.:: Rauris - Einschnitt in die Entstehung der    
                      Alpen

     

 

Index

Einführung
Entstehung der Alpen
   Spaltung Pangäas
   Sedimentationsphase
   Alpine Orogenese
Das heutige Erscheinungsbild der (Ost-)Alpen
   Tauernfenster
   Das Rauristal
Exkursionen
   Anfahrt
   Kitzlochklamm 
   Niedersachsenhaus 
   Grieswies
   Rauris
   Zentralgneiseinheit
Glossar
Bildnachweis
Quellennachweis

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Einführung

Die Alpen, so groß und mächtig wie sie sind, gehören zu den  beeindruckendsten und auch zu den geologischen jüngeren Gebirgen dieser  Erde. Natürlich werden niemals innerhalb einer Dokumentation alle schönen und wissenschaftlich interessanten Seiten der Alpen beleuchtet. Das soll auch nicht Sinn und Zweck wissenschaftlicher Arbeit sein. Vielmehr gilt es, das bestehende Bild der Alpen durch spezifische individuelle Einzelheiten zu vervollständigen. Es zeigt sich: Je tiefer man in die Thematik der geologischen Begebenheiten der Alpen einsteigt, desto komplexer und schwieriger werden die Zusammenhänge. Eine gewisse Grobübersicht zur geologischen Entstehung ist aber für das Allgemeinverständnis notwendig. An dem speziellen Beispiel des Rauriser Tals, das sich wie ein Buch durch die geologischen Zonen des Tauernfensters in Österreich zieht, sollen die geologisch-mineralogischen Besonderheiten der Region im Bereich der Ostalpen vertieft werden. 
 
Entstehung der Alpen

Vor 175 Millionen Jahren in der Zeitepoche des Jura erstreckte sich ein Meer über weite Teile des heutigen europäischen Kontinents. Natürlich war von den Alpen vor so langer Zeit noch keine Rede, dieses Gebirgssystem existierte auch noch nicht. Aber wie natürlich ist das eigentlich? Gebirge, Berge, Felsen und Steine sind in unseren Köpfen seit eh und je etwas Standhaftes, etwas Unveränderbares. Ganze Generationen von Menschenleben sehen beispielsweise immer den gleichen Berg vor sich, ohne jegliche Veränderungen. Jedoch ist bei der Behandlung unseres Themas eine andere Sichtweise nötig, die sich vom stetigen und unveränderbaren Gesicht der Erde löst und ganz andere gedankliche Grenzen in Anspruch nimmt. Es ist schwierig für einen Menschen über eigene Beobachtungen und Erfahrungen hinweg zu sehen. Hundert Jahre sind für den Alltag sehr viel, für die Geologie gar nichts. Die Geologen und Paläontologen sind bereits darauf eingestellt in solchen atemberaubenden Zeitspannen zu rechnen. Man bedenke, dass noch nicht einmal eine Million Jahre sonderlich viel sind. Trotz alle dem spüren wir täglich aufs neue, auch in unserer Alltagswelt, wie die Erde ihr Gesicht verändert. Wenn man aus  Fernsehen oder Rundfunk von Erdbeben, Vulkanausbrüchen oder anderen verheerenden Naturkatastrophen aus vielen Teilen der Welt berichtet bekommt, werden wir selbst zu Zeugen einer unruhigen Erde. Genau diese geologischen Prozesse sind Ursache, in den meisten Fällen aber auch nur Folge geologischer Veränderungen an der Erde. Nach heutigen Ansichten ist der unermüdliche Motor geologischer Veränderung das Erdinnere. Der Erdkörper ist schalenförmig aufgebaut. Die äußere Schicht ist die Erdkruste, auf der wir stehen. Sie ist die dünnste Schale und reicht in eine Tiefe von circa 10 bis 30 km. Es folgt der Erdmantel (bis 6375 km) und schließlich der Erdkern. Die Temperatur des  Erdinneren ist enorm. Die Energie, die in Form von Wärme im Erdkern gespeichert ist, wird nur langsam über Millionen von Jahren an die Erdoberfläche abgegeben und ist für das Wirken geologischer Prozesse verantwortlich. Wie in einem Kochtopf gelangt die Wärmeenergie der Herdplatte an die Oberfläche und bildet Blasen und scheucht das Gemüse im Eintopf von einer zur anderen Seite, während das an der Oberfläche abgekühlte Material absinkt, wiederum erhitzt wird und schließlich aufsteigt und den Kreis schließt. Diese Konvektionsströme treten auch in dem von Geologen als Asthenosphäre bezeichneten Bereich plastischen Magmas auf, der zwischen Erdkruste und Erdmantel liegt. Nach der der Theorie der Plattentektonik sind die Konvexströme für die Bewegung der Kontinentalplatten verantwortlich. Dabei können sich die Platten voneinander entfernen (divergent), aufeinander zu (konvergent) oder seitlich aneinander vorbei (Transformstörungen) bewegen.

Abb.1
(links) Schalenaufbau der Erde; (rechts) Konvexströme in der Astenosphäre und die Auswirkung auf die Kontinentalplatten - Kontinentaldrift mit Erdbeben und Vulkanausbrüchen und weiteren geologischen Prozessen als Folge

Der Ozean, der vor beträchtlich langer Zeit weite Teile des europäischen Kontinents bedeckte, entstand auf Grund der bereits genannten geologischen Prozesse: Vor rund 200 Millionen Jahren kam es zur Spaltung des Super-Kontinents Pangäa, ein in der Wissenschaft sehr bekannter ehemaliger Großkontinent, dessen Existenz vor Jahrmillionen bereits von Alfred Wegener 1912 angenommen wurde. Bei der Betrachtung des heutigen Globus bemerkte er, dass einige Kontinente sich wie eine Art Puzzle an andere angliedern ließen. Ein Paradebeispiel ist die südamerikanische Ostküste, die ein wenig versetzt sehr schön an die ihr gegenüber liegende afrikanische Westküste passen würde. Schließlich fand Wegener Beweise für seine Theorie der Kontinentalverschiebung. Als ausgebildeter Klimaforscher stellte er verblüffende Gemeinsamkeiten in Flora und Fauna heraus, die anhand von Fossilien bis heute überliefert sind. An den Grenzgebieten verschiedener Kontinente fanden sich gleiche Arten tierischer, meist jedoch pflanzlicher Fossilien, sowie Gesteinsablagerungen die räumlich über Hunderte von Kilometern durch heute bestehende Ozeane getrennt werden, früher aber folglich zusammen existiert haben müssen. Das Aussehen des Superkontinents Pangäa stützt sich grundlegend auf Computerrechnungen. Computermodelle errechneten erfolgreich die best mögliche Einpassung der Kontinentalränder, wobei man jedoch nicht vom heutigen Küstenverlauf ausging, sondern von einer Wassertiefe nahe den Rändern des Kontinentalsockels. Das Ergebnis verblüffte die Fachwelt. Tatsächlich hatte es den Anschein, dass Wegener mit seiner Theorie der Kontinentalverschiebung, nach der die Kontinente in Urzeiten einmal eine zusammenhängende Masse bilden mussten, recht behält. Diese ist der Grundstein der heute allgemein gültigen Theorie der Plattentektonik, die nicht nur von der Wanderung der Kontinente ausgeht, sondern zur Erklärung die Erdkruste als Platten beschreibt, die auf der Asthenosphäre schwimmen und durch Konvektionsströme auf dieser bewegt werden. Naturwissenschaftlich-geologisch gesehen, ist diese Theorie allerdings um einiges komplexer und komplizierter als hier vereinfacht dargelegt.
 
Die Spaltung Pangäas – Entstehung der Tethys

Pangäa hatte vor 255 Millionen Jahren stark vereinfacht die Form eines großen „C”. Damit ist nicht der Zeh am Fuß gemeint sondern der dritte rund gekrümmte Buchstabe im arabischen Alphabet. Pangäa umschloss einen riesigen Ozean, der von Geologen den Namen Paleo-Tethys (paleo = alt) erhalten hat. Der Schweizer Geologe Eduard Suess verwendete erstmals 1893 die Bezeichnung Tethys und berief sich auf die Bedeutung der griechischen Mythologie, in der Tethys eine griechische Göttin darstellt. Sie erinnert an die für das Leben wichtige Kraft des Wassers. Die Heirat mit ihrem Bruder Okeanos, dem griechischen Gott des Ozeans, könnte sich im übertragenden Sinne auf die Verteilung des Meeres jener Zeit beziehen. Rings um Pangäa existierte ein übergroßer Ozean (Panthalassa), während der kleinere Paleotethys-Ozean , der von Pangäa umschlossen wurde, sozusagen die Schwester oder Frau des Riesenozeans darstellt.


Abb. 2
Berabeitung nach Paleo-Project R.Scotese – 
Welt vor 255 Millionen Jahren

Bereits im Oberkarbon wurde die Paleotethys an ihren nördlichen Rändern in den Untergrund subduziert und im Westen Europas geschlossen (Scotese et al. 1979, Ruttner 1993). Die Subduktionsprozesse verursachten einen kalkalkinen Magmatismus im südlichen alpinen Terrain. Erst zum Ende der Permzeit begannen sich unwesentliche Teile Pangäas, wie das heutige Zentralafghanistan und anliegende Staaten (kimmerische Kontinent), abzutrennen, die dann den Ozean innerhalb einer Zeitspanne von 55 Millionen Jahren einengten und schließlich in der Obertrias mit Eurasien kollidierten. Gegenüber liegend entstand parallel dazu der Nachfolger der Paleotehtys - die Neotethys (Abb. 3).


Abb. 3 
Erste abgetrennte Teile Pangäas lösen sich, engen den 
Paleotehys-Ozean (1) ein und schaffen gegenüber die 
Neo-Tethys (2)

Das Zeitalter der Trias war bereits angebrochen. Es sollte nun einer der heißesten Phasen der Erdgeschichte folgen. In den Bereichen entlang des Äquators herrschte extrem arides Klima. Hitze, Trockenheit und Lebensfeindlichkeit kennzeichneten diese Gebiete. Das warme, gemäßigte Klima reichte bis zu den Polen. Auch vereiste Polkappen existierten nicht. Beim Übergang vom Perm zur Trias starben viele der zu der Zeit lebenden Tierarten aus; wahrscheinlich aufgrund des extremen Klimawandels. Ein Klimawechsel ist bereits im Oberkarbon an dem Übergang von Fanglomeraten zu fluvialen Konglomeraten nachgewiesen worden (Truempy 1998). 

Vor 230 Millionen Jahren setzte das sogenannte Rifting der Kontinentalplatten ein. Die Vorgänge in der Asthenosphäre liefen so ab, dass die Konvektionsströme sich gegenseitig ergänzten und einen gewaltigen Druck im Untergrund erzeugten, so dass die darüber liegende Erdkruste sich so lange aufwölbt bis sie schließlich reißt und tiefe Risse und Spalten in der Erdkruste entstehen lässt (Abb. 5). Der „C”-geformte Großkontinent Pangäa zerbrach auf diese Weise in der Mitte zu Eurasien und Gondwana. Die zwei nun unabhängig von einander existenten Kontinentalplatten bewegten sich fortwährend von einander weg. Aus der Tiefe  des Erdmantels gelang ständig neues überwiegend basaltisches Material an die Erdoberfläche, dessen Risse dadurch aufgefüllt wurden. Schon frühzeitig bestand eine Verbindung zur Neotethys, wodurch sich das Grabensystem schnell mit den Wasser dieses Ozeans füllte. Der Lauf der Zeit, die zunehmende Ausweitung des Grabensystems und die wachsende Entfernung der Kontinentalplatten voneinander, ließen vor 156 Millionen Jahren im mittleren Jura einen neuen Ozean entstehen: die alpine Tethys.

