Bürgerhaus

Sagenhaftes

Sagen und Märchen gehören zur Menschheit wie das Feuer zum Waldbrand. Im Mittelalter gab es sogar den Beruf des Sagenerzählers, dieser war auch noch hoch angesehen. In dieser Rubrik werden speziell Sagen aus unserer Gegend im Glanland erzählt.


Der Fillerhannes

In der Klingenmühle zwischen Kübelberg und Schmittweiler lebte eine wunderschöne Müllerstochter. Die Burschen der umliegenden Dörfer verdrehten die Augen, wenn sie das Mädchen sahen. Besonders der Fillerhannes aus Dittweiler war ein häufiger, gar zu häufiger Gast in der Mühle. Die Maid aber wollte nichts von ihm wissen und heiratete einen anderen. Die Ehe war glücklich, doch der Hannes umschlich weiterhin die Mühle und sann auf Rache. Er war ganz heruntergekomrnen, hielt nichts mehr auf sein Äußeres und versuchte durch Schnaps seine Gefühle zu unterdrücken. Und das hätte er nicht tun sollen, denn der Alkohol, zu reichlich genossen, verführt den Menschen zu Taten, die er hernach oft bitter zu bereuen hat. In Kübelberg war Kirchweihe. Der Müller ging voraus, weil die Frau des Hauses mit ihren Arbeiten noch nicht ganz fertig war. Da stieg der Hannes in die Mühle ein und ermordete die Geliebte. Er findet deshalb heute noch keine Ruhe. Er springt dem Wanderer in nächtlicher Stunde auf den Rücken und läßt sich von ihm tragen. "Der Fillerhannes wiegt schwerer als zwei Zugochsen", sagen die Dörfler.


Der Warner

In der Wellesweiler Grube erschien des öfteren der "alte Mann", der die Kumpels vor nahenden Wettern warnte. Die Jugend hielt die Rede davon für ein Hirngespinst der älteren Bergleute, bis einmal einer tatsächlich den Warner sah, wie er an ihm vorbeischritt mit eisgrauem Bart und einer Grubenlampe, die einen seltsamen, bläulichen Schein warf. Und wirklich, bald danach wäre es zu einem Unglück gekommen, wenn die ablösende Schicht nicht gewarnt worden wäre. Derjenige, der den "alten Mann" gesehen hatte, stammte aus Kübelberg.


Ein welkes Nußbaumblatt

Hexen sollen früher ihr Unwesen getrieben haben. Niemand war vor ihnen sicher, nicht einmal der Säugling in der Wiege. Ihm saugte die Hexe das Blut aus der Brust. Da half kein Weihwasser und auch keine geweihte Kerze. Das wußte der Bauer in Kübelberg sehr wohl, doch wollte er es auf keinen Fall dulden, daß seinem jungen solches widerfahre. Er ging dem Teufel vor die Schmiede, wenn es sein mußte; so kannten ihn die Dorfbewohner. In drei aufeinanderfolgenden Nächten wurde er durch den herzzerreißenden Schrei seines jüngsten aus dem Schlafe aufgeschreckt. Für ihn stand fest: eine Hexe plagte das Kind! Also hieß es Augen und Ohren offen halten. In den nächsten Nächten schlief der junge durch, und der Bauer glaubte schon, die fürchterliche Gefahr sei vorüber. Seine Frau legte gerade den Kleinen zu Bett, als ein Windstoß ein unscheinbares, welkes Nußbaumblatt hereinwehte. Der Bauer ließ es nicht aus den Augen, und als das Gesinde zur Ruhe gegangen war, nahm er es zwischen die Finger, besorgte hastig Hammer und Nagel und heftete das Blatt an den Stollen der Bettlade.Um Mitternacht erwachte der Bauer durch ein lautes Stöhnen, das aus dem Zimmer des Kleinen kam. Flugs verließ er das Bett und eilte zu seinem Kind. Der junge schlief friedlich, ein Lächeln auf den Lippen. Vor dem Bett aber lag ein Weib, und im Schein der Laterne erkannte der Bauer die Frau des Abdeckers. Sie galt schon seit langem als Hexe, aber niemand konnte ihr etwas nachweisen. Nun hatte sie der Bauer erwischt. Mit dem linken Ohr war sie an der Bettstatt angenagelt und konnte deshalb nicht entkommen. Sie endete auf dem Scheiterhaufen.


