Island Seite 2




         Die ersten zwei Tage:  Keflavik - Reykjavik - Mosfellsbær - Þingvellir    115 km


Ankunft am 15. August mit dem Flugzeug in Keflavik um 22Uhr45. Das Fahrrad wird als erstes ausgeladen, keine Beschädigungen, erste Entspannung. Geldumtausch am Flughafen noch vor der Gepäckausgabe. Gas für den Kocher ist dort nicht zu kriegen.
Bin zu aufgedreht für die erste Übernachtung  in der drei km entfernten Ortschaft, so geht es gleich auf der sehr breiten  und ausgeleuchteten Ausfallstraße Richtung Hauptstadt, ein  Seitenstreifen ist nur teilweise vorhanden und befahrbar. Leicht bewölkt und nicht so kühl wie erwartet (14 Grad), von Landschaft natürlich noch nicht viel zu sehen (aber bei Tag auch keine Schönheit, wie ich am letzten Tag festellen kann). Es radelt sich schnell ohne bedeutende Steigungen. Da ich zu früh in Reykjavik wäre, gibts doch ein kleines Schläfchen auf einer Bank neben einem kleinen Sportplatz (mit Matratze und Schlafsack ohne Zeltaufbau warm genug); geweckt werde ich nicht von Elfen aus der benachbarten Elfenhaupstadt Hafnarfjördur, sondern von zänkischem Möwengeschrei.


Hallgrimskirkja
  morgens in Reykjavik

Schön kann man Reykjavik nicht nennen, ganz zu schweigen von den Vorstädten, verbunden durch autobahnähnliche Straßen, wie man sie zum Glück sonst nirgends auf Island findet. Die benötigten Lebensmittel, Landkarte und das Kochergas sind schnell eingekauft, ein kleiner Spaziergang durch die Innenstadt mit Besuch des Tourismusbüros und der Außenbesichtigung der Hallgrimskirche (öffnet erst um 10 Uhr), dann das erste Kaffeekochen und Frühstück an der breiten Uferpromenade, dort ist der Ausblick doch schon ganz vielversprechend.

bei Mosfellsbær

Auch die Straße nach Mosfellsbær ist sehr stark befahren und autobahnähnlich, außerdem müssen viele Ab-und Ausfahrten überquert werden und die Autofahrer sind dabei noch längst nicht so rücksichtsvoll wie später auf den kleinen Straßen. Die ersten größeren Steigungen müssen bewältigt werden. Aber schon nach zehn Kilometern ist die Kleinstadt erreicht, die auch einen Zeltplatz am Sportplatz hat.

Die Ringstrasse wird nun erstmals verlassen. Nach einem Kilometer zweigt die Str.36 nach Osten Richtung Þingvellir ab und damit wird es endlich sehr viel ruhiger auf der Strasse und man kann die weiten Ausblicke auf die hügelige Landschaft geniessen. Die Sonne zeigt sich öfter und unbemerkt hole ich mir in den ersten Tagen  einen Sonnenbrand auf der Nase und den Ohren. Im stetigen Auf und Ab und auffrischendem Wind wird ein Bergrücken überquert, aber als Lohn winkt ein erster fantastischer Blick auf den Þingvallavatn mit seinen kleinen Inseln, der größte Binnensee Islands.


vor dem Þingvallavatn

Þingvallavatn

Das ist der Höhepunkt dieses Tages, wenn es jetzt nicht zu windig wäre, würde ich auf der Höhe zelten, nur um immer wieder diesen Blick geniessen zu können, der sich mit dem Sonnenstand und jeder Kurve ändert.

Almannagjá-Schlucht

Es geht genußvoll langsam bergab bis zum Abzweig der Almannagjá-Schlucht.
Von dort hat man einen traumhaften Blick über den National-Park und auf
Þingvellir, Hauptversammlungsort der Nation, dort wurde 1944 die neue Republik ausgerufen. Dieses nationale Heiligtum läßt sich über eine Brücke erreichen. Die Talsenke ist durch einen tektonischen Bruch entstanden.

Nach einer kleinen Rundwanderung gehts dann noch ein kleines Stück weiter bergab bis zur Kreuzung der Straßen 36/361/52, an der sich eine Cafeteria mit Infozentrum und ein Campingplatz befinden, letzterer ist gut besucht und sehr nah an der Straße und daher entscheide ich mich für einen kleineren Zeltplatz (mit benutzbaren Duschen!) gleich links an der Strasse 361 Richtung See.

Erster Zeltplatz
Erstes Zelten seit Jugendtagen, und das war noch zu Pfadfinderzeiten.

