- Mein Erster -
Laufbericht von Marko zum Frankfurt- Marathon '99

 
Ab nach Hause...

Sonntag morgen 6:00 h.

Schnell aufstehen (nicht wegen Marathon, nein, Formel 1 live auf RTL). Aber wenn man schon mal wach ist, kann man ja auch frühstücken und sich so'n bißchen auf die Sache, die da auf uns zukommen wird, vorbereiten...

7:40 h.

Mika ist Formel 1 Weltmeister und der nervige Schumacher hat das Rennen nicht gewonnen.

Abfahrt Richtung Messe.

8:40 h.

Ankunft Festhalle Balkon oben rechts neben der Bühne. Einige Passtschoner sind schon da, von denen wiederum einige nervös durch die Gegend blicken, Andere sind kreidebleich, Andere rauchen ganz cool erst mal 'ne Kippe (macht ja bekanntlich schnell). Weiter geht's, umziehen, dehnen, Klamotten abgeben, Müllsack an und ab zum Startblock B2.

9:55 h.

Ich treffe mit Uwe und Michael im Startblock ein. Vom Rest erst mal nix zu sehen. Also gut, kurzes Abklatschen mit den beiden, noch mal tief durchatmen und die noch kurz verbleibende Vorfreude auf diesen Lauf, für den ich ca. ein halbes Jahr teilweise wie blöd trainiert habe, genießen. Ich fühle mich topfit, nicht zu warm, nicht zu kalt, kein Hunger oder Durst, geile Stimmung, jetzt kann's losgehen.

10:00 h.

Peng

Mein Plan war, für mich zu laufen mit einem Schnitt von 4:45 – 5:00 min./Km, für eine Gesamtzeit zwischen 3:20 – 3:30 h. Vom Start komme ich super weg, keiner behindert mich, ich konzentriere mich und versuche schnell meinen Rhythmus zu finden. Wie ist das Tempo??? Das Km 1-  Schild ist in der Masse nicht zu erkennen, bei Km 2 bin ich exakt bei 9:30 min. Alles im Lot. Um Km 4 stoße ich auf Volker, Achim und Gunter, bzw. ich brettere an Ihnen vorbei ohne Sie zu erkennen und werde erst nach Volkers Rufen langsamer. Anschließend lasse ich mich belehren, daß ich zur Zeit deutlich unter 4:45/min unterwegs bin. Also gut, hinten anstellen und weiterlaufen...

Irgendwie ist das Tempo aber ganz angenehm, was die so drauf legen (ca. 4:30 min./Km). Ich halte zu den Dreien einen Abstand von etwa 50 m, verliere sie nie aus den Augen, möchte aber auch nicht näher dran. Weiter geht's, genießen! Innenstadt, Sachsenhausen, wieder Innenstadt, bei 46:irgendwas Minuten 10 Km vorbei, noch mal Nähe Messe.... überall Party, laute Musik, am liebsten möchte ich mittanzen...

Weiter geht's, rechter Fuß, linker Fuß, rechter Fuß, linker Fuß, rechter Fuß, linker Fuß, rechter Fuß, linker Fuß...einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen...

Ab über Frankenallee und Mainzer Landstraße nach Höchst, dabei Volkers Stirnband immer schön im Blick, kurze Pipipause, kurze Tempoerhöhung, Stirnband wieder im Blick, alles OK. Nicht zu schnell werden.

Nach etwa 1,5 Std. 20 Km- Marke in Höchst erreicht, alles beim alten, keine Schmerzen. Kurz hinter dem Kreisel kommt mir Rainer entgegen, kurze freudige Begrüßung, und weiter geht's... linker Fuß, rechter Fuß –Ihr wißt schon-.

11:36

1.Hälfte ist rum, Zeit ist bestens, hoffentlich kein Einbruch, dann ist 'ne Traumzeit drin...

Weiterlaufen, das Publikum in Höchst hilft uns so gut es eben geht mit Live Musik und Anfeuern. bei Km 25 laufe ich nun doch auf Volker und Gunter auf. Gunter ist müde, vielleicht war's doch die Erkältung vor 2 Wo. die 100 Prozent nicht zulassen. Kurzes Gespräch, weiter geht's.