Abb. 4 

Alpine Tethys - vor 156 Millionen Jahren

 

Abb. 5  Der Vorgang des Rifting
a) Der Druck aus dem Erdmantel ist stark und wölbt die Erdkuste.
b) Der Kontinent reißt schließlich auf.
c) Die neuen Kontinente driften auseinander; das Becken füllt sich mit Wasser der 
    Neotethys.
d) Es kommt zur Ausbildung eines ozeanischen Rückens.

Die Sedimentationsphase

Was die Entstehung der Alpen nun mit dem Entstehen eines Ozeans zu tun haben soll, wird sich bald klären. Man muss davon ausgehen, dass der Tethys-Ozean und dessen geologischer Entstehungsprozess für das Aussehen und den Aufbau des Gebirges entscheidend ist. Nach der Auffüllung der entstandenen weit ausgedehnten Grabensysteme mit dem Wasser aus der Neotethys setzte bereits die Sedimentation ein; ein Prozess, der für die heutige Gesteinsbildung ebenso verantwortlich ist, wie vor Millionen von Jahren. Feine natürliche Bestandteile lagern sich am Boden ab und bilden im Laufe von Millionen Jahren mächtige Schichten, sodass unter enormen Eigendruck feste Gesteinsschichten entstehen. Dabei können die Materialien sehr unterschiedlich sein und daher auch verschiedene Arten von Sedimentgesteinen hervor bringen. Verfestigte Sande sind zum Beispiel die Basis der Sandsteine, die je nach Korngröße oder Art des Ausgangsmaterials unterschiedlich gebaut sind. Ebenso sind die Reste von Schalentieren im Meer für das Entstehen mächtiger  Kalkschichten am Meeresboden verantwortlich. Ein Großteil der Sedimentationsprozesse fand und findet im Meer statt, da durch Wettereinfluss, mechanische Beanspruchung durch Wind und anderen Erosionsfaktoren die Bildung von Sedimenten an Land stark verhindert wird, während im Meer die Materialen zu Boden sinken und dort neue Gesteinsschichten aufbauen können. Die alpine Tethys war nach Auffassung der Geologen ein vortrefflicher Sedimentationsraum. Noch in der frühen Phase der alpinen Tethys, nach der Aufspaltung des Großkontinents, lagen verschiedene Teile des abgetrennten Pangäas verstreut. Die Küsten Gondwanas und des eurasischen Festlandes lagen weit auseinander. Dazwischen erstrecken sich kleinere Subkontinente und Meeresbecken die eine Gesamtbetrachtung recht kompliziert machen. Der Mikrokontinent Apulien (Adriatische Platte) und das europäische Festland lagen einander gegenüber, getrennt von der Alpinen Tethys (Abb. 6). Während beide Kontinentalplatten auseinander drifteten, dehnte sich der Ozeanboden der Tethys dementsprechend weiter aus und sank gegenüber den Plattenrändern stetig ab. Der von Geologen als Geosynklinale bezeichnete absinkende Sedimentationsraum wurde bald mit  natürlichen Sedimenten gefüllt, wobei sich die Abwärtsbewegung des Ozeans mit den aufstockenden Sedimentmassen weitgehend in der Waage hielt. Die Tiefe des Ozeans änderte sich trotz des absinkenden Ozeanboden deshalb nicht wesentlich und war über viele Millionen Jahre, von einigen lokalen Unterschieden abgesehen, weiträumig konstant. Die Sedimentationsräume innerhalb der Tethys unterschieden sich in den ersten Millionen Jahren nicht wesentlich. Erste Ablagerungen, die sich über die gesamte Tethys verteilten, bestanden aus losen, sandig-siltigen Gesteinstrümmern, die vorrangig im Zeitraum von Ende Perm bis Anfang Trias erodiert wurden und über Flüsse in ausgedehnte Flussdeltas gelangten, die  langsam unter Meeresbedeckung gerieten. Heute treten die Ablagerungen als alpine Buntsandsteine zum Vorschein. Im Osten der frühen Tethys entstanden teils große Vorkommen von Evaporiten, die bei der Verdampfung des salzhaltigen Meeres entstanden und sich heute als die bekannten Salzvorkommen in den Alpen präsentieren. Darauf folgend lagerten sich erste Reste organischer Herkunft ab, was zeigt, dass die Geologie nicht nur von Prozessen der unbelebten Natur beeinflusst wird, sondern ebenfalls die belebte Natur einen entscheidenden Einfluss auf ihre Umwelt besitzt. Wahrscheinlich waren es Reste erster Schalentiere in dem noch geologisch jungen Ozean, die im flachen Meer beachtliche Schichten von Karbonaten (Kalksteinschichten) zurück ließen. Erst ab dem mittleren Jura kann der alpine Raum aufgrund der zunehmenden Vergrößerung des Tethys-Ozeans in mehrere Haupteinheiten differenziert werden. In der westlichen Tethys am Rand des europäischen Festlandes entstand das so genannte Helvetikum. In diesem Bereich bleibt die Flachwassersedimentation während der Jura-Kreidezeit erhalten, wobei bereits im Perm in zahlreichen Becken die durch festländische Erosion abgetragenen Rotsedimente (rot durch Rost, Eisen-2-oxid) abgelagert wurden. Aus dieser Ablagerungszone stammen die dunklen ammonitreichen Quintnerkalke und weitere hemipelagische Kalke, also Kalke die in Wassertiefen von 200 bis 4000 Meter abgelagert wurden. Sie bauen vorrangig die helvetischen Decken auf. Durch die Mitte der Tethys zog sich ein langes Grabensystem, das sich im Bereich des so genannten penninischen Ozeans befand, in dem sich das Rifting der Platten konzentrierte (Abb. 6). Im Bereich der Riftzone wurde aus dem Erdinneren überwiegend basaltisches Material an die Oberfläche gefördert, das neuen Ozeanboden entstehen ließ und für das Aufbrechen des penninischen Ozeans verantwortlich war. Diese Zone stellte ausnahmsweise ein sehr tiefreichenden Sedimentationsraum dar. In den tieferen Regionen bildete sich im Jura Bündnerschiefer und in der mittleren Kreidezeit Foraminiferenkalke,  organische Reste der Familie Foraminiferida.

Abb. 6 
Paleographische Übersicht zur Zeit der Unterkreide (verändert nach 
Channell & Kozur 1997); 
Die gezackte Linie durch den penninischen Ozean stellt die Riftzone dar. 
Die nördliche Küste enspricht dem südlichen Kontinentalrand von Europa, 
während im Süden kleinere Mikrokontinente und die adriatische Platte zu 
erkennen ist.

Auch die adriatische Platte (der Mikrokontinent Apulien) spielte bei der Sedimentationsphase eine bedeutende Rolle; ein Großteil der östlichen, sowie südlichen Alpen basiert auf dessen Grundstruktur. Durch die Ausweitung der Tethys in der frühen Triaszeit gerieten große Teile Apuliens unter Meeresbedeckung. Im Bereich des Ostalpin setzten sich vorerst sandige Sedimente ab, später auch Kalk (Gutensteiner Kalkschichten). Der südalpine Bereich wurde ähnlich gestaltet. Zur Mitte und zum Ende der Trias bildeten sich weite Karbonatplattformen mit Riffen. Im Südalpin entstanden der Schlern- und Hauptdolomit und im oberen Ostalpin Kalkschichten, die heute die Nördlichen Kalkalpen bilden. Die Ablagerungen der Trias erreichten eine Mächtigkeit von 4000 Metern, das nur durch lang anhaltende Bodenabsenkung am inaktiven Kontinentalrand im Westen der Tethys möglich war. Während der Öffnung des südpenninischen Ozeans im Jura zerriss die Karbonatplattform zu vielen Schollen. Im Ost-, sowie im Südalpin setzten sich während der Ausweitung des penninischen Ozeans pelagische Sedimente ab, erst Radiolarite, dann Aptychenkalke und die aus dem Penninikum bekannten Foraminiferenkalke. Die große Anzahl der verschiedenen Ablagerungen in den verschiedenen Ablagerungsräumen sind zugegeben sehr unübersichtlich und kaum zu überschauen. Zudem sind Ablagerungen aus gleicher Zeit im gleichen Sedimentationsgebiet mit Unterschieden versehen und jeweils mit jeweils immer neuen fachmännischen Namen bezeichnet. Die Gesamtstruktur der Ablagerungen ist teilweise so komplex und wenig durchschaubar, dass sogar unsere Geologen mit den Augen rollen würden, wenn sie es kurzer Hand zusammenfassen müssten.


Abb. 7 Ablagerungen der Ostalpen in der Unteroberkreide

Die Auffaltung – alpine Orogonese

Vor 80 Millionen Jahren müssen sich die Unterströmungsverhältnisse in der Asthenosphäre im alpinen Raum schlagartig verändert haben. Afrika bewegte sich langsam aber sicher in die entgegengesetzte Richtung – auf Eurasien zu! Nach dem Wilson-Zyklus, der von einer wiederkehrenden Aufspreizung und Schließung der Kruste ausgeht, muss sich die Tethys im sog. Pazifikstadium befunden haben müssen. In diesem Stadium kommt die Ozeanausdehnung zum Stillstand. In der Kreidezeit kam es dann zur Umkehrung des Kontinentaldriftprozesses. Die Öffnung des atlantischen Ozeans zur gleichen Zeit blieb in gleicher Art und Weise erhalten. Die Alpen sind demnach durch die Annäherung und den Zusammenstoß Afrikas mit Eurasien entstanden. Den Baustoff für das heute bis zu 4500 Meter hohe Gebirge lieferten die mächtigen Sedimentschichten der Tethys.


Abb. 8 Subduktionszone
Eine Kruste wird unter die andere subduziert

Wie wir bereits festgestellt haben, bestand die ursprünglich Europa und Afrika trennende Meereszone nicht nur aus einem ozeanischem Becken. Sehr deutlich zeigen uns unsere vorherigen Ausführungen, dass sogar kleinere Mikrokontinente und mehrere Meeresbecken zwischengelagert waren. Bei der Annäherung zwischen Afrika und Europa entstanden deshalb wahrscheinlich nacheinander einsetzende Deformations-, Schub-, sowie Faltungsprozesse. Die gigantische Kollision zweier Kontinentalplatten war also vereinfacht dargestellt für die Auffaltung der Alpen verantwortlich. Die in der Tethys gelagerten Decken von Sedimenten komplizieren die Sache jedoch wiederum. Unter dem Einfluss des von Süden und Südosten herannahenden apulischen Mikrokontinents kam es zur Deckenüberstapelung, wobei ozeanische Teilstücke an den Subduktionszonen im Erdmantel versenkt und viele der Deckensedimente gelöst und wild übereinander geschoben wurden. In dem südalpinen Bereich kam es durch die Unterschiebung der Südalpen zum Auspressen bzw. zur Hebung der apulischer Unterkruste. Anderswo wurden zum Teil auch viele ozeanische Krustenteile auch auf kontinentale Kruste verschleppt (Obduktion). Grob gesehen wurden die südlich gelegenen Deckensedimente am nördlichen Kontinentalrand Afrikas, also Ost- und Südalpin, über die nördlicheren Decken des Penninikum und Helvetikum geschoben. Bei der Bewegung der ostalpinen Decken über das Penninikum wurde ein Großteil der penninischen Decken in den Untergrund subduziert. Heute treten diese nur noch über vereinzelte geologische „Fenster” zutage. Fenster deshalb genannt weil sie uns heute Einblick in tiefer liegende Schichten gewähren, die sich normaler Weise unter der Oberflächenschicht befinden. Die penninischen Decken wiederum überfuhren die helvitischen, die den Übergang zu den im Norden liegenden viel älteren Gebirgssystemen wie zum Beispiel der böhmischen Masse, Schwarzwald oder Vogesen bilden. Im Osten des Alpenraums wurde das Ostalpin bis zum Nordrand der Alpen geschoben und bedeckt (ausgenommen einiger bereits erwähnter Fenster) den gesamten Bereich der Ostalpen. Aus diesem Grund erhielt das Ostalpin auch seinen Namen. Der jüngere Teil, der im Mesozoikum abgelagerten ostalpinen Decken, besteht aus Kalk- und Dolomitstein, der sich zum Beispiel in den nördlichen sowie südlichen Kalkalpen zeigt. Unter den jüngeren Decken liegen die teilweise sogar bereits metamorph überprägten Ablagerungen des Paläozoikums. Die untere Basis bilden viel ältere Gneise und Glimmerschiefer, die bereits aus der kaledonischen und variszischen Gebirgsbildung aus der Zeit der Entstehung von Pangäa stammen. Das Helvetikum und Penninikum findet sich heute eher in den westlichen Teilen der Alpen. Die meisten Teile des Penninikums gehören zu dem „Alten Dach”, Gesteinsformationen aus dem Präkambrium und Kambrium, die älter als 500 Millionen Jahre sind. Diese wurden im Karbon nochmals verändert und präsentieren sich heute nun im Zentralgneis. Zu den penninischen Decken zählen auch Ablagerungen aus der Trias, sowie Bündnerschiefer aus der Jurazeit. Die jüngsten Sedimente stammen jedoch aus der Kreide beziehungsweise dem frühen Tertiär, die bei der alpinen Faltung selbst erst entstanden sind. Dieses sind Ablagerungen eines Tiefseegrabens, der bei der Aufschiebung des Ostalpins entstanden ist. Erst später wurden die jungen Sedimente von ihrem penninischen Untergrund getrennt und nach Norden verlagert, wo sie heute die Flyschzone bilden. Allerdings kann man im Ost- sowie Südalpin nicht von Flyschablagerungen sprechen. Das Ostalpin rückte weiter nach Norden und schob sich dabei über die selbst geschütteten Grabensedimente. Seit dem mittlerem Oligozän bis zum Obermiozän lagerte sich deshalb das stetig von den Alpen erodierte Material in der davor liegenden Molassezone ab, die im nördlichen Alpenvorland ihr Ende findet und gleichzeitig das Ende der Kollision darstellt. Die nach Süden hin erfolgte Ablagerung in die Poebene (Italien) ist jedoch durch die andauernde Deckenstapelung in den Apennin noch immer aktiv.

