Militärischer & hospitalischer Orden
des Heiligen Lazarus von Jerusalem
Vorläufer und Anfänge
Der Name der Bruderschaft geht auf ein Leprosorum zurück,
das 530 n. Chr. in der Nähe von Bethanien, dem Ort an dem Lazarus durch Christus
von den Toten erweckt worden sein soll, als Haupthaus für die bereits seit
dem 5. Jahrhundert in Akko und Cäsarea bestehenden Leprahospitale gegründet
wurde. Neben der Pflege von Leprakranken widmeten sich diese von armenischen Mönchen
nach den Regeln des Heiligen Basilius geführten Krankenhäuser auch der
Betreuung von Pilgern.
Ihre erste urkundliche Erwähnung findet die Bruderschaft in der Bulle des
Papstes Benedikt IX. im Jahre 1043, die der Bruderschaft bestimmte Privilegien
gewährt. Bis zur Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer des 1. Kreuzzuges
unterstanden die Brüder der geistlichen Protektion des griechischen Patriarchen
von Jerusalem. Nach der Eroberung der heiligen Stadt (1099) wurde von einem gewissen
"Bruder Gerhard", der als Gründer des Johanniterordens gilt, auch
das Hospital des Heiligen Lazarus reorganisiert. In dieser Zeit übernahmen
die Lazarusbrüder die Augustinerregel und kamen nun unter das Protektorat
des lateinischen Patriarchen von Jerusalem. Deshalb wird das Jahr 1099 auch oft
als Gründungsjahr des Orden angesehen.
Anderen Quellen zufolge ist der Orden eine Nachfolgeorganisation der Bruderschaft
die nach den Regeln des Heiligen Basilius lebte. Dies würde bedeuten, dass
der Lazarusorden der älteste Ritterorden überhaupt ist!
Der Ritterorden
Bereits im frühen 12. Jahrhundert wurden die an Lepra
erkrankten Rittermönche der Johanniter und der Templer dem Hospital des Heiligen
Lazarus überstellt. Es wurde kein aussätziger Ritter aus seinem Orden
ausgeschlossen oder zum Übertritt gezwungen. Man bat den erkrankten Ritter
in den Lazarusorden überzuwechseln, bzw. erhoffte von ihm, dass er selbst
seinen Abschied einreichte, weil diese Geste schöner sei und von Großmut
zeuge. Der Ritter blieb jedoch mit seinen alten Ordensbrüdern in Kontakt,
denn diese achteten darauf, wie es ihrem ehemaligen Bruder bei Lazarus erging.
Aus der Notwendigkeit das Lazarett gegen Angriffe der Sarazenen zu schützen
und der Möglichkeit, dass auch von der Lepra befallene Ritter durchaus noch
in der Lage waren ein Schwert zu führen, wandelte sich der reine Pflegeorden
in einen Ritterorden mit militärischen Aufgaben (ab 1120). Die militärische
Abteilung der Lazarener, die auch Lazari(s)ten genant wurden, bestand aus Rittern,
die vom Wunsch beseelt waren lieber in der Schlacht zu sterben, als bei lebendigem
Leib langsam zu verfaulen. Die "lebenden Toten" verbreiteten Schrecken,
waren wegen ihrer Tapferkeit berühmt und sollten sich die nächsten 200
Jahre in vielen Schlachten auszeichnen.
Die Statuten der Lazaretten schrieben bis zum 14. Jahrhundert vor, dass auch der
Ordensgrossmeister (GM) ein Leprakranker sein musste. Das Verhältnis zwischen
Lazarett und Hospital (Johanniter) einerseits und zwischen Lazarett und Tempel
andererseits ist nach den jeweiligen Quellen unterschiedlich bezeugt. Während
aus der Sicht der Johanniter berichtet wird, dass die meisten GM und hohe Würdenträger
des Lazarusordens ehemalige Hospitaliter waren, schreiben die den Templern zugewandten
Autoren, dass die Lazarener gerade zu den Tempelherren besonders enge und gute
Kontakte hatten.
Im Jahre 1258 habe sich der damalige GM des Tempels, Thomas Béraud, bei
einem Angriff der Genueser auf die Niederlassungen der Pisaner und Venezianer
in die Lazarus-Komturei von Akko zurückgezogen. Die Genueser waren jedoch
Verbündete des Hospitals, während die Templer mit den Venezianern verbündet
waren. Bei der Verteidigung des belagerten Akko (1291) haben Templer und Lazarener,
templerfreundlichen Quellen zufolge, im gleichen Armeekorps gekämpft.
(timediver´s Anmerkungen: Möglich, dass:
1. sich der Antagonismus der Templer und Johanniter nicht auch im Lazarusorden
fortsetzte,
2. sich die Lazarener in diesem Konkurrenzkampf neutral verhielten,
3. auch alles Positive zwischen Lazarett und Tempel nach 1312 ausgelöscht
und nur noch ein gutes Verhältnis zu den Johannitern tradiert wurde).
