MERCEDES-BENZ 450 SEL 6.9
Ausstattung:
Tempomat, Scheinwerferreinigungsanlage, Automatikantenne, rechter Außenspiegel,
Niveauregulierung, Automatik, elektrische Fensterheber, elektrisches Schiebedach,
Servolenkung, Zentralverriegelung, Armlehne vorne + hinten, Drehzahlmesser,
Gepäcknetze hinten, Fanfare
Sonderausstattung: Leseleuchten im Fond, Feuerlöscher, Wegfall Typkennzeichen,
Leder Bambus, Autotelefon (Rest), Radio "Becker Mexico Cassette Vollstereo"
(letzter Chromjahrgang), Leichtmetallräder
Historie:
Erstzulassung: 29.7.1976
Der Erstbesitzer, das Ingenieurbüro Plamont GmbH aus Essen, bestellte den
Wagen am 18.6.75 bei der dortigen Mercedes Niederlassung Lueg. Der Preis betrug
74.644,17 DM. Beim Stande von ca. 92.800 km wurde der Wagen 1980 für 31.000
DM an die Schonlau-Eisenwerke in Geseke als Geschäftswagen verkauft.
Bei ca. 180 000 km 1985/86 wurde der Wagen bei der renommierten Karosseriewerkstatt
Deppe in Lippstadt komplett neu aufgebaut und bei der dortigen Firma Falkenrich
von DB 735 "Astralsilber metallic" in DB 904 "Dunkelblau"
umlackiert. Gesamtkosten ca. 20.000 DM.
Bei ca. 195.000 km 1987 wurde aufgrund eines Kurbelwellenlagerschadens der Motor
komplett bei der Firma Berger in Paderborn revidiert (neue Kolben, Ventile,
Lager, usw.).
Kosten der Motorüberholung ca. 12.000 DM, zuzüglich Ein- und Ausbau
4.000 DM. Ende der 80ér wurden zusätzlich die Niveauregelventile
der Hydropneumatik überholt. Anfang der 90ér wurde der Wagen mit
etwas über 200.000 km verkauft. Der Wagen wurde vom jetzigen 5. Besitzer
für 12.000 DM incl. vieler Ersatzteile unfallfrei gekauft. Das Fahrzeug
wurde aufbereitet und mit dem originalen "Becker Mexico Cassette Vollstereo"
ausgerüstet. Der Wagen wurde als "Kanzlerfahrzeug" von Willy
Brandt in der RTL-Serie "Kanzler-Krisen-Koalitionen" (Sendetermin:
27.8.2002) eingesetzt
Ein Stern am Set - der 450SEL
6.9 im Film
Wieder einmal ist ein W 116 aus dem Mitgliederkreis der DAIMLER-BENZ W 116 INTERESSENGEMEINSCHAFT zu Dreharbeiten einer Dokumentarreihe als ehemaliges "Kanzlerfahrzeug" in den Vordergrund gerückt. Und so geschah es;
am Montag den 27. Mai gegen 14 Uhr klingelte
mein Handy. Ein Herr Busch von der Produktionsfirma "Center TV" in
Köln meldete sich und fragte an, ob wir ihm einen schwarzen W 116 als "Kanzlerfahrzeug"
vermitteln könnten.
Es war vorgesehen, für eine 45minütige Dokumen-tation mit dem Arbeitstitel
"Kanzler, Krisen, Koalitionen" die Spielszene "Willi Brandt erfährt
von der Enttarnung seines Beraters Guillaume als DDR-Spion (24. April 1974)"
auf dem Rollfeld eines Flug-hafens nachzustellen. Der Drehtermin sollte zwischen
dem 5. und 10. Juni liegen. Drehort sollte ursprünglich der Düsseldorfer
Flughafen sein.
Hierauf habe ich Herrn Busch gebeten, mir
sein Anliegen kurz schriftlich per Fax zuzusenden und mich daraufhin um die
Angelegenheit zu kümmern.
Zuhause habe ich mir dann alle Unterlagen zum Bestand unserer Mitgliederfahrzeuge
vorgenommen und dauraufhin festgestellt, daß wir keinen schwarzen W 116
im Bestand haben.
