|
|
Bibliothek | |
![]() |
Deus lo volt! (Gott will es!) |
|
VorwortImmer wieder muss ich feststellen, dass viele Christen nichts über ihre eigene Geschichte wissen oder diese erfolgreich verdrängt haben. Das Ziel dieser Arbeit ist es also dringend notwendige Aufklärungsarbeit zu leisten. Nur wer seine Geschichte kennt, kann diese auch bewältigen und daraus Schlüsse für die Zukunft ziehen. Es ist aber nicht Ziel dieser Arbeit Christen zu diffamieren oder sogar persönlich anzugreifen. Ich gönne jedem Menschen seinen persönlichen Glauben. Ich möchte mit dieser Arbeit aber eindringlich vor den möglichen Konsequenzen einer fundamentalistischen Religionsausübung warnen. Die von mir verwendeten Angaben und Texte stammen allesamt von anerkannten Historikern oder aus Originalquellen. Eine entsprechende Quellenangabe findet sich am Ende des Textes. Widmen möchte ich diese Arbeit dem Militärbischof der katholischen Kirche Bischof Dyba. Der Aufruf zum KreuzzugBereits Papst Gregor VII hatte versucht, die in Palästina lebenden Christen von ihrer heidnischen Umgebung zu befreien, doch auf Grund seiner Kämpfe gegen den deutschen Kaiser Heinrich IV unterblieb ein solches Unterfangen. Als 1071 die Seldschuken den christliche Kaiser von Byzanz Alexios Komnenos bei Manzikert entscheidend schlugen und daraufhin die Städte Nikaia, Smyrna, Palästina, Jerusalem und Antiochia erobern konnten, entschloss man sich dem Vormarsch der Ungläubigen Einhalt zu gebieten. Die christliche Propaganda kam in Gang. Den Muslimen wurde vorgeworfen christliche Kultstätten zu entweihen und die christliche Bevölkerung abzuschlachten. Durch diese Lügen entstand in den Köpfen der abendländischen Bevölkerung, die Vorstellung vom muslimischen Untermenschen. Auf der Synode von Clermont im Jahre 1095 rief der Papst Urban II , nach dem Chronisten Robert der Mönch, mit den folgenden Worten zum Kreuzzug auf: Sie beschneiden die Christen und das Blut der Beschneidung gießen sie auf den Altar oder in die Taufbecken. Es gefällt ihnen, andere zu töten, indem sie ihnen die Bäuche aufschneiden, ein Ende der Därme herausziehen und an einen Pfahl binden. Unter Hieben jagen sie sie um den Pfahl, bis die Eingeweide hervordringen und sie tot auf den Boden fallen. Ihr solltet von dem Umstand berührt sein, dass das Heilige Grab unseres Erlösers in der Hand des unreinen Volkes ist, das die heiligen Stätten schamlos und gotteslästerlich mit seinem Schmutz besudelt. Diese Art der Propaganda, das Versprechen auf Vergebung der Sünden, die Aussicht auf das ewige Leben und nicht zuletzt die Hoffnung auf weltliche Reichtümer, schafften es große Massen für den Kreuzzug zu begeistern. Deus lo volt, Gott will es, wurde zum Ruf der Massen. Aufbruch der ArmenDie erste Kreuzfahrergruppe unter der Führung von Peter dem Einsiedler setzte sich mit einer Truppenstärke von mehreren Zehntausenden Kämpfern in Bewegung .Das Heer rekrutierte sich in erster Linie aus dem einfachen Volk. Da es sich bei dieser Gruppe um kein ausgebildetes Heer handelte, sondern um Gesindel aus den unteren Schichten, endete dieser Kreuzzug im Fiasko. Auf ihrem Weg nach Jerusalem hinterließen die Pilger eine Spur der Verwüstung. Im Rheinland fielen die christlichen Horden über die jüdische Bevölkerung her. 10.000 Tote waren das traurige Ergebnis. In Ungarn kam es ebenfalls zu Ausschreitungen. Obwohl die Pilger freundlich empfangen wurden, fielen sie wiederum über die christliche Bevölkerung her, raubten ihr Vieh und erschlugen diejenigen die sich zur Wehr setzten. Als die Kreuzfahrer Konstantinopel erreichten, kam es auch dort zu heftigen Zwischenfällen. Trotzdem hielt der byzantinische Kaiser Alexios Wort und beförderte die Kreuzzügler