
Dein Leben ist Dir "geschenkt" worden und zwar geschieht das genau ein einziges mal. Deshalb, benutzen sollst Du es so......Nein, es ist Dein Weg, Du musst ihn finden, er wird einzigartig sein und sich nie bei irgendeinem anderen Menschen wiederholen. Unsere Natur hat uns erstaunliche Fähigkeiten geschenkt - etwa uns solche Fragen zu stellen, woher wir als Menschheit kommen und wohin wir gehen. Dieses "Bewusstsein" wurde uns als Spezies und wird auch jedem als Individuum erst in einem späteren Entwicklungsstadium gegeben, so dass Herkunft und Entwicklung niemandem intuitiv bewusst sind.
Carl Sagan sagt über das Leben: "Das sind Dinge, die
Wasserstoffatome anstellen, wenn man ihnen 15 Milliarden J
ahre
Zeit gibt." Für die Entstehung von Leben geeignete Planeten mit harter Kruste,
Wasser und einer Atmosphäre konnten sich erst in einer späten Entwicklungsphase
des Universums bilden, nicht aus dem primordialen Gas des Urknalls - aus dem
Sterne der ersten Generation ("Population III") und große Gasplaneten entstanden
sind. Neben Wasserstoff waren anfangs nur leichte Elemente vorhanden. Im
Sprachgebrauch der Astronomen "metallhaltige" Nebel aus der Supernovaexplosion
eines Sterns mindestens der zweiten Generation sind Voraussetzung für die
nachfolgende Entstehung eines Sterns wie unserer Sonne ("Population I") mit
einem Planetensystem, das eine Nische für die Entstehung von Leben beherbergt.
Vor 4,6 Milliarden Jahren begann sich so unsere kosmische Heimat zu bilden nach
der Explosion eines unbekannten sterbenden Sterns (Beispiele Bild oben rechts:
Supernova 1987, Bild rechts: Reste eines solchen Ereignisses finden sich auch im
Krebs-Nebel M1). Die Supernova
im
Krebs-Nebel ist im Jahr 1054 explodiert und war für einige Monate so hell, dass
sie auch am Tag sichtbar war. Erst bei einem solchen gewalttätigen Ereignis
entstehen durch Neutroneneinlagerung die Atomkerne der massereichsten Elemente und außerdem werden die im
Innern des Sterns gefangenen schwereren Fusionsprodukte wie Silizium, Kohlenstoff,
Sauerstoff, Stickstoff und Eisen im Raum verteilt. 750.000 Jahre nach der
Explosion formierte sich aus im Raum verstreuten
Resten das Sonnensystem mit all den auch für den Aufbau "unserer" Erde und die
Entwicklung des Lebens wichtigen Bestandteilen.
Die Erde erlebte anfangs
eine wilde Zeit ihrer Geburt mit Zusammenstößen kleinerer
Protoplaneten und deren Zusammenschluss, mit Meteoriteneinschlägen und gewaltigem
Vulkanismus. Nach dem steifende
n
Einschlag eines Protoplaneten ist der Erdmond entstanden, der die
Erdachse stabilisieren hilft. Ältesten Gesteinen in Kanada wird ein Alter von
4,3 Milliarden Jahren zugeschrieben. Schon bald dürfte durch Ausgasung
des heißen Magmas eine
Atmosphäre ohne freien Sauerstoff entstanden sein. Einfachste Lebensformen von
Zellen noch ohne Zellkern (Prokaryoten) haben ihren Abdruck in Sedimenten in Grönland
hinterlassen: 3,9 Milliarden Jahre alt. Diese Zeitdifferenz von wenigen 100
Millionen Jahren in dieser chaotischen Zeit ist für die Entwicklung von so etwas komplexen wie dem
Wunderwerk "Leben" nicht lang. Leben findet in einem komplexen Körper
statt,
der sich selbst erhalten und vor allem auch reproduzieren kann. Die Reproduktion
soll regulär ohne Änderung seiner Eigenschaften gelingen. Doch sind Mutationen
erlaubt, falls die neue Variante zur Reproduktion fähig ist.
Dazu benötigt selbst eine einfachste Urform bereits etwas sehr
spezifisches: eine Erbsubstanz. Wie dieses urtümliche schon sehr spezifische
Molekül ausgesehen hat, können wir nur vermuten. Eine vergleichsweise
einfach aufgebaute RNS-Kette
(Ribonukleinsäure) könnte diese Funktion erfüllt haben, kann sie doch
Information speichern und auch die Wirkung eines Enzyms zum Kopieren (Replikase) entfalten.
Immerhin ist eine solche Molekülkette bereits so komplex aufgebaut, dass
die "Ursuppe" wohl lange im vulkanisch geheizten
schwefel- und wahrscheinlich wasserstoffhaltigen Ozean ohne freien Sauerstoff köcheln musste, ehe der Zufall erfolgreich war. Eine solche Urform des
Lebens hat vielleicht schon eine Eigenschaft besessen, die sich bis zu den
heutigen Lebensformen erhalten hat: Egoismus, die Ressourcen der Umwelt auszubeuten
zur Reproduktion und Erhaltung des
eigenen Lebens. "Meine Erbsubstanz zu
schützen und zu vermehren ist das wichtigste Ziel, die Umwelt darf
ausgebeutet werden und alles unterliegt der Konkurrenz"; das Leben vergibt keine Fehler und
verurteilt den Erfolglosen in diesem Sinn. Mit diesem ererbten Grundprinzip des
Lebens müssen wir uns als menschliche Gesellschaft heute mehr denn je
auseinandersetzen, denn überschrittene Grenzen des Wachstums bestraft die Natur
auch. Darwins Prinzip von Mutation und
Auslese hat die Evolution stets begleitet und bedeutet: Es wird nicht geplant oder eingegriffen, das "Höhere" wird
von selbst aus dem "Niedrigeren". Vom Beginn des Lebens war ein weiter Weg zurückzulegen, bis
nach ersten
Bakterien schließlich die komplexe Wunderwelt einer Zelle - mit Zellkern
und Organellen wie Ribosomen, Mitochondrien oder Chloroplasten - entstanden war
(Eukaryonten). Die Organellen der komplexeren Zellen - so vermutet man - sind
inkorporierte Bakterien, die zuvor symbiotisch mit den prokaryontischen Zellen
gelebt hatten. Drei
Milliarden Jahre lang existierten nur Einzeller im Meer. Darunter
entstanden vor 2,3 Milliarden Jahren auch solche, die mit Photosynthese freien
Sauerstoff zunächst in den Ozean und aus diesem schließlich in die Atmosphäre abgegeben
haben (Cyanobakterien). Freier Sauerstoff hätte Leben in
seiner frühesten
Entstehungsphase vermutlich sofort wieder zerstört und in der schließlich
sauerstoffhaltigen Atmosphäre haben manche Arten nicht überlebt. Sie werden
Sauerstoff als giftige Umweltverschmutzung empfunden haben.
