Schwertbrüderorden
Milites Christi de Livonia
(Ritter Christi von Livland)
1202 - 1237
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| Im 12. Jahrhundert kamen Kaufleute
aus Lübeck in das Mündungsgebiet der Düna, um im Siedlungsgebiet der finno-ugrischen
Liven Handlungsniederlassungen zu gründen. Die den Händlern gefolgten Missionare
hatten zwar wenig Erfolg, erreichten aber die Errichtung des Bistums Livland,
dessen erster Bischof der Segeberger Ausgustiner Abt Meinhard wurde (1186). Der
zweite Bischof, der Lekkumer Zisterzienser Abt Berthold, war bei der Heidenmisson
ebenso erfolglos und fiel bei dem von ihm selbst organisierten Kreuzzug. Im Frühjahr
1200 erschien dann der Bremer Domherr Albert als dritter Bischof Livlands im Mündungsgebiet
der Düna und verlegte sich als echter Staatsmann und Diplomat auf Verhandlungen
mit den Liven. Seine Diplomatie hatte zur Folge, dass er am Riga-Bach, eines Nebenflüsschen
der Düna,kurz vor der deren Einmündung ins Meer im Jahre 1201 eine Ansiedlung
gründen durfte. Der Ort erhielt den Namen Riga und wurde Bischofssitz. |
Um den Kreuzfahrern, die unter seinen
Vorgängern ins Land gekommen waren, eine geordnete Organisation zu geben, gründete
Albert, nunmehr der erste Bischof von Riga, einen Ritterorden (1202). Der neue
Orden, der 1204 von Papst Inozenz III bestätigt wurde, übernahm von seinem Vorbild
den Templern neben der Regel und der Organisation auch dessen offiziellen Namen
"Milites Christi", allerdings mit dem Zusatz "de Livonia" (Ritter Christi von
Livland). Da dem ebenfalls übernommenen rotem Kreuz auf dem weissen Ordenmantel
ein rotes, aufrechtes Schwert hinzugefügt wurde, nannte man diese Ritter-Mönchs-Organisation
Schwertbrüderorden (Schwertritterorden). Winno von Rohrbach, ein Bruder des Bischofs
wurde der erste Herrenmeister, wie der oberste Gebieter des Ordens genannt wurde.
Der Ordssitz, zunächst in Riga, wurde in das etwa 60 km nordöstlich entfernte
Gebiet des baltischen Stammes der Wenden verlegt, wo an der livländischen Aa eine
Burg errichtet wurde. |
Die Einsicht Bischof Alberts, dass
das Land auf die Dauer nicht ohne militärischen Schutz auskommen konnte und deshalb
ein Ritterorden erforderlich war, sollte sich bald bestätigen, als der bisher
freundlich gesinnte Fürst von Polozk gegen Livland vorrückte und Riga bedrohte
(1203). Nach schweren Kämpfen konnte er erst 1204 zurückgeschlagen werden. Mit
Zustimmung des Papstes verlieh Kaiser Philipp von Schwaben Livland an Bischof
Albert als Reichslehen (1207). Mit dieser ersten Staatsgründung im Baltikum wurde
Livland Teil des deutschen Reiches und Albert Reichsfürst. |
1208 wurde der erste Herrenmeister
der Schwertbrüder Winno in der Burg Wenden von einem Ordensritter ermordet. Über
diesen Mordfall ist nichts Näheres bekannt; weder über den Täter, seine Motive,
noch sonstige Hintergründe. |
Zwischen dem zweiten Herrenmeister
Volquin Schenk von Winterstein (1208 - 1236) und Bischof Albert kam es bald darauf
zu einem Zerwürfnis darüber, dass nach Volquins Ansicht Albert nicht der alleinige
Landesherr sein sollte. Der Herrenmeister beanspruchte für sich die Hälfte der
Landesherrschaft, da nur durch seinen Orden der Landbesitz gehalten und neues
Land erworben werden konnte. Nachdem Albert dies abgelehnt hatte, rief der Orden
den Papst an. Innozenz III. entschied daraufhin, dass der Orden ein Drittel des
Landes als bischöfliches Lehen erhalten sollte. Der Orden, der nun dem Bischof
Gehorsam geloben musste, hatte zwar sein Ziel nicht erreicht, gab sich aber zufrieden.
