Intifada - Palästina




AUSGEWÄHLTE GEDICHTE VON

ERICH FRIED

Höre, Israel!

  Als wir verfolgt wurden,
  war ich einer von euch.
  Wie kann ich das bleiben,
  wenn ihr Verfolger werdet?

  Eure Sehnsucht war,
  wie die anderen Völker zu werden
  die euch mordeten.
  Nun seid ihr geworden wie sie.

  Ihr habt überlebt
  die zu euch grausam waren.
  Lebt ihre Grausamkeit
  in euch jetzt weiter?

  Den Geschlagenen habt ihr befohlen:
  "Zieht eure Schuhe aus".
  Wie den Sündenbock habt ihr sie
  in die Wüste getrieben

  in die große Moschee des Todes
  deren Sandalen Sand sind
  doch sie nahmen die Sünde nicht an
  die ihr ihnen auflegen wolltet.

  Der Eindruck der nackten Füße
  im Wüstensand
  überdauert die Spuren
  eurer Bomben und Panzer.





       Womit vergleichen?

   Im Knesseth, dem Parlament von Israel
   war von zionistischen Extremisten die Rede.
   Ihre Terroranschläge haben zum Beispiel den
   Bürgermeister von Nablus um beide Füsse gebracht.

   Da erklärte der zweite Sprecher des Knesseth:
   "Aber das ist ja
   unsere Aufgabe ihnen die Eingeweide
   und die Gliedmassen und die Augen auszureissen!"

   Mir als Jude fällt der Vergleich
   von Juden mit Nazis nicht leicht
   aber womit
   kann man diese Worte vergleichen?



 Freiheit und Selbstbestimmung für die Palästinenser

   Die Schreie der gefolterten Palästinenser im Gefängnis von Hebron
   und in den anderen israelischen Geheimdienstkellern
   und auch die Schüsse
   die palästinensische Kinder und Jugendliche auf der Straße
   niedergestreckt haben
   sind nicht ungehört verhallt.
   Trotz Terror demonstrieren Zehntausende und fordern ihr Recht
   über 1.000 wurden verhaftet, Dutzende erschossen.
   Israel geht den Weg seines heimlichen Bundesgenossen Südafrika
   Apartheid und Rassismus endlich ganz ohne Maske.

   Als von Hitler vertriebener Jude und in der Welt herumgekommener
   Schriftsteller
   erkläre ich meine Solidarität
   mit dem palästinensischen Volk.
   Alle Welt ist aufgerufen zu verhindern, daß Terror und
   Unrecht eskalieren.
   Die Juden sind aufgerufen, sich laut gegen die Verbrechen zu wenden,
   die in ihrer aller Namen begangen werden.
   Die Deutschen sind aufgerufen zu helfen:
   Ohne Hitler wären nie genug verbitterte Einwanderer gekommen,
   um die Palästinenser so unterdrücken zu können.
   Die Amerikaner sind aufgerufen, ihren israelischen Satelliten nicht
   weiter rasen zu lassen.

   Alle Welt muß endlich offenen Auges Solidarität üben.
   Der Terror muß aufhören.
   Freiheit und Selbstbestimmung für die Palästinenser!
















Ein Jude an die
zionistischen Kämpfer - 1988

  was wollt ihr eigentlich?
  Wollt ihr wirklich die übertreffen
  die euch niedergetreten haben
  vor einem Menschenalter
  in euer eigenes Blut
  und in euren eigenen Kot?

  Wollt ihr die alten Foltern
  jetzt an die anderen weitergeben
  mit allen blutigen
  dreckigen Einzelheiten
  mit allem brutalen Genuss
  der Folterknechte
  wie unsere Väter sie damals
  erlitten haben?

  Wollt jetzt wirklich ihr
  die neue Gestapo sein
  die neue Wehrmacht
  die neue SA und SS
  und aus den Palästinensern
  die neuen Juden machen?

  Aber dann will auch ich
  weil ich damals vor fünfzig Jahren
  selbst als ein Judenkind
  gepeinigt wurde
  von euren Peinigern
  ein neuer Jude sein
  mit diesen neuen Juden
  zu denen ihr
  die Palästinenser macht

  Und ich will sie zurückführen helfen
  als freie Menschen
  in ihr eigenes Land Palästina
  aus dem ihr sie vertrieben habt
  oder in dem ihr sie quält
  ihr Hakenkreuzlehrlinge
  ihr Narren und Wechselbälge
  der Weltgeschichte
  denen der Davidstern
  auf euren Fahnen
  sich immer schneller verwandelt
  in das verfluchte Zeichen
  mit den vier Füßen das
  ihr nun nicht sehen wollt
  aber dessen Weg ihr heut geht!




































Eure Toten - 
Die Palästinenser an die Zionisten
Eure Toten eure toten Eltern und Großeltern eure toten Brüder und Schwestern auf die ihr euch immer beruft eure Toten die euer Trumpf sind eure Toten für die ihr euch Geld bezahlen laßt als Wiedergutmachung sie sind nicht mehr eure Toten
Ihr habt eure Toten verloren denn eure Toten das waren die Opfer der Mörder die Gerechten die Unterdrückten: Die Machtlosen die Verfolgten die ermordeten Widerstandskämpfer und ihre Kinder das waren eure Toten Jetzt aber seid ihr Machtanbeter und Mörder geworden und werft Bomben auf eure Opfer wenn sie sich wehren Ihr vertreibt die Machtlosen aus ihren niederen Hütten Ihr kommt rasselnd in rasenden Panzern Ihr laßt das Sprühgift aus euren Flugzeugen regnen nieder auf unsere Felder und euer Napalm auf unsere Frauen und Kinder Glaubt ihr denn eure Toten würden euch wiedererkennen versteckt in eure Panzer und Kampfflugzeuge? Eure Toten sind übergegangen zu uns Opfer zu Opfern Verfolgte zu Verfolgten denn die Ermordeten sind der Ermordeten Brüder und Schwestern und nicht die der Mörder Eure Toten wollen euch nicht mehr kennen Darum beruft euch lieber nicht mehr auf eure Toten um die Welt schweigen zu machen jedes Mal wenn ihr tötet Darum tut lieber nicht mehr als wären sie das gewesen was ihr seid als wäret ihr wirklich noch ihre echten Kinder und Enkel denn ihr habt Verrat begangen an ihrem Leben und Sterben als ihr eingetreten seid in die Dienste derselben Ordnung die eure Toten gequält und getötet hat Eure Toten sind nun zu Gast bei unseren Toten die versuchen sie zu beruhigen daß ihr vielleicht nur aus Unwissenheit und aus Dummheit tut was ihr tut Doch eure Toten sagen ihr seid immer so klug gewesen die klügsten Kinder der Welt und sie können euch nicht mehr verstehen Und unsere Toten wollen sie trösten und sagen daß nur die Macht der Mächtigen euch so verlockt und verwirrt hat und daß ihr vielleicht es noch sehen und doch noch umkehren werdet statt so zu sterben daß eure Toten euch nicht mehr kennen