Nichtschwimmer goes Tria
oder
vom Schnuppertriathlet zum Teilnehmer an einem olympischen Traiathlon

Ab nach Hause...

Vorgeschichte:

Naja, Triathlon macht mir eigentlich richtig Spaß, wenn nur das Schwimmen am Anfang nicht wäre. Ich weiß, was Ihr jetzt sagt: Aber es gibt doch auch Duathlon... Schon klar, aber so ein Tria ist halt doch was anderes.
Mein Einstieg in die "Tria- Szene" (klingt gut, oder?) war im Mai '99 beim Bürgerpark (0,5-20-5). Mittlerweile habe ich schon sechs Jedermänner (3 mal Bürgerpark und 3 mal Biblis) und den Datterich mitgemacht. Und dieses Jahr lag beim Bürgerpark die Ausschreibung vom 4. Lahn-Dill-Bergland- Triathlon aus. Ich habe sie mal eingesteckt und nach ein bisserl Nachdenken habe ich dann ein paar Tage später entschieden, daß dieser mein erster olympischer werden sollte... Naja, ich bin Marathonläufer kann ein bisserl Radfahren, aber das Schwimmen... Wird schon werden!!!

Vorbereitung:

Also eigentlich wollte ich ein bisserl zweigeteilt trainieren, zum einen für diesen Tria und zum zweiten für den Jungfrau- Marathon, der am 1. September in Interlaken (CH) stattfindet. Leider habe ich mir dann Anfang August eine Rippe geprellt und habe zwei Wochen mit dem Laufen pausieren müssen. In diesen zwei Wochen habe ich fast gar nichts gemacht, danach wieder etwas radfahren und ausgiebiges Schwimmtraining. Außerdem habe ich ein paar Mal Wechseltraining gemacht, d.h. schwimmen und radfahren oder radfahren und laufen...

Der Tag X:

25.8.01, 6:30 Uhr. Ich bin 20 Minuten vor meinem Wecker wach. Jetzt kann ich sowieso nicht mehr schlafen, also stehe ich schon mal auf... Ausgiebig frühstücken, dann noch mal ein letzter Check mit meiner Kiste mit den ganzen Utensilien. Scheint alles da zu sein... Um kurz nach acht fahre ich los. Der Start ist zwar erst um 11:30, aber die Wettkampfbesprechung erfolgt schon um 10:15 zusammen mit den Jedermännern (Warum heißt das eigentlich nicht auch Jederfrauen?). Um ca. 9:30 bin ich vor Ort und hole meine Unterlagen ab. Dann schaue ich mir schon mal die Wecheslezone an, um zu wissen, was da abgeht. In der Zeit finden auch ein paar Kinderwettkämpfe statt. Boah ey, da geht es ja mächtig zur Sache...
Jetzt folgt die Wettkampfbesprechung, die um 10 Minuten verschoben wurde. Erst mal steht ein (anscheinend wichtiger) Mann vom HTV dort und erklärt, daß die Senioren über 30 Neoprenanzüge tragen dürfen, also die Hauptklasse nicht??? Ich verstehe das zwar nicht so ganz, aber anscheinend darf ich den (geliehenen) Neo von Stefan tragen. Dann kommt der Organisator ans Mikro und erklärt, daß Neo komplett verboten ist, weil die Wassertemperatur 23° beträgt. Das Chaos nimmt seinen Lauf, einige Teilnehmer beschweren sich... Zu guter letzt stimmt dann die Aussage des Mannes vom HTV. Ich entscheide mich, ohne Tria zu starten, weil ich dann auf die fünfte Disziplin (Neo an und aus!) verzichten kann.
Okay, jetzt gehe ich zurück zu meinem Auto und mache mich fertig. Dann das Rad und den ganzen Rest einchecken. Ein sicherer Platz für meine Brille ist auch schnell gefunden. Sie wird an das gerüstartige Gestell gehängt, an dem auch die Bikes hängen. Da der Start von 11:30 auf 11:45 Uhr verschoben wurde, habe ich nach Verlassen der Wechselzone noch ca. 20 Minuten Zeit. Da ich ohne Brille fast blind bin, setze ich meine Schwimmbrille, die wenigstens annähernd soviel Dioptrien hat, auf und begebe mich langsam zum Start.

Im Wasser:

Kurz vor dem Start gehen alle ins Wasser, weil es ein Wasserstart ist. Ich stelle mich wie immer eher hinten an, weil ich keinem im Weg rumschwimmen möchte. Ja, ich weiß, daß ich nicht schwimmen kann, aber damit kann ich leben :-) Dann erfolgt der Startschuss. Vor mir ist das Wasser aufgewühlt. Ich lasse mir etwas Zeit, bis ich anfange zu schwimmen. Nach ca. hundert Metern macht mir ein Mädel durch andauerndes Kratzen an meinem linken Arm klar, daß sie (auch brustschwimmend wie ich) vorbei will. Ich schwimme etwas nach rechts. Nach ca. 300 Metern ist mir nach einem kurzen Blick nach hinten klar, daß ich das Schlußlicht bin. Aber ich hatte auch nichts anderes erwartet...  
Ca. 30 Meter vor mir schwimmt der Vorletzte. Das beruhigt doch etwas, da ich dann ein Ziel vor mir habe. Nach der ersten Runde kommt ein kleiner Landgang, bei dem ca. 50 Meter zu Fuß zurückgelegt werden müssen. Dann noch mal ins Wasser zur zweiten Runde über noch mal 750 m. Der Abstand zu meinem Vordermann bleibt auf der zweiten Runde gleich, was mich zu der Auffassung bringt, daß ich "meinen" Rythmus gefunden habe. Also immer schön dranbleiben bzw. versetzt neben/hinter ihm schwimmen, weil er eher kreuzt als gleichmäßig Richtung Boje zu schwimmen... Naja, nach ca. 42 Minuten wird mir von den freundlichen DLRG- Helfern aus dem Wasser geholfen. Ich bedanke mich für das lange Warten :-) Dann ein kleiner Sprint zur Wechselzone. Das Wechseln klappt bei mir schon ganz gut und geht relativ fix. Dann wird das Rad zum imaginären Wechselbalken geschoben. Erst hier darf man aufsteigen...

