Ultra- Marathon leicht gemacht
So ein Ultra (= mehr als 42,195 Kilometer; Def. nach www.steppenhahn.de) ist eigentlich
relativ einfach!
Man nehme:
ein Wochenende, an dem man nichts besseres vorhat...
ein paar Freunde mit an oder auf die Strecke...
umschmücke das Ganze mit einem 15er...
ein paar (Kisten) Bier... Spaß muß schon bei sein!
den sicheren Entschluß, wirklich (endlich) ein Ultra- Läufer zu werden...
... dann kann fast nichts mehr schiefgehen!
Obacht, hier kommt der HAKEN
Ich kann mich noch gut an Tonis Worte erinnern: "Biel beginnt in Kopf" Genauso erging es mir, als ich irgendwann im Oktober/November meine Teilnahme am Fat Ass Fifty zusagte. Daß die Niederländer etwas spinnen, ist ja nix Neues, gell Eric. Das ist hier aber wirklich nicht negativ gemeint!!!
So ein Fünfzig- Kilometer- Lauf ist aber noch nicht Biel, aber auch ich werde
irgendwann diese "Zecke" im Kopf haben. Es kann zwar noch etwas dauern, aber
irgendwann... Toni, wir laufen dann zusammen, versprochen!!!
Aber was sind schon 50 Kilometer, wenn man schon 16 mal 42.195 Meter am Stück gelaufen
ist, zumindest in der Mehrzahl der Fälle (der Autor grinst gerade in Gedanken an seine
diversen Gehpausen bei diversen Marathons). Diese 7.805 Meter mehr können kaum mehr als
ein Lächeln aus einem "Langstreckenläufer" herausholen... Und dann auch noch
der Vorteil, beim Debüt auf alle Fälle Bestzeit zu laufen :-))) Egal, wie langsam man
läuft oder "geht"
Wenn sich der/die geneigte Leser/in mal die Seite www.ultraned.org anschaut, dann weiß er/sie, daß in den Niederlanden (Holland ist nur ein Bundesland der Niederlande!) fast jedes Wochenende ein Marathon oder mehr zu laufen ist. Und wenn dann schon mal eine Abteilung von Passtschon98 im Jahre 2000 dort war, dann ist es nicht mehr weit, bis man sich sagt: okay, ich bin dabei. Da war so gut wie keine Überzeugungsarbeit nötig :-))) Okay, ich bin dabei!!!
Spezielles Training
benötigt man für einen 50er eigentlich nicht, wenn man sich im "normalen"
Marathon- Training befindet. Aber was ist "normales" Training?
"Normales" Training heißt für mich ca. 60-90 Km in der Woche mit einem langen
Lauf über 30 Km am Wochenende. Im speziellen sahen meine letzten Wochen vor Soerendonk so
aus:
4.11. Rursee- Marathon,
dann vier Wochen Pause mit ca. 80 Km in dieser Zeit, also absolute Regeneration,
dann der erste lange :-) Lauf in Arolsen (Advent- Marathon) am 2.12.
dann halt das "normale" Training mit einer ruhigen letzten Woche vor dem Lauf,
also wirklich nichts spezielles ???
Okay, manch einer kann sich nicht mal die Laufdistanz eines Marathons vorstellen, aber
irgendwann wird (auch) diese Strecke zur Routine, d.h. laufen kann man so was immer, es
ist nur die Frage, was für eine Zeit rauskommt. Allerdings ist das nicht unbedingt
nachahmenswert. Sowas sollte wirklich nur jemand machen, der sich so etwas zutraut.
Ich würde es auch keinem empfehlen, sondern eher abraten.
Die Atmosphäre bei einem Ultra- Lauf
ist allerdings kaum zu vergleichen mit einem Marathon, bei dem die Spitzenläufer wie
wilde Rennpferde umherlaufen, nein, es ist alles ganz familiär. Das liegt aber
wahrscheinlich an dem überschaubaren Teilnehmerfeld von ca. 60 Teilnehmern. Also geht man
kurz vor dem Start von der Anmeldung los, um rechtzeitig (!) dort zu sein. Außerdem ist
der Start mitten im Wald, kein Start- oder Zielbanner, sondern nur ein Schild in DIN A4-
Größe, auf dem Start bzw. Finish steht. Dort legt man dann seine Eigenverpflegung ab und
macht sich bereit. Also noch mal schnell eine Zigarette
und dann geht es los. Kein Schuß, nein, es wird von 10 runtergezählt und bei
"los" geht es los.
