Nach mehr als zwanzig Jahren fand ich ein paar Zettel wieder – das „Tagebuch“ der Themse-Wanderfahrt 1981 – deren einziger Vorzug darin besteht, daß sie damals wirklich auf der Wanderfahrt niedergeschrieben sind, inhaltlich sind sie dürftig und für jemanden, der nicht dabei war, so gut wie unverständlich. Ich versuche, mit Hilfe dessen, was im Gedächtnis geblieben ist, eine lesbare Schilderung daraus zu machen. Dabei lasse ich das tagebuchartige Zeitgerüst stehen, beginne aber schon mit der Vorgeschichte. Die fand nämlich in Schweden statt, auf der Schweden-Wanderfahrt des Jahres 1979.
Es hatte sich im ARV damals ein Wanderfahrtenstil ausgebreitet, der Begleitautos unentbehrlich zu machen schien und damit zur Plage werden ließ. Das zeigte sich an einem Tag in Schweden, an dem Wolfgang Kühnel und ich „Landdienst“ hatten und den lieben Tag lang mit höchstmöglicher Geschwindigkeit über schwedische Landstraßen am Vänersee brausten, ohne Zeit zu einer richtigen Pause, nur um gleichzeitig mit den Ruderern am verabredeten Ziel zu sein. Wer sich die Karte des Vänersees ansieht, mag ahnen, wie schnell man mit einem Boot dort von A nach B kommt und wie beschwerlich und zeitraubend es ist, das gleiche Ziel mit dem Auto zu erreichen. Wenn man dann noch weiß, daß die zum See führenden Wege meist „wassergebundene“ Schotterstraßen sind – nun, in der kurzen Pause, die wir uns gönnten, beschlossen wir, mal wieder eine Wanderfahrt ohne Begleitfahrzeuge zu machen, und zwar auf der Themse.
Die damals junge ARV-Generation, mit diesem Plan konfrontiert, reagierte mit der empörten Frage: das geht doch gar nicht, wie willst Du das denn machen, mit dem Gepäck ? Dann kam sie aber doch mit auf die Themse, jedenfalls in erklecklicher Zahl. Den Ältestenrat bildeten Wolfgang Kühnel, Schlemmi und ich, die wir damals schon über vierzig waren, also richtige „Alte Herren“. Dann kam das Trio Uwe Burmeister, Walter Hintz und Manfred Lüdtke, die später zu dritt den gereimten offiziellen Bericht im Jahresbericht 1981 - siehe weiter unten - verfaßten – es lohnt sich, ihn noch einmal nachzulesen – die beiden Möller-Zwillinge Fiete und Uwe und Bazi, unser Bayer.
Wir reisten getrennt an, waren aber am 19. Juli 1981 vormittags bis auf Wolfgang alle in Lechlade, dem Ausgangsort. Um 10.30 Uhr erschien dort auch der von Wolfgang engagierte Mr. Peter Bowley, in Engländer aus Oxford, mit den Booten. Was für eine Funktion er im Oxforder Rudersport hatte, habe ich nur dunkel in Erinnerung, aber an die Boote erinnere ich mich noch ganz gut. Es waren Riemenzweier, von den Engländern „tubs“ genannt, die in Oxford zur Ausbildung der Anfänger dienten. Ein Nachteil war, daß die beiden Ruderer möglichst einigermaßen gleich stark sein und recht konzentriert rudern mußten, sonst wäre das Boot kaum steuerbar gewesen, ein Vorteil, daß man endlos viel Gepäck darin stauen konnte. Mittags aßen wir Bohnensuppe und um ca. 14.00 Uhr ruderten wir dann in den drei „tubs“ los (mein Oxford Dictionary bietet dafür die Erklärung „slow clumsy ship“ an) bis zum Shifford Lock, wo wir einen Platz zum Zelten fanden. Nun hatten wir noch nicht eingekauft, beschlossen also, abends essen zu gehen und machten uns auf den Marsch nach Newbridge, das schien der nächste Ort zu sein, wo wir ein Restaurant zu finden hofften. Mangels Ortskunde und um uns in der hereinbrechenden Dunkelheit nicht zu verirren, gingen wir am Fluß entlang, was nicht immer einfach war. So kamen wir auch nach Newbridge und wieder zurück, vorbei an zwei reizenden, am Fluß gelegenen Restaurants „May Bush“ und „Rose Revived“, die aber schon geschlossen hatten. In der einzigen noch geöffneten Kneipe gab es ebenfalls kein Essen, und da es inzwischen nach 22.30 Uhr war, auch „no intoxicated drinks“. Aus Gnade und Barmherzigkeit schenkte uns der Wirt eine Cola aus, dann schlichen wir ins Zelt zurück und futterten die Reste der deutschen Haferflocken, um nicht nachts durch das Knurren der Mägen geweckt zu werden.
