Ritterorden
Die Tempelritter

Die Tempelritter, kurz Templer genannt, war ein Ritterorden im Mittelalter. Der volle Namen dieser Gemeinschaft war „Arme Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel“. Diesen Namen bekamen sie, da sie unter anderem ein Armutsgelübde ablegten und ihr Ordenssitz sich in Jerusalem befand, wo früher der Tempel von König  Salomon stand. Außer Armut gelobten sie Keuschheit und Gehorsam.

1. Das Aussehen der Templer und ihres Banners

Die Tempelritter trugen als Schutz ein Kettenhemd, Kettenbeinlinge und eine Kettenhaube. Der Helm war am Anfang wohl eine Eisenhaube oder ein Topfhelm mit Nasal und später im 13. Jahrhundert ein kompletter Topfhelm mit Sehschlitzen. Als Bewaffnung diente ihnen ein Schwert und eine Lanze. Die Ritter des Ordens, die das Mönchsgelübde abgelegt hatten, trugen einen weißen Wappenrock auf dem ein rotes Kreuz war und einen weißen Umhang, auf dem auf der linken Seite ein rotes Kreuz angebracht war. Die Templer der ersten Jahre trugen allerdings ihre weltliche Kleidung. Bis 1147 trugen die Ritter des Ordens wahrscheinlich einen weißen Mantel ohne Kreuz. Am 27. April 1147 gestattete Papst Eugenius III dann den Templern ständig das Kreuz zu tragen, als Zeichen dafür, dass der Orden ständig an das Kreuzzugsgelübde gebunden war.
Die Farbe Rot ist hierbei Symbol für das von Jesus Christus vergossene Blut. Wahrscheinlich hatte das Kreuz erst von diesem Datum an die unten gezeigte Form. Dieses Kreuz nennt man Tatzenkreuz.

Allerdings variierte dir Form des Kreuzes wohl von Komturei zu Komturei. So waren auch folgende Kreuze gebräuchlich:
       

Das Kreuz konnte allerdings auch lang gezogen sein, also die so genannte „lateinische Form“ haben. Auf dem Schild waren dann eventuell sogar der obere und der untere Balken gleich lang gezogen.
Neben den Rittern, die dem Orden auf Lebzeit angehörten, gab es auch Gastritter. Diese Ritter, die nur auf Zeit dem Orden angehörten, nannte man „milites ad terminum“. Hierbei handelte es sich um Ritter, die für einen festgelegten Zeitraum, oft ein Jahr und einen Tag, dem Orden dienten. Sie trugen wohl einen weißen Wappenrock, durften aber keinen weißen Mantel tragen. Nur die Ritter auf Lebzeit waren ganz in weiß gekleidet.

In der Mittelalterszene könnte man z. B. dies betonen, in dem der Gastritter des Ordens eine braune oder schwarze Gugel trägt.

Neben den Rittern gab es noch die Sergeanten, dies waren freie Männer, die sich dem Orden als Kämpfer anschlossen. Meistens wahren es nichtadlige, wobei auch denkbar ist, dass es sich um Ritter handelte, die nicht die Kriterien erfüllten, um als Ritter in den Orden aufgenommen zu werden, z. B. wenn der Großvater kein Ritter war und erst der Vater den Rang des Ritters hatte. Die Sergeanten trugen einen schwarzen Wappenrock. Wie die Ritter auf Zeit hatten sie kein Keuschheitsgelübde abgelegt. Sie hatten das Kreuz auf der Brust und auf dem Rücken. Die Sergeanten durften ein Pferd haben, wobei die Ritter drei Pferde haben durften.
Weiterhin gab es dann noch die dienenden Brüder, wie z. B. Gärtner, Maurer und Zimmerleute, sie trugen braune Gewänder.
Die Priester des Ordens trugen eine weiße Robe, dazu weiße Handschuhe. Ob sie das Kreuz auf der Brust hatten, ist unklar. Um sich von Zisterziensermönchen zu unterscheiden, währe dies denkbar. Das tragen des weißen Mantels musste von dem zuständigen Bischof genehmigt werden, denn dieser war primär den Rittern vorbehalten.
Im Gegensatz zu weltlichen Rittern trugen die Templer ihre Haare kurz und im Gegensatz zu den Zisterziensermönchen war es ihnen erlaubt einen Bart zu tragen. Die Ordensregel der Templer war derer der Zisterzienser ähnlich. Der Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux verfasste nämlich die Ordensregel für die Templer.
Das Banner der Templer war schwarz (oben) und weiß (unten), es wurde als beaussant oder baucent bezeichnet, was zweigeteilt heißt.
Die Farben hatten folgende Bedeutung:
Weiß bedeutet Reinheit und Keuschheit, Schwarz Kraft und Mut.

