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Baden-Württemberg | |
Stil und Deutung seines Wappens weisen Baden-Württemberg zum einen
als ein junges Land, zum anderen aber auch als Träger großer gesamtdeutscher, ja
europäischer Traditionen aus. Auf der Grundlage der Neugliederungsartikel 29 und
118 des Grundgesetzes wurde dieses Bundesland nach einer dort vorgeschriebenen
Volksabstimmung vom 9. Dezember 1951 aus den von Besatzungsverhältnissen der
Nachkriegszeit geprägten Vorgänger-Ländern (Nord-) Württemberg und (Nord-) Baden
in der US-Zone sowie (Süd-) Baden und (Süd-) Württemberg-Hohenzollern in der
französischen Besatzungszone gebildet. Es vereinigt in sich die Vorkriegsländer
Württemberg, Baden sowie die bis 1945 zu Preußen gehörigen Hohenzollerischen
Lande und die einstige hessische Exklave Wimpfen, deren Bevölkerung schon am 29.
April 1951 für den damals noch württemberg-badischen Landkreis Heilbronn optiert
hatte.
Baden-Württemberg trat mit der Bildung seiner ersten Regierung
unter Dr. Reinhold Maier am 25. April 1952 ins Leben. Das Land wurde nach 18
Jahren bei einer verfassungsrechtlich bedingten erneuten Volksabstimmung am
7.Juni 1970 politisch »konfirmiert». Es war also nicht der starke Arm eines
Diktators oder einer der Monarchen, die bis 1918 als Könige von Württemberg,
Großherzöge von Baden oder gar als Könige von Preußen und Deutsche Kaiser aus
dem Hause Hohenzollern die Geschicke Südwestdeutschlands gelenkt hatten, sondern
der klar akzentuierte Volkswille, der das längst erträumte Einigungswerk nach
langen Diskussionen vollendete. Badener, Württemberger und die Bevölkerung
Hohenzollerns, Franken im Norden, Alemannen/ Schwaben im Süden und die vielen
nach Vertreibung und Flucht hier angesiedelten Ost-, Mittel- und Volksdeutschen
wollten - natürlich ohne ihre Individualität aufzugeben - in den erweiterten
Grenzen dieses Landes zusammen leben und wirken.
Diese schöpferische
Vielfalt im Rahmen einer größeren Einheit lässt sich übrigens am großen
Landeswappen ablesen. Sein einheitliches Schildbild trägt nämlich eine Krone,
die von sechs Plaketten mit Wappen früherer Territorien dieses Raumes gebildet
wird. Die Republik besitzt auch ein Selbstverständnis, das sie berechtigt, als
ein alle ihre Teile repräsentierendes Schildbild das auf die staufischen Herzöge
von Schwaben zurückgehende Drei-Löwen-Wappen zu führen. Wie die Stammburg
Hohenzollern liegen ja auch die Ruinen des namengebenden Stammsitzes der
Staufer-Dynastie auf einem markanten Berg der Schwäbischen Alb in
Baden-Württemberg. Der Untergang dieser Dynastie, 1268 mit der Enthauptung König
Konradins, der zugleich Herzog von Schwaben gewesen ist, besiegelt, hinterließ
im deutschen Südwesten einen Flickenteppich weniger mittelgroßer und zahlloser
kleiner und kleinster Territorien, die, erst unter Napoleons Druck zu größeren
Einheiten zusammengezwungen, nun unter den Namen der beiden größten dieser
Einheiten, Badens und Württembergs, durch den Volkswillen zur staatlichen
Einheit gefunden haben.
Baden-Württemberg ist mit seinen mehr als neun
Millionen Einwohnern und einer Fläche von fast 36000 Quadratkilometern das
drittgrößte Land in der Bundesrepublik Deutschland. Es erstreckt sich vom
voralpinen Westallgäu und Bodensee bis in den Odenwald und an den Main, von der
Oberrheinischen Tiefebene über Schwarzwald, Neckartal, Schwäbische Alb und die
Schwäbisch-Fränkischen Waldgebirge bis ins Ries und in den Taubergrund. Außer
dem zunächst west-, dann nordwärts ziehenden Rhein, der das Land weithin zur
Schweiz und zu Frankreich hin begrenzt, nimmt die Donau, zugleich eine uralte
Völkerstraße nach Osten, die Gewässer des Landes auf. Gewaltige industrielle
Ballungsräume um die großen Städte, insbesondere um die Landeshauptstadt
Stuttgart und um Mannheim, finden in Baden-Württemberg noch ihren Ausgleich in
eher landwirtschaftlich strukturierten Erholungslandschaften mit zahlreichen
Heilbädern, in denen der Fremdenverkehr zur Wirtschaftskraft beiträgt.
