Schwedenfahrt 1979

(vom 23.7. - 18.8.1979)

Über den ersten Teil dieser Wanderfahrt berichtet Dietrich Troschke:

Teilnehmer Göteborg - Forsvik: Jürgen Bargob, Gerd Breuer, Kai Dau-Schmidt, Hermann Gutsche, Pit Krüger u. Sohn Sven, Manfred Lüdtke, Michael Mordhorst, Dietrich Troschke, Peter Wulf, Hans-Joachim Lau.

Forsvik - Göteborg: Klaus Behrens, Hartmut Bohnhoff, Gerd Breuer, Kai Dau-Schmidt, Wolfgang Kühnel, Hans-Joachim Lau, Michael Mordhorst, Christian-Andreas Süchting (Abu), Uli Wobbe.

Eine Auslandsfahrt über den Zeitraum von vier Wochen steht im Plan. Für die meisten ist Schweden Neuland, soweit es das Rudern betrifft. Als Mitruderer beider Etappen bekenne ich im Nachhinein ganz offen, daß ich es mir vielleicht noch einmal überlegt hätte, beide Strecken mitzurudern, doch ich will den auf der langen Ruderfahrt gesammelten Erfahrungen nicht vorgreifen.

Die Verladung von Vierer (Mennebein) und Zweier (Elbe) am Abend der Abreise machte durch die Nähe des Bootshauses zum Kai der Stenalinie keine Schwierigkeiten, wir konnten die Boote hinrollen. Dort jedoch lange Wartezeit, weil erst der Schiffsrumpf mit allen Fahrzeugen, PKW's und Lastwagen, vollgestopft wurde, bis wir in die letzte übriggelassene Lücke hineindirigiert wurden. Die Raumausnutzung zu hundert Prozent ist stets gesichert, weil eine genügende Zahl neuer Mercedeswagen bereitsteht, die auf Verladung warten. Von den 3 Begleitfahrzeugen auf der ersten Etappe war wieder Pit Krügers Combiwagen mit Anhänger besonders nützlich, es rollte ein Tisch mit, auf dem das -wie stets- reichhaltige Frühstück den dauernd Hungrigen griffnahe geboten werden konnte. Auf der zweiten Etappe mußten wir leider darauf verzichten, Pit und Sohn Sven verließen uns am Ziel.

Für die nächtliche Überfahrt legten wir uns auf der "Stena Olympica" in der Cafeteria mit Luftmatratze und Schlafsack gemütlich nieder. Manche von uns standen schon früh bei Sonnenschein an Deck, um die Einfahrt vor Göteborg durch die Schären zu genießen. Schwarzgefiederte Möven flogen dem Schiff in Scharen entgegen. Kurz nach 10 Uhr legten wir an und konnten dort gleich unsere Boote an der Anlegestelle zu Wasser tragen. Eine Stunde drauf stiegen wir in die Boote, zunächst fuhren wir etwa 15 km durch Industriegelände, dann wurde die Landschaft zu beiden Seiten des Göta-Älvs hügelig und unbebaut. Nachmittagsziel: Nol. Ankunft gegen 16 Uhr. Viel Geduld mußten wir, jedoch bei schönstem Sonnenschein, aufbringen, bis endlich nach 3 Stunden die Lagermannschaft eintraf, die einen Zeltplatz zwei Rudertage voraus auf dem Schleusengelände von Trollhättan gefunden hatte, der für die folgenden 3 Nächte vorgesehen war und dadurch sehr vorteilhaft war, weil wir bei der Schleuse eine Wasch- und Brause(warm)gelegenheit genießen konnten, eine öffentliche "Toalett", wie sie in Schweden an belebten Plätzen in gleicher Qualität eingerichtet ist und kostenlos benutzt wird.