Der Lauf
selbst hat einen Vorteil und einen Nachteil:
Vorteil, es sind eine Runde à 6,008 Km und dann 6 Runden à 7,332 Km.
Nachteil, es sind eine Runde à 6,008 Km und dann 6 Runden à 7,332 Km.
Hä??? Ja, genau...
Der Vorteil ist, daß man irgendwann die Strecke auswendig kennt und dann fast nicht mehr
auf die Markierungen achten muß, man läuft und läuft und läuft...Außerdem die
Möglichkeit, bei wirklichen Schmerzen oder
"Einfach-nicht-mehr-wollen-oder-können" den Lauf einfach zu beenden
Der Nachteil dabei ist die Gefahr, daß man bei jeder Runde aussteigen kann, was hier
natürlich viel einfacher ist, als bei einem Rundkurs, bei dem man sich ein Fahrzeug
suchen muß, daß einen zum Ziel bringt. Also könnte man einfach irgendwann sagen
"okay, für heute reichts"
Meine geplante Zielzeit lag irgendwo zwischen 4:45 und 5:00 Stunden. Das erschien mir
absolut realistisch, denn ich hatte schon viele Marathons um 3:30 gelaufen und mein Bester
war unter 3:08...
Da wir mit neun Passtschon98ern und einem Gaststarter auf die Strecke gingen, dachte ich
mir, daß ich schon mit dem einen oder anderen zusammen laufen wollte/könnte. Rainer
wollte es auch relativ gemütlich angehen und auch Eric und Sabine standen beim Start in
meiner Nähe. Nach dem Start gingen diese Drei aber ab wie Schmidts Katze. Dranhängen
oder nicht war hier die Frage? Da ich es am Anfang nicht übertreiben wollte, entschloß
ich mich, die Drei ziehen zu lassen. Sie waren aber die gesamte erste Runde noch in
Sichtweite! Dann kam für mich der Hammer nach der ersten Runde, irgendwie hatte ich schon
das Gefühl, schnell zu sein, aber ich war dann doch etwas baff, als ich nach 6,2
Kilometern 0:31:58 auf meiner Uhr las. Das entspricht in etwa einem 5er- Schnitt - weia!
Okay, erst mal einen Schluck aus der Pulle und dann wirklich gemütlich weiterlaufen. Nach
ca. zwei oder drei Kilometern auf der zweiten Runde lief ich dann auf Petra auf, die sich
für ihren 15- Kilometer- Wettkampf eine Runde einlief. Das war dann richtig entspannend
und wir unterhielten uns ganz locker. Das war dann ein gutes Tempo! Nachdem sie sich dann
auf die Suche nach einer verlorenen Sicherheitsnadel machte, war ich aber wieder allein...
Also weiter und weiter und weiter. Runde für Runde spulte ich ab. Immer schön was
trinken an den zwei Verpflegungsstellen, die alles bereitstellten: warmen Tee, Iso-
Getränk und Cola, Bananen und Pfefferkuchen!!! Meine Rundenzeiten waren einigermaßen
konstant, nach der dritten Runde (ca. Km 20,??) war ich mit meiner Zeit von 1:50 sehr
zufrieden. Auf der vierten Runden kamen dann ein paar ganz schön schnelle Läufer an mir
vorbei. Keine Panik, das waren nur die 15er. Auch Ant war dabei, der auf dem besten Weg
war, den zweiten Platz zu machen. Ein kurzer Schwatz und schon war er weg! Nach dem Ende
dieser vierten Runde wechselte ich einen Teil meiner Oberbekleidung, weil alles ziemlich
durchgeschwitzt war und ich komische Gefühle in der Schulterpartie hatte. Nur noch drei
Runden, also ungefähr ein Halbmarathon!!! Dann lief ich auf Christine und Martin auf, die
auch auf dem 15er unterwegs waren. Für Martin war das sein ganz persönlicher
"Ultra", denn so eine lange Strecke war er noch nie gelaufen! Auch hier ein
kurzes Gespräch. Ich erkundigte mich, wie weit Eric vor mir war. "So ca. eine halbe
Runde" war die Antwort. Eric überzieht oft leider am Anfang eines Laufs und geht
dementsprechend auch oft ein. Also gute Chancen für mich, ihn noch zu überholen, vor
allem, weil ich ja nach der ersten Runde das Tempo wirklich rausgenommen hatte, Eric
wahrscheinlich (?) nicht. Auf der sechsten Runde war es dann soweit. Ich erkannte schon
von weitem seinen Laufstil. Dann war ich bei ihm, ein kurzes Zwicken in den Po und wir
gingen (!) ein paar Schritte zusammen, denn auch ich hatte mittlerweile ein Zipperlein.
