| Fernspäher |

Fernspähtruppe - -> Truppengattung des Heeres und Teil der-> Spezialkräfte; klärt in der Tiefe des feindlichen Raumes auf und vermeidet dabei den Kampf.
Spezialkräfte - Besonders ausgebildete, ausgerüstete und organisierte militärische Einsatzkräfte des Heeres, die für solche Aufgaben bereitgehalten werden, die von herkömmlichen Kräften nicht wahrgenommen werden können. Hierzu gehören u.a. die Aufgabenbereiche Aufklärung und Überwachung, Rettung bedrohter Bürger, einschließlich der Befreiung von Gefangenen und Geiseln, Schutz von Personen in besonderer Lage. -> Kommando Spezialkräfte
Die Fernspäher sind die infanteristische Aufklärungstruppe des Heeres. Zu ihren Aufgaben gehört die Aufklärung in der Tiefe des feindbesetzten Raumes und sie vermeiden dabei den Kampf. Die Fernspäher sind bis heute der kleinste und sehr exklusiver Truppenteil im Heer. Bis zur Aufstellung des Kommandos Spezialkräfte (KSK) gab es drei Fernspähkompanien, FSK 100, 200 und 300. (je eine pro Korps) Heute existiert nur noch eine reguläre Fernspählehrkompanie 200 an der Internationalen Fernspähschule in Pfullendorf. Die anderen zwei aufgelösten Kompanien bildeten mit ihren Offizieren und Unteroffizieren die Kernzelle des Kommandos Spezialkräfte, u.a. mit einer Fernspähkommandokompanie. Dies unterstreicht den elitären Status, den die Fernspäher als "Augen des Heeres" bis heute haben.

Die
Fernspähkompanien:
Jede der FSKs
ist eine unabhängige, autarke Einheit mit eigener Leitung, Verwaltung und
Nachschubwesen. Zum Führungsstab gehört ein Fuhrpark mit Fahrern und
Mechanikern für den Transport der Kompanie.
Den Kern der Kompanie bilden der Fernmelde- und die zwei Fernspähzüge. Die
Fernmelder sind das Verbindungsglied zwischen den im Gelände operierenden
Trupps und dem Korps, sie verfügen außerdem über die Möglichkeiten des
Abhörens feindlichen Funkverkehrs. Natürlich sind die funktechnischen
Einrichtungen der FSKs ein sorgsam gehütetes Geheimnis. Mit der Ausnahme der
Kompanieverwaltung und des fahrtechnischen Personals sind alle Angehörigen
der FSKs Zeit- oder Berufssoldaten.
Ausbildung:
Der normale
Wehrdienstturnus reicht nicht aus, um einen Fernspäher auszubilden. So
werden nur Freiwillige angenommen, die sich wenigstens für vier Jahre bei
der Bundeswehr verpflichtet haben.
Innerhalb dieser vier Jahre erreicht der FSK-Freiwillige Unteroffiziersrang.
Die komplette Ausbildung zum Fernspäher fordert ein hohes Maß an Ausdauer
und physischer bzw. psychischer Belastungsfähigkeit. Nur gut Trainierte
bestehen die Aufnahmeprüfung, und nach Aussagen des Kommandeurs der FSK 200
ist es kaum möglich, Prüfung und Lehrgang durchzustehen, ohne bereits vor
der Armee sportliche Leistungen erbracht zu haben. Die einführende
Ausbildung dauert rund 18 Monate und beginnt mit dem Grundlehrgang in der
Fernspähschule Pfullendorf (ehemals Weingarten), die als "International Long
Range Reconnaissance Patrol School" Anlaufstelle für ähnliche Verbände aus
allen NATO-Staaten ist.
Wenig Zeit wird bei der Ausbildung auf Drill, Formaldienst und Waffendienst
an MG, Panzerfaust und ähnlichem schweren Gerät verschwendet: Kartenkunde,
Navigation, Sport und Geländeläufe stehen auf der Tagesordnung. Ski- und
Kletterkurse folgen später. Die Tarnung und Anpassung der Bewegungen im
Gelände spielen in der Fernspäher-Ausbildung eine gewichtige Rolle. So wird
u.a. auch das Verwischen eigener Spuren unter Zuhilfenahme von
Wildwechselspuren trainiert. Die "Unsichtbarkeit" der Fernspäher im Einsatz
ist oberstes Gebot, um den Auftrag der Aufklärung nicht zu gefährden.
Bei der Schießausbildung nehmen die Fernspäher mit anderen Spezialverbänden
der Bundeswehr eine Sonderstellung insofern ein, als ihnen die instinktiven
Schießübungen mit den Handfeuerwaffen genehmigt wurden. Minen, Sprengfallen
und -sperren gehören auch zum Lehrplan, damit sie beim Infiltrieren erkannt
und umgangen werden können.