Da bis auf einen Bäcker in der Stadt nur einer und auch dieser erst ab 9 Uhr geöffnet hatte, die anderen hatten sämtlich Betriebsferien, kamen wir erst knapp vor 12 Uhr in Nol wieder in die Boote. In 3 Tagesetappen, den letzten Teil den Trollhättan-Kanal mit 3 Schleusen durchquerend, erreichten wir Vänersborg am Eingang zum Vänernsee. Schon auf dieser ersten Strecke auf dem Göta-Älv und Göta-Kanal fiel uns auf, daß wir an den Ufern kein Lokal, Restaurant oder Café, vom Boot aus sichteten. Außerdem nirgends mal ein Bootssteg am Ufer zu Häusern gehörig, die dann und wann einzeln oder in Gruppen am Ufer auftauchten. Auf unserer diesmal 4-Wochen-Ruderfahrt sollte sich das Fehlen von Lokalitäten für uns noch empfindlich bemerkbar machen. Das Wetter blieb bis jetzt sehr sonnig, herrlichstes Sommerwetter. Es gab keine besonderen Überraschungen, eine Flußfahrt bisher, wie in allen anderen Jahren auf unseren Flußfahrten in der Heimat.

Dies änderte sich deutlich, als wir am 4. Tage auf den größten schwedischen See hinaus fuhren: dort lauern nicht nur schnell aufdrehende Winde, die aus der spiegelglatten Wasserfläche im Nu schaumgekrönte Wellen, der geringen Tiefe weqen, in schneller Folge entstehen lassen, sondern auch tückische "Kommunisten", Felsbrocken, die sich hart unter der Oberfläche verbergen, nicht immer sich durch Strudel- und Schaumbildung bemerkbar machend und nur durch eine veränderte Wasserfarbe sich ankündigend, höchste Achtsamkeit erfordernd, wenn man heil über die Wasserfläche kormen will.

Schon gab es in der ersten Tageshälfte auf dem See, als die Boote die Vänersnäs, eine Ausbuchtung des Sees, umruderten, zur Abwechslung einen kräftigen Wolkenbruch und als zweite Überraschung eine unbeabsichtigte Landung am Ufergelände eines Militärbereichs, der als solcher uns nicht erkennbar war. Erst am Gebäude des Geländewärters, auf das wir dann stießen, wurde dies klar und in Offiziersbegleitung ging es darauf durch das Gestrüpp sumpfigen Geländes zum Eingang der Wache, wo die Autos die Übeltäter in Empfang nahmen und nach Hällekiss brachten, unser zweites Zeltlager im Waldgelände an einer kleinen Bucht des Vänernsees, wo wir auf Hin- und Rückfahrt mehrere Nächte blieben, unterhalb des Kinnekulle, einer weithin sichtbaren Erhebung, viel gerühmt im Lande wegen seiner Flora und besonderen Mineralien. Am folgenden Tage werden wir sehr freundlich auf dem Militärgelände empfangen, schauen noch einem Fallschirmabsprung zu, werden vom gleichen Offizier eine Strecke durchs Gelände begleitet und verabschieden uns von ihm mit einer Flasche Rum, einer Kostbarkeit im Lande überteuerter Alkoholika.

Wieder auf dem Vänernsee (Ausmaße: 100 km lang und bis zu 20 km breit) steuern wir zunächst eine weit in den See ragende ganz schmale Landzunge an. Es stellt sich uns die Frage: weiter um die Spitze rudern oder die Boote über eine nur wenige Schritte messende Enge tragen. Die Mehrheit entscheidet sich für letzteres. Ergebnis der Tragerei über das Steingeröll: einer fühlt sich überfordert und ein anderer fiel plötzlich ganz aus, mitten beim Schleppen haut er plötzlich ins Gebüsch ab und bleibt trotz Rufens verschwunden. An solchen Vorfall mag sich keiner in seiner Ruderlaufbahn erinnern. Mit nur 2 Mann Besatzung setzt die "Elbe", dem Ältesten und dem Jüngsten der Mannschaft - 56 Jahre Altersunterschied ! die Fahrt fort, die zunächst einen Stichkanal vor der Lidköpingbucht durch die Landzunge Källandsö anrudert.