So erstaunlich schnell einfachste Lebensformen entstanden
waren, benötigte die Evolution
doch eine sehr lange
Zeit, bis es schließlich vor 700 Millionen
Jahren zu einem Durchbruch kam. Zuvor hatten es einfachste
Lebensformen geschafft, eine Nische zum Überleben zu finden, wenn
Umweltbedingungen sich extrem verschlechterten: in der Hitze nach
Meteoriteneinschlägen, in Zeiten der vollständigen Vereisung der Erde. Die Evolution erzeugte
schließlich
in den letzten 600 Millionen Jahren ein Feuerwerk von
"Versuchen und Ideen". Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre kletterte
zeitweise
auf 30% bis er sich schließlich auf den heutigen Wert von 21% stabilisierte.
Höhere Lebensformen wurden möglich, die Kollagene synthetisieren konnten. In rascher Folge entwickelten sich viele Arten.
Die Klasse der Säugetiere verbreitete sich nach dem Aussterben der Saurier vor
65 Millionen Jahren, darunter Primaten (Affen). Ihre Lebensweise als
Baumbewohner garantierte relative Sicherheit. Vor
6 bis 7 Millionen Jahren trennten sich in Afrika unsere
Vorfahren (Hominini) von der Entwicklungslinie des Schimpansen und über
Zwischenstufen (Sahelanthropus, Orrorin, Australopithecus, Homo erectus) haben
sie zunehmend Ähnlichkeiten mit uns erreicht
(Homo sapiens seit 200.000 Jahren). Wir haben eine nur
grobe Vorstellung davon, wie unsere Entwicklung bis dahin abgelaufen sein kann,
deren Ergebnis schließlich der "Mikrokosmos" homo sapiens ist. Der hat sich in
den letzten 100.000 Jahren kaum verändert und wir können seine
Spuren und seine Ausbreitung über fast alle Kontinente, auch die Anpassung
seiner Rassen an unterschiedlichste Umweltbedingungen verfolgen.
Dass die Evolution des Lebens diesen Weg bis zum Menschen genommen hat, ist sehr von den
Umweltbedingungen geprägt und die werden auch wieder durch die
Lebensformen mit beeinflusst. Seit Charles Darwin und Alfred
Russel Wallace ahnen wir, der Mensch ist keine abgehobene Sonderanfertigung
Gottes, er ist nur eine unvollständige Zwischenstufe auf dem Weg der Evolution
oder ein Auslaufmodell - erst in der Zukunft entscheidet sich das. Der Mensch
ist nur eine Episode auf dem Entwicklungsweg des Lebens und niemand hat genug
Phantasie zu sagen, wohin diese Reise noch führen wird.
Am Meeresgrund hat man lokale Ökosysteme mit jeweils vielen Arten entdeckt, die uns sehr fremdartig anmuten: Sie kommen ohne Photosynthese - also ohne Licht - aus, indem sie ihre Energie aus der Oxydation von Sulfiden und von Methan gewinnen, die der Meeresboden abgibt. Allerdings sind sie mittelbar doch von der Sonne und der Existenz von Algen und Pflanzen an der Oberfläche abhängig, da sie dazu Sauerstoff benötigen. Freier Sauerstoff scheint ein Schlüsselelement für höhere Lebensformen zu sein. Seine Anwesenheit in der Atmosphäre eines fernen Planeten könnte dort auf solches Leben hinweisen. Neben dem Prinzip der genetischen Mutation mit nachfolgender Auslese hat sich ein zweites Prinzip bei höheren Lebensformen trotz mehr Aufwand und Risiken durchgesetzt: die geschlechtliche Vermehrung. Bei dieser werden die Chromosomenpaare bei der Bildung der Keimzellen (Meiose) in einzelne Chromosomen geteilt. Daraus folgt eine ungeahnte genetische Vielfalt bei der Vererbung, weil alle bei den Eltern noch rezessiven Merkmale im Keim (Zygote) Bedeutung erlangen können. Allein dies bewirkt rechnerisch, dass Kinder ein und desselben menschlichen Elternpaars die gewaltige Zahl von 7*1013 unterschiedlichen Genkombinationen aufweisen können. Diese Variantenvielfalt von Geschwistern wird noch größer, wenn als Folge von Überkreuzungen Chromosomen bei der meiotischen Teilung in Abschnitte zerbrechen und nachfolgend eine neue Ordnung der Gene entsteht (Rekombination). Ferner befinden sich DNA-Abschnitte ohne zu kodierenden Informationsinhalt (Introns, intervening regions) in der DNA vieler Lebewesen, die bei der Transkription während der Zellteilung herausgelöst werden und so zu einer anderen Reihenfolge benachbarter Information tragender Abschnitte (Exons, expressed regions) führen können. Der Evolution stehen deshalb und dies besonders bei der geschlechtlichen Vermehrung sehr viele genetische Kombinationsmöglichkeiten zur Verfügung, um Individuen (Phänotypen) einer Art mit der bestmöglichen Fitness zu erzielen. Und eine neue Qualität bereichert die Regeln der Evolution: subjektiv als schön empfundene Merkmale - vielleicht sogar unpraktische - beeinflussen die Partnerwahl, bestimmen wer sich fortpflanzt.
Wenn wir höhere Lebensformen mit Gehirn betrachten, kommt eine Komponente hinzu: Die lernfähigsten Individuen passen ihr Verhalten am schnellsten veränderten Umweltbedingungen an. Denn wir wissen ja, die Umwelt verändert sich durch zahllose Faktoren beeinflusst ständig. Auch der Mensch hat sich deshalb nicht zielstrebig entwickeln können, eher in einer durch viele Zufälle beeinflussten Erfolgsgeschichte. Unsere Intelligenz hat vielleicht damit zu tun, dass sich unsere Vorfahren aus den Baumwipfeln des Regenwaldes an die Savanne Afrikas und an ein Leben auf dem Erdboden anpassen mussten und dort ein aufrechter Gang den besseren Überblick über das hohe Gras erlaubte, die Hände frei wurden für die Benutzung von Werkzeugen. Die zunehmende Nutzung von Werkzeugen und die Vergrößerung des Gehirns werden sich gegenseitig gefördert haben: Werkzeuge und Jagdwaffen herstellen und gebrauchen erfordert vielfältigere Steuerungsabläufe. Fleisch als Nahrungsbestandteil kann die Entwicklung gefördert haben. Seit einer Million Jahren haben Hominiden gezielt das Feuer benutzt. Ein Überleben war in der Gruppe - besonders unter harten Umweltbedingungen - besser möglich, so dass auch die sich erweiternde Kommunikation entscheidend für die Entwicklung des Menschen war. Spätestens mit dem Auftreten des Homo sapiens vor 200.000 Jahren scheint eine Verständigung mittels einer differenzierten Sprache möglich gewesen zu sein. Es besteht ein Zusammenhang zwischen Sprache und FOXP2-Gen im 7. Chromosom der Erbsubstanz. Ein ausreichendes Gehirnvolumen scheint eine der Voraussetzungen für kognitive Fähigkeiten zu sein. Deshalb erstaunt es, wie mehrere 100.000 Jahre mit dieser erfüllten Voraussetzung in der Menschheitsentwicklung verstreichen konnten, ehe es zu einer explosiven Entwicklung von Werkzeugen, technischen Hilfsmitteln und der Wissensbasis der Menschheit gekommen ist. Lernprozesse lieben anscheinend Kopierfunktionen, neue Kreationen brauchen mehr Zeit.
