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Ludwig
II. —
und
"seine" Modelleisenbahn?
Der bayerische Märchenkönig
Ludwig II. und seine Schlösser Herrenchiemsee, Hohenschwangau und
das berühmteste - Neuschwanstein - sind zusammengehörige Begriffe,
die wohl jeder kennt. Sogar König Ludwig II. und die Eisenbahn bilden
ein Begriffspaar, wenn man an seinen Salonwagenzug mit dem noch erhaltenen
Königswagen denkt. Das Original dieses Königswagens ist im DB-Museum
im Verkehrsmuseum in Nürnberg zu besichtigen. Im H0- Maßstab
hatten vor einigen Jahren zuerst die Firma Brawa eine Kleinserie aufgelegt,
gefolgt von den Großserienmodellen von Märklin/Trix. Angekündigt
ist unterdessen von Märklin die Realisierung des kompletten Königszuges
— Lok Tristan mit den typischen königsblauen Wagen — im Maßstab
1:32, also Spur 1. Sicherlich ein Objekt so mancher Sammler-Begierde!
Doch weiter mit Ludwig II.,
seinen Schlössern und der Eisenbahn. Eigentlich würde man erwarten,
dass Ludwig II. dafür Sorge getragen habe, nun mit seinem feudalen
Königszug möglichst bequem zu seinen Schlössern fahren zu
können. Der bekanntermaßen menschenscheue König tat jedoch
genau das Gegenteil! Zeit seines Lebens verhinderte er, dass beispielsweise
die Bahnstrecke von Biessenhofen (an der Strecke Kaufbeuren - Kempten)
über Oberdorf (die heutige Kreisstadt Marktoberdorf) nach Füssen
gebaut werden konnte. Er nahm es in Kauf, lieber eine mehrstündige
Kutsch- oder Schlittenfahrt zu ertragen, um zu seinem geliebten Neuschwanstein
zu kommen, als den Bahnbau bis Füssen — am Fuße von Neuschwanstein
— zuzustimmen. Der Grund dafür war vereinfacht ausgedrückt, dass
"das gemeine Volk nicht so leicht zu seinem Schloss kommen könne".
Erst nach seinem Tod wurde die Bahnstrecke bis Füssen realisiert und
1889 eröffnet. Heute ist die Bahnstrecke ein wahrer Segen für
Hunderttausende Besucher der Königsschlösser Hohenschwangau und
Neuschwanstein.
Für die Dauer von leider nur 3 1/2
Jahren hatte die Region
eine neue Attraktion ersten Ranges in die Geschichte um den Märchenkönig. Am Ufer des (Stau-)Sees "Forggensee",
mit unmittelbarem Blick auf die berühmten Königsschlösser,
wurde das "Musicaltheater Neuschwanstein" gebaut und mit große Aufwand
das Musical "Ludwig II. — Sehnsucht nach dem Paradies" produziert, inszeniert
und am 7.4.2000 welturaufgeführt. Die letzte Aufführung war am
31.12.2003.
In den mehrgeschossigen,
weitläufigen Theater-Foyers waren die phantastischen Welten des Ludwig
II. in künstlerischer Abwandlung auch tagsüber präsentiert.
Und dazu hatten die Künstler der sogenannten "Königswelten" auch
eine Modelleisenbahn als Visionsträger eingesetzt! Die Proportionen der Ausgestaltungsdetails
der neun Meter
langen Anlage sind teilweise maßstäblich,
teilweise aber bewusst verzerrt — ein künstlerisches Spiel mit Maßstäben
und Akzenten! Dargestellt wurden in den sehr unterschiedlichen Anlagenbereichen
Szenen aus dem Musical, in denen Ludwig II. von einer Weltumfahrung mit
dem Heißluftballon träumt. Die "Rolle" des Ballons übernehmen
hier nun fahrende Züge. Züge, die durch Landschaften Japans und
der USA genauso fahren, wie durch Paris und Wien oder durch eine ägyptische
Grabkammer und ein Bergwerk. Selbst der gute alte Mond wird von einem kleinen
Zug umkreist.
Die Anlage selbst bestand
im Sinne der Gleisentwicklung aus einer über die neun Meter durchgehende
eingleisigen Strecke, hinten und vorne mit je einer Kehrschleife. Diese
Strecke symbolisiert die Reise durch die Welt mit all ihren Stationen von
USA bis Ägypten. Als Reminiszenz an die Leidenschaft von Ludwig II.
für Richard Wagner verkehrte hier der bekannte Rheingold-Zug.
Neben dieser Hauptstrecke gab es sechs unabhängige Ringstrecken — Kreise oder mehr oder minder
"verbeulte" Ovale mit eigenen Zügen. Nach dem bekannten Prinzip "ein
Bild sagt mehr als 1000 Worte" wollen wir die einzelnen Stationen der Modellbahn-Königswelten
in Bildern vorstellen — mit dem Hinweis, dass hier nicht "Modell"-Eisenbahn
im üblichen Sinne realisiert wurde, sondern die Modelleisenbahn als
künstlerisches Ausdruckmittel fungiert.
Die Modellbahn-Königswelten
entstammten der Idee von Josephine Barbarino, der Architektin des Musicaltheaters
und Ehefrau des Produzenten. Unter der künstlerischen Leitung von
Jürgen Kirner, zuständig für den gesamten Bereich "Königswelten",
entwarfen und konzipierten das Bühnenbildner-Ehepaar Marc und Claudia
Calame-Rüll die einzelnen Anlagenbereiche, die zum Teil von den Werkstätten
der Firma Märklin in Göppingen gebaut wurden und zum anderen
Teil in einem eigens eingerichteten Atelier in Füssen von den beiden
Bühnenbildnern. In der hektischen Schlussphase kurz vor der Welturaufführung
wurde auch der Modelleisenbahnclub Ostallgäu/Außerfern e.V.
aus Füssen um Assistenz gebeten. Der MEC Ostallgäu/Außerfern
hatte die Pflege und Wartung der Anlage übernommen. Das erforderliche
Material wurde — wie schon die gesamte Anlage und alles rollende Material
— von Märklin zur Verfügung gestellt.
Seit 1.8.2006 gehört die "Ludwig-Anlage" dem MEC
Ostallgäu/Außerfern und ist seit Ende 2006 betriebsfähig in den
neuen Clubräumen des Modelleisenbahnclubs aufgebaut.
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