Gunnar Berndsen

Afrikanisches Hemd, dunkler Bart, braungebrannt - ein richtiger Missionar.
 Das zumindest war mein Eindruck als ich Gunnar Berndsen das erste Mal
sah.  Das war auf unserem deutschen Gemeindefest, deutsch, obwohl in Lagos in Nigeria und obwohl die überwiegende Zahl der Besucher Nigerianer waren.

Fast genau drei Jahre ist das her, und seitdem habe ich Gunnar mehrfach getroffen, hier in Lagos im Umfeld der deutschen Gemeinde, aber auch in Mubi in Nordostnigeria bei seiner Arbeit bei der EYN, der Church of the Brethren.

Engagiert für seine Arbeit und die Menschen, mit denen er zusammen arbeitete, war er immer. Keine Mühen scheute er - und sei es, die Märkte in Lagos nach einem Ersatzteil für die Druckmaschine zu durchstreifen, das es im Norden nicht gab. Ideen hatte er viele: wie die Arbeit des Theologischen Fernstudiums verbessert werden könnte, die Errichtung von kirchlichen Schulen und Kindergärten in Borno State, die Einrichtung einer Behinderten-werkstatt auf dem Missionsgelände in Mubi. Und so war er immer in Aktion und im Einsatz.

Über die drei Jahre haben wir jeweils die Arbeit des Anderen begleitet. Und jeder von uns war wohl der Meinung, dass das, was der andere mache, nichts für einen selbst, aber der andere genau richtig an seinem Ort sei.

Unvergessen bleibt mir die Wanderung mit Gunnar nach Futudou, einem kleinen Dorf hoch oben in den Mandarabergen an der Grenze zu Kamerun. Ein mehrstündiger, steiler Aufstieg, dann Rast in einem kleinen Gehöft mit Wasser und Nüssen und Gespräch mit den Bewohnern, Besuch in der neu erbauten Kirche mit einem weiten Blick bis hinein nach Kamerun - man spürte, dass er sich hier zuhause fühlte.

Ich weiß, dass Gunnar gerne noch eine Weile „dort oben" geblieben wäre, Pläne hatte er genug. Und er hätte noch Vieles erreichen können. Ich hoffe, dass die Menschen dort ihn nicht so schnell vergessen. Persönlich berührt mich sein plötzlicher Tod sehr. Das Leben in Afrika ist keine Selbstverständlichkeit - umso mehr sind wir auf unseren Glauben angewiesen. Ich meine, dass sein Glaube Gunnar durch viele, auch schwere Situationen hindurchgetragen hat. Wie auch seine Frau Renate Ellmenreich. Die Jahreslosung für das vor uns liegende Jahr 2005 möge sie ermutigen und aufrichten: „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre" (Lukas 22, 32).

Kirsten Wolandt,
Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache in Nigeria,
Lagos 14-03-2005

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