mit seiner Flotte nach Kleinasien. Auch dort musste die christliche Bevölkerung, zu deren Hilfe man eigentlich angereist war, unter den Kreuzzüglern leiden. Die Soldaten Gottes überfielen fremdartige Kirchen und töteten neben Muslimen auch Juden und Christen. Als die Truppen ein türkisches Heer angriffen, kam es zum Eklat. Die schlecht ausgerüsteten Pilger hatten gegen das gut ausgebildete und disziplinierte Heer der Türken keine Chance. Von etwa 30.000 Kreuzfahrern überlebten etwa 3000. Die Überlebenden und mit ihnen Peter der Einsiedler warteten nun auf die Ankunft der Ritterarmeen. Aufbruch der RitterarmeeDas größte Kontingent des Ritterheeres stellten die französischen Ritter und Barone. Raimund Graf von Toulouse führte das Aufgebot Südfrankreichs, der Provence und des Languedoc. Gottfried von Boullion, sein Bruder Balduin und Robert von Flandern befehligten die Truppen Niederlothringens, Flanderns und Nordostfrankreichs. Robert von der Normandie hatte den Oberbefehl über die Truppen aus Nordwesfrankreich. Die am Kreuzzug beteiligten Normannen wurden von Bohemund und seinem Neffen Tankred befehligt . Zwischen 100.000-600.000 Kreuzfahrer waren bereit Jerusalem für das Christentum zu gewinnen, aber nur etwa ein Zehntel sollte diese Eroberung tatsächlich noch erleben. Auf verschiedenen Routen rückten die Kreuzzfahrertruppen nach Konstantinopel vor, um sich dort zu sammeln. Aufgeschreckt durch die Erfahrungen mit den wilden Horden unter Peter dem Einsiedler, sah Kaiser Alexios den herannahenden Franken mit einigen Bedenken entgegen, zumal Bohemund mit seinen Normannen bereits Krieg gegen Byzanz geführt hatte. Zur Beruhigung des byzantinischen Kaisers, leisteten die Franken Alexios den Lehnseid und versprachen die zurückeroberten ehemaligen Gebiete von Byzanz dem Kaiser zu überlassen. Allerdings sollte man sich nicht an diesen Eid halten. EroberungenIm Mai 1097 erreichten die Kreuzfahrer die Stadt Nikaia und belagerten sie. Die Garnison der Stadt verteidigte sich erbittert, denn die Stadt war die Hauptstadt des Seldschuckensultans Kilidsch Arslan. Der Sultan hatte die Bedrohung unterschätzt und kämpfte im Osten gegen seine türkischen Rivalen. Als er von der Belagerung hörte, eilte er zu seiner Stadt. Es kam zur Schlacht gegen die herannahenden Seldschucken. Die Christen behielten die Oberhand und trugen den Sieg davon. Allerdings ergab sich die Besatzung der Stadt noch immer nicht. Die Kreuzfahrer griffen nun zu einer interessanten Variante der psychologischen Kriegführung. Der Autor der Gesta Francorum berichtetWie sie die Berge herunterkamen, wurden sie von unseren Männern enthauptet. Sie warfen die Köpfe der Erschlagenen mit Schleudern in die Stadt, um Schrecken unter der türkischen Garnison zu verbreiten. Die Türken verhandelten in ihrer ausweglosen Lage mit dem byzantinischen Kaiser Alexios. Im Juni 1097 traf eine kleine Flotte von Byzanz ein und die Türken ergaben sich den Byzantinern. Sie hatten damit ihr Leben gerettet und die Kreuzritter um ihre Beute gebracht. Kaiser Alexios entschädigte die Kreuzfahrer mit reichen Geschenken und Kupfermünzen. Eine Woche nach diesem Ereignis zogen die Kreuzritter getrennt weiter, um sich besser versorgen zu können. Im Juni erreichte das Normannenheer die verlassene Stadt Dorylaion. Plötzlich wurde das Heer von den Truppen des Sultans Arslan angegriffen. Obwohl die Türken zahlenmäßig eindeutig überlegen waren, trugen die kampferprobten Normannen den Sieg davon. Die Truppen des Sultans zogen sich daraufhin ins Hinterland zurück. Die Kreuzzügler jedoch sahen sich nun mit einem ganz anderen Problem konfrontiert. Bei ihrem Marsch durch das anatolische Hochland, wurden die Pilger von Hunger