Der Aufbau klappt schnell nach "Trockenübungen" im Wohnzimmer, auch das Kochen, nur an die Enge eines Mumienschlafsackes werde ich mich während der Reise nie ganz gewöhnen; später schlafe ich lieber mit den Armen außerhalb und in den paar kalten Nächten mit zusätzlichem Pullover und Handschuhen, als bei jeder Bewegung aufzuwachen. Das System beim Ein- und Auspacken der Fahrradtaschen ist bald zur Selbstverständlichkeit geworden und dauert nicht mehr lange.
Außer den ungewohnten Wind- und Flattergeräuschen des Zeltes stört sonst nichts die Nacht und ich wache recht frisch erst um 8Uhr auf. Die Sonne scheint! und trocknet die Taufeuchtigkeit des Zeltes schnell. Aber bis das
Radeln nach Frühstück und Trocknen des Zeltes weitergeht, wird es bis zur Regenzeit doch fast immer zwischen 9 und 10 Uhr werden, später als gedacht.

Ein wunderschöner Ausblick,ein unbeschreibliches unwirkliches Gefühl, als ich nach dieser ersten Nacht aus dem Zelt krabbele. Und diese Ruhe; ganz gelassen den Tag beginnen. Bin wirklich in Island, der Traum ist Wirklichkeit geworden und er hat gerade erst begonnen.





                         17. August                                    Þingvellir  -  Uxahryggir                45 km

 Hauch des Hochlandes 

am Þingvallavatn

Blick zur Almannagjá-Schlucht

Zuerst geht es noch einmal auf der Strasse 361ein Stück Richtung See. Ganz umrunden werde ich ihn aber nicht.
Zurück zur Kreuzung auf die Strasse 52, die die Verlängerung der Hochlandpiste F 550 ist. Nach ein paar Kilometern geht die asphaltierte Strasse in eine Schotterstrecke über. Über die Steine läßt sich gut fahren, aber die Querrillen, eine neben der nächsten, rütteln ordentlich durch und machen Anstiege ziemlich mühsam. Das zuerst durchquerte Lavafeld geht immer mehr in eine Sandwüste über und die paar Autos hinterlassen eine lange Staubfahne, es ist ziemlich einsam dort. Nach dem ersten heftigen Anstieg (kurzes Stück 17% wird geschoben) ist der Blick auf den Sandkluftsee frei, der aber um diese Zeit ziemlich ausgetrochnet ist.



Sandkluftvatnauf dem Weg nach



Ganz weite Ausblicke, keine Höfe, auf den Bergen teilweise noch etwas Eis und Schnee, Natur pur, eine Tour zum Genießen bei blauem Himmel, es ist einer der wenigen Tage, an denen ich ab mittag für zwei, drei Stunden mit kurzärmeligen Shirt fahren kann.

Nach dem Durchqueren des Tales gehts noch einmal ordentlich bergauf und wieder hinab, dann wird Uxahrggir erreicht an der Kreuzung der Strassen 52/F550, eine Schutzhütte in Sichtweite, ich fahre weiter auf der 52, es geht für ca. 3 km stetig berghoch, bei der anschließenden Abfahrt vorbei am Reydarvatn wird es langsam wieder grüner.

In der Nähe der ersten Höfe an einem Fluß wird das Zelt aufgebaut.
Außer zwei vorbeifahrenden Fahrzeugen nur Naturgeräusche vom vorbeiplätschernden Fluß, den Schafen und Vögeln.

Genau so habe ich mir Island vorgestellt. Und so ist es.

am Reydarvatn





                           18. August                 Borganes  -  Halbinsel Snæfellsnes         80 km


Weiterhin Sonne. Auf der schlechter werdenden Schotterstrasse 52 geht es weiterhin westwärts, eine Baustelle erfordert  etwas Schieben und eine große Schafsherde hält auf. Farmlandschaft. An einem Hof ist ein Schwimmbad, aber man kann etwas weiter im warmen Fluß baden (genaugenommen entspannt sitzen und liegen), der durch eine heisse Quelle aufgeheizt wird, nicht zu verfehlen durch den aufsteigenden Wasserdampf.

Ich folge der Str.52, dann der asphaltierten Str. 50 Richtung Süden, bis die stark befahrene Ringstrasse erreicht wird. Über einen künstlichen Damm und eine Brücke gelangt man nach Borganes, keine schöne Stadt, aber der Proviant kann aufgefüllt werden.

BorganesRichtung Borganes

Noch zwei km auf der Ringstrasse, dann gehts auf die Str.54 durch eine hügelige felsige und abwechslungsreiche Landschaft und gleich wird es wieder sehr viel ruhiger und einsamer.
Auf halbem Wege zur Halbinsel Snæfellsnes wird das Zelt aufgebaut.



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