In sieben Tagen von Genf nach Basel:
Swiss-Jura-Marathon 2000
Der Swiss- Jura- Marathon
ist
"Europas längster Berglauf von Genf nach Basel (323 Kilometer) über den Jura-
Höhenweg, von der Rhone bis zum Rhein in 7 Tagesetappen mit Tagesetappen von 37 bis 53
Km, täglichen Höhendifferenzen von 1000 bis 2000 Metern und einer totalen
Höhendifferenz von über 8000 Metern."
So zumindest steht es in der Ausschreibung...
Aber das ist nur die Theorie!
Nachdem schon Toni letztes Jahr diesen Lauf als Trail mit geführten Gruppen als Lauferlebnis mitgemacht hatte, wollten dieses Jahr Fünf LäuferInnen Passtschon98 bei diesem wohl einzigartigen Lauf vertreten. Das wir alle ziemlich verrückt sind, dürfte sich ja mittlerweile schon herumgesprochen haben, aber ganz so verrückt sind wir ja dann doch nicht. Denn vier von den Fünfen bildeten zwei Stafetten oder Teams, die sich die Strecke teilten, d.h. jeden Tag ca. die Hälfte laufen. Nur eine wollte diese Strecke alleine laufen.
Da ich erst seit ca. zweieinhalb Jahren laufe, war für mich klar, daß ich lieber im Team laufen wollte. Ein Marathon alle paar Monate langt mir, da muß ich nicht sieben Stück an sieben Tagen hintereinander laufen...Ein Partner war schnell gefunden, aber leider mußte Jochen aus gesundheitlichen Gründen absagen. Nach ein wenig Sucherei fand sich Bertram (Hallo Partner), der das Erlebnis mit mir teilen wollte...
Nun aber mal zu den Details, denn Ihr wollt ja lesen, wie es so war...
Allgemeines: Diese eine Woche ist perfekt durchorganisiert, aber
das geht ja auch nicht anders...
Die Unterkünfte sind Zivilschutzbunker, Sporthallen, Mehrzweckhallen oder Eishallen, das
einzige, was jeder persönlich mitbringen sollte, ist ein Schlafsack. Das tägliche Essen
findet in Gemeindesälen o.ä. statt. Für das körperliche Wohlbefinden sorgte die
tägliche Massage (10 sFr), nur laufen muß man noch alleine (oder zu zweit).
So, nun folgt der Teil über das tägliche Laufen, wobei ich nur meine persönlichen Erlebnisse, Erinnerungen und Eindrücke festgehalten habe. Außerdem habe ich mal eine kurzen Abriß über die tägliche Strecke mit angegeben, damit ihr Euch eine Vorstellung machen könnt, was es heißt, von Genf nach Basel zu laufen. Achtet vor allem auf die Höhe! Die blaue Kilometerzahl ist der Wechselpunkt für die Staffeln, die fett markierte Höhe der tiefste bzw. höchste Punkt des Tages...
1. Juli 2000: Ankunft in Genf.
Es ist schon erstaunlich, was dort für Läufer anwesend sind. Und vor allen die T-Shirts, die diese Läufer tragen. Da wäre sogar mein Jungfrau-Finisher-Shirt aus dem Jahre '99 erblaßt, wenn ich es denn getragen hätte...
2. Juli 2000: 1. Etappe: Genf - St. Cergue (45 Km)
| Km | 0 | 5,2 | 9,2 | 15,5 | 22 | 26,5 | 28 | 33 | 38,5 | 45 |
| Höhe | 375 | 417 | 429 | 463 | 468 | 528 | 570 | 1060 | 1439 | 1041 |
Bertram von 0 bis 26,5, Gunter von 26,5 bis 45,0
Mein Teil war heute die zweite Teilstrecke, die zwar kürzer war, aber durch die nette Steigung nicht zu verachten ist. Erst ging es ca. 900 Meter bergauf, dann 400 m runter. Der Teil bergauf fiel mir eigentlich relativ leicht, weil ich halt erst eingestiegen war. Einige der Mitläufer wunderten sich über einen, der bergauf noch laufen konnte, während sie schon am Gehen waren. Bergab hatte ich einige Probleme, weil es doch z.T. sehr steil war. Das machte sich mit leichten Schmerzen in den Oberschenkeln bemerkbar. Das Highlight des Tages war eine Kuh, die vor mir meinen Weg kreuzte und anfing, das Weg- Markierungsband anzuknabbern, es scheint ihr geschmeckt zu haben... Am Nachmittag genoß ich dann eine Massage für 10 Franken. Diese Art der Entspannung habe ich dann jeden Tag wahrgenommen :-) Das Wetter auf dieser Etappe war absolut würdig für einen Urlaub: strahlender Sonnenschein: Kaiserwetter!