Am 20. Juli 1981 hatten wir aber schon begriffen, daß wir uns den Landessitten anpassen mußten. Wir ruderten um ca. 11 Uhr los und nahmen ein recht gepflegtes Mittagessen in der „Rose Revived“ ein, die wir auf dem Fluß schnell erreicht hatten. Danach waren allerdings alle Kneipen am Wege „closed“, aber das focht uns nun nicht mehr allzusehr an, wir erreichten abends das Bootshaus des „City of Oxford Rowing Club“, wo wir nächtigen konnten, und fanden auch noch einen geöffneten Pub.
Am 21. Juli 1981 legten wir einen Ruhetag in Oxford ein und nutzten ihn zu einer Fahrt nach Blenheim Castle, dem grandiosen Schloß der Herzöge von Marlborough, in dem – eher zufällig – Winston Churchill geboren wurde. Er gehörte zwar zur Familie Marlborough, aber seine Mutter war dort nur auf Verwandtenbesuch, als der kleine Winston zur Welt kam. Schlemmi hatte sich bestens präpariert und bereicherte unsere Geschichtskenntnis. Abends machten wir dann in Völkerverständigung und unterhielten uns mit Mr. Wood, dem Barkeeper in der Bar des City of Oxford Rowing Club, der von einem Besäufnis in Kiel schwärmte, als er hörte, daß unser Club in dieser Stadt beheimatet war.
Am 22. Juli 1981 ruderten wir nach Abingdon – der dortige „Abingdon Town Rowing Club“ macht einen recht bescheidenen Eindruck. Aber Sarah, eine nette junge Engländerin, rettet die Ehre des Clubs und sorgt für Quartier und angenehme Unterhaltung am Abend.
Am 23. Juli 1981 machten wir dann mal wieder einen Ruhetag in Abingdon, eigentlich aber in Oxford, denn Abingdon bietet nicht allzuviel. Eine Führung durch Mrs. Wagner aus Traunstein war sehr eindrucksvoll, auch habe ich die Teatime im Bookshop in angenehmer Erinnerung – diese Kombination von Teetrinken und Bücherverkaufen war damals in Deutschland noch nicht so verbreitet. Abends gingen wir wieder in einen Pub.
Am 24. Juli 1981 ruderten wir dann bis Wallingford. Der dortige Wallingford Rowing Club bereitete uns zwar einen durchaus freundlichen Empfang, aber das Zelten auf dem Gelände des Clubs wäre wenig einladend, um nicht zu sagen fast unmöglich gewesen. Ein handtuchartig schmaler Weg zum Bootssteg stand dafür zur Verfügung, sonst nichts. Aber nebenan - englischer Rasen, wie er schöner und gepflegter nicht sein kann. Er gehörte einer Einrichtung für Behinderte, die aber gerade in Urlaub gefahren waren. Das verschaffte uns die Erlaubnis, auf diesem herrlichen Rasen zu zelten. Abends gingen wir in die Bar des Clubs.
Am 25. Juli 1981 ruderten wir bis Mapledurham Lock, zelteten dort auf einer Wiese und veranstalteten ganz unter uns eine Grillfête mit Tee und Rum. Dann war, am 26. Juli 1981 (endlich) mal wieder ein Ruhetag bei Mapledurham Lock, den wir zu einer Wanderung nach Reading nutzten.
