Waldeckische Landeszeitung vom 30.07.2001
18. Edersee-Triathlon: Wingenfeld und Tänzler
siegen
Im Glutofen Waldeck legt
Schneider seine Wut in den Berg
von Gerhard Menkel
WALDECK.
Unterwegs auf dem Fahrrad dachte Sascha Wingenfeld daran, einfach
aufzuhören. Irgendwo auf den langen, bergigen 46 km schien sein
Körper der Belastung nicht länger Stand zu halten. "Es war
einfach zu heiß", erzählte er. Die brütende Hitze führte
beim 18. Waldecker Edersee-Triathlon am Samstag nicht nur den späteren
Sieger ans körperliche Limit. Radeln im Glutofen, Laufen wie in
einer Sauna, das ließ nicht wenige der rund 250 Teilnehmer einen
Punkt erreichen, an dem man es einfach nur noch sein lassen möchte.
Vor allem im hinteren Feld wurde das bloße Ankommen zur
Herausforderung.
Sascha Wingenfeld ist als Erster angekommen. Der 24 Jahre alte
Fuldaer im Dress des Tus Griesheim holte sich in Waldeck den
Hessentitel in der so genannten Eliteklasse. In der Zeit von 2:16:30
Stunden legte er auch gleich die schnellste Zeit aller Starter überhaupt
vor. Auch bei den Frauen gewann die Hessenmeisterin Stefanie Tänzler
in 2:41:02 ebenfalls die Gesamtwertung. Und auch sie startet für
den Darmstädter Vorortclub.
Im Ziel genoss Wingenfeld leise seinen Triumph. Der
Titelverteidiger hatte den angekündigten Angriff seiner jüngeren
vereinsinternen Rivalen Horst Reichel und Nico Hass abgewehrt,
obwohl er das Training derzeit ein wenig hintanstellen muss, weil
er an seiner Diplomarbeit sitzt. Nach den 1500 m Schwimmen war
der Student erst als Fünfter aufs Rad gewechselt. Vor der
letzten Disziplin, dem Lauf über 10 km, war sein Rückstand auf
die Führenden weiter gewachsen.
Aber Wingenfeld dachte jetzt nicht mehr ans Aufgeben, sondern ans
Gewinnen. Ungefähr bei Kilometer sechs überholte er seine
Teamgefährten, mit denen zusammen er Bundesliga-Wettkämpfe
bestreitet. Im Ziel am Waldecker Marktplatz trennten ihn von
Reichel 55 Sekunden, Hass lag weitere 72 Sekunden zurück. Drei
Griesheimer vorn da wurden die "Hessischen" zur
offenen Vereinsmeisterschaft.Ärger um Neoprenverbot
Es war gut nicht nur für Sascha Wingenfeld, dass er zu Fuß
unterwegs im freien Waldecker Feld keine Durstrecke erlebte.
"Ich hatte Angst, dass es zu wenig Wasserstände geben könne",
erzählte er. Die Triathlonsparte des TV Waldeck hatte klug
vorgesorgt und drei zusätzliche Verpflegungsstellen
eingerichtet, an jedem Lauf-Kilometer eine. Und sie hatte außerdem
zwei Duschen aufgebaut. "Die Verpflegung war wirklich in
Ordnung", sagte Wingenfeld. "Die Verpflegung war top",
meinte auch Stefanie Tänzler.
Ein Maßstab für die Qualiät der Veranstaltung war vielleicht
auch, dass keiner der Teilnehmer unterwegs richtig schlapp machte.
Insgesamt blieb es bei kleineren Unfällen und leichten
Blessuren, wie der Eintracht-Vorsitzende Bruno Arlt berichtete.
Als ärgerlich empfand Sascha Wingenfeld das Verbot von Neopren-Anzügen.