Oberhalb des rechten Knies machte sich ein Muskel bemerkbar, dem auch ab und zu ein paar
Schritte Gehen gut tun sollten... Auch hier ein kurzes Gespräch und ich lief weiter. Ein
paar hundert Meter weiter liefen Lisa und Bertram, die heute auch ihr Debüt auf dieser
Strecke gegeben haben. Auch hier ein paar Schritte gehen und etwas unterhalten. Mein
Muskel machte sich weiterhin bemerkbar, aber es war immer noch im Rahmen. Dann das letzte
mal an der Start/Ziel- Verpflegung vorbei, ich hatte die Marathondistanz schon hinter
mir!!! Und bald sah ich auch Ruud, bzw. er entdeckte mich beim sich-Umdrehen während
einer Gehpause. Als ich bei ihm war, stieg er wieder ins Laufen ein und wir liefen ein
gutes Tempo zusammen bis zu seiner nächsten Gehpause. Meine Versuche, ihn zum
Weiterlaufen zu überreden, schlugen leider fehl. Er sagte noch, daß er nach dieser Runde
aufhören wolle :-(
Und weiter. So ca. 2 Km vor dem Ziel lief ich dann auch noch auf Stephan auf. Auch hier
eine nette Umarmung und ein kurzes Gespräch. Aber ich wollte nicht ins Ziel gehen,
sondern "laufen". Also "bis gleich". Auch er wollte nach dieser Runde
aufhören :-( Und auf einmal war es vor meinen Augen: das Ziel. Nein, kein Endspurt mehr,
nur noch laufen. Kurz vor dem Ziel die Arme hochreißen
für die Zielfotos, denn da standen einige Passtschoner (15er) im Ziel. Dann
"endlich" stehenbleiben. Ich bin Ultraläufer!!!
Kurz nach mir kamen dann Ruud und Stephan und machten wirklich Schluß. Wirklich schade!
Naja, bei so einer kleinen Veranstaltung bekommt man im Ziel keine Medaille, aber das war
vorher schon klar. Dafür bekommt man mit den Startunterlagen ein T-Shirt zur Erinnerung.
Und das bei einem Startgeld von sage und zahle nur ca. 22.- DM.
Hinterher
gab es dann direkt im Ziel erst mal einen Schluck (Sieger-) Bier aus Martins Dose. Leider
waren meine Jacke und meine Zigaretten in der Startunterlagenausgabe bzw. dort im Auto
liegengeblieben. Deshalb entschloß ich mich doch recht bald, dorthin zurückzugehen. Gabi
kam mir dann mit Jacke und Kippen entgegen. Sie war so freundlich gewesen, sie mir
entgegen zu bringen. Dann erst mal ab unter die warme Dusche. Nachdem dann unsere letzten
Ultras im Ziel waren, saßen wir noch wunderbar zusammen und tauschten unsere
"Geschichten" aus. Der wirklich gelungene Abschluß dieses Abends war ein Besuch
in einem sehr guten Restaurant bei leckerem "Watervogel" (=Ente) und anderen
Leckereien. Danach haben wir noch bis tief in die Nacht einiges an isotonischen Getränken
vernichtet und auch ein paar Zigarren wurden zur Feier
des Tages angezündet.
Mein Fazit:
Es war ein wirklich gelungener "Silvesterlauf" an diesem 30.12.2001, der uns
allen, 14 Startern von Passtschon98 und einem Gastläufer auf beiden Strecken, viel Spaß
bereitet hat, auch wenn es durch etwas frische Räumlichkeiten in der ersten Nacht einen
negativen Beigeschmack hatte. Vor allem hatten wir viel Spaß dabei und das war wohl das
wichtigste!
Ach ja, meine Zeit betrug übrigens 4:50:20, also genau in meinem Soll, aber das war beim ersten eher zweitrangig, denn beim ersten will man eh nur ankommen... Die Schmerzen hielten sich auch im Rahmen eines "normalen Marathonrennens, heute, drei Tage später sind sie weg!
made by Gunter Scheurich ®, im Januar 2002