Am 27. Juli 1981 ruderten wir von Mapledurham Lock über Reading nach Henley, um dort auf dem Rasen von Leanders Rowing Club zu zelten. Kühnel und Schlemmi fallen vorübergehend durch Krankheit aus, sie hatten es nicht vertragen, daß ich den Salat mit Themsewasser gewaschen hatte. Daß die Themse Trinkwasser führt, ganz London trinkt es, darf man offenbar nicht zu wörtlich nehmen. Trotzdem konnten wir am 28. Juli 1981 Henley verlassen - die Regattastrecke ruderten wir, ohne Zeit zu nehmen – und bis Maidenhead rudern. Dort wurden wir im Maidenhead Rowing Club neben dem Riviera-Hotel und einer Brücke außerordentlich freundlich aufgenommen.
Am 29. Juli 1981 ruderten wir von Maidenhead zunächst nach Eton. Dort legten wir am Steg des Eton College an und wurden von den dortigen Ruderern des Eton–Excelsior-Rowing-Club eingeladen, mit ihnen ein Bier zu trinken und die Hochzeit von Charles und Diana am Bildschirm zu verfolgen. Dann ruderten wir weiter bis zu einem Club unterhalb von Windsor, von dem ich nur den Scherznamen „Sniff and Cunting Club“ notiert habe, ich glaube, er hieß richtig: „Skiff and Punting Club“. Wir wurden dort nett empfangen, auch zu einem Bier eingeladen, aber für die Nacht gab es nur das Angebot, im Freien zu nächtigen, was wir dankend ablehnten. Wir ruderten noch ein Stückchen weiter bis Staines. Dort war aus Anlaß des großen Tages ein Fest, bei dem ein ganzes Schwein gegrillt werden sollte, es versprach, ein lautes Fest bis in die Nacht zu werden. Wir konnten uns aber auf dem Gelände etwas abseits halten und verzehrten unsere in Henley eingekauften Koteletts. Die Leute von Staines mögen erstklassige Ruderer sein, aber ein ganzes Schwein am Spieß braten können sie nicht. Wir sahen dem Versuch etwas mitleidig zu und beteiligten uns am Verzehr der halb rohen, halb verkohlten abgesäbelten Fleischstücke nicht, was uns als Arroganz und Xenophobie ausgelegt wurde, sei's drum.
Am 30. Juli 1981 machten wir einen Ruhetag, aber nicht in Staines, denn von dort vermeldet das Tagebuch: „Schwein stinkt in der Asche“. Wir machten also einen Ausflug nach Windsor und besichtigten das Schloß und das Eton-College. Abends waren wir beim Ruderclub unter uns und veranstalteten für alle Fälle schon mal ein Abschiedsessen.
Immerhin mußten wir am 31. Juli 1981 noch von Staines bis Twickenham rudern, wir wurden im dortigen Ruderclub – auf einer Insel - sehr freundlich aufgenommen. Am Abend gab es einen wirklich sehr bösen Regen, so daß die nächste Kneipe nur unter Opfern erreichbar war. Die Mehrheit zog es vor, im etwas stickigen Ruderclub bei geschlossenen Fenstern zu schlafen, während ich mit einigem Erfolg die Regendichtigkeit des geliehenen Zelts ausprobierte.
Am 1. August 1981 ruderten wir dann von Twickenham bis Putney zum Thames Rowing Club, kurz nach unserem Eintreffen erscheint Peter Bowley, wie von einem Geist gerufen, um die Boote abzuholen und nach Oxford zurückzubringen, die Fahrt ist beendet. Wir schlossen noch ein oder zwei Tage London an, davon ist mir im Gedächtnis geblieben: der Buckingham Palace mit der Wachablösung. Das Londoner Englisch erschien mir furchtbar und kaum verständlich. Vor dem Buckingham Palace kam ich endlich mit einem Menschen ins Gespräch, mit dem ein vernünftiges Gespräch auf Englisch möglich war. Es stellte sich heraus, daß es ein amerikanischer Offizier war, der nach längerem Aufenthalt in Nürnberg in die Staaten zurückreiste und in London Station machte. Westminster Abbey, den Trafalgar Square, St. Paul's und Harrod's habe ich auch gesehen, aber nicht so viel davon behalten. Auch den Hyde Park habe ich nur in schwacher Erinnerung. Eine Ausstellung „Picasso's Picassos“ (die Werke, die er nicht verkaufte, sondern behielt bis zu seinem Tode) beeindruckte mich sehr, wenn damit auch schon das typisch Englische verlassen wird.
