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Persönlich  Worte

High,

 

Ich bin ein dankbargenesender Süchtiger.

 

Das war nicht immer so, zumal es auch eine Zeit davor gab. -

Ich hatte meinen ersten Rausch so mit 10 Jahren mit Alkohol, doch ich hab vorher schon immer irgendwas eingenommen, wie Tabletten weil wenn´s jemandem schlecht ging nahm man Pillen, tja so ist das.

 

Na ja, also mit zehn bin ich raus in die große Welt da ich mich nicht mehr zu hause fühlte, ja Schule usw. alles gemacht und meine erste Liebe, da ging das Drama los. Als wir Schluss hatten, fand ich Freunde in einer Szene Kneipe, alles Freaks Hippies, Patouchli, kiffen, ja das war toll. Aber der Alk hatte noch Vorrang weil er einfach billig zu bekommen war. So hab ich meist gesoffen, na klar, im Suff gab’s von mir immer schnell mal was auf die Fresse, wenn ich mich genervt fühlte, so dass ich auch so einiges an Rechnungen bezahlen durfte für Krankenhausaufenthalte anderer.

Stolz bin ich da nicht drauf, aber ich hab gemerkt: „"Alter so geht das nicht", so hab ich mich dem Kiffen zu gewandt. Das war okay, aber kiffen und Alk ist auch ne Dröhnung. Da ich ziemlich extroviert bin, war da schon was los.

 

Ja mit 13, wurde ich erwischt. Fahren ohne Führerschein mit nem Mofa. Das Fahren egal Hauptsache fahren, das fand ich immer schon gut - einfach weg und die Welt sehen. Da ich auch dazu gehören wollte und Drogen nehmen auch cool fand, hab ich halt weitergemacht.

 

Mit 15 hab ich den ersten Schuss mit Morphin gemacht, war nicht toll, kiffen saufen Rock Musik, und Castaneda, halt die ganz ‚normalen’ Dinger. Mit 17 bekam ich 6 Wochen Jugendarrest für 0,9 gr Hasisch.-Ich hab während dessen auch gearbeitet und Sport gemacht, aber meist war ich irgendwie breit. Die Experimente mit LSD - huiiiii - das war heftig, und bei einem bin ich wohl 2 Jahre hängen geblieben so mit Flash usw.

Ich hab mir nie gedacht „eh, hast’n Drogen Problem“, das fiel mir erst ein, wenn ich nix mehr hatte. Aber ehrlich, ich merkte schon „Kiffen tut mir nicht gut“. Da ich kiffen musste, ob ich es wollte oder nicht - ich musste, und dann wurde es schlimmer dieser Zustand. Klar mit Alk zusammen gings noch.

 

So zogen die Jahre ins Land, immer wieder begleitet von Heroin hier und da. -- Ein für mich tragisches Erlebnis, schockte mich so arg, und meine Betroffenheit - da konnt ich nicht zu stehen. So hab ich angefangen Heroin zu schießen, so lief es dann Jahre. Viele aus meiner Umgebung haben’s nicht bemerkt. Nach etlichen Jahren kam Koks hinzu und das war mein Untergang. --- Ich konnte nicht mehr so weiter machen, sicher gab es hier und da Hilfestellung die ich aber erst Jahre später erkannte.

 

Sorry Leut, das ich dies jetzt erkenne; so lief ich mir Hilfe holen, Drogenberatung, usw. bis ich erkannte und auch annehmen konnte, dass ich ein Süchtiger bin und eine Krankheit habe: SUCHT.

Das half mir dann wieder erfolgreich Drogen zu nehmen, da ich mich damit entschuldigen konnte. Doch mein sozialer Abstieg, innerlich hab ich auch nicht gemerkt.

Bis NIX mehr ging, hab ich mich entschlossen: ‚ein harter Kerl braucht auch ne harte Therapie’. Vorher war ich als Pros bei einem MC, die Jungs war n klasse aber ich hab die Kutte abgegeben, weil ich drauf war.

 

So, Therapie auweia, das war wirklich grell was da abging, doch in Wirklichkeit, war das wohl eher eine Venenkur und Geldansammeln, so dass ich nach drei Monaten dort die Koffer gepackt habe, mit dem Ziel "ich fahr nach Indien, kauf n kg" - eh bis Holland zu meinem Dealer bin ich gekommen - und innerhalb von einem Monat von 85kg auf 55kg abgemagert, bin ich zu Fuß nach Deutschland aufs Gericht und hab mir n Richter gesucht, und gesagt "bitte sperr mich ein ich überleb das nicht". Okay da saß ich dann im Knast, ohne dass was vorlag. So hab ich dann 1 Jahr zugegeben was ich so getrieben habe. So bekam ich dann mehr als genug als Strafe aber mit der Option „wenn ich in Therapie gehe wird alles okay“. Nun dann, raus in Therapie. Flucht, Knast usw., ...

