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Dr. Peter Goretzki, Solarfibel-Städtebauliche
Maßnahmen, 4. Auflage 2004, Hrsg.:
Wirtschaftministerium Baden-Württemberg
©
2007 by Dr.-Ing. Peter Goretzki, Stuttgart
|
Kontakt:
Institut für solare Stadtplanung ... Solarinstitut@gosol.de
Solarbüro für energieeffiziente Stadtplanung ... Solarbuero@gosol.de
Dr-Ing. Peter Goretzki ... Dr.Goretzki@gosol.de
Einführung
In
der Bundesrepublik Deutschland werden etwa 38% des
Endenergieverbrauchs für die Beheizung von Gebäuden
aufgewandt. Dieser Verbrauchsbereich wird wesentlich durch
gesetzliche Anforderungen, städtebauliche Vorgaben und die
architektonische Umsetzung mitbestimmt.
Seit den 60er Jahren konnte durch
stufenweise verschärfte Anforderungen an den
baulichen Wärmeschutz - je nach Gebäudetyp - der
Heizwärmebedarf von etwa 200 bis 300 kWh/m2WFa
auf heute 60 bis 120 kWh/m2WFa
vermindert werden. Durch den verringerten Heizwärmebedarf
steigerte sich gleichzeitig der "Solare Heizungsbeitrag"
der bei jedem Gebäude vorhandenen, kostenlosen Solargewinne
der Fenster - günstige Vorgaben des Bebauungsplans
vorausgesetzt - von etwa 10%-15% in den 60ern auf heute 20%-35% (Dieser ohne technischen
Aufwand kostenlos erzielbare Heizungsbeitrag wird in
Energiestatistiken meist vergessen).
Damit gewannen neben
der Kompaktheit, d.h. den Gebäudeabmessungen nun auch
zunehmend die Besonnungsvoraussetzungen einen wesentlichen
Einfluß auf den Heizwärmebedarf der Gebäude.
Ungünstige städtebauliche
Vorgaben können jedoch den "Solaren Heizungsbeitrag"
nahezu halbieren und den Heizwärmebedarf deutlich, d.h. je
nach Dämmstandard um 10-20% bei üblich gedämmten Gebäuden
(WSchV'84 bis EnEV'2002) bis hin zur Verdoppelung (Passivhaus)
erhöhen.
Kenngrößen der Heizwärmebilanz
Gebäude verlieren über das Dach,
Fenster und Türen, Wände, den Boden und durch Luftaustausch
Wärme. Der Wärmeverlust wird dabei neben den baulichen Wärmeschutzmaßnahmen
durch das Klima sowie durch den Umgang der Bewohner mit Wärme
bestimmt.
Um während der Heizperiode
eine definierte Temperatur aufrechtzuerhalten, muß Gebäuden
Energie zugeführt werden. Ein Teil dieser Energie kommt von
außen durch die Sonneneinstrahlung in das Gebäude sowie aus
Wärmequellen innerhalb des Gebäudes, wie beispielsweise
Personen, Beleuchtung und Abwärme von Geräten. Die Heizwärmebilanz
eines Gebäudes verrechnet diese Wärmegewinne mit den Wärmeverlusten
und ermittelt hieraus den Heizwärmebedarf,
also den Teil der benötigten Wärme, welcher dem Gebäude über
die Heizungsanlage zugeführt werden muß.
Um den Heizwärmebedarf bei
unterschiedlich großen Gebäuden vergleichen zu können,
wurde als Kennzahl der spezifische Jahres-Heizwärmebedarf
eingeführt. Dieser bezieht den Heizwärmebedarf eines Gebäudes
auf dessen Volumen [kWh/m3a] oder dessen Nutzfläche
[kWh/m²a]. Bezugszeitraum ist die Heizperiode von September
bis Mai.
Für die Interpretation
des flächenspezifischen Heizwärmebedarfs ist die "Flächen-Definition"
bedeutsam. Unterschiedliche Definitionen (z.B. Gebäudenutzfläche
AN nach EnEV, Nutzfläche NF nach DIN
277 oder Wohnfläche WF nach der "Verordnung über
wohnungswirtschaftliche Berechnungen -II.BV, welche die DIN
283 ersetzt) führen zu divergierenden Kennzahlen, welche
gegebenenfalls zunächst in Entsprechung zur jeweiligen
Nutzflächendefinition umgerechnet werden müssen.
Auf dieser Webseite
beziehen sich die Wärmeumsätze, soweit nicht anders
angegeben, auf die Wohnfläche WF nach II.BV einschließlich
der Treppenräume.
Solarstrahlungsangebot
Das Maß für die solare
Einstrahlungsdichte eines bestimmten Ortes ist dessen Globaleinstrahlung.
Die Globaleinstrahlung setzt sich aus der ungerichteten
Diffuseinstrahlung sowie der direkt von der Sonne
kommenden Direkteinstrahlung (erkenntlich am
Schattenwurf) zusammen und wird auf eine horizontale Fläche
bezogen angegeben.
Die Diffusstrahlung
entsteht durch Streuung des Sonnenlichts in der Atmosphäre.
Die Verteilung der Diffusstrahlung ist vom Bedeckungsgrad abhängig.
Während bei klarem Himmel ein Intensitätsmaximum im Umfeld
der Sonne feststellbar ist, verteilt sich die Diffusstrahlung
bei völlig bedecktem Himmel nahezu gleichmäßig auf alle
Himmelsrichtungen mit einem Intensitätsmaximum im Zenit.

Im Mittel der Heizperiode von
September bis Mai beträgt der Anteil der diffusen Strahlung
an der Globalstrahlung knapp zwei Drittel. Der hohe
Diffusanteil ist auf die hohe Anzahl wolkiger Tage in unserem
Klimabereich zurückzuführen, an denen ausschließlich
("bedeckt") oder überwiegend ("bewölkt")
Diffusstrahlung festzustellen ist.
Da die verschiedenen
Solarsysteme den diffusen Strahlungsanteil unterschiedlich
verwerten, ist die Aufteilung in Diffus- und
Direkteinstrahlung ebenso wie deren Jahresgang für die
Sonnenenergienutzung von großer Bedeutung. So nutzt das
"Solarsystem Fenster" den Diffusanteil immer vollständig,
während ein "thermischer Kollektor" diesen bei
bedecktem Himmel, d.h. geringen Strahlungsdichten meist nicht
verwerten kann. Weiter unterliegen die Diffuseinstrahlung und
die Direkteinstrahlung unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten
hinsichtlich der verschattungsbedingten Verminderung durch
umliegende Objekte.