Das heutige Erscheinungsbild der (Ost-)Alpen

Wenn man so zurücksieht, dann staunt man nicht schlecht, wie viele Prozesse der Gebirgsentstehung vorangegangen sind, und wie lange es gedauert hat bis sich die alpinen Decken aufgefaltet haben. Noch erstaunlicher ist es, dass die Auffaltung der Alpen noch gar nicht beendet ist! Noch immer wachsen die Alpen jährlich 0,2 bis 2 Millimeter isostatisch in die Höhe, werden jedoch sogleich von natürlichen Erosionskräften wieder abgetragen, wodurch an anderer Stelle wiederum neue Ablagerungen entstehen. Es scheint als wäre das ein ewiger Kreislauf. Zur Zeit erstrecken sich die Alpen über einen 1200 Kilometer langen breiten Bogen, der im Westen von Nizza bis nach Wien im Osten reicht, quer durch Mitteleuropa. Die geographische Einteilung der Alpen erfolgt ziemlich einfach in Ost- und Westalpen. Die Grenze verläuft vom Bodensee ausgehend über das Rheintal bis zum Comosee in Italien. Der östliche Komplex wiederum wird in die Nördliche Kalkalpen, Zentralalpen und Südliche Kalkalpen untergliedert. Getrennt werden diese drei Einheiten jeweils von verschiedenen tektonischen Störungen. Im Norden trennt die Inntallinie die Nördlichen Kalkalpen von den Zentralalpen und im Süden trennt die periadratische Naht die Zentralalpen von den Südlichen Kalkalpen. Die periadratische Naht stellt wahrscheinlich die Berührungszone der adriatisch/afrikanischen Platte mit der europäischen Platte während der Einengungs- und Auffaltungsphase dar, die sich über die Ostalpen hinaus durch die ganzen Alpen zieht. Ob und mit welcher Intensität sie mit der Kollision der europäischen mit der adriatischer Platte zu tun hat, ist noch nicht eindeutig geklärt. Angenommen wird aber, dass diese eine dextrale Seitenverschiebung darstellt und auch als Tonale-Linie bezeichnet wird (Truempy 1998). Um sich der heutigen geologischen Situation klar zu werden, sollen an dieser Stelle die geologischen Einheiten im einzelnen der Reihe nach, von Nord nach Süd, speziell für die Ostalpen, noch einmal grob dargelegt werden. Es beginnt im bayrischen Molassebecken des alpinen Vorlandes, das aus Sedimenten der Tertiär- und Quartärzeit besteht und sozusagen Ablagerungsschutt darstellt, der durch Flüsse etc. ins Alpenvorland gedrungen ist. Die Molassezone reicht bis unter die Gesteinsschichten der Nördlichen Kalkalpen. Zwischen Molasse und Alpen befindet sich ein schmales Band der Flyschzone, die in Wechsellagerung Mergel, Schiefertone und Kalke führt. Daran schließt sich das Oberostalpin mit den Nördlichen Kalkalpen an, das im Norden dem Flysch überschoben wurde. Die südliche Grenze der Nördlichen Kalkalpen ist zugleich die Grenze zum zentralen Teil der Ostalpen. Hier befindet sich auch die Inntallinie, woran sich eine Grauwackenzone aus paläozoischen schwachmetamorphen Sedimenten mit vulkanischen Einlagerungen anschließt. Diese wird tektonisch auch noch zu den oberostalpinen Decken gezählt. Weiter im Süden schließt sich einer der interessantesten Teile der Ostalpen an, auf die im nächsten Abschnitt näher eingegangen wird: Das Tauernfenster. In einem schmalen Streifen schließen sich die Südlichen Kalkalpen an, die dann durch die Haupteinheit der Südalpen, den Dolomiten, abgelöst wird. Schließlich verläuft sich das Gebirge im Vorlandbecken der italienischen Po-Ebene.


Abb. 9 Alpine Deckenstruktur (heute)

Das Tauernfenster – Aufschluss älterer Deckensysteme im Ostalpin

Das im Ostalpin gelegene Tauernfenster ist eines der interessantesten geologischen Formationen, die die Alpen zu bieten haben. Es wird gezwungenermaßen notwendig(!) diese näher zu untersuchen. Unter dem Tauernfenster versteht man eine kuppelförmige Aufwölbung jüngerer sowie älterer tektonischer Decken, so wie wir sie bereits in den Ostalpen kennen gelernt haben. Das besondere am Tauernfenster ist jedoch, dass hier geologisch ältere Gesteine scheinbar höher als jüngere Gesteinsschichten liegen. In diesen Bereichen sind tiefere Stockwerke des Alpengebäudes freigelegt von höheren. Ein Umstand der nicht nur geologisch Unverständnis auslöst. Normalerweise befinden sich ältere Gesteinsschichten unten und die jeweils jüngeren darüber. In diesem Fall ist es jedoch anders herum. Die Erklärung ist ganz einfach: Die Kuppel, die das Tauernfenster bildete, wurde mit der Zeit abgetragen, sodass ältere darunter liegende Gesteinsschichten heute zum Vorschein kommen. In einem Bereich zwischen der Brennerfurche im Westen, dem Katschbergpass im Osten und den Linien Matrei/Brenner-Gerlospass-Salzachtal-Radstadt im Norden und Brennerpass-Matrei/Osttirol-Mölltal im Süden sind die tieferen Deckensysteme dem Betrachter, wie ein Fenster aufgeschlossen. Umrahmt wird das geologische Fenster von ostalpinen Decken, die ähnlich Zwiebelschalen ursprünglich die tieferen Systeme verbargen.


Abb. 10
Profil der Ostalpen mit Tauernfenster; die Farben stimmen mit den in Abb. 9 überein


Abb. 11
Geographische Ausdehnung des Tauernfensters

Das Rauriser Tal – Einschnitt in die Geologie des Tauernfensters

Um der speziellen und sonderbaren Geologie des Tauernfensters näher zu kommen, schafft das Rauriser Tal einen wunderbaren Einblick. Im Süden des Salzburger Landes in unmittelbarer Nähe des höchsten Berges in Österreich, dem Groß Glockner, schneidet sich das Rauriser Tal in den nördlichen Bereich des Tauernfensters ein und erschließt uns alle wichtigen, geologisch interessanten Deckensysteme des genannten Fensters. Das von Nord nach Süd verlaufende Rauriser Tal misst eine Länge von ungefähr 15 Kilometer und zweigt im Norden vom Salzachtal ab. Die Bergmassive des südlichen Endes gehören der bekannten Goldberggruppe an, die sich weiter im Westen der Glocknergruppe anschließen. Die Rauriser Gemeinde ist ein säuberliches Völkchen, dass ihre Güter und Ressourcen zu schätzen weiß. Neben ausgedehnten Tourismusangeboten lebt es vorrangig von der Almwirtschaft. Das Tal gehört mit 100 Almen zu den almenreichsten Tauerntälern, wobei die Viehzucht an erster Stelle steht. Mehrere Produktionsbetriebe, die aus der unbelebten Natur ihren Nutzen ziehen, wie das Kalkbrechen im Norden des Tals für die Herstellung von Straßenschotter und um nicht zu vergessen auch die Verarbeitung der bekannten Plattengneise zu Kunststein bei Bucheben, prägen das produzierende Gewerbe neben der Landwirtschaft. Die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft machen das Rauriser Tal zu eines der schönsten Nationalparkregionen der Hohen Tauern. Geographisch ist Rauris die Nachbargemeinde des ebenfalls bekannten Gasteinertals, das sich östlich neben dem Rauriser Tal befindet. Bei dem Rauriser Tal handelt es sich, wie die meisten in den Alpen vorkommenden Täler, um ein typisches Trogtal, das durch die Ausräumung der eiszeitlichen Gletschermassen entstand. Die Gletschermassen der Eiszeit füllten die Täler und trugen dabei zum Teil mächtige Gebirgsmassen ab (Erosion). Beim Rückzug der Gletschermassen blieben ausgedehnte Talflächen zurück, die heute mit einem kleinen bis mittelgroßen Flusslauf versehen sind, in dem Schmelz- sowie Regenwasser aus den Bergen abläuft. Die Salzachgletscher des Nebentales waren vermutlich um ein vielfaches größer und ausgedehnter als vergleichsweise die eiszeitlichen Gletscher des Rauriser Tals. Das Salzachtal ist dem entsprechend viel weitflächig ausgeräumter und ausgedehnter. Das geographisch gut überschaubare Raurisertal erweist sich als ein vortrefflicher Einschnitt in die Geologie des Tauernfensters.


