Ironman Europe 2001 in Roth

home1.jpg (1021 Byte)

Kleine Anmerkung vorweg: 11:00 Stunden Triathlon kann man nicht in 5 Zeilen zusammenfassen. Wenn es euch nicht zu sehr langweilt, nehmt euch die Zeit, es sind 6 Seiten...

 

Freitag 6.7.01., 12:30

Das Auto ist nun endlich gepackt, jetzt geht’s los nach Roth, nachdem einige vom Verein schon seit Donnerstag abend sich dort eingefunden haben. Vier Stunden später (scheiß Stau) treffe ich endlich auf unserer `Campingwiese` ein. Raimond, Diddi und wer sonst noch so alles da ist haben ein riesen Zelt (ca. 4x 12m) aufgebaut, welches nun für die nächsten Tage unser Wohnzimmer sein wird.

Noch ist alles ganz ruhig, wir erledigen jetzt die solche Aufgaben wie Registrieren, Startunterlagen abholen und Nudelparty besuchen. (Die Nudelparty ist große Klasse, Nachschub endlos, Getränke frei, und schmecken tut`s auch noch. Ansonsten: bloß nicht zu viel bewegen!!!

 

Samstag 7.7.01

Nach und nach kommen immer mehr Leute an um ihr Zelt aufzuschlagen, die Sonne knallt vom Himmel wie beim Marathon de Sables...

Ich bin mehr oder weniger den ganzen Tag damit beschäftigt, meine drei Kleiderbeutel (1 u. 2. Wechselzone, Ziel) zusammenzustellen und natürlich zum 50. male mein Rad zu überprüfen. Und jetzt geht mein Tacho nicht...

Der Defekt ist schnell gefunden, mein mitgereister Vater ist so freundlich und hilft mir bei der Reparatur, da ich nun zunehmend nervös werde...

So, 5km laufen, danach 10km Radfahren und jetzt kommt das große Unwetter mit Sturm und Regen. Ab 15:00 darf man das Rad einchecken, samt Helm - oh Schreck, mein Helm- zwei üble Schrammen, die durch das Plastik sogar durchschlagen. So werden die mich nicht starten lassen... und es regnet...

Schnell klebe ich 2 der 3 Startnummern, die auf den Helm geklebt werden müssen, genau auf die Macken, suche mir den allerdicksten Regenschauer aus und stapfe los zur Radabgabe, in der Hoffnung, das die DTU Kampfrichter kein Interesse daran haben, im strömenden Regen am Rad oder Helm nach möglichen Fehlern zu suchen..

Meine Rechnung geht auf, ohne Wartezeit und ohne Mängel checke ich ein J .

Zurück zur Campingwiese, Essen, Trinken, auf besseres Wetter hoffen und um 22:30 zu mindest so zu tun als würde man schlafen, die Nacht wird kurz, sehr kurz...

 

Sonntag, 8.7.01, Race Day

3:30 Aufstehen, zum Start marschieren, Startnummer auf li. Oberarm malen lassen zurückgehen und Frühstücken (ein Ei, Weisbrot, Kaffe)

5:00 Erneut zum Start, Kleiderbeutel abgeben, letzter Check am Fahrrad, und mein Vorderreifen hat kaum Luft! Aufpumpen und das beste hoffen...

Dixi Klo von innen ansehen, Neopren anziehen, so langsam kommt der Augenblick, bei welchem sich ca. 3000 Verrückte gegenseitig Glückwünschen, Mutzusprechen und sich dabei in die Hose pinkeln.

6:10 Die Top 50, alle Frauen und alle über 60 starten mit 20 min. Vorsprung vor den übrigen 12 Startgruppen. Ohrenbetäubender Lärm, laute Musik, in der Wechselzone vor dem Start wird`s immer hektischer, an den Zäunen um die Wechselzone werden die Zuschauer fast erdrückt, überall Menschen, alle nervös aber doch irgendwie gut drauf, eine ganz eigenartige Stimmung herrscht hier jetzt.