Für die passive
Sonnenenergienutzung durch Fenster sind Angaben zu der
Einstrahlungsdichte auf vertikale Flächen entscheidend.
Bei vertikalen Wandflächen
reicht der im Jahresmittel auf die Oberfläche auftreffende
Diffusanteil von etwa der Hälfte bei Südausrichtung bis zu
95% bei Nordausrichtung.
Im Jahresgang der
Direkt- und Global-Einstrahlung wird die besondere Eignung
einer nach Süden ausgerichteten Fläche für die passive
Sonnenenergienutzung mit maximalen Einstrahlungswerten im
Winter und in der Übergangszeit offensichtlich.
Im Gegensatz zu der
Direkteinstrahlung ist die Diffuseinstrahlung von der
Ausrichtung der Empfangsfläche weitgehend unabhängig. Gegenüber
nordorientierten vertikalen Flächen empfangen im
Monatsmittel südorientierte Flächen nur ca. 10% mehr
Diffuseinstrahlung.
Heizwärmebilanz von Gebäuden
Die Heizwärmebilanz eines Gebäudes
wird von dessen Wärmeverlusten und dessen Wärmegewinnen
bestimmt. Die Anteile der Gewinn- und Verlustströme
innerhalb der Wärmebilanz eines Gebäudes schwanken sowohl
im Jahresgang als auch je nach Gebäudetyp.
- Der spezifische Lüftungswärmeverlust
beträgt bei manueller Lüftung ca. 60 kWh/m²WFa.
- Der spezifische Transmissionswärmeverlust
liegt für ein nach den Mindestanforderungen der EnEV
2002 gedämmtes Gebäude, in Entsprechung zu dessen
Kompaktheit (A/V-Verhältnis), etwa zwischen 45 und
90 kWh/m²WFa.
Die Anteile der
Transmissions- bzw. Lüftungswärme-Verluste am Gesamtwärmeverlust
variieren in Relation zur Kompaktheit und zum Wärmedämmstandard.
Hier gilt: Je kompakter und besser gedämmt ein Gebäude,
desto geringer der Anteil des Transmissionswärmeverlustes am
Gesamtwärmeverlust.
- Die Internen Wärmequellen
können im Durchschnitt mit etwa 16 kWh/m2WFa
angesetzt werden (Die EnEV setzt mit 22 kWh/m2WFa
einen relativ hohen Wert an).
- Die zur Heizung nutzbaren
passiven Solargewinne erreichen bei üblichen
Fenstergrößen, je nach Klima und städtebaulich
bedingten Besonnungsvoraussetzungen, etwa 15 bis 30 kWh/m2WFa.
Im Gegensatz zu den
passiven Solargewinnen durch Verglasungen können die
Solargewinne von geschlossenen Wand- oder Dachflächen in der
Heizwärmebilanz von Gebäuden vernachlässigt werden, da
sich absorbierte Solareinstrahlung und Abstrahlungsverluste
weitgehend aufheben.
Der resultierende
Heizwärmebedarf von nach den Mindestanforderungen der
Energieeinspar-Verordnung 2002 gedämmten Gebäuden liegt
zwischen etwa 60 kWh/m2WFa
bei hochverdichteten Bauformen und bis zu 120 kWh/m2WFa
bei freistehenden Einfamilienhäusern.
Allgemein gilt: Je
geringer der Transmissionswärmeverlust eines Gebäudes,
desto größer wird der Einfluß der passiven Solargewinne,
und desto geringer der des A/V-Verhältnisses auf die Heizwärmebilanz
des Gebäudes.

Wärmeverluste
Der Wärmeverlust
eines Gebäudes setzt sich aus dem Transmissionswärmeverlust
und dem Lüftungswärmeverlust zusammen.
Dabei sind die Wärmeverluste
sowohl von äußeren Faktoren, wie beispielsweise dem Klima
und dem Nutzerverhalten, als auch von gebäudespezifischen
Voraussetzungen, wie Dämmstandard und Lüftungseinrichtungen
sowie dem Oberflächen/Volumen-, bzw. Oberflächen/Nutzflächen-Verhältnis
eines Gebäudes, abhängig.
Mindestanforderungen an
den baulichen Wärmeschutz werden durch die "Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz
und energiesparende Anlagentechnik von Gebäuden" definiert.
Transmissionswärmeverlust
Der Transmissionswärmeverlust
QT bilanziert den Wärmedurchgang
durch die Hüllfläche des Gebäudes. Antriebskraft für den
Wärmeverlust ist die Temperaturdifferenz zwischen dem Gebäudeinneren
und der Umgebung (TI - TA). Der
Transmissionswärmeverlust wird von der Außenoberfläche
A, über die das Gebäude Energie verliert, und
durch den baulichen Wärmeschutz k bestimmt
( QT=A·k·(TI-TA)).
Durch eine Optimierung der wärmeübertragenden
Gebäudeoberfläche A im Verhältnis zur Wohn-/Nutzfläche
kann der Transmissionswärmeverlust durch städtebauliche Maßnahmen
günstig beeinflußt werden.
Das Maß für den baulichen Wärmeschutz
ist der Wärmedurchgangskoeffizient U (früher
k-Wert). Der U-Wert gibt
dabei den stündlichen Wärmestrom durch ein Bauteil mit
einem m² Oberfläche bei einem Grad Temperaturdifferenz
zwischen Innen- und Außenseite an. Je kleiner der k-Wert,
desto geringer ist der Wärmestrom und damit der Wärmeverlust
eines Bauteils. Bei homogenen Bauteilen ist der k-Wert
umgekehrt proportional zur Bauteildicke, d.h. jede
Verdoppelung der Bauteil-/Dämmstoffdicke halbiert den Wärmestrom.
Mit zunehmendem Wärmeschutz wird daher der Einspareffekt
einer zusätzlichen Dämmung immer geringer.
Lüftungswärmeverlust
Der Lüftungswärmeverlust
QL bilanziert die durch
den Luftaustausch verloren gegangene Wärmemenge. Der
Luftaustausch ist primär notwendig, um die im Gebäude durch
Atemluft, Pflanzen, heißes Wasser usw. freigesetzte
Luftfeuchtigkeit abzutransportieren und so Bauschäden (Durchfeuchtung,
Schimmelbildung) zu vermeiden. Der Lüftungswärmeverlust ist
im wesentlichen davon abhängig, in wieweit der Luftaustausch
den jeweiligen Erfordernissen (Feuchte, Gerüche, ...)
entsprechend geregelt, bzw. ob aus der Abluft ein Teil der Wärme
zurückgewonnen werden kann. Der Luftaustausch wird durch die
Luftwechselrate ß quantifiziert. Diese gibt an, wie oft das
Luftvolumen VL eines Raums je Stunde ausgetauscht
wird. ( QL= VL·ß·0.34·(TI -TA) ).
