Erfahrungen
mit dem "letzten" 6.3 und seine Mutationen
|
Manchmal sehne ich mich nach einem W 108: 280 SE - "ja spinnt der denn, hat den Top-of-the-Line-Wagen und sehnt sich nach der Basis?" Ja, manchmal, denn der normale W 108 hat: ¨
keine Luftfederung (geht kaputt und kostet....),
|
![]() |
Nachdem ich den ersten Teil des Berichts mehr der Geschichte meines 6.3 gewidmet hatte, hier einige Anmerkungen nun zum praktischen Leben:
Vorbemerkung mit anschließenden Fahrerfahrungen:
Aber
meistens bin ich ja doch begeistert: Er kann blubbernd (besonders, wenn man
das kleine Loch im Auspuff ganz bewusst nicht schweißt!) Cruisen, oder
den Tiger auspacken.......... und dann lässt er fast immer noch alles andere
Moderne einfach stehen - und das macht besonders Spaß bei breiten, tiefen,
bunten 3er BMWs, Calibars, Mantas (auch schon wieder selten...) usw.
Es ist immer noch und immer wieder sehr beeindruckend, wie mühelos er die
Kraft aus dem Ärmel schüttelt - aber ehrlich gesagt, ist er doch eigentlich
in bezug auf Fahrwerk, etc. übermotorisiert. Man könnte auch sagen,
dass er zuweilen vor Kraft nicht laufen kann. Beispielsweise beim Vollgasbeschleunigen
aus dem Stand. Dann bleibt man erst einmal stehen - dass einzige was sich regt
ist aufsteigender Rauch aus den hinteren Radkästen - um dann irgendwann
schwänzelnd abzuheben. Ich habe bis heute auch noch nicht begriffen, wozu
der erst Gang gut sein soll? Normalerweise fährt ein 6,3 im zweiten Gang
an. Lediglich, wenn man beim Vollgasbeschleunigen aus dem Stand auch noch den
Kickdown bemüht, geht's runter in den ersten, aber dann steht man ja erst
einmal und es steigt eben nur Rauch auf!!??.
Cruisen, ab und an mal einen zügigen Zwischenspurt, dafür ist er prädestiniert.
Rasen und Vollgasbeschleunigen mit Kickdown (und dem sich anschließenden
Spektakel) ist nicht wirkliche seine Sache und passt auch nicht zu seinem Stil.
Er kann es, wenn man ihn zwingt tut er es, aber weder er noch ich fühlen
uns dabei wohl - das können moderne Autos nun wirklich viel gelassener
und besser.
Die Kraftentfaltung und das dabei entstehende Feeling ist gerade beim 6,3 soviel
direkter und spürbarer als bei den Modernen (auch schon beim 6,9) und zum
Teil auch schnelleren Autos und macht eben deshalb gerade beim 6,3 viel mehr
Spaß. Denn es kommt ja nicht auf die tatsächlichen Werte (z.B. Höchstgeschwindigkeit)
an, sondern auf das Erlebnis - und das ist beim 6,3 erstaunlich, begeisternd,
oder eben "berauschend" wie Christian Steiger in der Motor-Klassik
Ausgabe 4/99 über den 6,3 einmal schrieb.
180 km/h auf der Autobahn macht er souverän und spielend, aber mehr muß es auch nicht sein, denn im Bereich der Höchstgeschwindigkeit (220 -230 km/h) bewegt sich der kleine Drehzahlmesser bereits im roten (!!!) Bereich. Der alte Herr muß sich aber nicht mehr beweisen...........und es bekommt ihm bestimmt auch nicht mehr!
Erfahrungen im Detail:
Die
Reifen: 195 VR 14 Typ 70 als Originalreifen steht im Brief und im Handbuch.
Nein, dass ist kein 195/70 VR 14 sondern muß mit dem 215/70 VR
14 verglichen werden und ein "kleinerer" Reifen (z.B. 205) ist vom
Werke auch nicht freigegeben.
Gut, wem ein TÜV-Prüfer trotzdem 205er eingetragen hat oder einträgt
- bei mir Gott sei Dank schon 1978.