Mit Oli und Alex von Blau Gelb vertreibe ich mir die Zeit; etwas dehnen, armekreisen, konzentrieren. Wir haben alle drei die Startgruppe um 6:50 erwischt, verlassen also beim "letzten Aufruf Startgruppe 6" die Wechselzone und begeben uns in den doch 21°C warmen Main – Donau Kanal.

6:48 Vorschwimmen zur Startlinie, am gegenüberliegenden Ufer so viele Menschen wie die Eintracht bei einem Heimspiel wohl lange nicht mehr haben wird, leider erkenne ich niemanden. Die ersten Profis kommen jetzt gleich in die 1. Wechselzone, Andreas Niedrig scheint zu führen, Stadler ist bereits ausgeschieden und......

PENG

Das war unsere Startkanone, schnell die Uhr gedrückt und los geht’s. Ab jetzt wird es mir für die nächsten Stunden ziemlich egal sein, wer von den Profis nun führt, mein erster IRONMAN hat jetzt angefangen und die Nervosität ist wie weggeblasen.

Ich fühle mich gut, so richtig gut!

Beim Schwimmen ist es immens wichtig, schnell den Rhythmus zu finden, konzentriert zu Atmen und insgesamt locker zu bleiben. Das alles gelingt mir erstaunlich gut. Nach 500m hat sich alles gut eingependelt, jetzt kann ich mich bequem in den Sog meines Vordermannes reinhängen (spart 30% Kraft und man muss nicht dauernd gucken, ob man noch in die richtige Richtung schwimmt).

Nach ca. 1000m holen wir die Letzten der Startgruppe vor uns ein; 5min vor uns sind die gestartet...

Kurz vor der Wendeboje wird mir mein Vordermann zu langsam, also rechts vorbei auf den Nächsten aufschwimmen und dranhängen, klappt super, fast mühelos.

Bei der Wendeboje (1900m) gibt’s etwas Chaos, da wir nun doch schon sehr viele der vorigen Startgruppe eingeholt haben. Also, wenden, neu orientieren und zurück geht’s.

Bei ca. 3000m kommen die ersten blauen Badekappen an uns vorbei. Die sind 5 min nach uns gestartet. Ich hänge mich kurz an die Blauen dran, aber nur ganz kurz, die sind zu schnell...

Die Wortfetzen des Moderators werden nun immer lauter, verstehen kann man beim Kraulen nichts, das 1. Ziel rückt näher.

Ziel erreicht, ich nehme die Zwischenzeit, 1:04 Stunden, und das war nicht mal anstrengend, alles läuft bestens!

Ab durch die Wechselzone, Neo aus, Radtrikot an, und los geht’s mit der 2. Disziplin:

 

On the Road:

Ich springe auf`s Rad, die Straße ist von einem Regenschauer klatschnass, in der ersten Rechtskurve fahre ich erst mal fast einen Polizisten um, der versucht, die Zuschauer hinter der Absperrung zu halten. Als ich ihn berühre, geht ein Raunen durch die Menge, irgendwie komme ich noch an ihm und an der Absperrung vorbei, rechts steht Claudia (hallo Claudi!!!) ich grüße kurz und fahre weiter. In diesem Moment bekomme ich alles nur schemenhaft mit, aber das ist normal so kurz nach dem Schwimmen.

Jetzt erst mal Rhythmus finden, nicht überzocken, dann wird alles gut. Mein Vorderrad verhält sich sehr merkwürdig. Nach einer kurzen Blickdiagnose bin ich mir sicher: Schleichender Plattfuß! Der Schlauch verliert langsam aber sicher Luft. Was jetzt??? Gerade mal 10km unterwegs und jetzt so was! Ich entscheide mich, erst mal so lange zu fahren bis es nicht mehr geht, vielleicht schaffe ich ja die erste Runde noch und dann würde mir eine kurze Pause vielleicht auch gut tun. Jetzt spinnt mein Tacho auch wieder, wenn er mal funktioniert, zeigt er so ca. 35 km/h auf der Geraden an. Die Kurven muss ich sehr vorsichtig nehmen, da die Straßen immer noch nass sind und mein Vorderrad nicht gerade den besten halt bietet.

Auch Wiegeschrittfahren am Berg oder zur kurzen Entlastung auf der Geraden ist kaum möglich, da durch die zusätzliche Belastung auf dem Vorderrad die Felge auf der Straße aufliegt..... schöner Mist!