Die Beeinflussung des
Luftwechsels entzieht sich weitgehend der städtebaulichen
Planung.
Zur Vermeidung von Gerüchen,
dem Abtransport von Kohlendioxid und Schadgasen in der Luft
und zur Erneuerung des Luftsauerstoffs sind, im Gegensatz zum
Abtransport der Luftfeuchtigkeit, nur relativ geringe
Frischluftmengen notwendig. Zur Abführung der
Luftfeuchtigkeit muß im Mittel pro Stunde 50% bis 80% der
Luftmenge des Gebäudes ausgetauscht werden ("Notwendiger
Luftwechsel"). Eine unkontrollierte Lüftung (gekipptes
Fenster) bzw. ein "undichtes" Gebäude führen zu
einem unnötig hohen Luftaustausch. Dagegen unterschreitet
bei geschlossenen Fenstern der durch Wind hervorgerufene natürliche
Luftwechsel den notwendigen Luftwechsel deutlich.
Wärmegewinne
Passive Sonnenenergienutzung
Solareinstrahlung und
Wärmebilanz von Verglasungen
Mit seinen Fenstern besitzt jedes Haus
ein höchst effizientes passives Solarsystem, das auch die
einfallende Diffuseinstrahlung vollständig nutzen kann.
Ist Verschattungsfreiheit
weitgehend erfüllt, und sind die Fensterflächen günstig
ausgerichtet, übertrifft die Solareinstrahlung
in das Fenster bei heute üblichen Glasarten während der
Heizperiode dessen Transmissionswärmeverlust.
Fenster können damit
unter günstigen Voraussetzungen einen positiven
Heizungsbeitrag liefern, d.h. Wärme, die dem Gebäude
ansonsten über die Heizungsanlage zugeführt werden müßte,
ersetzen.
Die Wärmebilanz eines Fensters ist
zum einen von den städtebaulichen die Solareinstrahlung
bestimmenden Randbedingungen wie Orientierung und
Verschattung, daneben aber auch von den stofflichen
Eigenschaften der Verglasung, dem Gesamtenergiedurchlaßgrad
g (g-Wert) und dem Wärmedurchgangskoeffizienten k (k-Wert)
abhängig. Der Gesamtenergiedurchlaßgrad g gibt an, welcher
Anteil der Sonnenenergie (Licht- und Wärmestrahlung) durch
eine Verglasung, bei einem Einfallswinkel von 90° zur
Glasebene (ab ca. 40° sinkt der g-Wert schnell gegen Null ab),
in den Raum gelangen kann. Der Wärmedurchgangskoeffizient kF
gibt an, wie hoch der Wärmeverlust des Fensters ist. Je
kleiner der kF -Wert bei einem möglichst
großen g-Wert und geringem Rahmenanteil , desto energetisch
günstiger ist das Fenster. Der äquivalente Wärmedurchgangskoeffizient
keq faßt Solargewinne SF
und Wärmeverluste des Fensters zusammen - solar+energetisch
gute Fenster erreichen negative keq-Werte
(=Wärmegewinn).
Solargewinn und
solarer Nutzungsgrad
Da bei der passiven
Sonnenenergienutzung der Ort der Wärmeentstehung, der Wärmenutzung
und Wärmespeicherung identisch ist, kann ohne Überwärmung
der Räume nur ein begrenztes solares Wärmeangebot genutzt
werden.
Der nutzbare Solargewinn,
d.h. derjenige Anteil der Solareinstrahlung, der tatsächlich
Heizenergie ersetzt, ist vom Verhältnis zwischen
Solareinstrahlung und Wärmebedarf des Solarraums bzw. des
Gebäudes abhängig. Je höher die solare Einstrahlung und je
geringer der Wärmebedarf sowie die Speicherkapazität, desto
geringer ist der solare Nutzungsgrad, d.h.
das Verhältnis zwischen dem nutzbaren Solargewinn und
insgesamt in den Raum eingestrahlter Solarenergie. Daraus
ergibt sich auch ein typischer Jahresgang mit geringen
solaren Nutzungsgraden in der Übergangszeit und sehr hohen
Nutzungsgraden im Winter.
Bei üblichen Fenstergrößen
(ca. 12%-18% der Wohnfläche) erreicht der nutzbare, passive
Solargewinn eines Gebäudes während der Heizperiode unter günstigen
Voraussetzungen ca. 20-30 kWh/m2a
Wohnfläche bzw. bis zu 350 kWh/m2a
Fensterfläche.
Große Fensterflächen und
Wintergärten erhöhen zwar die Wohnqualität, können jedoch
die Solargewinne nicht beliebig erhöhen. Je nach
Verglasungsart, Wärmebedarf des Gebäudes und äußeren
Einstrahlungsbedingungen ergibt sich eine "optimale
Verglasungsfläche".
Eine Vergrößerung der
Fensterfläche bis zur "optimalen Verglasungsfläche"
verringert den Heizwärmebedarf des Gebäudes. Wird die
"optimale Verglasungsfläche" überschritten,
steigt der Heizwärmebedarf wieder an, da der
Solarenergiebedarf in der Übergangszeit bereits durch
kleinere Fensterflächen weitgehend abgedeckt ist, und eine
weitere Solarenergiezufuhr nicht mehr verwertet werden kann,
während sich der Wärmeverlust der Glasflächen in den
Wintermonaten mit zunehmender Fensterfläche linear vergrößert.
Überdimensionierte
Glasflächen und insbesondere beheizte
Wintergärten bewirken folglich insgesamt einen Anstieg des
Heizwärmebedarfs.
Aktive Sonnenenergienutzung
Gegenüber der passiven wird
bei der aktiven Sonnenenergienutzung die erzeugte Wärme
nicht direkt am Ort der Entstehung genutzt, sondern aktiv an
den Ort des Verbrauchs transportiert oder zwischengespeichert.
Damit benötigen alle aktiven
Systeme für die Nutzung der Sonnenenergie
Kollektorflächen, Verteilsysteme, Wärmetauscher und
Speichersysteme. Neben dem Materialeinsatz für die
Kollektoranlage wird zudem Hilfsenergie, z.B. zum Betrieb von
Pumpen, benötigt. Desweiteren müssen, wie bei jeder
zentralen Warmwasserbereitung, systembedingte Speicher- und
Verteilungsverluste berücksichtigt werden, die den
Energiegewinn schmälern.
