Cons | Rezensionen | Artikel | Hardware

AD&D-Superhelden oder nennen wir sie Halbgötter?

Wer wollte im realen Leben nicht schon besser sein als andere? Es gibt ein Gefühl des Triumphes, wenn man z. B. stärker oder klüger ist als andere. Kaum jemand ist mit sich selbst zufrieden, denn jeder möchte gerne besser sein, als er ist. Und es gibt Rollenspieler, die dies auf ihre Charaktere im Rollenspiel übertragen. Aber einen Charakter mit seinen "Stärken" und "Schwächen" zu spielen macht  richtiges Rollenspiel aus. Es gestaltet das Rollenspiel viel interessanter, wenn die Rollenspielcharaktere auch mal an ihre Grenzen stoßen und sehen, daß sie nicht alles schaffen können.

Es reicht doch, wenn die Charaktere in bestimmten Bereichen (z. B. ein Barde im Umgang mit Menschen oder ein Waldläufer im Wald) ihre Stärken besitzen. Es gibt verschiedene Wege sich einen Superhelden zu erschaffen. Man kann z. B. beim Auswürfeln der Attribute schummeln und einen Priester mit Geschicklichkeit und Stärke 18 bekommen. Dann wäre man genauso stark oder stärker, wie der Krieger der Gruppe. Und man wäre vielleicht genauso geschickt, wie der Dieb der Gruppe.

Da man ja alles können will, versucht man schließlich einige Aufgaben des Kriegers oder des Diebes zu übernehmen. Dadurch werden der Krieger und der Dieb, die in in ihren Bereichen eigentlich Spezialisten sind, in der Ausspielung ihrer Fähigkeiten beschränkt. Dies führt dazu, daß es den Spielern des Kriegers und des Diebes weniger Spaß macht, ihren Charakter zu spielen, da ja ein anderer Held versucht, in ihre Rolle zu schlüpfen und einen Großteil des Spielgeschehens auf sich zu vereinen.

Diese Gefahr besteht auch bei Klassenkombinationen oder mehrklassigen Charakteren,da man Fähigkeiten aus verschiedenen Bereichen erlangt und die Nachteile nicht die Vorteile ausgleichen. Die selbe Gefahr entsteht auch durch die AD&D-Zusatzbücher. Sie helfen zwar dabei, den Charakter genauer auszuarbeiten, aber diese Bücher werden auch ausgenutzt um sich AD&D-Superhelden zu erschaffen. Da ein Waldelf Stärke 18 besitzen kann, ist es  z. B. der einzige Grund für manche Spieler für ihren Priester als Rasse den Waldelfen zu nehmen.

Oder man nimmt einen Waffenmeister. Dieser  Chakakter besitzt etliche Zusatzvorteile mit einer erwählten Waffe (Treffer-bonus+3, Schaden+3, +1-Attacke usw.). Aber sein einziger Nachteil besteht im Erlernen anderer Waffen. Durch diese Vorteile werden die Charaktere zu stark, denn die Nachteile werden meistens kaum ausgespielt. Außerdem sollte man auch beim Vergeben von magischen Gegenständen vorsichtig sein, da man sich durch einen Armreif, der Rüstungsklasse 2 gewährt, und einen Verteidiger+5 auch als Dieb bei einem Kampf in die erste Reihe stellen kann. Aber trotzdem können es Superhelden unter guten Spielleitern genauso schwer haben wie  schwächere Charakere, da die Spieler vielleicht Halbgötter sind, aber dem Spielleiter in seinem Abenteuer eher die Rolle des Gottes zukommt. Er kann die sogenannten Halbgötter ja etwas härter als die schwächeren Charaktere anpacken.

Ingo Schmidtmaier