Burg und Dorf Steinbrück

Zwischen Steinbach und Brücken lagen einst Burg und Dorf Steinbrück. Beide gingen im Dreißigjährigen Krieg unter. Als die Burg belagert war und jede Rettung der Besatzung aussichtslos schien, da versenkte der Burgherr die goldene Wiege, in der auch er einst lag, in den Brunnen, damit sie nicht in die Hände der Feinde fiele. Die wenigen Bewohner des Dorfes, die Plünderung, Brandschatzung und das Morden überstanden, bauten neu auf, die einen nördlich ihres Dorfes, die anderen südlich davon. Aus Steinbrück wurden die beiden Dörfer Steinbach und Brücken. Zur Mittagszeit zeigte sich fortan die Wiege an der Oberfläche des Wassers im Brunnen. Heute soll sie nur noch alle sieben Jahre sichtbar werden, und nur Sonntagskinder haben das Glück, sie zu sehen.

"Im Bruderwald lag ich begraben"

Im Dreißigjährigen Krieg wollten die Bewohner von Altenglan ihre Glocke nicht in die Hände der Feinde fallen lassen. Sie schleppten sie deshalb in den Bruderwald und bedeckten sie mit dem Laub der Bäume. Jahre zogen ins Land, immer noch wütete der Krieg. Die Bewohner starben oder wurden vertrieben. Als endlich die Waffen ruhten, da wußte niemand mehr von der Glocke und ihrem Versteck. Eines Tages hütete ein Schweinehirt seine Herde im Bruderwald und siehe da, ein Schwein wühlte die Glocke ans Tageslicht. Darüber herrschte große Freude in der Gemeinde. In festlichem Zuge wurde die Glocke heimgebracht; doch bevor man sie in den Turm hängte, grub man die Worte in ihren Mantel. "Im Bruderwald lag ich begraben, ein Schwein hat mich heraus gegraben. Sie luden mich auf den halben Wagen und fuhren mich nach Altenglan."


"Komm' mit!"

Als die Lichtenburg noch bewohnt war, kam eines Tages eine junge hübsche Zigeunerin zum Brunnen. Der Sohn des Grafen von der Lichtenburg ritt abends spät am Brunnen vorbei. Plötzlich scheute das Pferd und warf den Reiter ab, der sich dabei arg weh tat. Die Zigeunerin eilte herbei und leistete Erste Hilfe. Sie führte den Grafensohn auch bis zum Tor der Burg, nachdem er sich einigermaßen erholt hatte. Dem Vater war es klar, daß die Zigeunerin nicht ganz unschuldig an dem Sturze war, daß da geheime Kräfte mitspielten, und daß die Helferin irgend etwas im Schilde führte, vielleicht sogar Böses. Er schimpfte kräftig und war sehr verwundert, als der Sohn die "Hexe" sogar noch in Schutz nahm. Täglich ritt nun der junge Graf an den Brunnen und gewann die Schönheit lieb und wollte sie heiraten. Das erfuhr der Vater. Eine Zigeunerin Gräfin von Lichtenburg? Unmöglich! Da mußte etwas unternommen werden ! Aus den Augen, aus dem Sinn, dachte der Graf und bestimme gleich sieben seiner Knechte, die die Zigeunerin beseitigen sollten. Sie schlichen heran und überwältigten das wehrlose Weib und warfen es hinab in den Brunnen. Ahnungslos kehrte am Abend der Sohn zurück und wunderte sich, die Geliebte nicht am Brunnen zu sehen. Er stieg ab und hörte, wie es aus dem Brunnen rief: "Komm' mit"' Der Ruf wiederholte sich. Als der junge Reiter sich über den Brunnen beugte, glaubte er die Geliebte zu sehen und meinte von ihr gerufen zu werden. Ohne Besinnen sprang er hinab. Seitdem vernehmen Leute, wenn sie um Mitternacht am Brunnen vorbeikommen, das sehnsüchtige "Komm' mit" der Zigeunerin.


Verpaßte Gelegenheit

Das Streben nach Glück und Reichtum ist ein legitimes Recht des Menschen. Er versucht auch außerhalb des normalen Gelderwerbs über seinen Beruf zusätzliche Möglichkeiten zu erschließen, die ihm in Lotto und Toto, in der Lotterie, in Spielbänken usw. angeboten werden. Im geheimen hofft der Mensch immer, an überraschenden Reichtum heranzukommen. Schatzgräber gibt es nicht erst heute. Einstmals träumte die Frau des Wendel Loch, daß unter dem Palas der Lichtenburg ein Goldschatz begraben liege. Er sei mit Hilfe des Teufels dort versteckt worden, der ihn auch in der Gestalt eines großen Hundes bewache. Sobald man zu graben anfinge, würde der Hund sich zähnefletschend und laut bellend nähern. Derjenige, der trotzdem weiter nach dem Schatz grabe, ohne Angst, könne ihn auch heben. Also machte sich am nächsten Tag der Wendel mit zwei Freunden an die Arbeit. Mühsam schaufelten sie eine weite, tiefe Grube und wollten schon aufgeben, als sie auf eine Steinplatte stießen. Mit neuem Eifer gruben sie weiter, bis sie plötzlich deutlich das Bellen eines Hundes aus der Tiefe vernahmen. Erschrocken hielten sie inne, das Bellen wiederholte sich. Da griffen sie nach ihren Schaufeln und flüchteten, als sei der Teufel hinter ihnen her. Zu Hause erinnerten sie sich, daß sie den Schatz doch hätten heben können, wenn sie ohne Furcht weitergegraben hätten. Sie gingen erneut ans Werk, ergebnislos, denn sie hatten die einmalige Chance nicht genützt.