Thermische
Sonnenenergienutzung
Im Sonnenkollektor
wird ein Wärmeträger vom Sonnenlicht erwärmt. Die
aufgenommene Wärme kann direkt oder über Wärmetauscher zur
Schwimmbadbeheizung, zur Brauchwassererwärmung oder zur Gebäudeheizung
genutzt werden.
Je nach gewünschter
Nutzung bzw. den angestrebten Betriebszeiträumen für die
Kollektoranlagen ergeben sich unterschiedliche Anforderungen
an die städtebaulichen Voraussetzungen.
Kollektoren können erst
ab einem bestimmten Schwellenwert, der durch die thermischen
und solaren Verluste des jeweiligen Kollektortyps bestimmt
wird, nutzbare Wärme abgeben. Die thermischen Verluste eines
Kollektors steigen dabei mit der Temperaturdifferenz zwischen
Umgebung und Nutzwärme an. Im Winter sinkt daher der
Kollektorwirkungsgrad. Anders als bei der passiven
Sonnenenergienutzung durch Fenster ist der Sonnenkollektor
dann meist nicht in der Lage, die diffuse Einstrahlung (bei
bedecktem Himmel) in Nutzwärme umzusetzen.
Die nutzbare Wärmeabgabe
eines Flachkollektors beträgt ca. 450 kWh pro Jahr und
Quadratmeter Kollektorfläche. Vakuum-Röhrenkollektoren
erbringen höhere Erträge, benötigen damit weniger Fläche,
sind aber wesentlich teurer. Brauchwasserkollektor-Anlagen
können im Sommerhalbjahr einen Großteil, über das Jahr
betrachtet ca. 50-65% des Energiebedarfs zur
Warmwasserbereitung von ca. 400-700 kWh/a pro Person
abdecken. Hierzu ist eine Kollektorfläche von etwa 1.0 bis 1.5
m² erforderlich (Flachkollektor).
Höhere Deckungsgrade sind
technisch möglich, jedoch weniger wirtschaftlich, da der
sommerliche Energieüberschuß nicht verwertet werden kann.
Zentrale Solare Nahwärmesysteme sind dabei ökonomischer als
getrennte kleine Einzelanlagen. Ungünstige städtebauliche
Randbedingungen, wie Verschattung oder falsche Neigung und
Orientierung der Dachflächen, können bei auf Sommerbetrieb
ausgelegten Kollektoranlagen in begrenztem Maß, zu Lasten
der Wirtschaftlichkeit durch größere Kollektorflächen
kompensiert werden.
Zur aktiven Nutzung der
Solarenergie für die Gebäudeheizung werden großvolumige
saisonale Speicher in Verbindung mit Solaren Nahwärmekonzepten
notwendig.
Photovoltaik
Solarzellen
verwandeln diffuses und direktes Sonnenlicht in elektrischen
Strom. Die immer noch sehr hohen Kosten für
Photovoltaikanlagen bedingen optimal ausgerichtete und
verschattungsfreie Empfangsflächen und stellen damit
besonders hohe Anforderungen an die städtebaulichen Vorgaben.
Mindestanforderungen an den
baulichen Wärmeschutz nach EnEV 2006
Die Mindestanforderungen an
den baulichen Wärmeschutz von beheizten Gebäuden werden
durch die im Febraur 2002 in Kraft getretene
Energieeinsparverordnung EnEV definiert. Diese bestimmt in
direkter Abhängigkeit vom Verhältnis der wärmeübertragenden
Umfassungsfläche A zum hiervon eingeschlossenen
Bauwerksvolumen V (A/V-Verhältnis) den für Wohngebäude
maximal zulässigen, im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens
nachzuweisenden spezifischen Jahres-Primärenergiebedarf Q"P
innerhalb einer Spannweite von 67 bis 135 kWh je m² Gebäudenutzfläche
[kWh/m²a] nach der Formel:
Q"P = 50,94 + 75,29 x A/V + 2600/(100+AN)
Zusätzlich wird der
spezifische Transmissionswärmeverlust begrenzt auf:
QT = 0,3 + 0,15 / (A/V)
(Für Nichtwohngebäude sowie Wohngebäude
mit überwiegend elektrischer Warmwasserbereitung gelten
andere Anforderungen)
Der Jahres-Primärenergiebedarf
Q"P nach
EnEV ist ausschließlich
vom A/V-Verhältnis und damit von der Gebäudegeometrie abhängig.
Je kleiner das A/V-Verhältnis,
d.h. je "kompakter" das Gebäude, desto geringer
ist der Jahres-Primärenergiebedarf, und desto geringer sind
die Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz.

Mit zunehmendem A/V-Verhältnis
steigen die Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz, d.h
die erforderliche Wärmedämmung, deutlich an. So erreicht
ein kompakter Geschoßwohnungsbau bereits bei einem mittleren
k-Wert von ca. 0.9 W/m²K den Nachweiswert bezüglich
des Jahres-Primärenergiebedarfs Q"P
von 60 kWh/m²a, während das freistehende Einfamilienhaus
einen mittleren k-Wert von 0.5 W/m²K erreichen muß, um
einen Jahres-Primärenergiebedarf von 90 kWh/m²a
einzuhalten.
Bauformen mit hohem A/V-Verhältnis
verbrauchen trotz höheren, für den baulichen Wärmeschutz
erforderlichen Aufwendungen (größere Dämmstoff-/Wanddicken
und damit höhere Baukosten) mehr Energie als kompakte
Bauformen. Gleichzeitig bieten kompakte Bauformen durch erhöhten,
auch wirtschaftlich sinnvollen Wärmeschutz, noch ein
erhebliches, zusätzliches Einsparpotential.
Mit der Entscheidung
über die Gebäudetypologie, die Bauweise und das Maß der
baulichen Nutzung wird der maximale spezifische Jahres-Primärenergiebedarf
Q"P nach
EnEV 2002 innerhalb eines Bereichs von 50 bis 100 kWh/m²
vorbestimmt (Klima Köln).
Nach den Mindestanforderungen
der EnEV 2002 gedämmte Gebäude verbrauchen damit, als
Anhaltswert etwa 7.5 bis 15 l Heizöl je Jahr und
Quadratmeter Wohnfläche.

Anders
als in der EnEV postuliert bewirkt die EnEV 2002 gegenüber
der WSchVO'95 keine allgemeine Energieeinsparung von 25%.
