Erlebnisbericht Jungfrau-Marathon

- Europas schwierigster Marathon -
- In der U.S.A. ausgezeichnet als schönster Marathon der Welt -


home1.jpg (1021 Byte)


Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte
Vorbereitungen 1998
Der Start
Der Steilanstieg
Die Eigerendmorene
Zieleinlauf
Wie kommt man herunter?


Vorgeschichte

Vor drei Jahren war ich mit meiner Freundin im Berner- Oberland in Urlaub. Das Berner- Oberland war schon immer eines meiner favorisierten Urlaubsziele. Als Kind war ich schon ab dem zweiten Lebensjahr jedes Jahr 2 oder 3 Wochen mit meinen Eltern in der Schweiz. Da bleibt dann automatisch ein Haufen Sympathie für diese Gegend. Bei einem Stadtbummel in Interlaken habe ich dann einen Aushang über den Jungfrau- Marathon gesehen. Interessant... habe ich damals noch gedacht. Nachdem ich noch ein paar Mal morgens daran vorbei spaziert bin, habe ich mir noch überlegt: Ich kann mich doch eigentlich anmelden. Meine Laufsachen habe ich dabei. Wir fahren erst am Sonntag heim. Dann kann ich doch Samstags mitmachen. Meine Freundin erklärte mich für völlig verrückt. Das bin ich zwar, aber nach einem unvernünftigen Moment hatte ich dann doch beschlossen, nicht teilzunehmen.

An diesem Samstag Morgen bin ich dann früher als sonst aufgestanden und 20 Minuten nach Interlaken spaziert. Da sah ich dann den Start des Marathons. Ihr könnt es glauben. Direkt nach dem Startschuß hatte ich Tränen in den Augen. Warum hatte ich mich nicht doch angemeldet. Jetzt war es zu spät. Den ganzen Tag war ich irgendwie nicht zu trösten. Nächstes Jahr! Nächstes Jahr werde ich teilnehmen. Meine Freundin schüttelte nur den Kopf. Laß den nur reden. Er macht das eh nicht, ... dachte sie.

Zum Seitenanfang

Vorbereitungen 1998

Karl und ich auf dem MänlichenDieses Jahr (1998) war es schon mein dritte Teilnahme. Wieder habe ich mich das ganze Jahr darauf gefreut. Ein Arbeitskollege, Karl, wollte Urlaub in der Schweiz machen und hatte mich gefragt wo er hinfahren könnte. Daraufhin habe ich ihm einiges über die Jungfrau- Region erzählt und schon hatte er gebucht. Ich war herzlich eingeladen, ein paar Nächte während des Marathons dort zu übernachten. Gemeinsam haben wir noch 2 Tage vor dem Marathon eine Monsterwanderung von über 8 Std. gemacht. Das hätte ich vielleicht besser sein lassen, aber ich konnte ihm gegenüber wohl kaum nein sagen. So strapaziert hat es mich aber auch wieder nicht.

Mit Klaus, einem ehemaligem Kollegen, hatte ich mich tags zuvor schon um 12 Uhr mittags verabredet. Nach Kaffee und Kuchen bei schönem Wetter in Lauterbrunnen sind wir dann gemeinsam nach Interlaken gegangen, um unsere Startunterlagen abzuholen. Dort trafen wir dann einige Bekannte und Mitglieder von Spiridon- Frankfurt, mit denen ich dort einen Treffpunkt ausgemacht hatte. Nach der Jugendlaufveranstaltung, der wir von einer Terrasse aus zugeschaut hatten, beschlossen wir gemeinsam Nudeln essen zu gehen. In ganz Interlaken sind am Vorabend des Marathons viele Restaurants darauf vorbereitet und organisieren eine "Nudelparty". Wirklich gute Spagetti mit verschiedenen Soßen und Salat kosteten nur 10 Schweizer Franken. Das ist für die Schweiz wirklich günstig. Auch wenn das Nudeln essen einen Tag vor dem Marathon wohl kaum hilft, ist das immer so ein Ritual, wobei eigentlich mehr die Geselligkeit im Vordergrund steht.

Zum Seitenanfang

Der Start

Am Samstag Morgen regnete es, wie es schon der Wetterbericht vorhergesagt hatte. Keine schönen Voraussetzungen für einen Erlebnislauf mit schönen Aussichten. Karl war so freundlich und brachte mich von Grindelwald nach Interlaken. Dort angekommen habe ich erst mal meine Sporttasche mit sauberen Klamotten und Duschzeug bei einem der Lkws abgegeben. Diese Sachen werden dann nach oben zum Ziel befördert. Klaus und meine Vereinskollegen von Spiridon traf ich dort, wo wir uns verabredet hatten. Nachdem wir uns gegenseitig viel Erfolg gewünscht hatten, kam dann auch bald der Startschuss.