Abb. 12 Geographische Übersicht des Rauriser Tals

Exkursionen ins Rauriser Tal


Anreise 01.08.2003

So gegen 21.00 Uhr sollte meine Reise losgehen. Sehnsüchtig und mit großen Erwartungen stieg ich in das Auto. Ich wusste, dass es noch eine Weile dauern würde, ehe man überhaupt nennenswerte Höhenunterschiede feststellt. Bei diesem Gedanken kam mir schon der nächste in den Sinn. Er machte mir den Abschied beim Überschreiten der Stadtgrenzen meiner Heimatstadt schwerer. Die Reise in das schöne Rauriser Tal war nur für zehn Tage angesetzt und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich etwas zurücklasse. Vielleicht hatte ich etwas vergessen? Man muss mein flaches eintöniges aber trotzdem so reizvolles und vertrautes Heimatland einfach missen. Diese geraden ebenen Straßen ohne Anstieg und diese prachtvoll am Bodden errichtete Stadt, dessen Kirchenspitzen weit in den Himmel ragen und von anderen Gebäuden lokal nicht überragt werden. Diese zur Hansezeit im 15. Jahrhundert blühende Metropole der Handelsmänner mochte ihren damaligen charakteristischen Charme nicht verloren haben. Die Nähe zum Wasser, das nordisch raue Klima und das Gefühl der Freiheit wächst einem ins Herz und lässt es nicht mehr los. Ganz anders als Stralsund und seine Umgebung wird das Ziel der Reise aussehen. Ich stellte mir die hohen Berge, Gipfel und Wasserfälle vor, die grünen Almen mit Holzhütten oder die menschenleere Gegend so wie in Dokumentarfilmen. Natürlich darf der Schnee auf den Bergspitzen und die glitzernde Sonne dazu nicht fehlen. Zumindest hatte ich während der Autofahrt das Vergnügen, die letzten heißen Sonnenstrahlen des Tages durch die Fensterscheibe zu genießen bis schließlich die Nacht eintraf und alles etwas abkühlte – die Aktivität auf der Autobahn sowie die Außentemperatur. Im Autoinneren blieb es jedoch erbärmlich warm und schwül – keine ungewöhnliche Nacht für diese Jahreszeit. Größtenteils war es sternenklar und immer noch so warm, dass man luftig und leicht mit dem T-Shirt draußen einen Spaziergang durch die Nacht wagen kann, bevor die Benzinfüllung im Shop der Tankstelle bezahlt werden muss. Nur laden wirklich die wenigsten Tank- und Haltestellen entlang deutscher Autobahnen zum Verweilen ein. So bleibt einem keine Wahl; es ist besser seine Reise fortzusetzen – spielen wir den ruhelosen Reisenden der Nacht! So wie die Müdigkeit unseren Verstand benebelt, versperrt auch das Schwarz der Dunkelheit die Sicht auf eine vermutlich schöne Umgebung. Die Dunkelheit konzentriert die Blicke auf jene hellen Lichter die auf der gegenüber liegenden Fahrspur vorbei ziehen oder auf jene roten scheinbar ruhenden Punkte, die nur ab und zu in den Kurven schwanken. Natürlich blieb mir durch den Schleier der Nacht ein wesentlicher Bestandteil der Reise verwehrt, aber es war einer Überraschung gleich als am nächsten Morgen die ersten Lichtstrahlen die Umgebung wieder sichtbar machten. Nach langem Warten merkte ich die Unterschiede ganz deutlich: Der Anstieg, vielmehr aber der Abfall der Straße sorgte für den typischen Druck auf dem Ohr, der am besten durch Schlucken zu beseitigen ist. Kurz hinter Salzburg lag schon die typisch österreicherische Alpengegend mit den schlängelnden Straßen und den langen Tunneln durch die Herzen der Berge. Vorbei zogen schlafend Berlin, Leipzig, Nürnberg und München, die im Dunkel der vergangenen Nacht nur aus einer teilweise riesigen Anzahl von Lichtpunkten  bestanden. Die Geschwindigkeit mit der man von Punkt A nach Punkt B reist, ist in den letzten Jahrhunderten der Menschheitsgeschichte enorm gewachsen. Und von den heutigen Reisemöglichkeiten scheint das Automobil noch eines der langsameren zu sein. Im Vergleich zu den Hochgeschwindigkeitszügen oder sogar dem Flugzeug erhält man durch die Autofahrt wenigstens eine Ahnung der Entfernung. Der renommierte amerikanische Schriftsteller und Autor Wilton Barnhardt benutzt aus diesem Grund bei seinen Recherchereisen in andere Teile der Welt nie das Flugzeug sondern Schiff oder andere Fortbewegungsmittel an Land – nur dem persönlichen Eindruck der Reise willen. Ich glaube ich kann eine derartige konservative Auffassung von einer „Reise” verstehen. Eine Autofahrt von über 12 Stunden, von der nördlichen Grenze Deutschlands an der Ostsee, bis zum äußersten Punkt im Süden Deutschlands, ist auf jeden Fall mit mehr Strapazen verbunden als ein oder zwei Stunden entspannt im Flugzeug zu sitzen. Zu einer Reise gehört deshalb meiner Meinung nach auch die „Anreise”; selbst wenn sie anstrengend ist. Nach insgesamt 14 Stunden und einem Weg quer durchs Salzburger Land und durch das ganze Rauriser Tal, vom Anfang in Taxenbach bis ans Ende in Kolm-Saigurn, war es endlich geschafft. Das letzte Stück schon hinter der Grenze zum Nationalpark Hohe Tauern ist ein aufgeschütteter Weg - ziemlich fest gefahren durch den Pendelbusverkehr. Danach ist das angestrebte Ziel erreicht: Der Ammererhof - die Unterkunft für die nächsten Tage.


Photo 1: Auf der Anreise durch das Rauriser Tal, ein erster Eindruck

Kitzlochklamm 02.08.2003

Das lokale Klima im Rauriser Tal ist dem an der Ostsee ziemlich ähnlich. Die Nächte sind relativ kühl und die Tage vergleichsweise mild, jedoch nicht drückend heiß, auf Grund der großen Höhe. Die Unterkunft allein liegt in einer Höhe von 1658 Metern. Die Situation ändert sich, wenn die Sonne den ganzen Tag scheint und auf die Nacken der Wanderer knallt. Die Sonnenstrahlen sind in diesen Höhen um einiges aggressiver als im flachen Deutschland. Auch wenn man es nicht glauben mag: Die Notwendigkeit der schützenden Sonnencreme besteht in den Bergen ebenso wie an den Badestränden der Ostsee. Heute war ein sonniger Tag. Und dieser eignete sich, um die geologische Untersuchungsarbeit vor Ort zu beginnen. Die geologische Struktur des Rauriser Tals ist sehr komplex und dadurch hoch interessant. Meine Vorabrecherchen zeigten ein vielfältiges Bild. Das Tal entpuppt sich als ein Profilschnitt in das Tauernfenster. Die geologischen Besonderheiten waren für mich soweit geklärt. Interessant war nun die praktische Erkundung der Gegend. Es war vorteilhaft sich von außen nach innen vorzuarbeiten. Angefangen bei der äußeren ostalpinen Umrahmung am Anfang des Tales bis hin zu der Zentralgneiseinheit der penninischen Decken am Ende des Tales. Die erste Erkundungsexkursion begann also am Anfang des Tales. In Taxenbach stößt man schon auf der Hauptstraße auf das Hinweisschild zum Kitzlochklamm. Bei dieser geologisch aber auch touristisch interessanten Talform wird man erstens mit den vorherrschenden Gesteinen der äußeren geologischen Umrahmung und zweitens mit deren besonderen Eigenschaften konfrontiert. Die Bergflanken südlich gegenüber Taxenbach bestehen aus Kalk und Kalkmarmoren der unterostalpinen Deckenserie. Sie entstanden vor ungefähr 250 Millionen Jahren in der südlichen Tethys, in den Schelfbereichen nördlich der adriatischen Platte. Nach einer verwirrenden Fahrt durch enge stark abfallende Straßen und der Überquerung der Rauriser Ache war der Parkplatz für Besucher des Kitzlochklammes erreicht. Es fehlte nur noch eine Eintrittskarte und es konnte losgehen – die Natur als Touristenspektakel! Die Fußwege durch das Klamm sind nicht sehr breit. Um durch die ganze Schlucht zu wandern muss man die dazu errichteten Holzwege, -brücken, -treppen ebenfalls in Anspruch nehmen. Mein Blick schweifte die steilen Wände nach oben. An einigen Stellen war es nur teilweise möglich den Himmel durch einen Spalt zwischen zwei Steilhängen zu erblicken. Links und rechts sah man die grauen Kalkzüge, die an vielen Stellen mit Moosen und Flechten bedeckt waren und ständig von dem Getöse der sprudelnden Rauriser Ache unter den Brücken begleitet wurden. Das Klamm ist eine besondere Talform, die durch senkrechte bis überhängende Talwände geprägt ist. Ganze Felsenpartien unterwanderte ich bei dieser Exkursion. Ein gewisser Teil der Rauriser Ache, die durch das Rauriser Tal seinen Weg nimmt und schließlich ins Salzachtal mündet, fließt vorerst durch dieses schmale Klamm. Die gewaltigen Wassermassen bedecken den gesamten Talboden dieser Schlucht, weshalb auch die Brücken und Holzgänge oberhalb des Flusses für den Menschen notwendig werden. Ein Blick auf die bis zu 50 Meter hohen Steilwand auf der gegenüberliegenden Seite, ließ bei mir die Frage aufkommen, wie diese einzigartige Naturlandschaft entstanden ist. Die Erklärung liegt in den Eigenschaften des Gesteins. Die Kalke und Kalkmarmore sind sehr fest, zäh und widerstandsfähig. Sie bestehen hauptsächlich aus dem gesteinsbildenden Mineral Calcit (CaCO3) und anderen ähnlichen Karbonaten. Beim Schmelzen der letzten Gletscher der Eiszeit im Pleistozän leisteten die Klammkalke der zerstörenden Kraft des Wassers ausreichend Widerstand, so dass sie nicht vollständig abgetragen wurden. Der strömende Fluss ist somit nur in der Lage in die Tiefe zu erodieren. Der Anteil der durch den Fluss verursachten Seitenerosion ist sehr gering. Der Strom frisst sich langsam in das Gestein ohne dabei wesentlich zu den Seiten hin abzutragen. Dadurch entstand die Schlucht, deren brodelnder Wasserstrom noch immer in die Tiefe schneidet. Ein beeindruckendes Bild erschließt sich vor den Augen des Betrachters: Die schroffen grauen steilen Felswände, gut bestückt mit saftigem Grün und sogar schmalen dünnen Kiefernstämmen, erheben sich gefährlich gen Himmel. Trotz des doch sehr starken Gefälles schaffen es die Pflanzen sicheren Halt zu finden. Nicht zu letzt werden sie durch das Spritzwasser der heftig tösenden Ache ernährt. Weiter unten, nur ein bis zwei Meter über dem Flusslauf erblickte ich auch quer eingeklemmte Holzstämme, die Stützpfeiler glichen. Ich dachte vorerst an die Erbauung durch Menschenhand. Doch welchen Zweck sollten sie erfüllen? Dann fiel mir ein, dass nach dem Winter im Frühjahr sehr viel Schmelzwasser von den Bergen runter kommen muss und oftmals auch Holz und weitere Materialen mit sich führt. Vielleicht waren diese Stämme Schwemmmaterialien die sich bei dem hohen Wasserstand zwischen den Felswänden verkeilt hatten. Diese Erklärung traf wohl eher zu Wieder im Rauriser Tal, unmittelbar nach dem Anstieg ins Tal ereicht man einen Steinbruch. Schon beim ersten mal ist er mir aufgefallen. Es stellte sich heraus, dass der Kalk der Klammkalkzone hier abgebaut wird. Die Größe und Ausdehnung der Abbaustelle verrät, dass es nur ein kleiner Steinbruch ist. Zwei Schaufelbagger waren gerade dabei überschüssigen Abraum auf eine Halde zu transportieren. Ein Blick an die regelmäßig gebrochenen Wände zeigte verschieden große Quarzadern, die durch den Kalk ziehen. Dieser Kalk wird wahrscheinlich als Straßenbaumaterial verwendet. Es war eine Überraschung. In zweierlei Hinsicht konnte man die Ausprägung der äußeren ostalpinen Umrahmung des Tauernfensters in Augenschein nehmen. Zum einen das natürliche Kitzlochklamm und zum anderen der Abbau und die Verwendung des Klammkalk im Steinbruch. Schon während des Besuches des Kitzlochklamm zog sich eine weiße Wolkendecke vor das Blau des Himmels. Man spürt sofort den Unterschied zwischen direkter Sonneneinstrahlung und bedecktem Himmel. Die gefühlte Temperatur sinkt gleich um 2 - 5°. Man ist geneigt eher mal eine Jacke über die luftigen Klamotten zu streifen. Der Tag verlief weiterhin sehr ruhig. Ein Nachteil der weißen Wolkendecke ist jedoch, dass sie die Gipfel der Berge verschleiert, sie wie in einen Wattebausch eintaucht und somit die Sicht auf höher gelegene Regionen versperrt. Andererseits hat es aber auch etwas Interessantes.

