Ratlosigkeit, „was soll das alles?“

Denkanstöße und Einladung zum Widerspruch

 

So aufopfernd Alchimisten sich gemüht haben, das Elixier des langen Lebens und der Stein der Weisen sind nicht gefunden worden. Wir wissen nun, es gibt sie nicht und man kann nicht auf solche Weise andere Metalle in Gold verwandeln. Doch die Welt hält für uns unzählige andere Mysterien bereit. Wenn eines enttarnt ist, tun sich neue auf, darunter auch solche, die wir mit künftigen fortgeschrittenen Mitteln nicht erforschen können. Wie der Stein der Weisen entzieht sich eine alles erklärende Weltformel unseren Möglichkeiten. Insofern bleiben wir gewissermaßen Alchimisten - dazu verdammt, mit beschränkten Möglichkeiten die Welt und uns selbst ein Stück weit zu begreifen - doch immer etwas weiter.

Vor dem fernen Ereignishorizont endet unser Einblick ins Universum und zugleich gelangen von dort Informationen zu uns aus einer Zeit nahe dem Anfang von allem. Wir können nicht erforschen, was zuvor geschehen ist, was den Urknall verursacht hat, ob eine Zeit davor existiert hat mit Ursache und Wirkung. Genau so wenig können wir erkunden, ob jenseits "unseres" Universums noch Raum ist oder ob andere Universen parallel existieren.
Selbst eine Annäherung an die die Zeit 0 - ein Zugang zur Planck Ära - bleibt uns verwehrt, denn Experimente dafür entziehen sich all unseren Möglichkeiten. Extrapolation über mehr als 20 Dezimalstellen wäre nötig, wir befinden uns weit im Bereich von Spekulationen.

Die Gravitation verweigert sich in mancher Hinsicht unserem Verständnis. Sie ist die schwächste der bekannten Kräfte und dennoch am stärksten mit dem Anfang von allem verbunden. Und ihre Kraft kann alle anderen überwinden. Spekulieren wir: Wenn sich eine große Masse gesammelt hat, kann sie vielleicht als Gleichmacher im Innern eines Schwarzen Lochs einen Zustand hoher Symmetrie hervorbringen vergleichbar einem wie wir ihn zu Beginn der Welt vermuten.

Die Welt ist wie sie ist, benötigt keine Regeln. Wir Menschen suchen nach ihr innewohnenden Naturgesetzen, um sie zu „verstehen“ und für uns nützlich zu gestalten.

Vieren und Bakterien verbreiten sich nachhaltiger, wenn sie ihre infizierten Wirte nicht töten. Da sie kein Gehirn besitzen, können sie das - wie uns lieb wäre - leider nicht schnell genug lernen.

Im Universum dominieren extreme Zustände. Nur winzige ökologische Nischen können Leben beherbergen, zahlreiche Umgebungsbedingungen müssen dafür passen. Leben spielt für die Entwicklung des Universums keine Rolle, es bleibt eine unbedeutende Ausnahme und Randerscheinung. Jede anthropozentrische Arroganz ist abwegig.

Die Fusion lebensnotwendiger Elemente im Inneren eines Stern, ihre an seinem Lebensende mögliche Befreiung aus der (gravitativen) Gefangenschaft und die Anreicherung über mehrere Sterngenerationen im Weltraum sowie letztlich die Sammlung in einem Planeten mit harter Kruste dauert Milliarden Jahre.

Einfache Lebensformen können auf einem habitablen Planeten unter geeigneten Bedingungen in wenigen 100 Millionen Jahren entstehen. Und unsere Erde beweist wie einfache Lebensformen über Milliarden von Jahren existieren können und dabei lebensfeindlichen Umweltveränderungen getrotzt haben. Intelligentes Leben entwickelte sich auf der Erde aber erst nach 4 Milliarden Jahren. Eine solch lange Zeit ist nicht klein verglichen mit dem Alter des Universums. Wenn man auf einem fernen Planeten extraterrestrisches Leben findet, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit primitiver Schleim. Intelligente Lebensformen – vergleichbar der menschlichen – werden deshalb extrem selten sein. Wegen der gewaltigen Zahl von Sternen mit Planeten ist ihr Vorkommen dennoch statistisch wahrscheinlich. Doch unüberwindlich große Entfernungen trennen sie voneinander: Alle Zivilisationen leben in kosmischer Isolation. Nicht nur Besuche von (oder bei) Aliens scheiden aus, selbst wechselseitige Kommunikation (mittels elektromagnetischer Wellen) scheitert wegen der zu großen Laufzeit jeder Information. Selbst wenn wir wüssten, wohin eine Botschaft zu senden wäre, unsere Enkel wären gestorben ehe eine Antwort eintreffen könnte.