Dennoch meistere ich die erste Runde ganz gut, fast im 35er Schnitt!

Bei km 70 kommt der Solarer Berg, Alp de Huez ist ein Dreck dagegen! Menschen ohne Ende, man muss ihn in Einerreihe hochfahren, die Zuschauer schreien einem in die Ohren, dass ich Angst um mein Trommelfell habe und an der Einfahrt zum Berg sehe ich ein Transparent, "HOPP MARKO, DU SIEHST GUT AUS" Passtschon 98 lässt grüßen, Mensch, die meinen ja mich und schreien und winken dazu wie die Wahnsinnigen! Das freut mich riesig. Danke, jetzt pack ich’s.

Bei ca. km 90 muss ich dann doch raus, den Schlauch wechseln. Nach 7 min. nehme ich die Fahrt wieder auf, jetzt läuft das Rad richtig gut, liegt stabil in der Kurve, alles bestens!

Bei km 100 etwa fängt der Rücken an zu schmerzen und die Beine werden langsam schwer. Bis Greding noch Rückenwind, dann der Kalvarienberg und die letzten 50 km Gegenwind, dessen bin ich mir auf der 2. Radrunde völlig bewusst. Und nach den 180 km Rad, da kam doch noch was, oder? Schlappe 42,195 km laufen!

Ich kann die Powerbars nicht mehr sehen der ganze Mund beginnt zu kleben. Jetzt kommt ein Regenschauer, mal wieder. So, jetzt der Kalvarienberg, ein ca. 2km langer Anstieg, eigentlich kein Problem, aber nach 130 km wohl doch.

Berg gemeistert, jetzt eine Gerade nach der andern im Gegenwind. Der Rücken tut weh, ich zwinge mich zu essen, die Beine wollen nicht mehr so recht, ich werde müde, schlafe fast ein...

Dann kommt Jörg vorbei (Blau Gelb) Wir hatten die gleiche Startgruppe, nach dem Schwimmen lag ich vorne, dann kam mein Reifenwechsel, dann durfte er auch mal wechseln und jetzt ist er einfach besser. Ich lasse ihn ziehen, langsam verschwindet er...

Jetzt kommt Detlef vorbei, ich erhöhe mein Tempo kurz aber es hat keinen Sinn, langsam wird auch er immer kleiner...

Solarer Berg 160, das gleiche Spiel wie in der ersten Runde, überall Menschen, "MARKO, NUR NOCH EIN MARATHON" noch mal danke an Passtschon 98, ihr seit spitze, obwohl der Spruch einen nicht gerade aufbautJ .

So eiere ich der Wechselzone entgegen, über 5000 Trainingskilometer dieses Jahr, oft über 200 km gefahren und jetzt am Ende. Na ja, wie soll ich jetzt noch einen Marathon laufen???

 

On the Run

Als ich das Rad abgebe, bin ich heilfroh, jetzt nur noch durchkommen!

Der Wechsel klappt gut, nach 500m klappt es auch ´mit dem Laufen, mein Schnitt ist jetzt bei 4:45/km und ich fühle mich wieder stark.

Bei km 3 kommt mir Leder entgegen, er führt mit 8min Vorsprung vor Andreas Niedrig

So rolle ich das Feld langsam von hinten auf, laufe relativ locker. Frank ruft die Zwischenstände zu, 8 min hinter Jörg, 10min. hinter Detlef, 18 min hinter Diddi. Oli habe ich überholt.

Ab km 15 kommt die Wand dann doch schon. Spätestens jetzt kann ich die drei vor mir nicht mehr kriegen, aber das ist sekundär.

Seit meinem ersten Marathon weis ich, was es heißt, wenn die Wand kommt. Unendliche Schmerzen und immer langsamer werden, so langsam, dass selbst ein 7er Schnitt eine Höllenqual bedeuten kann!

Das einzige, was mir bleibt, ist jetzt möglichst locker und keinesfalls am Anschlag zu laufen, d.h. 6:30/km etwa. Jede Tempoerhöhung zu diesem Zeitpunkt würde bedeuten, dass ich kurzfristig wohl noch 5:30 laufen kann, aber spätestens bei km 20 wahrscheinlich anfangen würde zu gehen.

