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Schwertkampf
Schwertkampf
hat für mich eine nur schwer beschreibbare Qualität.
Kaum eine Tätigkeit oder Fertigkeit empfinde ich als derart
passend, ja geradezu kongruent zu meinem innersten Selbst wie das
aktive Befassen mit der Kunst des Schwertes. Seit inzwischen
dreißig Jahren ist dies ein Teil meiner
Individualität. Dabei fällt es mir
außerordentlich schwer, dieses Faszinosum zu
erklären oder zu begründen.
Einen konkret fassbaren Sinn oder Zweck dem Schwertkampf zuzuordnen,
fällt schwer, wenn es nicht gar unmöglich ist. Die
Zeit, in der Männer Schwerter oder deren leichtere Nachfolger,
Degen, beherrschen können mussten, ist lange vorbei. Dennoch
verbringe ich einen nicht unwesentlichen Teil meiner verbleibenden
Lebenszeit damit, weiterhin den Schwertkampf zu üben.
Wieso mache ich das eigentlich?
Einen unmittelbar praktischen Zweck hat das nicht, kann es nicht mehr
haben. In einem übergeordneten Sinne jedoch scheint es sich
mehr und mehr zu erweisen, dass die Gesetze des Schwertes eine
höherwertige Relevanz besitzen. Schwertkampf "kann" man nicht,
die Kunst des Schwertes ist (nicht nur) meiner Auffassung nach keine
Kunstfertigkeit die komplett und vollkommen erlernt werden kann. Mag
sein, dass es tatsächlich einen Punkt gibt, ab dem man
eigentlich alle rein technisch-manipulativen Dinge kennt. Mag sein.
Obwohl ich es mir kaum vorstellen kann, dass irgend jemand
tatsächlich ALLES kennt. Aber darum geht es wie ich finde auch
nicht wirklich.
Für die tatsächliche Benutzung eignen sich meiner
Erfahrung nach ohnehin nur eher wenige Techniken, die zudem individuell
verschieden sind. Interessant finde ich, dass es bestimmte Dinge gibt,
die für eine erfolgreiche Schwertführung notwendige
Voraussetzungen sind. Dazu zählt etwa eine stets aufrechte
Körperhaltung bei guter Erdung des Standes, dazu
zählt es, den Schwertarm bei einem Hieb (oder Stich) mutig und
klar zu strecken. Geduckte Haltung oder Hiebe mit angewinkelten Armen
sind meines Empfindens stets Zeichen für schlechte
Schwertkunst, für eine ungenügende innere Haltung.
Denn Erfolg beim Schwertkampf resultiert aus der inneren Haltung. Diese
ist wechselseitig abhängig von der äußeren
Körperhaltung. Aufrechte Körperhaltung, gestreckte
Arme bei der Ausführung von Hieben demonstrieren innere
Stärke und Sicherheit. Wenn dies über viele Jahre
hinweg immer wieder geübt und repetiert wird, führt
diese äußere Haltung zu einer Stärkung des
Inneren. Wer mit schlechter Körperhaltung den Schwertkampf
ausführt, wird gegen Partner mit korrekter Schwert- und
Körperhaltung auf lange Sicht hin stets unterliegen.
Allenfalls Tricks und Kniffe können jemanden mit falscher
Haltung zu Anfangserfolgen führen - dies führt jedoch
auch zu einer hinterhältigen und negativen Geisteshaltung.
Mithin zu einer Geisteshaltung mit der jemand sich seine eigene private
Hölle schafft.
Die richtige Haltung hingegen führt zu aktivem Umgang mit dem
Schwert. Wer aufrecht ficht, dominiert den Gegner, lernt Initiative zu
entwickeln und verinnerlicht die Notwendigkeit, sich auf das Umfeld
einzulassen und aktiv zu handeln. Das eigene Tun wird zum Angelpunkt
der eigenen Entscheidungen. Primär betrifft das sicherlich den
Schwertkampf, doch verändert das ständige
Üben dieser Grundwahrheiten im Laufe der Jahre und Jahrzehnte
das allgemeine Verhalten und Denken eines Schwertkämpfers. Die
Auswirkungen auf das Leben auch außerhalb des
Erlebnisbereiches des Schwertkampfes sind unmittelbar einsichtig:
korrekte Schwertkunst, mit Eifer und Fleiß über
Jahre hinweg geübt, hat positive Auswirkungen auf die
Geisteshaltung eines Menschen.
Elementare Dinge des menschlichen Lebens folgen prinzipiell den
gleichen Gesetzmäßigkeiten und Bedingtheiten wie sie
für den Schwertkampf gültig sind. Dies sind unter
anderem die Notwendigkeit, das eigene Tun und Unterlassen zu
reflektieren. Sein Handeln stets mit Absicht zu verbinden. Sich
anzugewöhnen, Dinge nicht tatenlos auf sich zukommen zu
lassen, sondern selber aktiv zu werden. Zu wissen, dass man niemals zu
einem Endziel kommt, sondern dass stets alles in Bewegung und in
Veränderung begriffen ist. Sich von Schwierigkeiten, Schmerzen
oder Einschränkungen nicht behindern zu lassen sondern dies zu
akzeptieren und unter Einbeziehung dessen seine Ziele weiter zu
verfolgen. Das Notwendige, Unausweichliche zu akzeptieren ohne in
Fatalismus zu verfallen.
Und noch viele, viele Dinge mehr.
Ich denke, es ist nun klarer geworden, wieso die Kunst des Schwertes so
etwas unvergleichlich Einzigartiges ist. Es ist mehr als ein wenig
Schwerter - Klingklang oder nette Kämpfe in geselliger Runde.
Schwertkunst ist im Kern tiefgründig und kann für das
Leben wichtige Einsichten vermitteln.
Voraussetzung dafür ist ehrliches, intensives und
regelmäßiges Üben in der korrekten Weise
über viele Jahre hinweg.

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