Für die Rollenspieler der Region wurden der 26.-28.3.´99 dick mit einem roten
Strich im Kalender markiert. Grund: In Braunschweig in der (leicht umgewandelten)
alten Mühle fand der vierte Conventus
Leonis statt, der einzige Con in näherer Umgebung.
Klar,
daß auch die Greifenklaue nicht
fehlen durfte, denn schließlich wollten Ingo und ich einen „Autoren-Workshop“
leiten, der am nächsten Tag, einem Sonntag, stattfinden sollte. Glück für uns,
daß an den beiden Tagen dann doch überraschend viel Besucher kamen.
Zuvor aber gesellten wir uns, teils aus Werbezwecken, teils aus reiner Freud [Werbung
für die Greifenklaue zu machen, ist reine Freud (Erstes Edikt der Redax) – AdR]
am Spiel, unter das Rollenspieler-Volk. Spielrunden für Shadowrun, DSA oder AD&D waren natürlich an der
Tagesordnung, aber auch einige Exoten, darunter das interessante und sehr vielversprechende
Askalon (siehe Mittelalterspecial)
oder das von einem Fan selbst geschriebene System 1240 (dito), erfreuten sich großer Beliebtheit. Tabletops hingegen
waren eher selten anzutreffen, und wenn, dann nur in sehr kleinen Runden.
Aber auch wir blieben nicht untätig und gesellten uns zu einer Askalon-Spielrunde, die von den Machern , die selbstverständlich in
alt-europäischer Bauerntracht auftraten, selbst geleitet wurde. Das System
faszinierte uns deshalb, weil es ein mittelalterliches Rollenspiel ganz ohne
Fantasy-Elemente ist. Und da stellte sich natürlich die Frage: „Ist so etwas
überhaupt spielbar?“ Natürlich ist es eine drastische Umgewöhnung, aber mit
Verlaub kann ich sagen: Ja. Askalon
spielt sozusagen im etwas veränderten Europa des 12. Jahrhunderts, halt in der
Zeit, in der die Kirche immer mehr an Macht verliert. Wer nun aber glaubt, mit
Genre-typischen Helden wie Magier oder Barbar durch die Lande zu streifen,
irrt. Je nach Lebensstandard beginnt der Spieler entweder mit einem Bauern,
einer Waschfrau, einem Knappen oder anderen klassischen Berufen der damaligen
Zeit.
Christoph Memmert
Der nächste Tag begann dann mit
einem Tiefschlag, nein eigentlich zwei: nachdem wir uns am Bahnhof Karten
gekauft hatten, überlegten wir uns, daß wir auch mit dem Auto fahren könnten,
anstatt gute 1½ Stunden auf den Zug zu warten (Falls jemand an unserem
Geisteszustand zweifelt – zurecht...). Kaum 100 Meter vom Bahnhof entfernt,
entschloß sich ein ostdeutscher Autofahrer die regennasse Fahrbahn zu nutzen und uns die Vorfahrt zu nehmen. Krawumm! Anschließend behauptete er, daß wir
mit einer „Mordsgeschwindigkeit“ den Postberg herunterdriften, und in der Tat,
vielleicht hätte er recht gehabt, wenn wir nicht gerade selbst erst auf die
Straße eingebogen wären und ca. 30 fuhren... Vermutlich hat er uns g´deswegen
auch nicht gesehen... Naja, der Polizist attestierte uns jedenfalls, daß wir
100% schuldfrei seien, trotzdem machte sich Christoph gen Werkstatt auf (es war
übrigens „wirtschaftlicher Totalschaden“ – andererseits wäre bei der alten Quetsche vermutlich eine Beule in der Tür wirtschaftlicher Totalschaden, hä hä.
So ist aus dem Seat Marbella ein
uralter Opel Vectra geworden) und ich
ging zurück zum Bahnhof – und siehe da, der Zug kam gerade und die Karte hatte
ich ja noch vom ersten Bahnhofsbesuch...
Kaum in Braunschweig angekommen,
stellte ich fest, daß man die dortigen Straßenbahnen keinen anbieten kann: eine
Station vor meiner wartete das Gefährt 13 Minuten, bevor es sich bequemte,
loszufahren. und das für eine Strecke, die per pedes nichteinmal 2 gedauert
hätte.
Irgendwann kam ich dann trotz
des Handicaps ÖPNV tatsächlich an und schon begann mein Autorenworkshop mit nur
wenig Verspätung. Nachdem ich diese erklärt hatte ebenso wie Christophs
zwanghafte Abwesenheit, stellte ich fest, daß sich immerhin 6 Mutige gefunden
hatten, die von mir mehr über´s Schreiben erfahren wollte. Der Anteil der DSA-Spieler überwog und hauptsächlich
konzentrierte sich das Interesse auf Abenteuer und evtuell noch
Kurzgeschichten, aber da der erste Teil des Workshops, eine Art Vorlesung von
mir, allgemeingültig war, ging´s fulminant los. Nachdem dann alle ein wenig
aufgetaut waren, tauschten wir im zweiten Teil Erfahrungen aus, woraus eine mustergültige
und schöne Diskussion erwuchs. Ob´s nun darum ging, daß "DSA ein Kinderrollenspiel ist"
oder ob "die AD&D-Regeln
einfach schlecht", es erwuchsen interessante Beiträge und was vor allem
erstaunlich war, nahezu jeder beteiligte sich.
Nach dem Workshop war aber nicht mehr viel los und
da ich die vorige Nacht durchgemascht hatte (Askalon-Regelwerk gelesen und Rezi geschrieben), ging´s dann auch
schon wieder zurück und ab ins Bett.
Ingo Schulze