Gewänder Handelshof

Gewandungstipps für Einsteiger und Fortgeschrittene


Wer neu bei uns Glanländern ist, absolviert erst einmal ein Probejahr, das auch als Orientierungsjahr gedacht ist, d.h. er stellt eine Saison lang einen Waffenknecht in der Grafengarde dar.

Er sollte sich im Probejahr folgende Ausrüstung zulegen:

Frauen:
einfaches Oberkleid.

Männer:
Hemd bzw. Untergewand (Cotta), Hose (besser Bruche und Beinlinge) und Surcoat (Übergewand) wobei man den Surcoat noch nicht unbedingt benötigt.

Bei Lagern im Frühjahr und Herbst sollte man noch Umhang und Gugel tragen.

Weiterhin sollte man folgende Gegenstände besitzen: Essgeschirr wie Holzteller, Holzlöffel, Trinkbecher aus Ton. Weiterhin sollte man sich eine einfache Sitzgelegenheit zulegen. Hocker oder kleine Bank. Keine „Wiki-Afrika-Steckstühle“ !

Schuhe:
Turnschuhe sind tabu. Zum Kämpfen können Bundeswehrstiefel (Knobelbecher) getragen werden. Springerstiefel (also mit Schnürung) sollten vermieten werden. Will man sie wegen unebenem Gelände tragen, sollte man die Schnürung mit Lederschienen verbergen.
Für die Lagerdarstellung sollte man Schuhe haben, die eine mittelalterliche Optik haben.

Bei der Anschaffung von Kleidung und Ausrüstung sollte man sich erst einmal Gedanken machen, was man darstellen will. So macht es z.B. keinen Sinn sich eine Edelgewandung zuzulegen, wenn man von der Kampfausrüstung eher einen Kriegsknecht darstellen will.
Auch bei dem Mittelalternamen und dem Wappen sollte man das Probejahr nutzen um sich darüber Gedanken zu machen. So ergibt es keinen Sinn, wenn man sich einen normannischen Namen zulegt und dann ein staufisches Wappen trägt. Es spricht nichts dagegen sich erstmal einen mittelalterlichen Vornamen zuzulegen. Der Familienname kommt mit der Zeit.

Es können auch historische Personen dargestellt werden, jedoch sollte man hier darauf achten, dass es sich nicht um Personen aus dem Hochadel handelt. Zum Beispiel zu sagen: „Ich stelle Richard Plantagenet dar.“, wäre sehr unpassend.
Es ist auch möglich sich den Namen eines historischen Adelsgeschlechts zuzulegen. Hier muss aber klar sein, dass man die Person entsprechend seines Titels im Verein darstellt. Wer sich also den Namen eines Grafengeschlechts zulegt z.B. Leiningen oder Veldenz ist NICHT der Graf diesen Namens.
Bei Namen und Wappen wäre auch darauf zu achten, dass es diese in der Szene noch nicht gibt. Weiterhin sollte man bei Namen von historischen Adelsgeschlechtern darauf achten, ob es diese Familie heute noch gibt. Hier muss nämlich nachgefragt werden, ob man das Wappen und den Namen für die mittelalterliche Darstellung überhaupt verwenden darf, z.B. Leiningen.

Während der Knappenzeit ist es auch unüblich, dass der Knappe schon sein eigenes Wappen trägt. Genauso führt ein Knappe noch keinen eigenen Pennon mit.
Oftmals hat der Herr des Knappen noch einen alten Waffenrock, den dieser dann tragen kann.

Auch sollte man sich über den Zeitraum Gedanken machen, den man darstellen will. Bei einem Ritter sollten die Rüstungsteile zueinander passen!
Bei dem darstellenden Zeitraum haben wir uns auf das Hochmittelalter geeinigt, d.h. das 12. Und 13. Jahrhundert, genauer der Zeitraum von ca. 1150 – ca. 1300. (31. Dezember 1149 ist auch OK ?). Das ungefähre Jahr 1150 ergibt sich daraus, dass wir Waffenröcke tragen, dies war erst nach dem 2. Kreuzzug 1147-1148 üblich.

Als Grundlage für die Gewandung könnte z.B. die Manessische Liederhandschrift oder die Kreuzfahrerbibel dienen.
Fragt die älteren Mitglieder nach Literatur.

Es sollte auch darauf geachtet werden, dass Waffen, Helme und Rüstungsteile, die nicht in unseren Zeitraum passen, nichts in einem Lager zu suchen haben.

Weiterhin sollte klar sein, dass wir das europäische Mittelalter darstellen, d.h. japanische oder mongolische Kleidung sind fehl am Platz.
Auch wer einen Schotten darstellen will kann dies tun, ihm sollte allerdings bewusst sein, dass sich hier die Kleidung nicht von der, der anderen europäischen Ländern unterschied. „Braveheart“ trägt eigentlich die Kleidung von „Rob Roy“!

Darstellung eines Ordensritters: Wer einen Ordensritter oder einen Sergeanten eines Ritterordens darstellen will sollte sich über den entsprechenden Orden informieren, da man auf andere Ordensritter der Mittelalterszene trifft und es ein schlechtes Bild auf die Glanländer wirft, wenn man die Ordenstracht nur als Verkleidung sieht.
Da sich der Templerorden bei uns etabliert hat und sich eine Komturei (Ordenssitz) des
St. Lazarusordens im Aufbau befindet, wäre es schön, wenn diese Orden bevorzugt würden. Falls jemand einen Ritter des Johanniter- oder des Deutschen Ordens darstellen will, kann er das tun, jedoch sollte man diese Gewandung nicht nur tragen, weil sie einem gefällt, sondern, wie oben schon erwähnt, wissen, dass die Darstellung eines Ordensritters in der Szene sehr ernst genommen wird.

