Brückenlauf 2000:
ein Halbmarathon von Kopenhagen nach Malmö

Ab nach Hause...

Schon im Herbst beim Berlin-Marathon kamen mein Hamburger Freund Knut und ich an einem Dänischen Stand von Sparta.dk, dem Kopenhagener Laufverein vorbei. Als Brückenbegeisterte und ehemaliges Nordlicht, stand dann auch schnell fest, daß wir zwei im kommenden Sommer unseren gemeinsamen Laufausflug nach Dänemark machen wollten und so wurden flugs 25DM als Anzahlung auf einen Startplatz abgegeben. Diese frühe Anmeldung ergab für mich die doch ungewohnte Startnummer 27972, was bei über 90.000 Teilnehmern immerhin im ersten Drittel liegt. Als dann der endgültige Termin und auch die endgültigen Startgebühren feststanden (ich fiel fast in Ohnmacht), beschloß auch mein Mann spontan: ‚da lass ich sie doch nicht alleine hinfahren‘ und so fuhren wir übers Pfingstwochenende gen Norden.

Ein kurzer Stop in Hamburg und schon ging es mit einer Laufgruppe aus dem Ammerland (wer kennt hier den TV Ofen?) im Bus weiter auf der Vogelfluglinie. Schnell fand man in netten Gesprächen heraus, wer immer in Ofen läuft und wer nur mitkommen darf. Unter diesen Mitgenommenen waren aber zum Glück ganz viele nette Leute und so war das Wochenende gerettet.

Samstag nachmittag wurde das Hotel in Ringstedt erreicht und nach einem schnellen Boxenstopp am Geldautomaten fand sich spontan eine 10er-Gruppe zum Laufen (was sonst). Eineinhalb Stunden wurden Ort und Umgebung erkundet und vor allem endlich frische Luft getankt, bevor die Taschen ausgepackt und der Abendschmaus genossen werden durften. Vor Dänemarks ältester xxxKirche (irgendwas besonderes war da) fanden sich alle zum Schlummertrunk und man verabredete sich zum Frühstückslauf.

Pfingstsonntag begann also um 6.15 Uhr mit einer wunderschönen Dorfrunde am Ringstedt-Bach: ein Fasan, ein Reh, ein Reiher, viele Enten und Möven, ein Hase – die Natur hatte ihr volles Programm aufgefahren und so schmeckte das Frühstücksbuffet besonders gut. Der Küchenchef schien zu verzweifeln an den Mengen, die wir Läufer so vertilgen, stärkten wir uns doch für einen langen Tagesausflug nach Kopenhagen.

Bekannterweise soll der Tag vor einem Wettkampf ruhig verbracht werden; aber dies war ja kein Wettkampf. Voller Spaß und Vergnügen wollte dieses Erlebnis genossen sein und da haben wir uns nach dem Abholen der Startnummern und einer größeren Marathonmesse (weiß jemand, daß Newline eine Dänische Firma ist?) nicht die Chance, Kopenhagen kennenzulerner, nehmen lassen. So viele Schlösser mit wundervollen Gartenanlagen, so viele Häuser, alte und neue, und immer wieder das Meer.

Standardfoto...Besonders beeindruckend die wirklich ziemlich kleine Meerjungfrau, die große Blutbuche im Garten von Schloß Kristiansborg und der Ausblick auf die Brücke vom runden Turm.

 

 

 

 

Nicht vergessen darf ich in meinem Bericht das leckere sahnige Dänische Eis – aber genug des Vorgeplänkels, wir sind doch zum Laufen gekommen:

Pfingstmontag ist der Tag – 2x35 kurz- behoste Läuferbeine scharen sich um ein Frühstücksbuffet, drängen sich in den Bus und stürmen fröhlich erregt zum Startplatz. Mit vielen Leuten haben wir ja gerechnet, aber wer kann sich vorstellen, wie viele Leute 90.000 dann wirklich sind? Zum Glück – ein großes Lob an die Organisatoren – ging es sehr geordnet zu. Schon mit der Startzeit wurde nach Schweden, Ausländern und Dänen nach Postleitzahl, also Länge des Heimweges sortiert. Wir standen somit um halb 10 auf einer Wiese in unserer ersten Schlange, da der Lauf nur mit geliehenen Championchips bestritten werden konnte. Hier wurde das Feld also zum ersten Mal entzerrt. Auf dem 1,5km langen Weg zum Start bildeten sich erneut Gruppen und Haufen und lange war unklar, wo man denn vor dem Start noch den Frühstückskaffee abladen durfte. Das Problem stellte sich insbesondere unserem Gärtner, Renke, der sich schlichtweg weigerte, die Büsche am Wegesrand zu überdüngen und deren Wurzeln zu verbrennen. Irgendwann kamen auch die obligatorischen Dixis und die nun entspannteren Gesichter wendeten sich dem nächsten Problem zu. Wie lange dauert es bis zum Start?

