Essen & Trinken Mühle

Essen und Verhalten

Die meisten Menschen begnügten sich mit zwei Mahlzeiten pro Tag.

Folgendes Sprichwort bestätigt diese Sitte: "Die Engel essen einmal am Tage, die Menschen zweimal am Tage, und was darüber hinausgeht, ist tierisch und nicht menschlich." Frühstück gab es durchaus; zumindest Kinder und Kranke hatten Anspruch darauf. Im College de Perigord in Toulouse bot man Besuchern, die früh am Morgen gekommen waren, eine Art Imbiß an. Auch wer tagsüber schwer arbeiten mußte, kam in den Genuß dieses morgendlichen potus, der aus Wein und je nach Tag aus Fleisch, Innereien oder Hering bestand.

 

Es ist zu vermuten, daß auch die Bauern etwas zu sich nahmen, bevor sie aufs Feld gingen. Wenn am Spätnachmittag hohe Gäste im College de Perigord ankamen, servierte man ihnen eine leichte Mahlzeit (collation), d. h. Wein, Käse und Birnen oder Kastanien und andere Trockenfrüchte und bei ganz besonderen Gelegenheiten auch Süßwaren. Diese Art von leichter Zwischenmahlzeit gab es im College nur zu außergewöhnlichen Ereignissen: Bei der Hochzeit eines Dieners, zur Feier eines neuen Doktortitels oder am Vorabend großer Kirchenfeste. Während der übrigen Zeit waren zwei Mahlzeiten pro Tag die Regel. Mittagessen (lat. prandium) gab es zwischen zehn und elf Uhr vormittags, Abendessen (cena) zwischen 16 und 19 Uhr. Wer bereits wie die Bauern früh am Morgen etwas gegessen hatte, konnte mit dem Mittagessen auch bis mittags warten. Doch gerade die Essenszeiten der Bauern hingen von der landwirtschaftlichen Arbeit ab, die ihren eigenen Rhythmus hat. In der freien Natur zu essen, war nicht nur den Bauern vorbehalten. Im höfischen Roman werden immer wieder Picknicks der Aristokratie geschildert, manchmal auch als Tete-ii Tete eines Liebespaares: Jean und Blonde, auf der Flucht aus dem Schloß von Blondes Vater, der sie mit dem Grafen von Gloucester verheiraten will, verstecken sich in einem Wald; dort breiten sie eine Tischdecke auf dem Gras aus und verspeisen die Kuchen, Brote und Geflügelpasteten, die ihr Diener besorgt hatte. Und während sie ihren Wein trinken, hören sie: "den süßen Klang / der Drossel und der Nachtigall / und aller anderen Waldvögel / die ihnen auf ihre Weise / das Abend und das Morgengebet singen".

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