Waldeckische Landeszeitung vom 17. Juli 2006:

Volkstriathlon am Edersee: Clara Bitter abermals vorn - Jan-Eike Kistner geschlagen

Ein Spielverderber aus Venezuela
WALDECK (mn). Jan-Eike Kistner stand im Ziel, er hatte den Einteiler auf Hüfthöhe heruntergerollt und er war nicht glücklich. Mimik, Augen, die ganze Körperhaltung verrieten es. Jan-Eike Kistner war gerade beim Edersee-Volkstriathlon in Waldeck Zweiter geworden. Diese Platzierung erreichen die meisten nie, aber der 17 Jahre alte Odershäuser hatte mehr gewollt und mehr erwartet. Den Sieg. Da kann Vize-sein zu einer herben Enttäuschung werden.
Spielverderber war ein 15 Jahre alter Schlacks. Carlos Fischer aus der Anden-Stadt Merida in Venezuela, zu Gast bei den Großeltern in Münster/Westfalen und auf der Suche nach einer Startmöglichkeit in Waldeck fündig gefunden. In einer Gesamtzeit von 1:03:25,30 Stunde schnappte er dem Lokalmatador mit einem Vorsprung von fast genau 30 Sekunden den ersten Platz weg. "Das ist so ärgerlich", sagte der Unterlegene. Er schien es zunächst gar nicht fassen zu können.Man kann diese Enttäuschung verstehen. Vor einem Jahr war Jan-Eike Kistner hinter seinem älteren Bad Wildunger Rivalen Patrick Lange auch Zweiter geworden. Lange ist zur olympischen Distanz gewechselt, und nun schien der Weg frei. "Ich dachte, ich könnte heute gewinnen", sagte Jan-Eike.Der für CJD Oberurff startende Odershäuser war nach 750 m als Erster aus dem Wasser geklettert, und nach der 20 km langen Radstrecke saß er eingangs des Waldecker Sportplatzes ebenfalls als Erster ab. Eine Niederlage war kein Thema. Das änderte sich bald.Carlos Fischer lief bärenstark, am Wendepunkt überholte er den bis dahin führenden Kistner, nach 5 km wurde er in 17:50 Minuten gestoppt - die schnellste Zeit und auch ohne zwei andere Disziplinen in den Beinen eine Klasseleistung. Mehr als anderthalb Minuten langsamer war der hessische Kaderathlet, der in 19:21 gleichwohl als Zweitbester dieser Teildisziplin abschnitt. "Er ist einfach schneller gelaufen, da kann man nichts machen", sagte Jan-Eike Kistner. Er nimmt jetzt die deutschen Jugendmeisterschaften in Kiel ins Visier und will in fünf Wochen auch am Twistesee den Volkstriathlon bestreiten.Gut möglich, dass der Wildunger Fachoberschüler in Arolsen das Siegerpärchen gemeinsam mit Clara Bitter bildet. Die 25-Jährige aus Langen hat am Samstag zum vierten Mal hintereinander den Volkstriathlon am Edersee gewonnen, weiter nördlich will sie am 19. August einen Hattrick vollenden. Clara Bitter ist erklärter Fan beider Triathlon-Wettkämpfe. "Einfach schön", finde sie die Strecken, die Organisation, das ganze Drumherum, und irgendwie hat sie hier wie dort schon ein Heimspiel.Warum sie seit Jahren die Sprints an den beiden Stauseen dominiert? "Ich bin wahrscheinlich deshalb so schnell, weil ich immer alles schnell machen muss", lächelte sie: 60, 70 Stunden pro Wochen (als kaufmännische Angestellte) arbeiten, nebenbei studieren und trainieren - Clara Bitter ist eine eilige Frau. Und sie mag nur die kurzen Triathlons, am liebsten den Sprint. "Der ist noch ein bisschen knackiger als die olympische Distanz", sagte sie. Am Samstag konnte dieser zierlichen Athletin keine andere das Wasser reichen. In 1:11:51,40 Stunde ließ sie die zweitplatzierte Melanie Röder vom TSV Heiligenrode um mehr als sieben Minuten hinter sich.Clara Bitter sagt von sich, dass sie eine Hobbytriathletin sei. Wegen Trainingsaufwand und so. Für diese Klientel und für die Einsteiger ist der Volkstriathlon (eigentlich) gedacht. Auch am Samstag hat sich der ein oder andere erstmals in die Riege der Dreikämpfer eingereiht. Daniel Hankel zum Beispiel. Der 18-jährige Waldecker ist Mitglied der Triathlonsparte des TSV Eintracht, war aber immer nur ein laufendes. Bis Samstag. "Irgendwie hat mich Triathlon fasziniert", erzählte er. Jetzt ist die Faszination eine körperliche Erfahrung, und zwar eine ziemlich anstrengende. Zwar habe er besser schwimmen können als gedacht, berichtete Daniel, doch dafür bekam er unerwartete Schwierigkeiten beim Wechsel vom Radfahren zum Laufen: "Da ging gar nichts mehr." Für seinen ersten Triathlon benötigte er 1:31:50,30 Stunde und belegte den 54. Platz. Aber das spielte nun wirklich kaum eine Rolle.

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