Baden-Württemberg ist das industrie- und exportintensivste Bundesland, das
einerseits Großbetriebe von Weltruf beherbergt, überwiegend aber eine
mittelständische Wirtschaftsstruktur aufweist. Verwaltungsmäßig ist es seit der
Reform von 1973 in vier Regierungsbezirke, zwölf Regionalverbände, 35 Land- und
neun Stadtkreise sowie rund 1100 Gemeinden gegliedert. Mit 50 Hochschulen,
darunter neun Universitäten, ist Baden-Württemberg das auf diesem Sektor
bestversorgte Land der Bundesrepublik Deutschland. Auch die im Bundesgebiet
älteste Universität, die 1386 gegründete Alma mater Heidelberg, hat ihren Sitz
in Baden-Württemberg.
Manche dieser topographischen, wirtschaftlichen
oder organisatorischen Fakten könnten durch heraldische Symbole angedeutet
werden. Wenn jedoch alle relevanten Bereiche auf diese Weise in einem
Landeswappen zu repräsentieren wären, würde ein völlig überladenes Schildbild
entstehen, das die unverzichtbare Einprägsamkeit eines heraldischen
Bildkennzeichens völlig vermissen ließe. Die Mehrzahl der vielen nach der
Gründung Baden-Württembergs von Heraldikern wie Laien vorgelegten Vorentwürfe
zum Landeswappen beschränkte sich daher auf Aussagen über frühere Territorien,
die am Gebiet dieses Landes einmal Anteil hatten. Zwangsläufig kamen auf diese
Weise heraldisch hervorragende historische Schildbilder in die engere Wahl. Ihre
im Interesse einer Repräsentation des ganzen Landes notwendige Bündelung führte
jedoch zu Verstößen gegen die Farbregeln der Wappenkunst, zugleich wiederum zu
überladenen Gestaltungsvorschlägen. Schließlich vollzog sich in dem bis zum
Frühjahr 1954 andauernden Prozess der von der Presse mit Anteilnahme verfolgten
Meinungsbildung des Landtags eine Abwendung von den zunächst favonsierten
mehrfeldrigen »partikularistischen» Schildbildern hin zu dem einheitlichen und
doch das Ganze repräsentierenden Entwurf von Fritz Meinhard, der dann nach
einigen Modifikationen zum Wappen Baden-Württembergs erhoben worden ist.
Der ungeteilte Schild des bewusst nicht historisierend stilisierten
Drei-Löwen-Wappens betont die Einheit des Landes. Es war, wie bereits erwähnt,
Symbol des Herzogtums Schwaben, dem das ganze spätere badische, württembergische
und hohenzollerische Gebiet südlich der Kraichgau-Hesselberg-Linie zugehörte;
darüber hinaus repräsentiert es auch die staufisch gewesene Pfalz und das
ostfränkische Hausmachtgebiet der Staufer. Somit spricht es eine historische
Gemeinsamkeit dieser Territorien, an denen das heutige Baden-Württemberg
teilhat, an. Andererseits kommt die bunte Vielfalt der Bestandteile des Landes
in der unten näher erläuterten Wappenkrone des großen Landeswappens zum
Ausdruck.
Die 80 jährige Tradition der »Stauferlöwen» ist nach der hier
verwerteten Arbeit Eberhard Gönners über das Wappen des Herzogtums Schwaben und
des Schwäbischen Kreises zuerst in einem Siegel Herzog Friedrich V. von
Schwaben, einem Sohn des Kaisers Friedrich Barbarossa, zu fassen. Dieses seit
1181 nachgewiesene Reitersiegel lässt auf der sichtbaren einen Hälfte des
gebogenen Schildes einen aufgerichteten Löwen erkennen. Auch Herzog Friedrichs
Bruder und Nachfolger Herzog Konrad führte einen einzelnen Löwen im Schild. Auf
einem vermutlich echten, aber an einer gefälschten Urkunde überlieferten
Reitersiegel des folgenden Herzogs und späteren Königs Philipp (1196-1198) sind
dann erstmals drei Löwen übereinander zu sehen, die dann auch Herzog Heinrich
(1216-1220) als Schildbild beibehalten hat. Im Reitersiegel Herzog Heinrichs
erscheinen die Löwen nicht nur im Schild, sondern auch auf einer Speerfahne. Die
Farben Schwarz und Gold sind für dieses Löwenwappen in einem um 1265
entstandenen lateinischen Gedicht des Züricher Klerikers Konrad von Mure
überliefert. Dort steht:
Suevorum ducis est gilvus color hunc ita
ponis Ut super hunc nigri pingatur forma leonis
(Des Herzogs der
Schwaben Farbe ist gelb, trage sie so auf, dass sich auf ihr die schwarze
Löwengestalt abhebt).
Obwohl auch hiervon abweichende Tingierungen seit dem Mittelalter bekannt sind, hat sich doch die Darstellung schwarzer Löwen im goldenen Schild durchgesetzt.
Quelle:
Heinz Bardua