Die Vitae des "letzten" Mercedes Benz 300SEL 6,3
(Fgst.Nr.: 10901812006526)


Seit 26 Jahren ist nun der "letzte" 6,3 Mitglied in unserer Familie und nun endlich raffe ich mich mal auf, die Geschichte dieses besonderen Wagens aufzuschreiben:

Das Vorleben - Eigentümer Nr. 1 und 2:

Unser Mercedes 300 SEL 6,3 wird als der 6526. und somit als der zuletzt gebaute 6,3 am 28. September 1972 ausgeliefert und am 29. September 1972 auf die Thyssen AG, Düsseldorf, mit dem Kennzeichen D-JW 120 zugelassen. Der Wagen wurde auf besonderen Wunsch des damaligen Vorstandsvorsitzenden der Thyssen AG, Herrn Dr. Sohl, in dem normalerweise für diese Baureihe ab Werk nicht lieferbaren dunkelgrünen Farbton 221 lackiert. Herr Dr. Sohl fuhr seit den fünfziger Jahren immer nur die großen Mercedes-Wagen in diesem Farbton und bestand daher darauf - für seinen nächsten Wagen, einen 450 SEL 6,9 wurde ihm vom Werk diese Option nicht mehr gewährt, so das er dann auf moosgrünmetallic umsteigen musste (woher ich das weiß? - siehe weiter unten unter "Anekdoten")
1975 löste dann der moosgrüner Mercedes 6,9 den "letzten" 6,3 bei Thyssen ab und "unser" 6,3 wurde an die Fa. Softwaretechnik GmbH & Co KG, Kaiserwerther Str. 253, Düsseldorf, verkauft und am 02.06.1975 auf dieses Unternehmen mit unverändertem Kennzeichen zugelassen.

"Der Letzte" kommt zu uns:

Nach nur 8 weiteren Monaten wurde der Wagen am 29.01.1976 wieder verkauft -und zwar an uns. Dies geschah durch den Gebrauchtwagenhändler Ulrich Frerking, Oberhausen, bei einem Kilometerstand von 129.000 km zum Preis von 17.000,-- DM incl. Mwst. Am 10.02.1976 wird der Wagen auf seine neuen Eigentümer mit dem Kennzeichen SO-AP 117 zugelassen.


Bis 1982 wird der Wagen viel gefahren, dann bei km 260.000 stillgelegt. 1986 erwacht der Wagen aus dem Dornröschenschlaf und wird einer Bestandsaufnahme unterworfen:
Schwellerspitzen vorne fangen an zu gammeln, Beifahrertür unten teilweise durchgerostet, beide vorderen Kotflügel im Bereich der Lampen zeigen Rostbläschen, im Bereich der hinteren Radgehäuse zwei kleine "Durchrostungen", hier und da Kantenrost - das war's aber auch. Insgesamt also eine noch immer erstaunlich solide und gut erhaltene Substanz.
Der Wagen wird zunächst nach einer großen Inspektion am 14.04.1986 wieder zugelassen. Sein Kennzeichen: SO-EK 505.
1987 beschloss ich, die Karosseriemängel bei dem regional renommierten Karosseriebauer "Fa. Deppe" in Lippstadt beseitigen zu lassen und das Auto zum "Liebhaberobjekt" zu küren. Dazu wurde der Wagen bis auf Achsen, Motor und Getriebe demontiert, (insgesamt ja nur minimal) geschweißt und komplett neu im Originalfarbton dunkelgrün 221 lackiert.
Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass ich den "Letzten" hatte - nur war mir klar, dass er mit Baujahr September 1972 ein ganz Später sein musste. Irgendwann (um 1990) habe ich dann mal die Fgst.-Nr. mit der gebauten Stückzahl verglichen.............
Auf Grund einer Anfrage bei Daimler-Benz bestätigte man mir dann aber auch schriftlich, dass es tatsächlich der "Letzte" war und unterbreitete mir ein Angebot - ich verkaufe aber nicht!
Am 06.04.1990 wird das Auto wieder stillgelegt und erst am 13.07.1995 auf die rote Nummer PB-7003 wieder zugelassen. Seitdem wird das Auto regelmäßig gefahren, insbesondere aber gepflegt und kontinuierlich verbessert. Besonderen Dank an dieser Stelle schulde ich hier meinem Freund Albert Gerold - der ja schon mehrfach in den Flosskeln geschrieben hat -, ohne dessen große Unterstützung und Hilfe der Wagen nicht in seinem jetzigen optischen und technischen Zustand wäre! Ich kann eigentlich nur "intensiv pflegen"............
Im Herbst 2002 hat das Auto 289.000 km gelaufen ohne bisherige Motor-, Getriebe- oder Achsüberholung und steht in einem sehr schönen, gepflegten, (echten!!) gutem Dreierzustand da.