Aber auch mit den 205er kommt man heute kaum weiter. In dieser Größe
gibt's die Michelin XWX noch und die kosten rund 1.000,00 Euro als Satz. Einzige
derzeitige Alternative sind Fuldas und die sind keine Alternative: Ich habe
sie gekauft und verflucht! Ab 120/130 km/h flattert das Lenkrad unerträglich,
trotz vielfachen und auch dynamischen Auswuchtens. Im Forum haben viele von
gleichen Erfahrungen berichtet.
Bridgestone hat die Produktion dieser Reifendimension leider gerade eingestellt.........Mal
sehen, ob man nicht auf 205/65 VR 15 umrüsten kann? Werde darüber
dann berichten.
Und dann war da Ende der Achtziger Jahre mal die Episode mit der Einspritzpumpe: Auf einer längeren Autobahnfahrt schoss auf einmal aus dem Öleinfüllstutzen der E-Pumpe jede Menge Öl: Danach trat dann für einige tausend Kilometer aus dieser Quelle alle 100km ca. 1 Liter Öl aus. Ich behalf mir zunächst damit einen Schlauch von der E-Pumpe zum Scheibenwaschbehälter (danach: Einspritzpumpenölauffangbehälter) zu verlegen. Öl ablassen, neues auffüllen, absaugen, usw., nichts half - aber auf einmal war dieses Phänomen wieder weg????!! Wer kann mir denn mal verraten, was das wohl war? Den Schlauch und die entsprechenden Anschlussstutzen führe ich seitdem immer noch mit.
Und was verbraucht nun so ein sportives Schlachtschiff? Na ja, es kommt ganz darauf an. Man kann ihn mit 15 Litern fahren, dass macht dann aber keinen Spaß, man kann ihn auch mit 24 Litern fahren - das macht dann aber auch keinen Spaß und die Nerven liegen blank. Wenn man ihn zivilisiert aber durchaus zügig fährt (z.B. bis 180km/h auf der Bahn) braucht man zwischen 17 und max. 19 Litern. Mein Schnitt liegt ziemlich genau bei 17 Litern. Dabei muß gesagt werden, dass meine Maschine und insbesondere auch die E-Pumpe noch nie überholt wurden und mittlerweile rund 290 Tkm gelaufen haben. Eine überholte E-Pumpe senkt den Verbrauch bestimmt spürbar. Mein Wagen läßt sich, z.B. um vernünftig zu laufen, im Leerlauf nicht mehr unter 10 % Co einregulieren!!?
Der Ölverbrauch liegt zwischen 1 bis 1,5 Liter pro Tausend km. Gerade bei der Laufleistung kann man dazu nichts sagen (lt. Bedienungsanweisung sind bis 3 L / 1000 km ok!!!)
"Mutationen":
Als "Letzter" hatte mein 6,3 natürlich auch alle vom Werk im Rahmen der Modellpflege vorgenommen Verbesserungen, aber auch "Verschlimmbesserungen" erhalten. Letztere z.B. in Form von: Moderner umschäumter Schalthebel (W116 Version), moderne mattschwarze Schaltkulisse (W116 Version), komplett schwarzer Innenspiegel, usw. Alles eigentlich 70er Jahre Einflüsse, die meines Erachtens nicht zu dem Stil des 60er Jahre Wagens passen. Trotz Eingriff in die Originalität (und dann auch noch bei dem "Letzten"!!! Ohoh) habe ich mich entschlossen, dass mein Stilempfinden siegt. Ich habe daher den Wagen z. T. im Detail optisch "gealtert" und auf die ganz frühe W 109 Serie umgebaut:
- Schaltkulisse
und Schalthebel in Chromausführung (frühe 108/109 Ausführung)
- Innenbeleuchtung (vorne und hinten) ganz frühe 108/109er Version (wie
auch in der Flosse oder im 190 SL)
- Vollchrominnenspiegel (hier sogar die Flossenversion, im frühen W 108/109
war nur der Fuß in Chrom)
- Holzfensterschlüssel um die Frontscheibe (frühe 108/109 Version)
- Die ab Werk montierten Alufelgen habe ich gegen Stahlfelgen mit Radkappe getauscht.