Kurz danach gibt Volker nun doch Gas, fragt ob ich mitkomme. Ich winke dankend ab und lasse Ihn ziehen. Bei Km 30 wird mir langsam klar, daß die Sache jetzt so richtig anfängt. Erste Schmerzen im rechten Fuß und in beiden Oberschenkeln machen sich bemerkbar. Das Tempo war bis jetzt konstant bei 47min/10 Km. Sollte ich jetzt dafür die Rechnung kriegen? Kommt jetzt die berühmte Wand, vor der mich viele gewarnt haben? Locker bleiben Trinken, Essen, irgendwie ablenken, weiterlaufen.

So, bei Km 32 müßte Eric stehen. Eric ist nämlich so freundlich und begleitet mich den letzten 10 Kilometern. Da ist seine gelbe Jacke, wir finden uns sofort, kurze Begrüßung und weiter geht's.

Nach zwei Minuten stoßen wir auf Achim, sein Fersensporn macht ihm zu schaffen. Aufmuntern, gegen die jetzt doch deutlich sich verschlimmernden Schmerzen kämpfen, weiterlaufen...

Wir hangeln uns jetzt von Km- Marke zu Km- Marke, wieso bauen die die Dinger eigentlich auf den letzten 10 Km in immer größeren Abständen auf??? Oder sind wir wirklich immer langsamer geworden? Mein Schnitt fällt auf 5:30 runter und auch der ist nur mit Mühe und Dank den ständig aufbauenden Worten von Eric zu halten. Ach ja, da ist auch noch Chris, der ehemalige Arbeitskollege plötzlich da, und dem geht's genauso beschissen und ich möchte gerne vor Ihm im Ziel sein, jawoll! Kurze Begrüßung, er zieht vorbei, legt 'ne Gehpause ein, Eric zieht mit dem, was von mir noch übrig ist an Chris vorbei, Chris greift wieder an und so laufen wir entspannt dem Ziel entgegen... mal führt Chris, mal führen wir.

Bei Km 36 oder so zieht Petra vorbei, ich versuche mich kurz dranzuhängen, keine Chance.

Unser Schnitt liegt jetzt konstant bei 5:30 und ich gebe wirklich alles. Wenn jetzt die Wand kommt, dann schiebe ich sie eben bis ins Ziel vor mir her, aber aufhalten wird mich hier nix mehr so kurz vorm Ziel, wenn bloß diese blöden Schmerzen nicht wären...

Gabi vom Support Team fährt an uns vorbei, ruft uns irgendwas zu, ich habe es nicht verstanden, habe auch keine Kraft zu antworten, weiterlaufen...

Jetzt kommen wir in die Innenstadt. Noch etwa 3 Km. Die Menschenmassen am Rande der Strecke nehme ich kaum noch wahr. Chris ist kurz vor mir, Eric neben mir, feuert mich weiter an. Mainzer Landstraße, Senkenberganlage, Zielgerade, Eric schreit mich jetzt an ich möge doch bitte Gas geben, und, wenn möglich, so schnell laufen wie ich kann. Das tue ich bereits, sieht man das nicht??? Für Chris reicht's jedenfalls, für unter 3:30 Std. reicht es wegen 6 Sekunden nicht mehr. pieeeep ich bin im Ziel und völlig am Ende meiner Kräfte.

Die Freude ist riesig, die Schmerzen in den Beinen sind aber mindestens genauso groß und hindern mich leider im Augenblick daran, ausgiebig zu tanzen und zu feiern. Schade eigentlich, denn so werden aus Freudentänzen über meinen 1. Marathon Schmerzensschreie wegen meines ersten Marathons.

Anschließend ist Eric so freundlich und trägt mich die Treppen hoch zum Treffpunkt in der Festhalle. Langsam lassen die Schmerzen nach und... nach dem Marathon ist vor dem Marathon, oder?

 

Danke Eric für alles, Danke an die vielen Leute von Passtschon98, die mir ein super Training mit vielen guten Tips ermöglicht haben und hoffentlich weiter ermöglichen werden und Danke an Uwe, der die Idee hatte, den Marathon zu laufen und mich so dazu brachte, mich überhaupt aufzuraffen und der während der ganzen Saison ein super Trainingspartner für mich war.

 Marko

 made by Marko ®, im November 1999