Eine Bucht auszurudern oder quer zu überrudern, blieb uns oft als Wahl über den Vänernsee. Zu unserem Pech verfehlten wir auch noch den Einstich und stärkerer Wellengang macht uns zu schaffen, der "Elbe" stets mehr als dem "Mennebein", der gegen Wellengang besser abgesichert ist. Es hätte nicht viel gefehlt, die "Elbe" wäre vollgelaufen, denn der Zweier hatte keinen Steuermann, der das Wasser laufend hätte ausschöpfen können. Wir mußten uns mühsam zum Einstich zurückkämpfen, bis wir endlich dorthin zurückgefunden hatten. Auf halbem Wege durch die Landzunge beendeten wir die Tagesetappe. Nun verließ uns mal das gute Wetter. Wir kamen nur bis Oöböken. Nachts überkam uns Dauerregen. Drum fuhren wir am nächsten Tag im Auto nach Lidköping. Kühle und Nässe begleiteten uns. Entschädigt wurden wir dort durch ein schönes Café, das wir nach so langer Entbehrungszeit in vollen Zügen genossen. Nachmittags ging es trotzdem in die Boote. Erst spät am Abend trafen wir am Lager ein und es regnete weiter. Am nächsten Morgen hatte der Regen aufgehört und die Sachen trockneten bis zum Aufbruch am folgenden Morgen.

Nach guter Fahrt mit nur einer kurzen Regendusche trafen wir am Nachmittag in Marienstad ein, kamen also trocken an Land gegenüber dem Yachthafen auf einem Gefängnisgelände, wie wir später feststellten. Bei Kasseler, Sauerkraut und Pudding genossen wir den Abend. Anderntags ging es in Marienstad zunächst im Schutz der Bucht in ruhiger Fahrt, doch kaum aus ihrem Schutz gerieten wir in hohen Wellengang (etwa Windstärke 5), der uns schwer bedrängte. Die "Elbe" schlug immer stärker voll Wasser. Da gab es für sie nur eine Wahl: auf eine vorgelagerte Insel loszusteuern und in ihrem Windschatten entlang dem Schilf zu rudern. Endlich konnten wir bei einer Fähre rüber auf die Landseite. Dort ans Land bei wieder herrlichem Sonnenschein und freundlicher Aufnahme bei einer Familie Wennlund, die, wie wir später hörten,in Marienstad ein großes Juweliergeschäft betrieben. Wir konnten endlich wieder unsere Klamotten trocknen. Auf die Autos wartend, konnten wir uns noch am Waldrand an Himbeeren stärken.

Die am nächsten Tag folgende Buchtüberquerung gelang ohne Schwierigkeit und wir steuerten auf Sjötorp zu, den Eingang zum Götakanal mit seinen unzähligen Schleusen zum Vätternsee rauf. Nach 9 Schleusen packte uns ein scheußlicher kalter Gewitterregen, der nichts an uns trocken ließ. Bei einem Schleusenwärter konnten wir uns unterstellen, bis uns die Autos schließlich arg durchfroren abholten.

Der nächste Tag bei durchwachsenem Wetter durch den Rest der Schleusen und bei höherem Wellengang nach Arnäs am Vikensee. Von dort 20 km zum Zeltplatz in Forsvik, nahe Karlsborg am Vätternsee. Trotz aller Fährnisse glücklich ans Ziel der Fahrt gekommen, wissen wir jetzt, daß man mit einem Boot "Elbe" nicht über den tückischen Vänernsee fahren sollte. Das Überqueren von Buchten dort bedeutet stets ein Risiko, weil nur allzu schnell das Wetter umschlagen kann, hinzu kommen die gefährlichen Klippen. Wie oft erlebten wir plötzlich neben uns Felsbrocken hart an der Oberfläche ! Jedes An-Land-Gehen bedarf vorsichtiger Beobachtung des Ufergeländes. Bei der langen Schleusenfahrt hat man zu berücksichtigen, daß von 12 - 12.30 Uhr und von 16 - 16.30 Uhr nicht geschleust wird. Und nicht zu vergessen: wer dort wochenlang rudert und zeltet, muß damit rechnen, daß man abends dort nirgends mal einKehren kann, um auf einem Stuhl an einem Tisch zu sitzen.

Das nahe Karlsborg gibt uns Gelegenheit zu einem Café-Besuch und einem Mittagessen in einem kleinen Hotel mit "Turistenmenü" zu Kr. 23,50, das aus Kaltem Büffet, Kaffee oder Tee und Hauptspeise besteht. In ganz Schweden gibt es solche Essen in besonderen Hotels, die aus einer Liste hervorgehen, die man im Informationsbüro für Touristen erhält. Zum Thema Preise in Schweden gilt gegenwärtig, daß unsere Einkäufe die qleichen Summen erfordern wie bei uns, wobei im einzelnen manche Artikel hier teurer sind als bei uns und umgekehrt.

