Schöner Lesen  

24. November 2011    

 

Dieser Mann, so kommt mir vor,

ist ein schreibender Autor...

Der verlegene Verleger Ih, ein Buch!

Seit kurzem bin ich unter die eBook-Verleger gegangen, Kindle-Direct-Publishing heißt das Zauberwort. Die Erstellung der entsprechenden Buchdatei ist nicht ganz trivial, aber ich habe es dann doch ohne fremde Hilfe geschafft. Silbermanga war ursprünglich eine längere Erzählung von etwa 200 Druckseiten, die von mehreren Verlagen schnöde abgelehnt wurde. Die Druckrechte auf Papier sind immer noch zu vergeben, zögern Sie als nicht mich anzusprechen, liebe Verleger(innen). Wobei Silbermanga zwar kein Manga ist, aber durch auch ein Produkt für Grauhaarige. Aus dem Klappentext: 

Daniel B. ist als "Sprachpolierer" in einer ostchinesischen Software-Firma beschäftigt. Das Arbeitsklima ist angenehm, die Tätigkeit bewältigbar und der Verdienst ausreichend: Arno-Schmidt-Fans haben im Netz eine Art Rollenspielwelt erschaffen, in der tote Dichter danach streben, die Spuren ihres Erdendaseins zu tilgen. Nach dem Vorbild von 'Tina oder über die Unsterblichkeit' versuchen auch hier virtuelle Wesen, ihre zu Lebzeiten mühsam erworbene Popularität möglichst rasch abzustreifen, um endlich in das erlösende Nichts eingehen zu können. J. W. v. Goethe hat da keine Chance, er eignet sich Programmier-Kenntnisse an und nutzt diese zur Flucht. Der Olympier durchreist die virtuelle Gegenwart der Datennetze und taucht schließlich im "Goethe-Hotel" von Hangzhou wieder auf.
   Im Herbst 2008 zwingt die Finanzkrise weltweit zu drastischen Einsparungen. Deutsche Sprachpolierer sind nun für die chinesische Firma viel zu teuer. Daniel verliert seinen Job, findet kurzzeitig einen neuen und muss letztlich doch nach Deutschland zurückkehren. Auch die virtuellen Dichter mischen sich kräftig ein und setzten ein komplexes Spiel mit Fantasy-Elementen in Gang - was sich bald auf die mittelost-deutsche Realität auswirkt.

Wer Amazon nicht mag, kann das eBook von mir auch als epub-Datei für etliche andere Reader bekommen, auch *.mobi, *.txt, *.rtf und jpg-Bildchen fürs Handy sind im im Angebot. Genauer gesagt sind es 843 nacheinander zu betrachtende Bilder. Hier gibt es eine Kostprobe: test.zip, die ersten zwanzig Seiten. Einfach dorthin packen, wo auf Ihrem Handy die Bilder gespeichert sind (möglichst in ein eigenes Verzeichnis) und schon können Sie es lesen - "cool und trendy auf dem Handy!". Das komplette Paket gibt es für sagenhafte zwei Euro bei mir. Einfach per Mail bestellen, über das Kontaktformular von Troll Bringfried, meinem getreuen Bibliothekar. Ich sende Ihnen dann Zahlungsinformationen und den Link zum jeweiligen Produkt zu.
 
Argonauten

Greif zum Kumpel Feder!

Immer noch sehr zu empfehlen ist das 'Argonautenschiff' 15 (2006), ein Themenheft über 'Literatur und Arbeit'. Ausgewählte Beiträge einer Tagung zum Thema 'Literatur und Arbeit' loten die "Arbeiterlichkeit" in der gesamtdeutschen Nachkriegsliteratur aus. Vom "besinnungslosen Arbeiten" der Besatzungszeit über die "Werkkreis"- Literatur der (bundesdeutschen) Arbeitswelt bis hin zu den "Schreibenden Arbeitern" der DDR.
  Für Hallenser besonders interessant ist der Beitrag von Harald Korall über Werner Bräunig, jenen jungen Autor, der 1959 auf der 1. Bitterfelder Konferenz den Aufruf vorgetragen hatte: Greif zur Feder Kumpel, die sozialistische deutsche Nationalliteratur braucht Dich! Korall hatte Bräunig 1968 nach Halle-Neustadt geholt, auf dem Höhepunkt der "Lyrikwelle". Bräunig bekam schnell eine Wohnung und wurde so etwas wie ein erster Stadtschreiber der Neubaustadt. Den großen Roman 'Ein Kranich am Himmel' konnte er nicht mehr vollenden, als er 1976 starb, erst 42 Jahre alt. Korall folgte vor ein paar Jahren dem Weg des Dichters in umgekehrter Abfolge, beginnend an seinem kleines Urnengrab auf dem Neustädter Friedhof.