Klaus und ich hatten vor, die Strecke gemeinsam zu absolvieren. Wir haben uns nicht warmgelaufen. Das ist m.E. auch nicht nötig für einen 5- Stunden- Lauf. Die ersten 4 Km sind eine Schleife durch Interlaken und bis 10 Km ist es sowieso flach. Wir hatten vor, uns sehr ruhig zu verhalten bis zum Hauptanstieg bei Km 26. Ein 5er Schnitt war angepeilt. Da mit Champion-Chip gelaufen wird (nicht mit eigenem Chip), stellten wir uns wirklich ganz hinten an, damit wir bloß nicht zu schnell angehen würden. Es klappte alles wunderbar. Erst eine Schleife durch Interlaken. Das Erlebnis mal wieder dabei zu sein, erzeugte bei mir eine Gänsehaut. Alles lief prima ... bis Km 6. Da fing es an zu regnen wie aus Kübeln. Unsere Regenjacken stellten sich als eine gute Wahl heraus. Bei Km 10 waren wir ungefähr 49 Minuten unterwegs.

Genau bei Km 10 in Wilderswil fing der erste kleine Anstieg an. Der ein paar Minuten dauernde Anstieg nach Gsteigwiler erinnerte uns daran, das es nicht flach bleiben würde. Das hier war alles nur Vorgeplänkel. Es regnete immer noch. Von einer schönen Aussicht konnte keine Rede sein. Dabei ist das Lauterbrunnen- Tal, wo wir im Moment herumliefen, eines der schönsten Täler der Schweiz. Wir passierten Zweilutschinen, wo sich die Schwarze Lutschine mit der Weissen Lutschine trifft. Fast die ganze nächste Stunde liefen wir mehr oder weniger am Bach (die Weisse Lutschine) entlang. Traumhaft wild kamen gigantische Wassermassen vom Jungfrau- Massiv herunter.

Zum Seitenanfang

Der Steilanstieg

Nach etwa 20 Km trudelten wir dann in Lauterbrunnen ein. Trotz knapp 300 Höhenmeter waren wir nur knapp über unserem 5er- Schnitt. Es lief hervorragend. Wäre nur nicht der Regen. Das Publikum in Lauterbrunnen war überwältigend. Erst liefen wir an einer Menge Zuschauer vorbei mit lauter Kuhglocken. Die Steigerung war eine Schlagzeuggruppe, die Karibische Töne von sich gab. Ich bekam richtig Gänsehaut. Der Regen ließ langsam nach. Jetzt nur noch eine Schleife zwischen Lauterbrunnen und Stechelberg. Dann fängt der Hauptanstieg nach Wengen an...

Kilometer 26. Das ist die Stelle, an der der Jungfrau-Marathon umschlägt von einem gewöhnlichen Lauf in einen Berglauf der Superlative. Heinz Schild - Organisator des JM - hat mal behauptet: "Der Jungfrau- Marathon besteht aus 2 Teilen, einem flachen Lauf von 26 Km mit anschließendem Berglauf von 16 Km". Das kann so schwer nicht sein, würde man denken. Ich weiß es mittlerweile aus Erfahrung besser. Klaus hat 2 Tage zuvor den Hauptanstieg nach Wengen mit dem Mountain- Bike bewältigt... Er mußte schieben! So, noch eine Verpflegung bei Km 26 und dann geht's ab. Deswegen haben wir uns die ganze Zeit zurückgehalten... Denkste. Nach 500 Meter geht einem dann ganz schön die Puste aus. Einfach zu steil!!! Ein schnelles Gehen war noch das einzige, was möglich war. Ein Trost: den anderen ging's nicht besser.

Unser Tempo lag in etwa bei 11 Minuten pro Km. Allerdings geht es nach etwa 2,5 Km schon wieder schneller. Wenn man aus dem Wald wieder herauskommt, ist auf dem Asphalt wieder Laufen angesagt. Klaus verschaffte sich im Wald einen kleinen Vorsprung. Kurz vor Wengen schaffte ich es, wieder auf ihn aufzulaufen. Gemeinsam durch Wengen, vorbei an Km 30. Die Sonne fing sogar an zu scheinen. In Wengen waren wieder massig Zuschauer. Eine Schleife durch Wengen von etwa 1 Km und dann setzte sich der Anstieg fort. Die Steigung ist dann nicht mehr ganz so gemein wie bei Km 27 und 28.

Zum Seitenanfang

Die Eigerendmorene

Eine kontinuierliche Steigung von meiner Meinung nach 15 % führte uns vorbei an "Allmend" und "Wengeneralp", dort wo das Lauberhornrennen (Ski) stattfindet. Ich spürte ganz schön meine Beine. Klaus lief von mir weg. Wo andere gingen, konnte er immer noch laufen. Ich passte mich der Mehrheit an. So kam ich bis Km 37. Die Aussicht ist hier traumhaft: An der rechten Seite sieht man das Jungfrau- Massiv mit seinen vielen Gletschern. ABER NICHT IN DIESEM JAHR. Alles war voller Nebel. Von den beiden vorherigen Malen weiß ich, wie schön es hier ist. Jetzt nur noch 5 Km. Hier geht's 300 Meter bergab (keine Höhemeter!), dann an der Talstation vom Skilift "Wixi" vorbei. (Ich müßte hier mal Skifahren gehen) Das muß traumhaft sein, am Fuß der Eiger Nordwand skizufahren. Was dort alles passiert ist, darüber sind reihenweise Bücher geschrieben worden.