Der Grundausbildung schließt sich die weiterführende Schulung in einer
Fernspähkompanie an, wo das aufgabenorientierte Training als Beobachter oder
Fernmelder erfolgt. In diesen Monaten wird der angehende Fernspäher auch an
die Luftlandeschule nach Altenstadt geschickt, wo er den ersten Teil seiner
Springerausbildung erfährt, den automatischen Absprung. Klassenunterricht,
wo Fahrzeugtypen, taktische Kennzeichen und Merkmale befreundeter Armeen
gepaukt werden, wechseln mit Übungen im Gelände ab, die einen hohen Anspruch
an die körperliche Leistungsfähigkeit und Willenskraft stellen. In der Regel
finden zweimal pro Monat Absprünge ab. Der Unteroffizierskurs steht am Ende
des ersten Jahres, ihm folgt die Fahrausbildung, die das gesamte Spektrum
vom Motorrad bis zum Kettenfahrzeug umfaßt. Im zweiten Jahr erfolgt auch die
Freifallausbildung in Altenstadt.
HALO-Springen wird in Übungen und Manövern als eine von verschiedenen Infiltrationstechniken angewandt - aber jenseits der begrenzten und problembeladenen taktischen Verwendbarkeit wird das Fallschirmspringen als eine Entschädigungen für den harten Dienst in den Fernspähtrupps gesehen.
Der Einzelkämpferkurs ist Pflicht für jeden
FSK-Unteroffizier, unabhängig davon, daß der von ursprünglich acht auf jetzt
vier Wochen gekürzte Lehrgang nur noch eine verwässerte Affäre ist und kaum
den besonderen Bedürfnissen der Fernspäher entspricht.
Als Teil der Ausbildung halten die FSKs deshalb immer wieder ihre eigenen
"Einzelkämpferbiwaks" ab. Diese einwöchigen Übungen, in denen die Fernspäher
einzeln, zu zweit oder viert abgeworfen werden, sind kein beschaulicher
Ausflug, sondern von Einsatzlagern geprägt, bei denen die Teilnehmer sich
aus der Umgebung ernähren, bestimmte Entfernungen zurücklegen und der
Entdeckung entgehen müssen, während sie gleichzeitig noch taktische Aufgaben
zu erfüllen haben. Nach zwei Jahren ist der Fernspäher als vollwertiges
Mitglied in seine Aufgabe innerhalb der FSK hineingewachsen. Um weiter auf
der Karriereleiter hinaufzusteigen, muß der Unteroffizier sich in einem
weiteren Lehrgang im vierten Dienstjahr qualifizieren.

Der
Fernspähtrupp:
Das taktische
Element der Fernspähkompanien sind die Vier-Mann-Trupps, die von einem
Feldwebel oder Offizier geführt werden. Jeder Trupp operiert unabhängig von
den anderen Trupps, auch wenn diese in der gleichen Region tätig sind. Die
Erfahrung lehrt - und dies wurde wieder auf den Falklandinseln und im
Golfkrieg bestätigt - daß eine kleinere Einheit eher unentdeckt bleibt als
eine größere Gruppe.
Vier Mann, zwei Paare, sind auch vom psychologischen Gesichtspunkt die
ideale Grundlage für gegenseitige Unterstützung und Ausgleich unter Streß.
Der britische Special Air Service fand diese Annahme immer wieder in
Einsätzen bestätigt, der britische Armeeslang bezeichnet die
Vierer-Patrouillenform treffend als "brick" (Ziegel). Das Viererprinzip
wurde dort vom SAS auf alle Infanterieverbände übertragen.
Jeder Trupp erhält seine Aufgabe und infiltriert das Feindgebiet ohne Wissen
um andere Fernspähkommandos. Es gibt eigentlich keine Begrenzung, wie weit
ein FSK-Trupp hinter den feindlichen Linien eingesetzt werden kann. Eine
realistische Analyse der Gegebenheiten im europäischen Raum würde aber die
Penetration von Feindgebiet im Rahmen von 75 bis 150km, abhängig von den
taktischen Erfordernissen, ansetzen. Zwar sind Situationen denkbar, in denen
sich die FSK-Trupps vom Feind überrollen lassen, um in seinem Rücken
aufzutauchen, aber es ist illusorisch anzunehmen, daß das Zielobjekt genau
vor dem Versteck des Trupps auftauchen wird: Die Fernspäher müssen zu Fuß
ihr Ziel aufsuchen und, wenn nötig, ihm folgen.
"oculus exerticus" - Das Auge des Heeres !
Einmal am
Objekt eingetroffen, beginnt die eigentliche Aufgabe:
Aus einem
getarnten Beobachtungsstand, selten mehr als ein Erdloch, werden
Feindbewegungen beobachtet und gemeldet. Die FSK-Trupps verbringen oft Tage
in ihren Fuchsbauten, ernähren sich mit Kaltrationen, verrichten ihre
Notdurft am Ort und können nur nachts für kurze Zeit ihre Beine ausstrecken.
