QuadrupleDipsea

Ab nach Hause...

Der DipseaTrail verbindet MillValley mit StinsonBeach und liegt etwa 6 Meilen nördlich der Golden Gate Brücke von San Francisco. Seit 1903 wird auf diesem 7.1 Meilen Waldweg (einspurig) jeden Sommer einer der ältesten Läufe der USA ausgetragen. Für Ultra-Läufer gibt es im November den QuadrupleDipsea, bei dem der Trail 4x gelaufen wird, also hin/zurück/hin/zurück. Dabei gilt es jeweils 675 Treppen-stufen und einige Höhenmeter zu bewältigen. Soweit die offizielle Beschreibung.

Mit 196 Teilnehmern war dies ein bescheidener Waldmarathon und wer das laute Hurra amerikanischer Stadtmarathons kennt, ist hier überrascht. John, der nette Organisator der Veranstaltung plaudert locker und gelassen mit den Teilnehmern, von denen er mindestens die Hälfte persönlich kennt. Beim Start legt er allen ans Herz, auf den Treppen vorsichtig zu sein, den entgegenkommenden Läufern Platz zu machen und wer nicht mehr kann oder keinen Spaß hat, möge doch bitte ausscheiden.

Wie immer reihe ich mich hinten ein und so geht es gemütlich plaudernd los, die Treppen hoch, die aus dem Ort hinaus führen. Schon nach 2 Meilen die erste aid-station.

Obwohl hier alles geboten wird (Wasser, Gatorade, Cola, Tee, Banane, Gel und Energieriegel), laufen die meisten mit eigener Flasche und haben keine Zeit für die wackeren Helfer, die hier nun stundenlang in Wind und Regen stehen.

Jawohl Regen. Hier ist Northern California und im Gegensatz zu Southern California regnet es hier durchaus mal und kalt sein kann es auch. Meinen Freund Mike hat es 3 mal erwischt mit Hagel (mich nur einmal, aber oben auf der Kuppe, da wo man das Meer schon sehen kann und der Wind einem das Zeug besonders ekelig ins Gesicht wirft).

Der Weg windet sich durch die Muir Woods einen Wald mit großen alten Redwood Pines, so ziemlich den höchsten Bäumen der Welt und durch den Sturm in der vorigen Nacht lagen einige Zweige (bemooste braune und benadelte grüne) im Matsch. Hier auf der ersten Etappe kam man noch gut voran und schon bald war die zweite aid-station bei Meile 4.2 erreicht. Die letzten Meilen ging es zügig bergab und sanft trug einen der Weg hinein nach Stinson Beach. Die aid-station hier war mehr eine food-station. Gab es doch neben dem oben aufgezählten hier nun auch Kekse, Schokolade, gekochte Kartoffeln und Salz und Jelly Beans. Entgeistert sah ich Advil (Schmerztabletten) auf dem Tisch und Mike erklärte mir hinterher, dass die meisten Läufer davon auch nehmen und er unterwegs auch immer welche dabei hat. Komische Welt hier, aber ich sollte besser auf Holz klopfen und mich über meine Gesundheit freuen.

Nun ging es zurück und nachdem ich den ersten Läufern vor Stinson Beach begegnet bin, kamen mir nun diejenigen entgegen, die noch langsamer waren als ich. Das sanfte Gefälle erwies sich nun als lästig-langgezogener Anstieg aber Laufen macht ja Spaß und hier konnte ich ja nur eine neue Bestzeit aufstellen, also habe ich den Wald und das Meer bewundernd dem Wetter getrotzt, welches jetzt zum Glück trocken war. ‘Schnell’ ging es auf dem bekannten Weg zurück nach Mill Valley, wo ich nach 2:48h eintraf. Eigentlich wäre mir ein DoubleDipsea ja genug gewesen, aber eine fröhliche Menge von Leuten trieb einen an, wieder umzukehren. Außerdem lockt mich das Buffet in Stinson Beach ja schon irgendwie.

Diesmal war der Weg viel Schlammiger und so musste ich einige Stücke gehen, die beim ersten Mal noch gut laufbar gewesen waren. Die Beine wurden immer brauner und ein wartender Autofahrer fragte mich, wo es zum mud-wressling ginge. Nur gut, das der mich nicht im Ziel gesehen hat, nachdem ich beim 4 Teilstück 2x im Matsch ausgerutscht und hingeplumpst war.

Nach der 3.Querung hatte ich schon deutlich weniger Leute vor mir, beim Einlauf nach Stinson Beach und diesmal nahm ich auch eines der GU-Gelpäckchen, die dort lagen.

Dann erinnerte ich mich an den 50er, den ich vor 3 Wochen in Bottrop mit Verena geflogen bin und faltete die Flügel aus. Wie von Sinnen stürmte ich über Stock und Stein, über Bach und Matsch (in dem ich prompt 2x landete). Dabei habe ich aber noch viele Leute überholt, die sich anscheinend verschätzt hatten oder mit dem für hier doch ungewöhnlich kühlem Wetter nicht so gut zurecht kamen. (seit 18 Jahren war dies der zweite Lauf mit Regen.) Am Ende war ich 40. von 166 Finishern und 6te Frau. Dafür, dass ich Spaß hatte, und auch am nächsten Tag locker flockig über die Golden Gate Brücke gejoggt bin also auch noch ein positives Ergebnis.

Im Ziel dann die etwas andere Art zu feiern. Da es wieder regnete und hagelte, waren viele schnell verschwunden. Nur ein Rest unbeirrbarer scharrte sich im großen Zelt um Grill und Gasheizung. In der lockeren amerikanischen Art gab es aber viel zu erzählen und ich bekomme immer mehr Lust, auf die vielen interessanten Läufe hier in der ‘Gegend’. Dabei wird mir klar, dass nicht nur Mike mal eben 800km fahrt, um an so einem Lauf teilzunehmen. Mindestens die Hälfte der anderen, war von mindestens ebensoweit her angereist. Das lange Thanksgiving Wochenende lädt ja auch dazu ein, das mit einem Besuch bei Muttern zu verbinden.

Ganz nebenbei konnte ich bei diesem Lauf den vielbejubelten Carl Andersen bewundern (der hier immer haushoch gewinnt, obwohl er beim Laufen locker/konzentriert aussieht und gar nicht so verbissen, wie die 2-3 Jungs hinter ihm). Die schnellen Frauen sahen wie immer sehr schnell aus und waren es auch. Aber wie immer ist es für mich verblüffend, wie viele soo schnell aussehen, und es hinterher dann doch nicht sind.

made by Sabine W. ®, im November 2001