Den letzten adäquaten schwarzen W 116 hatte Jörg Ratjczak aus Berlin
bis 2000 in seinem Besitz. Es war ein 350 SEL aus prominentem Vorbesitz, mit
Standartenaufnahme und allem was wir hier gebraucht hätten. Aber leider,
dieses Auto gibt´s nicht mehr.
Nun war guter Rat teuer und ich rief Herrn Busch an, um ihm mitzuteilen, daß wir leider keinen schwarzen 116er anbieten könnten. Zum Glück teilte mir Herr Busch mit, daß es auch ein dunkelblauer 116er sein könnte und hierzu hatte ich dann die Erleuchtung;
zu einem unserer Krefelder Stammtische erschien im August letzten Jahres zufällig der Besitzer eines 904 Dunkelblauen 450 SEL 6,9 in supergepflegtem Originalzustand. Von diesem 6,9er hatte ich auch noch Fotos gemacht, sodaß ich mir diese nochmals anschauen konnte.
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Da der Besitzer, Markus Warncke, bis dato noch kein Mitglied der I.G. war, hatte
ich mir auch seine Adresse notiert.
Und nun wurde mir klar - dieses Auto war es.
Umgehend nahm ich mit Markus Warncke Kontakt
auf, sprach auf seinen Anrufbeantworter, bat um Rückruf und schickte ihm
noch eine e-mail.
Es dauerte nicht lange und Markus rief zurück.
Ich schilderte ihm die ganze Geschichte und er erklärte sich sofort bereit,
sein Auto für die Dreharbeiten zur Verfügung zu stellen.
Dann rief ich Herrn Busch wieder an und teilte ihm das Ergebnis mit, mailte
ihm ein Foto von dem ausgewählten Fahrzeug und bat ihn gleichzeitig, sich
direkt mit Markus Warncke in Verbindung zu setzen, um alle Details mit ihm abzuklären.
Jetzt war eigentlich alles geklärt, bis auf den Drehtermin. Der Drehort war inzwischen aus genehmigungstechnischen Gründen vom Düsseldorfer auf den Dortmunder Fughafen Holzwickede umdisponiert worden. (Düsseldorf wäre uns lieber gewesen, da Markus in Dormagen wohnt und wir nicht soweit hätten fahren müssen).
Am Freitag den 7. Juni erhielt ich von Herrn Busch den Anruf, daß der Drehtermin für Sonntag den 9. Juni, ab 8.45 Uhr, angesetzt wäre. Natürlich wollte ich bei dem Dreh dabei sein, um diesen Bericht schreiben und auch Fotos machen zu können. Zudem hatte Herr Busch mir im Vorfeld angeboten, eine "Komparsenrolle" als Fotograf bei diesem Dreh auszuüben.
Am Sonntagmorgen trafen wir uns dann alle am Dortmunder Flughafen. Das gesamte Filmteam, einschließlich Schauspieler, Komparsen, Requisiten und unserem "Szeneobjekt" W 116 versammelten sich auf dem Rollfeld hinter dem Verwaltungsgebäude.
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Während die Schauspieler und Komparsen
eingekleidet und geschminkt wurden, baute das Filmteam die Kamera und die Beleuchtung
auf.
Dazwischen gibt es für alle ein Frühstück.
Das "Kanzlerfahrzeug", bestückt mit dem Kennzeichen 0 - 2, stand schon neben der Gangway auf dem Rollfeld in Position bereit.
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Aufgrund strahlendem Sonnenschein war eigentlich das Dunkelblau von Schwarz überhaupt nicht zu unterscheiden. Und das wir statt eines 450 SEL einen 6,9er hingestellt hatten, fiel auch niemandem auf, da am Heck keine Schriftzüge vorhanden waren.
Da stand er nun, der "Kanzlerwagen". Sauber glänzend, Innen mit Leder Bambus, 4 Kopfstützen, mit originalem B-Netz-Telefon und B-Netz-Antenne - ein echtes Diplomatenfahrzeug, dem nur noch die Standarte fehlte. Leider!