Die Erbinformation des Menschen - sein Genom - ist in jedem seiner Zellkerne in 23 Chromosomenpaaren enthalten, in denen die Erbeigenschaften (Gene) aufgereiht sind. Nur die Keimzellen weichen davon ab. Zusätzliche Gene mit wesentlich weniger Basenpaaren befinden sich in den Mitochondrien, Zellbestandteilen für die Energieumwandlung. Die Desoxyribonucleinsäure (DNS oder DNA) der Mitochondrien (mtDNA) weist eine große Stabilität über viele Generationen auf. Man erklärt das damit, dass die größere Eizelle mehr Zellplasma mit Mitochondrien enthält als das Spermium, also mtDNA vorrangig über die mütterliche Linie weitergegeben wird - ohne dass die "Karten entsprechend der geschlechtlichen Vermehrung stets neu gemischt werden". Jede Zelle enthält nur einen Zellkern mit 2 DNA-Originalen aber zahlreiche Organellen mit Mitochondrien mit tausenden von mtDNA-Kopien. Aus abgestorbenem oder fossilem Material - etwa Haaren oder fossilen Knochen - kann man häufig noch mtDNA jedoch oft nicht Zellkern-DNA gewinnen.
Die Erbinformation wird durch die Reihenfolge
von nur 4 Varianten der DNA kodiert, die sich durch je eine
spezifische Phosphatase unterscheiden: Adenin, Guanin, Cytosin und Thymin, die
sich zu einer Doppelhelix anordnen (Bild rechts). Das menschliche Genom enthält
insgesamt 3,1 Milliarden dieser DNA-Bausteine, die etwa 25.000 Eigenschaften
(Gene) kodieren. Aber bereits das einfache Chromosom des Coli-Bakteriums
enthält 4,6 Millionen davon (und damit 4500 Gene). Diese DNA-Bausteine kodieren
die Erbinformation auch der mehrzelligen Lebewesen auf der Erde. So kommt es, dass
alle
höheren Lebensformen
nach dem gleichen fundamentalen Grundprinzip funktionieren. Wir Menschen tragen viele identische
DNA-Sequenzen wie die Fruchtfliege Drosophila (mit 13500 Genen) in uns und
unsere sehr verschieden erscheinenden "Funktionen" sind mehr miteinander
verwandt als uns bewusst ist. Es ist schwer zu verstehen, dass ein identisches
Gen für die Bildung von so etwas unterschiedlichem wie den Facettenaugen einer
Fruchtfliege und den völlig anderen Augen einer Maus zuständig ist. Walter
Gehring hat diese erstaunliche Tatsache durch das Ersetzen dieses Gens der
Fruchtfliege durch das einer Maus beweisen können. Die
Evolution hat für die gewaltige Vielfalt an Arten - die sich seit der "kambrischen
Artenexplosion" innerhalb von 500 Millionen Jahren entwickelt hat - nicht stets
neue DNA-Sequenzen für bestimmte Merkmale (Gene) hervorgebracht, sondern
sie hat mit ein und dem selben Pool von Kodeinformationen tragenden
DNA-Abschnitten (Exons) experimentiert und durch
Kombinationen neue Eigenschaften erzeugt: sie hat das "alternative Spleißen"
erfunden. Bei dem Kopiervorgang (Transkription) der DNA im Zellkern wird
eine mRNA (Messenger-RNA oder
Boten-RNA) erzeugt, die an die Ribosomen der Zelle die Information zur Synthese
der Eiweiße (Translation) überbringt. Bei der Transkription werden
RNA-Abschnitte (Exons) aus dem kopierten Strang herausgeschnitten, so dass
nachfolgende Introns übersprungen oder in unterschiedlicher Folge in die mRNA
integriert werden können. Dies ermöglicht beim Menschen aus 25.000 Genen 150.000
verschiedene Proteine zu generieren. Welche Exons eingefügt werden, wird vom
Zeitpunkt der Entwicklung des Organismus und vom umgebenden Gewebe beeinflusst.
Die gleiche DNA etwa kann verschiedenartiges (glattes oder gestreiftes)
Muskelgewebe durch alternatives Spleißen erzeugen.
Mit vielen Millionen Mutationen - "Versuchen" am lebenden Organismus - hat die Natur geringe zufällige Veränderungen des Genoms getestet und die vermutlich wenigsten davon waren lebensfähig. Selten bewährte sich eine neue DNA-Kombination und konnte sich letztlich in der Konkurrenz durchsetzen. Bei hoch entwickelten Lebewesen mit langem Vermehrungszyklus benötigt die Evolution eine längere Zeit, ehe sich eine neue Art mit deutlich veränderten Eigenschaften herausbilden und durchsetzen kann. Nennen wir es "Halbwertszeit" für die Entwicklung einer solchen Art und nehmen dafür 200.000 Jahre an (10.000 Generationen). In Anlehnung an die Computersprache würde man sagen, das Genom verhält sich wie ein ROM (Festwertspeicher), dessen Inhalt nur umständlich verändert werden kann. Der Mensch wird in diesem Jahrhundert die Reproduktion seiner Gene bewusst beeinflussen und damit neue Wege in der Medizin gehen können. Damit steht er auch an der Schwelle, seine genetische Zukunft zielgerichteter und rascher als durch die natürliche Evolution beeinflussen zu können. Jetzt haben wir bereits die ersten "Faustkeile" als noch primitive Werkzeuge zur Bearbeitung der Gene in der Hand. Bei allen erreichten Fortschritten - die vollständige Erfassung der DNA-Sequenz des menschlichen Erbguts ist ja so ein großer Erfolg - muss uns bewusst sein, dass es sich um erste Schritte handelt: Das Buch unseres Bauplans ist aufgeschlagen, die Buchstaben darin sind bekannt, ihre Bedeutung, die Worte und die Syntax beginnen wir schrittweise zu verstehen. 96% unserer 1,6m langen DNA-Kette enthält keine Exons mit Bauvorschriften für Proteine. Der vergleichsweise kleine Code-Bereich für Proteine scheint für alle Lebewesen auf der Erde ähnlich zu sein, es handelt sich um - bezogen auf die Evolution - konservative Gene mit der Folge, dass die Proteine aller Lebewesen auf der Erde eng verwandt sind. Im großen Rest scheinen sich Informationen über "Prozessabläufe" und die Gestalt des Lebewesens zu befinden sowie über Kontrollfunktionen - etwa über die Schnittstellen zum Spleißen. Daneben enthält vielleicht die Hälfte davon zufällige Kopierergebnisse oder irgendwann von Viren eingeschleuste Codeabschnitte ohne nützliche Information in Introns oder Rudimente aus längst vergangenen Zeiten, die nur während der Ontogenese in einem frühen Entwicklungsstadium des Lebewesens zeitweise eingeschaltet sind und keine Bedeutung im späteren Leben haben. 