Obwohl gerade beim 6,3 die Alufelgen ja "original" sind (und fast
immer geordert wurden) gefallen mir auf W 108 / 109 ern eben nur Stahlfelgen
mit den Radkappen. Ab W 107, W 116, W 123 gefallen mir dagegen meistens die
Alus besser, aber erst ab diesen Baureihen.
![]() |
![]() |
![]() |
Darüber hinaus habe ich mir erlaubt, sogar einen Schritt weiter zu gehen (Puristen bitte spätestens jetzt wegschauen, oder Valium einnehmen).
- Immer
schon habe ich die Flossen um deren Lenkradnarbenpolster mit dem Chromreifen
beneidet. Deshalb habe ich mein elfenbeinfarbenes Lenkrad dergestalt "aufgewertet",
indem ich es auf eine "Flossenpolsterplatte" (mit Chromring) umgebaut
habe und die Polsterplatte der Innenausstattung entsprechend mit cognacfarbenem
Echtleder bezog (eigentlich gelogen, die Arbeit hat mein Freund Albert Gerold
erledigt - ich hätte mir die Fingerchen gebrochen!)
- Gelbe Nebelscheinwerfer, wie sie in den Fünfziger schick waren, fand
ich immer schon sehr edel. Also hat mein 6,3 nun die originalen Bosch-Nebelscheinwerfer
in gelber Ausführung statt in weißer
- "rote" und damit farblich homogene Rückleuchten (USA-Version)
zieren jetzt das Heck, die originale Nebelschlussleuchte dagegen jedoch nicht
mehr - ich fand, sie sieht aus wie aus dem Baumarkt, weshalb ich ganz auf sie
verzichte (und sie im Kofferraum spazieren fahre).
![]() |
![]() |
![]() |
Ab Werk war der Wagen nahezu mit dem gesamten Sonderausstattungsprogramm (Klima, ESSD, Radio, Telefon, elfenbeinfarbenes Lenkrad, Kopfstützen, etc) ausgerüstet, leider jedoch nicht mit Leder und den Leseleuchten in den C-Säulen.
Letztere
wurden natürlich bereits nachgerüstet, aber Leder.............Wenn,
dann kam für mich bei der dunkelgrünen Lackierung nur Bambus und besser
noch Cognac (mit den kleinen roten Punkten) in Frage und das auch noch in der
seltenen 109er Aufführung. Wenn man dann eine entsprechende Ledergarnitur
angeboten bekommt, kam sie logischerweise aus einem Schlachtwagen, der dann
viele Hundertauschend Kilometer hinter sich hatte - und so sieht das Leder dann
meistens auch aus! Zudem fehlt doch immer irgendetwas (Fensterschlüssel,
B-Säule, Teppichsatz......)
Durch Zufall bekam ich Kontakt zu einem ältern Herrn aus Düsseldorf
der angeblich eine supergute 109er - Lederausstattung in cognac (!) habe (und
die sei sogar noch in seinem von ihm 1971 neu gekauften 300 SEL 3,5 eingebaut
und somit garantiert komplett). Preisvorstellung DM 2.000,--. Das war 1997.
Aber Hauskauf etc. kam dann bei mir dazwischen. Ab und an musste ich an diese
verpasste Chance wehmütig denken.
Bei Aufräumarbeiten über Weihnachten 2001 fiel mir dann zufällig
die Telefonnummer des damaligen Anbieters wieder in Hände. Mehr aus Neugier
denn aus Hoffung (es waren ja 5 Jahre vergangen) wählte ich die Nummer.
Ich mache es kurz: Die Lederausstattung war noch da!!!!!!!! Preisvorstellung
1500,00 DM, mit dem Originalteppichsatz DM 1.700,00. Am folgenden Wochenende
fuhr ich dann mit Big Mäc nach Düsseldorf. Der 3,5 stand seit Jahren
unbewegt in einer engen Tiefgarage und der Wagen selber war wirklich hin. Ich
wollte deshalb die Ausstattung schon gar nicht mehr ansehen, aber .........die
tatsächlich noch komplett eingebaute Inneneinrichtung war Zustand glatt
2 und die roten Punkte sogar fast alle noch da - Dank geschmeidiger Schonbezüge.