3. Juli 2000: 2. Etappe: St. Cergue - Vallorbe (47 Km)
| Km | 0 | 8 | 13 | 14 | 18 | 26,5 | 29,5 | 34 | 39 | 47 |
| Höhe | 1041 | 1225 | 1494 | 1444 | 1447 | 1021 | 1006 | 1085 | 1008 | 750 |
Bertram von 0 bis 18,0, Gunter von 18,0 bis 47,0
Heute war ich mal mit dem längeren Teil dran, aber ich hatte den Vortag auch ganz gut überstanden. Nur das angeblich flache bzw. abfallende Teilstück hatte doch so seine Tücken, denn in der Schweiz heißt bergab "größtenteils bergab" Das sollte auch in den nächsten Tagen so bleiben. Immer wenn Du denkst, jetzt geht es nur noch bergab, taucht schon die nächste Steigung auf... Wie am Vortag hatte ich meine Probleme wieder beim Bergablaufen, die gleichen Schmerzen in den Oberschenkeln wie am Vortag, vielleicht ein wenig stärker... Der Wettergott meinte es nicht so gut mit uns: Gewitter, Regen, aber auch Sonnenschein, halt das ganze Programm. Dafür waren die Temperaturen zum Laufen angenehm...
4. Juli 2000: 3. Etappe: Vallorbe - Fleurier (37 Km)
| Km | 0 | 5 | 10,5 | 12 | 13,5 | 21,4 | 27 | 32 | 37 |
| Höhe | 750 | 861 | 1331 | 1530 | 1356 | 1166 | 1607 | 1332 | 743 |
Gunter von 0 bis 21,4, Bertram von 21,4 bis 37
Das sind so die Tage, an denen man sich fragt, warum man für so etwas auch noch Geld bezahlt. Die ganze Nacht hatte es geregnet und gewittert. Morgens beim Aufstehen war auch keine Besserung in Sicht. Zum Glück klarte es gegen 8:00 Uhr auf und es war fast perfektes Laufwetter. Diese dritte Etappe ist zwar von der Kilometeranzahl die kürzeste, aber durch die heftige Anstiege trotzdem nicht die leichteste. Bei meinem Teil galt es einen Anstieg von 750 auf 1530 m zu bewältigen. Das war auch kein größeres Problem, aber die Bergabstrecke war durch die Nässe aufgeweicht und glitschig, also war es besser, bergab zu gehen, als zu laufen und einen Sturz zu riskieren. Oben auf dem Berg (Le Suchet) drehte ich mich um und genoß die sagenhafte Aussicht: rechts der Genfer See, links der See von Neuchatel und eine Sicht, Wahnsinn. Da stehst Du oben auf dem Berg, genießt die Aussicht und denkst: "Die Welt gehört mir". Ein paar Meter weiter stand Urs (der Organisator) und ich bedankte mich ganz spontan bei ihm...
5. Juli 2000: 4. Etappe: Fleurier - La Chaux de Fonds (42 Km)
| Km | 0 | 7 | 14,5 | 16 | 23 | 27 | 29,3 | 33,3 | 36,9 | 42 |
| Höhe | 743 | 729 | 729 | 985 | 1129 | 1313 | 1370 | 1039 | 1108 | 990 |
Gunter von 0 bis 23,0, Bertram von 23,0 bis 42,0
Da meine Schmerzen in den Oberschenkeln sich immer noch weigerten, sich zu verabschieden, war ich froh, das erste Teilstück zu laufen, daß auf den ersten 14,5 Km flach war und dann einen sehr knackigen Anstieg hatte. Nach den 14,5 flachen Km's folgte die Steigung auf einen schweren Bergpfad, der einem alles abverlangte. Oben hatte man wieder mal eine traumhafte Aussicht bei gutem Wetter. Interessant war es für mich, den Kampf der beiden führenden Frauen zu verfolgen, die immer so etwa in meinem Bereich liefen. Bei Km 20 bekam ich dann einen Hungerast und war sehr froh, nach 23 Km den Wechselpunkt erreicht zu haben. Dort war ich total platt...