Der Eindruck des kleinen schwedischen Städtchens am Vätternsee, das wir uns anschauen: sehr schöne alte und häßliche neue Häuser, so schlecht, daß man lieber wegsieht. Da haben auch hier "Baulöwen" wie bei uns nicht selten, sich gesund gemacht. Der Vätternsee dagegen bietet ein herrliches Panorama. Motala, auf der gegenüberliegenden Seite des Sees bleibt uns leider unerreichbar, weil man nicht an einem Tage hin und her fahren kann. Zwei Yachten tickern gemächlich in den Hafen. Der Vätternsee ist so gefährlich, daß sich die Fischer mit ihren kleinen Booten nicht weit in den See hinauswagen und speziell für diesen See gebaute Fahrzeuge benutzen. Unser Plan, mit den Booten den See zu überqueren, fiel deswegen ins Wasser. Segelbooten sind wir während unserer tagelangen Fahrten auf dem Vänernsee kaum begegnet, dagegen fuhren wir an vielen Yachthäfen vorbei, die voll besetzt waren. Selbst an Wochenenden scheint man wenig aktiven Segelsport zu betreiben, die Boote lagen auch dann an der Boje. Wir sind nur wenigen Segelbooten in unseren Ruderwochen dort begegnet.

Von Karlsborg zurück, feiern wir bei einem zünftigen Lagerfeuer Abschied von den Kameraden, die uns morgen verlassen werden. Weil wir unser Ziel um einen Tag eher als geplant erreicht hatten, sind uns zwei Ruhetage hier gegönnt. So gehen Gerd, Michael und Dietrich vormittags in die Blaubeeren. Wer Sammler ist, dem bietet sich Schweden als ein Eldorado. Zu dieser Zeit findet man Pilze, Blaubeeren und Himbeeren in Fülle. Und schon künden die roten Flächen im Walde die Reife der Preißelbeeren, auch Kronsbeeren genannt, an. Mit Hajo und Kay erwarten wir die Anreisenden bei schönstem Sonnenwetter. Im See wird gebadet und Himbeeren werden noch gesammelt, um den Neulingen etwas bieten zu können. Am Spätnachmittag sind sie da und der Abend wird auch mit ihnen durch ein Lagerfeuer verschönt.

Dietrich Troschke

Auf diesen nüchtern-prosaischen Bericht von Dietrich Troschke folgt ein Reimwerk von Wolfgang Kühnel.

Schwedenlüste 2. Teil

Ein ARV-Mensch, der vor Jahren des Wanderruderns Lust erfahren
in Schweden, Finn- und andern Ländern wollt wieder einmal sich verändern
nach Norden hin zu Urlaubszeiten. So tat er sich dann vorbereiten
durch Meldung erst bei dem Verein und etwas Training auf dem Main.

Als Land setzt Schweden man zum Ziele dort gibts der Seen und Flüsse viele.
Auch gute Straßen muß man wählen damit die Autos sich nicht quälen.
"Die Autos?" fragt ein Ignorant dem immer noch nicht ist bekannt
wie Ruderboote Lust bereiten wenn Kraftfahrzeuge sie begleiten.

Sodann galt es die Männer wählen, die heute noch bereit zu quälen
mit starker Kraft die Ruderkähne bewegt von Muskel nur und Sehne.
Man teilt die Fahrt in "hin" und "rück-, fand Interessenten auch zum Glück
obwohl später hinweggerafft zwei ältliche durch Schwangerschaft.

Als Linie für die Überfahrt die "Stena" auserkoren ward,
die wegen langer Wartezeiten auch "Ansteh" würd als Firma kleiden.
Doch schließlich konnt die Pentschar borden inmitten von Touristenhorden
und abends loben Fleisch und Butter, sorglich gepackt von Frau und Mutter.

Sodann war derer zu gedenken, die schlecht versehen mit Getränken.
Denn Schwedens allgemeines Wohl bezieht sich nicht auf Alkohol.
Im duty free gabs Streit und Zorn, ob Rum, ob Bier, ob Schnapfelkorn,
und auch die nur erlaubte Menge bracht manches Herz bang ins Gedränge.