Nachdem die Schauspieler als Willi Brandt und Kanzlerberater zurecht gemacht waren, kamen die Komparsen als Grenzschützer, Leibwächter, Chauffeur, Reporter und Fotografen an die Reihe, um eingekleidet und geschminkt zu werden. Da alle im Look der 70er Jahre eingekleidet werden mußten, erhielten die Fotografen ein für heutige Zeiten recht ungewöhnliches "Outfit". Rosa und hellgrüne Hemden, hellblaue Rollkragenpullover, beige karierte Hosen und Sakkos waren nur einige der "poppigen" Kleidungsstücke aus dieser Zeit.
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In Anbetracht dieses Outfits kriegten sich alle vor lauter Lachen fast nicht mehr ein. Man muß es gesehen haben.
Nachdem alle Beteiligten bereit waren für den Dreh, ging es auf Position oder im Filmjargon ausgedrückt ans Set.
Als erstes folgte der Dreh einer Szene mit dem Kanzlerberater der wartend neben dem Kanzler-fahrzeug steht. Vor und hinter dem Fahrzeug stehen die Leibwächter. In der nächsten Szene steht der Kanzler auf der Gangway - aus dem Flugzeug kommend - geht hinunter und wird vom Kanzlerberater empfangen und über die Situation informiert.
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Es folgt der Dreh der Szene mit den wartenden Fotografen und Reporter, die hinter den Grenzschützern stehen.
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Alle Szenen wurden zwei-, drei- oder sogar viermal gedreht, bevor Regiesseur und Produktionsleiter den Dreh für erledigt erklären.
Kamera und Beleuchtung müssen für
jede Einstellung und jeden Dreh umgesetzt werden.
Das gibt immer wieder eine kleine Verschnaufpause für die Darsteller und
die Möglichkeit der heißen Sonne einen kurzen Moment zu entfliehen.
Schließlich zeigte das Quecksilber 27 Grad an. Für die Maskenbildnerin
gab es zwischendurch auch imme rwieder Arbeit. Bei den Darstellern mußte
Schweiß auf der Stirn abgewischt und neues Make-Up aufgetragen werden.
Auch war eigens für diesen Dreh ein echter Chauffeur engagiert worden, der vor seiner Pensionierung als Vorstandsfahrer tätig war. Dieser Mann paßte hervorragend als Chauffeur zu unserem 116er.
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Nachdem die Szenen mit den Fotografen abge-schlossen waren, konnten sich diese Komparsen wieder ihrer Filmkleidung entledigen und in ihre wohl bequemeren Sachen schlüpfen. Da es schon weit nach Mittag war, wurde eine Pause zum Mittagessen eingelegt. Hierfür hatte das Filmteam warmes Essen vom Cateringservice des Flughafens kommen lassen.
Nach dem Essen wurden die Dreharbeiten mit
den Szenen des Kanzlers am und im Auto fortgesetzt. Markus Warncke kam auch
desöfteren zum Einsatz, indem er mal die vordere rechte Kopfstütze
ausbauen und wieder einbauen mußte, oder eine geeignete Position für
das Innenraummikrofon mit auswählen mußte.
Anonsten konnte Markus relaxt im Schatten sitzen oder ein paar Fotos für
uns machen.
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Der Drehtag hat sich dann noch bis in den
späten Nachmittag hinausgezogen. Und nachdem die Dreharbeiten beendet und
alles zusammengepackt war, konnten alle mit diesem Tag mehr als zufrieden sein.
Es hat wohl allen dieser Drehtag gefallen, denn der lief so harmonisch und ruhig
ab, daß man fast gar nicht den Eindruck hatte beim Film zu sein, da dort
bekanntermaßen eigentlich Hecktik, Streß und Aktion herrschen.
DAIMLER-BENZ W 116 INTERESSENGEMEINSCHAFT
Autor: Hermann Menzebach
Erfahrungsaustausch / Kommentare
gerne per mail an Markus.Warncke@uni-duesseldorf.de
Letztes Update dieser Seite: 09.11.2002
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