Dresdner Marathon 24.10.1999

- Ein wunderschöner Marathon bei noch schönerem Wetter -
Ab nach Hause...


Eigentlich hatte ich vor, den Frankfurter Marathon zu laufen. Der Volleyballspielplan für dieses Jahr legte gerade ein wichtiges Spiel genau auf den 31.10.1999. Laufen und danach ein Volleyballspiel geht nicht. Also mußte eine Alternative zu Frankfurt her. Saarlouis vielleicht? Ich rief an und erfuhr , daß es dort leider keine Medaillen gibt. Eine Medaille muß sein, dachte ich und fand den Dresden- Marathon als Alternative. Leider ein wenig weit weg von Frankfurt, aber es ist 'mal was anderes als eine Frankfurter Medaille. Schon hatte ich mich vorangemeldet.

Diesmal war ich recht gut vorbereitet. Vor 2 Wochen hatte ich noch ein Halbdistanz in 1:30:16 und viele lange Trainingsläufe absolviert. Das mußte also reichen um meine Bestzeit von 3:14:40 zu knacken. Leider hatte ich in der Woche vor dem Marathon Schwindelgefühle, die mich buchstäblich aus dem Gleichgewicht brachten. Nachdem sich das nach ein paar Tagen nicht einstellte, besuchte ich einen Arzt. Der konnte nichts außergewöhnliches finden und verschrieb eine Medizin gegen Gleichgewichtsstörungen. Den Marathon könnte ich seiner Ansicht nach ruhig in Angriff nehmen.

Am Samstag mittag fuhren Petra und ich nach Dresden. Mir ging es anfangs noch gut, aber nach 300 Km mußten wir doch die Plätze wechseln, da mir wieder schwindlig wurde. Ich kann mich nur noch erinnern, daß ich noch Witze gemacht habe über "die Grenze", ob sie Ihren Reisepaß dabei hat und ob wir hier mit DM bezahlen können. Erst mal zur Anmeldestelle, um die Startunterlagen abzuholen. Petra meldete sich für den Halbmarathon nach, den sie als lockeren Trainingslauf für Frankfurt absolvieren wollte. Dabei war mir immer noch nicht gut.

Beim Aussteigen vor dem Hotel konnte ich nicht mal eigenständig zum Eingang laufen. Petra mußte sogar das Gepäck tragen. Beschämend. Nachdem wir eingecheckt hatten, (davon habe ich kaum etwas wahrgenommen) beschlossen wir, sofort etwas essen zu gehen. Ich war hungrig, obwohl es mir schwindlig war. Um nicht weiter fahren oder gehen zu müssen beschlossen wir, etwas im Hotel zu essen. Spinat-Lasagne mit einem Weizenbier. Das klang gut. Nachdem die Lasagne verdrückt war, haben wir nochmals das gleiche bestellt. Die Bedienung staunte. Es war lecker und mir ging es besser wenn ich mein Kopf nicht drehen musste. Wir beschlossen, daß Petra auf alle Fälle laufen würde und das ich es wahrscheinlich bleiben lasse.

Am nächsten Morgen beim Frühstück ging es mir dann einigermaßen und ich beschloß, es doch zu wagen. Auf jeden Fall wollte ich es nicht wahr haben, den ganzen Aufwand zu betreiben und dann ohne Medaille heimzukehren. Der Streckenplan zeigte mir, daß ich viele Gelegenheiten haben würde, um günstig auszusteigen. Ohne weitere Probleme kam dann auch der Startschuß. 31 Sekunden brauchten wir bis zur Startlinie. Völlig OK. An Bestzeiten war erst gar nicht zu denken. Der 1. Km in 5:45, Der zweite in etwa 5:30. Vorbei an dem Zwinger und anderen schönen Gebäuden.

Prima. Es ging mir gut und ich lief bei Km 4 von Petra weg, die mir zu erkennen gab, daß sie auf jeden Fall nicht schnell laufen würde. OK, dachte ich, solange es mir gut geht kann ich doch wenigstens ein 5er-  Schnitt laufen. Bei Km 10 hatte ich sogar 49 Minuten gestoppt. Ein 4:45er- Schnitt also. Ich lief locker ohne viel Aufwand zu treiben und sah Petra bei Km 13 (Wendepunktstrecke im Park). Da hatte ich schon 6 Minuten Vorsprung auf sie. Sie fragte wie es mir ging und ich rief zurück: "Mäßig, aber OK". Ich fand Gefallen an der Strecke und das Wetter tat alles weitere dazu, diesen Marathon zu einem unvergeßlichen Erlebnis zu machen.