Stoffe:
Baumwollstoff ist akzeptiert, besser ist Leinen- oder Wollstoff.
Baumwollstoff war in unserer Region ein Artikel, der importiert werden musste und der teuer war. Weiterhin waren es keine reinen Baumwollstoffe sondern Mischgewebe. Ein „gewöhnlicher“ Ritter konnte sich so was nicht leisten.
Für Unterhemden und Unterkleider kann aber auch der Baumwollstoff (Bomull) von IKEA genommen werden, da er nur 1, 60 Euro pro Meter kostet und eine Leinenoptik hat. Kaufhäuser wie Karstadt haben von Zeit zu Zeit auch Leinenstoff im Angebot. Nachschauen lohnt sich.

Pannesamt und Samt sind tabu. Pannesamt, da er eher in den Fantasybereich geht und Samtstoff, da er erst im 14. Jahrhundert aufkam und da auch noch nicht für Kleidung benutzt wurde.
Da ältere Mitglieder noch Kleidung aus Samt besitzen, kann solche Kleidung für vereinsinterne Treffen genutzt werden, für die Lager sollten sie vermieden werden.
Beim Kauf von Stoff sollte man sich einen „alten Hasen“ mitnehmen, um Fehlkäufe zu vermeiden.
Seidenstoffe wären möglich, doch sollte klar sein, dass so was eher jemand von höherem Adel sich leisten konnte. Sie sollten denen vorbehalten sein, die Hochadel darstellen. Bei Baronen und Grafen könnte die Kleidung mit Seidenstoff gefüttert sein.

Farben:
Die Stoffe können z.B. aus den Farben Weiß (Natur), Beige, Braun, Blau und Rot
sein. Natürlich sind auch andere Farben möglich. Rot ist auch wieder eher dem Hochadel vorbehalten sein.
Bei den folgenden beiden Farben ist Vorsicht geboten:
Gelb: Hier muss man darauf achten, dass es ein kräftiges Gelb ist.
Das blasse Hellgelb war im Mittelalter den Randgruppen vorbehalten und ist für uns
also tabu.
Schwarz war dem Klerus vorbehalten. Es sollte darauf geachtet werden, dass wenn
schwarze Kleidung getragen wird, diese nicht dominiert. „Ausnahmen bestätigen die
Regel“. Das heißt die Anzahl der Mitglieder, bei denen schwarz dominiert, sollte
sich gering halten. Selbst wenn schwarz im Wappen vorkommt, heißt das nicht,
dass die Kleidung schwarz sein muss.
Für Frauen sind schwarze Kleider tabu! Sie passen einfach nicht in die
Mittelalterdarstellung sondern gehören auf ein Wave-Gothik-Treffen.


Die Kämpfer:
Wer Schaukampf und/oder Freikampf betreiben will, sollte sich Gedanken machen, ob er nach seinem Probejahr einen Ritter darstellen will oder erstmal weiterhin einen Waffenknecht (Sergeant) verkörpert, für den ein Minimum an Ausrüstung reicht.
Für den Anfang sollte man über folgende Ausrüstung verfügen:

  • Wattierter Waffenrock (Gambeson)
  • Polsterhaube (am besten mit Kettenhaube)
  • Handschuhe mit Polsterung
  • Schild
  • Schwert

Wer also im Probejahr oder in der Knappenzeit ist, braucht noch kein teures Kettenhemd!

Für den Freikampf in einer Feldschlacht sollte man einen Helm haben. Hier muss auch wieder darauf geachtet werden, dass der Helmtyp in die Zeit passt.

Als Ritter muss man folgende Ausrüstung haben:

  • Wattierter Waffenrock (Gambeson)
  • Polsterhaube
  • Handschuhe mit Polsterung/Kettenfäustlinge (Panzerhandschuhe passen zwar nicht in die Zeit, sind aber akzeptiert, da sie den bestmöglichen Schutz bieten)
  • Schild
  • Schwert
  • Kettenhaube
  • Kettenhemd
  • Kettenbeinlinge (optional)
  • Helm
  • Lanze mit Pennon (zum Repräsentieren)
  • Wappenrock

Zusatzrüstung sollte auch wieder in die Zeit passen. So waren Beinschienen am Unterschenkel eher aus Leder als aus Metall. Plattenteile an Schulter und Oberarm passen nicht zur Hochmittelalterdarstellung und sind zu vermeiden.
Über dem Kettenhemd kann noch ein so genannter Plaaten getragen werden, wenn der darstellende Zeitraum nach 1240 liegt. Bei einem Plaaten waren auf Leder Metall- oder Holzplatten angebracht, das ganze war dann evtl. in den Wappenrock eingearbeitet. Solche Platten können auch an der Rückseite des Leders angebracht werden, so dass nur die Köpfe der Nieten zu sehen sind.

Als Ritter sollte man auch über entsprechende höfische Gewandung verfügen um die Ritterschaft bei Treffen mit anderen Ritterschaften zu repräsentieren bzw. um bei den Tanzvorführungen gut auszusehen.
Für einen Freiherrn oder Baron ist die Edelgewandung unerlässlich.

Für Knappen oder Waffenknechte genügt einfache Kleidung.
Hier sollte der Neuling erst einmal in die Grundausstattung investieren, anstelle sich eine pompöse Edelgewandung zuzulegen.

Falls Unklarheiten bei Gewandung und Rüstung herrschen, fragt die älteren Mitglieder,
denn die haben die nötige Erfahrung bzw. Literatur um sich in ein Thema hineinzulesen.


Die Vorstandschaft


Hier der Beitrag als Word-Datei zum runterladen: Gewandungstipps


Zurueck