Da sich die päpstliche Regelung nur auf Livland, d. h. auf das Gebiet der Diözese
Riga bezogen, war Bischof Albert nicht mit ihr einverstanden. In welcher Weise
sich der Orden mit weiter einzusetzenden Bischöfen einigen sollte, war nicht geregelt.
Albert erkannte, dass er nicht der einzige baltische Bischof bleiben sollte, denn
alsbald wurden die Bistümer Kurland, Estland, Ösel und Semgallen eingerichtet.
Er bemühte sich daher um das Amt eines Erzbischofes über das gesamte Baltikum
(und eventuell auch Preussen), um seine Stellung als Landesherr über das gesamte
Gebiet. Doch Papst Honorius III lehnte Alberts Ansinnen 1219 ab. Riga sollte erst
1245 Erzbistum werden. Die Herrschaftsteilung zwischen Bischof und Orden muss
als unglückliche Regelung bezeichnet werden, da sie zu Reibereien führte und die
Landesverwaltung und Missionsarbeit störte. (Aus diesem Grunde hatte der Hochmeister
des Deutschen Ordens, Hermann von Salza, stets darauf gedrungen, dass er in seinem
Ordengebiet alleiniger Landesherr war und nicht mit einem Bischof teilen musste.)
In Livland lagen die Dinge anders, da der Bischof hier zunächst alleiniger Landesherr
war und gewungen wurde die Herrschaft mit dem Schwertritterorden zu teilen. Auch
wenn der Papst es bereits ins Auge gefasst haben sollte, war es hier nicht (mehr)
möglich die Macht ungeteilt auf den Orden zu übertragen. Die Streitereien, Beschwerden,
Klagen und sogar Kämpfe zwischen beiden Herschaftsträgern ziehen sich wie ein
roter Faden durch die Geschichte Livlands. ( Hermann von Salza konnte die Bischof
Christian für Preussen vorschwebende Regelung durch das "Livlandische Muster"
dort jedoch verhindern.) |
Nach der Abwehr der Angriffe des
Fürsten von Polozk gegen Riga 1207, war es dem Schwertritterorden bis 1214 gelungen
das gesamte Baltikum, zuletzt Estland, zu besetzen. Die Besetzungen, insbesondere
Estlands durch den Orden hatte Bischof Albert nicht gern gesehen, da es zuvor
den (christlichen) Dänen gehörte, zu denen Albert Freundschaft halten wollte.
Da bereits auch deutsche Händler, vorwiegend aus Lübeck, bereits in Estland Handelsniederlassungen
gegründet hatten, glaubte der Orden in seinem Vordringen berechtigt zu sein. Der
Orden rückte bis zur Bucht Lindanes am finnischen Meerbusen vor, wo bereits 1200
ein Hafen mit einer Siedlung gegründet worden war und errichtete hier eine Burg,
die Reval genannt wurde(1214). Dieser Name sollte auf Hafen und Siedlung, die
später zum Hauptort Estlands wurde, übergehen. Im selben Jahr wurde Jurjew, eine
alte ursprünglich slawische (russische) Siedlung und wichtiger Ort am Verbingsweg
nach Nowgorod, besetzt. In Dorpat umbenannt wurde der Ort 1211 Sitz des Bischofs
von Estland. |
Nach dem Tode Bischof Alberts im
Jahre 1229 wählten das Domkapitel den Domherren Nikolaus als Nachfolger, der jedoch
nicht vom Papst bestätigt wurde. Gregor IX bestätigte und entsandte vielmehr einen
belgischen Mönch namens Balduin als Bischof nach Riga. Da Balduin in besonderem
Maße den baltischen Stamm der Kuren begünstigte, rief er Widerspruch hervor, besonders
seitens des Schwertritterordens, der sich schließlich durchsetzen konnte. Balduin
wurde schließlich 1234 wieder abberufen und nun Nikolaus als Bischof bestätigt.
Die Durchsetzung es Ordens gegenüber Baldiun hatte das Selbstbewußtsein des Ordens
und vor allem auch seine Stellung genüber dem Bischof erheblich gestärkt. Zusätzlich
hatte der Orden starken Zustrom von Kreuzfahrer erhalten. Der seit 1231 in Preussen
im Einsatz befindliche Deutsche Orden hatte ebenfalls große Fortschritte gemacht,
was für die Schwertritter ein zusätzlicher Ansporn wurde, der sie zum Leichtsinn
verführen sollte. |
Starke litauische Kräfte, die 1236
in Livland einfielen konnten zunächst vom Orden leicht zurückgeschlagen werden.