8% des menschlichen Genoms besteht anscheinend aus importierten Erbgut von Retroviren. Die Anzahl der Codesequenzen und damit die Länge der DNA-Kette hat sich bei der Entwicklung komplexer Lebensformen vergrößert. Sie allein ist jedoch kein signifikantes Merkmal für den Entwicklungsstand eines Lebewesens. Beim Menschen erzeugen seine 3,1 Milliarden "Buchstaben" etwa 21.000 bis 25.000 "Sätze" oder Gene als Synonym für je eine Eigenschaft, anscheinend genau so viele wie bei der Maus, viel weniger als beim Kohl (100.000). Und 98,7% unserer Gene gleichen denen des Schimpansen, ein kleiner Unterschied mit wichtigen Folgen. Um beim anschaulichen Buch zu bleiben, die "Schriftsprache unseres Lebens" hat ihre Besonderheiten: Wir haben es mit nur vier Buchstaben zu tun, folglich ergeben sich sehr lange Sätze, um mit ihnen die Vielfalt der Lebensgrundlagen zu beschreiben (je Eigenschaft durchschnittlich 100.000 Buchstaben). Man würde also für das menschliche Genom 800 Bücher von je 1000 Seiten mit Buchstaben bedrucken können. Und die Bedeutung der meisten Worte im "Buch unseres Lebens" gilt es nicht nur zu entschlüsseln. Die Wirkung entfaltet ein Gen erst, wenn es durch Enzyme "abgelesen" werden kann außerhalb des Zellkerns über seine Kopie in Form der mRNA. An die DNA angedockte Methylgruppen behindern die Transkription - den Ablesevorgang - und führen zur Inaktivierung des betreffenden Gens. Eine solches "epigenetisches" Merkmal kann über den Stoffwechsel durch Umweltfaktoren beeinflusst sein. Die Aktivität identischer Gene zweier Menschen kann sich deshalb unterscheiden. Bemerkenswert ist, dass die DNA-Methylierung bei der Zellteilung erhalten bleibt. Was deine Eltern gegessen haben, kann die Aktivierung deiner Gene beeinflussen, weil Epigene an Nachkommen weitergegeben werden. Der eigentliche genetische Code ist nicht verändert und doch wirkt die Umwelt während des Lebenslaufs auf die Genaktivität des Menschen ein. Die Abfolge methylierter Gene kann charakteristisch für differenzierte Krebsarten sein. Ihre Entschlüsselung könnte künftig die Wahl der Therapie erleichtern. Die Kombination aktivierter Gene entscheidet letztlich in den Ribosomen - außerhalb des Zellkerns - über die Eiweißsynthese, über viele Eigenschaften, etwa auch ob sich die Zelle teilen soll, welche Eigenschaften Tochterzellen annehmen.... Das Genprogramm steuert das Verhalten hoch entwickelter Lebewesen für diese unbewusst in der Weise, dass es selbst weiter verbreitet wird.
Das komplexe Zusammenspiel in der Zelle und die Kommunikation zwischen den Zellen in einem Organ und letztlich im ganzen Menschen bleibt ein langfristiges Forschungsthema. Damit sich im Embryo ein Organ, ein Körperteil bilden kann, kommunizieren Zellen miteinander. Eine Zelle scheidet Signalproteine - z.B. Sonic hedgehog - aus, die in benachbarten Zellen von Rezeptorproteinen erkannt werden. Dort schalten Transkriptionsfaktoren mit dieser Information Gene EIN oder AUS. Damit entscheidet die Konzentration eines Signalproteins - und damit auch die Entfernung vom Absender - über Aktivierung oder Inaktivierung von Genen in benachbarten Zellen eines (sich im Embryo bildenden oder beim Erwachsenen reproduzierenden) Organs. Ein solcher Signalweg kann auch rasches oder langsames Wachstum eines Tumors bewirken. Ein Ansatz in der Krebsforschung ist deshalb die Suche nach einer Signal-Substanz, die letztlich eines der für die rasche Teilung der entarteten Zellen verantwortlichen Gene ausschaltet.
Will man die Verwandtschaft verschiedener Varietäten oder verschiedener Arten bestätigen, bietet sich ein Vergleich der DNA der Mitochondrien (mtDNA) an wegen ihrer Invarianz. Auf diese Weise ist der Nachweis gelungen, dass sehr verschieden aussehende Menschen unterschiedlicher Rassen von gleichen Vorfahren abstammen im Unterschied zum Neandertaler, dessen Mitochondrien-DNA-Muster stärker abweicht. Aus einem fossilen Knochen konnte eine aussagefähige DNA-Sequenz des Neandertalers wieder hergestellt werden. Man muss deshalb annehmen, dass die jetzt lebenden Menschen alle von vergleichsweise wenigen gemeinsamen Vorfahren abstammen. Glücklicherweise sind diese Wenigen nicht einer Naturkatastrophe zum Opfer gefallen. Sonst wäre heute keine Spur von unserer Menschheit und niemand hätte Interesse an einer Homepage.
Am Beginn der Entwicklung jedes Menschen teilt sich zunächst die befruchtete Eizelle in zahlreiche undifferenzierte Stammzellen. Bisher nur ansatzweise bekannte Kontakt-Signale, Hormone und andere Eiweißkörper steuern aus den Stammzellen das Wachstum differenzierter Zellen und ihren morphologischen Zusammenschluss zu Organen. Bestimmte Gene werden dabei "eingeschaltet" oder auch inaktiv. In einer Minute können dabei 100.000 Zellen neu entstehen. Ernst Haeckel hat beschrieben, wie jeder Mensch bei seiner embryonalen Entwicklung (Ontogenese) Stadien der früheren Stammesentwicklung (Phylogenese) durchlebt. Bestimmte Organe - etwa Schwimmhäute - werden zwar angelegt, doch die Zellen sterben später ab, ihr Tod war bereits "programmiert" (Apoptose). Darin spiegelt sich ein tiefes Prinzip des Lebens wider und das komplexe Zusammenspiel vieler vergangenheits- und gegenwartsbezogener Prozesse ermöglicht erst die gesunde Entwicklung eines Fötus. Auch heute noch empfinden wir es dankbar als wunderbares Geschenk, wenn ein solch komplexer Vorgang glückt. Und Ehrfurcht kehrt ein, wenn wir uns bewusst machen wie jeder Mikrokosmos Mensch ein Universum für sich darstellt, gebildet aus 100 Billionen Zellen, jede für sich ein komplexes System. Durchschnittlich muss sich eine befruchtete Eizelle (Zygote) 47 mal fehlerfrei geteilt haben bis sich ein Mensch daraus entwickelt hat.
In der kurzen Zeit von 12 Wochen hat sich aus der befruchteten Eizelle ein daumengroßer Embryo entwickelt. Dieser Däumling ist erkennbar ein kleiner voll differenzierter Mensch. Die modernen bildgebenden Verfahren - etwa mit Ultraschall - erlauben uns, teilzunehmen am Leben des Fötus im Uterus. Die beeindruckenden endoskopischen Bilder und Filme, wie wir sie etwa Lennart Nilsson verdanken, zeigen uns ein beinahe vertraut erscheinendes Verhalten des Babys im Fruchtwasser: sich bewegend, Wasser trinkend, träumend (die Augenlider verraten es)... Viele Nervenbahnen und ein Teil der neuronalen Schaltkreise im Gehirn werden angelegt und schon trainiert. Der Hörsinn ist schon ab dem 6. Monat aktiv und 3 Monate nach der Geburt vollständig entwickelt. Musik wird nicht nur gehört, das werdende Menschlein interessiert sich dafür. Schade, dass Erwachsenen keine bewusste Erinnerung an die Zeit vor unserer Geburt und an die ersten Kindesmonate zugänglich ist: Unser Gehirn musste erst "reifen", viele Fähigkeiten und Inhalte unseres Bewusstseins einschließlich bewusster Erinnerung bilden sich erst in einem mehrere Jahre dauernden Prozess aus. Dazu gehören nicht nur unser kognitives Denkvermögen, auch Elemente des Umgebungsbewusstseins wie unser Sehvermögen - ein Fötus kann nur hell und dunkel unterscheiden. Zur Ausbildung der Signalwege für das Sehvermögen werden Lichtreize benötigt: erst 6 Monate nach der Geburt ist des Sehvermögen voll entwickelt. Verblüffend ist, dass die neuronalen Verknüpfungen für unser räumliches Sehen lebenslänglich "umprogrammiert" werden können. Bieten wir unseren Augen im Experiment mit einer Spezialoptik die Umwelt auf dem Kopf stehend an, lernt unser Gehirn innerhalb von zwei Wochen die verdrehte Welt wieder "richtig" zu sehen.