 

       
Photo 2 Das enge Kitzlochklamm mit begrünten
steilen grauen Kalkhängen
Photo 3 Kitzlochklamm; von Menschenhand geschaffener Tunnel durch Felsüberhang; im Vordergrund ist auch die üppige Vegetation in solchen extremen Hanglagen zu sehen, Kiefernbäume

Nach der Besichtigung des Kitzlochklamm ging die Fahrt wieder zurück: durch Taxenbach wieder ins Rauriser Tal hinein. Nach dem Anstieg der Bergstraße erreicht man einen Steinbruch. Schon beim ersten mal ist er mir aufgefallen. Es stellte sich heraus, dass der Kalk der Klammkalkzone hier abgebaut wird. Von der Ausdehnung ist es nur ein kleiner Steinbruch. Zwei Schaufelbagger waren gerade dabei überschüssigen Abraum auf eine Halde zu transportieren. Ein Blick an die regelmäßig gebrochenen Wände zeigte verschieden große Quarzadern, die durch den Kalk ziehen. Dieser Kalk wird wahrscheinlich als Straßenbaumittel verwendet. Es war ein Überraschung. So erfuhr ich gleich in zweierlei Hinsicht die Ausprägung der äußeren ostalpinen Umrahmung des Tauernfensters. Zum einen das natürliche Kitzlochklamm und die Verwendung des Klammkalk beim Steinbruch. Schon während des Besuch des Kitzlochklammes zog sich eine weiße Wolkendecke vor das Blau des Himmels. In der Unterkunft angekommen, spürte ich den Unterschied zwischen direkter Sonneneinstrahlung und bedecktem Himmel. Die gefühlte Temperatur sinkt gleich um 2 - 5°. Man ist geneigt eher mal eine Jacke über die luftigen Klamotten zu streifen. Der Tag verlief weiterhin sehr ruhig. Ein Nachteil der weißen Wolkendecke ist jedoch, dass sie die Gipfel der Berge verschleiert und in ein Wattebausch eintaucht und somit die Sicht auf höher gelegene Regionen versperrt. Andererseits hat es aber auch etwas Interessantes.
 
Niedersachsenhaus, Bockhartscharte 03.08.2003


Nachdem die geologische Umrahmung näher unter die Lupe genommen wurde, war es an der Zeit, die besonderen geologischen Bestandteile des Tauernfensters an sich näher zu untersuchen. Immer noch musste ich mir die tektonischen Begebenheiten der besonderen Deckenstruktur vor Augen führen. Wie gesagt, es handelt sich beim Tauernfenster um eine alpidische Auffaltung (Wölbung), deren obere Deckensedimente im nachhinein abgetragen wurden (Abb. 9+10). Das Tauernfenster selbst wird schon 150 Jahre geologisch untersucht. Es stellte sich heraus, dass die unterschiedlichen Deckensedimente wiederum mit regionalen Unterschieden behaftet sind und vom Gesteinsbestand her sowie von tektonischen Unterschieden in verschiedene Zonen eingeteilt werden. Dabei herrschte unter Geologen in der Vergangenheit große Uneinigkeit welche Gebiete nun zu welcher speziellen Zone gehören. Über die groben geologischen Strukturen ist man sich aber heute durchaus einig. Die Jüngere Schieferhülle, die tektonisch dem Ostalpin voraus geht, besteht überwiegend aus Kalkglimmerschiefer. Eingelagert trifft man aber auch auf Prasinite, grünlich gefärbten Gesteinen vulkanischer Herkunft, weiß bis hellgrauen Quarzitmassen, sowie vereinzelt auf Kalkmarmorschichten. Die seitlichen, steilen, glatten Hänge, die den gestrigen Rückweg vom Kalksteinbruch bis nach Rauris begleiteten, zeugen vom Vorhandensein schiefriger Gesteine. Die Verwitterung solcher Gesteine zeigt die typisch glatten abfallenden Hänge, dessen Neigungen durch das Einfallen der Schieferungsflächen bestimmt werden. Hinter Rauris, bei  Wörth eröffnet sich eine besondere geologische Formation. Von Wörth aus geht das Seidlwinkeltal ab. Man folgt mit dem Auto der leicht in einer Kurve zu verfehlenden Abbiegung und geht zu Fuß ins Seitental hinein. Gute Beobachter werden nach einer kleinen Wanderung deutliche Unterschiede in den Felspartien feststellen. Der graue Quarzit der Basis wird durch gelbbraune Rauhwacken abgelöst. Schließlich zeigen sich auch helle Dolomit- und Kalkmarmore. Diese Gesteinsserie stammt aus der Triaszeit und gehört zu den ozeanischen Sedimenten der Tethys. Auf der Hauptstraße, ein Stück weiter nach Süden auf das Talende des Rauriser Tals hin, kreuzt man auch das stille Örtchen Bucheben, dessen Steinbrüche in der Quarzitbasis liegen. Dort werden große Blöcke aus Bergsturzmassen zu den im Handel bekannten „Rauriser Plattengneisen” verarbeitet.

   
Photo 4 Seidlwinkltal 
In den Felspartien deutlich zu sehen: Die gelbbraunen Rauh- wacken treten an offenen Stellen zu Tage 
Photo 5 Seidlwinkltal
Auch die hellen Kalk- und Dolomitgesteinsserien 
sind zu erkennen


Die heutige Exkursion führte jedoch in die Schiefer- und Marmorregionen in der Nähe des Silberpfennigs, die auch zu dem Bereich der Jüngeren Schieferhülle zählen. Bei Kolm-Saigurn trifft man auf eines der schönsten Talschlüsse des Nationalparks Hohe Tauern. In südlicher, östlicher und westlicher Richtung erheben sich die Bergflanken. Wenn man gut hinschaut und einem die Wolkendecke keinen Streich spielt, kann man auf dem östlichen Kamm das Niedersachsenhaus erblicken. Dies war erstes Ziel der heutigen Exkursion. Eine kleine Stärkung im Ammererhof, dann den Rucksack auf den Rücken geschnallt; es konnte losgehen. Nachdem ich ein Stückchen den „Rauriser Urwald” (eine wirklich urige Kiefernwaldlandschaft mit Moosen und Tümpeln übersäht) durchquert hatte, nahm die Vegetationsmasse  sichtlich ab. Man merkt sogar den Übergang sehr deutlich. Sobald man aus dem Wald heraus kommt, hat man nur noch Almlandschaft vor sich: Kein Strauch, keine hohen Gräser, nur eine flache Wiesendecke mit nur wenig unterschiedlichen Grüntönen. Immer wieder aber kreuzten kleinere Bäche meinen Weg. Auffällig waren die oftmals sehr lockeren Schuttfächer in den Bachauskerbungen. Zudem fällt auch der glitzernde Staub auf den Wanderstiefeln auf. Es ist der typisch silbrig glänzende Glimmerschiefer, der für den lockeren Boden an den Bachrändern und ebenfalls für das ungewöhnliche Glitzern meiner Schuhe verantwortlich ist (Ich sage bewusst „ist”, da nach meiner Reise meine Schuhe immer noch bezaubernd glänzten und ich es nicht für nötig hielt die Erinnerung daran wegzuputzen). Die Eigenschaften des weichen Glimmerschiefers bergen jedoch auch seine Gefahren. Der locker schiefrige durch Verwitterung des Untergrunds entstandene Erdboden neigt schnell zu Hanggleitungen, vor allem wenn es feucht ist. Doch zum Glück wird die Gefahr durch die das Erdmaterial bindende Wiesendecke zum Großteil gebannt. Der lange und anstrengende Weg hinauf zum Niedersachsenhaus in einer Höhe von 2454 Metern , kostet eine Menge Kondition. Aber die vielen tierischen Bewohner der Almgegend machen den Aufstieg in vielerlei Hinsicht interessanter. Ab und zu versperrt eine braun-weiß gefleckte Kuh den Wanderweg. Nur selten lässt sie sich von ihrer Grasstelle fortbewegen, sodass man gezwungen wird auszuweichen, um die stattliche Schönheit ja nicht beim Fressen zu stören. Auch Pferde, die hier frei ihren Auslauf haben, gehören zu den tierischen Bewohnern der hochalpinen Graslandschaft. Nicht-einheimische Wanderer drehen sich bei einem schrillen Pfiff meist um, um zu sehen wer aus der Wandergruppe nicht mehr kann und eine Pause benötigt. Einheimische jedoch wissen, dass die hellen lauten Pfeiftöne von den Murmeltieren stammen, die den Tieren signalisieren sollen, dass etwas eventuell Bedrohliches im Anmarsch ist. Andererseits kann es aber auch sein, dass die kleinen putzigen dunkelbraunen Tierchen sich über weite Strecken hinweg über das schöne Wetter unterhalten wollen, welches heute wieder herrscht(!). Ja, so rätselhaft ist die Tierwelt. Wer gut beobachtet, kann sich entlang dem Wanderweg auch an der spärlichen aber doch vielseitigen Vegetation erfreuen. Da taucht eventuell die Silberdistel am Wegesrand auf, oder die violette Teufelskralle zeigt sich hinter einem Stein.

     Photo 6
Eine Pferdeherde legt eine kleine Trinkpause an einem Bach ein. 

Erkennbar sind auch die Schuttfächer am Bachrand. Sie lassen auf die schiefrige Natur des Untergrundes schließen.


Auf dem letzten Ende zum Niedersachsenhaus verschwindet die Vegetation schließlich ganz und der blanke Fels tritt zum Vorschein. Oben auf dem Kamm angekommen, hat man einen unbeschreiblichen Blick auf den hohen Schareck südlich, den Silberpfennig östlich (schon im Gasteiner Tal liegend) südwestlich den Sonnblick im Rauriser Talschluss und daneben im Westen den Hocharn. Links und rechts sieht man die Weiten bis zu den Spitzen der anderen Berge und noch weiter hinaus. Man wandelt auf einem sehr schmalen Weg. Zu den Seiten hin reichen steile Abhänge hinunter. Nach einer Erholungspause mit warmer Speise im Niedersachsenhaus ging die Exkursion auf dem schmalen Gratweg weiter, in nördliche Richtung auf die Bochkartscharte zu. Bei größeren Felsvorsprüngen erkannte ich die schiefrige Natur des Untergrundes. Für das grobkörnige Gefüge kennzeichnend ist die strukturierte Parallelführung. In diese Richtung lässt sich das Gestein am besten spalten. Der Glimmerschiefer mit seiner dunkel angewitterten Farbe erzeugt hier oben prächtige Monumente.