Im Anschluß gab es flotten Skat bis jeder eingesehen hat,
daß Schlaf selbst nützt dem stärksten Mann wenn er auf Deck ihn finden kann
bei Kälte und Maschinendröhnen. Die Nacht war gar nicht zum verwöhnen,
Beunruhigend wirkte auch die Morgenreinigung mit Schlauch.

Nachdem vorbei der Nächte Sorgen das Tagesziel hieß Karlesborgen,
wo ersten Teiles Restgefährten die Hoffnung auf ein Treffen nährten.
Der Bahnhof galt als rendez-vous. Doch weder Wolfgang noch Abu
kannten den Treffpunkt ganz genau dies war allein Ullrichs know-how.

Die Tragik traf nur einen Stern. Der andre sah sein Schicksal gern,
und die Besatzung von dem Diesel genoß bald ein Kulturgeriesel
von Kirchen, Runen, Eisenbahn derweil die andern in dem Wahn,
daß es erfordre Anstands Sitte zu treffen sich in Karlsborgs Mitte.

Sie wachten scharf am Ortseingange und sahen auf die Straße lange:
Mercedes macht es nicht allein, ein alter Diesel muß es sein.
Doch einsam stehn blieb der Benziner, ein treuer, aber stummer Diener,
der von allein den Weg nicht kennt und hirnlos nur nach Gastritt rennt.

Die beiden haben dann gesucht, gefragt, gedolmetscht und geflucht,
doch Karlsborg wollte preis nicht geben wo ARVer zeltend leben.
Beim Suchen sah zum Fenster raus Wolfgang den frohen Kai der Daus
doch dessen Gruß Abu gebührte, der triefelnd in die Karte stierte.

Beim Tanken schließlich man sich sah, die einen fast dem Zorne nah,
nur Michael, erfrischt vom Schlaf, fands einfach nett, daß man sich traf.
Der Zeltplatz war nun leicht gefunden, der Treffpunktfrust bald überwunden,
worauf die Neuen schnellstens fanden, die liebsten Zeltkohabitanden.

Von Forsvik gings nach Riksberg dann, in Tatorp hub das Schleusen an.
Hier kamen wir der Dame nah, die nur fürs Lochen machte klar.
Zum Geldempfang war kompetent der, den man dortens Makker nennt.
Was wir empfanden kriminell in Schweden gilt als naturell.

Am Mittwoch ging das Schleusen weiter, und unsere Mienen wurden heiter,
denn auf dem Boote Manitou sahen wir eine Eskimo.
(Nur Dietrich - starr vor Alterssinn - bestritt, daß sie Indianerin)
Doch unser Traum von Wigwamslüsten entschwand sehr bald nach Vänerns Küsten.

Mariestads Türme in der Ferne wir wollten schnellstens hin so gerne.
Nur haben wir verweilen müssen, um noch Frau Wendlund zu begrüßen.
Doch ihre Gunst bekam allein Dietrich, das Kameradenschwein.
Erst als zum Ablegen wir klar, war unser Liebster wieder da.

Der nächste Tag war was für Recken: die Elbe auf den Knüppelstrecken
nahm munter Wasser, vorn und hinten, auch wo Luftkästen sich befinden.
Doch klagen nur und lautes Schrein hört eher man vom Mennebein,
wo nasses Zeug auf kaltem Rücken gereicht dem Schlagmann zum Entzücken.

Der Elbe Mannen, mitleidig, erklärten für die Pause sich,
und nackig nun, an Po und Arm hielt ein Indianertanz nur warm
und simuliertes Fußballspiel. Doch alles dieses nutzt nicht viel,
so legt man ab mit finsterer Miene - ach wenn doch nur die Sonne schiene !

Zur Mittagspause legt man dann an einer schönen Schäre an,
um naß und hungrig zu genießen der Kaltfouriere Leckerbissen.
Doch diese wurden Neptuns Beute, und unter leicht enttäuschte Leute
wird zwangsverteilt, mit Händen klamm, das Schwedenbrot als Vänerschwamm.