Auf dem Rad:

So, jetzt geht es langsam los. So nach ca. 300 Metern Radfahren fällt mir dann ein, daß ich ja langsam mal meine Uhr drücken könnte. Das vergesse ich immer wieder ;-( 0:44:43! Toll, mit so einer Zeit hätte ich nie und nimmer gerechnet, denn das läßt auf eine Zeit von ca. 42 Minuten schließen... Innere Zufriedenheit macht sich breit!
Die ersten paar Km geht es relativ flach und ich komme auf einen Schnitt von über 33 Km/h. 30 Km/h wäre meine Wunschgeschwindigkeit... Aber irgendwann merke ich dann doch, warum dieser Tria Lahn-Dill-Bergland (!) heißt. Aber was bergauf geht, geht auch irgendwann wieder runter... Die erste Runde über die 20 Km habe ich mit einem Schnitt von ca. 30,0 Km/h geschafft. Und weiter geht es. Das Schöne für einen Nichtschwimmer und Läufer wie mich ist immer das Überholen... Irgendwann stelle ich die Zählerei ein... Aber ich schätze, daß ich auf dem Rad schon so über 15 überholt habe. Und meine stärkste Disziplin kommt ja noch *freu* Bis ins Ziel der zweiten Distanz konnte ich meinen Schnitt halten!

Per pedes:

Auch der zweite Wechsel klappt gut. Radschuhe aus, Helm ab, Kappe auf, Laufschuhe an und los geht's... Kurz nach dem Laufstart ist auch schon eine Verpflegungstelle. Ich nehme mir einen Becher Wasser und schütte ihn mit zur Abkühlung über den Kopf. Und los geht's mit dem Überholen. Auch hier sind zwei Runden um den See zu laufen. Okay, gewinnen kann ich nicht mehr (der Sieger lief während meines Wechsels ein) aber ein paar Plätze mach ich bestimmt noch gut. Die erste Runde läuft glänzend in einer Zeit von 0:21:irgendwas,hastenichtgesehen.
Aber! So langsam merke auch ich die Hitze (über 30° im Schatten, den wir beim Laufen aber nicht haben). Nein, wir haben pralle Sonne und es ist so um kurz nach 14:00 Uhr, also so ziemlich die heißeste Zeit des Tages. Ich nehme das Tempo etwas raus, weil ich auch schon ein paar "Geher" überholt habe und nicht selber so einer werden will. Auch bei den Verpflegungsstellen nehme ich mir alle Zeit, etwas Isotonisches zu trinken und den Schwamm über meinem Kopf bis zur völligen Entleerung desselben auszudrücken. Aber es ist die zweite Runde, d.h. jeden, den ich hier überhole, ist hinter mir im Ziel! Bei der ersten Runde war das ja noch etwas unklar, weil man nicht weiß, auf welcher Runde der "Gegner" gerade ist...
So langsam kann ich schon das Ziel sehen.Noch einmal über die Staumauer, dann ist es fast geschafft. Immerhin sind noch ein paar Zuschauer im Zielbereich, die auch mir noch Applaus spenden. Ich setze (obwohl doch ziemlich fertig) mein nettestes Lächeln auf und laufe ins Ziel! Ja, ich habe es geschafft!!! Ich liege zwar in meiner Sollzeit von 2:50 bis 3:00, aber so ganz zufrieden bin ich nicht, weil meine Laufzeit doch zu wünschen übrig läßt. Nach ein paar Schluck Wasser (ca. 1 Liter) einer halbe Banane und nochmal derselben Menge an Cola kann ich mich dann aber doch freuen, denn ich habe es geschafft! Und nach mir kommen doch noch der eine oder die andere rein... 

Geschafft:

Etwas enttäuschend war der Zieleinlauf dann aber doch, denn ich hatte mit einem T-Shirt gerechnet, daß mir meine "tolle" Leistung bestätigt. Stattdessen wird mir im Ziel nur ein Bierglas der Herborner Brauerei überreicht : :-((( Naja, nach ein paar Minuten des Ausruhens wird mir dann klar, daß ich es wirklich geschafft habe: 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. Und beim ersten spielt die Zeit eh keine Rolle.
Und hier noch mal mein Dank an die Organisatoren und die fleißigen Helfer: Merci vielmals an die beiden DLRGler, die auch mich aus dem Wasser zogen, die netten Jungs von der Feuerwehr, die überall an der Strecke waren, um mir zu zeigen, wo's langgeht und natürlich den Verpflegern auf der Laufstrecke, die auch für mich noch alles bereithielten, um mich vor der Austrocknung beim Laufen zu berwahren...
Und hier noch mein offizielles Ergebnis:
Schwimmen + 1. Wechsel: 0:43:49
Radfahren: 1:21:10
2. Wechsel + Laufen: 0:48:30
Das macht gesamt 2:53:29 und langt zum 143. Gesamtplatz und zum 29. Platz in der TM35

made by Gunter Scheurich ®, im August 2001