Eine weitere Interpretation ist:
Sie sind hell zu ihren Freunden und dunkel zu ihren Feinden.


2. Die Gründung des Ordens

Wann genau der Orden gegründet wurde, lässt sich schwer nachvollziehen. Manche Autoren geben 1118 als Gründungsjahr an und berufen sich auf Wilhelm von Tyrus, der aber erst 1130 geboren wurde und 1175 Erzbischof von Tyrus wurde. Aufgrund der Aussage, der Orden wäre neun Jahre tätig gewesen, bis er am 13. Januar 1128 auf dem Konzil von Troyes bestätigt wurde, geben andere Autoren das Jahr 1119 an. Auf dem Konzil von Troyes verfasste Bernhard von Clairvaux die Ordensregel für die Tempelritter.
Bedenkt man nun, dass das Jahr damals anders berechnet wurde, das Jahr begann am 25. März und endete am 24. März des folgenden Jahres, so bedeutet dies, dass der 13. Januar 1128 nach heutiger Zeitrechnung der 13. Januar 1129 ist. Rechnen wir nun neun Jahre zurück, kommen wir auf das Jahr 1120 als Gründungsjahr des Ordens, was wiederum andere Autoren als Gründungsjahr angeben.
Bedenkt man aber, dass die Zahl neun im Mittelalter eine magische Zahl war und sich ein Satz wie „neun arme Ritter bewachten neun Jahre lang die Pilgerwege“, gut macht, so kann man davon ausgehen, dass der Orden schon länger als neun Jahre vor dem Konzil von Troyes existiert hat.
Der erste Großmeister des Templerordens, Hugo von Payns, befand sich schon 1114 in Jerusalem, wo er das zweite mal auf Pilgerfahrt war. Das erste Mal war er 1104 zusammen mit dem seinem Vetter, dem Grafen der Champagne, auf Pilgerfahrt in Jerusalem.
Also hielten die neun Ritter sich wahrscheinlich schon ca. 1115 auf in Jerusalem auf, evtl. existierte die Gemeinschaft schon zu diesem Zeitpunkt unter dem Namen Militia Christi.
Die Anzahl der Ritter scheint auch mittelalterliche Zahlenmystik zu sein. Denn bereits 1129 war die Aqsa-Moschee zu einer Festung ausgebaut worden und 1127 waren nachweislich sechs der angeblich insgesamt neun Ritter in Europa. Es ist unwahrscheinlich, dass drei Ritter allein eine Festung ausbauten und die umliegenden Pilgerwege bewachten. Im Jahr 1125 soll der Vetter von Hugo de Payns, Graf Hugo von der Champagne, dem Orden beigetreten sein. Also wären es dann schon Zehn gewesen.

Folgende Ritter gelten als die Gründer des Templerordens:
Hugo von Payns
Gottfried von Saint-Omer
Andreas von Montbard
Gundomar
Gudfried
Roland
Payen von Montdidier
Gottfried Bisol
Archibald von Saint Amand

Geht man davon aus, dass jeder Ritter einen  Knappen und sonstige bewaffnete Männer hatte, kann man davon ausgehen, dass der Orden schon vor 1129 relativ groß war. Das heißt, dass wir die Sache mit den neun armen Rittern als Märchen ansehen können.
 Obwohl die Ritter des Ordens ein Armutsgelübde ablegten, verfügte der Orden von Anfang an über große Geldmittel, da die ersten Templer alle reich waren und ihre Besitztümer dem Orden überschrieben. Jeder Ritter, der dem Orden beitrat überschrieb ihm ebenfalls alle seine Besitztümer. Oft traten dem Orden zweitgeborene Söhne bei, die keinen Erbanspruch hatten und auszogen um Ruhm und Ehre zu erlangen.
Von 1127 an, wurden dem Orden Schenkungen in Frankreich, England, Spanien, Portugal, Italien und auch in Deutschland gemacht. So einen Landbesitz nennt man Komturei.
In Deutschland hatten die Templer nicht so viele Komtureien wie in anderen europäischen Ländern, da hier der Johanniter-Orden und ab 1199 der Deutsche Orden stark vertreten war. In Berlin hatten die Templer eine Komturei, der Name des Stadtteils Tempelhof kommt aus der Zeit der Templer. Weiterhin waren in Mainz und Worms Komtureien der Templer gewesen sein. In der Nähe von Bad Kreuznach, in dem Ort Fürfeld, steht noch heute eine Kapelle der Tempelritter. Die dortige Komturei war früher eine befestigter Gutshof. Der Name dieses Hofes ist Hof Iben (im mittelalter Yben).