Generell können folgende Interessensgebiete für Beobachtungsaufgaben
umrissen werden:
- Transport und Positionierung nuklearer, biologischer oder chemischer
Kampfmittel und deren Waffensysteme.
- Feuerstellungen der Artillerie, besonders die Massierung von Artilleriegruppen als Indikator für Angriffe und Durchbruchversuche
- Kommandozentralen, logistische Knotenpunkte und Truppenkonzentrationen
- Zusammensetzung und Richtungen von Truppenbewegungen.
Weiterhin können Fernspäher auch für Sabotageaktionen hinter den feindlichen Linien eingesetzt werden, obwohl die primäre Aufgabe in der unentdeckten Beobachtung der feindlichen Truppenbewegungen bleibt.
Durchschlageübungen:
Teil jedes
Fernspähauftrags ist die unerkannte Rückkehr des Trupps zu den eigenen
Linien - dieser Teil der Ausbildung nimmt fast genauso viel Zeit ein wie das
Eintrainieren von Beobachtungsfähigkeiten!
Die Männer der Fernspähkompanien stellen für die Armee eine teure
Investition dar: Ein Funk- oder Nachtsichtgerät kann mit Geld ersetzt
werden, aber es braucht Jahre, bis ein Fernspäher voll ausgebildet ist und
seine Beobachtungsfähigkeiten, sein Verstand und seine Ausdauer auf die
spezifischen Anforderungen ausgerichtet sind.
Im Gelände sind Tarnung, ein Minimum an Bewegung und die Dunkelheit der
beste Schutz der Spähtrupps, deren Selbstdisziplin oft schweren Prüfungen
ausgesetzt ist. Der gefährlichste Moment kommt bei der Annäherungen oder
beim Verlassen der Beobachtungsposition, hier sind Nebel und schlechtes
Wetter die besten Verbündeten, denn selbst Dunkelheit kann im Zeitalter der
Nachtsichtgeräte, Gefechtsfeldradare und Sensorsperren trügerisch sein.
"Fernspähwetter", das ist Regen und Schnee, naß-kalte, mondlose Nächte, in
denen die gegnerischen Posten in ihren Unterständen bleiben oder sich in
Mäntel eingerollt unter Bäumen Schutz suchen.
Feindberührung ist unerwünscht, sie kann stundenlange Kriechwege und
Anmärsche zunichte machen. Nicht gesehen zu werden, ist das Hauptziel und
jede Illusion über romantische Spähtruppabenteuer im "Rambo-Stil" sind
unangebracht. Für alle Eventualitäten sind die Fernspäher im Nahkampf und im
instinktiven Feuern unter gegenseitiger Deckung im scharfen Schuß
ausgebildet.
Beim Rückzug ist jedes Mittel recht - einige Spähtrupps sind
kilometerweit rückwärts gegangen, oder haben stundenlang falsche Fährten
gelegt, um ihre Spuren im Schnee zu verändern. Ein guter Partner für die
FSKs sind die Fallschirmjägerbrigaden, die ihre eigenen Aufklärungszüge
haben und deren Jägerkompanien im Jagdkampf ausgebildet und als unabhängige
Streifkommandos operieren können.
Ein anderer Gegner für Durchschlageübungen ist die GSG-9, deren Training sie
besonders für die Jagd auf kleine bewaffnete Gruppen prädestiniert.
Polizeieinheiten können für diese Übungen mit Suchhunden aufwarten, die
ihnen ein gefürchtetes Zusatzmittel in der Verfolgung der Spähtrupps sind.
Bei einer solchen Übung, die sich über eine Woche hinzog, legten Spähtrupps
über 150km zurück und mußten mehrere Flüsse durchqueren.
Die deutschen FSKs sind nicht gefechtsorientiert, sie sind die "Augen des
Heeres" und ihre Aufgaben liegen in der Beobachtung. Sie sind zu wertvoll,
um in einem hollywoodähnlichen Himmelfahrtskommando vergeudet zu werden.
Zwar gehört Häuserkampf zu ihrem Trainingsrepertoire, aber dies ist mehr als
Selbstverteidigung zu verstehen.
Ähnliche Einheiten unterhalten die NATO-Partner in ihren Armeen, wie z. B.
die Force Recon Einheiten des U.S. Marine Corps, LRRPs der U.S. Special
Forces, britischer SAS, sowie die C.R.A.P. des 2. REP. (2.
Fallschirmjägerregiment) der Fremdenlegion. Angehörige dieser Einheiten
treffen sich immer wieder zu gemeinsamen Übungen und Trainingseinheiten an
der Internationalen Fernspähschule in Pfullendorf. Die Fernspäher der
Bundeswehr genießen dabei innerhalb ihrer NATO-Partner einen sehr guten Ruf.
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