Mein Tempo pendelte sich bei einem 5er- Schnitt ein und die Halbdistanz schaffte ich dann in 1:44. Das sind 9 Minuten langsamer als ich original vorhatte . Ich war trotzdem zufrieden. Die 2. Runde ging erst mal an der Nordseite von der Elbe entlang Richtung Osten. Ein schrecklicher Gegenwind wehte mir ins Gesicht. Das sollte erst mal 7 Km so bleiben. Auf der langen Gerade war auch noch ein übles Stück Straßenpflaster, das sämtliche Kopfsteinpflaster in den Schatten stellte.

Es war auf dieser langen Geraden, als es mir wieder schwindlig wurde. An meinem Tempo hat es nicht gelegen: ein braver 5er- Schnitt. Es wurde mir hier dann auf einmal wieder sooo schwindlig, das ich meine beiden Beine nur noch als 2 Gummi-Stäbe wahrnahm. So konnte ich nicht weiter laufen und habe mich dann auch auf eine Bank an der Elbe hingesetzt. Ich war noch genug bei Sinnen um meine Stoppuhr zu drücken.

Da saß ich dann. Ein stumpfes Gefühl, das fast alles um mich vergessen ließ. Ich konnte kaum noch was wahrnehmen. Nach etwa einer Viertelstunde ging es mir dann einigermaßen besser. Ich sah die Elbe und die Läufer an mir vorbeirennen. Ich schämte mich so, daß ich sogar mein Trikot umdrehte, damit meine Startnummer nicht mehr sichtbar war. So saß ich noch eine Weile und konnte sogar die Aussicht von der Elbe in der Sonne genießen. Nachdem ich merkte, daß ich sogar teilweise die Gespräche der Spaziergänger verfolgen konnte, war es an der Zeit, es mal wieder zu versuchen mit Laufen. 28 Minuten habe ich da auf der Bank gesessen. Die Frage war jetzt: Zurück, oder Weiter. Es konnte nicht mehr weit bis zum Wendepunkt sein und ich bin doch nicht so weit gefahren, um dann hier keine Medaille zu bekommen.

Also: Weiter! Natürlich ohne Tempo. Ein 6er Schnitt, so wie alle anderen in dem Bereich, paßte mir jetzt sehr gut. Das Problem des Schwindelgefühls mehr oder wenig überwunden, da kam schon das nächste Problem. Weil ich da so lange auf der Bank im Wind gesessen hatte, entstand durch das nasse T-Shirt eine Muskelverhärtung in meiner linken Schulter. Scheiße. Auch das noch. Das war vor 2 Jahren der Grund, daß ich bei der Frankfurter Marathon vorzeitig ausgestiegen bin. Ich konnte einfach meinen linken Arm nicht mehr ohne Schmerzen bewegen. Noch 6 Km! Mit meiner linken Hand auf meiner linken Schulter und meiner rechten Hand unter meinem linken Ellbogen legte ich eine Gehpause von fast 2 Km ein. Ständig versuchte ich meine Schulter zu massieren. Die letzte 4 Km bin ich wieder gelaufen, teilweise mit meiner Hand auf meiner Schulter. 6:30er Schnitt...

Da war dann auch die Erlösung. Petra stand im Ziel und war froh, daß ich überhaupt auftauchte. Meine Zeit: 4:16:57. Das ist für mich die schlechteste Zeit aller meiner 21 Marathons, die ich gelaufen bin. Egal... ich habe mir die Medaille abgeholt. Das war das wichtigste. Hauptsache ich habe mich nicht lumpen lassen. Die Frage stellt sich natürlich, ob das alles vernünftig war. Ich glaube es nicht, aber manchmal muß man eben mit sein Kopf durch die Wand.

Schade drum,... dafür war die Strecke um so schöner.

Petra hatte es geschafft in 1:58 und wäre mit Ihrer Zeit, die sie vor 2 Wochen in Darmstadt-Griesheim gelaufen ist (1:35) hier erste in ihrer Altersklasse geworden.

Fazit: Ich kann jedem diesen Marathon empfehlen. Er ist sehr gut organisiert. Getränke, Bananen, usw. waren reichlich vorhanden. Es gab sogar Medaillen für die 1/2 Strecke und die 10 Km Distanz. (Gold für die Marathonläufer, Silber für 1/2 Marathon und Bronze für die 10 Km) Die Strecke ist außerordentlich schön: Eine Runde durch die Altstadt und eine Runde an der Elbe entlang. Weiter gab es reichlich Parkmöglichkeiten im Startbereich. Ein Marathon der kurzen Strecken also. Auf nach Dresden!

Tips aus meiner Sicht für die Organisatoren:

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made by Eric Tuerlings für Passtschon98 im Oktober 1999