Nur noch 4 Km. Dafür hatte ich noch eine Stunde Zeit. Meine Bestzeit von 4:57 mußte zu schaffen sein. Jetzt fing der Matsch an. Es hatte sehr viel geregnet. Fast Querfeldein über Stock und Stein gibt es dort einen Steilanstieg, der seinesgleichen sucht. Vorbei an "Black Rock". Kurz vor der "Eiger- Endmorene" mußte ich eine Pause einlegen. Mir war einfach schwindelig. Man will ja nicht hinfallen! Nach 2 bis 3 Minuten ging's mir dann wieder besser. Das kannte ich noch nicht. Nie zuvor mußte ich hier eine Pause einlegen. Es wird wohl die Höhe gewesen sein, die mir zu schaffen gemacht hat. Was soll's: Hände auf die Oberschenkel und weiter.

Was jetzt folgt ist wohl einer der einduckerweckendsten Teile des Marathons: Die Eigerendmorene. Man läuft über einen Grat mit einem Gefälle auf beiden Seiten. Überholen ist kaum möglich. Vor zwei Jahren stand mir hier eine Ziege im Weg. Da mußte ich erst ein paar mal mit meiner flachen Hand auf ihrem Hintern ein wenig nachhelfen, bevor sie beiseite trat. Rechts ist der Eigergletscher zu sehen. Kurz vor dem Kulminationspunkt des Jungfrau- Marathons, am Ende der Eigerendmorene, stand ein Schotte mit einem Dudelsack. Das war irgendwie sehr lustig. Seine Töne hallten durch das Bergmassiv.

Zum Seitenanfang

Zieleinlauf

Kurz vor dem ZielDer höchste Punkt ist 2200 Meter hoch. Ab hier geht's den letzten Kilometer nur noch leicht bergab. Dann sieht man wenigstens wieder gut aus, wenn man im Ziel einläuft. Da stand auch Karl. Er war hochgewandert, um mich abzuholen von der Kleinen Scheidegg, dem Ziel. Wirklich müde und zufrieden nahm ich meine Medaille, Finischer T-Shirt, JM- Bidon mit Elektrolyt und eine Werbeflasche mit Eis- Tee in Empfang. Voll beladen musste man dann durch den Schlamm 30 Meter herunter zur Kleinen Scheidegg gehen. Am Ende waren es dann 5 Stunden und 3 Minuten. Meine Bestzeit um 6 Minuten verpaßt. Mit dem Regen an diesem Tag war auch kaum mehr zu erwarten gewesen.

Das Gepäck war im Ziel leicht zu finden. Alles schön geordnet nach Startnummern. Das angenehme nach dem Zieleinlauf sind wohl die Duschen. Die Organisation schafft es doch wirklich, warme Duschen für alle Teilnehmer bereitzustellen, und das auf über 2000 Meter Höhe. Spitze! Die Organisation hat nicht nur deswegen ein Lob verdient.

Zum Seitenanfang

Wie kommt man herunter?

Jetzt war es Zeit für das obligatorische Weizenbier. Gemeinsam mit Klaus und Karl genossen wir die Aussicht, die in diesem Moment wieder etwas besser war. Noch eine Kleinigkeit im Freien gegessen. Alle anderen Bekannten noch getroffen. Alle waren im Ziel. Alle waren zufrieden. Dann lösten wir uns auf. Klaus fuhr mit der Bahn herunter nach Interlaken. Natürlich ist das für jeden JM- Teilnehmer gratis. Karl wollte zu Fuß herunter. Meine Beine waren irgendwie nicht so sehr müde und ich entschloß mich, mit ihm hinunter zu laufen. Schließlich geht es auf der anderen Seite den Berg hinunter. Da war ich noch nicht. Nach 2 Stunden kamen wir an Appligen vorbei. Dort ist ein Bahnhof. Der Zug kam gerade vorbei und ich sagte Karl, daß ich ab hier mit der Bahn fahren würde. Er lief weiter herunter und ich traf im Zug nur auf Marathon- Teilnehmer, die nicht verstanden, wie ich hier auf einmal einsteigen konnte. Das gab mir nicht nur ein stolzes Gefühl, sondern auch die Erkenntnis, daß meine Beine jetzt total locker waren.

Nächstes Jahr werde ich diese Jungfrau- Marathon- Strapaze bestimmt wieder auf mich nehmen, in der Hoffnung, daß es wieder schönes Wetter gibt. Nach dem Motto: Nach dem Marathon ist vor dem Marathon! Die Aussicht, mit der Clique von Passtschon98 in die Schweiz zu fahren, gefällt mir sehr gut. Ich kann diesen Lauf echt jedem empfehlen. Es gibt allerdings nur ein Starterkontigent von maximal 3000 Läufern, basierend auf den maximalen Bahnkapazitäten. Da muß man sich früh anmelden.

Zum Seitenanfang

made by Eric Tuerlings für Passtschon98 ®, im Nov. 1998