Das Brot aber kann man verbessern und durch speziellen Biß entwässern.
Erstaunlich auch die Geistesblitze, die Trocknung stützend, ohne Hitze,
der nassen Hemden und der Hosen, der nackten Ärme auch, der bloßen.
Wie schön nur läßt sich hier beweisen, wie komfortabel Rudrer reisen.

Dann, nach beendetem Imbiß wolln weiter wir nach Hellekis.
Nur Zeus und Neptun, diese beiden tun alles, um uns zu verleiden
die leichte Heimfahrt, die erstrebte. Selbst Dietrich schlotternd bleich erbebte
und zwischen Kommunist und Welle die Elbe sieht als Ruderhölle.

Der Götter Zürnen hielt nicht an, so konnt am nächsten Tage man
den Kinneviken überqueren, in Magellhans Kanal verkehren,
auch Hermann's Eck ward überwunden das Landkommando bald gefunden,
das einen Zeltplatz hat gebucht nachdem die Gräfin aufgesucht.

Frau Gräfin hat auch einen Sohn, der hat den Hof geerbt wohl schon.
Die Kirche diente hier als Klo (auf jeden Fall sah Klaus es so).
Es war das größte Gut im Land, und was besonders schön ich fand,
daß in den abendlauen Lüften die Brust sich füllt mit Schweinedüften.

Von Hinden dann nach Storeberg erleichtert gingen wir ans Werk,
weil wir entlastet von der Bürde, daß man beschossen werden würde.
Doch samstags nie - das weiß man schon von der Turistinformation.
Die Fahrt verlief im Schilf sehr oft wo mancher Durchgang ward erhofft.

Und Ulli, unser Steuermann verlor auch noch die Karte dann
vom Zweier glücklich aufgefischt, bevor sie sank in Flut und Gischt.
Der Vierer schimpfte ungeheuer. Doch in der Elbe saß am Steuer
der Abu, der begeistert schrie: "die richtge Einfahrt, hier ist sie !"

Allein, es war ein Irrtum nur. Im Schilf verlor sich schnell die Spur,
und bald erscholl, was jeder kennt: "der Steuermann ist impotent".
Der Vierer indes unverdrossen die richtge Einfahrt hat genossen.
Dies zeigt, daß man dem Steuermann mit Karte nicht vertrauen kann.

Der Dieterich, der Dieterich, das ist ein arger Wüterich.
Kein Pilz noch Himbeer vor ihm sicher, ständig hört man sein Lustgekicher
von wundervollen runden Dingen, die üppig Baum und Strauch behingen.
Die Katastrophe schließlich naht, als Abu Labskaus machen tat.

Denn Dietrich, unsere Frohnatur, sieht ständig auf die Pilze nur.
Er findet viele, ohne Plagen, möcht damit füllen unsern Magen,
was Abu tadelnd laut verflucht, weil er für Labskaus Mägen sucht.
Er rümpft die Nase und schilt schnöde des Dietrichs schöne Pilze "blöde".

Zu schildern bin ich nicht bereit der beiden Köche zähen Streit.
Am Ende kam es wie es muß: wir aßen beides mit Genuß.
Und die Moral von der Geschicht: Laß niemals ran zwei Köche nicht
damit verstimmt nicht wird der Ton man nennt das Motivation.

Die Nacht zum Sonntag ward gestört durch Suff und Spiel ganz unerhört,
was morgens sich bemerkbar macht als alles aufstehn soll um acht.
Nach schöner Fahrt ging man an Land an Gaddesandas Badestrand.
Doch ei, wo sind die Autos nur ? Das Landkommando sie verlur.

Am nächsten Tag genußvoll pullen sah strahlend man die Ruderbullen.
Die Fahrt verlief bar Plag und Sorg, die Pause war in Vänersborg.
Doch ernst war bald der Redefluß weil diskutieret werden muß,
was eigentlich tut Lust erzielen beim Tennis, Rudern, Fußballspielen.

In der Schleuse von Trollhättan hörte man den Dietrich wettern,
denn der Zweier machte Pause, Kakao- und Schneckenjause.
Außerdem war dann zum Schreck noch des Vierers Fahne weg,
und Michael, der ARphone, verteilte Kuchen mit Melone.