Die Kampfrichter beriefen sich bei dieser Entscheidung auf die
Sportordnung der Deutschen Triathlon-Union. Diese untersagt die
"zweite Haut" bei Rennen der Elite, wenn die
Schwimmstrecke nicht mehr als 1500 m lang ist und die
Wassertemperatur mindestens 20 Grad erreicht. Neoprenanzüge
bringen ein paar Minuten, weil man damit besser auf dem Wasser
liegt besonders für die, die etwas schwächer schwimmen.
Wingenfeld tat das Verbot letztlich nicht weh. Peter Schneider
dagegen schon. Der 29-Jährige vom SV Reddighausen zählt im
Wasser nicht zu den Schnellsten. Er war ziemlich wütend und
nannte die Entscheidung der Jury "nicht plausibel".
Tatsächlich durften die Triathleten der offenen Wertung ihre Anzüge
überstreifen. Darunter befanden sich Konkurrenten Schneiders für
das Klassement des Nordhessen-Cups. Uwe Schmidt vom Tus Fritzlar
etwa. Er war als Zweiter in der offenen Klasse gut zwei Minuten
schneller als Schneider. Der büßte auf der Schwimmstrecke im
Vergleich zum Vorjahr fast sieben Minuten ein.
Schneider sagte, wenn er von dem Verbot vorher gewusst hätte, hätte
er für die "Hessischen" nicht gemeldet. Die Titelkämpfe
hätten ihn ohnehin ziemlich kalt gelassen Peter Schneider
wollte vor allem seine Würde als "Bergkönig"
verteidigen. Sie wird am Edersee dem Radfahrer verliehen, der die
1,4 km lange 14-Prozent-Steigung vom Edersee hinauf nach Waldeck
am schnellsten hochklettert. Schneider schlug sie wieder alle. In
4:35 Minuten war er noch einmal zehn Sekunden weniger unterwegs
als bei seiner Rekordfahrt im Vorjahr. "Da habe ich alles
reingelegt, was ging", sagte er.
Vor einem Jahr war Schneider mit 100 Mark und einem
Essensgutschein für eine Person belohnt worden. Den Gutschein
hat er noch nicht eingelöst, weil er in diesem Jahr auf einen
zweiten für seine Freundin hoffte. Die Rechnung ist nicht
aufgegangen. Den Bergpreis sponserte diesmal ein Heizungsbauer.
Schneider belegte bei den Hessenmeisterschaften den neunten Platz
in 2:26:49 Stunden. Der zweite heimische Triathlet in dieser
Wertung, Klaus Wenzel vom TSV Schmillinghausen (Altersklasse TM40),
wurde in 2:44,46 Stunden Gesamt-17. Rund eine Viertelstunde
schneller unterwegs war Nils Herzog von den Trianhas des VfL Bad
Arolsen. Er bilanzierte als bester Waldecker der offenen Wertung
in 2:30:11 Stunden einen stolzen zehnten Rang unter 169
Platzierten.Tamara Reitz Dritte
Einen Platz auf dem Siegerpodest erreichte Tamara Reitz bei den
"Hessischen" der Frauen. Die 20-Jährige vom SV
Reddighausen empfand den Wettkampf als "ein bisschen besser
als am Twistesee", wo sie eingebrochen war. Sie holte sich
in 2:54:49 Stunden Platz drei mit einem Rückstand von 13:47
Minuten auf die gleichaltrige Siegerin Stefanie Tänzler, die
seit Jahren auf der olympischen Distanz in Hessen in ihrer
Altersklasse den Ton angibt.
Allerdings bewarben sich nur vier Frauen um den Titel. Diese
kleine Zahl bezeichnet laut Dieter Bremer, Sprecher in Waldeck
und ehemaliger Geschäftsführer des Hessischen Triathlon-Verbandes,
einen allgemeinen Trend. "Bei den Meisterschaften gehen nur
noch Leute an den Start, die sich auch eine realistische Chance
ausrechnen", sagte er. Deshalb ist der dritte Platz von
Tamara Reitz durchaus hoch anzurechnen.