Wir über uns

Wie die Motorsportabteilung zustande kam, berichtet der Mitbegründer Werner Nöthen:

 

Wie so häufig, hat auch bei der Gründung der Motorsportabteilung des GTSV Essen ein Zufall den Stein ins Rollen gebracht.

Eines Tages waren seine Frau Annegret und Werner in Blomberg bei Detmold bei ihren Eltern zu Besuch. Da wünschte sie, in Hameln -ca. 30 km von Blomberg entfernt- bei einer Motorsportveranstaltung ehemalige Klassenkameraden und Freunde aus Hildesheim und Umgebung wieder zu sehen.

Am 16.04.1977 trafen wir in Hameln an der Weser am Startplatz Freunde und Bekannte, die an einer Orientierungsfahrt (OF) teilnahmen, und auch den Organisator dieser Veranstaltung Hubert Mönks, den wir gut kannten. Er fragte, ob wir auch mitmachen wollen. Werner sagte: „Nein, wir haben keine Interesse am Motorsport und Null Ahnung.“ Daraufhin erklärte Hubert Mönks uns, was die Teilnehmer machen müssen, das sei auch etwas für Werner, der als Beifahrer, Annegret als Fahrerin mitmachen könnte. Da Werner zu lange zögerte, sagte Annegret auf einmal, ja, wir sollen mitmachen. Seiner Frau zuliebe machte Werner mit.

 

Am Startplatz bekamen die unerfahrenen Neulinge Annegret und Werner so genannte „Bordkarten“ mit Aufgaben. 32 Teams nahmen daran teil. Anhand der Bordkarten mussten Kontrollpunkte angefahren und die Ergebnisse in die Bordkarten eingetragen werden. Jeder Fehler wurde mit Strafpunkten belegt. Es machte uns plötzlich großen Spaß, etwas Neues zu lernen und die Strecken richtig abzufahren. Gutes Orientierungsvermögen, gutes Kartenlesen und gute Findigkeit von Kontrollzahlen sind Voraussetzungen für ein gutes Gelingen.

 

Bei der Siegerehrung waren wir erfreut über unseren 2. Platz. Dies war der Ansporn, an den

1. Deutschen Gehörlosen-Meisterschaften in der Orientierungsfahrt am 21.05.1977 in Weyarn bei München teilzunehmen. Die Aufgaben waren noch schwieriger und komplizierter als in Hameln. Dennoch schafften wir noch den 7. Platz von 25 Teams.

Am 24.09.1977 belegten wir bei der 1. NW-Gehörlosen-Meisterschaft in der Orientierungsfahrt den 5. Platz von 22 Teams.

Bei den Versammlungen des GTSV Essen erzählten wir unseren Sportkameraden von unseren Erlebnissen. Die Kameraden zeigten großes Interesse und wollen wissen, wie ein Wettkampf abläuft. Dann entwarf Werner Aufgaben zum Schnuppern für eine Orientierungsfahrt im Essener Süden. Über 10 Teams machten mit, sie waren begeistert und wollten weiter machen.

 

So kam es am 18.04.1978 zur Gründung der Motorsportabteilung. Unser Antrag auf die Aufnahme der Abteilung in den ADAC wurde zuerst abgelehnt, weil der Sportverein kein eingetragener Verein war. Auf Initiative von Werner, der damals stellvertretende Vorsitzende des GTSV Essen war, wurde der Sportverein am 20.12.1980 in das Vereinsregister eingetragen, d.h. der Name „GTSV Essen 1910“ bekam den Zusatz „e.V“. Dieser Eintrag war auch notwendig, weil der Sportverein immer größer wurde und damals schon über 200 Mitglieder hatte.

Auf den erneuten Antrag beim ADAC wurde am  20.10.1980 die Motorsportabteilung in den ADAC als „Ortsclub“ aufgenommen.

 

Im Freizeitzentrum des Landesverbandes der Gehörlosen NRW an der Simsonstraße in Essen bekamen wir dienstags einen Raum für den Unterricht über die Aufgaben der Orientierungsfahrten zur Verfügung. Auf dem Stundenplan standen beispielsweise:

Chinesisch, Streckenbeschreibung, Pfeilsskizzen (mit und ohne Überlappungen), Fischgräte, Sprünge (z.B. Dreisprung, Viersprung, Fünfsprung), Punktbestimmung mit Hilfe von Koordinaten und Orientierungshilfe bei verloren gegangener Orientierung. Ebenso wurden Übungsaufgaben mit Topographischen Karten  verschiedener Maßstäben  herausgegeben. Wichtig für das gute Abschneiden bei den Orientierungsfahrten waren das gute Orientierungsvermögen und das richtige Kartenlesen.

 

Wir nahmen regelmäßig an Orientierungsfahrten und sogar Nacht-Orientierungsfahrten bei den  Gehörlosen teil. Die Teilnahme war sehr erfolgreich, wir holten viele Medaillen und Pokale.

 

Im Deutschen Gehörlosen-Sportverband gab es 1980 schon 16 Motorsportvereine bzw. Motorsportabteilungen in Gehörlosensportvereinen in West-Deutschland und zwar

Bremen, Borghorst im Münsterland, Essen, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Hameln, Hennef, Herford, Lüneburg, München, Nürnberg, Oberachern, Rinteln, Schleswig, und Stuttgart.

 

Auch an den Orientierungsfahrten der hörenden ADAC-Motorsportvereine nahmen wir unter den sehr erschwerten Bedingungen teil. In Hasselt z.B. waren 1981 und 1984 über 100 Teams am Start. Es wurde in der Dunkelheit gefahren, verschiedene Aufgaben mit Karten verschiedener Maßstäben. In die Aufgaben wurden viele Tricks eingebaut, auf die wir oft reinfielen und deshalb viele Strafpunkte kassierten. Außerdem wurde auf Zeit gefahren. Wer die Zeit nicht einhalten konnte, wurde von der Wertung ausgeschlossen. Das waren die härtesten Rallyes, die wir erlebt haben.

 

Ansonsten nahmen wir auch an den Geschicklichkeitsturnieren, Auto-Slaloms teil. Darin waren wir nicht so stark wie bei den OF. Aber einige Erfolge konnten wir verbuchen.

 

Ab 1990 ging es mit der Teilnahme an den Orientierungsfahrten  langsam aber stetig zurück, dafür ging es mit dem neuen Sport Gokart bergauf, den bis heute die Motorsportabteilung beherrscht.