3. Die Templer und die Reconquista

Der Orden der Tempelritter nahm auch an der Rückeroberung der iberischen Halbinsel teil. Dieser Krieg gegen die Mauren in Spanien und Portugal wurde Reconquista genannt. In Portugal erhielt der Orden wahrscheinlich schon im Jahr 1126 eine Schenkung.
Sicher ist, dass dem Orden nach dem Konzil von Troyes eine Burg geschenkt wurde, die 1111 von den Mauren erobert wurde. Solche Schenkungen waren damals üblich, um die Ritterorden anzuspornen, die ihnen versprochenen Gebiete zu erobern. Dadurch, dass die Templer die Mauren aus Portugal vertrieben, hatten sie ein gutes Verhältnis zum portugiesischen Königshaus. Dieses gute Verhältnis hatte zu Beginn des 14. Jahrhundert auch zur Folge, dass der Templerorden in Portugal als Christusorden weiter existierte.
Im September 1229 begann der König von Aragon, Jaime I, mit der Eroberung der Balearen, die von Moslems bevölkert waren. Der Anfang wurde mit der größten Balearen-Insel, Mallorca, gemacht. Hier landeten am 10. September 1229 die Truppen des Königs, darunter auch 300 Templer. In Santa Ponca erinnert ein Großes Steinkreuz an diesen Tag. Silvester 1229 wurde die Metropole der Insel, Medina Mayurka, erobert und in Palma umbenannt. Die Templer erhielten zum Dank viele Grundstücke. So steht auch noch heute in Palma eine Templerkapelle, sowie die Reste der Templerburg. Zu ehren ihres Fürsprechers, dem Zisterzienser-Abt Bernhard von Clairvaux, der von 1091 bis 1153 lebte und 1174 heilig gesprochen wurde, stellten die Templer in dieser Kapelle ein Altarbild auf. Dieses Bild wurde mit Öl auf Holz gemalt und hängt heute im Museo de Mallorca. Bernhard von Clairvaux schrieb die Lobschrift „De laude novae militiae“ (Lob des neuen Kriegsdienstes) für die Templer.
Für die Landarbeit hatten die Templer sarazenische Familien auf ihren Ländereien angesiedelt. Diesen Leibeigenen erlaubten die Templer weiterhin arabisch zu sprechen und gegen den Willen Papst Gregors IX. gestatten sie ihnen ihre Religion weiter auszuüben.
Auf Mallorca hatten die Templer ca. 18 Komtureien, die meisten im Norden der Insel. Im Jahr 1287 wurde die Nachbarinsel, Menorca, von den Mauren befreit.


Der heilige Bernhard von Clairvaux.

4. Das Siegel des Templerordens

 

Das Siegel der Tempelritter zeigt auf der einen Seite zwei Ritter auf einem Pferd. Angeblich soll dieses Motiv die Armut der Templer symbolisieren. In den Prozessen wurde ihnen vorgeworfen, es würde die angebliche Homosexualität beweisen, was totaler Unsinn ist.
Die Templer waren auch nicht so arm, dass zwei Ritter ein Pferd teilen mussten. Ganz im Gegenteil. Jeder Ritter hatte mindestens drei Pferde. Ein Pferd zum reiten, ein Transportpferd und ein Kriegspferd für die Schlacht. Die Meister des Ordens hatten vier Pferde.
Meiner Meinung nach symbolisiert dieses Siegel die Kameradschaft unter den Rittern. Es zeigt, dass in der Not der eine dem anderen hilft und dass zwei Mann geschlossen auftreten wie einer. Man kann es deuten wie der Spruch der Musketiere: „Einer für alle und alle für Einen“.