Im
Gegenteil. Nach den Mindest-Anforderung der EnEV gedämmte
Gebäude dürfen mit solarunterstützter Brennwerttechnik (A3),
Wärmepumpe (A5) oder bei Fernwärme (A67) bis zu 15% mehr Wärme
als nach der WSchVO'95 verbrauchen.
Die
EnEV 2002 legt damit keineswegs die Niedrigenergiebauweise
als Standard fest, sondern fällt oft hinter die WSchVO'95
zurück.
| STÄDTEBAULICHE GRUNDLAGEN |
Leitfaden für den städtebaulichen
Entwurf
Ansätze zur Verminderung
des Heizwärmebedarfs
Zur Senkung des Heizwärmebedarfs als
maßgeblicher Zielgröße der Minderung des umweltrelevanten
CO2-Ausstoßes sind zwei grundsätzlich
unterschiedliche Ansätze möglich:
- Das Verlustminimierungsprinzip
versucht, die Wärmeverluste durch kompakte Baukörper
und hohen Wärmeschutz zu minimieren.
- Das Gewinnmaximierungsprinzip setzt,
über eine Maximierung der nach Süden ausgerichteten
Fassadenanteile und damit Fensterflächen, auf möglichst
hohe solare Gewinne.
Welches Prinzip, oder besser welche Kombination
beider Prinzipien, im Einzelfall erfolgreicher ist, wird
durch äußere Randbedingungen wie Klima, Grundstückssituation,
Bebauungsdichte usw. bestimmt.
Städtebauliche Maßnahmen zur
Minimierung der Wärmeverluste bzw. zur Maximierung der
Solargewinne stehen oftmals in Konkurrenz zueinander. So wird
beispielsweise eine Reduzierung der Gebäudehöhe zwar die
Verschattungswirkung auf Nachbargebäude vermindern, dort
also zu höheren Solargewinnen führen. Die gleiche Maßnahme
kann allerdings auch, durch eine geringere Kompaktheit, den
spezifischen Wärmeverlust des Gebäudes erhöhen.
Dies macht eine quantitative
Optimierung, d.h. die Erfassung der solar+energetischen
Wirkungen einer Maßnahme, sowohl auf die Solargewinne als
auch auf die Wärmeverluste notwendig. Dabei kann das
Optimierungsergebnis, je nach klimatischen Voraussetzungen,
Gebäudetyp oder Anforderungen an den Wärmeschutz
unterschiedlich ausfallen.
| Eine
einseitige Auslegung oder Optimierung einer Planung
allein auf hohe Solargewinne oder niedrige Wärmeverluste
birgt die Gefahr, daß die angestrebte Verminderung
des Heizwärmebedarfs ausbleibt, oder sogar eine Erhöhung
des Heizwärmebedarfs eintritt. Energetisch optimieren heißt
immer beide Faktoren im Hinblick auf die
resultierende Heizwärmebilanz optimal abzustimmen.
|
Eine umfassende solar+energetische
Planungsoptimierung erfordert aufgrund der komplexen
Wirkungszusammenhänge immer die Computersimulation mit einem
speziellen städtebaulichen Energie-Simulationsprogramm.
Einer Optimierung geht jedoch immer die
Entwicklung einer solar+energetisch tragfähigen städtebaulichen
Konzeption voraus.
Nachfolgend sollen deshalb die
grundlegenden, die Heizwärmebilanz von Neubaugebieten im
Rahmen der städtebaulichen Planung beeinflussenden
Wirkungszusammenhänge sowie städtebauliche Maßnahmen zur
Senkung des Heizwärmebedarfs dargestellt werden.
 |
Achtung
!
Die nachfolgenden Diagramme
sollen die Wirkungsweise der einzelnen, die solar und
energetische Effizienz einer städtebaulichen
Konzeption beeinflussenden Faktoren aufzeigen. Eine
solar+energetische Bewertung oder Optimierung einer
Planung anhand dieser Diagramme ist nicht möglich !
|
Verminderung der Wärmeverluste
Kompaktheit der Gebäude
Gebäude verlieren durch ihre Hüllfläche
Wärme an die Umgebung. Ein wesentliches Instrument der städtebaulichen
Planung stellt die Minimierung der wärmeübertragenden Hüllflächen
im Verhältnis zur davon eingeschlossenen Nutzfläche, d.h.
die Beeinflussung der Kompaktheit von Gebäuden dar.
Je kleiner die wärmeübertragende Hüllfläche
A im Verhältnis zur Nutzfläche, oder vereinfacht, zum
Gebäudevolumen V wird, desto weniger Wärme verliert -
eine gleichbleibende Wärmedämmung vorausgesetzt - ein Gebäude
bezogen auf seine Nutzfläche bzw. sein Volumen. Der
spezifische Wärmeverlust nimmt also ab.
Als Maß für die Kompaktheit eines
Baukörpers gilt vereinfacht das A/V-Verhältnis.
Bauweise/Gebäudetyp
Für das A/V-Verhältnis ist zunächst
die Bauform, d.h. die Gebäudetypologie maßgeblich. Für
jede Bauform ergibt sich innerhalb der vom jeweiligen Baukörpervolumen
bestimmten Spannweite ein typisches A/V-Verhältnis.
A/V-Werte der verschiedenen Bauformen
reichen dabei von 0,25 bei einer mehrgeschossigen
Blockrandbebauung bis zu etwa 1,2 bei einem eingeschossigen
Winkelbungalow (siehe Abb.2).
Verdichtete Bebauungsformen
tendieren grundsätzlich zu günstigen A/V-Verhältnissen.
Innerhalb der einzelnen Bauformen
ergibt sich jedoch eine große Spannweite hinsichtlich des A/V-Verhältnisses
und damit auch des Heizenergiebedarfs.
Diese Spannweite - nicht die Auswahl der Bauweise - ist
Gegenstand einer solar+energetischen Bebauungsplanoptimierung.
Die Wahl der
Bauform ist damit die wesentlichste städtebauliche
Weichenstellung für den Heizwärmebedarf einer
Neubausiedlung. Hier gilt: Je kleiner das mittlere A/V-Verhältnis
des Planungsbereichs, desto geringer tendenziell der spätere
Heizwärmebedarf.
Ausformung der Baukörper
Neben der Bauform, d.h. dem absoluten
Volumen eines Baukörpers, wird die Kompaktheit durch
die Ausformung des Baukörpers bestimmt.
