Ein Stück Weg mit Gunnar Berndsen

Anfang  des Sommers 1999,  treffen wir in Basel ein....
Wir wollen uns vorbereiten für einen Einsatz in Uebersee
mit der Basler Mission. Wir sind gespannt auf die Zeit, die
da vor uns liegt und natürlich auch neugierig auf die Menschen mit welchen wir die nächsten 6 Wochen zusammen verbringen werden.
Es ist eine Zeit,  in der wir viele Gesichter und ihre Geschichten kennen lernen werden, unter ihnen auch Gunnar und Renate.
Dass Gunnar Theologe ist wussten wir  schon bald, aber von welchem Karat, dass zeigte sich so im laufe der Zeit. Immer wieder überraschte er uns mit seinen  Gedanken und Anregungen und auch sein kritisch- positives Denken kam gut zum Ausdruck.  Am lebendigsten aber ist mir die „Latrinenpredigt" in Erinnerung. (siehe unter: „Die Notdurft des Abihu") .... Unsere Themen im Kurs waren  sehr vielseitig, und nicht immer war die Rede von Mission und Theologie. So lernten wir unter anderem auch, wie Mann und Frau eine Latrine baut. Für Gunnar ein gefundenes Fressen: dieses nicht ganz alltägliches Thema in seine Andacht einzubauen. Er gab uns einen Einblick, wie lebensnah geistliche Nahrung sein kann.
In meiner  Erinnerung war Gunnar  immer gut gelaunt, seine Gelassenheit und sein Humor imponierten mir immer wieder. Sein  Talent, sich in andere zu versetzen, zu verstehen,  dass wir Menschen, auf den verschiedenen Kontinenten so anders sein können...
Unsere Aufgabe war es, eine Szene darzustellen, in der wir uns alle irgendwann mal wieder finden könnten: Es kommt ein Afrikaner zu Besuch  und er kommt eben afrikanisch.
In unseren vier Jahren in Kamerun sah ich diese Szene einige Male wieder vor mir. Gunnar der Afrikaner (im Rollenspiel) kommt, grüsst , setzt  sich  und schweigt. Fragt mal was , und ist einfach zufrieden, da zu sein. Genau so habe ich unsere afrikanischen Besucher oft erlebt.
Abends, wenn wir unsere Kinder ins Bett bringen wollten, dann ging das nicht, ohne dass sie alle noch bei Gunnar und Renate im Zimmer verschwanden um die Gute Nacht Geschichte zu hören.
Wenn dann Ruhe einkehrte, und sich die Stille langsam im langen Flur des Missionshauses breit machte, schimmerte noch bis spät in die Nacht ein feiner Lichtstrahl unter ihrer Zimmertür.  Die beiden waren noch lange am austauschen, vorbereiten , schreiben und oft bei einem guten Glas Wein.
Mit dem Lied aus Nigeria  Wa  Wa Wa Emimimo verabschiedeten wir uns - alle die sich  auf den afrikanischen Kontinent aufmachten - symbolisch an unserem Aussendungsgottesdienst. Gunnar sang mit seiner kraftvollen Stimme die Solo Passagen, und noch heute, wenn wir als Familie dieses Lied singen, wandern meine Gedanken zu Gunnar.
Unsere Wege trennten sich in Basel, jeder gerüstet für seine neue Aufgabe und ohne zu wissen, wann wir uns wieder sehen werden.
Gross war unsere Freude,  als eineinhalb Jahre  später Gunnar und Renate eine Reise von Nigeria  nach Kamerun machten, und sie uns in Manyemen besuchten. Wir hatten drei Tage Zeit unsere afrikanischen Erfahrungen auszutauschen etwas Alltag zu teilen. Wieder wurde mir bewusst, mit welcher poetischen Seite Gunnar das Leben erlebt hat und auch wie intensiv.
Unser Gästebuch hält solche Momente fest - die Gedanken sind an unsere Kinder gerichtet und sie enden mit den Worten, möge Gott geben dass wir uns wieder
sehen.......

Christa und Rolf Solèr-Kühni

Mit Angela, Timoteo und Lea Nuru

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