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Schöner Lesen
24. November 2011
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Daniel B. ist als "Sprachpolierer" in einer
ostchinesischen Software-Firma beschäftigt. Das
Arbeitsklima ist angenehm, die Tätigkeit bewältigbar
und der Verdienst ausreichend: Arno-Schmidt-Fans haben im Netz
eine Art Rollenspielwelt erschaffen, in der tote Dichter danach
streben, die Spuren ihres Erdendaseins zu tilgen. Nach dem
Vorbild von 'Tina oder über die Unsterblichkeit' versuchen
auch hier virtuelle Wesen, ihre zu Lebzeiten mühsam
erworbene Popularität möglichst rasch abzustreifen, um
endlich in das erlösende Nichts eingehen zu können. J.
W. v. Goethe hat da keine Chance, er eignet sich
Programmier-Kenntnisse an und nutzt diese zur Flucht. Der
Olympier durchreist die virtuelle Gegenwart der Datennetze und
taucht schließlich im "Goethe-Hotel" von Hangzhou wieder
auf.
Im Herbst 2008 zwingt die Finanzkrise weltweit zu
drastischen Einsparungen. Deutsche Sprachpolierer sind nun
für die chinesische Firma viel zu teuer. Daniel verliert
seinen Job, findet kurzzeitig einen neuen und muss letztlich
doch nach Deutschland zurückkehren. Auch die virtuellen
Dichter mischen sich kräftig ein und setzten ein komplexes
Spiel mit Fantasy-Elementen in Gang - was sich bald auf die
mittelost-deutsche Realität auswirkt.
Ich höre Stimmen Der Weißenfelser Autor Erhart
Eller hat im vorigen Jahr im Engelsdorfer
Verlag ein Buch mit fünf Hörspieltexten
aus den 80-er und 90-er Jahren veröffentlicht. In Ostival
organisiert ein Veranstaltungsmanager so authentische
Nostalgieshows, dass er bald ins Visier von
Stasi-Jägern gerät. Am Ende materialisiert sich
ein Greiftrupp von "Horch & Guck" aus der
Vergangenheit, der den "Wahnsinn" komplett macht. "Notrufe"
sendet eine einsame Kassiererin per Telefon an besser
gestellte Funktionäre des sozialistischen
Einzelhandels. Doch diese erweisen sich durchweg als
"Schweine". Männer sind eben solche, lautet das wenig
überraschende Fazit. Nächtliches Gericht
halten die Gespenster der Vergangenheit über Traugott
Berschtenbinder, der als Aktivist, gewerkschaftlicher
Agitator und Jugendbrigadier versagt hat. In einem
poststalinistischen Schauprozess wird ihm die Schuld am
Untergang der DDR zur Last gelegt. Berschtenbinder wird
zum Tode verurteilt und dann zu lebenslänglicher
Zwangsarbeit in einer städtischen ABM begnadigt. Doch
nach einem halben Jahr wird die ABM platt gemacht. Die
Gespenster sind ratlos - und nicht nur sie. Zwei
Zehnjährige mit Essstörungen gehen auf eine
erlebnispädagogische Reise in der Mittagsstunde.
Ein schrulliger Mann schickt Moppel und Marian mit einem
Raumschiff in das Land, wo Milch und Honig fließen -
aber nicht mehr lange. Nach der Schlacht und dem
Feuertod von Jan Hus sammeln sich die überlebenden
Hussiten um einen Hauptmann, der das Rad der Geschichte
zurück drehen will. Schließlich kämpfen
sie wieder. Doch geht es ihnen noch um das wahre
Gotteswort? Das Buch Ostival von Erhard Eller ist
2008 im Engelsdorfer Verlag erschienen, es hat 206 Seiten
und kostet 12,90 Euro. |

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