E. Suess – Vater der modernen Tektonik

Eduard Suess wurde 1831 in London geboren. Er arbeitete als Geologe und Paläontologe. Seine Arbeiten in der geologischen - und insbesondere in der geotektonischen Forschung - wirkten richtungsweisend für zukünftige Geologen. Seine wesentlichen Arbeiten erstrecken sich auf "Die Entstehung der Alpen" (1875) und "Das Antlitz der Erde" (1883-1909). Besonders durch seine Arbeit "Das Antlitz der Erde" erhielt er den Beinamen "Vater der modernen Tektonik", da er in diesem Werk revolutionäre Ideen und Erkenntnisse niederschrieb. Eduard Suess starb 1914 in Wien.

Die Entstehung der Alpen

In seinem ersten Werk beschäftigte sich Eduard Suess lediglich mit der Entstehung von Gebirgen. Seine Überlegungen untermauerte er meist an Beispielen aus den Alpen.

Zunächst beschäftigte sich Suess mit den damaligen Theorien. Doch er kam schnell zu dem Schluss, dass er die damals verbreitete Theorie von der vertikalen Hebung der Kruste ablehnte. Er war Anhänger der horizontalen Bewegung großer Krustenteile, die seiner Meinung nach für den Aufbau des alpinen Systems (Alpen) verantwortlich waren. Bei seinen Beobachtungen entdeckte er die asymmetrische Struktur der Alpen. In den Nordalpen war der Falten- und Deckenbau präsent, hingegen war es in den Südalpen die Bruchtektonik. Diese Beobachtung verallgemeinerte er auf fast alle Orogene (Gebirge) der Erde. Des weiteren machte er die Beobachtung, dass weder die Vergenz, noch die geographische Verteilung der Gebirgsketten auf der Erde irgendeinem geometrischen Gesetz gehorchen. Ausserdem war er der Meinung, dass sich die Gebirge erst dann bilden, wenn es in der Erdkruste zur Entwicklung einer Bruchfläche kommt. Der herrschende laterale Druck (sich aufbauender Druck bei der horizontalen Verschiebung der Platten) bewirkt dann, dass sich das nun poröse Material nach oben schiebt. So begann seiner Meinung nach die Entstehung von Orogenen.

Zum Ende seines ersten Buches machte er noch die Feststellung, dass Gebirgsbildungsphasen nicht als Mittel dazu dienen, die Erdgeschichte in verschiedene Ären einzuteilen. Erklärung dafür suchte er wiederum bei den Alpen. Das alpine Sytem hatte sich nämlich vom Mesozoikum (mittlerer Abschnitt der Erdgeschichte) bis hin zum Quartär (jüngste der geologischen Formationen) entwickelt. Obwohl er zur Erklärung seiner Theorien häufig die Alpen zu Rate zog, war er der Meinung, dass vernünftige tektonische Arbeiten nur unter Einbeziehung des gesamten Erdballs mögliche seien.

Tektonik um 1880

Wie bereits angesprochen waren die Arbeiten von Eduard Suess die wohl Bedeutendsten der modernen Tektonik. Bereits vor der Veröffentlichung seines bedeutendsten Werkes beherrschte Eduard Suess ab dem Jahre 1880 die Diskussion über die Tektonik. Hinzu kam, dass einige bedeutende Geologen seiner Zeit in wichtigen Punkten mit ihm übereinstimmten. So war es beispielsweise Albert Heim, der die Arbeit von Eduard Suess unterstützte und ebenfalls der Meinung war, dass die horizontale Krustenverkürzung (Kontraktion) die Ursache der Orogenese war.

Das Antlitz der Erde

In seinem Hauptwerk "Das Antlitz der Erde" beschreibt Suess nicht nur die Erdoberfläche und die verschiedenen Gebirgszüge, sondern er untersuchte auch die krustalen Einbrüche, in denen sich die Ozeane entwickelten und die orogene Geschichte Eurasien.

Wie bereits angesprochen, machte Eduard Suess die Entdeckung, dass sich die Gestalt der Erdoberfläche durch die Kontraktion verändert. Das Volumen und die Oberfläche verkleinern sich. Er formulierte dies mit den Worten "Der Zusammenbruch des Erdballes ist es, dem wir beiwohnen". Den möglichen Motor für die komplette Bewegung ganzer Kontinente sah er in der Erdrotation und in den Gezeitenkräften.

Bei seinen Beobachtungen der Erde verglich er verschiedene Erdteile miteinander und bemerkte dabei eine verblüffende Ähnlichkeit der Küsten von Afrika und Indien. Suess sah hier eine einstige Verbindung zwischen den beiden Landmassen. Des weiteren beobachtete er die Randgebiete von Atlantik und Pazifik.

Sehr detailliert befasste sich Suess mit der Untersuchung der orogenen Geschichte Eurasiens. Weiterhin können wir seinen Arbeiten Beschreibungen der pazifischen Tiefseerinne und ihrer geologischen Strukturen entnehmen.

Von ausserordentlicher Bedeutung für die geologische Wissenschaft waren seine Diskussionen über den Aufbau des Erdinneren. Er schuf die Begriffe Nife, Sima und Sial. Nife (Hauptbestandteile: Nickel und Eisen) steht dabei für den Erdkern, Sima (Hauptbestandteile: Sillicium und Magnesium) für die innere Erdkruste und Sial (Hauptbestandteile: Sillicium und Alluminium) für die äussere Erdkruste.

Suess beschäftigte sich auch mit vulkanischen Phänomenen und stellte fest, dass diese an Deformationsareale gebunden sind.

Auswirkungen auf die Wissenschaft

Bekanntermaßen hatte Suess eine große Bedeutung für die geologische bzw. tektonische Wissenschaft. So griffen namhafte Geologen seine Theorien auf. Beste Beispiele dafür sind:

Stille baute Suess Theorie von der radialen Absenkung (tiefgreifende Absenkungen in der Erdkruste) - für die mitteldeutsche Rahmenfaltung - in seinen Arbeiten auf.

Wegener arbeitet bei der Beschreibung der Erdkruste mit den Begriffen Sial und Sima.

Auch Argand bezieht sich auf Suess. Er argumentierte, dass alle Deformationen der Kruste das Ergebnis horiziontaler Bewegungen der Kontinente sind. Des weiteren äußerte er, dass alle Gesteine in geologischen Zeiträumen betrachtet, plastisch sind.

Fazit

Suess Werk ist ohne Zweifel das umfassendste, das je über Tektonik geschrieben wurde. Es gilt als Fundament, auf dem viele später geschriebene Theorien aufbauten bzw. sich weiterentwickelten. Seinem Schöpfer gebührt wie keinem anderen der Titel eines Vaters der modernen Tektonik.

Marco Fufajew