Lebhaft sei hier nun beklagt, daß der Kulturwart versagt;
denn wie schön ist die Kultur, finden muß man sie erst nur.
Und so kamen wie gerufen uns "Die 39 Stufen".
Danach besprach man ganz genau wann schön die Asiatenfrau.

Gemütlich war der Ruhetag, man lange in den Säcken lag,
bis dann erst tat zu Kraftstationen der Gang sich für die Penner lohnen,
und Klaus, zu unser aller Schrecken versteckte Gänge wollt entdecken.
Und für den Abend war so nah das Tanzlokal von Gransäda !

Endlich war dann Pornostunde - ein Lolli schnell in aller Munde -,
der Vorfilm vom Australiensegeln war besser als der Rest vom Kegeln.
Was also bot sich eher an als zu beweisen, welch ein Mann
in jedem ARVer steckt, auch wenn er schäbig Kleidung trägt?

Doch die Enttäuschung war unsäglich. Das Unternehmen endet kläglich.
Bevor den Damen beizuwohnen, solln wir berappen zwanzig Kronen.
Dies war zuviel für den Etat, manch einer fast den Tränen nah.
Nur Hemd und Schlips, die Luxusgüter erheiterten noch die Gemüter.

Erzählt hab ich von vielen Stätten, nur nicht vom Rheinfall von Trollhättan,
der selten nur und für Minuten läßt Männlein sich und Weiblein sputen.
Sie alle warten, tolerant, denn ihnen blieb es unbekannt,
daß Wasser nicht rauschet von den Mauern, wenn unten ARVer lauern.

Des selben Tages Hauptergebnis schien Dietrichs riesiges Erlebnis.
Und froh entfuhr es seinem Munde: "jetzt gibt es Troschkes Märchenstunde !"
weil er sich des Triumphs gewiß, der alle uns vom Hocker riß.
Doch jäh verstummt sein Mundkanal, als Wolfgang Abstimmung empfahl.

Ganz dicht am Wasser standen unsere Zelte, im Dorfe Hälje Röd gabs keinen Rauch,
selbst auf der Küche Boden schon der Regen wellte, und mancher Schlafsack näßte auch.
Doch durch die Männer geht ein dumpfes Raunen: Im Klub von Kung Älv kann ein jeder saunen !
Was zeigt, daß auch den harten Rudersmann nicht Herzenswärme nur beglücken kann.

Die Überfahrt war unerbaulich. Nur Dieterich verlebt beschaulich
die Nacht mit langen Plauscherein und schwärmt vom Schwedenmägdelein.
Doch nächsten tags, beim grauen Whiskykater, möcht nicht mehr sein er ihr des Rausches Vater.
Die schönste Schwedenmaid, das merke wohl, wird ruiniert von Dietrich und vom Alkohol.

Am Backbord kommt Laboe in Sicht nur einer merkt das alles nicht,
denn er liegt röchelnd unterm Tisch, schläft für die nächste Nacht sich frisch.
Wer pennen kann wie Michael muß jung sein noch und reiner Seel.
Oder ist es wirklich wahr, daß mit Kai er in der Bar ?

Dies war das Ende einer Fahrt, was echt bedauert von uns ward:
Hartmut, mit falschen Wettersagen, Abu, mit Bieresmangelklagen,
Ulli, der alle Neger liebt und Kai, bei dem es Nudeln gibt;
Hajo war da für die Furunkel, bei Gerd gab es kein Geldgemunkel.

Klaus (b), der glänzend kalt fourierte, wenn Dietrich nach Zigarren gierte,
Wolfgang, der stets den Rücken wärmt, und dann von harten Zeiten schwärmt;
erwähnen muß ich dann noch bloß uns Michael, den Fahrtenboß.
- Der Hörer hat genug geharrt, ein Hoch der Schweden-Wanderfahrt !

Wolfgang Kühnel

Gemeinsam mit dem dichtenden Verfasser dieser Zeilen heckte ich die Fahrt auf der Themse 1981 aus. Wir waren uns nämlich darüber einig geworden, daß das Mitführen von Begleitautos samt Gepäck auch lästig sein kann, und hatten deshalb beschlossen, es mal wieder wie in alten Zeiten mit dem Gepäck in den Booten zu versuchen.

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