Pfeil
und Bogen

Der Bogen ist seit
dem frühesten Altertum bekannt (womöglich schon seit 50.000 Jahren) und war eine
in ganz Europa verbreitete Waffe, bis die Feuerwaffen aufkamen, und sogar noch
über diese Zeit hinaus. Kardinal Richelieu setzte noch im Jahre 1627 englische
Bogenschützen-Söldner für den Angriff auf die Insel Ré ein!
Bei den meisten
Barbarenvölkern wurde der Bogen in Kriegen nicht verwendet, denn sie betrachteten
ihn als eine hinterlistige, kindische Waffe, doch wurde diese Meinung zum Beispiel
von den Kelten, den Galliern und den Hunnen ganz und gar nicht geteilt. (Vertrauter
ist uns der Bogen der nordamerikanischen Indianer, der nur mäßige Wirksamkeit
besaß.)
Bögen gab
es in unterschiedlichen Größen, und sie wurden aus verschiedensten Materialien
hergestellt. Der berühmteste aller Bögen war der "long bow" der Engländer. Sie
hatten ihn im Laufe ihrer ständigen Ausein-andersetzungen mit den wilden Galliern
schätzen gelernt. Während des Feldzuges von 1280 stellte Eduard I. Seine ersten
Bogenschützeneinheiten auf - nach dem gallischen Vorbild und mit beträchtlich
verbesserter Taktik. Bei den Galliern war der Einsatz des Bogens auf den Krieg
aus dem Hinterhalt begrenzt: An ihre Stelle setzte Eduard I. das Schießen in Salven
und in großer Zahl.
Im Idealfall sollte der englische Bogen eine Länge haben, die
der Größe des Schützen gleichkam. Um seine Maße noch genauer bestimmen zu können,
wurde der Abstand zwischen den Spitzen der Mittelfinger bei waagerecht ausgestreckten
Armen gemessen. Dieses Maß, das der Größe eines richtig proportionierten Mannes
entspricht, gestattete es, auch bei weniger gut gebauten Personen die geometrische
Idealfigur zu erzielen, die der Bogen, seine Sehne und der Pfeil im Zeitpunkt
des Abschusses bilden. Der Bogen war also genau, man möchte sagen nach wissenschaftlich-morphologischen
Erkenntnissen, dem Schützen angepaßt.
Kommt zu dieser persönlich angepaßten Waffe noch en intensives,
methodisches Training hinzu, ergibt das einen vollkommenen Bogenschützen. Gerade
dies geschah in England, nach einer kurzen Spanne des Niedergangs unter der Herrschaft
Eduards II. Sein Sohn Eduard III. Hielt sein Volk mit Nachdruck zum üben an und
konnte für seine siegreichen Züge von 1331 und 1333 gegen die Schotten über eine
große Zahl von Bogenschützen verfügen.
Jeder Bürger übte das Zielschießen aus dem Stand, und man kann
sich vorstellen, mit welcher Begeisterung die Knaben den Erwachsenen nacheiferten:
auch sie erhielten Bögen, die ihrer Körpergröße angepaßt waren.
Der Bogen wurde aus Eibenholz hergestellt, nicht aus dieser
"guten englischen Eibe", von der die Überliefe-rung wissen will, sondern vielmehr
aus Eibe, die aus Italien und Spanien eingeführt wurde. Weißulmen-, Haselnuß-,
Eschen- und Walnußbaumholz war gleichfalls verwendbar. Der älteste Bogen, der
entdeckt wurde, stammt vom Beginn des 13. Jh. Er ist im "British Museum" ausgestellt.
Der Pfeil wurde, wie man sich vorstellen kann, mit größter
Sorgfalt gefertigt (in England gab man dem Kie-fernholz aus Norwegen den Vorzug
vor jedem anderen, z. B. dem Birkenholz). In Frankreich gab es folgende Bezeichnungen
für ihn: darde, barbelle, flic, flich, flique, flise, flesse, eslingue, pile,
gourgon, passadouz, passador, passadour, passadous, passadoux, sayette, saette,
songnolle, raillon, reillon (daher raillonade = Pfeilschuß). Man sprach von espener
oder espenher (mit Pfeilschüssen belegen) in Anspielung auf die Befiederung (empennage,
auch empanon, panon, pennon, penne, panart, pennet oder impenne genannt) des Pfeilschaftes.
In Frankreich war die Stadt Mâcon berühmt für die Herstellung von Pfeilen. Der
Pfeilma-cher nannte sich flégier oder fléchier. 
Im Mittelalter hatte der Bogen in Großbritannien einen hervorragenden
Stellenwert. Man findet das auch durch zahlreiche Familiennamen bestätigt wie
Fletcher (Pfeilmacher), Arrowsmith (Pfeilspitzenschmied), Bownocker und Stringer
(beziehen sich auf die Sehne), Archer und Bowman (Bogenschütze), Bowyer (Bo-genmacher).
Quelle: "Historische Waffen
und Rüstungen" von Liliane und Fred Funcken, Orbis-Verlag |