Gemäß den geometrischen Gesetzen, würde
sich ein möglichst großer, gleichseitiger Würfel,
bzw. ein Kreiszylinder, Kugel oder Halbkugel als idealer Baukörper
anbieten. Die rein geometrische Betrachtung ignoriert jedoch
die Tatsache, daß ein Gebäude über die Basisfläche, gegenüber
den an die Außenluft angrenzenden Bauteilen nur etwa halb so
viel Energie verliert.
Die Erfordernis einer natürlichen
Belichtung und Belüftung begrenzt - zumindest im
Wohnungsbau - die größtmögliche quadratische Grundfläche
eines Baukörpers und damit die Wahl der energetisch "idealtypischen",
kubischen Bauform. Neben der absoluten Größe des Baukörpervolumens
wird entscheidend, wie letzteres durch seine Länge, Tiefe
und Höhe ausgeformt ist.
Die nachfolgenden Betrachtungen sollen
zeigen, wie sich die Veränderung der Gebäudelänge, der Gebäudetiefe
und der Anzahl der Vollgeschosse auf das A/V-Verhältnis
auswirkt. Dabei sollen insbesondere Schwellenwerte
aufgezeigt werden, ab welchen einerseits besonders starke und
andererseits keine wesentlichen Auswirkungen auf das A/V-Verhältnis
und damit den spezifischen Wärmeverlust mehr feststellbar
sind.
Bitte beachten Sie,
daß das Baukörpervolumen bei dieser Darstellungsweise nicht
konstant bleibt, sondern mit dem jeweils dargestellten
Geometriefaktor anwächst.
Länge der Baukörper
Das A/V-Verhältnis
eines Baukörpers nimmt - bei unverändertem Baukörperquerschnitt
- mit zunehmender Länge L des Gebäudes oder der Hausgruppe
ab. Dabei treten ausgeprägte Schwellenwerte auf.
Wie Abb.3 zeigt ist, besonders bei
mehrgeschossigen Gebäuden, beim Unterschreiten einer Gebäude-/Zeilenlänge
von etwa 20 bis 30 m, ein überproportional starker Anstieg
des A/V-Verhältnisses zu verzeichnen. Dagegen verliert sich
dieser Einfluß zunehmend bei Gebäude-/Zeilenlängen von
mehr als 50 m.
Die Gebäude-/Zeilenlänge sollte
aus energetischen Gesichtspunkten bei zweigeschossigen Gebäuden
etwa 20 m, bei mehrgeschossigen Gebäuden ca. 30 m, nicht
unterschreiten.
Eine Erhöhung der Länge des Baukörpers
über 50 m hinaus ist dagegen energetisch kaum noch wirksam.
Tiefe der Baukörper
Mit zunehmender
Baukörpertiefe verbessert sich, wie Abb.4 zeigt, die
Kompaktheit. Dabei ist kein ausgeprägter Schwellenwert,
jedoch ein überproportionaler Anstieg des A/V-Verhältnisses
mit abnehmender Baukörpertiefe feststellbar.
Die Baukörpertiefe beeinflußt auch
die Möglichkeiten zur passiven Sonnenenergienutzung. So können
bei Gebäuden geringer Tiefe (<7m), anders als bei Gebäuden
großer Tiefe, alle Aufenthaltsräume zur Sonne ausgerichtet
werden. Die damit potentiell höheren Solargewinne können
jedoch die aufgrund der geringen Baukörpertiefe erhöhten Wärmeverluste
meist nicht kompensieren, so daß insgesamt der Heizwärmebedarf
mit abnehmender Baukörpertiefe ansteigt.
Tiefe Gebäude weisen zudem gegenüber
Gebäuden von geringer Tiefe bei identischer
Höhe, GFZ und GRZ aufgrund der dann größeren Zeilenabstände
niedrigere Verschattungswerte auf. (Denkmodell: Teilen Sie
bei gleicher Grundstückstiefe einen 12m tiefen Baukörper in
zwei 6m tiefe Baukörper auf - die Gebäudeabstände
halbieren sich hierbei).
Geringe Gebäudetiefen führen zu
einem ungünstigen A/V-Verhältnis. Die Gebäudetiefe sollte
10 m nicht unterschreiten. Bei Gebäudetiefen über 12 m
sollten die Möglichkeiten einer natürlichen Belichtung und
Belüftung bedacht werden.
Anzahl der Geschosse
Das A/V-Verhältnis wird mit steigender
Anzahl der Vollgeschosse Z günstiger.
So ist beim Übergang von einem auf
zwei Vollgeschosse ein sehr starker und beim Übergang von
zwei auf drei Vollgeschosse ein starker Rückgang des A/V-Verhältnisses
zu verzeichnen.
Dagegen schwindet der Einfluß der
Geschoßzahl auf das A/V-Verhältnis bei mehr als 6
Geschossen zunehmend (siehe Abb.5).
Ab dem 4. bzw. 5. Geschoß werden -
in Abb.5 nicht bilanzierte - zusätzliche technische
Einrichtungen (Aufzug) notwendig, welche den spezifischen
Energieverbrauch, den Wohnflächenanteil und die Baukosten
ungünstig beeinflussen.
Die Geschossigkeit beeinflußt das A/V-Verhältnis
maßgeblich.
Bei weniger als 2-3 Vollgeschossen
ist ein sehr deutlicher Anstieg des A/V-Verhältnisses und
damit des Heizwärmebedarfs feststellbar. Eingeschossige
Bauformen sollten deshalb vermieden werden.
Dagegen ist bei mehr als 5-6
Vollgeschossen keine wesentliche Verbesserung des A/V-Verhältnisses
mehr zu erwarten.
Dachform und Neigung
Zwischen
dem Oberflächen/Volumen-Verhältnis A/V und der "realen
Kompaktheit" sind oftmals gegenläufige Tendenzen
feststellbar, denn ein großer Luftraum im DG erhöht zwar
das Gebäude-Volumen, nicht aber die nutzbare Wohnfläche.
Bei der Beurteilung der
Dachausformung von Gebäuden ist deshalb das A/V-Verhältnis
unbrauchbar. Das A/V-Verhältnis führt hier zu
eklatanten Fehlbewertungen der Kompaktheit und infolge dessen
zu Fehloptimierungen.
Da der spezifische Heizwärmebedarf auf
die Nutz- bzw. Wohnfläche WF bezogen werden muß, ist für
die Beurteilung der energetischen Wirkung der Dachausformung
das Hüllflächen/ Wohnflächen-Verhältnis A/WF bzw. der
wohnflächenspezifische Wärmeverlustentscheidend. Dieses
wird bei Dachräumen wesentlich beeinflußt von:
- Dachform,
- Dachneigung (bzw. FH),
- Kniestockhöhe (bzw. TH) und
- Baukörpertiefe.
