch kalkige kieselige u.a. Bindemittel verkittet und
diagenetisch verfestigt
Magma, das; in tieferen Bereichen der Erdkruste befindlichen, aus Oxiden und
flüchtigen Bestandteilen bestehende Gesteinsschmelze (um 1000°C); an der
Oberfläche ausgetretenes Magma wird als Lava bezeichnet
Magmatismus, der; zusammenfassende Bezeichnung für alle mit dem Magma
zusammenhängenden Erscheinungen
Metamorphose, die; Gesteinsumwandlung im Innern der Erdkruste infolge Temp.-
u. Druckveränderungen
Molasse, die; tertiäre Gesteine, bestehend aus Sandstein, Mergel und
Konglomeraten, die im Miozän und Pliozän in dem den aufsteigenden Alpen nördlich
vorgelagerten Becken (Molassebecken) entstanden; nur am Alpenrand gefaltet
pelagisch; [griech.] der Tiefsee (über 800 m tief) angehörig, in der Tiefsee
gebildet
Radiolarite; aus meist kugeligen, zu den Wurzelfüßern gehörende, mikroskopisch
kleinen Einzellern, mit Zentralkapsel und zartem Kiesel- oder Strontiumsulfatskelett
(Radiolarien) aufgebauten Sedimenten
Sedimentation, die; [lat.] Ablagerung, Absetzen des durch Verwitterung
aufbereiteten und durch bewegte Medien verfrachteten Gesteinsmaterials sowie
von abgestorbenen Organismen, chemischen Substanzen, u.a. Bei Nachlassen der
Transportkraft der bewegten Medien wird zunächst grobkörniges, später
feinkörniges Material abgelagert; die Sedimentation erfolgt vorwiegend in
Schichten
Subduktion, die; Plattentektonik: Absinken einer Lithosphärenplatte unter eine
andere
|
|
|
|

Anmerkungen zur Geologischen Übersichtskarte (Abb. 13):
1 = Tertiär in Molasse- und Pannon,
2 = Gosaubecken (Oberkreide-Alttertiär),
3 = Klippenzone (Jura-Eozän),
4 = Voralpendecke (Helvetikum)
5 = Deckgebirge (Mesozoikum und Alttertiär)
6 = Grundgebirge (Kristallin)-Penninikum
7 = haupts. Mesozoikum und Alttertiär
8 = Paläozoikum
9 = Penninischer Flysch
10 = Oberostalpines Deckgebirge, haupts. Mesozoikum
11 = nicht oder schwach metamorphes Paläozoikum der Ost- und
Südalpen
12 = Altkristallin, ungegliedert
13 = unterostalpines Grund- und Deckgebirge
14 = Deckgebirge, haupts. Mesozoikum
15 = Grundgebirge (Kristallin)
16 = Tertiäre Vulkanite
17 = alpidische Plutonite und variszische Judivarienlinie und in
Karawanken
18 = permische Vulkanite
|
|
|
|
Geologische Zeittabelle
Anmerkungen zur Geologischen Zeittabelle:
Angaben nach: Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg
Stand : Januar 2003
Einige Zahlen wurden den neuesten Forschungsergebnissen angepaßt und haben sich geändert.
(Kambrium 570 > 540, Ordovizium 510 > 490, Silur 435 > 445, Devon 410 > 415 und Kreide 135 > 145)
Bildnachweis
Abb. 1 LACKMANN, WOLF (2002): Einführung in die Geologie
(http://www.uni-mainz.de/~lackmann/Geologie/Schriftgranit.html)
Abb. 2 Bearbeitung nach Plate tectonic maps and Continental drift animations – PALEOMAP Project;
SCOTESE, C. R. (2001): Atlas of Earth History, Volume 1,
Paleogeography, PALEOMAP Project, Arlington, Texas, S. 52 ff (http://www.scotese.com)
Abb. 3+4 Bearbeitung nach: STAMPFLI,
G.M. and BOREL, G.D., 2002: A plate tectonic model for the Paleozoic and Mesozoic constrained by dynamic plate boundaries and
restored Synthetic oceanic isochrons. Earth and Planetary Science
Letters, 196: 17-33 STAMPFLI, G.M. and BOREL, G., MARCHANT, R. and MOSAR, J., 2002: Western Alps geological
constraints on western Tethyan reconstructions. Journal VirtualExplorer, 8: 77-106
STAMPFLI, G.M. (Editor), 2001: Geology of the western Swiss Alps, a guide
book, 36. Mémoires de Géologie (Lausanne), 195 pp.