Die Entwicklung des Universums und darin eingeschlossen die Evolution von Leben sind Selbstläufer, alles ergibt sich von allein, kein Steuermann ist nötig. Es dient keinem Zweck, folgt keinem Ziel im menschlichen Sinn.

Im Universum gelten keine menschlichen Wertmaßstäbe und Begründungen. Es existiert und ist wie es ist, hat kein Ziel. Es wäre vermessen, eine unbedeutende Spezies auf einem unbedeutenden Planeten wollte den Sinn der Welt bewerten. Menschliche Kategorien dafür sind fehl am Platz. Die Existenz des Universums ist nicht sinnstiftend an sich. Bist Du überheblich genug zu glauben, es existiere nur, uns Menschen eine Heimat zu stiften?

Menschen suchen nach einem Sinn, einem Ziel. Ratlosigkeit kehrt ein, suchst Du den Grund Deines Seins. Immerhin die Evolution des Lebens hat uns Ratschläge mit auf den Weg gegeben:
Verschiedenen Tierarten kennen Partnerschaften, auch lebenslängliche Treue und aufopferungsvolle Brutpflege, hilfreich zur Verbreitung ihres Genprogramms.
Wir Menschen wurden reichlicher beschenkt: Wir können intuitiv über GUT und BÖSE urteilen, teilen Freude, Nahrung, Wohnraum, Gefühle, helfen, trösten, spenden Verletzten, Sterbenden, Durstigen…, schützen Schwache, feiern Feste und Andachten, können jubeln, wollen Ressourcen schonen für künftiges Leben, setzen uns für das Überleben anderer Arten ein...
Suche Gott nicht in unfassbarer Ferne, finde den „göttlichen Funken“ in Dir. Es zählt die eigene Tat.

Im genetischen Gepäck tragen wir auch gefährliche Anlagen mit uns: Das evolutionäre Prinzip Fressen oder gefressen werden, Konkurrenzkampf zwischen Arten und Individuen hat schließlich immer mehr Leistungsfähigkeit bewirkt.
Doch erlangte Überlegenheit und ungehemmte Vermehrung einer Art sorgen für Mangel an Ressourcen und Erstarken biologischer Feinde. Die Art Homo sapiens ist zusätzlich gefährdet, weil ihr enormer Fortschritt im Erfinden von „Werkzeugen“ auch Massenvernichtungswaffen hervorgebracht hat, tauglich zur Vernichtung nicht nur der eigenen Art.
„Schwerter zu Pflugscharen“, wann erreicht diese Vision alle Köpfe?

Die biologische Evolution hat egozentrische Lebewesen geschaffen trachtend, sich selbst zu erhalten und das eigene Genprogramm zu verbreiten. Wir Menschen wurden ausgestattet, uns selbst für sehr wichtig zu halten, vielleicht für das Wichtigste überhaupt.
Will die Evolution, dass wir so denken dürfen?

Lässt die Architektur unseres Gehirns zu, von der Evolution geerbte Ängste und Aggressionen überwinden zu können?

Über viele Millionen von Jahren wirkte die Evolution besonders mit Selektion (Auslese) vor dem reproduktionsfähigen Lebensalter. Auch beim Menschen gab es eine hohe Kindersterblichkeit. Solange die Seuchen (durch Anpassung der Mikroorganismen) noch nicht zurück gekehrt sind, wirkt dieses Prinzip kaum noch. Die Fertilität (Fähigkeit Nachkommen hervorzubringen) entscheidet derzeit über "Erfolg", Entwicklung und Zukunft der Art homo sapiens. Und wir stehen vor einem neuen Quantensprung: Die Fähigkeit zur pränatalen Selektion haben wir erlangt. Wenn Eltern sich ihrer künftig massenhaft bedienen, um Wunschvorstellungen vom Kind zu erfüllen, wird die menschliche Evolution neuen Gesetzen folgen. Auch Genmanipulation wird in Zukunft möglich sein und nicht nur Krankheiten vermeiden helfen. Gesellschaftliche Leitbilder, Denkprozesse im Gehirn werden die Entwicklung mit bestimmen. Niemand hat genug Phantasie für Vorhersagen, wohin die Reise führen wird.

 

 

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