Argonautenschiff 15 (2006) 'Literatur und Arbeit' hat 352 Seiten, kostet 24,- Euro und ist im Aufbau-Verlag Berlin erschienen.

Ich höre Stimmen

OstivalDer Weißenfelser Autor Erhart Eller hat im vorigen Jahr im Engelsdorfer Verlag ein Buch mit fünf Hörspieltexten aus den 80-er und 90-er Jahren veröffentlicht. In Ostival organisiert ein Veranstaltungsmanager so authentische Nostalgieshows, dass er bald ins Visier von Stasi-Jägern gerät. Am Ende materialisiert sich ein Greiftrupp von "Horch & Guck" aus der Vergangenheit, der den "Wahnsinn" komplett macht. "Notrufe" sendet eine einsame Kassiererin per Telefon an besser gestellte Funktionäre des sozialistischen Einzelhandels. Doch diese erweisen sich durchweg als "Schweine". Männer sind eben solche, lautet das wenig überraschende Fazit. Nächtliches Gericht halten die Gespenster der Vergangenheit über Traugott Berschtenbinder, der als Aktivist, gewerkschaftlicher Agitator und Jugendbrigadier versagt hat. In einem poststalinistischen Schauprozess wird ihm die Schuld am Untergang der DDR zur Last gelegt. Berschtenbinder wird zum Tode verurteilt und dann zu lebenslänglicher Zwangsarbeit in einer städtischen ABM begnadigt. Doch nach einem halben Jahr wird die ABM platt gemacht. Die Gespenster sind ratlos - und nicht nur sie. Zwei Zehnjährige mit Essstörungen gehen auf eine erlebnispädagogische Reise in der Mittagsstunde. Ein schrulliger Mann schickt Moppel und Marian mit einem Raumschiff in das Land, wo Milch und Honig fließen - aber nicht mehr lange. Nach der Schlacht und dem Feuertod von Jan Hus sammeln sich die überlebenden Hussiten um einen Hauptmann, der das Rad der Geschichte zurück drehen will. Schließlich kämpfen sie wieder. Doch geht es ihnen noch um das wahre Gotteswort? Das Buch Ostival von Erhard Eller ist 2008 im Engelsdorfer Verlag erschienen, es hat 206 Seiten und kostet 12,90 Euro.


Am 12. Mai 2009 wäre der Autor Werner Bräunig 75 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass lud die städtische Volkshochschule zu zwei Veranstaltungen ein und bei MDR Figaro wurde vom 11. bis 22. Mai aus Werner Bräunigs "Rummelplatz"-Manuskript vorgelesen. Das Ganze gibt es auch als Hörbuch mit dem Schauspieler Jörg Gudzuhn in 10 Folgen als Produktion des RBB von 2006, sehr empfehlenswert.
 

Lesetips und -links

Die Galerie am Domplatz hatte kaum Zeit, sich als Veranstaltungs-Treffpunkt zu etablieren, da war sie auch schon wieder plattgemacht. Überhaupt hat die Kulturszene in Halle mit heftigen Mittelkürzungen zu ringen. Das Literaturbüro Sachsen-Anhalt-Süd wurde vom Marktschlösschen ins Künstlerhaus 188 verbannt. Der Friedrich-Boedecker-Kreis hat die "Breitenförderung" der Literatur in Sachsen-Anhalt übernommen und schrumpft auf niedrigen Niveau: Literatur-LSA. Der Autorenverband (aus dem Kulturbund-Erbe) will sich immer noch auflösen und die ehemaligen Schreibenden Schüler des Bezirkes Halle heißen jetzt FBK-LSA. Interessanter sind immer noch die privaten Initiativen: die Magdeburger Autorin Birgit Herkula betreibt mit dem Herkulaweb eine umfangreiche Literaturzine. In Halle versucht Chistina Seidel etwas ähnliches. Bundesweit gibt es die nützliche Literaturwelt, die zeitgeistige U-LIT und die schwergewichtige Dichtung-Digital.

Pathetic

Silhouette

Zurück zur HaDie Homepage