     Photo 7
Der Wanderweg in Schwindel erregender Höhe

Nach mehrmaligem Auf und Ab des Wanderweges wechselt das Gestein von schiefriger Natur zu einer Variante mit deutlich kompakterem Gefüge, das dem Marmor eigen ist. Der Marmor ist ein monomineralisches Gestein das neben mehreren Nebengemengteilen aus Kalziumkarbonat besteht. Die umherliegenden Brocken sind massig und außerordentlich kompakt. Ebenso gestaltet, ist der Wanderweg: steinig, uneben und nicht so schön erdig wie es beim Glimmerschiefer der Fall war. Aber genauso wie der Glimmerschiefer entstand, entstand auch der Marmor bei der Umwandlung (Metamorphose) bei großen Drücken und Temperaturen während der Faltprozesse der Alpen. Ein Ausgangsgestein wird dadurch metamorph überprägt und besitzt nach dem Vorgang in vielfacher Hinsicht deutliche Unterschiede zum Ausgangsmaterial. Es entstehen neue Gesteine: Metamorphite. Anders als beim Marmor bestanden die Ausgangsgesteine für die Entstehung des Glimmerschiefers aus tonigen, sandigen Sedimenten der Tethys, während der Marmor aus der Umwandlung kristalliner Kalksteinschichten tierischer Ablagerungen entstand. Beide Gesteinsserien zählen im Tauernfenster tektonisch aber zu dem Bereich der Jüngeren Schieferhülle. In der Höhe des Oberen Bockhartsees vom Niedersachsenhaus aus kommend entdeckte ich rechts an der gegenüberliegenden Seite am Westhang des Silberpfennigs Streifen rötlich braunes Material. Bald stellte sich die Situation auch auf meiner Seite links von mir ein, wo sie meiner Untersuchung besser unterlag. Sogleich fiel mir der typisch metallhaltige Abraum auf, der wahrscheinlich durch die Verwitterung erzführender Gesteine seine charakteristisch rotbraune Farbe erhielt. Dieser Braunton färbt auch die gegenüberliegenden Hänge auf diese Art und Weise. Im lockeren losen Zusammenhang häuften sich die körnigen bis Fuß großen Brocken ähnlich Abraumhalden im Tagebau. Das einzig Verwunderliche an dieser Tatsache erschien mir die recht beachtliche Höhe zu sein, in der ich mich befand. Nicht weit von mir lag schon die Bockhartscharte in einer Höhe von 2226 Metern, und ich muss mich etwa in gleicher Höhe befunden haben. Später fand ich heraus, dass es sich bei dem erzenthaltenden Lockermaterial um Abraum der seit dem Mittelalter ausgebeuteten Gold- und Silbererzgänge handelt. Die Erzgänge setzen in der Zentralgneiseinheit auf (die ich eigentlich in einer späteren Exkursion näher unter die Lupe nehmen wollte, hier aber schon einmal Erwähnung findet). Im Bereich des Silberpfennigs durchschlagen die Erzgänge die Metasedimentabfolgen, der zur Jüngeren Schieferhülle zählenden Angertalserie und verlaufen in den weicheren Gesteinen der hier vorherrschenden Gesteine. Aufgrund des geringen Ertrages der Erzgänge gegenüber den reichen Vorkommen in der Zentralgneiseinheit der Goldberggruppe wurde bis 1944 nur noch wegen des großen Zinkgehalts für die Messingindustrie abgebaut. Der Abraum wies die typischen Begleitmineralien der Gold- und Silbererze auf: Würfelförmige kleine Pyrit und Chalkopyritkristalle zeigten sich an frischen Bruchstellen des Materials. Beide Mineralien gehören zu der Gruppe der Sulfide, typische Schwefelverbindungen. Und so rochen auch meine Hände nach dem Durchwühlen der Halden; richtig nach Schwefel. Aber siehe da, die  genaue in Augenscheinnahme der Halde führte mich auch zu einer Zahl von Gruben, ein Stückchen weiter oben. Bei diesen Gruben handelte es sich meiner Ansicht nach jedoch nicht um Abbaustellen des Erzes sondern vielmehr um zurückgelassene Fundstellen des hier ebenfalls häufig vorkommenden, klaren durchsichtigen Bergkristalls, der ebenfalls Begleitmineral der Gold- und Silbererzgänge ist. Der Bergkristall ist sozusagen mineralogisches Markenzeichen der Alpen, da er als Quarzvarietät (SiO2) in vielen Regionen der Alpen vorkommt.
   

 

Photo 8 
Am Oberen
Bockhartsee
Die rötlich-braunen
Abraumfelder erregten meine
Aufmerksamkeit
Photo 9 
Blick auf den Unteren Bockhartsee

Der weitere Weg bis zur Bockhartscharte hielt noch ein wunderschönen Blick auf den Oberen Bockhartsee bereit und der Abstieg über die Durchgangsalm erwies sich gegenüber dem mühevollen Aufstieg von zwei bis drei Stunden als zeitlich relativ kurzes Unterfangen; dauerte aber auch seine Zeit und ist konditionsmäßig nicht zu unterschätzen. Gerade bei steilen Abstiegen wird das Kniegelenk und die Beinmuskulatur stark beansprucht. Es zeigte sich sehr vorteilhaft, dass meine Unterkunft unmittelbar am Fuße der Bergkette lag, sodass ich mich, unten angekommen, gleich gemütlich vor den gedeckten Abendbrottisch setzen konnte. (Die außerordentlich gute Küche des Ammererhofs soll an dieser Stelle ein dickes Lob und Dankeschön erhalten!)


    Photo 10
Restgruben von
“Strahlern” oder
Reste der
ehemaligen
Bergbauaktivität
in diesem
Gebiet?

Grieswies 04.08.2003

Ein wirklich anstrengender Tag war gestern zu bestreiten! Deshalb sollte es an diesem Tag nicht allzu hoch hinaus gehen. Für mich war es eine willkommene Gelegenheit die unmittelbar in der Nähe liegende Grieswies einen Besuch abzustatten. Sie ist bei den heimischen Talbewohnern bestens für den Mineralreichtum bekannt. Es handelt sich um eine mehr oder weniger bewirtschaftete Alm, dessen Namen diese wahrscheinlich aufgrund ihres Aussehens erhalten hat; aber das sollte ich erst später erfahren. Die Grieswies befindet sich unterhalb der westlichen Bergflanken des Talendes und ist nur rund 200 Meter vom Ammererhof entfernt. Nach der Überquerung der hier heftig brausenden Ache auf einem kleinen Holzsteg, befindet man sich bereits an der Sohle des leicht ansteigenden Gebietes. Nach rechts hat man Ausblick auf das weite Almareal, wo sicherlich auch eine Herde Kühe zu finden ist. Dieser Bereich soll als erstes erkundet werden, denn das ist die eigentliche Grieswies. Auf der linken Seite sticht einem ein schöner Wasserfall ins Auge, der einen kleineren Abzweig, ein Rinnsal im Vergleich zu den großen Strömen, darstellt. Der kleine Strom der in der Grieswies-Schafkar ungefähr hundert Meter an einer steilen Felswand in die Tiefe saust, scheint aus einer anderen Richtung zu kommen als die Hauptströme. Wahrscheinlich kommt er vom Hocharn, sowie die restlichen Bäche in der Grieswies auch, schlengelt sich jedoch geschickt den mächtigen Felsvorsprung entlang (Photo 12). 

Geologisch betrachtet besteht die Grieswies aus postglazialen Bergsturzmassen. Die nach der letzten eiszeitlichen Periode übersteilten Talflanken des Hocharn sackten nach dem Wegfall der riesigen Eismassen als Stütze zusammen und stürzten ins Tal. Solche Bergstürze können riesige Ausmaßen annehmen. Der größte Bergsturz von Europa, der am Vorderrhein bei Flims liegt, hat einen Umfang von neun Kubikkilometern. Im Verhältnis zu diesem ist der Bergsturz vom Hocharn wesentlich kleiner. Die östliche Flanke des Hocharn stürzte hinab. Das Schuttmaterial bildet heute die Grieswies. Interessant ist, dass die Bergsturzmassen vermutlich auf der anderen Talseite auf Grund des heftigen Schwungs wieder hinauf gerast sind und dort den „Rauriser Urwald” bildeten. Dieser ist vom Untergrund her sehr uneben; weist also viele Mulden auf, die Grundlage der dort zahlreich vorhandenen Tümpel sind. Diese Gegend gegenüber der Grieswies ist ein Paradies für Insekten und Moorpflanzen. Vor allem die Stechmücke treibt berühmt berüchtigt dort ihr Unwesen. Die gesamte Bergsturzmasse bildete ein Staukörper vor dem Ende des Tales, den die Besucher heute mühevoll mit Auto, Bus, Fahrrad etc. vor dem Erreichen Kolm-Saigurns bezwingen müssen. Die Masse kann auf ungefähr 1/9 des Flimser Bergsturzes geschätzt werden. Aber zurück zur Grieswies. Vielfach war es, an diesem vom Wetter her wunderschönen Tag, anstrengender, als ich vorerst vermutet hatte. Die Grieswies wird von vielen Schmelzwasserbächen durchzogen, welche teilweise mächtige Kerben in den lockeren, schotterigen Erdboden erodiert haben. Mit einem ständigen Auf und Ab ist zu kämpfen. Sogar die Höhendifferenz von mehreren Metern kam vor. Mehr aber noch charakterisieren die Auswüchse der postglazialen Bergsturzmassen das Aussehen der Grieswies. Riesige Felsbrocken, zum Teil von Vegetation überdeckt, zum Teil auch nicht, säumen die Graslandschaft, die vereinzelt durch Sträucher und Kiefern ergänzt wird. Vier bis sieben Meter Durchmesser weisen die größten Brocken auf. Wahrlich hinterlassen solch’ riesige Giganten in den Bächen und auf der Wiese verstreut einen imposanten Eindruck. Nicht zuletzt deshalb will ich an dieser Stelle den Versuch unternehmen die Namensherkunft der Grieswies zu klären. Ich vermute gerade durch die Einlagerung der Felsbrocken in einer sonstig grünen Wiese einen Vergleich zu Griesbrei, in dem größere Griesklumpen sich mit der restlichen Flüssigkeit mischen. Natürlich bleibt das nur eine belustigende These!

 

Photo 11 

Die Grieswies

    Photo 12 Grieswies-Schafkar

Durch das von den Bergen gestürzte postglaziale Material ist eine Vielfalt von Mineralien gegeben, die hier vorkommen. In Bächen und auf Wiesen sind sie leicht zu finden. In den Alpen weit verbreitet und auch hier anzutreffen ist der glasklare Bergkristall, eine Siliziumdioxid (SiO2)- Varietät der reinsten Form. Geht man durch die Wiesen und dreht ab und zu ein paar Gesteine auf dem Boden um, trifft man mit ein wenig Glück auf die weißen bis farblosen Kristallspitzen. Der schon im Altertum bekannte Bergkristall ist ein Markenzeichen der Alpen, der dort vielerorts zu finden ist und gesammelt wird. In der Schweiz zum Beispiel gibt es „Strahler”, dessen tägliche Arbeit es ist, die wunderschönen Bergkristalle ausfindig zu machen und dem Berg zu entnehmen. Bereits die Griechen kannten dieses Mineral. Plinius berichtet, dass der Bergkristall nur dort gefunden wird wo „Winterschnee stärkste Kälte bringt. [...] Demnach muss er aus Schnee und Niederschlägen entstehen.” Das Mineral, das wie wir heute wissen kein Eis ist, erhielt damals den Namen krystallos, das griechische Wort für Eis. Und tatsächlich hielt sich diese Vorstellung vom „so hart gefrorenem Eis, dass nicht einmal die heißesten Sonnenstrahlen es auftauen könnten” bis ins 17. Jahrhundert hinein. Auch ich konnte mit kleinen aber sehr schön ausgebildeten Kristallspitzen nach hause gehen. An diesem Ort sind in der Vergangenheit auch die eher seltenen Titanmineralien Rutil, Anatas und Brookit gefunden worden. Rutil, ein rötlich-stengeliges Mineral, Anatas, vom lateinischen anastasis (Emporstreckung, auch auf die Kristallform zurückzuführen) und Brookit, benannt nach dem englischen Kristallographen H. J. Brooke, sind chemisch völlig identisch (TiO2), besitzen jedoch in ihren Eigenschaften wesentliche Unterschiede. Nicht selten traf ich auch den typisch in rhomboederform kristallisierten Adular in weißer Farbe an. Unscheinbar kam der Albit in kleinen Kriställchen zum Vorschein. Feldspat kam in massigen Aggregaten vor. Weiter südlich in der Grieswies-Schafkar wurde auch der schöne Scheelit einst gefunden. Ich betone ihn besonders, weil er erstens selten vorkommt, in seiner pyramidialen Kristallform, in diesem herrlichen Gelb, und zweitens weil er nach einem in meiner Heimatstadt geborenen Chemiker benannt wurde: Carl Willhelm Scheele, dessen Geburtshaus noch heute in der schönen Altstadt von Stralsund zu besichtigen ist. Alles in allem erweist sich diese im Talschluss liegende Alm als Elderado für Sammler. Natürlich sind größere Stücke in den alpinen Klüften hoch oben in den Bergmassiven zu holen, aber ein kleiner Fund macht ein aus dem Flachland  kommenden Naturfreund wie mich doch schon sehr glücklich.


