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Auf Mutti

 

Wir sind im Dezember 1998 zum ersten Mal auf die Insel gefahren, damals kamen mehrere Zufälle zusammen, so daß es sich letztendlich einfach so ergab. Den ersten Tag fremdelten wir noch etwas (dieses “Mein-Gott-was-such-ich-eigentlich-hier”-Gefühl im Angesicht der Schlackefelder), aber mit den Rädern unterm Hintern war dann bald alles schon viel besser.

Recht bald lernten wir die Bodega El Chupadero in der Nähe von Uga kennen, sie ist ein idealer Platz, um nach einer Fahrt durch die Feuerberge auszuruhen, einen Wein zu trinken und einen Salat zu essen. Als wir ankamen, standen schon zwei Räder an der Mauer und man begrüßte sich natürlich und das Hallo wurde ziemlich groß, als sich herausstellte, daß Ingo und Uli aus Bielefeld kamen und eine ihrer heimischen Radtouren praktisch an dem Haus am Rand vom Teutoburger Wald vorbeiführt, in dem wir 5 Jahre lang gewohnt hatten. Das war ja schon mal ein Grund für den guten Wein zu trinken, um das mal so zu sagen.

Es wurde schon langsam dunkel, als Gabi mich daran erinnerte, daß ich noch meine Mutter anrufen müßte, die heute Geburtstag hatte. Das hätte sie man lieber nicht gesagt. Es war doch ziemlich klar, daß wir “Auf Mutti” erst einmal eine Karaffe zu leeren hätten. Und was ist schon eine Karaffe! Eben! “Auf Mutti”! Wer zahlt die nächste? Alles klar, und wieder “Auf Mutti”. Na ja, ich brauch nicht weiterzuschreiben, die Richtung, die der Zug nahm, ist klar: wir waren ziemlich schnell breit wie die Ottern! Und immer wieder “Auf Mutti”!

So endete der Abend mit einem veritablen Rausch. Ingo und Uli (mit denen wir uns noch ein paar mal trafen) wachten am nächsten Morgen zwar in ihrem Zimmer in Puerte del Carmen auf, wußten aber nicht mehr wie sie dahin gekommen sind. Ich selbst hatte Gott sei Dank noch eine nüchterne Fahrerin, aber bei dem Versuch, den Magen zu entleeren, wurde der Klodeckel unseres Hotelzimmers mit einer künstlerisch weniger wertvollen Gravur verätzt.

Alles in allem war das Ganze ein rechter Unfug - wie jedes Gelage. Aber - Spaß gemacht hats und wenn wir im Chupadero sitzen und anstoßen, heißt es immer nur “Auf Mutti”.

 

Verfasser: gerd aus dem Rhein-Lahn-Kreis,
e-Mail:
contact@lanzarote-landschaften.de
HP:
www.lanzarote-landschaften.de
Jahr: 1998