Auf der Heimfahrt mit der Fähre nach Hamburg kam ich mit einem Engländer ins Gespräch, der sich in Hamburg aufhalten wollte, um besser Deutsch zu lernen. Etwas, sagte er auf meine insistierende frage, habe er schon gelernt. Auf meinen Vorschlag, gleich unterwegs anzufangen und mit mir Deutsch zu reden, mochte er aber nicht eingehen. So sind die Engländer.
Hier folgt nun das Werk des dreiköpfigen Dichterkollegiums:
THEMSE - WANDERFAHRT 1981
Von Kiel aus ging die Reise los, gepackt seit langem
Hemd und Hos'.
Der Walter schwitzte noch beim Prof und Bazi sorgte noch für "Stoff";
Der Manfred stöhnt beim Seesack-Schleppen und Uwe nerven die Auto-Deppen.
Der
Zug am Bahnhof steht bereit nun wird es aber höchste Zeit !
Endlich ist es dann geschafft, 13 Uhr 5 - Klausur
gerafft,
Dem Assi auf den Tisch geschmissen, dazu ein kleiner Witz gerissen,
Dann schnell in's Auto, hopp, hopp, hopp, der Uwe faßt sich an den Kopp
Schnell
durch die Stadt, mit sehr viel Mut, für 15 Punkte in Flensburg war's gut !
Die Zugtür knallt, der Schaffner pfeift, ein jeder
zu seiner Bierdose greift.
Es sollte nicht bei einer bleiben irgendwie mußten
wir ja die Zeit vertreiben !
Nach Holland geht's, dann auf die Fähre, dem "Channel"
geben wir die Ehre;
Wir brausten vorbei an der Bäume Rinden bis wir - auf Schienen
- kamen nach Swindon.
"Fish and Chips" ist unser Essen, der Gaumen urteilt:
schnell vergessen !
Zwei Stunden wir saßen den Hintern lahm bis schließlich der
Bus nach Lechlade kam.
Die Möller-Brothers haben auf uns schon geharrt, bald
gab es Eintopf nach ARVer-Art.
Gerd und Schlemmi kamen hinzu, nur Wolfgang Kühnel
gab vorerst noch Ruh'.
Am nächsten Tag, da ging's nun los, die Stimmung war
schon riesengroß;
Die Boote schnell zu Wasser kamen und hatten bald auch ihre
Namen:
Daisy, Donald, Dagobert, so wollten wir sie nennen,
und an der Farbe
der Ausleger war'n sie zu erkennen.
Viel Gepäck wurde nun verstaut, die Boote haben's
gut verdaut.
Drei Mann je Kahn, hieß nun das Wort, und zügig ging's aus Lechlade
fort.
Die Themse war recht kurvig hier und links wie rechts stand viel Getier,
Besonders Kühe mit langen Haaren sie wären wohl gern mitgefahren !
Die erste Schleuse kam in Sicht, die Ruderer, die
focht das nicht.
Doch Bazi, unser Steuermann, der fing nun gleich zu schreien
an:
"Dort geht's nicht weiter, alles halt, ich glaub' ich steh' im Bayernwald
!
Was soll ich denn jetzt machen nur ?!?" die Ruderer, die blieben stur.
Doch dann unser Bayer wurd' aufgeklärt, mit Schwung
er in das "lock" einfährt,
Wo würdig und in Stein geschlagen Flußgott "Isis"
dort liegt, mit großem Behagen.
Er herrscht über der Themse ganzes Stück und
wünscht uns - laut Inschrift - auch viel Glück !
Das Tor, es öffnet, wir konnten
weiter die Themse hinunter, immer heiter.
Die erste Etappe ist geschafft, am "Shifford-lock"
wird haltgemacht.
Der "keeper" lädt uns freundlich ein zum Zelten auf einer Wiese
- fein !
Flugs werden die Zelte aufgebaut und dann nach dem Proviant geschaut:
Da fiel vor Schreck das Kinn uns hinab wir hatten noch keinen, also auf in den Pub !