Die Optimierung der Dachausformung
muß sich immer am Oberflächen/Wohnflächen-Verhältnis A/WF
bzw. wohnflächenspezifischen Energiebedarf, nicht aber am A/V-Verhältnis
orientieren.
A/V-Verhältnis -
(k)ein Maß für den wohnflächenspezifischen
Heizenergiebedarf ?
Das A/V-Verhältnis ist nur bedingt ein Maß für
die Kompaktheit. Bei der Beurteilung der Dachausformung (Form,
Neigung, Kniestock) führt das A/V-Verhältnis systematisch
zu einer Fehlbewertung des tatsächlichen Energiebedarfs.
So bewirkt jede Vergrößerung des Gebäudevolumens
Ve, als einfachstes Beispiel die Erhöhung der
Geschoss- oder Wandhöhe, ein günstigeres A/V-Verhältnis
und täuscht damit einen niedrigeren nutzflächenspezifischen
Jahres-Primärenergiebedarf QP" vor (siehe
Abb. 13a). Gleichzeitig vergrößert sich - rein rechnerisch
- die imaginäre Nutzfläche AN (AN = Ve
x 0,32) nach EnEV überproportional (im Beispiel: AN
> BGF). Damit erhöht sich im Ergebnis der zulässige
absolute Primärenergiebedarf QP ( QP =
QP" x AN ) nach EnEV.
Soweit sich die tatsächliche Wohnfläche
WF nicht vergrößert, steigt jedoch mit dem absoluten auch
der wohnflächenbezogene Primärenergiebedarf QP,WF"
an:
Trotz sinkendem A/V-Verhältnis erhöht sich der
Energiebedarf.
Das A/V-Verhältnis (und damit
QP" nach
EnEV) ist für die vergleichende energetische Bewertung der
Dachausformung und Höhenentwicklung von Gebäuden ungeeignet
und irreführend.
Das A/V-Verhältniss
ist kein Maß zur Optimierung der Gebäudegeometrie und damit
des Energiebedarfs!
Im Beispiel ergibt sich für das
Pultdach PD gegenüber dem Flachdach FD ein niedriger Wert für
A/V und infolge des größeren Gebäudevolumens V nach EnEV
eine größere (irreale) Nutzfläche AN:
Das Pultdach erscheint damit energetisch günstiger als das
Flachdach.
Aus dem nach A/V ermittelten zulässigen nutzflächenspezifischen
Jahres-Heizenergiebedarf QP"
nach EnEV multipliziert mit der Nutzfläche AN
ergibt sich beim Pultdach gegenüber dem Flachdach absolut
ein höherer zulässiger Jahres-Heizenergiebedarf QP.
Tatsächlich ist damit das Flachdach, bei den vorgegebenen
Wandhöhen, gemessen am absoluten (QP)
und wohnflächenspezifischen Primärenergiebedarf QP,WF",
energetisch günstiger, da die reale Wohnfläche WF in beiden
Fällen identisch ist.
Der Bebauungsplan
entscheidet.
Wie das obige Bespiel zeigt, ist die
Bauweise Reihenhaus (H) oder Doppelhaus (D) nicht zwingend
gegenüber einem freistehenden Einfamilienhaus (E)
energetisch günstiger - es kommt wesentlich auf eine günstige
Ausformung, d.h. auf eine geeignete Abstimmung der
Bebauungsplan-Festsetzungen an.
Bei ungeeigneten
Bebauungsplanfestsetzungen kann, begünstigt durch das
ungeeignete Anforderungsverfahren der EnEV, eine Hausgruppe (H),
bei vergleichbarer Wohnfläche, einen deutlich höheren
realen wohnflächenspezifischen Heizwärmebedarf Qp"aufweisen.
Eine
energetische Bebauungsplan-Optimierung darf sich nicht auf
das A/V-Verhältnis beziehen:
Optimierungsmaßstab muss immer der wohnflächenbezogene
Heizenergiebedarf sein.
In die Energiebilanz müssen sebstverständlich
auch die solaren Energiegewinne mit einbezogen werden, da die
Gebäudeform über die Verschattungswirkung direkt das
nutzbare solare Potential bestimmt.
Energieeffiziente Bauleitplanung
erfordert deshalb hinsichtlich der Festsetzung der zulässigen
Gebäudeabmessungen sowohl eine Minimierung der gebäudegeometriebedingten
Wärmeverluste als auch eine Minimierung der
Verschattungswirkung.
Notwendig ist eine solar +
energetisch optimierte Bauleitplanung.
Passive Sonnenenergienutzung
Der städtebauliche
Entwurf schafft oder verhindert mit seinen Vorgaben die Möglichkeiten
zur passiven und aktiven Nutzung der Sonnenenergie. Ungünstige
städtebauliche Vorgaben können dabei das verfügbare solare
Potential halbieren. Die Folge sind ein erhöhter Heizwärmebedarf
und sogar erhöhte Baukosten, da aufgrund der Wärmeschutzverordnung
ungünstige Besonnungsvoraussetzungen durch eine verstärkte
Wärmedämmung wieder ausgeglichen werden müssen.
Die wesentlichen städtebaulichen
Rahmenbedingungen, welche die passiv-solaren Gewinne
bestimmen, sind:
- die Orientierung bzw. die Stellung
der Gebäude
- die Verschattung durch Nachbargebäude
- die Verschattung durch Vegetation
- und in besonderen Fällen die
Verschattung durch die Topographie
- sowie das Klima und die
geographische Breite.
Ausrichtung
Die
Ausrichtung eines Fensters bestimmt maßgeblich dessen
Solareinstrahlung während der Heizperiode.
So empfängt ein Ost- oder Westfenster
nur etwa 60%, ein Nordfenster nur etwa 40% der Einstrahlung
eines nach Süden ausgerichteten Fensters.
Bis zu einer Südabweichung von ±25° ist der solare Verlust mit weniger als 5% als
relativ gering einzustufen.
Ab 30° Südabweichung
ist bis zur O/W-Orientierung mit progressiv zunehmenden
solaren Verlusten zu rechnen.
Da sich bei Gebäuden mit der
Drehung die Solareinstrahlung auf einer Fassade zwar
verringert, auf der gegenüberliegenden Fassade jedoch erhöht,
ist der Einfluß der Südabweichung auf die Solargewinne hier
geringer als bei einem einzelnen Fenster. Die solaren
Verluste erreichen hier bei 25° Südabweichung
maximal 3% und bei 45° etwa 8%. Bei Ost-West-Ausrichung sind allerdings auch
hier knapp 30% in Kauf zu nehmen.