und Durst gequält. Viele der mitgeführten Lasttiere verendeten oder wurden Opfer des Hungers ihrer Besitzer. Der Vormarsch wurde dadurch zusätzlich erschwert. Einige Ritter mussten sogar die Reise zu Fuß fortsetzen oder auf Ochsen weiterreiten. Im Oktober erreichten die Pilger die Stadt Marasch. Die dort beheimateten Armenier versorgten die Truppen mit Futter und Lebensmitteln. Von dort brach Balduin mit wenigen hundert Rittern nach Edessa auf. Die Stadt befand sich in der Hand armenischer Christen und Balduin wurde freundlich empfangen. Balduin nutzte die Gunst der Stunde und machte sich zum Grafen von Edessa. Der erste Kreuzfahrerstaat war gegründet und der Lehnseid gegenüber Kaiser Alexios gebrochen. Aber auch die anderen Gottestruppen konnten der Versuchung sich Besitz anzueignen nicht widerstehen. Nachdem das Hauptheer von Marasch aus unaufhaltsam nach Süden vorgerückt war, erreichten sie Antiochia. Der Anblick dieser reichen Stadt weckte die Gier unter den Kreuzfahrern. Die Belagerung Antiochias zog sich 8 Monate hin, ehe Verrat am 03.Juni 1098 die Stadttore öffnete. Bohemund hatte einen Wachturmkommandanten bestochen, der den Kreuzfahrern über die Mauern half. Was folgte war ein Gemetzel unter der Bevölkerung. Der Chronist Raimund von Aguilers zieht BilanzWir werden nicht über das Ausmaß der Beute berichten. Aber was du dir auch vorstellst, du musste etwas dazurechnen. Wir können die Zahl der abgeschlachteten Türken und Sarazenen nicht schätzen, und es wäre quälend, über die neuen und vielfältigen Todesarten zu berichten. Den Kreuzfahrern blieb aber wenig Zeit sich über ihren Sieg zu freuen. Das türkische Heer unter Kerbogha ist bis Antiochia vorgerückt und belagerte nun die Kreuzfahrer. Die Türken schließen die Stadt vollkommen ein. Hunger und Krankheit dezimierten die Reihen der Kreuzfahrer erheblich. Etliche der Ritter hatten bereits ihre Pferde verzehrt und ihre Waffen verkauft. Das Elend war unbeschreiblich. In dieser ausweglosen Situation ereignete sich ein Wunder oder besser man dachte es sei eines. Ein einfacher Mann namens Peter Bartholomäus grub in einer Kathedrale einen länglichen Gegenstand aus und behauptete es handele sich um die Heilige Lanze der Kreuzigung Christi. Die Masse der ungebildeten Pilger sah in dem Fund ein Zeichen Gottes und fasste wieder Mut. Am 28.Juni 1098 fiel die endgültige Entscheidung. Die halb verhungerten Kreuzfahrer griffen mit ihren wenigen Pferden das türkische Heer an. Die mit dem Mut der Verzweiflung kämpfenden Christen trugen den Sieg davon und schlugen die Türken in die Flucht. Die Kreuzfahrer konnten sich jetzt endgültig in der Stadt einrichten. Zwischen Raimund von Toulouse und Bohemund kam es zu einem Streit um die Stadt. Letztendlich behält Bohemund aber die Oberhand und regierte fortan als oberster Lehnsherr die Stadt. Am 27. November begannen die Kreuzritter unter Raimund von Toulouse und Robert von Flanderrn mit der Belagerung der syrischen Stadt Maarat an Numan. Die Bewohner der Stadt wehrten sich erbittert gegen die christlichen Agressoren, hatten aber letztendlich keine Chance. Die Stadt wurde geplündert und die meisten ihrer Bewohner wurden abgeschlachtet. Nach der Eroberung entbrannte erneut ein Streit zwischen Raimund und Bohemund um die Stadtherrschaft. Unterdessen kam es jedoch auf Grund des großen Hungers und der erneuten Verzögerung der Weiterreise nach Jerusalem, zu einem Aufstand der armen Pilger. Die Führerschaft war dadurch gezwungen weiterzuziehen. Vor der Stadt Arqa stoppte das Heer erneut. Raimund von Toulouse hatte sich darauf versteift die Stadt zu erobern. Zuvor hatte er schon die von ihrer Besatzung verlassene Stadt Tortosa besetzen lassen. Die