Der Weg sei einfach, wurde gesagt, wir haben uns mit
der Karte geplagt:
Ein großer Bogen wurd' gegangen, bald wir dort an 'ne Furt
gelangen.
Dann ging es weiter an dem Fluß, der Pub doch nun bald kommen muß
Die Wiese noch, dann noch ein Acker trotz Hunger hielten wir uns wacker.
Es wurde neun, es wurde zehn, und immer schwerer fiel
das Geh'n;
Und da es auch schon dunkel war übersah man leicht ein Kuhfladen-Paar:
Die Hosen sah'n entsprechend aus, da machten wir uns nun auch nichts mehr d'raus.
Da plötzlich ein Lichtschein am Ende der Welt, es war das Gasthaus, noch freundlich
erhellt !
"Neun Bier", so schallte es durch den Raum, wir trauten
unser'n Ohren kaum:
Der Wirt, sonst freundlich von Gesicht, er gönnte uns uns're
Biere nicht.
"Sperrstunde ist", erklärte er dann, ein Zittern durchlief den Rudersmann
Mit Cola wurden wir abgespiesen, so etwas kann schon den Tag vermiesen !
Und auf dem Rückweg, um's kurz zu machen, auch da
gab es nicht viel zu lachen.
Wir suchten einen neuen Pfad, der sich auch fand,
welch' große Tat !
Wir mußten über Zäune klettern, gar manchen hörte man schon
wettern.
Doch irgendwann, zu später Stunde, fand man dann doch der Zelte Runde.
Am Morgen nach Newbridge wir ließen uns treiben um
uns im Pub etwas einzuverleiben.
Frisch gestärkt ging es von dort nun um so schneller
nach Ochsenford
Bei schönster Sonne, die schien uns auch am nächsten Tag noch
auf den Bauch,
Da gingen wir auf "Sight-Seeing-Tour" verbunden mit ein wenig
Kultur !
Ruderclubs gibt es dort in Massen, doch auch der Rest
kann sich sehen lassen:
Ehrwürdige Colleges, schmuck renoviert, haben uns mächtig
imponiert;
Eine weibliche "guide" hat uns erklärt wie sorgsam man dort mit Studenten
verfährt.
Danach ging's in's Kino oder Ballett die anderen verzogen sich früher
ins Bett.
Auf der nächsten Etappe es goß wie aus Kübeln, wir
wollten es Petrus schon fast verübeln,
Bis schließlich wir eine Brücke fanden
unter der wir wesentlich trockener standen.
Die einen am Ufer, die anderen auf'm
Pfeiler, der Rum wärmte uns auf fast wie ein Meiler !
Ein Boot diente als Fähre
für die Stullen, die die einen zu den ander'n pullen.
Am Abend dann, wir stiegen aus, in Abingdon, am Ruderhaus.
Das Clubhaus war nur klein und schlicht, doch Sarahs wegen störte das nicht.
Später - in der Stadt - machten wir Brass-rubbing-Bilder, als Souvenir.
Auch
Blenheim-Castle war einen Abstecher wert, erzählten bei ihrer Rückkehr Schlemmi
und Gerd.
Beim Spastikerheim in Wallingford war Englischer Rasen
der Camping-Ort.
Am nächsten Morgen auf dem Steg standen uns ein Paar Schuhe
im Weg.
Ordentliche ARVer luden sie in's Boot und brachten so einen Opa in Not;
Der ruderte fröhlich in seinem Skiff weil er das Malheur noch nicht begriff !
Kurz vor Reading, an idyllischer Schleuse bauten wir
auf die Zeltgehäuse.
Die einen sangen, der Bazi grillte, womit er unser'n Hunger
stillte.
Den Salat hat Gerd in der Themse gewässert, das hat ihn leider nicht
verbessert.....-
Ein Sonnenbad ist uns gut bekommen, d'rum sind wir quer durch
die Themse geschwommen.
In Henley, beim "Leander"-verein, da schauten wir
als nächstes 'rein.
Dort ging es zweien ziemlich schlecht weil sich der Magen
für den Salat gerächt !
Die haben in die Klos gebrochen, die aus Marmor waren,
doch erbärmlich rochen !
Das Labskaus-Essen war trotzdem ein Fest, doch gab der
"garlik" den Kranken den Rest.