5. Bevorzugungen durch den Papst

Im laufe ihrer Geschichte erhielt der Orden der Tempelritter von dem jeweiligen Papst verschiedene Vorzüge zugesprochen. Ich habe hier mal einige Beispiele aufgeführt:
Papst Innozenz II 1130-1134   finanzielle Zuwendung
Papst Eugen III 1135-2245  Kirchenbuße (eine Art Kirchensteuer) um 1/7 ermäßigt
Papst Hadrian IV 1154-1159  Befreiung von Zöllen und Abgabe des Zehnten
Papst Alexander II 1159-1181 Güter wurden unter den Schutz des Vatikans gestellt
Papst Innozenz III 1198-1216  Verleihung der Immunität, d.h. kein Ordensmitglied durfte exkommuniziert werden
Papst Innozenz IV 1243-1254 Befreiung von der Rechtfertigung gegenüber Bischöfen

6. Die Prozess gegen die Templer

Als am 13. Oktober 1307, einem Freitag, der König von Frankreich Philipp IV, genannt der Schöne, alle Templer in Frankreich verhaften ließ, begann der Untergang des Templerordens.

6.1. Der Grund für die Verhaftung

Die meisten Autoren geben als Grund für die Verhaftung durch Beamte des Königs Habgier an. Allerdings hatte Philipp IV wohl eher etwas gegen die Templer, da sie ihn erstens als Ehrenmitglied ablehnten und zweitens der Großmeister des Ordens, Jaques de Molay, es ablehnte zusammen mit den Johannitern einen neuen, größeren Orden zu gründen. Dieser neue Orden hätte Ritterorden von Jerusalem heißen sollen und als Oberbefehlshaber wollte der König von Frankreich seinen Sohn einsetzen. Da dieser Zusammenschluss durch die Ablehnung von Jaques de Molay nie zustande gekommen ist, kann man dies eher als Grund ansehen. Denn der König von Frankreich konnte sich auch nicht Sicher sein, dass er die Güter des Ordens bekommen würde, da sie ja eigentlich unter dem Schutz des Papstes standen. Nach der Auflösung des Templerordens bekamen die Johanniter auch den größten Teil der Templerkomtureien überschrieben.

6.2. Die Anklagepunkte

Hier soll erst mal angeführt werden, was der König von Frankreich den Templer vorwarf.
Der erste Anklagepunkt ist die Verleugnung von Jesus Christus. Die Templer sollen behauptet haben, dass Jesus ein falscher Prophet war, der für seine Verfehlungen und nicht für die Menschen gestorben sei. Weiterhin sollen sie das Kreuz bespuckt, es getreten und darüber uriniert haben.
Der zweite Anklagepunkt ist der, dass die Meister des Ordens die Absolution erteilt hätten, obwohl sie keine geweihten Priester waren.
Als dritter Anklagepunkt bezichtigte man die Tempelritter der Homosexualität und das Praktizieren von obszönen sexuellen Praktiken. So wäre den Brüdern befohlen worden sich einem Mitbruder hinzugeben, wenn dieser es verlangte und bei der Aufnahme in den Orden hätte der neue Bruder den Meister auf den Anus küssen müssen.
Der vierte Anklagepunkte war der, dass jeder Bruder des Ordens aufgefordert worden sei zur Bereicherung des Ordens bei zu tragen.
Als fünfter Punkt wurde ihnen zu Last gelegt, sie hätten nächtliche geheime Versammlungen abgehalten. Über diese Versammlungen hätten sie mit niemanden sprechen dürfen, sonst wären sie mit schweren Strafen, bis hin zur Todesstrafe, bestraft worden. Auf diesen Versammlungen hätten die Templer angeblich ein Haupt verehrt, das man Baphomet nannte.
Verleugnung Christi und Missachtung der Sakramente waren Vorwürfe, die man schon Anfang des 13. Jahrhunderts den Katharern machte. Diese wurden von der Kirche als Ketzer verfolgt und hingerichtet. Die Anbetung eines Götzenbildes sollte die Templer verdächtigen, zum Islam übergelaufen zu sein. Im 14. Jahrhundert hielt man in Europa die Moslems fälschlicherweise für Götzenanbeter.
Um die Templer völlig zu diffamieren, hielt man ihnen dann noch Habgier und Homosexualität vor. Wobei die Habgier wohl der einzige Punkt war in dem die Tempelritter schuldig waren. Schon zu Anfangszeit des Ordens hört man, dass die Templer manchmal sanften Druck ausübten um ihre Besitztümer zu vergrößern oder nahe beieinander gelegene Gebiete zu einem größeren zu verbinden.
Als Beweis für die Homosexualität wurde das Siegel des Ordens benutzt. Das Siegel zeigt zwei Ritter auf einem Pferd und symbolisiert dadurch die Brüderlichkeit und Kameradschaft zwischen den Ordensrittern. Diese Nähe interpretierten die Ankläger als Zeichen der Homosexualität.
Unter der Folter der Inquisition gestanden dann viele die Anklagepunkte. Wer würde nicht alles zugeben, um sich der Folter zu entziehen?
Anscheinend wurden die Templer nicht bezichtigt das Keuschheitsgelübde gebrochen zu haben, obwohl einige von ihnen sicherlich dieses Vergehen begannen haben. So ist belegt, dass im Jahr 1312 in der niederländischen Stadt Zierikzee zwei Templer der Festnahme und anschließenden Hinrichtung entkamen, da sie sich in der Nacht, in der die Verhaftungen durchgeführt wurden, in einem Hurenhaus aufhielten.
Weiterhin wurde den Templern der Vorwurf gemacht, dass die Meister des Ordens ihren Brüdern die Absolution erteilten obwohl sie keine Priester waren. Dieser Vorwurf kam zustande, da die Templer ihre Verfehlungen einmal wöchentlich in einer Versammlung, der Kapitelversammlung, gestanden und ihnen daraufhin eine Strafe auferlegt wurde. Dies war keine Beichte, wurde wohl aber von manchen Brüdern als diese angesehen. Die Beichte mussten sie sich von Priestern abnehmen lassen, die evtl. nicht zum Orden angehörten.