Outremer
Die Könige von Jerusalem, insbesondere der leprakranke
Balduin IV., schätzten und unterstützten den Lazarusorden. Während
der Herrschaft der Königin Melisande besaß der Orden in Bethanien ein
eigenes Ordenshaus und eine eigene Kirche. Bis zum Jahr 1155 enstanden neue Ordenhäuser
in Tiberias, Askalon und Beirut. Da die Lazarener einen sehr guten Ruf hatten,
wurde ihnen die Verteidigung der Festungen Madjel-el-Djemerija und Kharbet-el-Zeita
übertragen. Die Ritter unter dem grünen Kreuz waren an allen Brennpunkten,
an denen Christen und Muslime gegeneinander kämpften, im Einsatz. Der siegreiche
Sultan Saladin war nach seiner Eroberung Jerusalems (1189) von Lazarusorden derart
beeindruckt, dass er das Lazarener-Hospital unter seinen persönlichen Schutz
stellte und den Kranken erlaubte, die Stadt durch das Lazarus-Tor zu verlassen,
um im Lazarett Zuflucht zu finden. In der Waffenstillstandszeit errichtete auch
der Lazarusorden seinen neuen Hauptsitz in Akko mit befestigtem Krankenhaus und
Ordenskirche. In Cäsarea wurden die Lazaruskirche und der Lazarusturm übernommen.
Auch nach Wiederaufflammen der kriegerischen Handlungen zeichneten sich die Lazarener
erneut durch besondere Tapferkeit aus. In der wichtigen Schlacht bei Gaza fanden
viele von ihnen den Tod (1244).
(timedivers´s Anmerkung: das Jahr in dem auch der Montségur fiel
!)
So konnte auch nur noch ein recht kleines Ordenskontingent Ludwig IX. (den Heiligen)
1250 auf seinem Kreuzzug begleiten. Erst im Jahre 1255 wurde der Orden unter der
Augustinerregel von Papst Alexander IV anerkannt. Die selben Privilegien, die
neben den Johannitern und Templern mittlerweile auch die später gegründeten
Deutschherren bereits erhalten hatten, wurden dem Lazarusorden gar erst 1262 von
Papst Urban IV. zugesprochen. Papst Clemens IV. erließ 1265 eine kuriale
Anordnung, wonach alle Leprakranken dem Lazarusorden zu unterstellen waren.
Nachdem 1291 auch Akko von den Moslems erobert worden war, mussten auch die Lazarener
Palästina verlassen. Sie verlegten ihren neuen Sitz zunächst noch wie
die anderen Ritterorden nach Zypern, jedoch später nach Sizilien, wo sie
neue Hospitale errichteten. Von Sizilien aus entwickelten sie später ähnliche
Aktivitäten wie die Johanniter (von Rhodos, und später als Malteser
von Malta aus), indem sie ihre eigene Flotte zur Sicherung des Mittelmeeres gegen
die Türken und maghrebinische Piraten einsetzten.
Europa
Ähnlich den Johannitern und den Templern hatten auch
die Lazarener bereits bevor sie Outremer verlassen mussten Hospitäler und
Ordenhäuser in ganz Europa gegründet. Die wichtigsten waren die Häuser
in Boigny und Capua. Bereits König Louis VII. von Frankreich, der von der
hospitalischen Arbeit des Ordens in Palästina beeindruckt war und dieses
Werk in seinem Land fortgesetzt wissen wollte, verlieh dem Orden 1154 den königlichen
Status und schenkte ihm das Schloß Boigny in der Nähe von Orleans.
Zu jener Zeit war die Lepra auch in Frankreich weit verbreitet. Dort hatte es
ca. 800 Leprosorien gegeben. Schon 1211 war das vom Stauferkaiser Friedrich II.
unterstützte Haus in Capua gegründet worden.
(timediver´s Anmerkung: Dies spricht wieder eher für eine Nähe
des Ordens zu den Johannitern oder seine Neutralität, denn Friedrich II.
war alles andere als ein Freund der Templer!)
Zur Zeit Heinrich II. (Plantagenet) war 1135 auch in England, in Burton Lazars,
von Roger de Mowbray ein Ordenssitz gegründet worden. Unter dem schottischen
König Alexander II. war der dortige Hauptsitz des Ordens bereits 1130 in
Linlithgrow errichtet worden. Weitere Häuser entstanden in Gotha (Hospital
der Heiligen Magdalena) in der Schweiz (Seedorf 1134) und ein weiterer Ordensitz
sogar in Ungarn. Alle europäischen Ordenhäuser, mit Ausnahme Capua,
waren Boigny untergeordnet . Wirtschaftlich war jedes Ordenhaus autonom und es
wurde zum größten Teil von den Insassen getragen, die bei ihrem Eintritt
ihr weltlichen Güter ihrem Ordenshaus vermachten. Nachdem es durch die Arbeit
der Ordensbrüder schließlich im 14. Jahrhundert gelungen war, die vormals
weit verbreitete Lepra in Europa zurückzudrängen, wurde der Orden immer
mehr zu einer militärischen Organisation. Papst Julius II versuchte 1505,
wie bereits Inozenz VIII. im Jahr 1498, den Lazarusorden aufzulösen, bzw.
