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Gunnar
Berndsen – Geschäftsführer der Ökumenischen Akademie Gera – 
Ein
Rückblick
Es muss
Anfang 1995 gewesen sein als ich Gunnar Berndsen bei Zusammenkünften kennen
lernte, bei denen es um die Gründung einer christlichen, von möglichst vielen
christlichen Gemeinden getragenen Erwachsenenbildungseinrichtung in Gera ging. Spätestens
bei der zweiten Zusammenkunft fiel Gunnar Berndsen mir und sicher auch den anderen
am Tisch auf. Er unterbreitete solide,
konkrete Vorstellungen für das geplante Unternehmen. Der Name „Ökumenische
Akademie Gera“ geht auf ihn zurück. Wir anderen hätten „als gelernte
DDR-Christen“ nicht gewagt, einen solchen anspruchsvollen Namen vorzuschlagen.
Waren wir es doch Jahrzehnte gewohnt als Christen in der Öffentlichkeit kaum
vorzukommen. Wir waren zurückgeworfen auf den innerkirchlichen Bereich. Jetzt
sollten wir an die Öffentlichkeit treten. Wenige Jahre nach der Wende war dies
für viele noch sehr ungewöhnlich. Wir brauchten dazu die „Entwicklungshilfe“
von außen, wir brauchten den Entwicklungshelfer Gunnar Berndsen. Hauptamtlich
leistete er bereits aus einer westdeutschen Landeskirche kommend Hilfe beim
Aufbau des Religionsunterrichtes in und um Gera. Da lag es nahe, dass er der 1.
Geschäftsführer wurde und dieses Ehrenamt bis zu seinem Weggang nach Afrika ausfüllte.
Und er
verblüffte uns noch öfter. So schlug er vor, zur ersten Veranstaltung den noch
heute amtierenden Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse einzuladen. Darf man
so hochstapeln ? Und Herr Thierse sagte auch zu ! Dann aber musste er leider
relativ kurzfristig absagen. Und dies im Ferienmonat August! Gunnar Berndsen
telefonierte den Leuten in den Urlaub hinterher und konnte den Mitbegründer der
Bürgerbewegung „Demokratie jetzt“ Dr. Hans-Jürgen Fischbeck als Referenten
gewinnen. Die Auftaktsveranstaltung war gerettet!
Am 12.
September 1995 fand diese erste Veranstaltung im Gemeindehaus der Evangelisch-lutherischen
Kirche in Gera in der Talstraße 30 statt. Das Thema lautete „Sind Politiker
noch brauchbar ? Über Zukunft und Ende der Parteien“
Ein von
Anfang an ansprechend gestaltetes Faltblatt warb für die Veranstaltungen mit folgenden
Themen-Bereichen :
- Religion, Philosophie, Weltanschauung
- Literatur, Kunst, Kultur
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Politik, Recht, Soziales
- Naturwissenschaft, Technik
- Pädagogik, Psychologie
- Gesundheit, Medizin
Stellvertretend
seien einige Veranstaltungen näher beschrieben:
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Am 14. Mai 1996 las der Schriftsteller Erich Loest im
„Kleinen Theater im Zentrum“ aus seinem Buch „Nikolaikirche“. Darin arbeitet
der Schriftsteller die letzten 5 Jahre der DDR auf. Die Teilnahme der
Bürgerrechtlerin Bärbel Boley gab dem Ganzen eine
besondere Note. Das Haus war voll besetzt.
- Aktuelle weltpolitische Ereignisse wurden aufgriffen
und thematisiert. So diskutierten unter dem Titel „Bosnien und kein Ende“ am
28.Januar 1997 der ehemalige UN-Beauftragte von Mostar Heinz Koschnik mit
Beatrix Spreng, Pastorin aus Berlin und weiteren Vertretern der
Friedensbewegung im „Kleinen Theater im Zentrum“ in Gera.
- Im Sommer 1997 veranstaltete die „Ökumenische Akademie
Gera“ in der Trinitatiskirche eine Ausstellung zum Thema „Engel“.
Holzskulpturen und Gemälde stellten 4 Künstlerinnen und Künstler aus Weimar,
Gera und Umgebung aus.
- „Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken“ war der
Titel einer Veranstaltung am 8. April 1998 mit der Direktorin des
Heirich-Schütz-Hauses Bad Köstritz Frau
Dr. Ingeborg Stein, die das Leiden Jesu Christi in Heinrich Schütz`
geistlicher
Chormusik und Christoph Schwabes Gemälden dem Publikum nahe brachte.
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Aus Anlass des 50. Jahrestages der Gründung des
modernen Staates Israel
füllte sich am 27.Mai 1998 das „Kleine Theater im Zentrum“ mit
Interessierten, um den Referenten Ignatz Bubis, den Vorsitzenden des
Zentralrates der Juden in Deutschland zum Thema „Judentum und Israel in der Gegenwart“
zu hören.
Auf dem
Halbjahresprogramm Januar bis Juni 1999 der Geraer Akademie erscheint
letztmalig Gunnar Berndsen als Geschäftsführer. Das nächste Faltblatt sagt aus,
dass ihm Diethard Kamm in diesem Ehrenamt abgelöst hat. Der Grund dafür war sein
Weggang aus Gera, ja aus Deutschland nach Afrika. Bei denen, die von Anfang an
dabei waren, blieb Gunnar Berndsen in bester
Erinnerung. Wir lasen die Rundbriefe, die er und seine Frau Renate Ellmenreich
aus Afrika sendeten. Erschüttert waren wir, als die Nachricht von seinem Tod
eintraf. Ich konnte an der Beerdigung Gunnar Berndsens in Scharbeutz
teilnehmen. Das Programm-Faltblatt der Geraer Akademie des 2. Halbjahres 2004
enthält einen Nachruf auf Gunnar Berndsen. Bezug nehmend auf seine
ehrenamtliche Tätigkeit in der Ökumenischen Akademie Gera heißt u.a. darin: “Unermüdlich
– ideenreich und voller Tatkraft – setzte er sich für ihre Entstehung und ihr
Wachsen ein.“ Es kommt weiterhin darin zum Ausdruck, dass die Lücke, die sein
Weggang aus Gera bei der Akademie hinterließ, nur unter großen Anstrengungen zu
schließen war. Gunnar Berndsen war der Sämann vor 10 Jahren. Es wird in freuen,
dass seine Akademie lebt.
Jens Wahle
Mitglied des
„Arbeitskreises“ der Ökumenischen Akademie Gera
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