    Photo 13 Grieswies
Die Bachläufe sind angefüllt mit Felsbrocken auch größerer Ausmaße
 

Rauris 06.08.2003

Vorerst muss ich sagen, dass das Wetter in meiner Aufenthaltszeit bis dahin sehr gut mitspielte. Bis auf den Tag am Bockhartsee, als es am Nachmittag etwas diesig und kalt wurde, war bisher durchgängig schönes Wetter. Heute blieb es ebenfalls schön sonnig. Eigentlich wäre das Wetter Ideal gewesen um wieder den Rucksack auf den Rücken zu schnallen und zu Fuß in die Berge zu ziehen, aber irgendwie sollte es an diesem Tage noch nicht sein – immer noch Ruhepause. Ein Ausflug nach Rauris sollte Wissenswertes über den Ort selbst in Erfahrung bringen. Rauris ist ein schöner Ort und liegt in 948 Metern Höhe. Für ein kleines Örtchen dieser Größe ist es recht belebt; vor allem um die Nachmittagsstunden herum. Die engen, dicht bebauten Gassen des Zentrums werden seit der Fertigstellung der Ortsumgehung nicht mehr durch den Straßenverkehr gestört. Hier findet das bunte Markttreiben statt. Bei starkem Sonnenschein reflektieren die Strahlen an den sehr  häufig weißen Gebäudefassaden, die oft durch üppige Balkonpflanzen und Blumen geschmückt werden. Man fühlt sich in diesen engen, strahlendurchfluteten Gassen schon fast wie im fernen Griechenland.

Die Hauptsaison wird wahrscheinlich im Winter sein, denn die Skigebiete rund um Rauris und die zahlreichen Wintersportwarengeschäfte lassen darauf schließen. Besonders auffallend ist die weiße Kirche mitten auf dem Marktplatz, die innen reich verziert ist. Gold schien hier keine Mangelware zu sein! Und tatsächlich zeigten archäologische Funde, dass das Rauriser Tal schon v. Chr. von den Römern als Schatzkammer des begehrten Metalls angesehen wurde. Die reichen Goldvorkommen in den Tauern zogen schnell die Aufmerksamkeit der früheren Herrscher auf sich. Der älteste archäologische Fund stammt aus der Zeit des Ramses II. um 1300 v. Chr.. Im Markt wurden Silbermünzen gefunden die König Phillip von Makedonien zeigten, der 360 bis 336 v. Chr. auf den Balkan regierte. Die eigentlichen Besiedler des Rauriser Tals waren jedoch die Slawen die um 700 n. Chr. den Knappenort Kolm-Saigurn gründeten, dort wo ich meine Unterkunft habe. Archäologen gehen davon aus, dass die Besiedlung von Süden her erfolgte und über die Gletscher führte. Später waren es dann die Erzbischöfe von Salzburg und die des deutschen Kaiserreichs, die sich die Goldvorkommen zu nutze machten. 

Erst im 12. Jahrhundert erscheint der Name „Rurise” erstmals urkundlich. Bischof Heinrich von Freising übergab seien Bruder Graf Friedrich von Peilstein hier zwei Höfe. Dabei bezog sich der Name Rurise auf das gesamte Tal und nicht nur auf den Ort. 

Bei den nahe gelegenen Bodenschätzen scheint es deshalb nicht verwunderlich,  dass auch die Dorfkirche zu jener Zeit reich mit Gold verziert wurde: Wer’s hat, der hat.
  

    Photo 14  Rauris
Wunderschöne
Blumengärten auf
dem Balkon der
Rauriser Häuser; im
Hintergrund die
 Dorfkirche

Zentralgneiseinheit 08.08.2003

Die letzten Tage vergingen wie im Flug. Schon näherte sich das Ende meiner Reise.  Wie traurig es auch klingen mag, aber es war nicht mehr allzu viel Zeit übrig geblieben, um die letzte Exkursion durchzuführen. Ich musste zugeben, dass ich die letzten Tage viel zu viel auf der faulen Haut gelegen hatte, was ich mir allerdings nicht übel nahm, denn überall dort wo Dinge geschaffen werden, braucht man auch Zeit das Geschaffte zu betrachten, um auch sicher zu gehen, dass man das richtige tut. Bei den zahllosen Wanderungen in den letzten Tagen ging mir vieles durch den Kopf. Grundfragen, simple Fragestellungen beschäftigten mich. Zum Beispiel kam die Frage auf: Welche Motivation gibt es, mühevoll Hunderte von Höhenmeter zu bewältigen? Für viele Leute ist das Bergsteigen nichts; finden es langweilig oder viel zu anstrengend – Wozu? Ich habe schon so oft gemerkt, dass die Frage nach dem Sinn einer Handlung sehr tückisch sein kann. Die Frage: Wozu das Ganze?, birgt etwas Gefährliches. Nämlich mit dem aufzuhören, was man mit Enthusiasmus und Freude begonnen hat. Oft gibt es jedoch einfache Antworten darauf: Also, wozu steigt man Stunden um Stunden den engen vielleicht sogar gefährlichen Pfad nach oben an die Bergspitzen? – Um von oben runter zu schauen; die Herrlichkeit zu erblicken die Gott uns zu Teil werden ließ; einfach oder? So, wie ich die Erinnerungen meiner bisherigen Lebenszeit bewahrt habe, möchte ich auch all die zukünftigen, schönen, ja auch anstrengenden und mühevollen Momente, die noch kommen werden, in mir aufnehmen und täglich dafür danken wollen. Am gestrigen Tag war das Wetter ausnahmsweise etwas trüb und regnerisch; auch das kommt mal vor. Heute jedoch sah es wieder ideal aus: Locker bewölkt, heiter und sonnig. Genau dieses Wetter war nötig um die letzte Etappe in Angriff zu nehmen. Die letzte geologische Formation dieses Tales blieb bisher immer außen vor: Die Zentralgneiseinheit, die direkt an die Schieferhülle anschließt und das Ende des Tales bildet. Die Zentralgneiseinheit setzt sich aus viel älteren Gesteinen zusammen als bei den anderen Zonen. Deshalb spricht man auch vom „Alten Dach”. Es handelt sich um Gesteine aus der variskischen und kaledonischen Gebirgsbildung; also der Entstehungzeit unserer europäischen Mittelgebirge. Während der späteren alpidischen Faltung wurden diese zum Großteil metamorp überprägt, sodass die für diese Einheit typischen Gneise entstanden. Nach einem steilen Anstieg, der auch einige Zeit in Anspruch nahm, konnte man ungefähr in Höhe des Naturfreundehaus Neubau in 2175 Metern über dem Meeresspiegel die ersten Felspartien des hellgrauen Gneis an den Bergwänden des Sonnblicks erblicken. Der überwiegend aus Feldspat und Quarz bestehende Gneis ist wesentlich kompakter im Gefüge als der noch während des Aufstieges vertretene Glimmerschiefer. Auch die Vegetation änderte sich schlagartig. Ab dem Naturfreundehaus Neubau herrscht Lebensfeindlichkeit; die oberste und letzte Vegetationszone ist erreicht. Hier begleiten im Sommer eventuell noch kleine Wiesenfelder den Schmelzwasserlauf; später setzt die Vegetation ganz aus. Nur ab und zu trifft man auf dem Gestein die den hohen Regionen angepassten Flechten an. Ansonsten ist nur Steinwüste zu erblicken. Das ganze Gebiet dort ist kesselförmig. Die hohen Bergspitzen ragen an den Rändern steil hoch hinauf. Im „Kessel” selbst ist es verhältnismäßig eben und steigt nur nach Süden hin leicht an. Später erfuhr ich den Grund für diese besondere Form. Bei dieser Steinwüste handelt es sich um das Schürfgebiet des Goldbergkees, ein Teil des Goldberggletscher, den ich an der Sonnblick-Südseite zu Gesicht bekommen habe. Und tatsächlich sah ich beim bewussten Hinsehen kleine Vorstoßmoränen, die Enden der Gletscher vergangener Zeit, die sich bis zur heutigen Zeit zurückgezogen haben. Seit 1850 ist der Goldberggletscher stetig zurückgegangen. Im Jahre 1871 war der Gletscher noch gut um ein drittel größer als vergleichsweise 1969. Das Verhalten von Gletschern gibt Klimaforschern heute Hinweise auf  mögliche Klimaänderungen. Gletscher, vor allem solche größerer Art, reagieren sehr empfindlich auf Temperaturunterschiede in unserer Atmosphäre. Das Sonnblickobservatorium, die taleigene Wetterstation auf der Spitze des Sonnblicks, untersucht seit 1869 die Aktivitäten der Gletscher in diesem Areal in Zusammenhang mit Temperaturunterschieden und Änderungen im Klima. So wurde auch nach einer längeren Rückzugsperiode der Gletschervorstoß in den 70ern am Goldberggletscher festgestellt. Die hundertjahrelangen Aufzeichnungen tragen heute zu wichtigen Erkenntnissen in der Gletscherforschung bei und sind immer wieder Gegenstand neuester Untersuchungen. Der allgemeine mittlere Gletscherrückgang in den Alpen ist Folge einer globalen Klimaerwärmung, aber auch von regionalen Besonderheiten abhängig. Forscher nennen für den Anstieg der Temperatur mehrere Gründe: Zum einen können Schwankungen in der Sonnenaktivität oder auch Veränderungen des Abstandes Erde – Sonne für die nachweisbare Klimaerwärmung verantwortlich sein. Grundsätzlich vertreten Klimaforscher jedoch die Ansicht, dass der vom Menschen gestörte CO2-Haushalt der Erde für die Erwärmung verantwortlich ist. Geologen verweisen jedoch darauf, dass es m Laufe der Erdgeschichte schon immer periodische Kalt- und Warmphasen gegeben hat und diese Teil eines natürlichen Kreislaufes sind, zudem letztendlich auch der Mensch gehört.

 

 

Photo 15
Goldbergkees, 
Teil des Goldberg-
gletschers
     Photo 16 
Vorstoßmoränen im
ehem. Schürfgebiet
des Gletschers

Ebenfalls interessant erschienen mir die ehemaligen Bergbauaktivitäten rund um den Goldberg. Von hier stammte das Gold, das das Rauriser Tal und die Umgebenden für seinen reichen Schatz bekannt machte. In dem vom Gletscher geformten Areal finden sich einige historische Stätten, die auf den Goldbergbau schließen lassen. Allen voran das altertümlich wirkende Knappenhaus, das heute kein Dach mehr besitzt. Dies war Wohn-, Schlaf-, und Arbeitsgebäude für die Knappen des Goldbergwerkes, die von hier aus jeden Morgen zu den Lagerstätten gelangten (Und das in einer Höhe von 2339 Metern!). Von dort hat man einen wunderschönen Ausblick nach Westen auf den Goldbergkees, der in jener Zeit um einiges weiter ausgedehnt sein musste. Das Knappenhaus entstand im 19. Jahrhundert und war damals über eine horizontale Schleppbahn mit dem Bremserhäusl verbunden, das Umschlagplatz für Erz auf der einen Seite und Verpflegung für die Knappen auf der anderen Seite war. Von dort aus gingen die Waren steil zum Radhaus hinab, das weiter unten am Fluss lag. Der aufgetürmte Transportweg zum Radhaus ist noch gut erhalten geblieben. Er sieht aus wie eine kleine chinesische Mauer, die sich durch die Landschaft zieht. Wahrlich hat die Erschließung der Goldvorkommen wie bereits bekannt eine längere Tradition, als die heute noch sichtbaren Überreste aus dem 19.Jahrhundert vermuten lassen. Bereits 4000 v. Chr. sollen hier eifrige Goldsammler vom Stamm der Kelten nach dem edlen Metall gesucht haben. Die Hochblüte erreichte der Abbau im Mittelalter. Später erfolgte ein erneutes Aufflammen; wurde jedoch der Betrieb in der Neuzeit aufgrund mangelnden Ertrages eingestellt. Heute versuchen aber immer noch eifrige Goldwäscher kleine Goldkörnchen aus der Rauriser Ache, weiter unten um Tal, auszusieben. Das Gold selbst entstand in einer recht späten Phase der alpidischen Faltung. Entlang von Rissen, Spalten und Störungen gerieten heiße wässrige Lösungen aus dem Erdinneren in höhere Regionen der Erdkruste, wo sie später die enthaltenen Metalle auskristallisieren ließen. Der widerstandsfähige Gneis ermöglichte die Herausbildung großer Lagerstätten in Spalten der Ausmaße 1 x 2 x 700 Meter in Richtung Nordnordost, die zum Teil in große Tiefen reichen und den Abbau in der Endphase des Goldbergbaus immer schwieriger machten. Am Silberpfennig und am Bockhart verliefen die Goldvorkommen im weichen Untergrund der Schieferhülle. Die heißen, wässrigen Lösungen führten auch weitere Bestandteile wie Siliziumdioxid und Schwefel mit sich, weshalb der Quarz und auch der Pyrit rund um die Abbaustellen leicht zu finden ist.
 