 

Ich erinnerte mich, dass ich mal in einer Entgiftung war mit dem Ziel, nur Weihnachten nüchtern zu bleiben. Die Zeit dort zeigte mir, dass es auch Spaß gibt ohne Drogen. Okay,  Weihnachten hatte ich verpennt, weil ich mir zu viele Pillen eingefahren habe.

 

Im Knast hab ich mir dann gesagt „ich versuchs nochmal und wenns net klappt, dann bring ich mich um“. Auch erinnerte ich mich an Gott. So fing ich an, mich mit Gott auseinander zusetzen. Ich war schon gläubig, aber so wie ein Kind an Gott glaubt, und ich war ja auch sauer auf ihn, dass er mir damals den liebsten Menschen den ich hatte genommen hatte.

Ja - der wieder gefundene Glaube hat mir geholfen im Knast, sodass ich wieder auf Therapie ging. Ich weiß noch, dass ich mal verprügelt wurde, weil ich die Hilfe in Anspruch nehme, um von den Drogen weg zu kommen: „ich sei ja kein Mann. wat ein Arsch“.  Ich weiß noch in der Entgiftung saß ich mit nem FREUND, und erst sahen wir Marius wo er das Lied  „FREIHEIT„ sang. Da haben wir echt dafür kämpfen müssen, das wir uns das Konzert anschauen durften.  Ich glaub das war in Kölle, und wir lagen uns weinend in den Armen. Wenn das nicht Mannsein ist, dann bin ich keiner. Okay aber der Hit war doch, dass ne Werbung kam von einer Autofirma, "Gefühle zeigen ist ein Zeichen der Stärke" hhhuuiii da hat’s bei mir aber gekracht. --------- Ich bin doch davon ausgegangen, a la John Wayne, ein Mann ein Wort, und Gefühle zeigen is was für Weicheier!

 

Auf meiner letzten Therapie war ich auf einer für meine Begriffe ‚EIERSCHAUKEL (eine Einrichtung wo die Zeit abgesessen wird und nix gemacht wird) Therapie’, nun ja die ham auch ihre Daseinsberechtigung, und ich kam von einer extrem harten Einrichtung, sodass mir ein Kollege von früher Drogen auf den Tisch legte, und ich ihn bat seine Koffer zu packen und aus dem Haus zu gehen. Ich hab vorher immer gesagt, ich will nicht mehr, aber bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht ob ich auch dahinter stehe. - Okay die Wochen verstrichen und es war eine Qual und raus schmeißen konnte man mich auch nicht. So wurde ich halt verlegt. Ich hätt alles gemacht, nur um nicht nehmen zu müssen in der neuen Einrichtung, das war besser. Leider gibts die nicht mehr - echt schade.

 

So hab ich insgesamt 11 Monate gemacht - irgendwo dazwischen wurde ich von einem gefragt , ob ich mal mitfahren will, zu Süchtigen die clean sind - heeeee na klar! Obwohl , ich mir dachte so was gibt nicht Süchitge die nix nehmen, dass kann nicht wahr sein.

 

So kam ich in ein Meeting, und ich fühlte mich Zuhause, jeder sprach von sich über dass was in bewegte niemand wurde unterbrochen oder bekam n dummen Sprcuh (eh wat labberst denn da für kack, du musst das so machen) und jemand gab mir seine Telefonnummer, falls ich mal Hilfe brauche, diesen Zettel und das Wissen , das es wirklich Leute gab, die keine Drogen nehmen, haben mir geholfen. Nach den 11 Monaten war ich in einer Nachsorge für 2,5 Jahre. Ich bin jeden Tag in ein Meeting gegangen - weil ich wollt ja nix nehmen - und solange ich dort bin kann mir ja nix passieren, und vom Leben ohne Drogen hatte ich keine Ahnung. Dafür lernte ich aber, dass wenn die Drogen weg sind, was anderes rein muss: und das ist Spiritualität.

 

Naja es gibt auch andere Gruppen die arbeiten wie die Tiere und sind auch clean, aber das is’ n’ anderes Ding.

 

Mir hat Gott ein Moped geschenkt, doch so alleine rum düsen - nööö. Da fiel mir doch die Zeit bei dem MC ein , und was da abgegangen ist. Okay, schöne Dinge und weniger gute, aber die Gemeinschaft war’s was mir fehlte.

 

SO fahre ich heut in einem MC. Ich danke dem Wild Life MC, wo ich eine kurze zeit aktiv war, ihr habt mir WERTE gezeigt, dies ist auch der ausschlag gebende Punkt des Anonymus MC einiges mag hier durcheinander gekommen sein, is aber auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass es um mein kleines Leben ging und ich auch nicht verlegen war um jede Ausrede - um weiterhin Drogen zu nehmen, wie "für meine Familie,  trallala". Alles gequirlte Scheiße.

