3könig  Ansprache für den Gedenkgottesdienst für Gunnar Berndsen

 am 7. Juli 2004 in der Dreikönigskirche, Frankfurt-Sachsenhausen                             

 Von Pfarrerin Christine Streck-Spahlinger

 
 “Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen 
 und werdet meine Zeugen sein.”

 
 Liebe Freunde,

 diesen Kanon habe ich zum ersten Mal gesungen an dem Himmelfahrtsgottesdienst – es  muss 1992 gewesen sein, im ersten Jahr meines Vikariats bei Gunnar Berndsen, denn ein  Jahr später war er schon fast dabei aufzubrechen nach Thüringen.

Der Himmelfahrtsgottesdienst fand im Spessart statt im Rahmen eines Gemeindeausflugs, der uns u.a. nach Schloss Mespelbrunn führte. Auf einer recht windigen Anhöhe hielt der Bus an, und wir packten Bänke aus, stellten sie im Kreis auf und feierten einen Gottesdienst- dem Himmel ganz nahe. “Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein, und werdet meine Zeugen sein.”

Die Kraft des Geistes konnte einem damals ganz gegenwärtig werden, und seit diesem Gottesdienst verbinden sich mit diesem Lied für mich nicht bloß die Erinnerung an den Gottesdienst im Spessart, sondern es verbindet sich mir zugleich die Lebendigkeit, die Begeisterung, die Gunnar ausstrahlte und mit der er andere anzustecken wusste. Er lebte aus dieser Kraft, mit diesem Schwung und der Fröhlichkeit dieser Melodie.

Als ich von seinem plötzlichen Tod gehört habe, konnte ich dies kaum fassen. So geht es wohl uns allen hier. Er wurde mitten aus allem herausgerissen: Aus seiner Arbeit gemeinsam mit Renate Ellmenreich, seiner Frau, aus allen Beziehungen. Der Tod hat hier sein ganz schlimmes Gesicht gezeigt: Völlig unerwartet hat er nach Gunnar gegriffen und so allen seinen Plänen, seinen Hoffnungen, seinen Träumen ein jähes Ende gesetzt.

 Und doch, inmitten all des Unfassbaren, klingt ganz leise das Lied hinein: “Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, und werdet meine Zeugen sein.” Das was es, was Gunnar sein Leben über getragen hat, was ihn begeistert hat, das wird ihn auch im Tod und durch den Tod hindurch getragen haben, davon bin ich ganz fest überzeugt: Die Kraft des Geistes, den Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern hinterließ, als er zum Himmel auffuhr und nicht mehr mitten unter uns Menschen auf der Erde lebte.

 Diese Kraft, diese Begeisterung hat Gunnar überall weiter getragen, wo er als Pfarrer war und wirkte. Immer war er ein Zeuge Jesu Christi, bezeugte und lebte, was Jesus in seinem Erdenleben vorgelebt hat:  Erst an der Schule in Friedberg, dann in der Zeit in der Dreikönigsgemeinde, später dann in Thüringen und schließlich in Nigeria: Überall hat er Menschen dazu gewonnen, sich dieser Kraft des Heiligen Geistes zu öffnen, sich begeistern zu lassen und die Lebensworte Jesu weiterzutragen in ihr Leben. Auch wenn es oft nur kurze gemeinsame Zeiten waren, ein kleiner Wegabschnitt den Menschen zusammen mit Gunnar zurückgelegt haben, so hat er doch ganz viele Spuren hinterlassen. Das habe ich gemerkt, als ich in den letzten Wochen teils ganz zufällig Menschen wieder traf, die Gunnar hier in seiner Frankfurter Zeit getroffen haben. In den Gesprächen habe ich von den tiefen Eindrücken gehört, die sich mit ihm verbinden, von Predigten, die Menschen noch erinnern und bewegen, von Begebenheiten, die das Herz der Menschen tief berührt haben.

 Gunnar Berndsen war nicht lange in Frankfurt an der Dreikönigsgemeinde, und doch war es eine volle Zeit. Vieles hat er in Bewegung gebracht, Neues angestoßen, Menschen ermutigt, davon hat Frau Schleiffer berichtet. Auch in Friedberg, auch in Thüringen und dann auch in Nigeria war das so: Gunnar hat Menschen immer wieder bestärkt und ihnen das Selbstvertrauen gegeben, ihren Weg als Christen selbständig zu gehen. Darin erinnert er mich an die Erzählungen über Philippus in der Apostelgeschichte. Eine dieser Erzählungen möchte ich uns vorlesen:

            Apg 8, 26-40

Philippus ist einer der Zeugen, der die Kraft des Heiligen Geistes empfangen hat. Und dieser Geist bestimmt und lenkt sein Herz und seine Schritte. So kommt es zu der Begegnung mit dem Kämmerer, der so gerne verstehen möchte, was er in den Prophetenrollen liest, dem sich aber der Sinn nicht erschließt. Die beiden Männer treffen einander, und ohne großes Aufhebens schenken sie einander Vertrauen: Der mächtige Reisende lädt den Mann, der die Straße entlang geht ein, in seinen Wagen zu steigen, er fordert ihn auf zu Sprechen und ihm diese Worte zu erklären. Da beginnt Philippus zu reden und alles, was ihn bewegt, was sein Herz brennen läßt für seinen Herrn Jesus Christus, das breitet er vor dem Kämmerer aus. Der wird angesteckt von dieser Rede, sie ergreift nicht bloß seinen Verstand, sondern noch viel mehr sein Herz und so sagt er schließlich: “Was hinderts, dass ich mich taufen lasse?” Nichts hindert es, auch wenn bestimmt noch vieles zu erläutern wäre, vieles noch gründlicher auzulegen. Doch das wird mit der Zeit geschehen.

So tauft Philippus den Kämmerer. Als dieser seinen Weg fortsetzt und wieder in seine Kutsche steigt, da bemerkt er, dass Philippus nicht mehr da ist. Doch das erschreckt ihn nicht, das ist nicht weiter von Belang. Denn alles wirklich wichtige ist längst geschehen, das weiß und spürt der Kämmerer. So heißt es dann von ihm: Er zog aber fröhlich seine Straße.

 Viele Menschen, denen Gunnar begegnet ist, haben dies ebenso erlebt: Er hat sie angesprochen in einer Weise, die ihr Herz traf, die sie in Bewegung setzte, so dass auch sie fröhlich ihre Straße zogen. Die sich seiner, so wie der Kämmerer an Philippus mit Freude erinnern, voll Dank dafür, dass er ihm das Herz geöffnet hat für den gemeinsamen Herrn Jesus Christus. In ihm wusste sich der Kämmerer mit Philippus ganz tief verbunden, darum war es nicht mehr wichtig, ihn noch zu sehen und bei sich zu haben. Vielmehr wird der Kämmerer nun selbst anderen Menschen von Gott und seinem Sohn erzählen, so wie Philippus ihm davon erzählt hat. Er wird  nun selbst zum Zeugen werden.

 Auch wenn wir traurig sind über den so plötzlichen und frühen Tod von Gunnar, wenn wir traurig sind, dass wir einander hier in dieser Welt uns nicht mehr begegnen können, so haben wir doch alle unsere Erlebnisse und unsere Erinnerungen an die Begegnungen mit Gunnar. Und ich wünsche uns allen, dass sie weiterwirken bei uns wie bei dem Kämmerer, dass wir – trotz aller Traurigkeit – fröhlich unserer Straße ziehen und selbst weiter tragen, was wir gehört und gespürt haben, was unsere Herzen berührt hat, dass wir zu Zeugen Jesu werden, wie Gunnar es immer uns war.

 Mit einem kurzen Wort von Kurt Marti möchte ich schließen, von dem ich glaube, dass es Gunnar entspricht :

 

wenn ich gestorben bin

hat er geschwünscht

feiert nicht mich

und auch nicht den tod

feiert DEN

der ein Gott von Lebendigen ist

 

wenn ich gestorben bin

hat er gewünscht

preist das Leben

das hart ist und schön

preist DEN

der ein Gott der Lebendigen ist.

 Amen.

Fürbitten:

 Bei den Fürbitten lasst uns auf die Worte: “Wir bitten dich” gemeinsam sprechen/singen: 178.9 Kyrie eleison / Herr, erbarme dich.

 Herr, unser Gott, vor Dir bringen wir unser Erschrecken und unsere Trauer um den Tod von Gunnar Berndsen. Wir bitten Dich für ihn, dass er nun in Deinem Licht lebt in Ewigkeit.

Wir bitten Dich:

 Wir bitten Dich für die Familie von Gunnar, für Renate Ellmenreich, für seine Kinder, seine Mutter, für alle, die ihm nahe standen. Dass sie getröstet werden durch Dich, dass sie Hoffnung finden und Stärke ihren Weg weiter zu gehen.

Wir bitten Dich:

 Für die Menschen in Nord-Nigeria, die mit Gunnar zusammengearbeitet haben, bitte wir Dich, guter Gott, dass sie das Begonnene vorführen können und dass die Arbeit viel Frucht bringen möge.

Wir bitten Dich:

 Herr, unser Gott, vor Dich legen wir all unsere dunklen Gefühle und Sehnsüchte und all unsere Angst vor der Zeit nach dem Tod. Schenke uns Vertrauen und Hoffnung und lass uns in der Liebe bleiben, die uns durch Jesus Christus geschenkt worden ist.

Wir bitten:

 In der Stille sprechen wir vor Dir, barmherziger Gott alles aus, was uns am Herzen liegt:

                                                                                                                             

            Stille

 

Gemeinsam: Vater unser

 

zum Inhaltsverzeichnis