Lengenfeld

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Stadt Lengenfeld

Lengenfeld liegt 8 Km südlich von Reichenbach an der Eisenbahnstrecke Zwickau - Falkenstein mit einem Ortsteil Grün an der    Fernverkehrsstraße 94. Die eigentliche Stadt liegt in einem Seitental der Göltzsch am Lengenfelder Bach, der im Treuener Wald in der Nähe des Bahnhofes Eich entspringt. Die Höhenlage beträgt etwa 400 m ü. NN.   Im 12. Jahrhundert legten fränkische Siedler Waldhufen an, die noch heute an den beiderseits des seit 1927 überbauten Baches bergauf verlaufenden Straßen und Gassen zu erkennen sind. Diese Siedlung wurde erstmals 1438 im Zusammenhang mit einer Schenkung der ,,Hoyersmühle" (heute ,,Klopfermühle" , als Mühle im Familienbesitz in Betrieb) an den Martinsaltar der Kirche in Zwickau genannt. Das ursprüngliche Dorf Lengenfeld war zunächst Markt, ehe es Stadt wurde. Eine Stadtmauer gab es nicht. Bereits 1471 wurde durch den Burgherrn von Mylau Lengenfeld von Fronlasten befreit. Der Marktflecken entwickelte sich vor allem durch die Tuchherstellung. Bereits 1562 wurde die Tuchmacherinnung gegründet, und Lengenfeld wurde neben Kirchberg und Reichenbach zu einer bedeutenden Tuchmacherstadt. 1714 erhielten die Lengenfelder Tuchmacher vom Kaiser Karl  6. das Privileg, auch in unter österreichischer Herrschaft stehenden Gebieten Tuche zu verkaufen (Urkunde im Lengenfelder Heimatmuseum). Aus dem Tuchmacherhandwerk entstand im Zuge der kapitalistischen Industrialisierung die Filztuchindustrie. So wurde Lengenfeld als ,,Stadt des Filzes" bekannt. Filze werden für die Papierherstellung benötigt. 1807 errichtete Gottlob Friedrich Thomas mit einer selbstgebauten Spinnmaschine eine der ältesten Baumwollspinnereien im Vogtland. 1834 zählte man 3482 Einwohner. Ein großer Stadtbrand 1856 vernichtete den Stadtkern mit Schule, Kirche und Gericht. Bereits 1856 wurde eine neue Schule gebaut und 1864 die stattliche neoromanische Kirche St. Aegidius. 1875 erhielt Lengenfeld den Anschluss an die Eisenbahnlinie Zwickau - Falkenstein. 1906 konnte oberhalb der Schule eine neue eingeweiht werden und der neue Bahnhof auf Grüner Flur. 1907 wurde auf dem östlich der Stadt gelegenen ,,Pöhl" der Stadtpark angelegt, in dem alle 2 Jahre ein Parkfest gefeiert wird. 1935 wurde das an der Fernverkehrsstraße 94 gelegene Dorf Grün mit 1400 Einwohnern eingemeindet.  Grün konnte sich durch seine Lage an der Göltzsch und wegen des steilen Hanges nur als einseitiges langgestrecktes Waldhufendorf entwickeln. Bereits im Vorkapitalismus entstanden Betriebe, wie z. B. die ,,Papier Mühle" (1793). Mit verschiedenen Betrieben hat der Ortteil Industriecharakter erhalten. Aus Lengenfeld war ausgangs des 19. Jahrhunderts eine Industriestadt geworden, in der sich auch die Arbeiter organisierten. Bereits von 1867 ist eine Fahne der Lengenfelder Arbeiterbewegung nachweisbar mit der Inschrift ,,Gestiftet von den Frauen und Jungfrauen zu Lengenfeld und Grün". In der Novemberrevolution 1918 bildete sich in der Stadt ein Arbeiter - und Soldatenrat. Der Arbeiterturnverein baute sich 1930 in der Weststraße ein Sportlerheim mit Turnhalle. 1944 wurde am Waldmühlenweg ein Außenlager des damaligen Konzentrationslagers Flossenbürg, ein Arbeitslager für 800 Häftlinge aus 11 Ländern eingerichtet, die in den sogenannten Lengwerken, einem ausgelagerten Rüstungsbetrieb der Junkers - Werke, arbeiten mussten. 1945 wurde das Lager fluchtartig vor den anrückenden Alliierten geräumt. Die Häftlinge trieb man auf einen Todesmarsch in Richtung CSFR (Tschechische Repuplik). Dabei wurden viele ermordet (Gedenkstein bei Eibenstock / Erzgebirge). Das Lager wurde abgebrannt, weil angeblich Flecktyphus ausgebrochen war. Seit 1966 befindet sich auf dem Gelände eine Gedenkstätte. Auf dem Friedhof erinnert ein Obelisk an 57 hier beerdigte KZ - Häftlinge verschiedener Nationen. Durch Kriegseinwirkungen wurden Wohnhäuser und andere Gebäude zerstört bzw. beschädigt. Seit 1949 wurden 600 neue Wohnungen gebaut. Beeinflusst wurde der Wohnungsbau durch die Wismut (Aufbereitungsanlagen) und seit 1972 durch den neuen Betrieb (Baumechanisierung) auf der ,, Grüner Höhe". Durch Bürgerfleiß entstanden ein Lehrschwimmbecken unter der Turnhalle der oberen Schule, eine Reitsportanlage, ein Springbrunnen im Zentrum und die Heimatstube (Museum) in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus. Über einen Bergrücken (Aussichtspunkt) ,,Pilz", 472 m ü. NN wird der kleine Ort Wolfspütz erreicht, der 1952 nach Lengenfeld eingemeindet wurde. Als Stadt hat Lengenfeld ein Wappen.

Auf dem ältesten Bild von Lengenfeld um 1725 ist das Stadtwappen abgebildet, das den Schutzpatron für viele im Walde gegründete Siedlung St. Aegidius (,,Waldheiliger") beinhaltet, dessen Name auch die Stadtkirche trägt. Die heutige Form (Wappen und Siegel) stammt aus dem Jahre 1912. In Lengenfeld wurde 1815 der Entdecker des Codex Sinaiticus (eine der Bibelhandschriften aus dem Katharinenkloster am Fuße des Berges Sinai) und Kirchengeschichtsforscher Konstantin von Tischendorf geboren ( Straßenname; Grabdenkmal aus Leipzig umgesetzt auf dem Friedhof).  

 

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Stand: 31.07.11