 

Einige Zeit is’ schon ins Land gezogen, und heute kann ich sagen „ ja ich bin ein dankbargenesender Süchtiger, auch wenn´s mal schwer ist, immer hin besser als wieder zu nehmen“. Ich hab durch die Selbsthilfe vieles lernen dürfen und lerne immer noch. Doch im Kern bin ich wenn’s mal nicht so gut läuft gefragt, das Gelernte und den Glauben an eine höhere Macht, anzuwenden. Ich weiß noch wo ich darauf war und aufhören wollte, hab ich gesagt, "he, moin hör ich auf, aber den Knaller muss ich mir noch machen, moin hör ich auf". Im Grunde mach ich das heut so ähnlich – nur  umgekehrt – will sagen: ich erlaube mir, mir selbst zu sagen: „eh – heute lass mal, erst mal nix nehmen – moin is ja auch noch’n Tag!“... – ja wirklich, und das hilft mir echt! Dies is das „“nur für Heute“, denn die Vorstellung ein leben lang nix zu nehmen,  geht nicht, aber NUR FÜR HEUTE nix zu nehmen, oder gar die nächsten 5 minuten, das is überschaubar, und einfacher zu verwirklichen.

 

Ich hab nix gegen Drogen und Leut die Drogen nehmen, ich für mich weiß, ich kann damit nicht umgehen. So Sprüche wie "einmal süchtig, immer süchtig" stimmt  nicht so ganz. Klar bin ich süchtig und werde dies wohl immer bleiben, aber: ‚ich muss nicht nehmen!’. Sicher ist dies ein Ausnahemzustand, denn für einen Süchtigen ist es „normal“ zu nehmen. Auch ist es nicht schlimm wenn man stolpert, das aufstehen ist wichtig.

 

Ich könnte noch so vieles schreiben... warum erzähle ich euch das? Ich will sagen

 

"Es ist möglich ohne Drogen zu leben"

 

und auch Spaß am Leben ohne Drogen zu haben. Ich habe gewiss meine Defizite, Sachen, die ich nie gelernt habe, und Grenzen überschritten, doch es ist mein Leben und ich danke das ich aufhören durfte zu nehmen. Das hat für mich nix mit "wo ein Wille ist, ist ein Weg“ zu tun.

 

Das Moped fahrn in einem MC is mir wichtig, ein wahrgewordener Traum. Es is nur bedauerlich, dass die Zeiten sich geändert haben, kulturell, die Drogen sind andere, Einzelkämpfertum. Klar - ich war ja auch nur in gewissen Maßen zu ertragen, wo ich breit war. Heut  bin ich vielleicht auch in manchen Situationen nicht leicht zu ertragen, weil ich es satt habe, dieses Duckmäusertum und verstecken hinter Massenindividualismus, und Sprüchen – weil ich halt heut lieber das Maul aufmach, anstatt mich mit Drogen zu nehmen ‚wegzumachen’! Den Begriff , mich als Biker zu benennen lehne ich ab. Zuviele Blender unterwegs Ich bin gerne unterwegs und treffe sehr viele Menschen und für mich zählen die wenigen guten!

 

Klar es gibt auch Ideale aber wenn die nix mit der Realität zu tuen haben „so what“. Ich war Opfer und Täter, und ich versuch keins von beiden mehr zu sein.

 

Moped fahrn, is mir so wichtig dafür tue ich viel, da kann ich noch so viele Hosianna plärren wie ich will, wenn ich auf dem Bock sitze, und daher fahre ist das einfach königlich, eh es gibt Leut die sagen, DU das ist Suchtverlagerung, auweia, naja Hauptsache mit Finger auf andere zeigen und einem nix gönnen, meine Freiheit die hab ich nicht geschenkt bekommen, dafür hab ich gekämpft, und Schafe gibt’s ja genug.

Ich grüße alle die für ihre persönliche Freiheit einstehen und

den Weg gehen!

Erwähnen möcht ich noch, daß ich auch erfolgreich war, wie Beruf gelernt im Sport eine ziemliche Nummer war und auch Qualitäten habe!

 

Eins is klar, ich danke vielen Menschen die das wohl gar nicht wissen, dass sie mir helfen indem sie mich annehmen so wie ich halt bin. Ablehnung und Intoleranz gibt’s zuviel.

 

Ich will nur mein Moped fahrn, mein Leben so leben wie es mir möglich ist und dies is bestimmt nicht „Normgerecht“. Was ein blödes Wort, für mich gibt es keine Norm, was es gibt is die Liebe für einander, und der Zusammenhalt durch schwere und gute Zeiten zu gehen. Denn wer nicht lebt, ist tot!

 

An denjenigen, den es betrifft, vielleicht wirst du dich an dies geschriebene erinnern wenn du dabei bist dir ein Ende zu setzen, weil’s nicht  mehr weiter geht, gib dir eine Chance und fang von vorne an.

 

Geh in eine Gruppe, hol dir Hilfe, und versuch die erste Droge nicht zu nehmen. Das is nicht einfach, aber wer sagt, dass es einfach ist hat einen an der Waffel.

 

Ich danke Dir der du meine Zeilen liest.

(wenn Du mir schreiben möchtest so fühle dich frei dies zu tuen)