Ein originaler 450 SEL 6.9 mit wenig Kilometern

Seit über zwei Jahren suchte ich nach einem 6.9. Für mich kam nur dieses Modell in Frage. Kindheitserinnerungen an dieses legendäre Fahrzeug und den Wünsch ein klassisches Automobil mit Aussicht auf Wertsteigerung zu haben, ließen mich diesen Entschluß fassen. Vieles machte die Baureihe W116 für mich persönlich einzigartig. Der wuchtige Kühlergrill, der einen solchen Namen noch verdient, die massiven, verchromten Türgriffe innen wie außen, der Klang der Türen mit den hochwertigen Zapfenschlössern, der satte Sound des Motors, der von vorne lediglich ein gleichmäßiges Rauschen ist und hinten nur ein sonores Summen der Spritpumpe hören läßt. Alls das hat mich schon als siebenjähriger Bub fasziniert.

Das Fahrzeug habe ich im Januar 2004 bei einem Mercedes-Benz Händler im Taunus für € 18.000 erworben. Eine Menge Geld, aber gemessen an dem
insgesamt sehr guten Zustand des Wagens und der geringen Laufleistung von 71.000 km nicht überteuert.

Der Wagen wurde Ende 1978 von einem Unternehmer aus Waldshut gekauft und dann kurz darauf nach Zollikon in die Schweiz verkauft. Dort hat der Wagen die
allermeiste Zeit verbracht und hat wohl von 1994 an still gestanden.


Es erscheint alles original und unverbastelt. Aus irgendeinem Grund hat das Auto eine teilweise Neulackierung bekommen, diese wurde aber fachmännisch
ausgeführt. Die Federspeicher wurden erneuert genauso wie das leidige Steuerelement der Klimautomatik, so daß selbige perfekt funktioniert, mal schauen wie lang
die Freude anhält. Selbst der Tempomat tut seinen Dienst. Der Wagen wurde regelmäßig durch eine Mercedes-Benz Vertragswerkstatt gewartet, daß belegt
jedenfalls das Scheckheft. Beim Kauf habe ich auch ein sog. Werkstattbuch miterworben. Das gleiche gilt für einen Satz Michelin XWX 215/14 70 Reifen, die
bekanntermaßen ein Vermögen kosten.

Der Fahreindruck ist überwältigend, die Automatik schaltet nahezu ruckfrei bei jeder Außentemperatur die Gänge hoch und runter, der Kickdown funktioniert ohne
sonderliche Verzögerung. Es ist kaum Spiel in Lenkung und Differential und alles wirkt ziemlich knackig und kaum verschliessen oder sonstwie abgenutzt, so daß der
Tachostand wohl echt sein dürfte. Richtig Spaß macht der Wagen komischerweise auf der Autobahn, wo man das brachiale Drehmoment voll auschöpfen kann und mit allen Audis und BMW Turbodieseln souverän mithalten kann. Aber aus das cruisen durch die Stadt oder über Landstraße ist ein Hochgenuß.

Interessanterweise erfüllte der 6.9 schon vor Fast 30 Jahren alle Anforderungen, die man heute an eine luxuriöse Hochleistungslimousine stellt, vom Spritverbrauch einmal abgesehen. Den großen Unterscheid der neuen S-Klassen zum 6.9 sehe ich nur im Höchstgeschwindigkeitsbereich und im extremen Grenzbereich (ABS, ESP, ABC, Bremsassistent etc.), ansonsten kann ein heutiger S 500 kaum Punkte machen. Im Gegenteil: Die Materialauswahl ist beschämend, das Finish eine schlichte Frechheit und auf dem Niveau von U.S. Ramsch à la GM oder Chrysler.

Mit der Baureihe W116 hat Mercedes-Benz zum letzten Mal deutsche Ingenieurskunst bewiesen und ein Fahrzeug konstruiert, was in Qualität, Leistung und Formgebung eine ganzheitliche Spitzenleistung darstellte. Diese Zeiten sind schon Ende der 80er Jahre spätestenes mit der Fusion Daimler Chrysler unaufhaltsam dem Niedergang preisgegeben worden. Nicht umsonst, sind sich die meisten MB Händler einig, daß der 6.9 der beste Nachkriegs Benz aller Zeiten ist.

Entsprechend froh bin ich, einen 6.9 zu besitzen.

Erfahrungsaustausch / Kommentare gerne per mail an hubertus_erfurt@yahoo.de

Letztes Update dieser Seite: 28.04.2004
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