- Der Einfluß der Orientierung auf
die Solargewinne eines Gebäudes wird von der
Stellung und Größe der einzelnen, auf die
verschiedenen Fassaden verteilten Fensterflächen
bestimmt, ist also vom Gebäudetyp abhängig.
- Die durch ungünstige Orientierung
verursachten solaren Verluste liegen bei maximal 30%.
- Eine Südabweichung von ca. 30° ist unbedenklich.
- Gebäude sollten nicht überwiegend
ost-west orientiert sein - eine begrenzte Anzahl von
O-W-Gebäuden ist jedoch insgesamt vertretbar. (Achtung:
Nach Westen ausgerichtete Fensterflächen können
ohne ausreichenden beweglichen Sonnenschutz zu einer
Überhitzung in der Übergangszeit und im Sommer führen.)
Verschattung durch Nachbargebäude
Neben
ungünstiger Orientierung wird das verfügbare passiv solare
Potential durch die gegenseitige Verschattung der Gebäude
reduziert.
Die Verschattungswirkung ist dabei abhängig
vom Verhältnis zwischen Abstand der schattenwerfenden Kante
A und der Höhendifferenz H der schattenwerfenden Kante zum
Fußpunkt der Solarfassade bzw. des jeweiligen Fensters.
Dieses Verhältnis läßt sich auch als Verschattungswinkel =arctan(H/A)
ausdrücken.
Abb.9 zeigt das verfügbare passiv-solare
Potential für S-, SW-, W-, NW- und N-orientierte Fensterflächen
innerhalb paralleler Gebäudezeilen. Dabei wird deutlich, daß
auch nordorientierte Fensterflächen aufgrund der
Verminderung der Diffuseinstrahlung von
verschattungsbedingten solaren Verlusten nicht verschont
bleiben, welche jedoch absolut gesehen gegenüber südorientierten
Fensterflächen wesentlich geringer ausfallen.
Bei südwest bis südost ausgerichteten
Fenstern sind höhere Anforderungen an die
Verschattungsfreiheit zu stellen als bei west, nord bis ost
orientierten Fensterflächen.
Solare Verluste / Verschattungsgrad
Bezieht man den
Verschattungsgrad als relative Größe auf die bei der jeweiligen
Orientierung während der Heizperiode maximal möglichen
Solargewinne, zeigen süd- bis nordorientierte Fensterflächen,
in Abhängigkeit vom Abstand/Höhen-Verhältnis A/H in etwa
den selben Kurvenverlauf.
Bei der gegenseitigen Verschattung von
Einzelgebäuden ist der Verschattungsgrad neben dem A/H-Verhältnis
der Fenster sowohl von der Länge der schattenwerfenden Gebäude
als auch vom seitlichen Abstand B der Gebäude innerhalb der
Zeile abhängig.
Die Abb.10 zeigt den Verschattungsgrad
der Hauptfassade. Dieser verringert sich mit zunehmendem
seitlichen Abstand der Gebäude zueinander und abnehmender
Gebäudelänge.
- Der durch die gegenseitige Gebäudeverschattung
verursachte solare Verlust kann 35% erreichen.
- Beträgt der Abstand zum
Nachbargebäude mehr als das dreifache dessen Höhe
ist nur mit einer geringen Verschattungswirkung zu
rechnen.
- Unterschreitet der Abstand zum
Nachbargebäude das zweifache dessen Höhe, so steigt
die Verschattungswirkung progressiv an.
Verschattung durch Bäume
Während die Verschattungswirkung von
Nadelbäumen offensichtlich ist, wird die
Verschattungswirkung von laubabwerfenden Bäumen oft unterschätzt,
da nicht bedacht wird, daß der Belaubungszeitraum weit in
die Heizperiode hineinreicht. Besonders im Herbst können zu
dicht vor Solarfassaden plazierte Laubbäume Solargewinne
weitgehend verhindern und sowohl zu einem früheren Beginn
der Heizperiode als auch insgesamt zu einem deutlich erhöhten
Heizwärmebedarf führen.
Die
Verschattungswirkung von Bäumen und der daraus resultierende
Heizwärmemehrbedarf ist von vielfältigen Faktoren abhängig:
- der Lage der Bäume zur
Solarfassade (Himmelsrichtung)
- dem Abstand des Baums zur
Solarfassade im Verhältnis zur Baumhöhe
- der Höhe der Solarfassade im Verhältnis
zur Baumhöhe
- der Dichte der Bäume innerhalb
einer Baumreihe/Allee/Pflanzung
- die Anzahl der Bäume, die
hintereinander stehen
- der Baumart
- dem Zeitpunkt des
Blattabwurfs
- der Dichte des Geästes
- der Dichte des Laubwerks während
der Vegetationsperiode
- dem Zeitpunkt des
Blattaustriebs
Auch Einzelbäume verursachen
erhebliche solare Verluste bei direkt verschatteten
Fassadenbereichen.
Die Abb.13 zeigt die Verminderung der
Globaleinstrahlung auf die Erdoberfläche während der
Heizperiode für das Umfeld eines Baums in 5%-Stufen. Die
Kronenhöhe des Baums entspricht einem Rasterfeld.
- Die durch Laubbäume verursachten
solaren Verluste können mittelfristig 40% erreichen.
- Eine effektive passive
Sonnenenergienutzung und sommerlicher Sonnenschutz
von Fenstern durch laubabwerfende Bäume schließen
sich aus, da die Solareinstrahlung nicht den
wechselnden Bedürfnissen und Erfordernissen
entsprechend "geregelt" werden kann.
- Südlich vor einer Fassade
angeordnete Bäume vermindern die absolute
Solareinstrahlung gegenüber nördlich einer Fassade
in selben Abstand angeordneten Bäumen fast um das
Dreifache.
- Bäume sollten deshalb grundsätzlich
nördlich, östlich oder westlich von Fassaden
angepflanzt werden.
- Einzelbäume sollten so angeordnet
werden, daß vom Baum aus in Richtung NW-N-NO ein
Mindestabstand mit der 1.5-fachen Kronenhöhe zu Gebäuden
eingehalten wird.
- Ist die Baumhöhe im Verhältnis
zur Fassadenhöhe doppelt so hoch, sollte der Abstand
auf die 2.0-fache, bei dreifacher Höhe auf die 2.5-fache
Kronenhöhe erweitert werden.
- Stehen mehr als drei Bäume direkt
hintereinander ist das Geäst für direkte
Sonneneinstrahlung nicht mehr nennenswert durchlässig.

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