 

Photo 17 

Das Knappenhaus in 2339 Metern Höhe

    Photo 18 

Die Überreste des Bremserhäusl

 

Ich konnte es nicht lassen am letzten Tag (zum Abschluss) auf dem vom Gletscher abgerundeten Untergrund auszuruhen, um in den warmen Sonnenstrahlen des späten Nachmittags, am Rande des Schmelzwassersees, vor dem großen Gletscher, ein kleines Nickerchen in über 2000 Metern Höhe zu halten. Der Abschied von den mir so vertraut gewordenen Bergen rückte immer näher.

Glossar

arid; gleichbedeutend mit trocken; Betrag an Verdunstung oberflächliches Wasser 
ist höher als Niederschlag
Basalt, der; dunkelgraues bis schwarzes, basisches Ergussgestein mit dichtem 
Gefüge; besteht hauptsächlich aus Plagioklas, Augit, Olivin, Nephelin, Bronzit und 
Orthoklas
Buntsandstein; vorwiegend kontinentale Ablagerung von bunten Tonen, bunten 
Sandsteinen und Konglomeraten
Evaporat; Stoff der durch Abscheidung bei Verdampfung von Lösungen entsteht; 
durch Evaporation entstehen Salzlagerstätten
Fanglomerat; [engl. fan = Fächer] Schlammbrekzie, in Trockengebieten 
auftretende fächerartige Ablagerungen aus unsortiertem Gesteinsmaterial; 
entsteht bei heftigen Regengüssen durch Abfließen (Schlammströme) des 
wasserdurchtränkten Verwitterungsmaterials
fluviatil; [lat.] von Flüssen gebildet, abgetragen, abgelagert usw.
Flysch; fossilarme kalkige, sandige oder mergelige Ablagerungen, die im 
Geosynklinalraum während der Gebirgsbildung entstanden, wobei das Material von 
den bereits über den Meeresspiegel herausgehobenen Gebieten stammt; im 
Alpenvorland in der Oberen Kreide und im unteren Tertiär abgelagert 
Foraminiferenkalke; aus zu den Wurzelfüßern gehörenden Porentierchen und 
Lochschalentierchen aufgebaute Kalke
Fossil, die; die als Versteinerung oder Abdrücke erhaltene Reste oder Spuren von 
Lebewesen der Vorzeit. Für eine Gesteinsschicht charakteristische Fossilien, sog. 
Leitfossilien kennzeichnen ganze geologisch-paläontologische Epochen und dienen 
der Altersbestimmung
Gondwana-Land; [benannt nach der indischen Landschaft Gondwana im Norden 
des Hochlands von Dekan], Gondwania, paläozoische, vielleicht präkambrische 
Landmasse auf der Südhalbkugel der Erde mit z.T. eigenen Florenelementen und 
Wirbeltierformen; umfasste die alten Kerne von Afrika, Vorderindien, W-Australien, 
Antarktis und Südamerika; zerfiel im Mesozoikum aus dem Riesenkontinent Pangäa
hemipelagisch; [griech.] Bezeichnung für den zwischen 200 und 4000 m Tiefe 
gelegenen Tiefseebereich und die in ihm gebildeten Sedimente
Konglomerat; [lat.] klastisches Sedimentgestein aus abgerundeten 
Gesteinstrümmern, durch kalkige kieselige u.a. Bindemittel verkittet und 
diagenetisch verfestigt
Magma, das; in tieferen Bereichen der Erdkruste befindlichen, aus Oxiden und 
flüchtigen Bestandteilen bestehende Gesteinsschmelze (um 1000°C); an der 
Oberfläche ausgetretenes Magma wird als Lava bezeichnet 
Magmatismus, der; zusammenfassende Bezeichnung für alle mit dem Magma 
zusammenhängenden Erscheinungen
Metamorphose, die; Gesteinsumwandlung im Innern der Erdkruste infolge Temp.- 
u. Druckveränderungen
Molasse, die; tertiäre Gesteine, bestehend aus Sandstein, Mergel und 
Konglomeraten, die im Miozän und Pliozän in dem den aufsteigenden Alpen nördlich 
vorgelagerten Becken (Molassebecken) entstanden; nur am Alpenrand gefaltet
pelagisch; [griech.] der Tiefsee (über 800 m tief) angehörig, in der Tiefsee 
gebildet
Radiolarite; aus meist kugeligen, zu den Wurzelfüßern gehörende, mikroskopisch 
kleinen Einzellern, mit Zentralkapsel und zartem Kiesel- oder Strontiumsulfatskelett 
(Radiolarien) aufgebauten Sedimenten 
Sedimentation, die; [lat.] Ablagerung, Absetzen des durch Verwitterung 
aufbereiteten und durch bewegte Medien verfrachteten Gesteinsmaterials sowie 
von abgestorbenen Organismen, chemischen Substanzen, u.a. Bei Nachlassen der 
Transportkraft der bewegten Medien wird zunächst grobkörniges, später 
feinkörniges Material abgelagert; die Sedimentation erfolgt vorwiegend in 
Schichten
Subduktion, die; Plattentektonik: Absinken einer Lithosphärenplatte unter eine 
andere 
 

Anmerkungen zur Geologischen Übersichtskarte (Abb. 13):

  1 = Tertiär in Molasse- und Pannon, 
  2 = Gosaubecken (Oberkreide-Alttertiär), 
  3 = Klippenzone (Jura-Eozän),
  4 = Voralpendecke (Helvetikum)
  5 = Deckgebirge (Mesozoikum und Alttertiär)
  6 = Grundgebirge (Kristallin)-Penninikum
  7 = haupts. Mesozoikum und Alttertiär
  8 = Paläozoikum
  9 = Penninischer Flysch
10 = Oberostalpines Deckgebirge, haupts. Mesozoikum
11 = nicht oder schwach metamorphes Paläozoikum der Ost- und 
         Südalpen
12 = Altkristallin, ungegliedert
13 = unterostalpines Grund- und Deckgebirge
14 = Deckgebirge, haupts. Mesozoikum
15 = Grundgebirge (Kristallin)
16 = Tertiäre Vulkanite
17 = alpidische Plutonite und variszische Judivarienlinie und in 
         Karawanken
18 = permische Vulkanite

Geologische Zeittabelle

Anmerkungen zur Geologischen Zeittabelle:

Angaben nach: Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg
Stand : Januar 2003 
Einige Zahlen wurden den neuesten Forschungsergebnissen angepaßt und haben sich geändert.
(Kambrium 570 > 540, Ordovizium 510 > 490, Silur 435 > 445, Devon 410 > 415 und Kreide 135 > 145) 

Bildnachweis

Abb. 1 LACKMANN, WOLF (2002): Einführung in die Geologie
(http://www.uni-mainz.de/~lackmann/Geologie/Schriftgranit.html) 
Abb. 2 Bearbeitung nach Plate tectonic maps and Continental drift animations – PALEOMAP Project; SCOTESE, C. R. (2001): Atlas of Earth History, Volume 1, Paleogeography, PALEOMAP Project, Arlington, Texas, S. 52 ff (http://www.scotese.com)
Abb. 3+4 Bearbeitung nach: STAMPFLI, G.M. and BOREL, G.D., 2002: A plate tectonic model for the Paleozoic and Mesozoic constrained by dynamic plate boundaries and restored Synthetic oceanic isochrons. Earth and Planetary Science Letters, 196: 17-33 STAMPFLI, G.M. and BOREL, G., MARCHANT, R. and MOSAR, J., 2002: Western Alps geological constraints on western Tethyan reconstructions. Journal VirtualExplorer, 8: 77-106 STAMPFLI, G.M. (Editor), 2001: Geology of the western Swiss Alps, a guide book, 36. Mémoires de Géologie (Lausanne), 195 pp. (http://www-sst.unil.ch/research/plate_tecto/index.htm)
Abb. 5 Bearbeitung nach: PRESS, F. and SIEVER, R. (1997): Understanding Earth; W H Freeman & Co.
Abb. 6 Channel, J.E.T. & Kozur, H.W. (1997): How many oceans? Meliata, Vardar, and Pindos oceans in Mesozoic Alpine paleogeography – Geology 25/2, 183-186
Abb. 7 SCHÖNENBER & NEUGEBAUER (1987)
Abb. 8 Picture by http://www.harcourtschool.com
(http://www.harcourtschool.com/activity/pompeii/index.html)
Abb. 9+10 Alpen tektonisch; Alexander Pro - Neukonzeption für die Oberstufe in thematischer Gliederung (1997), Klett; Klett-Perthes
Abb.11 SLUPETZKY, H.; die hellblauen Bereiche zeigen die Vereisung während der Würmeiszeit, die letzte große Vereisung in den Alpen (http://www.schule.suedtirol.it/rg-strz/lebensraeume/tauernfenster.htm)
Abb. 12 Österreichische Karte Rauris, Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (1080 Wien)
Abb. 13 SCHÖNENBERG & NEUGEBAUER (1987)


Quellennachweis

Favre, P. & Stampfli, G.M. (1992): From rifting to passive margin. The Red Sea, the central Atlantic and the Alpine Tethys as examples. – Tectonophysics 215, 69-97

Frisch, W. (1979): Tectonic progradation and plate tectonic evolution of the Alps. – Tectonophysics 60, 121-139.

GOSEN, W. (1989): Gefügeentwicklungen, Metamorphosen und Bewegungen der ostalpinen Baueinheiten zwischen Nockgebiet und Karawanken (Österreich). Geotekt. Forsch. 72, 247 S.

GRUBER, F. (1999) Die Rauriser Bergbaugeschichte (Austrian Open – Meisterschaft im Goldwaschen), Info, S.1-7

MOEBUS, G. (1997) Geologie der Alpen: eine Einführung in die regional-geologischen Einheiten zwischen Genf und Wien
Schaltegger, U. & Gebauer, D. (1999): Pre-Alpine geochronology of the Central, Western and Southern 
Alps. – Schweiz. mineral. petrogr. Mitt. 79, 79-87.
Scotese, C.R., Bambach, K., Barton, C, van der Voo, R. & Ziegler, A.M. (1979): Paleozoic base maps. – J. 
Geol. 87, 217-277

Stampfli, G.M., Marcoux, J. &Baud, A. (1991): Tethyan margins in space and time. – In: Channel, J.E.T., 
Winterer, E.L. & Jansa, L.F.: Paleogeography and paleooceanography of Tethys. – Paleogeogr. 
Paleoclimatol. Palaeoeclo. 87, 373-410.

STRAHLER, A.H./STRAHLER, A.N.: Physische Geographie. Stuttgart 1999

Trümpy, R. (1998): Die Entwicklung der Alpen: Eine kurze Übersicht. – Z. dt. geol. Ges. 149, 165-182.

Fertigstellung: 18.03.2004
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