Vereinfacht formuliert ermöglichen die Gene die Reproduktion einer Zelle und enthalten die Anleitung für die Proteinsynthese, den Stoffwechsel in der Zelle. Stoffwechselunterschiede, derentwegen eine individuelle Medikamentenverordnung nützlich wäre, können deshalb aus einer Genanalyse erkannt werden. Das Zusammenspiel der Zellen im Organismus steuern Hormone. Ihre Ausschüttung wird vom Nervensystem beeinflusst. Das Nervensystem kann auch direkt auf Organe einwirken, Abläufe können auf diesem Wege rascher als über Hormone und die Blutbahn koordiniert und geregelt werden. Teile des Nervensystems vermitteln den Anschein als wären sie (beim Erwachsenen) "fest verdrahtet", arbeiten vergleichbar einem Analogrechner mit festem Programm. Das trifft etwa für unser vegetatives (autonomes) Nervensystem zur Steuerung der inneren Organe und das periphere Nervensystem zu. Diese Teile organisieren sich schon während der fötalen Entwicklung vor der Geburt. Und das periphere Nervensystem hat die wichtige Fähigkeit zur Selbstheilung nach einer Verletzung, die im zentralen Nervensystem (Gehirn, Rückenmark) blockiert ist. Die Bildung der Signalverbindungen zwischen Tausenden von Nervenzellen (Neuronen) ist ein komplexes Geschehen: neu gebildete Nervenzellen wandern von ihrem Entstehungsort einem Konzentrationsgefälle folgend gern auch entlang bereits existierender Axone und gerichtet in Bereiche mit spontaner Aktivität von schon vorhandenen Neuronen. Offenbar helfen Gene und Proteine dem Axon sein Ziel oder seine Ziele im Gewirr der zahllosen Neuronen zu finden. Jedes Neuron besteht aus dem zentralen Teil des Zellkörpers mit dem Zellkern (die graue Hirnsubstanz bildend) und Ausläufern (weiße Subtanz): zahlreichen Fortsätzen für den Empfang von Signalen (Dendriten) und einem oder mehreren sich verästelnden Sendeausgängen (Axon oder Neurit). Ob ein Fortsatz als Dendrit wirkt oder sich zum Axon entwickelt, entscheidet sich während der Entwicklung des Neurons. Und diese Entscheidung kann in der Wachstumsphase extern beeinflusst werden - etwa durch die Substanz Taxol. Die Signalübertragung in den Fortsätzen ist immer gerichtet (Simplexverkehr in einer Einbahnstraße) und wird durch ein elektrisches Aktionspotential im Bereich von +40 bis -70 mV bewirkt. Das wird durch Ionenkanäle in der Zellmembran für Kalium-, Natrium- und Kalziumionen erzeugt. Deswegen ist die Signalgeschwindigkeit nicht die Lichtgeschwindigkeit sondern weniger als 100 m/s. Bereits 1859 hatte Hermann Helmholtz 27 m/s gemessen. Ein Neuron kann Signale mit mehreren hundert (bis zu 10.000) anderen Neuronen austauschen. Inzwischen wird versucht, Neuronen zu klassifizieren, in 400 verschiedene Typen und 50 verschiedene morphologische Klassen. Doch wegen der Vielfalt aller Vernetzungen gleicht kein einziges Neuron einem anderen von unseren vielen Milliarden, kein Baum gleicht exakt einem anderen im Wald! Axone wachsen und bilden Übergabeschnittstellen (Synapsen) zu Dendriten anderer Neuronen. An den (chemischen) Synapsen wird die Information vom Axon einer Zelle über einen 20 Nanometer dicken Spalt zum Dendriten einer anderen mit biochemischen Botenstoffen übergeben. Derzeit kennt man 40 "Neurotransmitter" wie Dopamin, Noradrenalin, Serotonin, Oxytocin, Vasopressin, Glutamat, Gamma-Amino-Buttersäure, Morphium oder Acetylcholin, die in winzigen - im Elektronenmikroskop sichtbaren - Vakuolen (synaptische Vesikel) gespeichert werden. Das Bild rekonstuiert den Schnitt durch ein winziges 40nm großes Vesikel mit rot dargestellten Glutamat-Pünktchen.
© R.Jahn MPI für biophysikalische Chemie Göttingen
Die Verfügbarkeit etwa von Acetylcholin und Glutamat in den Synapsen scheint mit zunehmendem Lebensalter etwas abzunehmen, was eine Ursache für eine langsamere Signalübertragung sein könnte. Die Zuverlässigkeit der Signalübertragung ist abhängig von der Anzahl bereitstehender mit Neurotransmitter gefüllter Vesikel. Die Regeneration der Vesikel ist ein komplexer biochemischer Vorgang. Der in den synaptischen Spalt freigesetzte Neurotransmitter diffundiert innerhalb einiger Millisekunden zu Rezeptoren in der Membran des Dendriten. Es gibt auch Synapsen, in denen eine schnellere Signalübertragung direkt über das elektrische Aktionspotential erfolgt. Einige Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin wirken als Botenstoffe im Organsystem des Körpers.
Neugeboren
e einiger
Tierarten beherrschen unmittelbar nach der Geburt komplexe Abläufe wie Orientierung und Bewegung in der Umwelt und Beute machen.
Vererbung aber auch besonders frühe Entwicklungsstadien des Gehirns bestimmen, welche Neuronen mit
anderen Verbindungen eingehen. Dass Gene die Ausbildung der Struktur neuronaler
Verbindungen festlegen können, ist von Barry Dickson an neuronalen
Schaltkreisen der Fruchtfliege Drosophila mit dem Austausch von Genen bewiesen
worden. Nicht nur im groben Maßstab ist die Anatomie des Gehirns
genetisch vorgegeben, vielleicht sind an der Architektur des neuronalen
Netzwerks viele unserer Gene beteiligt. Ein Verdacht drängt sich auf, dass
selbst Verhaltensmuster beim Menschen ererbt sein könnten. Haben wir Menschen
mit genetischen "Altlasten" zu kämpfen etwa bei unserer Bereitschaft zu
Aggressionen? Im Verhalten von hoch entwickelten Tieren - etwa Schimpansen -
kann man nach Verletzung des Territoriums einer Gruppe durch ein fremdes Tier
"Mord und Totschlag" beobachten.