(http://www-sst.unil.ch/research/plate_tecto/index.htm)
Abb. 5 Bearbeitung nach: PRESS, F. and SIEVER, R. (1997): Understanding Earth; W H
Freeman & Co.
Abb. 6 Channel, J.E.T. & Kozur, H.W. (1997): How many oceans? Meliata, Vardar, and
Pindos oceans in Mesozoic Alpine paleogeography – Geology 25/2, 183-186
Abb. 7 SCHÖNENBER & NEUGEBAUER (1987)
Abb. 8 Picture by http://www.harcourtschool.com
(http://www.harcourtschool.com/activity/pompeii/index.html)
Abb. 9+10 Alpen tektonisch; Alexander Pro - Neukonzeption für die
Oberstufe in thematischer Gliederung (1997), Klett; Klett-Perthes
Abb.11 SLUPETZKY, H.; die hellblauen Bereiche
zeigen die Vereisung während der Würmeiszeit, die letzte große Vereisung in den Alpen
(http://www.schule.suedtirol.it/rg-strz/lebensraeume/tauernfenster.htm)
Abb. 12 Österreichische Karte Rauris, Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (1080
Wien)
Abb. 13 SCHÖNENBERG & NEUGEBAUER (1987)
Quellennachweis
Favre, P. & Stampfli, G.M. (1992): From rifting to passive margin. The Red Sea, the central Atlantic and the Alpine Tethys as examples. – Tectonophysics 215, 69-97
Frisch, W. (1979): Tectonic progradation and plate tectonic evolution of the Alps. – Tectonophysics 60, 121-139.
GOSEN, W. (1989): Gefügeentwicklungen, Metamorphosen und Bewegungen der ostalpinen Baueinheiten zwischen Nockgebiet und Karawanken (Österreich). Geotekt. Forsch. 72, 247 S.
GRUBER, F. (1999) Die Rauriser Bergbaugeschichte (Austrian Open – Meisterschaft im Goldwaschen), Info, S.1-7
MOEBUS, G. (1997) Geologie der Alpen: eine Einführung in die regional-geologischen Einheiten zwischen Genf und Wien
Schaltegger, U. & Gebauer, D. (1999): Pre-Alpine geochronology of the Central, Western and Southern
Alps. – Schweiz. mineral. petrogr. Mitt. 79, 79-87.
Scotese, C.R., Bambach, K., Barton, C, van der Voo, R. & Ziegler, A.M. (1979): Paleozoic base maps. – J.
Geol. 87, 217-277
Stampfli, G.M., Marcoux, J. &Baud, A. (1991): Tethyan margins in space and time. – In: Channel, J.E.T.,
Winterer, E.L. & Jansa, L.F.: Paleogeography and paleooceanography of Tethys. – Paleogeogr.
Paleoclimatol. Palaeoeclo. 87, 373-410.
STRAHLER, A.H./STRAHLER, A.N.: Physische Geographie. Stuttgart 1999
Trümpy, R. (1998): Die Entwicklung der Alpen: Eine kurze Übersicht. – Z. dt. geol. Ges. 149, 165-182.
|
|
|
Fertigstellung: 18.03.2004
© All copyrights by Christoph Lenz
|
|
|
|
| | |
|
|