Nervös?

Nun, es ging schneller als erwartet. Aufwärmgymnastik und das 4malige Vorwärtsrücken (alle 5 Minuten durften 1200 Läufer auf die Strecke, damit sich im Tunnel kein Gedrängel, keine Stürze und keine Panik bilden können) hatten auch wir das Gefühl in einer Rush-Hour dabei zu sein.

Hier jetzt ein Dank an Gabi für mein orangenes Geburtstags T-Shirt. Im Tunnel und auf der Brücke war ich so stets gut zu finden. Von Holländern wurde ich angesprochen, ein Photo von ihnen zu schließen, nur weil ich in Orange lief. Überhaupt hat mir die internationale Atmosphäre in der Startzeit 10-12 Uhr gut gefallen.

Tunnel - running...

Ja und dann passierte alles plötzlich furchtbar schnell. Nach 4km kamen wir raus aus dem warmen Tunnel. Dies war zu erkennen an a) den vielen bunten weggeworfenen Ohrstöpseln, b) den vielen Pinkelnden auf dem Mittelstreifen und c) dem einsetztenden Wind auf dem Öresund.

Meter für Meter wurden die Stützpylone größer. Die eigentlich eintönige Strecke (es ging ja nur gerade aus und das Meer war bei Km 6 so grau wie bei Km 16) habe ich gar nicht wahrgenommen, waren stets kurze Sprinteinlagen erforderlich, um bunte Photos von den Bekannten, Freunden und meinem Schatz zu schießen.

Schnelle Brille = schnelle Zeit...Tja und dann bemerkte mein Mann  vom Rückenwind beflügelt, daß er trotz allem auf Bestzeitkurs war und da es auch noch Brücke-abwärts ging, flogen wir vorbei an den vielen nun doch gehenden Mitläufern, die vielleicht noch nie länger als 10km gelaufen waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Ziel (einige waren jetzt zum ersten Mal in Schweden) wurde uns dann wieder klar, wie groß eine Masse von 90.000 Menschen sein kann, selbst wenn nicht alle gleichzeitig ankommen. Obwohl es schon Mittag war, die Berge von Bananen und Twix waren wirklich beeindruckend und immer wieder sooo viele Leute.

Als nächste Aufgabe sollte jeder seinen Rucksack wiederfinden. Das war gar nicht so einfach, waren die allesamt schwarzen Dinger nach Startnummer und Startzeit geordnet aufgereiht. Da ich doch wieder vergessen auf die Uhr zu gucken, habe ich prompt zunächst in der falsche Schlange gesucht. Die vielen glücklichen Finder, die sich spontan ihre wärmeren Pullis, Jacken und Hosen im Gewühl der aufgereihten Rucksäcke überzogen trugen auch nicht gerade zur Übersichtlichkeit bei. Und dann wollte ich auch noch Bertram und Knut wiederfinden – mit Trillerpfeifen ausgestattet war diese Aufgabe sehr schnell gelöst.

Die gelbe Gefahr...
Wer findet in diesem Suchbild die auf ihre Besitzer wartenden Rucksäcke?

Was macht der durchgefrorene, verschwitze Läufer als nächstes? Eine warme Dusche suchen, genau.

Zum Glück fanden nur wenige über den weitläufigen Festplatz den Weg zu den Duschen, die mit frischem Ostseewasser auch wenig einladend wirkten. Nach einer 5minütigen Aufwärmphase war das aber ein wirklich erfrischendes Erlebnis – und ich werde nie wieder über die Duschen am Rennsteig meckern.

Zitter...

Nächste Aktion, der Rücktransport: auf eine breiten Wiese standen 12 Schlangen wartender Leute. Zum Glück regnete es nicht und Getränke gab es auch reichlich. Die Flugvorführungen des Schwedischen Militärs und angeregte Plaudereien unter den Läufern ließen die eineinhalb Stunden recht schnell vergehen. Die reibungslose Organisation ließ eine neue Busstaffel (je 12 Busse) auffahren, sobald die vorige vollgeladen und abgefahren war. Hier merkte man aber doch, daß es eine Massenveranstaltung war und kein gemütlicher Waldmarathon.

Zurück im Startbereich waren wir schnell bei unserem Reisebus und nachdem auch der letzte aus der Gruppe (er war noch in Schweden zum Fischessen eingeladen worden) aus dem Brückenbus ausgestiegen war – ein Gruppenbild und ab die Post zur Fähre und gen Deutschland. Kurz vor Mitternacht waren wir zurück in Hamburg, womit ein wirklich aufregender Tag zuende gegangen war.

 made by Sabine ®, im Juni 2000