Unzählige neuronale Verbindungen bilden sich erst nach der Geburt, etwa wie schon gesagt für die Bilderzeugung im Gehirn aus Sinnesreizen der Netzhaut. Und unser Gehirn behält lebenslang diese bemerkenswerte Fähigkeit! Auf diese Weise organisiert es sich innerhalb seiner genetischen Grenzen durch seine Aktivität selbst. Für ein erfolgreiches "Neuronenkonzert" unentbehrlich ist lebenslange Aktivität und Training der Signalwege. Benutzung mit Versuch und Test des Ergebnisses stärkt existierende Verbindungen. Aus einer größeren Zahl sich zunächst bildenden Verbindungen bleibt eine Teilmenge übrig. Wie an der Anbindung von Neuronen an einzelne Muskelfasern studiert werden konnte, findet ein regelrechter Verdrängungswettbewerb zwischen Neuronen statt: Aus der Anzahl vorher existierender Verbindungen bleiben nur die "stärksten" übrig. Dieser "Verdrängungswettbewerb" scheint ein wichtiges Element im Algorithmus der Selbstverdrahtung - also der Selbstentwicklung des Programms im Gehirn zu sein. Eric Kandel hat an Meeresschnecken und Mäusen zeigen können, dass beim Lernen gebildete Proteine nicht nur die Funktion, auch die Form der betroffenen Synapsen verändern. Nervenzellen teilen sich sehr selten, dennoch werden auch im Alter im Gehirn neue Neuronen gebildet. Speziell im Gyrus dentatus - einer Region am Hippocampus - bilden sich aus adulten Stammzellen lebenslang neue Nervenzellen und fügen sich in das neuronale Netzwerk ein. Das ist wichtig, wenn einzelne Neuronen im Hippocampus versagt haben und abgestorben sind. Denn der ist ein Flaschenhals und wichtiges Bindeglied, um neue Kurzzeiterinnerungen in Langzeiterinnerungen umwandeln und speichern zu können. Er ist ein entscheidender Helfer für unsere lebenslange Lernfähigkeit, die "Plastizität" unseres Gehirns. Die Fähigkeit schwach ausgebildete Verbindungen verstärken und neue Verbindungen im Netzwerk der Neuronen knüpfen zu können, beinhaltet komplexe biochemische Abläufe im Bereich der Synapsen.
Das neuronale Netzwerk ist gigantisch. Zwischen unseren Neuronen - geschätzt werden 2*1010, mehr als 10 Milliarden - mit jeweils einigen tausend Verknüpfungen zu anderen Neuronen (1014 also vielleicht 100 Billionen Synapsen) und Fasern von vielen 100.000 km Länge hat es eine gewaltige Kapazität. Die Verbindungen sind nicht nur wesentlich für das Abbild, das in unserem Gehirn von der Welt entsteht, auch für unsere Denkfähigkeit, unsere Gefühle und Emotionen. Unsere 1,3kg Gehirn beinhalten die Persönlichkeit und sind die erste Instanz unseres Lebens: Das darin enthaltene Abbild von uns, unserer Biografie und der Umwelt bestimmt unser Lebensgefühl, unsere Innenperspektive für uns selbst, wie wir uns selbst wahrnehmen, unser ICH. All das spielt sich in mikroskopischen und submikroskopischen Dimensionen ab. Dieses Universum in uns zu erforschen, fehlen uns noch zerstörungsfreie Werkzeuge mit mikroskopischer Auflösung - eben weil die schwer zugänglichen elementaren Vorgänge im Gehirn sich im Nanobereich abspielen. Minimalistische Experimente mit Tieren und mit Tierpräparaten - beispielsweise mit Insekten, Schnecken oder Mäusen - erlauben schon einzelne Schritte und Abläufe bei der Reizfortleitung oder der Bildung eines Kommandos für eine Muskelkontraktion zu verstehen. Die Chance zur Verallgemeinerung ist gegeben, weil die Evolution viele ihrer "Entwicklungen" immer wieder kopiert hat. Eines von vielen Beispielen ist die Erforschung von Ionenkanälen im Mikrometerbereich mit der Glasmikropipette durch Erwin Neher und Bert Sakmann. Die Anwendung spezieller Verfahren der Fluoreszenzmikroskopie - etwa Vertico-SMI-Mikroskopie (mit "Spatially Modulated Illumination") - mit fluoreszierenden Proteinen (wie GFP) wird einem revolutionären Wissenszuwachs über Vorgänge in lebenden Zellen ermöglichen. Damit ist eine Tür für Beobachtungen im Nanobereich - also auch weit unter der klassischen Auflösungsgrenze optischer Mikroskope aufgetan! Zerstörungsfreie (oder wenig belastende) Werkzeuge der Zukunft werden es schrittweise ermöglichen, im einzelnen Neuron und seinen Fortsätzen ablaufende elektrochemische und biochemische Vorgänge genauer zu analysieren.
Und es wird durch Simulation des Zusammenspiels vieler
Neuronen möglich werden, die komplexen Abläufe beim Erinnern (Speicherung) bis zum
Zustandekommen eines Gedankens elementar zu verstehen. Heute sind nicht nur im mikroskopischen Bereich noch
grundlegende Fragen offen. An einem komplexen Ereignisablauf und sein
er
Rekapitulation in der Erinnerung sind sehr viele - vielleicht bis
zu 107 Neuronen - beteiligt. Es stellt sich das Problem der
großen Mengen. Selbst "generalisierte" Zustände sind deshalb noch nicht voll
verstanden, in denen sich das Gehirn im Wachzustand, in den verschiedenen
Schlafzuständen, in Traumphasen, in der Hypnose und in der Narkose befindet.
Im Zustand der Hypnose ist die Verbindung zum Umweltbewusstsein einschließlich
des Körpergefühls unterbrochen. Schlafzustände bewirken nicht nur "Erholung" des Gehirns und befreien uns von
Schmerz, in ihnen trainiert es anscheinend neu angelegte oder neu anzulegende
neuronale Verknüpfungen und gibt Verbindungen wieder "frei" für neue
Gedächtnisinhalte in der folgenden Wachphase, tatsächlich lernen wir teilweise im Schlaf. In der REM-Phase (rapid eye movement-) des Schlafs sind
für einige Minuten bis zu einer Stunde (und bei Babys viel länger) Teile des Gehirns (das limbische System) und die Augenmuskeln aktiv
wie im Wachzustand, während die Motorik gelähmt ist. Im EEG (Elektroenzephalogramm) erkennt man kleine Ausschläge
als Summe vieler Aktionspotentiale bei etwa 30Hz. Im Tiefschlaf dagegen
synchronisieren sich die Neuronen, was höhere Amplituden bei niedrigen
Frequenzen bewirkt.
Bei Zuständen intensiver Meditation oder Trance kann das rezeptive Empfinden für den eigenen Körper reduziert sein, der Körper ist eins mit der Umgebung oder geht in ihr auf. Beim Meditieren können kognitive Denkprozesse "ablaufen", Umweltreize und das Wahrnehmungsbewusstsein verändert sein. Körpergefühle wie Schmerz verschwinden dann ebenso wie es bei Zuständen in Todesnähe beobachtet wird, während andere Funktionen mit "Abstand zum eigenen Körper" etwa Erlebnisfähigkeit im Traumbereich und das Langzeiterinnerungen besonders aktiv sein können. In religiöser Ekstase entwickelt sich im Hippocampus kein Zeitgefühl und keine räumliche Orientierung.