Die nächsten Meilen wir ruderten -wett fast bis ganz
hin nach Maidenhead.
Hier stiegen wir ab im rowing-club wo es fast zuging wie
in -nem Pub.
Warmes Bier floß hier in Strömen, allein der Preis konnte uns versöhnen !
Bald betteten wir uns auf knarrenden Dielen um uns dann wohlig im Schlafsack zu
wühlen.
Am Tag darauf war'n wir dabei beim "Royal Wedding"
von Prince Charles und Di.
Im Eaton-College-Ruderverein legten wir eine TV-Pause
ein;
Der feierlichen Messe durften wir lauschen und hörten im Hintergrund die
Themse rauschen.
Selbst im allerkleinsten Nest riefen die Leute: "The couple
be blessed !"
In Staines zum Beispiel, für die feiernden Massen
mußte ein Spanferkel sein Leben lassen;
Doch hatten wir eigene Kotelettes dabei,
d'rum war uns dies Schwein einerlei !
Am nächsten Tag drückten wir der Queen
die Hand, die sich aber gar nicht in Windsor befand.
Recht nobel fanden wir ihr
altes Gemäuer wär' nur der Eintritt nicht so teuer !
Der folgende Tag ist schnell abgehandelt: das Wetter
hatte sich zum Schlechten gewandelt;
Wir waren durchnäßt bis auf die Knochen,
das war das erste Mal, seit Wochen !
"Reis mit Scheiße" quoll auf im Magen, das
gab Blähungen, kann ich Euch sagen !
Mit Amerikanerinnen trieben wir ... Konversation
abends im Pub, das war's auch schon !
Nun kam unser letzter Rudertag, wir pullten voran,
mit zügigem Schlag.
Doch mittags dann, ab dem "half-tide-lock", kam die Flut
uns entgegen, welch ein Schock !
London erreichten wir mit letzter Kraft, lechzend
nach kühlem Gerstensaft.
Und zwischen Treibholz und noch schlimmeren Dingen sah
man Gepäck uns an's Ufer bringen !
Mr. Bowley wartete dort mit dem Wagen um unsere
Boote aufzuladen.
Duschen, Rasieren, Landfein-machen, nur schnell hinein in die
sauberen Sachen.
Dann nichts wie hin zur "underground", die braust in die City,
mit sattem Sound.
Dort sehen wir uns 'erst einmal satt, woran ? - das steht auf
'nem anderen Blatt !
Zwei Tage hielt uns die Metropole, ließ uns verprassen
die letzte *Kohle":
Flohmarkt besuchen, London Bridge sehen, bei Sonnenschein
die Parks begehen,
Buckingham Palace, Big Ben besichtigen, mit Hamburgern den
Magen beschwichtigen;
Auf Englischem Rasen das Ganze verdauen und Pläne für den
nächsten Tag bauen !
Die Mannschaft löst sich nun langsam auf, das ist
der Wanderfahrten Lauf:
Wolfgang, unser "Heißer Feger", sitzt bereits im Düsenjäger;
Uwe und Fiete holen ihre Kutsch' und fahren durch in einem Rutsch;
Die anderen,
in Zug und Fähre, eilen nach Hause, über Schienen und Meere.
Wir danken Dir, Gerd, für diese Fahrt, die nach der
guten alten Art
Ohne Autos ging vonstatten, weil wir alles in den Booten hatten !
Zwar knauserte Walter mit dem Geld, doch hat es uns an nichts gefehlt
Die, die
wir hier dichten, wir drei, auf Deiner nächsten Fahrt sind wir dabei !
Zwei Nächte saßen wir nun und reimten, jetzt gehören
wir zu den Dichtern, den abgefeimten.
Viel "Flensburger" durch die Kehlen rann,
nichts stoppte unser'n Tatendrang !
Die nächste Wanderfahrt ist schon nah, ihr
gelte unser "hui, hui, heura" !
Auf den Tisch den Bleistift, den spitzen, knallt
er es grüßen Uwe, Manfred und Walter.
Uwe Burmeister Walter Hintz Manfred Lüdtke
Dem Vorsatz, das Gepäck in den Booten zu befördern, blieben wir auf der
treu.