Bis auf die Schwellerteppiche war sogar der Teppichsatz top - Dank Kokosmatten.
An den darauf folgenden Wochenenden habe ich dann zusammen mit Albert Gerold die vorhandene und mittlerweile recht verschlissene beige Veloursausstattung gegen die wunderschöne, "neue" Lederausstattung getauscht (vorher hatte ich sie tagelang gepflegt und gefettet). Dabei haben wir natürlich die originalen Hölzer der Velours-Türverkleidungen umgebaut. Die verschlissenen cognacfarbenen Schwellerteppiche konnte ich mit Originalmaterial neu anfertigen lassen.
Allerdings störten mich dann immer noch die schwarzen Armaturenbrettpolster. In den W111 Coupes, in denen das Armaturenbrettpolster in der Farbe des Leders gehalten ist, sieht dies viel edeler aus. Also wieder Bruch bei der Originalität (Puristen bitte spätestens jetzt Valium nehmen): Ich habe die Armaturenbrettpolster in cognac seidenmatt einfärben lassen. Der Effekt ist meiner Meinung nach überragend. So ganz unoriginal ist's auch nicht, die ganz frühen W 108 / 109 hatten zum Teil auch helle / sandfarbene Armaturenbrettpolster!
![]() |
![]() |
Eine Auswahl nächster Projekte:
- Gardienen
für die Heckscheibe und eventuell sogar für die Fondtüren auftreiben
und dann einbauen (wer welche unbedingt verkaufen will - melden.............)
- Ein Becker AT 400 - A-Netz Telefon, Bj. 72, auftreiben und einbauen (wer eins
hat.................)
- Fußstützen für Fondsitze anfertigen
- Die Technik weiter optimieren - wobei beim 6,3 die Mängelliste irgendwie
nie kürzer wird - immer wieder nur anders!?
- "Dreiecksparkleuchten" der Halogenscheinwerfer reaktivieren: die
späten waren nur noch Dummies, Parklicht war dann im Fernlichtscheinwerfer
integriert
- Vielleicht mal über Picknicktische nachdenken.............
"Erlebnisse":
Nachdem die erste Story über meinen letzten 6,3 hier auf www.m-100.de und in den Flosskeln erschienen war, wurde die Welt klein:
1. Da meldete sich doch ein freundlicher Zeitgenosse aus Sindelfingen, der sagt, der Wagen wäre doch dunkelgrün gewesen - ja war er - ja er könne sich an den Wagen erinnern. Er habe im Sept. 1972 bei Daimler einen Ferienjob gehabt und war dabei, als der letzte 6,3 vom Band lief...........Es hätte auf der Windschutzscheibe gestanden:
"Der letzte Mercedes 300 SEL 6,3"
und
es habe eine kleine Abschiedsfeier gegeben - wenn ich jetzt davon noch ein Foto
bekommen könnte.............(bitte mailen!)
Einige Tage vorher hätte Tony Marschall noch seinen 6,3 abgeholt, der sei
außen knallgelb und innen Leder dunkelblau gewesen, na ja wem´s
gefällt!
2. Einige Tage später meldet sich noch jemand, der sich ebenfalls wage an den Wagen erinnern konnte. Als kleiner Junge war er 1972 "der Nachbar" von Sohls (wir erinnern uns: Dr. Sohl, damaliger Vorstandsvorsitzender von Thyssen, war Ersteigentümer meines 6,3) und habe immer bei Sohls gespielt, dort habe immer so eine große dunkelgrüne Mercedeslimousine gestanden.............
Markus
Dürkes
Sackstr. 5
33165 Lichtenau-Husen
Erfahrungsaustausch / Kommentare gerne per mail an mmduerkes@aol.com
Letztes
Update dieser Seite: 24.01.2003
(C)
HR