Die Ausstattung

Die Ausstattung ab Werk:
Neupreis in DM (Incl. 11% Mwst)
Farbe: Sonderwunsch: dunkelgrün 221 ohne Aufpreis
Innenausstattung: 926; Velours beige (8033) - (heute: Leder cognac 8006) ohne Aufpreis
Schiebedach elektrisch (41/0) 849,15
Nebelschlussleuchte (46/2) - (heute aus optischen Gründen demontiert) 49,95
Antenne automatisch ohne Radio (53/2) - montiert wurde dann ein Blaupunkt Bamberg mit der Möglichkeit Diktate aufzunehmen - (heute: Becker Mexiko) 321,90
Lenkrad elfenbeinfarben (55/1) - (heute: Polsterplatte aus einer Flosse mit Chromrand, die mit cognacfarbenem Echtleder bezogen wurde) ohne Aufpreis
Kopfstützen links und rechts vorne (57/3)
199,80
Wärmedämmendes Glas, rundum, heizbare Heckscheibe, Verbundglas (59/0) 527,25
Klimaanlage Behr (58/0) 2.203,35
Verbandskasten (63/1) - (heute leider verlorengegangen) 27,75
Reifen-Weißwand und Alufelgen (64/2) - (Alufelgen heute aus optischen Gründen gegen Stahlfelgen und 108/9-Radkappen getauscht, Weißwandreifen zu Zeit leider nicht aufzutreiben) 1.332,00
Feuerlöscher (68/2) - (mittlerweile leider abhanden gekommen 44,40
Einbausatz für Autotelefon Becker AT 400 (21/0)
Telefon selber wurde dann bei der örtlichen Bosch-Niederlassung, Fa. Söffing, Unterrat, eingebaut (heute: Telefon bis auf den Hörer leider nicht mehr vorhanden)
Gesamtpreis:
9.751,35
Antenne für Autotelefon auf dem Dach (21/5) 233,10
Lautsprecher im Heck (81/1) 116,55
Radio Becker Mexiko 1.409,70
   
Summe der Sonderausstattung: 17.066,25
Grundpreis des Wagens 47.397,00
Gesamtpreis: 64.463,25

Die Ausstattung heute:

Ich habe den Wagen in folgenden Punkten "individualisiert", obwohl damit nicht mehr ganz original, aber - so meine ich - dafür umso schöner:

Eine Auswahl nächster Projekte:


Anekdoten:

Im Jahre 1995 nahm ich Kontakt zu dem Fuhrparkleiter von Thyssen, Herrn Hussels, auf. Dieser war außerordentlich freundlich und konnte sich noch gut (!) an den Wagen erinnern. Leider hatte er keinerlei Unterlagen mehr, lud mich aber zu einem Besuch in das Thyssen-Hochhaus (Thyssen-Zentrale) nach Düsseldorf ein. Diese Einladung nahm ich gerne an und so fuhr ich am 30.11.1995 mit unserem 6,3 nach Düsseldorf.

Zu meiner großen Überraschung erwartete mich dort nicht nur Herr Hussel, sondern auch ein sehr freundlicher, 84-jähriger Herr - Herr Hussels senior, der damalige Cheffahrer von Herrn Dr. Sohl. Mein 6,3 war ihm noch sehr gut in Erinnerung (Herr Hussels senior erkannte sofort meine vorgenommenen "Individualisierungsveränderungen") und viele Anekdoten wurden rund um den Wagen erzählt. So sind wohl alle namhaften Politikgrößen - mit Ausnahme des Kanzlers - damals in dem Wagen gefahren worden.

Zum Schluß erhielt ich noch ein Foto, welches meinen 6,3 und Herrn Hussels senior zeigt, als der Wagen "brandneu" war (aufgenommen in der Einfahrt der "Dr. Sohl-Villa"). Es war ein hochinteressanter und erfreulicher Nachmittag.

Herr Hussels, Cheffahrer von Herrn Dr. Sohl mit dem brandneuen Wagen 1972 wieder Herr Hussels, wieder derselbe Wagen, 23 Jahre später am 30.11.1995 vor dem Thyssenhochhaus (Thyssenzentrale) in Düsseld.

Resümee:

26 Jahre, dass verbindet - auch wenn er ein Bastard sein kann - immer diese kleinen nicht aufzufindenden Zipperlein und immer wieder neue und andere und so - und dann die Kosten............
Aber dennoch bin ich bisher immer jedem Angebot standhaft geblieben (26 Jahre verbinden eben), auch wenn ich schon mal ins Schwanken geriet - siehe oben => Bastard...............
Da ein 6,3 eigentlich immer eine "never-ending-story" ist, wird es vielleicht in Zukunft mal einen Fortschreibungsbericht geben.

Es gibt sie, die neue Story! Zum Fortschreibungsbericht hier clicken!

Zum Abschluß noch ein "Hilferuf":Als dieser letzte 6,3 vom Band lief, gab es eine kleine Abschiedsfeier und auf der Windschutzscheibe stand:
"Der letzte Mercedes 300 SEL 6,3"
Dabei wurden einige Fotos gemacht: Wer hat eins, kann eins auftreiben etc??? Es wäre für mich eine riesige Freude!!!

Markus Dürkes
Sackstr. 5
33165 Lichtenau-Husen

Erfahrungsaustausch / Kommentare gerne per mail an mmduerkes@aol.com

Letztes Update dieser Seite: 24.01.2003
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