in den Johanniterorden zu integrieren. Die Lazarener gaben schließlich nach
52 Jahren passivem Widerstandes auf und wurden ab 1557 vom Großmeister der
Johanniter befehligt. Die Übernahme einiger Einrichtungen durch die Johanniter,
die sich zu jener Zeit bereits nach ihrer neuen Heimat Malteser nannten, erfolgte
jedoch nur in Deutschland. Diese Zwistigkeiten hatten das Schisma des Lazarusordens
in die eigenständigen Priorate von Capua und Boigny zur Folge. Zu Capua gehörten
die sizilianischen Ordenhäuser, während dem Großmagisterium von
Biogny die übrigen europäischen Ordeneinrichtungen unterstellt blieben.
1554 wurde der Lazarusorden im anglikanischen England und Schottland aufgelöst.
Der Ordenzweig von Capua wurde im 16. Jahrhundert mit dem St. Mauritius-Orden
zusammengelegt. Der Zweig in Boigny fusionierte mit dem Orden Unserer-Lieben-Frau-vom-Berg-Carmel
und wurde infolge der Französischen Revolution aufgelöst.
Anmerkung des Webmasters:
Den Militärischen und Hospitalischen Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem
gibt es auch heute noch. Im Internet zu finden u.a.: OSLJ
Schweiz,
OSLJ World
Habit, Clamys und Grünes Kreuz
Über die Kleidung der Ordensritter gibt es auch widersprüchliche
Angaben. So wird davon berichtet, das der Mantel der Ordensbrüder, wie bei
den Augustinern, ebenfalls von dunkler, bzw. schwarzer Farbe, und ursprünglich
nicht mit Abzeichen versehen war. Ein grünes Stoffkreuz (manchmal in Tatzenform)
wurde an der Clamys angebracht, nachdem Raymond du Puy, der vormalige GM der Johanniter,
zum GM des Lazarusordens geworden war. Das zunächst in Outremer und erst
später in Europa getragene Kreuz befand sich auf der Brust des Habits oder
wurde an der linken Schulter getragen.
Es gibt verschiedene Interpretationen, warum gerade Grün gewählt wurde.
Da grün die Farbe des Propheten Mohammed ist, könnte sie sowohl als
Herausforderung der Moslems betrachtet werden, als auch als Zeichen des Respekts
und der Dankbarkeit gegenüber dem großzügigen Sultan Saladin verstanden
werden. Gegenüber den anderen Ritterorden trugen bei den Lazarenern auch
die Laienbrüder und die Diener das grüne Kreuz. Im 15. Jahrhundert veränderte
sich die Kreuzform dergestalt, dass seine Balken mehr oder weniger geteilt wurde.
Nach der Vereinigung mit den Johannitern bekam das grüne Kreuz schließlich
und endgültig die Form des Malteserkreuzes (Abb. 2). Die ehemaligen Lazarener
konnten nun zwischen weißem und grünen Kreuz wählen, bis sich
schließlich eine Kombination der beiden Kreuze (grünes Kreuz mit weißem
Rand, Abb. 3) herausbildete.
Monika Hauf schreibt jedoch auf Seite 52. in ihrem "Mythos
der Templer":
"...hatte auch der Heilige Lazarus eine militärische Abteilung, kenntlich
an einem "grünen Kreuz auf weißem (?) Grund." (Abb. 1a, Abb.
1b)
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| Abb. 1a |
Abb. 1b (Tatzenform) |
Abb. 2 |
Abb. 3 |
timediver´s Anmerkungen:
Die Tatzenform des grünen Kreuzes (angeblich von einem Johanniter
angeregt!?) und die Tragweise à sinistra erinnern sofort an die Templer.
Die für einen christlichen Ritterorden seltsame Version, dass die grüne
Farbe aus Respekt gegenüber Sultan Saladin gewählt worden sein könnte,
rückt in die Nähe der Vorwürfe, die im Prozess gegen die Templer
erhoben wurden. Bemerkenswert ist auch das grüne Kreuz mit weißer Bordüre,
das sofort an das Kreuz des Christusorden erinnern lässt. Dieser Orden war
nichts anderes als eine Nachfolgeorganisation der Templer, die die alten Kämpen
mit offenen Armen aufnahm. Um zu dokumentieren, dass die ehemaligen Ketzer auch
geläutert waren, versah man das alte Tatzenkreuz mit einer weißen Umrandung......
Weiß oder schwarz ? - diese Frage möchte ich
zur Diskussion stellen !
Quelle: Ronald Funck, timediver ®, www.timediver.de
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