Eroberung von Arqa gelingt den Soldaten Christi jedoch nicht. Nach drei Monaten zogen die Kreuzritter nach Tripolis weiter. Die Stadt wurde gegen ein hohes Lösegeld verschont und die Pilger konnten weiter ziehen. Am 19.Mai erreichten sie die Gegend von Beirut und am 20.Mai hatte man Sidon erreicht. Die Kreuzfahrer zogen ,nachdem sie von der Stadtbesatzung angegriffen wurden, aber gesiegt hatten, weiter nach Ramla. Ramla war verlassen worden und die Kreuzfahrer besetzten die Stadt. Noch eine Tagesreise bis Jerusalem. Das Massaker von JerusalemAm Abend des 7.Juni schlugen die Kreuzritter endlich ihr Lager in der Nähe von Jerusalem auf. Gerade mal 20.000 von mehr als 100.000 Pilgern konnten sich noch am Anblick der Stadt erfreuen. Die Kreuzfahrer beginnen mühsam damit Belagerungsmaschinen zu bauen. Erneut wurden die Kreuzzügler von Hunger und Durst geplagt, zudem kam es fast täglich zu kleineren Gefechten. Sobald die Pilger die Belagerungsgeräte fertig gestellt hatten, begannen sie mit dem Sturm auf die Stadt. Am 15 Juli eroberten die Truppen Gottes Jerusalem. Was folgte war eines der dunkelsten Kapitel der christlichen Geschichte. Die Soldaten metzelten in Jerusalem alles nieder was ihnen über den Weg lief, selbst Frauen und Kinder wurden abgeschlachtet. Auch auf die religiöse Angehörigkeit nahm man dabei keinerlei Rücksicht. Die noch immer in der Stadt anwesenden Christen und Juden wurden genauso in Stücke gehauen wie die Muslime. Etwa 60.000 Menschen fanden den Tod durch die Soldaten im Namen des christlichen Gottes. Allein die Besatzung der Zitadelle und einige wenige Glückliche sollen nach den Chronisten überlebt haben. Albert von Aachen berichtetNach dem fürchterlichen und blutigem Hinmorden der Sarazenen, von denen dort (im Tempel) zehntausend erschlagen wurden, kehrten die Christen siegreich vom Palast zur Stadt zurück und machten nun viele Scharen von Heiden, die in ihrer Todesangst versprengt durch die Gassen irrten, mit dem Schwert nieder. Weiber, die in die befestigten Häuser und Paläste geflohen waren, durchbohrten sie mit dem Schwert. Kinder, noch saugend, rissen sie an den Füßen von der Brust der Mutter oder aus den Wiegen und warfen sie an die Wand und auf die Türschwellen und brachen ihnen das Genick. Andere machten sie mit den Waffen nieder, wieder andere töteten sie mit Steinen. Kein Alter und kein Geschlecht der Heiden wurde verschont. Nachdem die Bevölkerung ausgerottet war, zogen die Kreuzfahrer unter Freudentränen zur Grabeskirche ihres Herrn Jesus Christus, lobpreisten Gott und beruhigten somit ihr Gewissen. Allerdings musste die Stadt danach noch gesäubert werden. Der Autor der Gesta Francorum berichtet von der SäuberungEs erging der Befehl, dass die Leichen der Sarazenen vor die Mauern der Stadt geworfen werden sollten. Der Gestank war fürchterlich, weil die ganze Stadt voller Toter war. So zerrten die überlebenden Sarazenen die Toten vor die Stadttore und türmten sie zu Haufen so groß wie Häuser. Niemand hat je von einer solchen Abschlachtung von Heiden gehört, denn sie wurden auf Scheiterhaufen verbrannt, die so groß waren wie Pyramiden. Gott allein weiß, wie viele es waren. An die Spitze des neuen Köngreiches von Jerusalem wurde nun Gottfried von Boullion gewählt. Der aber verzichtete auf den Königstitel und nannte sich lieber " Beschützer des heiligen Grabes". Nach dem abendländischem Vorbild regierte Gottfried als Lehnsherr die weitgehend selbständigen Vasallenstaaten Edessa, Tripolis ( 1101-1109 von Raimund von Toulouse erobert) und das Fürstentum Antiochia. Der erste Kreuzzug war damit beendet. Er hatte insgesamt etwa eine Million Menschenleben gekostet. Literaturverzeichnis: Sekundärlitaratur: ![]() |