Viele Hinweise verdanken wir der Analyse von Funktionsstörungen Kranker und der chirurgischen Versorgung Verletzter. Dank der bildgebenden Verfahren wie der PET (Positronenemissionstomografie) und fMRT (funktioneller Magnetresonanztomografie) können inzwischen zahlreiche spezifische Aufgaben bestimmten Hirnlappen zugeordnet werden, die dabei besonders aktiv arbeiten. Man kennt etwa die an der "Vorverarbeitung" von Bildern beteiligten 30 Bereiche der primären Sehrinde im hinteren Teil des Großhirns und im Assoziationskortex oder die für kognitive Denkvorgänge zuständigen Zentren in den Frontallappen. Dennoch gibt es keinen einfachen "Bildbereich" im Gehirn wie etwa in einer Kamera, vielmehr sehen wir nicht mit dem "gesamten" Gehirn aber viele Bereiche beteiligen sich. Wir sehen verarbeitete Inhalte, letztlich ein mit einem erlernten Begriff interpretiertes Objekt in seiner Umgebung inmitten anderer Begriffe - wie uns optische Täuschungen lehren. Die Quelle unseres Sehvermögens, die optischen Sinnesrezeptoren sind besser untersucht. 95% von ihnen sind in einem kleinen Bereich der Netzhaut - der Makula - konzentriert. Über eine Makula verfügen nur Vögel und höhere Primaten. Sie ermöglicht nicht nur scharfes Sehen des interessierenden Objektes, sie ist auch die Voraussetzung für den im Gehirn erzeugten räumlichen Eindruck. Jeder hat gewiss schon beobachtet, wie eine sich in das Wohnzimmer verirrte Biene nicht über die offene Balkontür in die Freiheit findet, wenn sie auf eine andere Lichtquelle fixiert ist. Man muss ihr helfen, denn ihre Augen und Ganglien erlauben ihr kein inneres Abbild des Zimmers. Wohl aber kann eine Fliege der sich nähernden Hand reflektorisch sehr schnell ausweichen, auch ohne Überblick über den gesamten Raum. Ein Vogel dagegen kann sich in einer komplexen räumlichen Umgebung schnellstens orientieren. Seinem Gehirn hat es allerdings schwer, eine durchsichtige Scheibe zu identifizieren, wenn das in seinem Lebensraum nicht trainiert werden konnte.
"Geist und Bewusstsein sind nicht vom Himmel gefallen, sondern haben sich in der Evolution der Nervensysteme allmählich herausgebildet" - sagen Neurowissenschaftler. Und was wir durch Beobachtung des Verhaltens vieler Tierarten längst wussten, wird durch immer mehr ausgefeilte Experimente noch deutlicher: Fische (Barsche) können logisch denken und Beobachtungen verallgemeinern, Eichhörnchen und Vögel (Raben) planen ihr Nahrungsverhalten und sorgen für die Zukunft vor, Erdmännchen halten Unterrichtsstunden für ihre Kinder ab... Da die Tiere nicht einfach mit uns kommunizieren können, sind die Experimente so ausgelegt, Denkergebnisse an ihrem Verhalten zu erkennen.
Das was uns zu etwas Besonderem als Mensch macht - etwa unser semantischer Code für das Symbolsystem der Sprache und die Fähigkeit zum kognitiven Denken - spielt sich nicht nur in den Frontal- und Temporallappen der Großhirnrinde ab (dem Broca- und Wernicke-Areal, an Stirn und Schläfen). Und nichts davon wird uns geschenkt. Im unbewussten "Reifungsprozess" und mühevollen Lernprozess muss es besonders im Kindes- und Jugendalter mit "Inhalt" gefüllt werden. Überraschendes wird dazu herausgefunden, etwa dass Babys vier Monate nach der Geburt schon addieren können. Was vordergründig als Nachteil des Menschen im Vergleich zu anderen hoch entwickelten Lebewesen auffällt, ist seine lange Entwicklungszeit bis zum "Erwachsensein", besonders die lange Reifungszeit von Teilen seines Gehirns. So gibt es Hinweise dafür, dass die im Stirnhirn (dorsaler Prämotor Cortex) sich ansiedelnde Kontrollinstanz für bewusstes Handeln erst mit 17 bis 20 Jahren voll entwickelt ist. Virtuelle Welten werden von Jugendlichen leicht als Realität empfunden. Vielleicht ist aber gerade die lange Reifungszeit des menschlichen Gehirns eine der Voraussetzungen dafür, dass der Mensch fast lebenslang kreativ sein, dass er flexibel und kognitiv denken kann.
Unser Geist und Körper sind eine einzige materielle Instanz, alle anderen Annahmen sind Mythos (materialistischer Monismus). Das ICH ist unsere Selbstwahrnehmung, es ist unser individuelles Neuronenkonzert im Gehirn. Es beinhaltet genetische Anlagen, entsteht in den ersten beiden Lebensjahren und wandelt sich in unserem ganzen biographischen Lernprozess. Es muss sich mit seinen ästhetischen, logischen und ethischen Inhalten im ganzen Leben am entwicklungsgeschichtlich alten gefühlsorientierten Zentrum - im Thalamus und der Amygdala (den beiden "Mandelkernen") - einerseits erfreuen, andererseits mit ihm auseinandersetzen und sich mit seinem unvollkommenen alternden "Wirtsorganismus" anfreunden. Wenn abstraktes Denken uns scheinbar einen Schlüssel zum Unvergänglichen anbietet, sind doch die körpernahen Gefühle und "Glückshormone" die besonderen Reichtümer unseres vergänglichen Wesens. Sie überfallen uns - "unsere erste Liebe macht uns blind", überraschend angegriffen fühlen wir uns leer, gute Argumente fallen uns viel zu spät ein. Und gerade auch dies mahnt uns zum rücksichtsvollen Umgang mit anderen höher entwickelten Lebewesen, die solche Gefühle mit uns teilen. Wir wissen doch längst: Elefanten trauern, Schimpansen sind zärtlich, schuldbewusst, aber sie tricksen und betrügen. Über ein Belohnungssystem verfügen sie wie wir. Auch Orgasmus ist eine alte Erfindung der Evolution. An dem Gewittersturm beteiligen sich Hormone wie Oxytocin, Prolactin und Dopamin und das kurze Lied spielt sich in unterschiedlichen Hirnregionen ab - auch entwicklungsgeschichtlich alten Teilen des Hypothalamus. Dieses Neuronenkonzert ist feiner strukturiert als unsere jetzigen fMRT-Bilder auflösen können - einstweilen bleibt nur der vage Verdacht es könnte ein winziges Zentrum dafür geben. Viele Vorgänge in unserem Gedächtnis und die materielle Basis der Informationsspeicherung in den Neuronen und ihre Histochemie werden noch lange Gegenstand der Forschung sein. Hat nach dem Jahrhundert der Elementarteilchen gerade das "Jahrtausend des Gehirns" begonnen?