6.3. Die Verhöre

Die Templer wurden in Isolationshaft, bei Wasser und Brot, gesteckt. Unter Folter oder bereits unter deren Androhung gestanden sie viele der Anschuldigungen, obwohl diese falsch waren. Zwei deutsche Templer, die in Chaumont verhört wurden, stritten alles ab.
Nachdem der Großmeister der Templer, Jaques de Molay, im Dezember 1307 vor zwei Bischöfen seine Aussage widerrief, setzte Papst Clemens V im Februar 1308 die Untersuchungen der Inquisitoren aus. Nachdem der König druck auf den Papst ausübte, gab dieser nach und setzte am 5. Juli die Inquisitoren wieder ein.
In anderen Ländern wurden die Templer meistens ohne die Folter verhört.
Da man sich in England weigerte die Templer zu foltern, wurden die englischen Templer in die englische Besitzung Ponthieu, auf dem Kontinent, verbracht. Dort wurde die Folter angewandt, die vom König von England gebilligt wurde. In Irland, Kastilien und Portugal wurden die Verhöre normal geführt.
In Deutschland wollte der Erzbischof von Magdeburg, der den Templern feindselig gesinnt war, selbst Gericht über die Tempelritter halten. Daraufhin wurde er von seinem Rivalen dem Bischof von Haberstadt exkommuniziert. Am 11. Mai 1310 kam es in Mainz zu einem erwähnenswerten Vorfall. Ein Komtur namens Hugo von Grumbach und zwanzig Ritter drangen in den Saal ein, in dem die Templer verhört wurden. Diese verteidigten den Orden.
Bei einem späteren Verhör bot der Präzeptor der deutschen und slawischen Lande für die Ländereien am Rhein, Friedrich, an, seine Unschuld durch ein Gottesurteil zu beweisen. Alle 27 Templer die zu diesem Verhör vom Erzbischof von Mainz geladen waren, beteuerten ihre Unschuld.
In Deutschland wurden alle Templer freigesprochen.
In den italienischen Städten Piacenza, Bologna und Faenza wurden die Templer nicht gefoltert und später auch freigesprochen. In Venedig wurden sie noch nicht einmal verhaftet.
Der Erzbischof von Paris ließ am 10. Mai 1310, 54 Templer zum Feuertod verurteilen, da sie im Jahr 1307 ihre Schuld gestanden und diese nun verleugneten. Damit galten sie nach damaligem Recht als rückfällige Ketzer und wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Durch diese Aktion, war der Wille der Templer gebrochen. Diejenigen, die den Orden verteidigen wollten, sahen nun davon ab. Die inhaftierten Templer gestanden alles, was man von ihnen hören wollte.

7. Mythen und Legenden über die Templer

Im laufe der Jahrhunderte entwickelten sich mehrere Legenden über die Tempelritter. Hier sollen ein paar aufgezählt werden, obwohl manche ziemlich haarsträubend sind.