Beim ersten Hahnenschrei

Wenn‘s nicht anders geht, dann soll mir eben der Teufel helfen, meinte ein armer Tagelöhner aus dem oberer Glantal. Er war arm wie eine Kirchenmaus, und was er aus seinen paar Äckerchen erwirtschaftete und als Tagelohn nach Hause brachte, reichte kaum für das tägliche Brot, geschweige denn für ein bescheidenes eigenes Häuschen. Und gerade daran hing sein Herz. Das wusste der Teufel. Er besuchte den Tagelöhner, als er wieder einmal recht niedergeschlagen dem Dorf anstrebte. ,,Gib mir deine Seele, und ich verspreche dir, dass bis zum ersten Hahnenschrei dein neues Haus draußen am Ortseingang auf deiner Wiese stehen wird!" "Was geschieht aber”, meinte der Tagelöhner, ,,wenn das Haus bis zum festgesetzten Termin nicht fertig ist?" Dann ist unser Vertrag nichtig, und du kannst den Bau fertig stellen." Als der Tagelöhner einschlug, blitzte der Schalk aus seinen Augen. Sofort ging der Teufel ans Werk. Es war eine Wonne zuzuschauen, wie die Mauern wuchsen. Ziegel reihte sich neben Ziegel. Der neue Tag kündigte sich an, als der Teufel vom Dache rief: ,,Ich schaffe es; noch bevor der erste Hahn kräht, wird das fertige Haus dir gehören!” Der Tagelöhner sah, dass nur noch drei Reihen Ziegeln zu legen waren, da fing er an zu krähen, so laut er konnte, sind alle Hähne in der näheren Umgebung fielen ein. Der Teufel sah sich betrogen. Er stieß einen fürchterlichen Fluch aus und verschwand in einer dichten Schwefelwolke.


Der Lapphut

Ein Bergmann aus Waldmohr erzählte einmal folgende Geschichte: "Ich hatte Mittagsschicht in der Bexbacher Grube. Es dunkelte schon, als ich mich auf den Heimweg machte. Es war mir bekannt, daß der Wald von Waldmohr verrufen war. Deshalb fasste ich auch den Grubenstecken fester. Ich glaubte schon, noch einmal unbehelligt davongekommen zu sein, doch da räusperte sich jemand neben mir. Da ging einer mit einem breitrandigen Hut und langem Mantel. Der Lapphut! Donnerwetter! Wie fuhr es mir da in die Knie! So hatte ich mich noch nie in meinem leben gefürchtet. Was wollte der Kerl nur von mir? Wenn er doch den Mund aufgetan hätte! Er tat mir nicht den Gefallen. Ich lief, doch er blieb bei mir, ohne seine Schritte zu beschleunigen. Am Wegkreuz sank ich nieder, ganz einfach deshalb, weil mich meine Beine nicht mehr tragen wollten. Ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel. Kaum war es über den Lippen, als mich ein eiskalter Wind streifte, obwohl wir im Hochsommer lebten. Eine feurige Kugel sauste durch die Luft und zerplatzte über den Bäumen. Ich suchte, so schnell es gehen wollte, nach Hause zu kommen." "Mein lieber Freund!" sprach da der Nachtwächter, "du kannst von Glück reden, dass du ohne jeden Schaden diese Begegnung überstanden hast. Ich weiß von vielen, denen der Lapphut über den Weg lief, die nicht wie du ungeschoren blieben."


Die vergrabenen Glocken

Es gibt Geister, die den Holzfrevel bestrafen, oder die Menschen von diesem Diebstahl abzuhalten wissen. Das geschah zwei Männern aus Wahnwegen. Sie gingen am Abend hinaus in den Wald, um sich etwas Holz zu besorgen. Kaum hatten sie ihr Bündel auf den Rücken geladen, als hinter ihnen ein Mann auftauchte, der eine Menge Ketten nach sich schleifte. Da machten sie, dass sie nach Hause kamen. Am nächsten Tag lag ihr Holz noch an der Stelle, daneben aber türmte sich ein großer Haufen Ketten. Der Alte aber war verschwunden.

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