Mit dem Gedächtnis, der Fähigkeit Informationen zu speichern und zu Lernen, hat die Evolution einen gewaltigen Vorteil entwickelt, das Gehirn ist ihre Trumpfkarte: Auf dem Weg des Nachahmens eines Vorbildes, der "Lehre" können bei höheren Tieren in wenigen Tagen komplexe Abläufe in den Nachkommen "programmiert" werden. Vögel lernen beispielsweise durch Nachahmung in wenigen Tagen so etwas komplexes wie Fliegen. Und die lebenslange Lernfähigkeit ist besonders beim Menschen ausgeprägt. Das Gehirn wird gern mit einem Computer verglichen. Aber seine Architektur ist viel komplexer und intelligenter als die unserer derzeitigen Computer. Es hat die erstaunliche Fähigkeit, sich sein Programm selbst nicht nur adaptiv sondern schöpferisch weiter zu entwickeln. Das geschieht auch und vor allem nach dem grundlegenden Prinzip des Versuchs. Es lernt am Testergebnis, fast so wie wir auch Wissenschaft betreiben (Positivismus). Und die Halbwertszeit, daraus neue Verhaltensmuster, neue Abläufe, neue Erkenntnisse zu gewinnen ist um viele Dezimalen kleiner als es die Evolution über die Gene je ermöglicht hätte. Das Gehirn ist die "Geheimwaffe" - nicht nur aber besonders - der menschlichen Art. Die aktuelle kulturelle Evolution stellt sich atemberaubend dar - wie eine Revolution in der evolutionären Geschichte des Lebens auf der Erde. Sie legt gegenwärtig ein unvergleichliches Tempo vor und wird - auch deswegen - im Unterschied zur genetischen Evolution von der Spezies "Homo sapiens" angetrieben. Dieser Vorgang ist in der bisherigen Geschichte des Lebens auf der Erde einmalig. Aus der Vergangenheit mit dem Auftreten und Aussterben vieler Arten kann man deshalb nicht viel über die Zukunft der Spezies Mensch lernen.
Im Konkurrenzkampf könnte der Mensch seinen Vorsprung
gegenüber anderen Arten gnadenlos ausnutzen. In der Vergangenheit sind viele Arten ausgestorben, wobei
wir annehmen, dass sie sich Umweltveränderungen nicht schnell genug anpassen konnten. Heute
verändern wir Menschen unsere Umwelt vor allem selbst. Die Anforderungen in der Gesellschaft und im Beruf
verändern sich schon innerhalb einer Generation, also lassen wir der genetischen
Evolution nur eine geringe Chance zu unserer Anpassung. Unser Gehirn mit seiner
Lernfähigkeit muss ausgleichen und leisten, wozu der Mensch nicht "entworfen"
wurde, und es leistet das! Wir müssen - in Zukunft noch mehr - mit der
Diskrepanz zwischen unseren geerbten Anlagen und unserer veränderten Umwelt
klarkommen: Rückenschmerzen wegen "zu v
iel" Büroarbeit, Fettpolster wegen nicht
eingetretener Hungerperioden, Kopfschmerzen wegen gehäufter Anforderungen
schwieriger Aufgaben, Stresssymptome wegen zu viel Konkurrenz oder zu viel
gleichzeitigen Tätigkeiten unter Leistungsdruck... Unser Wissen von
gestern kann schnell veralten und das Wissen von heute kann morgen schon nutzlos
sein. Wir werden zum Opfer unserer eigenen intellektuellen Fähigkeiten. Unsere
Vorfahren kannten noch bleibende Werte und konnten auf verlässliches Wissen
zurückgreifen. Für uns wird es immer dringlicher, aus der Masse an Informationen
zur Qualität des Wesentlichen zu gelangen.
Wir leben in permanenter Verunsicherung und werden uns noch mehr um das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist bemühen müssen. Die Diskrepanz zwischen Veranlagung und neuen Anforderungen wird sich wohl noch vergrößern. Gute Zeiten für Therapeuten! Oder in einer ferneren Zukunft auch für Genmanipulation? Ganz sicher! Die Menschen haben schon immer alle Werkzeuge ausgenutzt, deren sie mächtig waren. Und durch sie ist der Mensch erst zu etwas Besonderem und "mächtig" geworden. Und diese Entwicklung ist sehr eindrucksvoll, ein direkter Weg führt von der Pfeilspitze aus Feuerstein bis zum Laserskalpell. Bisher haben wir es mehr schlecht als recht aber endlich doch nach jedem Rückschlag etwas besser verstanden, unsere Werkzeuge im Rahmen selbst aufgestellter ethischer und moralischer Grundsätze einzusetzen. Verantwortungsbewusstsein ist kein Fremdwort mehr und wird sich weiter entwickeln. Wir haben Glück, dürfen in einer Zeit leben, in der unsere Gesellschaft große persönliche Freiheiten erlaubt - ein Wert, der verteidigt werden will. Mehr Wahlfreiheit bedeutet freilich für jeden von uns auch, mehr Entscheidungen zu treffen.
Nach unserem Empfinden wird die Menschheit klüger.
Unsere Natur scheint uns aber wenig Chancen gegeben zu haben, bestimmte Fragen
zu beantworten, mit denen wir uns gerade als etwas Besonderes qualifiziert
haben. Die Frage "wozu" - "
weshalb
existiert die Welt mit uns Menschen" - scheint von einem außermenschlichen
Standpunkt aus unzulässig zu sein. Unsere Erfahrung, dass es für alles - unser
Verhalten oder Ereignisse in der Natur - eine "Begründung" gibt, die man nur
finden muss, um als Mensch alles nachvollziehen zu können, scheint für bestimmte
Fragen nicht hilfreich zu sein. Die Evolution hat uns Menschen so geschaffen wie
wir sind, um in unserer Welt zu überleben und uns zu reproduzieren, zur
Entwicklung und Perspektive der Art beizutragen
(biologischer Imperativ).
Insofern dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Ergründung des Mikro- und
Makrokosmos uns nicht so leicht mit den uns mitgegebenen Sinnen gelingen kann
und wir auch neue wenig anschauliche Wege fern unserer Intuition beschreiten
müssen.
Die Evolution hat uns die Fähigkeit zum Denken mit auf den Weg gegeben und damit
zugleich ein Problem: Wir können nicht verstehen, weshalb wir sind, weshalb
das Universum existiert.
Eine nie zu vollendende Aufgabe ist, das Universum in uns selbst zu ergründen. Ehrfurcht und Demut vor der Schöpfung sind dabei auch in Zukunft angesagt. Selbsterkenntnis hilft uns, das Göttliche in uns zu finden, das uns befähigt Selbstloses zu tun und unser Leben in Würde zu bestehen, auch Harmonie mit unseren Nächsten zu üben. Angesichts unseres zerbrechlichen und endlichen Daseins in der Welt von Fressen und Gefressen-Werden, von Naturkatastrophen und extrem lebensfeindlichen Bedingungen fast im ganzen Universum sollte uns die Suche nach dem Menschsein helfen, ein Gleichgewicht für unsere Seele zu finden, den Lebensmut und unsere Liebeskraft zu stärken. Anscheinend bemühen sich Menschen schon seit Urzeiten darum - seit sie ein Bewusstsein erlangt haben.