Der Herrenmeister lies sich jedoch zu dem schweren Fehler verleiten ihnen auf
litauisches Gebiet zu folgen. Die Schwertritter begaben sich nämlich in das litauische
Grenzgebiet Schamaiten, einem undurchdringlichen Sumpf- und Waldgebiet, das in
späteren Zeiten auch dem Deutschen Orden noch erhebliche Probleme bereiten sollte.
Da die Schwertritter hier überhaupt nicht ordnungsgemäß operieren konten und rettungslos
im Sumpf stecken blieben, wurden sie eine leichte Beute für die Litauer. Bei Saule
(Schaulen) wurde das Ordensherr vollständig vernichtet. Auch Herrenmeister Volquin
fand hierbei den Tod. Die verheerende Folge dieser Niederlage war, das die Litauer
mit Leichtigkeit ganz Kurland und Livland überennen konnten. Die letzten Schwertritter
konnten dies nicht verhindern und nur mit Mühe gelang es, Riga zu halten. In dieser
hilflosen Lage richtete das Ordenkapitel der Schwertritter einen Hilferuf an den
Deutschen Orden. Obwohl dem Landmeister Hermann Balk der Hilferuf äußerts ungelegen
kam, da auch sein Orden in schwere Kämpfe verwickelt war, entsandte er 60 Deutschordensritter
mit Gefolge, um den Schwertbrüdern Hilfe zu leisten. Sie trafen im letzten Augenblick
ein, um den Fall Rigas abzuwenden. Nur langsam besserte sich die Lage, da noch
große Teile Livlands und Kurland von den Litauern besetzt waren, die man noch
nicht vertreiben konnte. Die weitreichende Folge der Niederlage von Saule sollte
das Gesuch der Schwertbrüder um Aufnahme in den Deutschen Orden sein. Es stellte
sich heraus, dass der Aufnahmeantrag schon vor der Niederlage bei Saule auf Anregung
des Herrenmeisters Volquin in der Kurie besprochen wurde und das militärische
Fiasko damit nur noch der Auslöser gewesen war. Gregor ordnete schließlich die
Vereinigung der beiden Orden an, vermutlich durch den Legaten der Baltenmission,
Bischof Wilhelm von Modena, besonders bestärkt. 1237 kam es in Viterbo, wo sich
gerade die Kurie aufhielt, zu Verhandlungen über die Aufnahme des Schwertbrüderordens
in den Deutschen Orden. Die Zustimmung Dänemarks, das sich gegen eine Vereinigung
der Orden stemmte, konnte dadurch erreicht werden, dass den Dänen Estland uneingeschränkt
zugesichert wurde. Die erzielte Vereinigung der beiden Orden wurde nach dem Verhandlungsort
"Viterber Union" genannt.
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Durch die Vereinigung der beiden
Orden wurden auch zwei Staaaten vereinigt, bzw. wurde Livland dem Ordensstaat
Preussen angegliedert, wodurch dieser weit ins Baltikum hineinwuchs. Livland war
ein Lehen des Reiches, Preussen nicht. War Livland dies jetzt auch nicht mehr,
galten die Goldbulle von Rimini (Gründungsurkunde Preussens) und die Culmer Handfeste
(Grundgesetz des Ordensstaates) nun auch in Livland ? Solche und andere staatsrechtlichen
Fragen, die mit der Viterber Union zusammenhängen, sind kaum gestellt, geschweige
denn beantwortet worden. |
Die Vereinigung der beiden Orden
war jedoch nicht vollständig, da der ehemalige Schwerritterorden eine gewisse
Selbstständigkeit behielt. Seine Organisation wurde im Wesentliche beibehalten,
die Stelle des Herrenmeisters jedoch zum "Landmeister in Livland" umgebildet.
Ansonsten änderten sich nur Äußerlichkeiten, indem auf dem weissen Ordensmantel
das schwarze Kreuz der Deutschritter das rote Kreuz mit rotem Schwert ersetzte,
und Wappen und Siegel geändert wurden. |
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Quelle: Ronald Funck, timediver ®, www.timediver.de
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