Also schön langsam laufen. Gottseidank machen es jetzt fast alle anderen genauso, ich überhole sogar noch Leute. Meine Eltern, Frank, Eric, Petra, Inka, Gunter, Axel, Uwe, Ant und Claudia versuchen mich aufzubauen, aber ich kann jetzt nicht schneller laufen!

Priorität ist jetzt Durchkommen, auf die Uhr schiele ich schon lange nicht mehr.

So geht’s immer weiter den Kanal entlang, irgendwo zurück und wieder den Kanal entlang... Alle 2 km gibt’s Verpflegung, und die ist echt vom Feinsten, außer Bier haben die alles J . Die Strecke wird endlos....

Ab km 34 habe ich mich wieder so einigermaßen erholt, ich lebe noch, ich laufe noch, und ich kann wieder etwas Tempo machen und jetzt habe ich auch wieder die Berechtigung auf die Uhr zu schauen: Unter elf Stunden! Das geht!!!

Der Typ links von mir denkt wohl so ähnlich, ohne Absprache, ohne uns anzugucken, ziehen wir das Tempo langsam hoch. Als ich ihn ziehen lassen möchte, sagt er mir ich soll dranbleiben. Ich erwidere, dass ich platt bin und das Tempo mir zu hoch sei, doch das interessiert ihn nicht wirklich.

Also gut sage ich jetzt, dann ziehen wir das Ding gemeinsam durch.

Und so laufen wir Seite an Seite, fangen wieder an, so richtig zu überholen und wenn Einer langsamer wird, dann hilft einem der Andere und umgekehrt. Ein irres Gefühl und keiner kann uns jetzt noch was anhaben...

Irgendwann fällt er dann doch etwas ab, ist aber immer in Hörweite, ich mache jetzt das Tempo auf den letzten 3 km die Menschenmassen werden jetzt wieder richtig dicht und mir geht’s weder richtig gut!

 

Zieleinlauf

In Roth ist ein Stadion, etwa doppelt so groß wie ein Beachvolleyballfeld, mit Stahltribünen aufgebaut. Man läuft dort hinein, dreht eine Ehrenrunde, um unter dem Zieltor durchzulaufen. Das Stadion ist voll besetzt, Jeder, der hier reinläuft, wird wie ein Held gefeiert, die Abstände sind jetzt so, dass jeder einzeln ins Stadion reinläuft und hat so den Jubel, das Geschrei und den Lärm für ca. 30 – 50 Sekunden für sich ganz alleine, während man dem Ziel entgegenläuft.

Dann laufe ich unter dem ganzen Getöse unter dem Tor durch und jetzt ist es wirklich geschafft! Was ich jetzt fühle, ist mit Worten nicht zu beschreiben, einfach unglaublich!

Schmerzen habe ich übrigens keine, auch wenn mir das Gehen etwas schwer fällt.

Kurz die anderen Athleten im Ziel abklatschen, dann zur Tribüne und jetzt darf ich mich auch kurz feiern lassen, ich habe es geschafft, habe nach einem guten Start das Loch der völligen Leere überwunden, mich wieder gefangen und gesund im Ziel nach 10:57 h eingetroffen.

Auch wenn ich mir vorher eine bessere Zeit ausgerechnet hatte, bin ich überglücklich und zu fast 90% zufrieden. (Wäre ich ganz zufrieden, würde ich mit dem Sport jetzt aufhören und das möchte ich nicht, ich werde nächstes Jahr wahrscheinlich wieder einen IRONMAN bestreiten, nur die Location muss noch ausgesucht werden...)

Ich möchte an dieser stelle mich noch ganz herzlich bei meinen Sponsoren bedanken, die da wären:... ach nee, falscher Film,

aber bedanken möchte ich mich bei Allen, die mich vor und während des Rennens unterstützt, mich angefeuert und mir die Daumen gedrückt haben.

Alle die Ihr da draußen wahrt, ihr seid die Besten!!!

 

Marko Strott im Juli 2001