7.1. Der Fluch von Jaques de Molay

Der letzte Großmeister der Tempelritter, Jaques de Molay, wurde am 18. März 1314 in Paris auf der Ille de la Cite auf dem Scheiterhaufen verbrannt, nachdem er seine Schuldgeständnisse widerrief. Jemand der ein Schuldgeständnis leugnete, wurde nach damaligem Gesetz als uneinsichtiger Ketzer zum Tode verurteilt.
Auf dem Scheiterhaufen soll Jaques de Molay König Philipp IV und Papst Clemens V verflucht habe. Er soll ihnen prophezeit haben, dass sie das nächste Jahr nicht mehr erleben würden. Clemens V starb am 20. April an einer Krankheit und Philipp IV am 29. Dezember des selben Jahres, an den Folgen eines Reitunfalls. Laut Charpentier wurden die Hauptdenunzianten erdolcht oder erhängt aufgefunden. Hatten die Templer doch etwas von der Assassinen-Sekte gelernt?

7.2. Wurde der Schatz der Templer nach Schottland oder sogar nach Amerika gebracht ?

Am Abend des 12. Oktober 1307, der Abend vor der Nacht, in der die Templer auf Anweisung des Königs von Frankreich verhaftet wurden, sollen drei Wagen, beladen mit Truhen, den Tempel von Paris verlassen haben. Die Ladung soll an der Küste auf achtzehn Schiffen des Ordens verladen worden sein. Brachten diese Schiffe den Schatz der Templer nach Schottland?
Eine andere Legende geht sogar so weit, dass vermutet wurde, die Templer hätten in Amerika Zuflucht gesucht. Es wird behauptet, die Templer hätten von den Moslems das Navigieren mit Kompass erlernt und hätten schon lange vor Christoph Kolumbus Amerika entdeckt. Dies legt dann weiterhin die Vermutung nahe, dass Kolumbus nach alten Karten der Templer segelte, die an den Christus Orden weitergegeben wurden. Hatte Christoph Kolumbus nicht das Tatzenkreuz auf den Segeln seiner Schiffe?

7.3. Was war der „Baphomet“ der Templer

In der Anklage gegen die Templer ist von einem Götzenbild, genannt Baphomet, die Rede. Dieser Baphomet soll ein Schädel gewesen sein, den die Tempelritter anbeteten.
Im Jahre 1927 fanden britische Archäologen in Honduras in den Ruinen der Maya-Stadt Lubaantun einen Schädel aus Kristall. Bereits am 3. Januar 1898 erwarb ein gewisser G.F. Kune bei Tiffany in New York einen ähnlichen Schädel, der aus Mexiko stammen sollte.
Im British Museum wurde vermutet, dass diese Schädel nicht von den Mayas angefertigt wurde, sondern von europäischen Künstlern des Mittelalters. Waren diese Schädel die von den Templern angeblich angebeteten Götzenidole, der sogenannte Baphomet? Wurden sie mit dem Schatz nach Amerika gebracht ?
Eine andere Theorie besagt, dass Baphomet nur ein anderes Wort für den Heiligen Gral war. Jener Kelch aus dem Jesus Christus beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern trank und in dem Joseph von Arimathea das Blut des gekreuzigten Jesus Christus auffing.
Bei dem Wort Baphomet könnte es sich aber auch um ein chiffriertes Wort handeln. Im Hebräischen gab es eine Methode Texte zu chiffrieren. Diese Methode wurde Athbasch genannt. Nimmt man die ersten 11 Buchstaben des aus 22 Buchstaben bestehenden Hebräischen Alphabets und schreibt sie in eine Reihe. Notiert darunter die letzen 11 Buchstaben, wobei man mit dem letzten anfängt, so erhält man folgendes:

A   B    G  D  H  V  Z  Ch  T   I   K

Th  Sh  R  Q  Tz  P  O  S   N  M  Z

Zum chiffrieren, bzw. dechiffrieren, werden die Buchstaben gegeneinander vertauscht. Macht man dies mit dem Wort Baphomet, welches in Hebräischen BPVMTh heißt, so erhält man folgendes Wort: ShVPIA.
Bedenkt man, daß das Hebräische Zeichen V als O gelesen wird, erhält man ShOPIA oder Sophia, was Weisheit bedeutet. Sollte der Baphomet der Templer der Stein der Weisen gewesen sein, mit dem die kundigen der Alchemie aus Blei Gold machen konnten?

Naja, die Templer sind halt immer für ein Märchen gut, siehe z. B. der Film „Die Nacht der reitenden Leichen“. Aber wenn man sich mal mit der richtigen Geschichte des Ordens beschäftigt hat, ist dies schon spannend genug.


Heinrich von Hohenfels, Templerkomtur der „Glanländer“