6. Juli 2000: 5. Etappe: La Chaux de Fonds - Biel (53 Km)
| Km | 0 | 5 | 8 | 15 | 19,9 | 23,8 | 30,5 | 28,5 | 45,3 | 47,3 | 53 |
| Höhe | 990 | 1091 | 1283 | 1030 | 900 | 1227 | 1607 | 1288 | 660 | 742 | 430 |
Bertram von 0 bis 23,8, Gunter von 23,8 bis 53,0
Meine Teilstrecke war heute mal wieder eine sehr lange mit ca. 29 Kilometern. Zuerst ein Anstieg auf den Chasseral. Von dort aus hatte man wieder mal eine traumhafte Aussicht: rechter Hand sogar die Alpen, die in einen leichten Dunstschleier eingehüllt waren, wobei die Spitzen aber deutlich zu erkennen waren! Und das bei einem Spitzenwetter! Da die Verpflegungsposten auf meinem Teil weit auseinander lagen, konnte ich einige Mitläufer, die ich überholt habe, mit einem Schluck aus meiner Wasserflasche beglücken. Irgendwann lief ich dann auf Roland auf und auch vorbei, aber auf dem nächsten Bergabstück holte er mich wieder ein und wir liefen dann zusammen bis ins Ziel. Hier habe ich mich auch das erste und einzige Mal verlaufen. Nicht, wie man normalerweise denken würde, irgendwo im Wald, nein, schon in Biel verpassten wir durch unsere Quasselei eine Abzweigung. Ein netter Busfahrer erklärte uns dann den richtigen Weg...
7. Juli 2000: 6. Etappe: Biel - Balsthal (49 Km)
| Km | 0 | 6,8 | 9 | 15,5 | 20 | 24,8 | 29,5 | 36,2 | 40,5 | 44,5 | 49 |
| Höhe | 430 | 710 | 870 | 1102 | 1348 | 1318 | 1261 | 1050 | 1079 | 1000 | 490 |
Gunter von 0 bis 20,0, Bertram von 20,0 bis 49
Morgens beim Start wieder mal Regen, der sich aber unterwegs verabschiedete. Es war heute eine schöne Waldstrecke gemischt mit Asphalt und Forstwegen. Es lief phantastisch bei mir und ich konnte als erste Staffel übergeben. Beim Wechsel herrschte dann Sonnenschein und gute Laune! Nachdem alle Staffeln durchgelaufen waren, führen wir mit einem Bekannten von Monika ca. zu Km 40. Dort haben wir dann unter anderem alle Staffeln noch mal gesehen. Direkt im Ziel war es dann sehr angenehm, weil dort direkt ein Restaurant war. Die Einzelläufer klagten über die sehr schwierige Etappe...
8. Juli 2000: 7. Etappe: Balsthal - Basel (50 Km)
| Km | 0 | 5,5 | 10,5 | 14 | 17 | 22,5 | 30,5 | 36 | 43 | 50 |
| Höhe | 490 | 713 | 845 | 1050 | 1100 | 685 | 544 | 676 | 280 | 260 |
Gunter von 0 bis 22,5, Bertram von 22,5 bis 50,0
Wenn wir jetzt schon mehrfach etwas über Königsetappen gehört
hatten, dann war das der Kaiser! Zumindest meine Teilstrecke entpuppte sich durch steile
Auf- und Abstiege durch Matsch und Schlamm (durch den Regen) als extrem schwierig und
anstrengend.
Nach der Autofahrt ins Ziel wartete ich kurz vor dem Ziel auf Bertram, um gemeinsam mit
ihm einzulaufen. Hand in Hand haben wir es dann geschafft. Eine Woche laufen zu ende!
Geschafft, aber glücklich!
Eigentlich unvorstellbar!
made by Gunter Scheurich ®, im Juli 2000